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	<title>nahaufnahmen.ch &#187; Jaronas Scheurer</title>
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	<description>Das Magazin im Netz</description>
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		<title>Top Alben 2011</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 21:36:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaronas Scheurer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/07/top-alben-2011/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/Tom-Waits-Bad-As-Me-cover-300x300-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>nahaufnahmen.ch Redaktor Jaronas Scheurer hat seine persönliche Best-of Liste des Jahres 2011 zusammengestellt. Auf das auch das neue Jahr wieder jede Menge grossartige Musik bringt!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>nahaufnahmen.ch Redaktor Jaronas Scheurer hat seine persönliche Best-of Liste des Jahres 2011 zusammengestellt. Auf das auch das neue Jahr wieder jede Menge grossartige Musik bringt!</strong></p>
<p><strong>Tom Waits – Bad As Me </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong></p>
<div id="attachment_10275" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-10275" title="Tom-Waits-Bad-As-Me-cover-300x300" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/Tom-Waits-Bad-As-Me-cover-300x300.jpg" alt="Meldet sich eindrucksvoll zurück: Tom Waits" width="200" height="200" /><p class="wp-caption-text">Meldet sich eindrucksvoll zurück: Tom Waits</p></div>
<p></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Der Grossmeister kann es noch! Und wie! Eines der bekömmlichsten  Alben von Tom Waits der letzten Jahren, doch dadurch keineswegs  schlechter als eines seiner sonstigen Meisterwerken. Diesmal hat das  scheue Genie eine Vielzahl von Kompagnons um sich geschart: Marc Ribot,  Keith Richards und sogar Flea von den Red Hot Chili Peppers</p>
<p><strong>Seefeel – Seefeel</strong></p>
<p>Das beste Comeback seit langem. Nach 14 Jahren Sendepause erfanden sich Seefeel irgendwo zwischen Shoegaze, Dub und typischen Warp-Klängen neu.</p>
<p><strong>Bright Eyes – The People&#8217;s Key</strong></p>
<p>Gekonnt gealtert! Mit gut 30 Jahren kann auch Conor Oberst nicht mehr den verzweifelten Teenager mimen. Nach seinen Solojahren rettete er sein Projekt Brigth Eyes gekonnt in einen ironischeren, (oberflächlich) freundlicheren Pop hinein.</p>
<p><strong>The Kills – Blood Pressures</strong></p>
<p>Trotz neuartigem A-Promis-Status von The Kills Hälfte Jamie Hince bleiben The Kills ihren kantigen Garage-Wurzeln treu ohne dabei gefälscht oder rückständig zu klingen.</p>
<p><strong>Timber Timbre – Creep on Creepin&#8217;</strong></p>
<p>Unter dem ganzen Indie-Folk Hype (Arcade Fire, Bon Iver und Co.) wohl das eigenständigsten und speziellsten Album. Timber Timbre siedeln sich irgendwo zwischen Sreamin&#8217; Jay Hawkins, schwarz-magischer Romantik, Blues, Tom Waits in einem unberührten Ecken der kanadischen Musikwäldern an und nennen ihre Musik dabei nonchalant „Gothic Rockabilly Blues“.</p>
<p><strong>Shlomo – Bad Vibes</strong></p>
<p>Meiner Meinung ein viel gelungener Entwurf für das Hype-Genre Chill Wave als der allgegenwärtige Panda Bear es mit „Tomboy“ geschafft hat. Chill Wave eklektisch gewürzt mit Hip-Hop à la Gonjasufi und Flying Lotus, Dub, an Avantgarde-Soundart geschulter Loop- und Bearbeitungs-Technik und einer altersuntypischen (Shlohmo zählt knappe 22 Jahre) Reduziertheit.</p>
<p><strong>Bill Callahan – Apocalypse</strong></p>
<p>Bill Callahan legt auf eindrückliche Weise seine äusserst persönliche Sicht auf Amerika dar. Ehrlich, kritisch (vor allem selbstkritisch) und musikalisch überzeugend.</p>
<p><strong>Francisco Meirino – </strong><strong>Recordings of voltage errors, magnetic fields, on-site testimonies &amp; tape tension</strong></p>
<p>Auch das Magazin The Wire ist da meiner Meinung: Der Spanische Klangkünstler Francisco Meirino hat eines der besten Werke im Bereich Noise, Elektroakustik, Avantgarde-Soundart des letzten Jahres geschaffen. Es entspricht sicher nicht den Ohren eines Radio-gewohnten Hörers; doch wer sich auf Meirinos Klanguniversum einlässt, kann in eine Welt eintauchen, in der ein Dur-Dreiklang als störend und ein Brummen eines kaputten Lautsprechers als passend wirken kann.</p>
<p><strong>Anna Aaron – Dogs in Spirit</strong></p>
<p>Auch die Schweiz hat grossartige Künstler in peto: Nach Sophie Hunger eine neue weibliche Songwriter-Sensation. Anna Aaron hat mit ihrem Zweitling ihren Platz irgendwo zwischen der Rockröhre einer PJ Harvey, den Pianoklängen einer Tori Amos, einer leicht religiös-pathetischen Mystik und einem ureigenen Sound voll knarrenden, schweren Türen und dunklen, leeren Säälen.</p>
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		<title>Zwischen den Stühlen</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/04/zwischen-den-stuhlen/</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Dec 2011 19:59:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaronas Scheurer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuheiten]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/04/zwischen-den-stuhlen/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/Superdisque-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Es gibt Alben, die sind schwer einzuordnen. Ist es jetzt eher Punk oder eher Rock oder Indie oder eher Electronica? Und dann gibt es Alben wie Superdisque, die sind unmöglich einzuordnen. Ein Gitarrist (David Fenech), der irgendwo zwischen Punk, freiem Jazz und Avantgarde steht, ein Sänger (Ghédalia Tazartès), dessen Gesang zwischen Kinderlieder und freier Improvisation, zwischen arabischen Balladen und tibetanischem Mönchsgesangs, zwischen Avantgarde und Archaik hin- und herpendelt, und ein Trompeter (Jac Berrocal), der seine Trompete manchmal als herrlich-singende Engelstrompete, manchmal als röhrend-animalisches Organ, manchmal als reiner Geräuschproduzent benutzt.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong style="font-size: 24px;">Jac Berrocal, David Fenech, Ghédalia Tazartès – Superdisque</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Zwischen den Stühlen</strong></p>
<div id="attachment_10065" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><strong><strong><img class="size-full wp-image-10065" title="Superdisque" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/Superdisque.jpg" alt="Bild: http://subrosa.itcmedia.net/en/catalogue/soundworks/jac-berrocal----david-fenech---ghedalia-tazartes.html" width="200" height="200" /></strong></strong><p class="wp-caption-text">Bild: http://subrosa.itcmedia.net/en/catalogue/soundworks/jac-berrocal----david-fenech---ghedalia-tazartes.html</p></div>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Es gibt Alben, die sind schwer einzuordnen. Ist es jetzt eher Punk oder eher Rock oder Indie oder eher Electronica? Und dann gibt es Alben wie <em>Superdisque, </em>die sind unmöglich einzuordnen. Ein Gitarrist (David Fenech), der irgendwo zwischen Punk, freiem Jazz und Avantgarde steht, ein Sänger (Ghédalia Tazartès), dessen Gesang zwischen Kinderlieder und freier Improvisation, zwischen arabischen Balladen und tibetanischem Mönchsgesangs, zwischen Avantgarde und Archaik hin- und herpendelt, und ein Trompeter (Jac Berrocal), der seine Trompete manchmal als herrlich-singende Engelstrompete, manchmal als röhrend-animalisches Organ, manchmal als reiner Geräuschproduzent benutzt.</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Ist es Jazz, Avantgarde, eine Art progressiver Ethno-Folk, neue Musik, Soundart? Auf jeden Fall ist es erstaunlich, wie viel verschiedenes die drei französischen Musiker auf <em>Superdisque </em>(veröffentlicht auf Sub Rosa)<em> </em>unter einen Hut und in dreizehn Stücke gebracht haben. Meditatives Sound-Aufschichten („Joy Divisé“, „Human Bones“), verstörende Klangcollagen („Cochise“), schräge Folk-Chansons („Quando“), klaustrophobische Stimmungsbilder, die einem David Lynch-Film entspringen könnten („David&#8217;s Theme“), humorvolle Volkslied-Parodien („Ife L&#8217;Ayo“, „Final“), stimmungsvolle Klanglandschaften („J&#8217;attendrai“, „Sainte“), indianische Ritualgesänge in das 21. Jahrhundert projiziert („Powow“) und massive Klangmauern („Ziveli“). Die drei unkonventionellen Musiker bleiben auch nicht bei ihren herkömmlichen Instrumenten: Die verschiedensten Instrumente wie Akkordeon, Kinderklavier, Ukulele, Oud, Gamelan und verschiedene Perkussions-Instrumente, aber auch eher seltsame Klangerzeuger wie Turntables, Muschelschalen, Spielzeuge, Musikbox, Wassergeräusche und sogar menschliche Knochen (es steht ausdrücklich „Human Bones“) kommen zum Einsatz. Auch ein Featuring ist darauf zu finden: Für „Porte de Bagnolet“ haben sie den französischen Akkordeonist Zap Pascal eingeladen, der das atmosphärisch dichte und intensive Stück mit seinen reduzierten Klangflächen und Melodiefragmente  würzt.</p>
