Simon Lelic: “Ein toter Lehrer”

In der Aula einer Londoner Eliteschule erschiesst ein Lehrer drei Schüler und eine Lehrerin. Was nach einem tragischen, aber einfachen Fall aussieht, entwickelt sich für Ermittlerin Lucia May zu einem Wendepunkt in ihrem Leben, und für den Leser zu einem äusserst emotionalen Leseerlebnis.

“Rubber” von Justin Dupieux

Ein mit übernatürlichen Kräften ausgestatteter Pneu als Mörder – zugegeben, der Einfall ist so absurd, dass man daraus einfach einen Film machen muss. Die Idee von “Rubber” scheint für viele Kritiker, welche den Film euphorisch als Kultfilm bezeichneten, jedoch wichtiger gewesen zu sein als der Film. Dass die 60 von 80 Minuten, in denen der Pneu nicht im Bild ist, einfach nur ausgemachter Mist sind, scheint den meisten entgangen zu sein.

Roddy Doyle: “Typisch irisch”

Über fast zwei Jahrhunderte hinweg schien Irlands Problem eher die Aus- als die Einwanderung zu sein. Seit Mitte der 90er Jahre kennt aber auch die grüne Insel die Angst vor unkontrollierter Immigration und damit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. In “Typisch irisch” begibt sich Roddy Doyle in das neue, multikulturelle Irland, und erzählt unverkrampft, ironisch und humorvoll Geschichten jener neuen Iren, aus deren rotem Bart kein Guinness auf das Irish Stew tropft.

“Monsters” von Gareth Edwards

Kalter Schweiss muss Hollywoods Filmproduzenten den Rücken herunter gelaufen sein, als sie Gareth Edwards “Monsters” sahen. Ein britischer Visual Effects Creator hatte mit einem Budget von 500′000 einen Spielfilm gedreht, der nicht nur um Meilen intelligenter und vielschichtiger war als manches von Hollywoods Multimillionenprojekten, sondern auch mindestens so gut aussah. “Monsters” ist der Beweis, dass low budget nicht zwingend low quality sein muss, sondern vielleicht sogar der Weg zurück zu gutem Kino ist.

“Ondine” von Neil Jordan

Welcher Fischer würde nicht gerne einmal eine wunderschöne Frau in den Netzen finden, die er an Bord zieht? Syracuse, einem vom Pech geplagten irischen Fischer, passiert in “Ondine” genau das. Dass es sich bei der Frau aus dem Meer um das Sagenwesen Selkie handeln soll, will er nicht glauben, obwohl seine Tochter felsenfest davon überzeugt ist. Eine Romanze, angesiedelt im Niemandsland zwischen Märchen und Sozialdrama, beginnt sich zu entwickeln.

Hamed Abdel-Samad: “Der Untergang der islamischen Welt”

Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts war geprägt von den Spannungen zwischen dem Westen und der arabischen Welt, die sich in zahlreichen Terroranschlägen und zwei Kriegen entluden. Der ägyptischstämmige Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad sieht darin ein letztes Aufbäumen der untergehenden islamischen Kultur. Seine Prognose ist provokativ und einseitig, aber ebenso faszinierend.

“The Age of Stupid” von Franny Armstrong

Seit mittlerweile fast einem halben Jahrhundert ist sich der Mensch bewusst, dass er mit seinem CO2-Ausstoss Veränderungen im Klima herbeiführt oder zumindest beschleunigt. Getan hat er in diesem halben Jahrhundert wenig dagegen, und was er getan hat, war nicht radikal genug, um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden. In “The Age of Stupid” blickt ein Wissenschaftler auf die Ereignisse zwischen 2010 und 2055 zurück – der Zeit des klimabedingten Untergangs der Menschheit.

“Winter’s Bone” von Debra Granik

Einen Film mit einem Budget von 2 Millionen macht sich selten Hoffnungen auf die grossen Festivalpreise und Auszeichnungen. Besonders dann nicht, wenn gerade mal einer der Nebendarsteller einigermassen bekannt ist, während von Regisseurin und Hauptdarstellerin noch kaum jemand gehört hat, und der Film in der wohl hinterwäldlerischsten Region Amerikas spielt. Was Debra Granik mit “Winter’s Bone” gelungen ist, ist daher umso bewundernswerter und macht Hoffnung auf eine Richtungsänderung im amerikanischen Filmbusiness.

