Abflug ins Abenteuer

“Oben” von Pete Docter

Up 1

Wenn für die meisten der ruhige Teil des Lebens beginnt, beginnt bei dem 78-jährigen Carl das Abenteuer erst recht. Nach dem Tod seiner Frau Ellie macht er sich auf, ihren gemeinsamen Lebenstraum zu erfüllen. Auf ziemlich unübliche Art und Weise.

Von Susanna Valentin.

Nicht, dass sein Leben vorher ereignislos gewesen wäre. Eine grosse Liebe hat ihn von Kindesbeinen an mit der kecken Ellie verbunden. Auch sie schwärmte Zeitlebens vom grossen Forscher Charles Muntz und beide wollten sie auf dessen Spuren den Wasserfall Paradise Falls entdecken und träumten davon, sich in dessen unmittelbarer Nähe in ihrem Häuschen niederzulassen. Eine wunderbar erfüllte Liebe also, nur dass dem grossen gemeinsamen Abenteuer immer etwas dazwischen kam.

Aufwärts

Nach dem Tod seiner Frau sieht Carl Fredricksen keine Freude mehr in seinem Leben. Er klammert sich an sein kleines Häuschen und die Erinnerungen, die es in sich birgt. All die kleinen Dinge, welche ihn an seine geliebte Ellie erinnern, hütet er wie einen Schatz. Das Alleinsein fällt ihm schwer, die Welt nervt ihn wahnsinnig und insbesondere die Bauherren, die sein schmuckes Häuschen abreissen wollen. Nach einem unschönen Vorfall flattert denn auch ein Gerichtsbeschluss ins Haus und damit der Befehl, fortan im Altenheim zu leben. Doch Carl hat andere Pläne. Der unerfüllte Lebenstraum, die Reise zum traumhaften Wasserfall im Amazonas, soll nun endlich erfüllt werden. Über Nacht verzaubert der ehemalige Ballonverkäufer sein morsches Häuschen mit abertausenden von Ballonen in ein riesiges, farbenprächtiges Flugobjekt. Dies hebt auf wundersame Weise ab und so entkommt Carl der staatlichen Gewalt.

Frankly 1.jpg

Frankly 1.jpg

Nicht geplant allerdings war dem Mitflug des jungen Pfadfinders Russel. Dieser klammert sich an die Veranda des schwebenden Häuschens und wird nur unter grossem Zähneknirschen von Carl eingelassen.  Diesem bleibt nun nichts anderes übrig als die sonnige Quasselstrippe zu ertragen. Sogar am eigentlichen Ziel der Reise, bei den Wasserfällen, bleibt Carl ungnädig. Dass sich Russel sofort mit einem übergrossen, bunt schillernden Vogel anfreundet, der ebenso wie er auf Schokolade abfährt, macht die Sache nicht einfacher. Als dann auch noch sprechende Hunde auftauchen, geht das Abenteuer erst richtig los.

Hohes Niveau

Mit “OBEN” hat Pixar nach all den vergangenen Erfolgen einen weiteren unterhaltsamen Streifen geschaffen. Zwar hält dieser nicht ganz mit seinen Vorgängern mit, zeigt aber auf unverkennbare Weise, wie abwechslungsreich und originell im Hause Pixar gearbeitet wird. Mit einem alten Mann im Zentrum des Geschehens wird dem Zuschauer gute Unterhaltung geboten. Schliesslich arbeiteten in der Hochphase fast 70 Animatoren an “OBEN”, insgesamt bestand die Pixar-Crew des Films aus 375 Personen. Wahnsinnige Arbeit, die sich glücklicherweise gelohnt hat. Mit den sprechenden Hunden muss man sich nicht gezwungenermassen anfreunden, es gibt auch sonst genug zu sehen. Die Bilder sind wunderbar animiert, der 3D-Effekt verleiht den teilweise knallbunten Szenen die nötige Intensität.

Die Geschichte selbst ist nicht nur komisch, die herzbewegende Liebesgeschichte zwischen Carl und Ellie verleiht ihr einen besonderen Tiefgang. Dennoch kann viel gelacht werden. Mit dem quadratschädligen Carl und dem runden Russel hat Fred Docter ein wirklich spassiges Duo auferstehen lassen. Nicht nur das, für Pixar-Kenner gibt es ein paar delikate Einschübe: So bekommt Carl beispielsweise bei Forscher Charles Muntz das Jakobsmuschel-Gericht aus “Ratatouille” serviert.

Ein besonderes Zückerchen bekommt der Kinobesucher mit dem Kurzfilm “Teilweise wolkig” vorgesetzt. Der erste Lacher ist damit schon vor dem eigentlichen Filmstart garantiert.


Seit dem 17.September 2009 im Kino.
Originaltitel: Up ( 2009)
Regie: Pete Docter
Stimmen (deutsche Fassung): Fred Maire, Maximilian Belle
Dauer: 102 Minuten (inkl. Kurzfilm “teilweise wolkig”)
CH-Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures

Im Netz
Offizielle Website mit Filmbeschrieb und Trailer


Ihre Meinung

Sagen Sie uns, was Sie denken