<p>Man hört sicherlich, dass sich hier drei äusserst interessante und eigenständige Personen der französischen Avantgarde-Szene zusammengefunden haben. Ghédalia Tazartès ist zwar nicht sehr bekannt, doch seine eigenwilliges Organ, ständig wechselnd zwischen Kind und Diva, und seine unkonventionelle Art Musik frei von jeglichen Genre-Grenzen zu machen, hat ihn inzwischen zu einer Art Kultfigur gemacht. Mit seinem Mix aus dem archaischen, manchmal fast schamanischen Ausdruck seiner Stimme und der experimentellen Montage und progressiven Arrangements ist er zu folkloristisch, zu wenig „neu“ für die Avantgarde-Szene und viel zu schräg und zu experimentell für  einen eher ethnologisch geprägten Kanon.</p>
<p>David Fenech und Jac Berrocal hingegen sind ziemlich fest in der europäischen Avantgarde-Szene irgendwo zwischen Jazz, Rock und zeitgenössischer Musik, verwurzelt. Beide haben sicher schon ein Duzend Alben Solo und in unterschiedlichen Kollaborationen veröffentlicht. David Fenech spielte unter anderem schon mit Felix Kubin, Gino Robair, Tom Cora, Rhys Chatham und anderen und Jac Berrocal arbeitete schon mit Pascal Comelad, Nurse With Wound (aka Steve Stapleton), Jaki Liebezeit von der deutschen Band Can, Sunny Murray, Lol Coxhill und anderen zusammen.</p>
<p>Ein interessantes Trio ist hier entstanden und ein äusserst vielseitiges und auch ambivalentes Album. Einerseits durchaus der E-Musik – inklusive dem Einsatz von Samples, freier Improvisation, Klanggedichten und Soundscapes – zuzurechnen, andererseits – durch den teilweise komisch anmutenden Gesang von Tazartès und den schrägen Folkeinflüsse und Kinderlieder – sehr humorvoll. Einen strengen Verfechter von konzeptioneller E-Musik sowie einen eher konservativ eingestellten Volksmusiker wird dieses Album wohl vor den Kopf stossen. Doch wer es sich mit offenen Ohren und einer gehörigen Portion Humor anhört, wird den Reiz dieser ungewöhnlichen Kollaboration sicher entdecken.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Links:</strong></p>
<p><a href="http://subrosa.itcmedia.net/en/catalogue/soundworks/jac-berrocal----david-fenech---ghedalia-tazartes.html">http://subrosa.itcmedia.net/en/catalogue/soundworks/jac-berrocal&#8212;-david-fenech&#8212;ghedalia-tazartes.html</a></p>
<p><a href="http://www.plattfon.ch/">www.plattfon.ch</a></p>
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		<title>Eine neue elektronische Hoffnung?</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/04/eine-neue-elektronische-hoffnung/</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Dec 2011 19:47:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaronas Scheurer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuheiten]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/04/eine-neue-elektronische-hoffnung/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/Bad-Vibes-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Klirrende Gitarren, eine durch das Hallgerät gejagte Stimme, einige Klicks und Schnipps, ein nostalgisches Rauschen und ein langsam tropfender Beat und fertig ist das Wunderkind. Schon als der damals 19-jährige Shlohmo 2010 seine erste EP Shlohmoshun Redux auf Friends of Friends veröffentlichte, erstaunte er, obwohl teilweise noch ein wenig überladen und unausgereift, mit seinem eigenwilligen Mix von Hiphop, Dub, Electonica, Chillwave, Lo-Fi und Shoegaze. Nun, ein Jahr später, veröffentlicht er seine „proper debut LP“, wie er auf seinem Blog schreibt, wieder auf Friends of Friends.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong style="font-size: 24px;">Shlohmo – Bad Vibes</strong></p>
<p><strong><br />
 </strong></p>
<p><strong><span style="font-size: 12pt;" lang="DE-CH">Eine neue elektronische Hoffnung?</span></strong></p>
<div id="attachment_10057" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><strong><img class="size-full wp-image-10057" title="Bad-Vibes" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/Bad-Vibes.jpg" alt="Bild: http://www.fofmusic.net/?page_id=2784" width="200" height="199" /></strong><p class="wp-caption-text">Bild: http://www.fofmusic.net/?page_id=2784</p></div>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Klirrende Gitarren, eine durch das Hallgerät gejagte Stimme, einige Klicks und Schnipps, ein nostalgisches Rauschen und ein langsam tropfender Beat und fertig ist das Wunderkind. Schon als der damals 19-jährige Shlohmo 2010 seine erste EP <em>Shlohmoshun Redux </em>auf <em>Friends of Friends</em> veröffentlichte, erstaunte er, obwohl teilweise noch ein wenig überladen und unausgereift, mit seinem eigenwilligen Mix von Hiphop, Dub, Electonica, Chillwave, Lo-Fi und Shoegaze. Nun, ein Jahr später, veröffentlicht er seine „proper debut LP“, wie er auf seinem Blog schreibt, wieder auf <em>Friends of Friends.</em></strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Das Album <em>Bad Vibes </em>ist ein Phänomen. Nach dem ersten Durchhören war ich äusserst angetan. Es groovt leichtfüssig, mit ein paar wenigen Klicks und Bleeps wird ein dubbiger Hiphop-Beat angetönt, es erinnert ein wenig an Gonjasufi oder Flying Lotus. Freundlich, gereift und angenehm reduziert und zurückhaltend präsentieren sich die dreizehn neuen Tracks von Shlohmo, was schon sehr erstaunlich ist, für ein Künstler seines Alters. Nur seltsam, dass er ihm mit <em>Bad Vibes </em>ein so düsterer Titel gibt. Auch Track-Namen wie „I Can&#8217;t See You, I&#8217;m Dead“, „Trapped in A Burning House“ und „Your Stupid Face“ klingen nicht unbedingt freundlich.</p>
<p>Je häufiger und aufmerksamer man das Album jedoch anhört, desto tiefere Schichten werden freigelegt. Mit minimalen Mitteln wie einer zunehmen verzerrten und verdoppelten Gitarre wie auf „I Can&#8217;t See You, I&#8217;m Dead“ oder einem hypnotischen Beat (z.B: „Get Out“) werden nervenaufreibende Spannungen aufgebaut, die sich dann in gemächlich swingenden Stücke wie „Seriously“, in nostalgischen Feel-Good Melodien wie in „Places“ entlädt.</p>
<p>Sowieso sind die dreizehn Tracks dramaturgisch geschickt angeordnet. In dem durch Vogel-Gezwitscher eingeleitete „Big Feelings“ schält Shlohmo einen plätschernden Puls aus atmosphärischen Feld-Aufnahmen, dessen treibendes Ziehen er durch das gesamte Album nicht mehr verlässt. Spannungen und Gitarrenwände werden darüber aufgebaut, Abgründe aufgetan. Während Shlohmo in Lied Nummer Sechs („Just Us“) eine tropfende Zupfmelodie über choralesquen Gesang und einem hüpfend-swingenden Beat legt, zieht er dann im neunten Lied ganz andere Saiten auf: „Trapped In A Burning House“ erinnert einen fast an Drone-Bands wie Sunn O))) oder Earth und tatsächlich können dabei klaustrophische Angstgefühle aufkommen. Eine langgezogene jaulende Gitarrenmelodie schwingt sich immer höher über düster-verzerrte Klangflächen. Natürlich heisst das nächste Lied dann „Get Out“: Ein monotoner Beat, eine tiefe Orgel, verzogene Stimmen, ein paar geräuschhafte Perkussionselemente und Gitarren und viel Echo reichen Shlohmo, um musikalisch eine geradezu filmische Vision von einem leicht verstörten Morgengrauen inklusive Schlafmangel, Morgentau, realitätsferner Euphorie und, was sonst noch zu dem Ende einer durchfeierten Nacht gehört, zu erzeugen.</p>
<p>Mit den letzten Tracks kehrt Shlohmo dann zu der verträumten, leicht nostalgischen Stimmung des Beginns zurück.</p>
<p>Alles in allem ein überaus geglückter Ausflug in die wundersame Welt des „Wunderkinds“ Shlohmo. Erstaunlich, mit welch feinem Gespür er Chillwave-Gesänge, Lo-Fi-Feldaufnahmen, doomige Gitarrenwände und tropfende Hiphop-Beats miteinander vermischt. Ich denke und hoffe auf jeden Fall noch mehr von ihm zu hören.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Links:</p>
<p><a href="http://www.wediditcollective.com/">http://www.wediditcollective.com/</a></p>
<p><a href="http://www.fofmusic.net/">http://www.fofmusic.net/</a></p>
<p><a href="http://www.plattfon.ch/">http://www.plattfon.ch/</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die positiven Seiten der Globalisierung</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/04/die-positiven-seiten-der-globalisierung/</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Dec 2011 19:32:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaronas Scheurer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuheiten]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/04/die-positiven-seiten-der-globalisierung/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/komba_cover-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Das portugiesische Party-Quartett Buraka Som Sistema bleibt bei ihrem Zweitling bei ihren Leisten – und das ist gut so. Die positiven Folgen der Globalisierung und der weltweiten kulturellen Durchmischung sind bei den pumpenden Clubhits von Buraka Som Sistema hör- und fühlbar: World Music 2.0.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong style="font-size: 24px;">Buraka Som Sistema – Komba </strong></p>
<p style="font-weight: bold;"> </p>
