Lukas Bärfuss “Zwanzigtausend Seiten” | Schiffbau/Box, Zürich

Wozu das ganze Spektakel? Lukas Bärfuss “Zwanzigtausend Seiten” | Schiffbau/Box, Zürich Nach „Malaga“ stellte Lukas Bärfuss mit „Zwanzigtausend Seiten“ sein zweites Auftragswerk für das Schauspielhaus Zürich im Schiffbau vor. In seiner gewohnten Manier wirft er auch hier moralische Fragen auf, diesmal nach der Verantwortung des Individuums und der Auseinandersetzung eines Landes mit seiner Vergangenheit. Von Lisa Letnansky. Im Film [...]

Julian Barnes: “Vom Ende einer Geschichte”

Erinnerungen können trügen. Das muss Julian Barnes’ Protagonist Tony am eigenen Leib erfahren. Indem eine vierzig Jahre alte Geschichte neu aufgerollt wird, lässt Barnes seinen Helden die Unzulänglichkeiten des menschlichen Erinnerungsvermögens erkennen und stellt so jede Autobiographie in ein neues Licht.

Bruce Bégout: “Der Park”

Massenproteste, Aufstände, Hunger- und Naturkatastrophen bevölkern die aktuellen Schlagzeilen, die Anzahl der Todesopfer klettert stetig in die Höhe. Die Idee, die „Übel der Welt“ in ein Freizeitvergnügen zu verwandeln, scheint daher abartig und pervers. Und bleibt dennoch innerhalb der Grenzen des Vorstellbaren.

Oscar Wilde “Der ideale Mann” | Schauspielhaus Zürich

Zürich, 9. Dezember 2011 – Was dabei herauskommt, wenn Elfriede Jelinek Oscar Wilde interpretiert, kann derzeit am Schauspielhaus Zürich erlebt werden: Ein Abend voller Witz, Ironie und einschlagender Sprachgewalt.

Gerard Donovan: “Morgenschwimmer”

In dreizehn Geschichten erzählt Gerard Donovan von Menschen an Wendepunkten, Menschen, die etwas verloren haben, die sich an etwas erinnern, was plötzlich nicht mehr da ist. Die Atmosphäre des ländlichen Irlands färbt die geschilderten Landschaften und Stimmungen und hängt dabei wie ein Schleier über den Schicksalen. Dennoch sind Donovans Geschichten nicht einfach typisch irisch, sie sind universell und könnten genau so auch hier um die Ecke geschehen.

Peter Henning: “Leichtes Beben”

Jeder kennt sie, die kurzen Momente und Ereignisse, die man zum Zeitpunkt des Geschehens einfach wahr- und hinnimmt, von denen man aber später sagen kann: „Genau da hat sich mein Leben und mein Weltbild verändert, nach diesem Ereignis war ich ein anderer Mensch.“ Von solchen Momenten erzählt Peter Henning in den einunddreissig Episoden seines jüngsten Romans „Leichtes Beben“ und erschafft damit ein einfühlsames, facettenreiches, aber manchmal leider auch leicht verwirrendes Kaleidoskop menschlicher Erfahrungen.

Motus “Alexis. Una tragedia greca” | Zürcher Theater Spektakel, Landiwiese

Zürich, Landiwiese – 27. August 2011: Wer ist Antigone heute? Das ist die Frage, die sich die Gruppe Motus aus Rimini in ihrem Stück “Alexis. Una tragedia greca“ stellt – ein modernes Theater muss heute ja auch immer ein Theater der Aktualität sein. Indem sie die antike Geschichte von Antigone in die heutige Zeit zu versetzen versuchen, entdecken Motus überraschende Parallelen, verlieren aber leider den grösseren Zusammenhang aus den Augen.

Mokhallad Rasem “Iraqi Ghosts” | Zürcher Theaterspektakel, Landiwiese

Zürich, Landiwiese – 21. August 2011: Den Krieg auf die Bühne zu bringen, ist das erklärte Ziel der irakisch-belgischen Produktion “Iraqi Ghost“. Kein einfaches Vorhaben, das weiss auch der seit drei Jahren in Belgien lebende irakische Regisseur und Schauspieler Mokhallad Rasem. Mit geradlinigen Plots und anschaulichen Szenen ist dem Krieg nicht beizukommen, denn gerade für die involvierte Bevölkerung ist Krieg immer unlogisch, laut und surreal.

