Von Christof Zurschmitten · September 2010

Viel, viel später liegt der erste Versuch, auf Worte Taten folgen zu lassen, nun vor. Und es geht darum um die herrlich verschwrubelten Spiele von Amanita Design, Holz und Rost und eine “Ästhetik des verherrlichten Zerfalls und der zerfallenden Herrlichkeit”, die Amanita Design als Erbe einer sehr besonderen tschechischen Animationsfilm auszeichnet.

Ganz naiv sei aus aktuellem Anlass gefragt: Kann in Zeiten globalen Hypes wirklich noch lokale Kinopolitik betrieben werden?

Am NIFFF werden nicht nur Filme gezeigt – an der Randveranstaltung “Imagine The Future” wird auch heftig debattiert, über nichts weniger als die Zukunft. Hauptsächlich geht es dabei um das Digitale Bild im Film, ein wenig Platz bleibt aber auch für die Diskussion des Computerspiels. Dieses Jahr war das eine ganz und gar ernsthafte Angelegenheit.
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Am Samstag versuchten sich gleich zwei Beiträge aus verschiedenen Ecken der Welt an der Verschmelzung von Knüppelei und Klamauk: Doch trotz vielversprechender Ansätze blieben sowohl der thailändische “Raging Phoenix”, der Muay Thai mit Breakdance zusammen bringt, als auch das Hong Konger Geronten-Gekloppe “Gallants” hinter den Erwartungen zurück.
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Am Freitag schickt Frankreich einen Trupp Soldaten in die Wüste – wo sie einen der besten und stillsten Horror-Trips des NIFFFs 2010 erleben. Stille gebietet auch der Film “Murderer”, über den man nicht viel sagen darf, ausser: Er ist, einer verschrobenen Logik folgend, der konsequente nächste Schritt für den Hong Kong-Thriller.
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Am Donnerstag ging’s härter zur Sache in Neuchâtel: Im Internationalen Wettbewerb nimmt sich in “Dream Home” eine resolute Mieterin selbst der Wohnungskrise in Hong Kong an. Die Krise kriegen kann man allerdings auch, wenn man Zeuge werden muss , wie Shinya Tsukamoto mit “Tetsuo – The Bullet Man” seinen eigenen Mythos untergräbt.
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Michael Winterbottoms Psychopathen-Portrait “The Killer Inside Me” hat seit seiner Premiere an der Berlinale an allen Ecken und Enden für rauchende Köpfe und hitzige Diskussionen geführt. Auch am NIFFF 2010, an dem er gezeigt wird, wusste er die Gemüter zu bewegen – zwei Meinungen zum Film und seiner Fragwürdigkeit.

Ans NIFFF zurückzukehren ist jedes Jahr ein wenig, als würde man einen alten Bekannten besuchen. Mehreren zehntausend Besuchern zum Trotz wirkt das Festival am Neuenburger See immer noch, als werde es von einer elend verschlissenen, aber erzbequemen Couch aus organisiert – die Aura des Improvisierten, des Handgemachten und die Von-Fans-für-Fans-Attitüde bleibt bei allem Wachstum ungebrochen.

Zeit also, den fiktionalen Mixer anzuwerfen: Ein Agententhriller unter Zombies? Eine Untoten-Apokalypse mit Spionagehintergrund? Warum eigentlich nicht beides?

Der Altmeister des donnerenden Cyberpunk entdeckt die Stille: Mit “Vital” schaffte Shinya Tsukamoto anno 2004 auf seine gewohnt kompromisslose Art einen ungewohnt meditativen Film über Tod, Erinnerung und Liebe.
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In einem Gastartikel beleuchtet Rudolf Inderst vom “Titel-Magazin” aus diversen Perspektiven die Frage danach, warum “Du” im Computerspiel gemieden wird.
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„Prince of Persia: The Sands of Time“ ist ein ordentlicher, ambitionsloser Blockbuster, in dem ein Gassenjunge sich zum Retter der Welt aufschwingt. Das ist weder im Guten noch im Schlechten sonderlich der Rede wert. Gute Geschichten bietet er dennoch – man muss bloss etwas tiefer blicken.

Der Fehdehandschuh ist geworfen, jetzt folgt die Begründung. Oder: Warum jemand, der jetzt noch über Games bloggen will, es eigentlich besser wissen sollte. Und warum er es dennoch nicht tut.

Der koreanische Western “The Good, The Bad, The Weird” sucht das Duell mit dem seelenlosen Sommerblockbuster und fährt schweres Geschütz auf: Doch als sich nach viel Gewummere, Gedöhns und Rawumms der Rauch lichtet, steht der Sieger fest: der Glaube ans Gute im filmgewordenen Knabentraum ist wiederhergestellt.
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Am 18.03.2010 beschloss der Ständerat, zwei Motionen mit demselben Thema an den Bundesrat weiter zu reichen: Die Besorgnis angesichts so genannter „Killerspiele“. Während die Motion Hochreutener durchaus vernünftig eine verschärfte Kontrolle der Einhaltung bereits bestehender Altersempfehlungen vorsieht, schlägt die Motion Allemann über alle Stränge des Zumutbaren. Dies ist umso inakzeptabler, als sie offensichtlich auf der prekären Basis diffuser Ängste statt harter Fakten gebaut ist. Zwei Thesen zur Motion und eine dazu, warum es wichtig ist, einen Unterschied zu machen.

Coming of Age-Story, Verwechslungskomödie, Gender Bending, Karate-Flick, Sozialfarce, Milieustudie, High School-Romanze, Splatterorgie, Grand Guignol und und und und und: Sion Sono fasst mit „Love Exposure“ in knapp vier Stunden mehrere Jahrzehnte japanischer Pop-Kultur zusammen und führt sie zugleich zu einem Höhepunkt. Mit einem Wort: Wahnsinn.
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