Top Alben 2011

nahaufnahmen.ch Redaktor Jaronas Scheurer hat seine persönliche Best-of Liste des Jahres 2011 zusammengestellt. Auf das auch das neue Jahr wieder jede Menge grossartige Musik bringt!

Zwischen den Stühlen

Es gibt Alben, die sind schwer einzuordnen. Ist es jetzt eher Punk oder eher Rock oder Indie oder eher Electronica? Und dann gibt es Alben wie Superdisque, die sind unmöglich einzuordnen. Ein Gitarrist (David Fenech), der irgendwo zwischen Punk, freiem Jazz und Avantgarde steht, ein Sänger (Ghédalia Tazartès), dessen Gesang zwischen Kinderlieder und freier Improvisation, zwischen arabischen Balladen und tibetanischem Mönchsgesangs, zwischen Avantgarde und Archaik hin- und herpendelt, und ein Trompeter (Jac Berrocal), der seine Trompete manchmal als herrlich-singende Engelstrompete, manchmal als röhrend-animalisches Organ, manchmal als reiner Geräuschproduzent benutzt.

Eine neue elektronische Hoffnung?

Klirrende Gitarren, eine durch das Hallgerät gejagte Stimme, einige Klicks und Schnipps, ein nostalgisches Rauschen und ein langsam tropfender Beat und fertig ist das Wunderkind. Schon als der damals 19-jährige Shlohmo 2010 seine erste EP Shlohmoshun Redux auf Friends of Friends veröffentlichte, erstaunte er, obwohl teilweise noch ein wenig überladen und unausgereift, mit seinem eigenwilligen Mix von Hiphop, Dub, Electonica, Chillwave, Lo-Fi und Shoegaze. Nun, ein Jahr später, veröffentlicht er seine „proper debut LP“, wie er auf seinem Blog schreibt, wieder auf Friends of Friends.

Die positiven Seiten der Globalisierung

Das portugiesische Party-Quartett Buraka Som Sistema bleibt bei ihrem Zweitling bei ihren Leisten – und das ist gut so. Die positiven Folgen der Globalisierung und der weltweiten kulturellen Durchmischung sind bei den pumpenden Clubhits von Buraka Som Sistema hör- und fühlbar: World Music 2.0.

Die Beach Boys im 21. Jahrhundert

Panda Bear aka Noah Lennox taucht mit seinem neusten Werk „Tomboy“ noch mehr in den wattigen Bereich zwischen Beach Boys Chören, sphärischen Gitarrenwänden, Echoeskapaden und trippigen Surfersounds ein. Der „King of Chillwave“ ist zurück.

Eine musikalische Hommage an den Italo-Western

Danger Mouse und Daniele Luppi lassen die Filmmusik von Ennio Morricone und Co. hochleben. Dafür schrieben sie nicht nur Musik, die klingt wie damals, sondern sie nahmen auch am gleichen Ort mit möglichst dem gleichen Equipment und teilweise sogar den gleichen Leuten auf wie damals. Nur Jack White und Norah Jones, die je auf drei Songs zu hören sind, sind von heute.

Ein Spiegel für Bill Callahan und die Welt

Mit seinem dritten Album unter seinem bürgerlichen Namen gelang Bill Callahan eine beeindruckende Introspektion auf sich als Musiker, Mensch und Bürger von Amerika. Ein Album voll in typisch amerikanischen Metaphern ausgedrückten Reflexionen über sein Land, seine Leute und sich selbst. Schon seit gut zwanzig Jahren ist Bill Callahan, früher als Smog unterwegs, eine feste Grösse am amerikanischen Songwriter-Himmel. Mit „Apocalypse“ hat er wieder einmal bestätigt wieso.

Von Pink Floyd Covers und Soul-Entdeckungen bis Fahrstuhljazz

Trotz einer eher risikolosen Programmgestaltung hat das diesjährige Offbeat Jazzfestival Basel überzeugt. Neben sicheren Werten wie Dianne Reeves, George Gruntz und Bobby McFerrin gab es einige positive Überraschungen und Perlen zu entdecken: Die Filmmusik von Renaud Garcia Fons war bezaubernd, das amerikanisch-italienische Trio von Dado Moroni, Joe Locke und Rosario Giuliani überraschte mit hochklassigem, inspiriertem Power-Jazz, mit Raul Midón trat eine Stimme mit Gitarre, von der man sicher noch einiges hören wird, ein erstes Mal in Basel auf.

Neues aus Kanadas düsteren Wäldern

Die kanadische Indie-Folk Band Timber Timbre um den Sänger, Songwriter und Multi- Instrumentalist Taylor Kirk bezaubern auch auf ihrem Zweitling mit düsteren Songs über gebrochene Herzen und deren einsame, verlorene Besitzer.

Popklippe geschickt umschifft

Was kommt heraus, wenn eine Band, die sich dem Garagepunk verschrieben hat, plötzlich das Geld und den Ruhm hat, gegen den es vorhin wetterte?

Der Sommer kann kommen!

Das deutsche Labe Tramp Records hat sich auf jegliche Soul-gefärbte Musik aus den 60er und 70er Jahren spezialisiert. Nach einer Funk- und einer Jazz-Compilation folgt mit „Contemporary Afro Beat“ das dritte Album der „Contemporary…“-Reihe. Gleichzeitig ist es die zehnte Veröffentlichung des Labels.

Vom 30. April bis am 13. Mai 2011 findet in Basel das alljährliche Offbeat Jazzfestival statt.

Vom 30. April bis am 13. Mai 2011 findet in Basel das alljährliche Offbeat Jazzfestival statt. Und wieder einmal hat es der Leiter Urs Blindenbacher geschafft, ein Linu Up auf die Beine zu stellen, das Claude Nobs vom Jazzfestival Montreux fast neidisch machen würde. Unter anderem werden Bobby McFerrin, Dave Holland, Dianne Reeves, Nigel Kennedy und Till Brönner Basel beehren.

Die Doom-Urgesteine werden älter, zum Glück!

Was kommt heraus, wenn sich Doom- Pionier Dylan Carlson mit Folk- Musik beschäftigt? Die Antwort: „Anges of Darkness, Demons of Light: 1“. Für das neue Album der Doom- Metal- Pioniere Earth liess sich ihr Kopf Dylan Carlson nach eigenen Aussagen von britischen Folk- Bands wie Fairport Convention und Pentangle, aber auch von World- Musikern wie Tinariwen oder dem französischen Gitarristen Fred Chichin inspirieren.

Aufregendes Kopfkino mit Kitschpotential

Grails beweisen mit ihrem neusten Wurf „Deep Politics“, dass sie ihr Handwerk beherrschen. Düsterer Instrumentalrock, der sich langsam entwickelt und vorwärts mäandriert. Grossartiges Kopfkino, solange man sich mittreiben lässt und nicht von den zwischenzeitlichen Ethno-Kitschattacken abgeschreckt wird.

Postmoderner Hexentanz aus Manchester

Eine interessante Kollaboration: Zwei der progressivsten Köpfe der Manchester- Underground- Szene haben sich gefunden. Miles Whittaker vom Dubtechno Duo Pendle Coven und der Gründer des Labels Finders Keepers Sean Canty haben auf dem Trippelalbum „Tryptych“ ihre drei im Jahre 2010 erschienenen Platten zusammengefasst.

14 Jahre ohne zu altern?!

14 Jahre nach ihrem letzten Album veröffentlichen Seefeel ihr viertes Album und tönen so progressiv und frisch wie eh und je. Ein Armutszeugnis für die heutige Musik oder ein Beweis für die Klasse dieser Vorreiterband?

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