<p style="font-weight: bold;">Die positiven Seiten der Globalisierung</p>
<p style="font-weight: bold;"> </p>
<div id="attachment_10045" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-10045" title="komba_cover" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/komba_cover.jpg" alt="Bild: http://www.enchufada.com/2011/10/25/komba-buraka-som-sistema/" width="200" height="200" /><p class="wp-caption-text">Bild: http://www.enchufada.com/2011/10/25/komba-buraka-som-sistema/</p></div>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Das portugiesische Party-Quartett Buraka Som Sistema bleibt bei ihrem Zweitling bei ihren Leisten – und das ist gut so. Die positiven Folgen der Globalisierung und der weltweiten kulturellen Durchmischung sind bei den pumpenden Clubhits von Buraka Som Sistema hör- und fühlbar: World Music 2.0.</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Ende der 1980er Jahre, nach dem Zusammenbruch der portugiesischen Herrschaft und der daraus resultierenden Einwanderung von Leuten aus Südamerika und der Karibik, entstand im Untergrund von der angolanischen Stadt Luanda unter dem Einfluss von aus Europa kommenden elektronischen Musikstilen ein Hybrid, der inzwischen die Clubs auf der ganzen Welt zu erobern scheint: Kuduro. Damals mischten angolanische DJs, beeinflusst von den neuen Kulturen und Musikarten, ihre angolanische Musik wie Semba oder Kizomba, neuere karibische Musikstile wie Zouk und Soca mit europäischer, elektronischer Musik wie Techno, Tribal House und Co. Diese Mixtur klingt ein wenig nach einem musikalischen Frankenstein, doch das Resultat war unglaublich energetisch und tanzbar: Kuduro („cú duro“ ist portugiesisch für „harter Arsch“).</p>
<p>Einige Jahre später begannen zwei portugiesische Teenies in Buraca, einer Gemeinde in der Agglomeration Lissabons, zusammen Musik zu machen. Sie trafen auf den angolanischen Einwanderer Andro Carvalho alias Conductor, der sie mit der Musik Angolas, mit Kuduro in Berührung brachte. Zusammen formierten sie sich zu Buraka Som Sistema. Ein wohlklingender Name, der – ganz simpel – Buraca Sound System bedeutet. Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurden sie sogar von einem Label entdeckt, von Enchufada. Der Mitgründer des Labels, der Dichter und Musiker Kalaf Angelo, stieg sogar bei ihnen als MC ein. Das höllische Quartett war somit komplett und begann die Welt zu erobern. Ihre erste EP („From Buraka To The World“) ist mit dem Jahre 2006 datiert. Auf ihrem Debüt-Album „Black Diamond“ (2008) können sie schon unzählige Featurings verzeichnen, unter anderem mit <em>der </em>Stimme der „World Music 2.0“, mit M.I.A. Auch der Brasilianische Baile Funk-Pionier Deiza Tigrona oder die angolanischen Kuduro-Musiker DJ Znobia und Pongolove sind für einige Tracks mitverantwortlich. Inzwischen sind circa drei Jahre verstrichen, die die vier mit ausgiebigem Touren gefüllt haben. Sie gelten als eine der besten portugiesischen Liveact, was ihnen auch schon einen MTV Music Award als „Best Portuguese Act“ einbrachte, und spielten dieses Jahr am <em>Rock in Rio </em>vor circa 110&#8242;000 begeisterten Menschen.</p>
<p>Man hört dem neuen Album auch an, dass es als Live-Set konzipiert ist. Schon der Opener „Eskeleto“ ist ein Hybrid aus düster-pumpendem Dubstep-Knaller und der zerschossenen, aufpeitschenden Rhythmik des Kuduros. Im Outro von „Eskeleto“ wird auch das Konzept bzw. der Titel des ganzen Albums erklärt. Komba ist ein angolanisches Ritual, wobei die Familie, die Freunde, die Bekannten eines Verstorbenes sich sieben Tage nach seinem Tod versammeln und zusammen sein Lieblingsessen, -getränk, -musik geniessen und so das Leben des Verblichenen mit einer grossen Party feiern. Diese Nähe von Leben und Tod, von ekstatischer Lebensfreude und Düsterheit ist auch auf dem Zweitling von Buraka Som Sistema zu finden. Düstere Bass-Music-Elemente stehen neben zirpenden Synthies und zappligen Drumbeats. Aggressive Wobble-Bässe werden unter wild-ausgelassene Party-Shouts und treibende Karibik-Rhythmen gelegt (so im grandiosen „Tira O Pé“).</p>
<p>Obwohl die zwölf Tracks nicht durchwegs überzeugen, ist <em>Komba </em>wohl eine der gelungensten Clubmusik-Veröffentlichungen dieses Jahres. Es fällt sogar zu den weniger mitreissenden Tracks schwer, sitzen zu bleiben. So fallen das an die neuen Black Eyed Peas erinnernde „(We Stay) Up All Night“ oder das ambivalente „Voodoo Love“, deren t.A.T.u.- ähnlichen Gesang (beigesteuert von Sara Tavares) durch den explosiven Rap-Part von Terry Lynn wett gemacht wird, ein wenig ab. Man darf natürlich nicht erwarten, dass Buraka Som Sistema mit <em>Komba </em>die elektronische Musik revolutionieren werden. Doch selten hört man so energetische, lebendige und multikulturelle Clubmusik wie auf dem neuen Wurf von den vier Portugiesen. Auf jeden Fall eine angenehme Erhellung der tristen Herbstmonaten – trist betreffend des Wetters und der Veröffentlichungen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Links:</p>
<p><a href="http://www.buraka.tv/">http://www.buraka.tv/</a></p>
<p><a href="http://www.enchufada.com/artists/buraka-som-sistema/">http://www.enchufada.com/artists/buraka-som-sistema/</a></p>
<p><a href="http://www.plattfon.ch/">http://www.plattfon.ch/</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Beach Boys im 21. Jahrhundert</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/07/15/die-beach-boys-im-21-jahrhundert/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/07/15/die-beach-boys-im-21-jahrhundert/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 15 Jul 2011 20:19:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaronas Scheurer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuheiten]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/07/15/die-beach-boys-im-21-jahrhundert/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/07/Tomboy-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Panda Bear aka Noah Lennox taucht mit seinem neusten Werk „Tomboy“ noch mehr in den wattigen Bereich zwischen Beach Boys Chören, sphärischen Gitarrenwänden, Echoeskapaden und trippigen Surfersounds ein. Der „King of Chillwave“ ist zurück.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong style="font-size: 24px;">Panda Bear – Tomboy</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Die Beach Boys im 21. Jahrhundert</strong></p>
<div id="attachment_9117" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><strong><strong><img class="size-full wp-image-9117" title="Tomboy" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/07/Tomboy.jpg" alt="Bild: http://www.myspace.com/pandabear" width="200" height="200" /></strong></strong><p class="wp-caption-text">Bild: http://www.myspace.com/pandabear</p></div>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;"> </span></strong></p>
<p><strong>Panda Bear aka Noah Lennox taucht mit seinem neusten Werk „Tomboy“ noch mehr in den wattigen Bereich zwischen Beach Boys Chören, sphärischen Gitarrenwänden, Echoeskapaden und trippigen Surfersounds ein. Der „King of Chillwave“ ist zurück.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Während Panda Bears 2004 veröffentlichtes Album „Young Prayer“ noch den Lo-Fi-Charme von Schlafzimmer-Aufnahmen versprühte, kam „Person Pitch“ aus dem Jahre 2007 schon viel geschliffener daher. Die akustische Klampfe wurde gegen Samples und Studiokompressoren ausgetauscht. Man hört Panda Bears Freude am sauberen Studiohall und an den Bearbeitungsmöglichkeiten, die die modernen Studioprogramme mit sich bringen. Dieselbe Technologie wurde auch auf „Tomboy“ wieder genutzt. Nur hat Panda Bear wieder vermehrt die Instrumente selbst eingespielt. Leider verschwand auch ein Teil seiner Experimentierfreude betreffs Songwriting und Sounddesign, welche „Person Pitch“ so interessant machte. Tracks wie „Good Girl/Carrots“ boten mit Spiellängen von annähernd 13 Minuten ein ideales Feld um die musikalischen Möglichkeiten von Samplebearbeitungen vollständig auszuloten. Somit eröffneten sich zwischen den wattigen Chillwave-Sounds klangliche Abgründe, die eine gewisse notwendige Melancholie in den ansonsten ziemlich zuckrigen Songs von Panda Bear hervorholten. Diese Grenzgänge vermisst man auf „Tomboy“.</p>
<p>Doch auch auf „Tomboy“ blitzen melancholische Anklänge und seelische Abgründe zwischen den hallgetränkten, sonnigen Beach Boys Chören, die inzwischen so typisch für Panda Bears Musik geworden sind, und den flirrenden Synthie-Arpeggios auf. So zum Beispiel der Song „Slow Motion“, das von einem dubbigen ¾-Schlagzeug und einem groovigen Klaviepattern getragen wird, oder „Scheherezade“, eine langsame Klavierballade mit tropfenden Mollakkorden und östlichen Melodien.</p>
