Mark Werner: “Knautschzone”

Ein Musik-Freak als Hauptperson, die Auseinandersetzung mit dem Alltag, namentlich mit Beziehungskisten und mit der Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit, eine Mischung zwischen Ernsthaftigkeit und Humor – Ja, hier kommt ein Nick Hornby der deutschen Popliteraturszene. Leider kein besonders guter. „Knautschzone“ enttäuscht durch eine voraussehbare Handlung und mangelnde Ernsthaftigkeit.

Christian Zehnder: “Julius”

Aus unendlicher Ferne scheint in Christian Zehnders kurzem Roman ein nüchterner, aber durchaus mitfühlender Beobachter das Erwachsenwerden des träumerischen Julius’ zu verfolgen. Ungreifbar und schwebend ist diese Geschichte, und dabei schön und poetisch.

Tanja Weber: “Sommersaat”

In ihrem ersten Kriminalroman um den Postboten Stifter und den bayrischen Kommissar Thalmeier enttarnt Tanja Weber eine Dorfidylle, zeichnet mit wenigen Worten selbst von Nebenfiguren Porträts mit scharfen Konturen und begeistert mit zwei eigentümlichen Protagonisten.

Jo Lendle: “Alles Land”

Seine bahnbrechende Theorie von der Drift der Kontinente wurde von Wissenschaftskollegen verlacht. Sein abenteuerliches Leben endete in der Kälte des ewigen Eises. Mit einprägsamen Bildern und einer klaren Sprache schildert Jo Lendle das Schicksal des verkannten Wissenschaftlers und einsamen Menschen Alfred Wegener.

Kurt Palm: “Bad Fucking”

2011 hat ein Kriminalroman den Glauserpreis gewonnen, dessen Taschenbuchausgabe wie ein etwas zu dick geratener Kioskheftroman daherkommt: Cheerleaderblondinen, Alpenidylle und ein Aal auf dem Karokissen. Willkommen in Bad Fucking!

Mario Andreotti: “Die Struktur der modernen Literatur”

Längst kann „Die Struktur der modernen Literatur“ des Germanistikprofessors Mario Andreotti als Standardwerk gelten. Mit der 4., vollständig neu überarbeiteten und aktualisierten Auflage führt Andreotti seine Betrachtungen und Analysen moderner Literatur nun bis in die Gegenwart hinein. Wer angesichts der Verwandlung von Menschen in Käfer schon immer ratlos war, wer in „Berlin Alexanderplatz“ vergeblich nach einem verlässlichen Erzähler gesucht oder sich über die Abwesenheit des Reims in moderner Lyrik gewundert hat, wird dank Andreottis Buch den Eigenheiten der modernen Literatur und damit auch einem neuen Verständnis für moderne Texte näher kommen.

“Small World” von Bruno Chiche

Die Verfilmung des Erfolgsromans von Martin Suter wartet mit einem gewohnt brillanten Gérard Depardieu auf. Dem Vergleich mit dem Roman hält sie aber nicht stand.

“Der Kameramörder” von Robert Adrian Pejo

Es soll ein unverfängliches, fröhliches Wiedersehen und Kennenlernen werden, als Heinrich und Eva am Neusiedlersee bei Thomas und seiner neuen Freundin Sonja ankommen. Doch als drei Kinder verschwinden, verwandelt sich die Unbeschwertheit langsam in einen Albtraum. Robert Adrian Pejo ist mit „Der Kameramörder“ ein intensiv gespielter Thriller nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Glavinic gelungen.

Goran Petrovic: “Die Villa am Rande der Zeit”

Goran Petrovic beschwört in „Die Villa am Rande der Zeit“ die Macht von Fantasie und Literatur, er lässt das alte Belgrad auferstehen und erzählt die Geschichten von Menschen, die in Büchern verschwinden.

Matthias P. Gibert: “Rechtsdruck”

Im siebten Kriminalroman mit seinem Ermittler Hauptkommissar Paul Lenz taucht Gibert tief in die aktuelle Diskussion um Integration, Ausländerkriminalität, Vorurteile und politische Taktiererei mit der Wählergunst ein. Das wäre total spannend, wenn Gibert die direkte Rede seiner Figuren nur öfter unkommentiert lassen würde.

Sabine Huttel: “Slalom”

Sabine Huttel hat sich mit ihrem Erzählband „Slalom“ viel vorgenommen. Und Sie beweist einmal mehr, dass sie eine ganz hervorragende, einfühlsame und sprachmächtige Erzählerin ist.

“Goethe!” von Philipp Stölzl

…die die Welt im Innersten zusammenhält!“, erklärt der junge Sturm-und-Drang-Goethe – und lebt danach. Sein Herz schlägt kräftigst für Charlotte Buff; die leider schon so gut wie verlobt ist. In “Goethe!” präsentieren sich Goethe als ein widerspenstiger Heisssporn und das 18. Jahrhundert als etwas zwischen Märchenwelt und Biedermeierparadies. Das passt zum Film, der eine recht gelungene Mischung zwischen Autorenporträt und Literaturverfilmung ist.

Huldar Breiðfjörð: “Liebe Isländer”

Huldar hat genug von seinem langweiligen Leben in der isländischen Hauptstadt. Er verlässt Reykjavik. Sein Plan: sein Heimatland auf der Ringstrasse einmal umrunden und dabei sich selbst und seine Landsleute kennen lernen. Sein Begleiter: ein eigenwilliger Jeep. Seine Stationen: unzählige Tankstellenkioske. Sein Buch: die ideale Vorbereitung auf die Frankfurter Buchmesse 2011.

Andrea Levy: “Das lange Lied eines Lebens”

In ihrem neuen Roman lässt Andrea Levy eine ehemalige Sklavin ihr Leben erzählen und damit eine Geschichte von Sklaven und ihren Herren, von der grossen Kluft zwischen den Menschen, von Gewalt und Unmenschlichkeit. Bemerkenswert ist dabei vor allem der Ton, den Levy findet, um ihrer Erzählerin Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Eugen Sorg: “Die Lust am Bösen”

Längst haben wir das Böse wegerklärt und reden stattdessen von Erfahrungen der Ausgrenzung, Immigrationshintergründen und Identitätsproblemen. Eugen Sorg gibt in „Die Lust am Bösen“ auf die Frage, woher das Böse kommt und warum wir es trotz aller Erfahrung immer noch nicht losgeworden sind, eine unbequeme Antwort.

Nataša Dragnić: “Jeden Tag, jede Stunde” (Roman)

Nataša Dragnić erzählt in „Jeden Tag, jede Stunde“ eine Liebesgeschichte, die auch kitschig sein könnte, vor allem aber von der grossen sprachlichen Gestaltungskraft seiner Autorin zeugt.

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