“War of the Wizards” von Dong-hun Choi

Eine der wenigen Komödien am Neuchatel International Fantastic Filmfestival 2010 war “Woochi” – eine geballte Ladung quirligen Fantasyklamauks aus Südkorea. Der Erfolg im eigenen Land scheint dem Film den Sprung nach Europa verschafft zu haben – auch bei uns ist der Film ab sofort als “War of the Wizards” auf DVD erhältlich.

“Jonah Hex” von Jimmy Hayward

Verzweifelt über seine zunehmende Ideenlosigkeit scheint Hollywood sich nach wie vor an das zweischneidige Erfolgsrezept namens Superhelden-Comicverfilmung zu klammern. Wirklich gut war bisher eigentlich noch keine, aber so schlecht wie „Jonah Hex“ auch nicht. Dessen Leinwandauftritt markiert einen neuen Tiefpunkt in Hollywoods Schaffenskrise, indem er alles, aber wirklich alles falsch macht.

Peyman Jafari: “Der andere Iran”

Der Iran hat keinen guten Ruf im Westen. Ängste vor nuklearer Aufrüstung sowie Entrüstung über anti-israelische Propaganda, Ehebruchsprozesse und Menschenrechtsverletzungen verleiten uns dazu, im Iran eine Bedrohung zu sehen. Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus. Peyman Jafari zeigt in seinem Buch eindrücklich, dass die wahre Bedrohung für die Stabilität der Region vom Westen ausgeht.

“5150 Elm’s Way” von Eric Tessier

Yannick ist zur falschen Zeit am falschen Ort und bringt damit sich und eine Familie selbsternannter christlicher Gotteskrieger in eine Zwickmühle. “5150 Elm’s Way”, ein Thriller als Quebec, vermochte bereits am NIFFF letzten Sommer zu überzeugen und ist nun erfreulicherweise auch in der Schweiz auf DVD erhältlich.

“Micmacs” von Jean-Pierre Jeunet

Fünf lange Jahre warteten Fans des französischen Regisseurs Jean-Pierre Jeunet auf dessen neuesten Film. Die Erwartungen hätten kaum höher sein können. Mit “La cité des enfants perdus”, “Delicatessen”, “Le fabuleux destin d’Amélie Poulain” und “Un long dimanche de fiançailles” hatte Jeunet bereits vier Meisterwerke abgeliefert. Wären sein neuster Film “Micmacs” ein Erstlingswerk, man dürfte ihn loben. Als Jeunet-Film hingegen enttäuscht er leider über weite Strecken.

Herman Melville: “Moby Dick”

Den Namen des berühmtesten Wals der Literaturgeschichte kennen wir alle, gelesen haben Herman Melvilles Klassiker nur die wenigsten von uns. Erstaunlich ist dies allerdings nicht, denn der viele hundert Seiten lange Roman gehört zu den sperrigsten Werken der Weltliteratur. Wer sich diese Erfahrung sparen, die Geschichte des weissen Wals aber dennoch kennen möchte, ist mit vorliegendem Hörspiel gut bedient.

“A Nightmare on Elm Street” von Samuel Bayer

Freddy Krueger ist ein zu guter Bösewicht, als dass das Kino ihn sterben lassen könnte. Anstatt der siebenteiligen Serie eine weiteren Fortsetzung hinzuzufügen, entschied man sich im jüngsten Film mit dem messerhändigen Bösewicht für ein Remake des Originals. Dieses kann sich trotz vieler Stärken aber nicht mit ebendiesem Original messen.

Colm Tóibín: “Brooklyn”

Während einem zweijährigen Aufenthalt in New York wird die junge Irin Eilis von einem schüchternen Mädchen zu einer selbstbewussten Frau. Dies ist, in einem Satz, der Inhalt von Colm Tóibíns “Brooklyn”, ein Roman, der entsprechend wenig Wert auf Handlung legt. Die Stärken liegen woanders.

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