<p>Aber in alles in allem wird „Tomboy“ dominiert von hall-getränkten Beach Boys Chören, wattigen  Klangteppichen und flirrenden Synthies. Man hört deutlich, das Peter Kember alias Sonic Boom alias Mitglied von Spacemen 3 das Album abgemischt hat. Spacemen 3 ist ja wirklich nicht Freund von trockenem, reduziertem Sounddesign und auch so tönt das neue Panda Bear Album. Diese über das ganze Album durch hochgeschraubte Reverb- und Delay-Effekte erzeugte weite Klangräume strapazieren mit der Zeit ein wenig die Hörnerven und man wünscht sich eine trockenere Produktionsweise herbei. Obwohl dann – vor allem die Drums betreffend – Reminiszenzen an Dubproduktionen von Lee Scratch Perry oder King Tubby verloren gingen. Auch leidet die Verständlichkeit des Gesangs teilweise durch den übergrossen Einsatz von Hall und Echo.</p>
<p>Doch obwohl man auf „Tomboy“ an vielen Stellen die Abgründe, die sich bei Panda Bears letztem Album „Person Pitch“ und der Musik von Animal Collective zwischen den psychedelischen Wolkenritten auftun, vermisst, bleibt Panda Bear der unbestrittene „King of Chillwave“. Sphärische Synthies und verwaschene Gitarrenwände, eine glockenhelle Stimme und melancholische Melodien, harmonische Beach Boys Chöre und Anklänge an den psychedelischen Surfer-Pop der 60er, langsam tropfende Drumspuren und alles in eine dichte Hall-Wolke gesteckt.</p>
<p>Es ist auf jeden Fall interessant zu hören, wie Panda Bear die Grenze zwischen traditionellem Songwriting und elektronischem Trackbuilding verwischen lässt. Man kann die Stücke nicht mehr Popsongs nennen, zu verwaschen und fliessend sind die Strukturen, zu dicht die Instrumentierung und das Sounddesign, zu gross die Sample-geschulten, hypnotischen Repetitionen. Doch um sie – nach elektronischem Jargon – Tracks zu nennen, legt Panda Bear zu grossen Wert auf akustische Instrumente und vor allem auf die Stimme und den Text.</p>
<p>Auch wenn meiner Meinung nach die Musik von Animal Collective interessanter als Panda Bears Soloprojekt ist, lohnt es sich sicherlich diesen trippigen Klanglandschaften ein Ohr zu schenken. Vielleicht fühlt man sich durch den nostalgischen Touch, durch die entspannte, sommerliche Atmosphäre und die gemütlich-fröhliche Grundstimmung angesprochen. Vielleicht mag man das progressive Songwriting zwischen Popsong und Sampletrack oder die geschickte Verfremdungstechniken der Stimme, der Songstuktur oder des Gesamtsounds, die dem Album diesen gewissen hypnotischen, psychedelischen Touch geben. Man hört auf jeden Fall deutlich, dass Panda Bear nicht auf den Chillwave-Zug aufspringen will (er wird schliesslich als deren Begründer angesehen), sondern diese elf Songs seine Musik sind und höchstwahrscheinlich weiterhin richtungsweisend, wie fast immer wenn das Animal Collective irgend etwas in die Finger nimmt.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Links:</strong></p>
<p><a href="http://www.paw-tracks.com/edit/artistsEdit.htm#panda">www.paw-tracks.com/edit/artistsEdit.htm#panda</a></p>
<p><a href="http://www.plattfon.ch/">www.plattfon.ch</a></p>
<p><a href="http://www.myspace.com/pandabear">www.myspace.com/pandabear</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Eine musikalische Hommage an den Italo-Western</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/07/15/eine-musikalische-hommage-an-den-italo-western/</link>
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		<pubDate>Fri, 15 Jul 2011 20:14:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaronas Scheurer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuheiten]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/07/15/eine-musikalische-hommage-an-den-italo-western/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/07/Rome-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Danger Mouse und Daniele Luppi lassen die Filmmusik von Ennio Morricone und Co. hochleben. Dafür schrieben sie nicht nur Musik, die klingt wie damals, sondern sie nahmen auch am gleichen Ort mit möglichst dem gleichen Equipment und teilweise sogar den gleichen Leuten auf wie damals. Nur Jack White und Norah Jones, die je auf drei Songs zu hören sind, sind von heute.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong style="font-size: 24px;">Danger Mouse &amp; Daniele Luppi – Rome</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Eine musikalische Hommage an den Italo-Western</strong></p>
<div id="attachment_9111" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><strong><strong><img class="size-full wp-image-9111" title="Rome" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/07/Rome.jpg" alt="Bild: http://romealbum.com/" width="200" height="200" /></strong></strong><p class="wp-caption-text">Bild: http://romealbum.com/</p></div>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Danger Mouse und Daniele Luppi lassen die Filmmusik von Ennio Morricone und Co. hochleben. Dafür schrieben sie nicht nur Musik, die klingt wie damals, sondern sie nahmen auch am gleichen Ort mit möglichst dem gleichen Equipment und teilweise sogar den gleichen Leuten auf wie damals. Nur Jack White und Norah Jones, die je auf drei Songs zu hören sind, sind von heute.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Danger Mouse alias Brian Burton arbeitete schon 2006 bei seinem Gnarls Barkley Album „St. Elsewhere“ mit dem italienischen Komponist und Arrangeur Daniele Luppi zusammen. Damals entstand, dank der geteilten Liebe zu den Italo-Western der 60er und 70er, auch schon die Idee zu diesem Album. Jetzt – fünf Jahre später – ist das Werk endlich vollendet. Eine gute halbe Stunde lang voll musikalisch umgesetzten staubigen Duellen, einsamen Cowboys, hinterhältigen Priestern, schmachtenden Bartänzerinnen und ehrlich arbeitenden Siedler lassen die Filme von Sergio Leone wieder aufleben. Danger Mouse und Daniele Luppi begaben sich dafür nach Rom in das legendäre Ortophonic Studio (heute Forum Studio), wo auch Ennio Morricone seine Filmscores aufnahm, gruben viel von dem damaligen Equipment aus und luden Musiker, die schon mit Morricone und Co. zusammenarbeiteten, zur Aufnahmesession ein. So singt die 76-jährige Edda Dell&#8217;Orso, die berühmte Sopranstimme von „The Good, The Bad and The Ugly“ und „Once Upon A Time In The West“, mit und Gilda Butta&#8217; spielt Celesta. Beides Musikerinnen, die schon in der Blütezeit des Italo-Western ihren Teil zu dessen legendärem Soundtrack beisteuerten.</p>
<p>Nach dem ersten Durchhören ist schon klar, dass das Experiment gelang. Schon beim ersten Stück, dem „Theme Of Rome“, hört man die staubig-trockene Wüstenszene und den einsamen Reiter. Eine dezent-rauschende Trommelbegleitung, ein paar schwebende Gitarrenakkorde und die flirrende Sopranstimme von Edda Dell&#8217;Orso versetzen einen sofort in eine Szene aus einem Sergio Leone-Klassiker. Auch die weiteren Stücke sind hundertprozentig gelungen. Jack White wird in „The Rose With The Broken Neck“ zu dem einsamen Cowboy, in „Two Against One“ zu einem gefährlichen Duellant, der es sogar mit zwei Gegner aufnimmt, und in „The World“ zu dem Held, der in den Sonnenuntergang neuen Abenteuern entgegen reitet und Norah Jones beweist in „Season&#8217;s Tree“, „Black“ und „Problem Queen“, dass sie nicht nur die nette Jazzpop-Sängerin ist, sondern auch sexy und gefährlich tönen kann.</p>
<p>Doch zum Glück hängt nicht alles an den Gastsängern. Denn nur sechs der fünfzehn Stücke (inklusive den drei kurzen Interludes) sind Featurings mit Jack White oder Norah Jones. Die andern neun Stücke sind – bis auf die wortlosen Gesangparts von Edda Dell&#8217;Orso und dem Chor Cantori Moderni – Intrumentals. Doch auch hier geht das Konzept auf: Melancholische Celesta-Melodien, langsam wiegende 6/8-Tracks inklusive schmachtenden Streichern (gespielt vom B.I.M. Orchestra) und zurückhaltend begleitende Western-Gitarre und Songtitel wie „The Gambling Priest“, „The Matador Has Fallen“ und „Morning Fog“ unterstützen das beabsichtigte Kopfkino ideal. Genial, wie einige Melodien einige Lieder später plötzlich wieder aufblitzen, wie Luppi und Burton die samtene Altstimme von Norah Jones mit dem hellen Glockenspiel verknüpfen, wie sie den musikalischen Raum mit dem vereinten Einsatz von dem Chor und dem Streichorchester plötzlich um Meilen erweitern. Alles in allem perfekte Filmmusik für einen staubig-trockenen Italo-Western. Das Album verlangt fast nach einem mutigen Regisseur, der den Film zu dieser CD dreht. Das Artwork ist auf jeden Fall schon wie dafür gemacht: ein ausklappbares Booklet, das, mit den Machern über dem Titel und den Stars und dem übrigen wichtigen Staff darunter, wie ein Filmplakat daherkommt.</p>
<p>Es stellt sich natürlich die Frage, wieso man im Jahre 2011 ein Album herausbringen muss, das tönt als wäre es den Soundtrack für einen Film aus den 60er oder 70er. Denn etwas wirklich aufregend Neues findet man auf „Rome“ nicht. Doch auf welchem Album hat man in den letzten Jahren wirklich etwas noch nie Dagewesenes gehört? So ist dieses Album wenigstens ehrlich und vor allem sehr gut gemacht. Es will nicht mehr, als die Musik der Italo-Western hochleben lassen und das macht es vortrefflich. Wer also seine Freude an der Musik von Ennio Morricone und Co. hat, wird auch dieses Album lieben.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Links:</strong></p>
