The Notwist heizen den Südpol ein

Bild: experimentalrock.wordpress.com/.../the-notwist/
The Notwist, Südpol Kriens, 27.3.2010
In Indie-Kreisen schon lange gefeiert, schafften The Notwist spätestens seit ihrem 2009 erschienenen Album „The Devil, You + Me“ den ganz grossen Durchbruch. Gewohnt zugeknöpft, gewohnt laut und gewohnt genial präsentierten sich die Weilheimer im Luzerner Südpol. Ein musikalischer Genuss sondergleichen!
Die steigende Beliebtheit und der grosse internationale Erfolg von The Notwist liessen eigentlich eine randvolle Konzerthalle erwarten. Erstaunlich wenig Zuschauer schienen jedoch den Weg nach Luzern auf sich zu nehmen um einen unvergesslichen Konzertabend mit den Weilheimer Tausendsassa zu erleben. Ein Blick auf die Bühne liess bereits vor dem Konzert Grosses erwarten: Neben unzähligen Effektgeräten, einem Plattenspieler, Drums, Glockenspiel und Keyboard entdeckte man im gedämmten Licht noch viele weitere Gadgets, deren Handhabung und Namen dem Gros der Zuschauer wohl gänzlich unbekannt war. Ohne Begrüssung betraten die 5 Jungs die Bühne und starteten den fulminanten Abend mit dem Opener „Good Lies“, welcher allerdings noch vergleichsweise ruhig blieb und ohne musikalische Ausschweifungen in Originallänge gehalten wurde. Doch schon beim zweiten Song „Pick Up The Phone“ wurde die Lautstärke hochgefahren und ein dröhnendes Fadeout mit eindrücklicher Laserinszenierung liess einem (nicht zum letzten Mal an diesem Abend) die Nackenhäarchen hochschnellen. Zum ersten Mal wandte sich danach Sänger Markus Acher mit den Worten „1000 Dank“ ans Publikum, auf weitere Ansagen wird an diesem Abend dann aber verzichtet. Gespannt lauschte das Publikum der sich aufbauenden Dynamik in den Songs und der raffinierten Klangwelt, welche wohl nur wenige Bands zu schaffen fähig sind.
Die Band selbst wirkte während dem ganzen Abend sehr konzentriert und tauchte tief in die Songs ein. Die Lautstärke und Wucht in den elektronischen Ausbrüchen wurde jeweils zu einer gewaltigen musikalischen Wand aufgebaut und erreichte beim Song „This Room“ aus dem 2002 erschienenen Album Neon Golden seinen Höhepunkt. Ein zehnminütiges Aufeinanderprallen von Gitarrenloops, Glockenspiel, treibenden Bässen, Markus Achers zerbrechlicher Stimme und jeglichen Elektro-Schnipseln liess das Publikum in Trance versetzen. Vor allem Martin Gretschmann an den Elektrogeräten lief dabei zu Hochform auf. Seinem Pseudonym Console machte er an diesem Abend sowieso alle Ehre, bediente er seine Instrumente doch grösstenteils mit zwei zweckentfremdeten Wii-Fernbedienungen. Nicht minder spektakulär schien aber auch das Streichen des Glockenspiels mit zwei Geigenbogen, obwohl das daraus erzeugte Geräusch in der ganzen Klangkulisse kaum mehr auszumachen war. Neben den obligaten Hits der jüngsten Alben „The Devil, You + Me“ und „Neon Golden“ schlichen sich zur grossen Freude des Publikums auch einige rockigere Titel wie „Day 7“ aus früheren Notwist-Zeiten ins Programm. Genau so raffiniert und ausgeklügelt wie ihre Musik ist, wurde auch der musikalische Spannungsbogen an diesem Abend äusserst fein durchdacht. Als die Jungs nach etwas mehr als einer Stunde die Bühne verliessen, war daher wohl jedem klar, dass dieses Konzert so nicht zu Ende gehen kann. Zum Abschluss, unterteilt in zwei Zugaben, wurden nochmals ganz grosse Hits wie „Consequenz“ aufgetischt und rundeten den Auftritt in vollkommener Weise ab. Leider sind für dieses Jahr keine weiteren Notwist-Konzerte in der Schweiz geplant, doch werden die Erinnerungen an diesen grossartigen Konzertabend ganz bestimmt noch lange anhaften und uns bis zum nächsten Auftritt über die Runden bringen.







