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	<title>nahaufnahmen.ch &#187; Blog</title>
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	<description>Das Magazin im Netz</description>
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		<title>Amanita Design und das Erbe des vollen Mundes</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 14:33:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christof Zurschmitten</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/09/01/amanita-design-und-das-erbe-des-vollen-mundes/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/09/machinarium11-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Viel, viel später liegt der erste Versuch, auf Worte Taten folgen zu lassen, nun vor. Und es geht darum um die herrlich verschwrubelten Spiele von Amanita Design, Holz und Rost und eine "Ästhetik des verherrlichten Zerfalls und der zerfallenden Herrlichkeit", die Amanita Design als Erbe einer sehr besonderen tschechischen Animationsfilm auszeichnet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Asche zu Asche, Rost zu Rost</h1>
<h2>Amanita Design und das Erbe des vollen Mundes</h2>
<p style="text-align: justify;"><img class="aligncenter size-full wp-image-6019" title="machinarium1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/09/machinarium11.jpg" alt="machinarium1" width="550" height="346" />Erinnert sich jemand noch an März 2010? Jene altvordere Winterzeit, in der wir unsere Fäuse noch <a href="http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/23/thesen-zum-killerspiel-verbot/" target="_blank">in Nerzmuffs ballten</a>, um unserer Unzufriedenheit mit dem politischen System Ausdruck zu verlangen? Und weiss jemand noch, wie es in der Epoche danach war, ca. April 2010, als wir auf seltsame <a href="http://www.nahaufnahmen.ch/2010/04/08/zustand_gamejournalismus/" target="_blank">Ideen kamen</a>, wie man alles besser machen könnte?</p>
<p style="text-align: justify;">Damals schrieben wir in aufklärerischem Duktus Dinge wie: &#8220;Der Computerspiel-Diskurs ist in einem desolaten Zustand!&#8221; &#8220;Ja, es gibt bereits zur Genüge Texte über Games!&#8221; &#8220;Aber dennoch nicht genug!&#8221; &#8220;Nicht genügend Kritik, die auf Fakten basiert, aber über diese hinausweist!&#8221; &#8220;Nicht genügend Kritik, die Games in grösseren Zusammenhängen und ein Game als einzigen grossen Zusammenhang sieht und verständlich macht!&#8221; &#8220;Nicht genügend Kritik, die sich Zeit nimmt und Zeit verlangt!&#8221; &#8220;Nicht genügend davon auf Deutsch!&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;">Viel, viel später liegt der erste Versuch, auf Worte Taten folgen zu lassen, nun vor. Und es geht darin um die herrlich verschwrubelten Spiele von <a href="http://amanita-design.net/" target="_blank">Amanita Design</a>, Holz und Rost und eine &#8220;Ästhetik des verherrlichten Zerfalls und der zerfallenden Herrlichkeit&#8221;, die Amanita Design als Erbe einer sehr besonderen tschechischen Animationsfilmtradition auszeichnet.</p>
<p style="text-align: justify;">Allerdings nicht hier auf nahaufnahmen.ch, sondern drüben bei den Gesinnungsgenossen vom <a href="http://www.titel-magazin.de/artikel/173/7840/amanita-design-und-prager-animation.html" target="_blank">Titel-Magazin</a>. Haben wir den Mund zu voll genommen? Muss man sich dafür jetzt echt noch n Kindle zulegen? Und ham wir mal wieder was gelernt? Kommentare willkommen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Nebenbei:</strong> Nächste Woche findet in Baden wieder das sehr stimmige Animationsfilmfestival &#8220;<a href="http://www.fantoche.ch/2010/" target="_blank">Fantoche</a>&#8221; statt. Wie bereits am <a href="http://www.nahaufnahmen.ch/2010/07/19/nifff-2010-imagine-the-future/" target="_blank">NIFFF </a>wird auch hier auf einem Nebenschauplatz die Welt des Computerspiels erörtert &#8211; mit dem zum oben erwähnten Essasy sehr schön passenden <a href="http://www.fantoche.ch/2010/programm-n12-sD.html" target="_blank">Schwerpunkt der Schnittmenge zwischen Indie-Spielen und Animationsfilmen</a>. nahaufnahmen.ch wird sich vor Ort umsehen und an gewohnter Stelle darüber berichten.</p>