<p><a href="http://www.plattfon.ch/">www.plattfon.ch</a></p>
<p><a href="http://www.emimusic.ch/danger_mouse/news/3499">www.emimusic.ch/danger_mouse/news/3499</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Ein Spiegel für Bill Callahan und die Welt</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Jul 2011 20:09:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaronas Scheurer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuheiten]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/07/15/ein-spiegel-fur-bill-callahan-und-die-welt/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/07/Apocalypse-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Mit seinem dritten Album unter seinem bürgerlichen Namen gelang Bill Callahan eine beeindruckende Introspektion auf sich als Musiker, Mensch und Bürger von Amerika. Ein Album voll in typisch amerikanischen Metaphern ausgedrückten Reflexionen über sein Land, seine Leute und sich selbst. Schon seit gut zwanzig Jahren ist Bill Callahan, früher als Smog unterwegs, eine feste Grösse am amerikanischen Songwriter-Himmel. Mit „Apocalypse“ hat er wieder einmal bestätigt wieso.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong style="font-size: 24px;">Bill Callahan – Apocalypse</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ein Spiegel für Bill Callahan und die Welt</strong></p>
<div id="attachment_9100" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><strong><strong><img class="size-full wp-image-9100" title="Apocalypse" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/07/Apocalypse.jpg" alt="Bild: http://www.dragcity.com/" width="200" height="200" /></strong></strong><p class="wp-caption-text">Bild: http://www.dragcity.com/</p></div>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;"> </span></strong></p>
<p><strong>Mit seinem dritten Album unter seinem bürgerlichen Namen gelang Bill Callahan eine beeindruckende Introspektion auf sich als Musiker, Mensch und Bürger von Amerika. Ein Album voll in typisch amerikanischen Metaphern ausgedrückten Reflexionen über sein Land, seine Leute und sich selbst. Schon seit gut zwanzig Jahren ist Bill Callahan, früher als Smog unterwegs, eine feste Grösse am amerikanischen Songwriter-Himmel. Mit „Apocalypse“ hat er wieder einmal bestätigt wieso.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Seit 1992 veröffentlichte Bill Callahan fast jedes Jahr ein neues Album. Bis 2005 war er noch unter dem Namen Smog unterwegs, „Apocalypse“ ist – nach „Woke On A Whaleheart“ von 2007 und „Sometimes I Wish We Were An Eagle“ von 2009 – sein drittes Album, das er unter seinem richtigen Namen Bill Callahan veröffentlicht. Ein beeindruckender Output also: Seit 1992 sammelten sich so insgesamt fünfzehn Alben von Bill Callahan auf dem Label Drag City an, auf dem auch Künstler wie Will Oldham alias Bonnie „Prince“ Billy und Joanna Newsom zuhause sind.</p>
<p>Man hört deutlich, wieso Bill Callahan auch den Post-Punk Leonard Cohen genannt wird. Reduzierte Lo-Fi-Songs, die in kryptischen Metaphern und mit seinem distanziert beobachtendem Bariton von den menschlichen Abgründen und den unterschiedlichsten Problemen, die das Menschsein so mit sich bringt, berichten.</p>
<p>Die grösste Qualität von „Apocalypse“ ist jedoch seine konzeptuelle Anlage. Nur sieben Songs sind auf der Platte enthalten, doch damit spannt Callahan den Bogen von seinen Beziehungsproblemen und seine Rolle als Amerikaner über seine Angst vor Abschieden und die Freiheit, die von der Fähigkeit loszulassen kommt, bis zum unweigerlichen Ende seines Weges, seiner Apokalypse. Selten wird in vierzig Minuten Musik so intensiv mit Emotionen um sich geworfen, ohne einen Augenblick sentimental zu wirken. Neben den distanzierten, mit Metaphern gespickten Texten und Callahans fast schon beiläufigem Bariton sorgt auch die reduzierte, zurückhaltende Instrumentierung dafür, dass nie ein Gefühl von Kitsch oder überflüssiger Emotionalität aufkommt.</p>
<p>Meistens genügt Callahan eine akustische Gitarre, ein wenig Banjo, ein zurückhaltendes Schlagzeug um seine Songs zu arrangieren. Deshalb wirken auch sparsam eingesetzte Arrangements-Tricks wie die bluesig verzerrte Gitarre zum Beispiel in „America“, die zarten Querflöten-Tupfer unter anderem in „Drover“ und in „Universal Applicant“ oder das balladeske Piano in „One Fine Morning“ umso mehr. Die Songs wirken beim ersten Hören eher wie Skizzen, als fertige Arrangements. Doch je mehr man sich in das Album hineinhört, desto deutlicher merkt man, wie alles in sich stimmt.</p>
<p>Wenn er im Opener „Drover“ über einen rollenden Countrybeat über seine Rolle als Viehtreiber (eine Metapher für ihn als Künstler?) reflektiert oder in „America“ ironisch doch liebevoll über sein Heimatland singt und sich dabei mit einer Rock&#8217;n'Roll-artigen Leadgitarre begleitet, dann zeigt sich, dass die Songs äusserst sorgfältig ausgearbeitet sind.</p>
<p>Eines von Callahans Meisterstücken ist sicherlich der letzte Song: „One Fine Morning“. In Western-getränkten Metaphern stilisiert er den Tod, seine persönliche Apokalypse, zu einem einsamen Davonreiten in den Sonnenaufgang. Mit seinem gemächlichen Bariton, ruhiger Gitarrenbegleitung und einigen schweren Pianoakkorden schafft er es über knapp neun Minuten die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu fesseln und dem düsteren Thema eine ruhige, friedliche Abschlussstimmung zu geben. Es ist sowieso eine der grossen Meisterschaften von Bill Callahan auf ehrliche direkte, unsentimentale Art und Weise über die kleinen und grossen Dramen der Menschen zu singen.</p>
<p>Er beginnt seine „Apocalypse“ mit der Phrase „The real people went away“ und endet mit „For I am a part of the road/ The hardest part.“. Dazwischen liegt ein langer Weg, den es zu verfolgen lohnt. Denn selten werden die grossen Themen der Popmusik so ehrlich und unaffektiert angepackt wie auf dem neusten Wurf vom Bill Callahan.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Links:</strong></p>
<p><a href="http://www.plattfon.ch/">www.plattfon.ch</a></p>
<p><a href="http://www.dragcity.com/products/apocalypse">www.dragcity.com/products/apocalypse</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Von Pink Floyd Covers und Soul-Entdeckungen bis Fahrstuhljazz</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/05/26/von-pink-floyd-covers-und-soul-entdeckungen-bis-fahrstuhljazz/</link>
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		<pubDate>Wed, 25 May 2011 22:19:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaronas Scheurer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konzertberichte]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/05/26/von-pink-floyd-covers-und-soul-entdeckungen-bis-fahrstuhljazz/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/05/JoeMagnarelli_JazzfestivalBasel-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Trotz einer eher risikolosen Programmgestaltung hat das diesjährige Offbeat Jazzfestival Basel überzeugt. Neben sicheren Werten wie Dianne Reeves, George Gruntz und Bobby McFerrin gab es einige positive Überraschungen und Perlen zu entdecken: Die Filmmusik von Renaud Garcia Fons war bezaubernd, das amerikanisch-italienische Trio von Dado Moroni, Joe Locke und Rosario Giuliani überraschte mit hochklassigem, inspiriertem Power-Jazz, mit Raul Midón trat eine Stimme mit Gitarre, von der man sicher noch einiges hören wird, ein erstes Mal in Basel auf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong style="font-size: 24px;">Offbeat Jazzfestival Basel, 30. April bis 13. Mai 2011</strong></p>
<p><strong style="font-size: 24px;"> </strong></p>
<div id="attachment_8680" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><strong style="font-size: 24px;"><strong><img class="size-full wp-image-8680" title="JoeMagnarelli_JazzfestivalBasel" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/05/JoeMagnarelli_JazzfestivalBasel.jpg" alt="Bild: Bernhard Ley; http://www.jazzfestivalbasel.ch/?page_id=283" width="550" height="367" /></strong></strong><p class="wp-caption-text">Bild: Bernhard Ley; http://www.jazzfestivalbasel.ch/?page_id=283</p></div>
<p><strong style="font-size: 24px;"> </strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;"> </span></strong></p>
<p><strong>Von Pink Floyd Covers und Soul-Entdeckungen bis Fahrstuhljazz</strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;"> </span></strong></p>
<p><strong>Trotz einer eher risikolosen Programmgestaltung hat das diesjährige Offbeat Jazzfestival Basel überzeugt. Neben sicheren Werten wie Dianne Reeves, George Gruntz und Bobby McFerrin gab es einige positive Überraschungen und Perlen zu entdecken: Die Filmmusik von Renaud Garcia Fons war bezaubernd, das amerikanisch-italienische Trio von Dado Moroni, Joe Locke und Rosario Giuliani überraschte mit hochklassigem, inspiriertem Power-Jazz, mit Raul Midón trat eine Stimme mit Gitarre, von der man sicher noch einiges hören wird, ein erstes Mal in Basel auf.</strong></p>
