Amanita Design und das Erbe des vollen Mundes

Viel, viel später liegt der erste Versuch, auf Worte Taten folgen zu lassen, nun vor. Und es geht darum um die herrlich verschwrubelten Spiele von Amanita Design, Holz und Rost und eine “Ästhetik des verherrlichten Zerfalls und der zerfallenden Herrlichkeit”, die Amanita Design als Erbe einer sehr besonderen tschechischen Animationsfilm auszeichnet.

“Ajami” von Scandar Copti & Yaron Shani

Ein Film, bei dessen Dreh die Schauspieler das Drehbuch nicht gekannt haben. Ein Film, bei dem die Schauspieler eigentlich auch gar keine Schauspieler waren. Ein Film, bei dem die Wahrheit relativ ist, weil es immer noch eine zweite Kamera gab. Das ist “Ajami”.

“Cherrybomb” von Lisa Barros D’Sa und Glenn Leyburn

Das britische Kino ist im Aufwind. Zu verdanken hat es dies nicht zuletzt der ersten Jugendgeneration dieses Jahrhunderts, deren Exzesse und Abgründe es fleissig absorbiert und in Erfolgsserien wie “Skins” oder erfolreichen Festivalfilmen wie “Fish Tank” wiedergibt. “Cherrybomb” versucht, auf dieser Welle mitzureiten – ohne jedoch einen nennenswerten Beitrag zu bieten.

“Shutter Island” von Martin Scorsese

Für “Shutter Island” engagierte Martin Scorsese bereits zum vierten Mal Leonardo die Caprio, den Star seiner 2000er Filme. In dem mysteriösen Thriller begibt sich dieser als US Marshall Teddy Daniels in eine Hochsicherheitspsychiatrie, um eine geflohene Patientin zu finden. Der scheinbar einfache Auftrag zwingt den Kriegsveteranen jedoch bald, sich mit dem dunkelsten Kapitel seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.

“Grown Ups” von Dennis Dougan

Passend auf den Sommer kommt mit “Grown Ups” eine klassische amerikanische Familienkomödie in die hiesigen Kinos. Trotz fehlender Innovation und einem altbekannten Erzählmuster bietet der Film Unterhaltung für verregnete Augustnachmittage.

“Yo, También” von Álvaro Pastor und Antonio Naharro

Mit einem ungewöhnlichen Liebespaar fordern Álvaro Pastor und Antonio Naharro unsere Vorstellungen von Normalität heraus. “Yo, También” hinterlässt die Zuschauer hin- und hergerissen zwischen der Bewunderung für das schauspielerische Talent der Protagonisten, der Zustimmung zum Anliegen der Beteiligten und dem Verdacht, dass eine wichtige Frage unbeantwortet bleibt.

“Männer im Wasser” von Måns Herngren

Synchronschwimmen? Ein Sport? – Und ob! Das merken Fredrik und Co. bald, nachdem sie beschlossen haben, sich die Disziplin zu eigen zu machen. Obwohl sich Ähnlichkeiten mit “Full Monty” nicht bestreiten lassen, unterhält “Männer im Wasser” doch mit eigenem Charme.

“Toy Story 3″ von Lee Unkrich

Die Sorge der Fans war gross: Wie würde der letzte Teil der animierten Trilogie wohl aussehen, nachdem Pixar vor vier Jahren vom Disney-Konzern übernommen wurde? Würden Umstrukturierungen und Personalveränderungen sich bemerkbar machen? Gar die Qualität darunter leiden? Das Bangen hat ein Ende, es darf aufgeatmet werden: “Toy Story 3″ überzeugt wie seine Vorgänger – und ist dank modernster Animationsverfahren sogar noch ein kleines bisschen besser.

“Moon” von Duncan Jones

Science-Fiction kann durchaus noch innovativ sein und Leute, die sonst nicht sonderlich viel mit dem Genre anfangen können, packen. Duncan Jones tritt mit seinem Debutfilm den Beweis dazu an.

“Nostalghia” von Andrej Tarkowskij

Der erste seiner zwei Filme, die Andrej Tarkowskij ausserhalb Russlands und in einer anderen Sprache drehte, erzählt vom komplexen Gefühl der Nostalgie, welche einen entwurzelten Russen in Italien nicht glücklich werden lässt.

“The Imaginarium of Dr. Parnassus ” von Terry Gilliam

Ein alter Mann zieht wider aller Umstände und trotz aller Widerstände mit seinem Wandertheater durch die Welt und versucht erfolglos aber unbeirrt ein Publikum für die fantastischen Welten zu gewinnen, die sich hinter seiner Hauptattraktion, einem magischen Spiegel, verstecken. Ganz so autobiografisch, wie das für Gilliams Fans klingt, ist “Parnassus” aber nicht. Leider.

Löcher im Raum-Zeit-Kontinuum

Ganz naiv sei aus aktuellem Anlass gefragt: Kann in Zeiten globalen Hypes wirklich noch lokale Kinopolitik betrieben werden?

“Wo die wilden Kerlen wohnen” von Spike Jonze

Maurice Sendaks “Where the Wild Things Are” wurde trotz Skepsis und Kritik (von Erwachsenen) bald zu einem der grössten Bilderbuchklassiker aller Zeiten. Dass Spike Jonzes Verfilmung dasselbe Schicksal widerfährt, ist unwahrscheinlich – und das obwohl einen die wilden Kerle auch auf der Leinwand in ihren Bann ziehen.

“Zombieland” von Ruben Fleischer

In einem postapokalyptischen Amerika, in dem sich die gesamte Bevölkerung in fleischeshungrige Zombies verwandelt haben, sucht ein kleines Grüppchen Überlebender inmitten des Chaos nach einem sicheren Zufluchtsort und macht derweil mit ihren Gegnern kurzen Prozess.

NIFFF 2010 – Preise

Was in Cannes die Palme d’Or, an der Berlinale der Goldene Bär und in Locarno der Goldene Leopard ist, ist am NIFFF der “Narcisse”, der Jurypreis für den besten Film im internationalen Wettbewerb. Dieser ist jedoch nicht der einzige Preis, welcher vergeben wurde – auch für die Filme im asiatischen Wettbewerb, den besten europäischen Film, den besten Schweizer und den besten europäischen Kurzfilm, und Filme in weiteren Kategorien gab es Preise. Eine kommentierte Liste.

NIFFF 2010 – Samstag

Am Samstag versuchten sich gleich zwei Beiträge aus verschiedenen Ecken der Welt an der Verschmelzung von Knüppelei und Klamauk: Doch trotz vielversprechender Ansätze blieben sowohl der thailändische “Raging Phoenix”, der Muay Thai mit Breakdance zusammen bringt, als auch das Hong Konger Geronten-Gekloppe “Gallants” hinter den Erwartungen zurück.

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