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		<title>Löcher im Raum-Zeit-Kontinuum</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/07/21/locher-im-raum-zeit-kontinuum/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 Jul 2010 08:29:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christof Zurschmitten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[comic]]></category>
		<category><![CDATA[edgar wright]]></category>
		<category><![CDATA[schweizer kinopolitik]]></category>
		<category><![CDATA[scott pilgrim vs. the world]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/07/21/locher-im-raum-zeit-kontinuum/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/07/scott_pilgrim_inbook-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Ganz naiv sei aus aktuellem Anlass gefragt: Kann in Zeiten globalen Hypes wirklich noch lokale Kinopolitik betrieben werden?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Löcher im Raum-Zeit-Kontinuum</h1>
<h2>Über die Unsinnigkeit extrem-lokaler Kinoprogrammation in globalen Zeiten</h2>
<p style="text-align: justify;"><img class="aligncenter size-full wp-image-4589" title="scott_pilgrim_inbook" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/07/scott_pilgrim_inbook.jpg" alt="scott_pilgrim_inbook" width="550" height="308" />&#8220;Scott Pilgrim vs. The World&#8221;, der in den USA am 13. August 2010 anlaufen wird, ist der Film des Sommers. Gut, wir hatten unsere Eisenmänner, die beim zweiten Anlauf nach ihrem Jungfernflug nicht recht flügge werden wollten. Ja, wir konnten die alte Garde beobachten <a href="http://www.youtube.com/watch?v=-0cSz62nq9Y" target="_blank">beim Versuch, wieder in den ersten Rängen mitzuspielen </a>- wo sie zumindest in den USA aber gründlich gescheitert ist. Natürlich, wir hatten den alljährlichen Erfolg der sich zuverlässig zur Sommerzeit entblössenden Werwölfe, aber abgesehen von einer sehr genau umgrenzten, auf Signal in Ekstase aufgehenden Klientel war dies nicht wirklich ein Grund zur Aufregung. Die Welt (d.h. Kinobesitzer wie immerhin das Gros der Kritiker zugleich) in Verzückung versetzen konnte bislang einzig Christopher Nolans Escher-Hommage &#8220;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=66TuSJo4dZM" target="_blank">Inception</a>&#8220;, dem auch bei uns Erfolg beschieden sein dürfte.</p>
<p style="text-align: justify;">Dessen ungeachtet gehört der Sommer einem kanadischen Slacker, der eigentlich nichts auf die Reihe bringt, aber die sechs oder sieben bösen Ex-Freunde seiner Traumfrau besiegen muss.</p>
<p>
<object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="560" height="340" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/kjt4vhSqtFQ&amp;hl=de_DE&amp;fs=1" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="340" src="http://www.youtube.com/v/kjt4vhSqtFQ&amp;hl=de_DE&amp;fs=1" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"></embed></object>
</p>
<p style="text-align: justify;">Nun kann man nahaufnahmen.ch vorwerfen, in dieser Sache wenig objektiv zu sein und die Bedeutung des Ganzen zu überschätzen &#8211; schliesslich<a href="http://www.nahaufnahmen.ch/2007/07/21/our-reality-is-better-teil-1" target="_blank"> haben wir bereits vor drei Jahren </a>den zugrunde liegenden Comic von Brian Lee O&#8217;Malley verzückt empfohlen. Hier habt ihr Objektivität, Zweifler! Ihr wollt Verkaufszahlen? Der diese Woche erschienene neueste und letzte Band ebendieser Comicreihe steht momentan auf Rang fünf der internationalen Amazon-Verkaufscharts &#8211; ein schwarz/weisser Comic aus seinem Kleinstverlag, notabene! (Ein Underdog-Erfolg, wie