<p><strong>Auch neben dem offiziellen, zu bezahlenden Konzertprogramm war einiges Hörenswertes zu entdecken. Natürlich spreche ich hiermit die Konzertreihe der Jazzschule Basel in der Bar du Nord und der grosse Jazznachmittag am 7. Mai auf dem Barfüsserplatz an.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Jedes Festival braucht einige Headliner, die die Massen anziehen. So auch das Jazzfestival Basel. Mit der grossen Jazzstimme Dianne Reeves, dem Crossover-Geiger Nigel Kennedy, dem Basler Urgestein George Gruntz, dem deutschen Sänger- und Trompeten-Star Till Brönner, dem Stimmakrobat Bobby McFerrin und dem grossartigen Bassisten Dave Holland, der mit seinem neuen Allstar-Quartett nach Basel kommen sollte, waren dies Publikummagnete gegeben. Von so grossen Namen wird nichts überraschendes erwartet und so war es auch.</p>
<p><strong>Am 30. April spielte George Gruntz</strong> mit seiner mit bekannten Namen gespickten Concert Jazz Band zu einem unterhaltsamen Eröffnungsabend auf. Moderner, perfekt ausgearbeiteter Bigband-Jazz, packende Solis und ein charmanter Moderator, der das Konzert mit einigen interessanten Anekdoten aus seinem langen, erfüllten Musikerleben spickte. Obwohl das Drum vor allem das Saxofonregister ein wenig überdeckte und mehr leise, impressionistische Töne der Musik gut getan hätten, dominierten die positiven Eindrücke: Einige umwerfende Solis, vor allem der Akkordeonist Luciano Biondini und seine Eigenkomposition „Choro Loco“, der Posaunist Dave Bargeron, der Trompeter Joe Magnarelli und der Saxofonist Sal Giorgianni stachen heraus.</p>
<div id="attachment_8681" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-8681" title="GeorgeGruntz_ConcertJazzBanz_JazzfestivalBasel" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/05/GeorgeGruntz_ConcertJazzBanz_JazzfestivalBasel.jpg" alt="Bild: Röné Bringold; http://www.jazzfestivalbasel.ch/?page_id=283" width="500" height="338" /><p class="wp-caption-text">Bild: Röné Bringold; http://www.jazzfestivalbasel.ch/?page_id=283</p></div>
<p>Auch <strong>Nigel Kennedy am nächsten Abend (dem 1. Mai)</strong> erfüllte die Erwartungen: Virtuoses Geigenspiel nahe am Rock, viel Scherze, viel Effekte und Showelemente, doch alles in allem musikalisch nicht sehr interessant und fortschrittlich.</p>
<p><strong>Am Freitag, 6. Mai, sollte dann Dave Holland</strong> mit seinem neuen Quartett auftreten. Leider konnte Holland selber nicht kommen, da seine Frau im Spital lag. Mit Larry Grenadier wurde jedoch ein würdiger Ersatz gefunden. Trotzdem hörte man ein wenig, dass Grenadier eher kurzfristig eingesprungen war. Das Interplay war stellenweise nicht so intuitiv, wie man es von so hochklassigen Musikern (Jason Moran am Klavier, am Fender Rhodes und am Syntheziser; Chris Potter als Saxofonist und Eric Harland an den Drums) erwartet hätte. Bei der Vorband, dem neuen <strong>„Drumfree“-Trio von Wolfgang Muthspie</strong>l, war das Interplay zwar unglaublich sicher, dafür war häufig die Musik ein wenig zu kopflastig. Doch vor allem der Saxofonist Mark Turner bestach durch seinen wohltönenden und überlegt-gefühlvollem Spiel.</p>
<p>Auch <strong>Till Brönner am 12. Mai</strong> und <strong>Bobby McFerrin am 13. Mai</strong> boten Altbekanntes. Till Brönner spielte und sang mit seinem Quintett auf technisch perfektem Niveau unterkühlten Fahrstuhljazz und versuchte dem grossartigen Chet Baker nachzueifern, was ihm nicht wirklich gelang.</p>
<p>Bobby McFerrin wiederum beeindruckte mit einer zweistündigen Sologesang-Performance. Seine unglaubliche wandelbare und flexible Stimme und sein sekundenschnelles Umschalten zwischen Melodie, Bass und Begleitung ist und bleibt unerreicht. Wunderschön, als er den ganzen Saal dazu brachte das Ave Maria von Bach zu singen, während er die Begleitung so gestaltete, dass es nie zu rhythmischen und melodischen Unsicherheiten kam. Doch trotz aller Musikalität und Inspiration fiel die Frage, ob ihm ein kongenialer Konterpart nicht zu neuen Ufern bringen würde.</p>
<p>Doch der Höhepunkt dieses Starreigens stellte der <strong>Dianne Reeves Abend am 9. Mai</strong> dar. Diese Frau hat einfach eine Stimme und eine Ausstrahlung, die einen vom ersten Augenblick in den Bann zieht. Kongenial begleitet von den Gitarristen Romero Lubambo und Russel Malone. Nur der Syntheziser, den Lubambo an seine Gitarre hängte, machte einiges an Stimmung kaputt und wäre nicht nötig gewesen.</p>
<p>Und ihr Voract war eine überraschende Entdeckung: Der blinde Sänger und Gitarrist <strong>Raul Midón</strong> hat eine Stimme und Songs, die an Stevie Wonder erinnert, ohne dass man das Gefühl einer Imitation bekam, und eine Gitarrentechnik, die den Bass und das Schlagzeug ersetzte. Soulig, warm, immer sehr direkt und authentisch. Sicherlich eine der wenigen überraschenden Entdeckungen am diesjährigen Jazzfestival.</p>
<p>Eine weitere Überraschungsperle war das Trio von <strong>Dado Moroni, Joe Locke und Rosario Giuliani am 7. Mai</strong>. So viel Spielfreude, musikalische Virtuosität, Power und humorvolles Interplay habe ich schon lange nicht mehr gesehen und gehört. Giuliani ist ein unglaublich kraftvoller Saxofonist, der in der Tradition des Hardbops verankert ist, während Moroni ein eher modernes Pianospiel pflegt und über eine breitgefächerte stilistische Ausdruckspalette verfügt. Joe Locke hingegen merkte man seine amerikanische Herkunft an. Sein zupackendes, virtuoses Vibraphonspiel trieb ihn selbst, Moroni und Giuliani zu immer neuen Höhenflüge an.</p>
<p>Zu einem weiteren Höhepunkt gehört <strong>der 8. Mai</strong>. Der Bassist <strong>Renaud Garcia Fons</strong> komponierte für sein Sextett die Filmmusik zu den „Abenteuer des Prinz Ahmeds“. Eine Verfilmung eins 1001 Nach-Märchens, die die deutsche Künstlerin Lotte Reiniger in den Zwanziger-Jahren mit Scherenschnitt-Technik gemacht hatte. Eine poetischer Trickfilm, der von Renaud Garcia Fons und seinem Sextett perfekt untermalt wurde: Nie drängte sich die Musik in den Vordergrund, obwohl auch die Musik alleine durchaus hörenswert war. Schön wie modernere Stilmittel der Filmmusik mit dem orientalischen Charakter der Geschichte und der spanisch-nordafrikanisch angehauchten musikalischen Sprache von Garcia Fons verknüpft wurde.</p>
<div id="attachment_8682" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-8682" title="LarryGrenadier_JazzfestivalBasel" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/05/LarryGrenadier_JazzfestivalBasel.jpg" alt="Bild: Bernhard Ley; http://www.jazzfestivalbasel.ch/?page_id=283" width="500" height="333" /><p class="wp-caption-text">Bild: Bernhard Ley; http://www.jazzfestivalbasel.ch/?page_id=283</p></div>
<p>Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt beim Offbeat 2011 lag auf der Musik des Labels ECM. Drei Abende wurden dem deutschen Kultlabel gewidmet. Der Anfang machte <strong>am 2. Mai das Schweizer Klaviertrio um den Pianisten Colin Vallon und das italienische Duo von Gianni Coscia und Gianluigi Trovesi.</strong> Das Vallon Trio beeindruckte mit fein gesponnenem, gebildetem Modern Jazz. Man hörte deutlich, wieso ECM die neue CD von den drei Schweizer veröffentlichen wollte. Ruhiger, introvertierter Jazz, der die Grenzen zum Free Jazz und zum Pop nicht scheute.</p>
<p>Doch weitaus beeindruckender waren die zwei italienischen Urgesteine Coscia und Trovesi. Da war nichts von Altersmilde zu hören. Frech und humorvoll liessen sie Ideenfeuerwerke aufblitzen, spielten italienische Volkslieder, Kurt Weill-Songs, Barockmusik, Gipsy-Jazz, Kinderlieder, etc. an. Nie verweilten sie lange bei einer Idee, immer wieder kam ihnen einen genialen Einfall dazwischen, dem sie fröhlich nachjagten.</p>
<p><strong>Ein Tag später (der 3. Mai) trat François Couturier mit seinem Tarkowski-Quartett auf</strong>. Das Konzept dieser Band ist, die Stimmung und die Bilder der Filme von Andrei Tarkowski musikalisch wiederzugeben. Tarkowski ist berühmt für seine schweren, ruhig atmenden Filme bekannt. Und dementsprechend war auch die Musik: Häufig wunderschön und berührend, manchmal ein bisschen zu atmosphärisch und ab und zu sehr, sehr langatmig.</p>
<p>Der letzte ECM-Abend <strong>am 4. Mai</strong> war dann dem Piano-Trio gewidmet. Zuerst stellte das <strong>Norma Winston Trio </strong>ihre neue ECM-CD „Stories Yet To Tell“ vor. Ausgeklügelte Songs, die jedoch ein wenig unter einem elitären Kunstanspruch litten. Mehr Inbrunst und Spontaneität und weniger Zurückhaltung und englische Melancholie hätten dem Konzert gut getan.</p>
<p>Als zweite Band bespielte dann das fast schon legendäre <strong>Bobo Stenson Trio</strong> den Gare du Nord. Hier stellte sich die Frage, ob Bobo Stenson Trio der richtige Name dafür war; denn der Bassist Anders Jormin und der 32 Jahre junge Schlagzeuger Jon Fält haben glücklicherweise genauso Platz eingeräumt bekommen wie der Bandleader. Es wurde zeitgenössischer Jazz auf höchstem Niveau geboten. Vor allem Jon Fält hat die Sache sehr interessant gemacht; er spielte aufmüpfig wie ein kleines Kind und provozierte die zwei gestandenen Jazzherren. Das liessen sie natürlich nicht auf sich sitzen und gaben richtig Gas. Stark, wie sich diese drei Musiker gegenseitig aus dem sicheren Gefilde lockten und sich zu neuen Ufern aufmachten. Und man sah den drei die Freude an diesen improvisatorischen Entdeckungsreisen an.</p>
