
Das dreizehnte Fensterchen wird arg strapaziert. Es mag kaum im Zaum zu halten, was da von innen alles gegen das eiskristallgezierte Glas drängt: Ein wenig Schabernack. Ein paar aufs Maul. Und etwas für die Seele. Viel Blut. Viel davon Herzblut. Und jede Menge Katholizismus. Öffnen wir das Fenster also in besinnlicher Laune und gehen in Deckung vor allem, was daraus hervorkullern mag…

Was ist bloss mit dem achten Fensterchen los? Von Ferne scheint alles noch in Ordnung zu sein. Doch wollen wir unsere gekühlten Nasen im wohligen Schauder der Vorfreude dagegen drücken, sehen wir plötzlich, dass das Fensterchen aus vielen eckigen Blöcken besteht. Verwundert öffnen wir es dennoch, und werden von einem Schwall biepender, rüttelnder Musik begrüsst.

Und was mag wohl hinter dem 2. Fensterchen warten? Deftige Geräusche dringen zwischen den Fensterflügeln hervor, ein Krachen, ein Scheppern, ein Dröhnen – just jene Familie von Tönen, die nichts als Zerstörung anzuzeigen hat. Wagen wir uns dennoch vor und öffnen es, und schon dringt uns der Geruch verschärfter Speisen in die Nase.

Trotz Doppelverglasung und Handwerkerkitt dampft es schwadenweise aus dem ersten Fensterchen hervor: Der Gestank von tausend ausgerauchten Zigaretten mischt sich mit dem Duft
süsslicher Frauenparfums und einem strengen Hauch von Angstschweiss. Wer oder was mag sich dahinter verbergen?
Von Christof Zurschmitten · September 2010

Viel, viel später liegt der erste Versuch, auf Worte Taten folgen zu lassen, nun vor. Und es geht darum um die herrlich verschwrubelten Spiele von Amanita Design, Holz und Rost und eine “Ästhetik des verherrlichten Zerfalls und der zerfallenden Herrlichkeit”, die Amanita Design als Erbe einer sehr besonderen tschechischen Animationsfilm auszeichnet.

Ganz naiv sei aus aktuellem Anlass gefragt: Kann in Zeiten globalen Hypes wirklich noch lokale Kinopolitik betrieben werden?

Am NIFFF werden nicht nur Filme gezeigt – an der Randveranstaltung “Imagine The Future” wird auch heftig debattiert, über nichts weniger als die Zukunft. Hauptsächlich geht es dabei um das Digitale Bild im Film, ein wenig Platz bleibt aber auch für die Diskussion des Computerspiels. Dieses Jahr war das eine ganz und gar ernsthafte Angelegenheit.
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Am Samstag versuchten sich gleich zwei Beiträge aus verschiedenen Ecken der Welt an der Verschmelzung von Knüppelei und Klamauk: Doch trotz vielversprechender Ansätze blieben sowohl der thailändische “Raging Phoenix”, der Muay Thai mit Breakdance zusammen bringt, als auch das Hong Konger Geronten-Gekloppe “Gallants” hinter den Erwartungen zurück.
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Am Freitag schickt Frankreich einen Trupp Soldaten in die Wüste – wo sie einen der besten und stillsten Horror-Trips des NIFFFs 2010 erleben. Stille gebietet auch der Film “Murderer”, über den man nicht viel sagen darf, ausser: Er ist, einer verschrobenen Logik folgend, der konsequente nächste Schritt für den Hong Kong-Thriller.
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Am Donnerstag ging’s härter zur Sache in Neuchâtel: Im Internationalen Wettbewerb nimmt sich in “Dream Home” eine resolute Mieterin selbst der Wohnungskrise in Hong Kong an. Die Krise kriegen kann man allerdings auch, wenn man Zeuge werden muss , wie Shinya Tsukamoto mit “Tetsuo – The Bullet Man” seinen eigenen Mythos untergräbt.
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Michael Winterbottoms Psychopathen-Portrait “The Killer Inside Me” hat seit seiner Premiere an der Berlinale an allen Ecken und Enden für rauchende Köpfe und hitzige Diskussionen geführt. Auch am NIFFF 2010, an dem er gezeigt wird, wusste er die Gemüter zu bewegen – zwei Meinungen zum Film und seiner Fragwürdigkeit.

Ans NIFFF zurückzukehren ist jedes Jahr ein wenig, als würde man einen alten Bekannten besuchen. Mehreren zehntausend Besuchern zum Trotz wirkt das Festival am Neuenburger See immer noch, als werde es von einer elend verschlissenen, aber erzbequemen Couch aus organisiert – die Aura des Improvisierten, des Handgemachten und die Von-Fans-für-Fans-Attitüde bleibt bei allem Wachstum ungebrochen.

Zeit also, den fiktionalen Mixer anzuwerfen: Ein Agententhriller unter Zombies? Eine Untoten-Apokalypse mit Spionagehintergrund? Warum eigentlich nicht beides?

Der Altmeister des donnerenden Cyberpunk entdeckt die Stille: Mit “Vital” schaffte Shinya Tsukamoto anno 2004 auf seine gewohnt kompromisslose Art einen ungewohnt meditativen Film über Tod, Erinnerung und Liebe.
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In einem Gastartikel beleuchtet Rudolf Inderst vom “Titel-Magazin” aus diversen Perspektiven die Frage danach, warum “Du” im Computerspiel gemieden wird.
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„Prince of Persia: The Sands of Time“ ist ein ordentlicher, ambitionsloser Blockbuster, in dem ein Gassenjunge sich zum Retter der Welt aufschwingt. Das ist weder im Guten noch im Schlechten sonderlich der Rede wert. Gute Geschichten bietet er dennoch – man muss bloss etwas tiefer blicken.
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