er seit den seligen Tagen der Teenage Mutant Ninja Turtles nicht mehr da gewesen ist.) Ihr wollt Talent? Edgar Wright, der als Regisseur für die Verfilmung die perfekte Wahl war, hält mit <a href="http://www.rottentomatoes.com/m/hot_fuzz/" target="_blank">seinen </a>bisherigen <a href="http://www.rottentomatoes.com/m/shaun_of_the_dead/" target="_blank">zwei </a>Filmen einen stellaren Rotten Tomatoes-Score von 90.5% positiver Besprechungen. Ihr wollt Street Credibility? Vorabkritiken von nicht ganz unbekannten Leuten wie Jason Reitman oder Joss Whedon waren <a href="http://www.aintitcool.com/node/42854" target="_blank">nichts weniger als euphorisch</a>. Ihr wollt Musik? Mit Beck, Broken Social Scene und Metric wird der Film von Musikern und Bands <a href="http://theplaylist.blogspot.com/2010/07/scott-pilgrim-vs-world-soundtrack-track.html#more" target="_blank">beschallt</a>, die allein ganze Hipster-Heerscharen ins Kino locken können. Und ihr wollt schönde monetäre Gewalt? Anscheinend hat auch Universal genug Vertrauen in den Film, um sich die ganze Sache einiges kosten zu lassen:</p>
<p style="text-align: justify;"><img class="aligncenter size-full wp-image-4582" title="scottpilgrimcon1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/07/scottpilgrimcon1.jpg" alt="scottpilgrimcon1" width="550" height="411" /></p>
<p style="text-align: justify;">Mit anderen Worten: &#8220;Scott Pilgrim vs. The World&#8221; wird mit ziemlicher Sicherheit einer der grossen Filme dieses Sommers.</p>
<p style="text-align: justify;">Zugegebnermassen dröhnt die Hypeposaune in hiesigen Gefilden etwas leiser. Das mag Gründe haben; Michael Cera ist &#8211; auch wenn er seit &#8220;Juno&#8221; durchaus auch bekannt ist &#8211; kein Kassengarant hierzulande. Hinzu kommt, dass die deutschen Comicverlage äusserst träge reagierten und sich erst um die Rechte einer Übersetzung scherten, als der Film bereits weit fortgeschritten war. Und die <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3866079818/ref=s9_simh_gw_p14_i1?pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&amp;pf_rd_s=center-2&amp;pf_rd_r=06SPDYH56J7DX315AK4E&amp;pf_rd_t=101&amp;pf_rd_p=463375173&amp;pf_rd_i=301128" target="_blank">Edition des Panini Verlags</a>, der letztlich den Zuschlag bekommen hat, ist ein leidlich schlechter Bannerträger für die Grossartigkeit von O&#8217;Malleys Comic-Saga. Die völlig missratene Übersetzung verfehlt komplett den Wortwitz des Originals und schafft es auch nicht, ein sprachliches Pendant anzubieten, in dem sich irgendein Mitzwanziger deutscher Sprache wiedererkennen könnte.</p>
<p style="text-align: justify;">Das ist umso bedauerlicher, als Scott zwar in einem sehr genau gezeichneten Toronto leben mag, aber dennoch weit über die kanadische Stadt hinausweist: &#8220;Scott Pilgrim&#8221; ist, wie Kieron Gillen (der selbst auf einem anderen Kontinent lebt) <a href="This isn’t (just) gags. This is about how humans of a certain generation process reality. " target="_blank">festgestellt hat</a>, das Buch einer Generation. Ein Buch darüber, wie gewisse Leute die Welt wahrnehmen: &#8220;This isn’t (just) gags. This is about how humans of a certain generation process reality. Scott’s joy – and why it speaks to so many people – is that it understands the pulp through which we see the world, and assumes that’s as natural as blinking.&#8221; Einer Generation, die gerade in ihrer popkulturell gesättigten Sensiblität global vereinigt ist, die dank Internet und mobiler Kommunikation dieselben Referenzgrössen und Injokes hat, dies- und jenseits des Atlantiks oder pazifischen Ozeans. &#8220;Scott Pilgrim&#8221; ist insofern ein Phänomen mit globaler Reichweite, weshalb es nicht erstaunt, dass der Hype um den Film ebenfalls global gleichzeitig wahrgenommen und miterlebt wird. (Dieser Beitrag ist ein Beispiel dafür, unzählige Forenbeiträge und Blog-Comments von Postern, die stolz ihre Herkunft preisgeben, ein weiteres.)</p>