<div id="attachment_8683" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-8683" title="BobbyMcFerrin_JazzfestivalBasel" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/05/BobbyMcFerrin_JazzfestivalBasel.jpg" alt="Bild: Bernhard Ley; http://www.jazzfestivalbasel.ch/?page_id=283" width="500" height="333" /><p class="wp-caption-text">Bild: Bernhard Ley; http://www.jazzfestivalbasel.ch/?page_id=283</p></div>
<p>Wie allgemein bekannt, ist das Jazzfestival Basel ja nicht mehr nur auf Jazz spezialisiert. Bobby McFerrin ist eher Stimmkünstler als Jazzmusiker, Raul Midón würde ich eher Singer/Songwriter nennen und Nigel Kennedy pendelt eher zwischen Rock und Klassik. In diese Linie passte auch das <strong>Rita Marcotulli Nonett, dass am 11. Mai gespielt hat</strong>. Sie spielten Musik von Pink Floyd und schafften es tatsächlich den teilweise epischen, manchmal abstrakten, teilweise poppigen oder intimen Rocksound von Pink Floyd in einen modernen Jazzkontext zu übersetzen. Da wechselten sich frei improvisierte Teile mit Covers nahe an den Originalen ab und weit gespannte Soloparts wurden von dem Gesang von Raiz (tolle rauchig-tiefe Stimme) abgelöst. Auch die obligaten Ausflüge in die elektronische Musik und ins Sampling durften nicht fehlen.</p>
<p>Neben den zahlreichen Konzerten im Stadtcasino, im Theater Basel, im Gare du Nord, für die stolze Eintrittspreise verlangt wurden, gab es eine Reihe von Gratiskonzerten in der Bar du Nord. Dort spielten immer vor und nach den Gare du Nord-Konzerte nebenan eine Band der Jazzschule Basel. Eine interessante Gelegenheit der nächsten Jazzgeneration zuzuhören und zu erfahren, was an der Jazzschule Basel so passiert. Das Niveau war sehr hoch und einige Bands überraschten mit höchst  eigenständiger und eigenwilliger Musik. Mein persönliches Highlight stellte das Konzert von <strong>dem Trio Toni Crash am 4. Mai</strong> dar. Sie kamen mit ihrer ersten CD im Gepäck an und präsentierten Musik irgendwo zwischen Noise, Free Jazz und Rock. Die verfremdeten Gitarrenwände und verzettelten Melodien von Sebastian Scheipers, der pulsierender Kontrabass von Hagen Neye und das freie, explosive Schlagzeugspiel von Jan Schwinning bilden eine Mischung, die sich hören lässt. Auch FH:Yajoba, die später am Abend spielten, machten Spass. Viel einfacher zu hören als Toni Crash, spielten sie sich fröhlich durch Ska, Dub, Jazz und Rock. Eine Art „Partyjazz“ auf hohem musikalischem und technischem Niveau.</p>
<div id="attachment_8685" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-8685" title="NigelKennedySeptet_JazzfestivalBasel" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/05/NigelKennedySeptet_JazzfestivalBasel.jpg" alt="Bild: Röné Bringold; http://www.jazzfestivalbasel.ch/?page_id=283" width="500" height="338" /><p class="wp-caption-text">Bild: Röné Bringold; http://www.jazzfestivalbasel.ch/?page_id=283</p></div>
<p>Einen Tag vorher, <strong>am 5. Mai, war das Simon Spiess Trio</strong> noch zu Gast in der Bar du Nord. Auch diese Band um den namensgebenden Saxofonisten sind gerade mit einer neuen CD unterwegs. Ihr grooviger, moderner Jazz ist auch durchaus eine CD wert. Der Bassist Marco Nenninger und Daniel Mudrack bilden eine schlagfertige und eingespielte Rhythmsection. Mit diesen Zugpferden im Rücken konnte Simon Spiess seinem warmen, sonoren Tenorsaxofon-Klang und seiner unaufgeregten, doch zupackenden Spielweise freien Lauf lassen. Herrlich auch das Featuring mit seinem Lehrer Domenic Landolf. Man hörte, was Spiess alles von ihm gelernt hatte.</p>
<p>Zum Schluss will ich nur noch <strong>den „Jazz in the Streets“-Nachmittag am 7. Mai</strong> erwähnen. Den ganzen Nachmittag wurde gute Musik, das schönste denkbare Wetter und eine tolle Stimmung auf dem Barfüsserplatz geboten. Vor allem die Marching Funk Band „Funk Off“ aus Italien begeisterte das Publikum. Messerscharfer, kraftvoller Funk mit rasanten Choreographien und mitreissenden Solis. Jede Basler „Gugge“ sollte mal bei der italienischen Truppe in die Lehre gehen.</p>
<p>Für das nächste Jahr kann man nur hoffen, dass das Niveau gehalten wird. Toll zu sehen, dass in Basel so gute Musik ausserhalb der Klassik zu hören ist. Verbesserungswürdig wäre noch das Publikum. Es bestand überwiegend aus gut situierten, älteren Bürger und Bürgerinnen. Ein paar Gratiskonzerte mehr, Studentenrabatt und eine aufregendere, experimentellere Programmgestaltung würde auch diesen Punkt noch verbessern.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Links:</p>
<p><a href="http://www.jazzfestivalbasel.ch/">www.jazzfestivalbasel.ch</a></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Neues aus Kanadas düsteren Wäldern</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/04/29/neues-aus-kanadas-dusteren-waldern/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Apr 2011 18:31:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaronas Scheurer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuheiten]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/04/29/neues-aus-kanadas-dusteren-waldern/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/04/TimberTimbre-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Die kanadische Indie-Folk Band Timber Timbre um den Sänger, Songwriter und Multi- Instrumentalist Taylor Kirk bezaubern auch auf ihrem Zweitling mit düsteren Songs über gebrochene Herzen und deren einsame, verlorene Besitzer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong style="font-size: 24px;">Timber Timbre – Creep On Creepin&#8217;</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Neues aus Kanadas düsteren Wäldern</strong></p>
<div id="attachment_8573" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><strong><strong><img class="size-full wp-image-8573" title="TimberTimbre" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/04/TimberTimbre.jpg" alt="Bild: http://www.timbertimbre.com/music_spotlight.php?search=AC061&amp;artist=Timber%20Timbre" width="200" height="186" /></strong></strong><p class="wp-caption-text">Bild: http://www.timbertimbre.com/music_spotlight.php?search=AC061&amp;artist=Timber%20Timbre</p></div>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Die kanadische Indie-Folk Band Timber Timbre um den Sänger, Songwriter und Multi- Instrumentalist Taylor Kirk bezaubern auch auf ihrem Zweitling mit düsteren Songs über gebrochene Herzen und deren einsame, verlorene Besitzer.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Nach ihrem vielgelobten und preisgekrönten Erstling <em>Timber Timbre </em>erfüllen die drei Musiker von Timber Timbre auch mit ihrem neuen Wurf die hochgesetzten Erwartungen. Langsam schleppende, bluesgetränkte Songs, die von leeren, sich nach Sonne sehnenden Herzen, von düsteren Séancen und anderen bösen Riten, die man nicht los wird, erzählen. Timber Timbre sind sicherlich einer der interessantesten, eigenständigsten und auch düstersten Band der momentanen Indie-Folk Welle.</p>
<p>Schon 2006 und 2007 veröffentlichten Taylor Kirk, Simon Trottier und Mika Posen zwei Alben im Eigenvertrieb. Doch mit ihrem auf dem Label Out of the Spark veröffentlichten, offiziellen Debutalbum <em>Timber Timbre</em> katapultierten sie sich 2009 schlagartig in Aller Munde. Eine Nomination für den <em>Polar Music Prize</em> und den Titel <em>Album of the Year </em>vom Magazin Eye Weekly folgten.</p>
<p>Die Frage nach einem hochgelobten Durchbruchsalbum ist unausweichlich die, ob die Erwartungen erfüllt werden oder ob es sich als eine Eintagsfliege herausstellt. Im Falle von Timber Timbre darf man den Zweitling <em>Creep On Creepin&#8217; </em>durchaus als gelungen betrachten. Die zehn Songs überzeugen durch ihre Einfachheit. Das kehlige Bassorgan von Taylor Kirk überzeugt und er ist zweifelsohne ein überzeugender und einnehmender Geschichtenerzähler. Im Gegensatz zu ihrem letzten Album tendieren sie vermehrt Richtung Folk und weniger zum Blues hin, obwohl die bluesige Grundstimmung auch auf <em>Creep on Creepin&#8217; </em>erhalten bleibt.</p>
<p>Neu ist die grössere Bedeutung der Instrumente. So sind auch reine Instrumentals auf dem neuen Album zu finden. Und genau bei diesen kommen die Stärken des Neulings am besten zum Vorschein. Es sind nicht instrumentale Glanzleistungen oder die ausgefeilten Arrangements, die die Instrumentals „Obelisk“, „Swamp Magic“ und „Souvenirs“ hörenswert machen, sondern das Ohr und das Interesse für Sounds, Geräusche und – wie ihr Name eigentlich schon impliziert – Timbres. Wie Timber Timbre Stimmungen und Bilder mit ihren Klängen zu erzeugen weiss, ist schlicht und einfach grossartig.</p>
