Die stilisierte Prügelgosse

Mortal Kombat (NetherRealms Studios/Warner Bros. Interactive Entertainment)

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Manche Eltern sollen ja immer noch warnend mit erhobenem Zeigefinger am Balkon stehen und skandieren: „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!“ Die Kinder, die sich darüber zutiefst erschreckt zeigten, kehrten in sich und wurden später Street Fighter IV-Spielerinnen. Die anderen stellten sich taub, streckten den Erzeugern gar die Zunge heraus und vertrieben sich später die Zeit mit…ja, richtig: Mortal Kombat.

Von Rudolf Inderst (der in dieser causa stets ein ungehorsamer Bengel gewesen ist).

Frisch als Import besorgt, denn die Ware Mortal Kombat fühlt sich offensichtlich auf dem deutschen Markt nicht sonderlich wohl, findet das Spiel bei mir natürlich ein sich sorgendes Zuhause. Die 9. Reinkarnation der Serie war bereits Anfang 2009 Thema – der exponierte Mann hinter der Reihe, Ed Boon, gab wenige Monate später per Twitter Bescheid: Mortal Kombat ist zurück. Und der kommende Titel sollte nichts mit dem schöngewellten Vorgänger Mortal Kombat VS. DC Universe zu tun haben. Knochen und Blut – so ist´s gut.

Und weil alles irgendwann wieder von vorne anfangen muss, entschied man sich diesmal bei NetherRealm Studios für einen hippen Reboot. Teil 9 bietet im Grunde Teil 1 bis 3 reloaded – und das erfreut prügellustige Freunde von Frau Blade und Herrn Cage. Für sie gibt es wieder reichlich zu tun: Neben einem Storymode und einem klassischen „Klettere die Leiter hoch“-Modus, kann man natürlich fleißig trainieren – auch die berüchtigten Fatalities. Auch an Minispielen kann der geneigte Solist sich wagen: Test your Might, Test your Sight, Test your Strike, Test your Luck und zahlreiche Herausforderungen im neuen Challenge Tower.

Aber wir sollten uns natürlich die klassische Frage stellen: Was macht mehr Spaß? Den Monitor anbrüllen? Ihm sagen, „wer jetzt der Chef im Ring ist“? Oder aber dem besten Freund (soon to be ex!) Bescheid sagen, dass er ein „verdammt blöder Vollpfosten“ sei und seine Mutter es am besten mit Ziegen treiben solle? Eben. 1 gegen 1. Sonst nichts.

Machen wir uns nichts vor: Spielmechanik-Sieger wird Mortal Kombat nicht werden. Muss es aber auch nicht. Denn Spaß macht der Titel so und so. Auch, wenn immer wieder allen Ortens zu hören und lesen ist, dass das Spiel ohne die blutigen Fatalities seinen kompletten Charme verlieren, ist dies nur bedingt richtig. Die Spielserie hat sich durch ihre digitalen Ableger und auch die Spielfilme sowie die TV-Serie ein flickenhaftes Trashuniversum geschaffen, das von den Charakteren durchaus getragen wird.

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Der Hype um Mortal Kombat hat sich in seiner Endmanifestation in ein Spiel verwandelt, das abseits vom bierernsten Turnierbetrieb eines Street Fighter IV sehr viel Spaß macht und Freundschaften konsequent beendet. Gut so.


Bereits erschienen.

Originaltitel: Mortal Kombat
Plattform: Xbox 360, Playstation 3
Entwickler: NetherRealm Studios
Vertrieb: Warner Bros. Interactive Entertainment
Genre: Züchtigungssimulator
Altersempfehlung: Ab 18 Jahre

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