<p style="text-align: justify;">Nur hat man sich hierzulande zu früh gefreut. &#8220;Scott Pilgrim vs. The World&#8221; wird in der Schweiz nicht einer der Filme des Sommers. Genau genommen wir der hier nicht man einer der grossen Filme des Herbsts, wie etwa in Deutschland, Frankreich oder Italien. Oder auch nur von 2010. In der Deutschschweiz verteidigt Scott tatsächlich erst ab dem 06.01.2011 seine Position an der Seite seiner Traumfrau Ramona Flowers. Wer ihn früher sehen will, kann immerhin in den Tessin reisen, wo er ab dem 19.11.2010 läuft. Oder in die Romandie, ab dem 01.12.2010. (Über das Chaos der Startterminzonen dies- und jenseits des Röstigrabens wird bei anderer Gelegenheit noch mehr zu sagen sein.)</p>
<p style="text-align: justify;">In Zeiten, in denen Blockbuster weltweit synchronisiert starten, strapazieren bereits Verspätung von wenigen Wochen die Nerven. Einen Film, zumal einen derart gehypten, aber ein halbes Jahr nach seinem internationalen Release noch in die Kinos bringen zu wollen, ist &#8211; mit Verlaub &#8211; idiotisch und kontraproduktiv. Anstatt auf der bestehenden Hype-Welle mitzusurfen, müssen die Verleiher hierzulande versuchen, selbst ein wenig Schaum zu schlagen wenn bereits alles abgeebbt ist.  Unter diesen Voraussetzungen sind mediokre Einspielergebnisse durchaus wahrscheinlich, die dann als Bestätigung für die eigenen niedrigen Erwartungen und die eigene Lahmarschigkeit genommen werden können. Ähnliches geschah hierzulande ja auch mit dem völlig falsch eingeschätzten und vermarkteten &#8220;Where The Wild Things Are&#8221;, der trotz respektablem Erfolg in den USA hierzulande sang- und klanglos untergegangen ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Nun weiss ich nicht, welche Entscheidungen und politischen oder ökonomischen Gründe den Januar 2011 als Starttermin festgelegt haben. Ich weiss aber ziemlich sicher, dass alle Interessierten den Film bis dahin bereits dennoch gesehen haben werden - als Download oder als importierte DVD auf ihrem an Regionencodes nicht gebundenen Player.</p>
<p style="text-align: justify;">Globale Sensiblitäten haben nämlich kein Gespür für Kirchturmdenken, und sie werden es je länger je weniger haben.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Wie man einen Film macht, der den Oscar gewinnt</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/09/oscar_2010/</link>
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		<pubDate>Tue, 09 Mar 2010 14:24:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alexander Sigrist</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Avatar]]></category>
		<category><![CDATA[Hurt Locker]]></category>
		<category><![CDATA[Kochrezept]]></category>
		<category><![CDATA[Oscar]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/09/oscar_2010/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/oscar_poster_2007.jpg class=imgtfe hspace=10 align=left width=150  border=0></a>Sie denken jedes Mal, wenn Sie die Oscarverleihung sehen, Sie könnten das auch? Also, einen Film drehen, der ganz sicher eine goldene Statue abstaubt? Und Sie können sicherlich auch eine bewegende Rede halten und dabei ordentlich die Tränchen rausdrücken? Das alles können Sie, aber Sie wissen nicht genau wie? Dann ist dies der Moment ihres Lebens - denn in diesem Artikel wird Ihnen gesagt, was es für einen Oscar gewinnenden Film braucht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Wie man einen Film macht, der den Oscar gewinnt</strong></h1>
<h2>Das Kochrezept zum Erfolg von Alexander Sigrist</h2>