<p>Man höre sich nur einmal den Song „Woman“ an. Stampfend setzt ein verzerrter Bass ein, der von einer eiernden Orgel und dem rumpelnden Schlagzeug unterstützt wird. Doch plötzlich befindet man sich in einem schunkelnden 6/8-Soulsong, der auch von Screamin&#8217; Jay Hawkins stammen könnte, inklusive den obligaten, gehämmerten Piano-Achtel. Nachdem sich Taylor Kirk über die Unterschiede zwischen dem weiblichen und männlichen Erinnerungsvermögen ausgelassen hat, setzt der stampfende Bass wieder ein und hämmert den Song so zu einem würdigen Ende. Wie Timber Timbre den Hörer innert so kurzer Zeit nur durch die Veränderung des Bandsounds von einer Stimmung in eine total andere katapultiert, ist beeindruckend.</p>
<p>Was Timber Timbre so speziell macht, ist nicht das grossartige Songwriting oder die einnehmende und trotzdem düstere Stimme von Taylor Kirk, obwohl das Songwriting tadellos ist und der kehlige Bass von Kirk perfekt zu ihrer Musik passt. Nein, die Eigenständigkeit von Timber Timbre basiert vor allem auf der Klangästhetik, die sie zelebrieren. Klavier und Streicher sind hierfür die Hauptzutat und ein reduzierter Bass und ein dem Bass eng auf dem Fusse folgendes Schlagzeug die Basis. Doch die zahlreichen Sounds und Annäherungen an das Geräusch sind die Würze. Hier eine eiernde Orgel oder eine verzerrte Gitarre, da eine Geigensolo, das je länger je geräuschhafter und atonaler wird, dort ein schmachtendes, leicht verstimmtes Saxofon, ein Telefonklingeln oder ein elektronischer Cembalo-Sound.</p>
<p>Diese Vielfalt an Klängen und Timbres, die Timber Timbre in ihre Songs hinein samplen und aus ihren Instrumenten locken, machen das ernste, düstere, obskure, doch wunderschöne Universum von Timber Timbre aus. Voll spukigen Bildern, schwarzer Romantik und vernebelten, morbiden Stimmungen bewegen sich die Songs irgendwo zwischen melancholischen Folksongs, dem unheimlichen Klanguniversum eines Tom Waits und dem schunkelnden und gleichsam mystifizierten Blues eines Screamin&#8217; Jay Hawkins. Taylor Kirk selber betitelt ihre Musik einmal mit „Gothic Rockabilly Blues“. Ziemlich passend, wenn man Rockabilly in Slow Motion denkt.</p>
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<p>Links:</p>
<p><a href="http://www.plattfon.ch/">www.plattfon.ch</a></p>
<p><a href="http://www.timbertimbre.com/">www.timbertimbre.com</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Popklippe geschickt umschifft</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/04/29/popklippe-geschickt-umschifft/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Apr 2011 18:23:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaronas Scheurer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuheiten]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/04/29/popklippe-geschickt-umschifft/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/04/TheKills-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Was kommt heraus, wenn eine Band, die sich dem Garagepunk verschrieben hat, plötzlich das Geld und den Ruhm hat, gegen den es vorhin wetterte?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong style="font-size: 24px;">The Kills – Blood Pressures</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Popklippe geschickt umschifft</strong></p>
<div id="attachment_8565" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><strong><strong><img class="size-full wp-image-8565" title="TheKills" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/04/TheKills.jpg" alt="Bild: http://www.thekills.tv/index.php" width="200" height="200" /></strong></strong><p class="wp-caption-text">Bild: http://www.thekills.tv/index.php</p></div>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Was kommt heraus, wenn eine Band, die sich dem Garagepunk verschrieben hat, plötzlich das Geld und den Ruhm hat, gegen den es vorhin wetterte?</strong></p>
<p><sub> </sub></p>
<p>Es tönt wie die typische Rockband- Geschichte: Im Jahre 2000 begannen Jamie Hince aka Hotel und Alison Mosshart aka VV Ideen per Kassetten quer über den Ozean auszutauschen. Schon bald darauf zog VV von Florida nach London, um besser mit Hotel zusammenarbeiten zu können. Im Jahre 2002 veröffentlichten sie ihr Debut-EP „Black Rooster“ unter dem Name The Kills. Es tönte nach zu lauten Gitarren und schepperndem Schlagzeug (oder Drumcomputer) in staubigen Garagen, nach Bier und Schweiss. Kurz: Nach Rock&#8217;n'Roll. Und es beförderte sie in Kürze in aller Kritikermunde. Es folgten drei höchst erfolgreiche CDs und inzwischen sind sie beim Label Domino Records (u. a. Franz Ferdinand, Arctic Monkeys, Four Tet) gelandet. Alison Molisshart spielt noch mit Jack White in Supergruppe The Dead Weather und Jamie Hince ist mit dem Supermodell Kate Moss liiert. Folgt man der Popbusiness-Logik müsste jetzt ein schlechtes Album folgen, in dem sie Altbewährtes aufwärmen und es durch den schmierig- glattmachenden Pop-Fleischwolf lassen. Ein paar Features mit verkaufsfördernden Berühmtheiten, eine Welttournee durch alle grosse Stadien und fertig ist der 0815-Rockstar und das volle Konto für die nächsten zehn Jahren. Doch glücklicherweise umschiffen das moderne Bonnie und Clyde-Paar der Rockszene geschickt diese Klippe.</p>
<p>Es gibt einige Merkmale, die beim ersten Durchhören von Blood Pressures auffallen: Das Tempo wurde allgemein etwas heruntergeschraubt, die Songs sind voller produziert mit Klavier teilweise sogar mit Synthies und Streichern, die Melodien sind häufig melodiöser und haben mehr Popappeal. Diese Tendenzen werden schon beim ersten Song „Future Starts Slow“ deutlich. Das Schlagzeug rumpelt zähflüssig vor sich hin, die Gitarre wirft spitze Schreie über den Bassteppich. Die Stimme von VV ist sexy wie eh und je, doch kommt die Melodie mit einem grossen Ohrwurmpotential daher. Vor allem sei hier auf die Bridge von „Future Starts Slow“ hingewiesen.</p>
<p>Noch deutlicher wird es beim zweiten Song: Der Single-Auskopplung „Satellite“. Gitarre und Schlagzeug tönen hier schon fast nach der hippen englischen Dub-Ästhetik. So langsam tropft der Groove vorwärts. Die Lyrics, obwohl immer noch sexy und intelligent wie eh und je, beschränken sich teilweise sogar  nur auf „Ohohs“ und „Ahahs“. Doch auch auf ihrer neusten CD vergessen The Kills ihre Wurzeln nicht. So tönt „Nail In My Coffin“,  „DNA“ und „You Don&#8217;t Own The Road“ genau, wie The Kills tönen müssen. Ein treibendes Schlagzeug, die verzerrt-lärmige Gitarre und die messerscharfen Texte und Melodien, die in den sich perfekt ergänzenden Stimmen von VV und Hotel wunderbar aufgehen.</p>
<p>Doch sie sind eindeutig vielfältiger geworden. Der Blues ist noch da, die dreckige Punk-Attitude ist noch da, die treffenden, intelligent-sexy Texte über Liebe und was damit einhergeht, sind noch da. Man hört jedoch dem Songwriting an, dass Alison Mosshart inzwischen mit Jack White zusammenarbeiten durfte. Es ist ausgefeilter, geschliffener geworden. Auch die Produktionsmethoden wurden hörbar verbessert. Es lohnt sich nämlich durchaus die Platte mit einer anständigen Anlage richtig laut zu hören. Am besten mitten in der Nacht, um den spiessigen Nachbarn zu zeigen, dass der kleine Punk in einem noch nicht tod ist.</p>
<p>Es ist jedoch noch mehr da, im neuen Wurf von The Kills. Da wäre zum Beispiel die schon erwähnten zähflüssigen Beats. Aber auch eine neue Intimität und Verletzlichkeit kommt zum Vorschein. So zum Beispiel in der kleinen, aber feinen Ballade „Wild Charms“. Vorgetragen von Hotel, begleitet von einem reduzierten Schlagzeug, Klavier und Gitarre. Mein klarer Favorit ist jedoch ganz klar der Rausschmeisser „Pots and Pans“. Schon nach 30 Sekunden haben sie mit grossem Vorsprung gewonnen: Bass und Drums hämmern vor sich hin, eine bluesige Akustikgitarre und VV und Hotel nehmen eine schlecht ausgerüstete Küche als Metapher für eine verlebte Liebe. Darauf wird aufgebaut: Schon fast U2-grosse Gitarrenwände, Backgroundchöre aus VV alleine und Bass und Schlagzeug hämmern unbeirrt vor sich hin. Grossartig!</p>
<p>Man kann nur froh sein, dass VV und Hotel genügend Standfestigkeit bewiesen haben und sich nicht von der Popwelt überrumpeln liessen. Denn, obwohl „Blood Pressures“ einige Längen aufweist, haben sich The Kills eindeutig weiterentwickelt. Ohne ihre Blues- und Punk-Wurzeln zu vergessen, sind viele neue, interessante Einflüsse zu hören: Das erfrischend-einfache und gradlinige Songwriting sicherlich beeinflusst von Jack White, ein zäher, schleppender Groove, wie er fast nur im Dub oder bei den alten Blueshelden zu finden ist, sogar Tom Waits selber hört man manchmal hindurch schimmern. Man kann auf jeden Fall gespannt sein, auf die weitere Zusammenarbeit dieses interkontinentalen Gespanns.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Links:</p>
<p><a href="http://www.plattfon.ch/">www.plattfon.ch</a></p>
<p><a href="http://www.thekills.tv/bloodpressures.php">www.thekills.tv/bloodpressures.php</a></p>
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