Albert Ostermaier: “Schwarze Sonne scheine”

Ganz in der Tradition der 70er-Jahre-Krankengeschichten zeigt Albert Ostermaier in seinem jüngsten Roman was geschieht, wenn das Leben einer Person auf einmal von einer Diagnose beherrscht wird – ganz egal, wie handfest oder glaubwürdig diese auch ist. Den blinden Glauben an die Obrigkeit der Medizin und der Kirche beschreibt der Dichter in atemberaubenden, zuweilen pathologisch anmutenden Wort- und Metaphernergüssen.

Wladimir Makanin: “Benzinkönig”

Kriege kennen keine Regeln. Schon gar nicht ein Krieg, der keine Fronten hat und dessen Hintergründe für viele der Involvierten undurchsichtig ist, wie jener vor noch nicht allzu langer Zeit in Tschetschenien. In diesem täglichen Chaos aus Recht und Unrecht, Feind und Freund versucht der “Benzinkönig” Major Schilin etwas Ordnung zu schaffen – der Altmeister der russischen Literatur Wladimir Makanin erzählt in seinem zehnten Roman vom Kampf eines Einzelnen gegen die höhere Gewalt.

Sascha Lange: “Das wird mein Jahr”

Über die 80er-Jahre kann man sich ja so toll lustig machen. Und mit Wende-Romanen hatten ja auch schon so einige andere Schriftsteller Erfolg. „Das kann ich auch!“, dachte sich da wohl Sascha Lange und legt tatsächlich eine solide, witzige und unterhaltsame Story vor. Etwas wirklich Neues ist dabei aber leider nicht herausgekommen – oder zumindest fast nicht.

Wolfgang Müller: “Kosmas”

Ab wann ist ein Kunstwerk eigentlich ein Kunstwerk? Warum sammeln Menschen Kunst? Und was denken die Menschen in fünfhundert Jahren wohl von unserer gegenwärtigen Kultur? Indem er Reales und Fiktives zu einem satirisch-witzigen und sehr erhellenden Gedankenspiel vermischt, beantwortet Wolfgang Müller in seinem Roman „Kosmas“ nicht nur diese Fragen.

Markus Kavka: “Rottenegg”

„Hamma wieder was gelernt!“ Diesen Satz kennt jeder, der auch nur ab und zu mal in die MTV News reingezappt hat, als Markus Kavka diese noch moderierte. Was lernen muss auch Gregor Herzl, der Protagonist in Kavkas erstem Roman „Rottenegg“. Durch eine Serie mittlerer Katastrophen aus der Bahn geworfen, sucht der Pop-TV-Moderator, der mit dem Autor so einige Gemeinsamkeiten teilt, sein Glück in der oberbayrischen Provinz.

Giorgio Vasta: “Die Glasfresser”

Giorgio Vastas Roman “Die Glasfresser” erzählt die Geschichte von drei elfjährigen, anscheinend hochbegabten Fanatikern im Palermo von 1978. Inspiriert von den Roten Brigaden führen sie „politische“ Aktionen aus und schrecken auch vor Gewalt an Menschen nicht zurück. Mit einer Sprachgewalt, die einem kalte Schauer über den Rücken jagt, gleichzeitig aber auch die Krux des Romans darstellt, führt Vasta vor Augen, wohin eine fehlgeleitete jugendliche Begeisterung führen kann.

Michael Stavarič: “Brenntage”

Die Welt, von der uns Michael Stavaričs neuer Roman erzählt, ist seltsam entrückt, archaisch und ungezähmt, zuweilen auch unheimlich oder beengend. Stavarič erzählt auf eine wundersam naive, aber dennoch besonnene Weise von einer in dieser Abgeschiedenheit einer Siedlung im Wald verbrachten Kindheit, inmitten von umherstreunenden Soldaten, unsichtbaren Geistern und verschwindenden Kindern.

Jacques Chessex: “Der Schädel des Marquis de Sade”

In „Der Schädel des Marquis de Sade“ berichtet der mittlerweile verstorbene Jacques Chessex von den letzten Monaten des bereits zu Lebzeiten zur Legende erhobenen, verehrten und verachteten französischen Edelmanns Donatien Alphonse François de Sade. Doch auch nach dessen Tod war es keinesfalls gänzlich vorbei mit dem Marquis. Die Legende lebte weiter, stiftete Unruhe und wurde in Beziehung zu so manchem mysteriösen Todesfall gebracht.

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