<p><strong> </strong></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2754" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/oscar_poster_2007.jpg" alt="oscar" width="322" height="143" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Sie denken jedes Mal, wenn Sie die Oscarverleihung sehen, Sie könnten das auch? Also, einen Film drehen, der ganz sicher eine goldene Statue abstaubt? Und Sie können sicherlich auch eine bewegende Rede halten und dabei ordentlich die Tränchen rausdrücken? Das alles können Sie, aber Sie wissen nicht genau wie? Dann ist dies der Moment ihres Lebens &#8211; denn in diesem Artikel wird Ihnen gesagt, was es für einen Oscar-gewinnenden Film braucht.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Von Alexander Sigrist</p>
<p style="text-align: justify;"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Phase A: Die Story</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Story ist an sich nicht so wichtig &#8211; es reicht auch völlig, ein paar rudimentäre Szenen auf einer Serviette zu notieren. Der <strong>Hintergrund </strong>ist viel wichtiger. Am Besten man wählt ein an sich kritisches Szenario. Krieg macht sich immer gut; wenn es gerade einen realen gibt &#8211; umso besser. Dabei muss aber ganz vorsichtig vorgegangen werden: keinesfalls direkt kritisch sein! Keine politischen Machenschaften kritisieren! Viel besser, man nutzt den realen Hintergrund für eine allgemeine, humanitäre <strong>Wischi-Waschi-Botschaft</strong>. &#8220;Krieg ist schlecht!&#8221;, zum Beispiel, ist ein Dauerbrenner!</p>
<p style="text-align: justify;"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Phase B: Das Drehbuch</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es wird schwieriger: nun muss man die rudimentären Szenen und die Botschaft in einen Zusammenhang bringen. Am Besten man lässt die Szenen einzeln stehen und tut später so, als hätte man einen <strong>unterkühlten, distanzierten Erzählstil</strong> anstreben wollen. Die <strong>Dialoge sollten möglichst nichtssagend</strong> sein &#8211; so zeigt man dem Zuschauer, dass die Charaktere eigentlich gar nichts zum Reden haben und das Maul halten würden, wenn sie nicht für den Film reden müssten. Ganz mutige Naturen können auch eine Adaption schreiben, die haben aber meist nur wenige Chancen auf einen Sieg.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Achtung: NO GO!</strong> Ausufernde Liebeleien sind out! Die Tage von Filmen wie &#8220;Vom Winde verweht&#8221; sind definitiv vorbei! Viel lieber eine im Scheitern begriffene Ehe zeigen. 80% der Akademie-Mitglieder sind geschieden, da finden die das realistischer.<strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Phase C: Die Crew / Die Schauspieler</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Hier sollte besonderes Augenmerk dem/der <strong>RegisseurIn</strong> gelten. Sollten Sie jemand Bekanntes (z.B. die Ex-Frau des Regisseurs des erfolgreichsten Films aller Zeiten) gerade zur Hand haben: super! Das wäre ein <strong>Über-Bingo!</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Vielleicht möchten Sie den Oscar für den besten Film mit einem Oscar für den besten Schauspieler kombinieren? Muss nicht unbedingt sein, macht sich aber gut im Lebenslauf. Generell gilt: je älter und <strong>je näher am Tod der Schauspieler</strong>, desto grösser die Chance zu gewinnen. Manchmal hat die Akademie auch Mitleid mit Leuten, die ihr Leben lang in schlechten Komödien gespielt haben &#8211; wenn Sie ein Drama drehen, unbedingt auf so jemanden zurückgreifen!<strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Phase D: Ausführung</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es wird noch schwieriger, denn es ist sehr wichtig für das Gelingen, bei der Ausführung das richtige Mass zu finden. Auf keinen Fall zu viel Geld ausgeben &#8211; das erinnert die Akademie zu schnell an die allgemein ignorierte <strong>Hegemonie des Kapitalismus in Hollywood</strong> und könnte sensible Naturen abschrecken. Dasselbe gilt für Spezialeffekte: die sollten nur gemässigt eingesetzt werden &#8211; <strong>Aliens</strong>, egal ob nun krabbenartige oder blaue, sind auf alle Fälle ein ganz schlimmer Fauxpas. Wie gesagt, viel lieber auf Realismus setzen und diesen dann und wann mit ein wenig Hyperrealismus (z.B. überlangen Zeitlupen etc.) optisch interessant machen.<strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Phase E: Vermarktung</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Auch hier gilt: das richtige Mass ist entscheidend! Wer zu erfolgreich ist, der vertut seine Chancen auf einen Gewinn! Denn wenn ein Film zu erfolgreich ist, dann würde eine Auszeichnung für diesen Film gar die <strong>pseudo-elitäre Grundhaltung der Akademie</strong> untergraben, und das wollen wir ja nicht, oder? Nein, die Akademie ist unser Freund. Viel lieber <strong>an der Kinokasse floppen</strong>, damit hat man schon die halbe Miete.</p>
<p style="text-align: justify;">Wer noch ganz wild sein möchte, schreibt der Akademie kurz vor der Verleihung eine <strong>Email </strong>und denunziert die Konkurrenten. Das hat die Akademie besonders gern, zeigt es doch, wie sehr man vom eigenen Film überzeugt ist!<strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Phase F: Die Dankesrede</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Sie haben es geschafft! Nicht vergessen: möglichst<strong> viele Namen </strong>nennen, auch wenn kein Schwein weiss, wen sie da eigentlich meinen. Und mindestens dreizehn Mal die Akademie erwähnen. Sie können ihr niemals genug danken!</p>
<p style="text-align: justify;">Weinen ist out, Sie sollten eher mit tränenerstickter Stimme reden, das kommt besser an, ausser Sie gehören zu einer Randgruppe &#8211; dann <strong>sollten Sie heulen</strong>, was das Zeug hält!</p>
<p style="text-align: justify;"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify;">Sie haben nun alles zusammen, was sie für einen Sieg brauchen. Worauf waren Sie also noch? Raus mit Ihnen, mit einer Kamera, und filmen, filmen, filmen Sie! Wir sehen uns an den nächsten Oscars!</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Top 10 Gründe, keine Top 10 der besten Filme des Jahrzehnts zu publizieren</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2009/12/14/top-10-grunde-keine-top-10-der-besten-filme-des-jahrzehnts-zu-publizieren/</link>
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		<pubDate>Mon, 14 Dec 2009 20:44:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christof Zurschmitten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[00er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[90er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[Indiana Jones]]></category>
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		<category><![CDATA[Superhelden]]></category>
		<category><![CDATA[We Are The Strange]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/12/14/top-10-grunde-keine-top-10-der-besten-filme-des-jahrzehnts-zu-publizieren/><img src=http://www.id-wall.com/images/large/MP010117-Twits-MPFC-90.jpg class=imgtfe hspace=10 align=left width=150  border=0></a>Was die Medien in ihrem alljahrzehntlichen Nummerierungswahn sonst verschweigen - wir klären auf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: left;">Top 10 Gründe, keine Top 10 der besten Filme des Jahrzehnts zu publizieren</h1>
<p style="TEXT-ALIGN: center"><img class="aligncenter" title="Twit" src="http://www.id-wall.com/images/large/MP010117-Twits-MPFC-90.jpg" alt="" width="398" height="373" /></p>
<ol>
<li>Es gab bereits Monate vor Ausgang des Jahrzehnts <a href="http://www.theauteurs.com/notebook/posts/1266">mehr </a>Listen <a href="http://www.theauteurs.com/notebook/posts?category=Lists">als </a>Filme, <a href="http://www.theauteurs.com/notebook/posts/1331">die </a>darin <a href="http://www.theauteurs.com/notebook/posts/1313">aufgenommen </a>werden <a href="http://www.theauteurs.com/notebook/posts/1295">könnten</a>.</li>
<li>Listen sind für den Journalisten, was für den <a href="http://www.youtube.com/watch?v=1qXlFNYoyQg">professionellen Archäologen der Finger am Abzug</a> ist: Die schnellste Art, den Job zu erledigen.</li>
