Von Simon Wottreng · Januar 2011

1956, Kalter Krieg. Der Schweizer Staatsschutz überwacht zehn Prozent der eigenen Bevölkerung aus Angst vor kommunistischer Unterwanderung, es existieren Pläne zum Bau einer Atombombe. Dass in diesem Kontext der Begriff der Wahrheit zu einer von politischen Interessen vereinnahmten Sache wird, muss Spezialagent Rappold erkennen, als er den undurchschaubaren PR-Berater Harry Wind verhört. Ein intelligenter Thriller über die Macht der Lüge, wobei mit dem Setting im Kalten Krieg ein dunkles Kapitel der Schweizer Politik aufgeschlagen wird.
Von Simon Wottreng · November 2010

Zum 14. Mal sind in Winterthur die Kurzfilmtage über die Bühne, respektive Leinwand, gegangen. Das vielfältige Programm überzeugte nicht nur mit interessanten internationalen Filmen, sondern bewies, dass auch hierzulande talentierte junge Filmemacher am Werk sind, von welchen in Zukunft auch anspruchsvolle Langfilme erwartet werden dürfen. Ein Augenschein des Schweizer Beitrags am renommierten Festival.
Tags: Andrea Schneider, Animal Kingdom, Anthony Vouardoux, Antoine Tinguely, Daniel Zimmermann, dürä..!, Fabio Friedli, Heimatland, Internationale Kurzfilmtage Winterthur, Jan Mettler, Joel Basman, Le miroir, Loretta Arnold, Marius Portmann, Nils Hedinger, Pascal Walder, Quinn Reimann, Rolf Hellat, Rolf Lang, Schub auf Maximum, Stick Climbing, Yuri Lennon’s landing on Alpha 46
Von Simon Wottreng · Oktober 2010

Vier Jungs lassen sich von ihrer Krebserkrankung nicht unterkriegen und machen den Spitaltrakt mit Rollstuhlrennen und nächtlichen Fussballspielen unsicher. Was Stoff für einen berührenden Film mit einer äusserst ernsten Thematik hergäbe, lässt Michael Schaerer in ein kitschiges Feelgood-Movie verkommen. Bei Flirts mit Krankenschwestern und verbotenem Baden im Teich mit Zigaretten und Bier wähnen wir uns im Ferienlager. Ab und an bringt uns der subtile Humor mancher Szenen trotzdem zum Lachen.
Von Simon Wottreng · September 2010

Wie viel Veränderung der Persönlichkeit hält eine Beziehung aus? Dieser Frage geht Jasmila Zbanic im Film „Na putu – Zwischen uns das Paradies“ auf den Grund. Ihrem grandiosen Debutwerk „Grbavica – Esmas Geheimnis“ folgt damit eine ähnlich einfühlsame Studie menschlicher Gefühle und Überzeugungen, wenn auch die Geschichte eines jungen muslimischen Paars im Clinch zwischen westlichem Lebensstil und muslimischer Tradition allzu oft von Klischees Gebrauch macht und trotz gekonnter Inszenierung nicht an das Erstlingswerk herankommt.
Von Simon Wottreng · Juli 2010

Das Spielen westlicher Musik ist im autoritären System des Gottesstaates Iran kein ungefährliches Unterfangen. Unbeeindruckt von staatlicher Repression schnallen sich junge Teheraner trotzdem die Gitarre um und schreien Lieder der Freiheit in die Welt hinaus. Indierock als Ausdruck der Wut und der Hoffnung – Bahman Ghobadi erzählt in dokumentarischer Manier die Geschichte einer iranischen Band, die sich nicht mit den Gesetzen des Mullahregimes abfinden will.
Von Simon Wottreng · Juni 2010

Die Veränderungen in Jeannes Alltag beginnen langsam: Stand der Küchentisch tatsächlich schon immer waagrecht zur Wand? War die Couch schon immer silberfarben? Doch bald schon wandelt sich auch das Aussehen ihres Mannes, jenes ihrer Kinder, und schliesslich das ihrer selbst. Die Suche nach den Ursachen dieser erschreckenden Transformationen wird zu einer Suche nach der eigenen Identität.
Von Simon Wottreng · Mai 2010

Die Liebesgeschichte zwischen einer Frau, die ein Modeimperium erschafft, und einem Pianisten, der ein Orchesterwerk von revolutionärem Charakter komponiert. Regisseur Jan Kounen inszeniert auf gekonnte, wenn auch etwas langatmige Weise ein Stück Kunstgeschichte, ohne dabei – was angesichts der Modethematik eine naheliegende Gefahr darstellt – in die Gefilde des Kostümepos zu verfallen.