<li>Als solche sind Listen natürlich auch höchst beliebig, unreflektiert, von fragwürdiger Halbwertszeit und vor allem subjektiv. Oh, so subjektiv.</li>
<li>Apropos eigene Biographie: Anno 1999 lebte es sich noch in einem 570 Seelen-Dorf, wo VHS und RTL 2 das Höllentor zur Welt des Films bildeten. 10 Jahre später klopft einem der Beelzebub <a href="http://www.youtube.com/">quasi </a>von <a href="http://video.google.de/">selbst </a>an <a href="http://www.archive.org/details/Nosferatu_most_complete_version_93_mins.">die Tür</a> und stellt einem laut die Frage: Hatte man überhaupt so etwas wie ein Filmleben im rückständigen 20. Jahrhundert? Und wo bitte schön sollte man da Massstäbe hernehmen können?</li>
<li>Listen sind wie <a href="http://www.youtube.com/watch?v=aFd5Cci_pE4">stampfende Plastikbeats </a>mit <a href="http://www.youtube.com/watch?v=cvgUdrzGNys">weiblichen Singstimmen </a>und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=T7zAn8SW2Dc">männlichen Stotterreimen </a>- ein Relikt der düsteren 90er-Jahre, das man nicht zelebrieren muss, nur weil man&#8217;s nicht totkriegt. (Das ist im Übrigen <a href="http://books.google.de/books?id=DJvquxtLRdYC&amp;pg=PA184&amp;lpg=PA184&amp;dq=die+neuen+archivisten&amp;source=bl&amp;ots=Xy7PppnDOo&amp;sig=5Cl44SX-Bb0mzvogtDmOWie9vTA&amp;hl=de&amp;ei=H5cmS4DhEMqHsAbjoqHyBw&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;ct=result&amp;resnum=9&amp;ved=0CCMQ6AEwCA#v=onepage&amp;q=die%20neuen%20archivisten&amp;f=false">akademisch verbrieft </a>und damit amtlich.)</li>
<li>Nur dubiose Gestalten (windige Produzenten, moralinsaure Mitglieder von Bundesprüfstellen, darbende Brot- und Lohnjournalisten) verbringen das Gros ihrer Filmlebenszeit mit aktuellen Neuerscheinungen. Für den Rest von uns sind Begrenzungen des Sehhorizonts nach Dezimalsystem zu Recht fragwürdig.</li>
<li>Ich könnte nicht guten Gewissens &#8220;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=5jlD7EVSJFw">We Are The Strange</a>&#8221; in aller Öffentlichkeit zu einem der 10 wichtigsten Filme seit der Jahrtausendwende küren.</li>
<li>Ich könnte ihn aber auch nicht guten Gewissens nicht zu einem der 10 wichtigsten Filme seit der Jahrtausendwende küren.</li>
<li>Das Film- und Unterhaltungsjahrzehnt hat unaussprechbare <a href="http://www.youtube.com/watch?v=bdP3nuxbS34">Dinge hervorgebracht</a>, so abgründig und böse, dass sie drohen, alle daneben geleisteten cinematischen Lichtblicke in ihrem dräunenden Schatten vergessen zu machen. Man kann nicht vom einen sprechen und vom anderen schweigen.</li>
<li>Best of-Listen sind sinnlos, im Kampf um die Aufmerksamkeitslenkung des Zuschauers in etwa so effizient wie <a href="http://www.youtube.com/watch?v=tx7PYAAOwxE">befellte Schergen im Kampf gegen trainerbehoste Superhelden</a>. (Schliesslich hat sich die Öffentlichkeit von <a href="http://www.midnighteye.com/features/best-of-2006.shtml">keiner Liste der Welt </a>davon abbringen lassen, den vielleicht <a href="http://www.youtube.com/watch?v=4XsaexEfrGo">besten Film des Jahrzehnts </a>geflissentlich gründlich zu übersehen.) </li>
</ol>
<p>Next up soon: Die 10 <span style="text-decoration: line-through;">besten</span> <span style="text-decoration: line-through;">wichtigsten</span> mir persönlich liebsten Filme des Jahrzehnts <span style="text-decoration: line-through;">überhaupt</span> in diesem einen Augenblick.</p>
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		<title>&#8220;Behind The Pink Curtain&#8221; von Jasper Sharp</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2008/03/16/behind-the-pink-curtain/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2008/03/16/behind-the-pink-curtain/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 16 Mar 2008 13:04:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christof Zurschmitten</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2008/03/16/behind-the-pink-curtain/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/2807268983_9bdaa12a12_o1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Kunst oder Kommerz? Pornographie oder Erotik? Art- oder Grindhouse? Auch nach vierzig Jahren "pinku eiga", einer japanischen Spielart des Softsex-Films, ist die Frage nicht entschieden. Jasper Sharp hat in seinem Buch "Behind the Pink Curtain" die Geschichte dieses Subgenres kompetent aufgearbeitet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: justify;">Paint It Pink</h1>
<h2 style="text-align: justify;">Ein Blick hinter den Vorhang des Japanischen Erotikkinos</h2>
<h3 style="text-align: justify;">Kunst oder Kommerz? Pornographie oder Erotik? Art- oder Grindhouse? Auch nach vierzig Jahren &#8220;pinku eiga&#8221;, einer japanischen Spielart des Softsex-Films, ist die Frage nicht entschieden. Jasper Sharp hat in seinem Buch &#8220;Behind the Pink Curtain&#8221; die Geschichte dieses Subgenres kompetent aufgearbeitet.</h3>
<p style="text-align: justify;">Von Christof Zurschmitten.</p>
<p style="text-align: justify;"><img class="alignleft size-full wp-image-2846" title="2807268983_9bdaa12a12_o" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/2807268983_9bdaa12a12_o1.jpg" alt="2807268983_9bdaa12a12_o" width="150" height="222" />Wo genau die Geschichte beginnt, ist wie immer Ermessenssache. Exakt datieren kann man nur den Begriff: 1963 fand das Wort &#8220;pinku eiga&#8221; (&#8221;Pink Film&#8221;) erstmals Verwendung &#8211; die Farbe ist in Japan mit diversen einschlägigen erotischen Konnotationen belegt. Damit ist die Geschichte des Pink Films ungleich älter als das westliche Interesse an ihr, das erst Mitte der 90er-Jahre aufflammte und einen vorläufigen Höhepunkt erreichte: ein Film namens &#8220;Horny Home Tutor: Teachers Love Juice&#8221; (bekannter allerdings als &#8220;The Glamorous Life of Sachiko Hanai&#8221;) lief anno 2005 auf zahlreichen internationalen Festivals. Die bush-kritische Farce um eine mit Superintelligenz und beachtlichen körperlichen Reizen gesegnete Nachwuchslehrerin bildet freilich nur den vorläufigen Abschluss einer wechselhaften Geschichte, die zumindest im Westen bis anhin weitgehend ungeschrieben war.</p>
<p style="text-align: justify;">Wirklich überraschen kann das nicht, steht der angehende Historiograph doch vor faustdicken Problemen: Zu den naheliegenden Hindernissen wie der Sprachbarriere und der Nischenexistenz des Genres kommt die mangelnde Verfügbarkeit der Filme. &#8220;Pinku eigas&#8221; wurden ursprünglich als reines Gebrauchsobjekt betrachtet und die Film-Kopien entsprechend umgehend nach Aufführung vernichtet. Und selbst heute, da der Pink Film sowohl in seiner Heimat wie auch im Westen zunehmend als (potentiell) wertvoll betrachtet wird, ist nur ein verschwindend kleiner Anteil des jährlichen Outputs hierzulande auf DVD erhältlich. Jasper Sharp, Mitbegründer der in Sachen japanisches Kino wegweisenden Website <span style="color: #0000ff;"><a href="http://www.midnighteye.com/" target="_blank">midnighteye.com</a></span>, hat sich den Schwierigkeiten gestellt &#8211; mit Erfolg. Natürlich ist auch er wie jedermann auf Spekulationen angewiesen über die Qualitäten der verlorenen frühen Genre-Vertreter. Von dem, was der Nachwelt erhalten geblieben ist, vermittelt &#8220;Behind the Pink Curtain&#8221;  mittels zahlreicher Abbildungen und lebendiger Beschreibungen aber ein plastisches Bild.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Konventionalisierte Freiheiten</strong><br />
Sharps Definition eines &#8220;Pink Films&#8221; lautet kurz und knapp: Ein unabhängig produzierter Film mit eindeutig sexuellem Inhalt, der auf 35mm-Film gedreht wurde mit einer (semi-)professionellen Crew und ebensolchen Darstellern. Neben diesen Grundpfeilern haben sich im Verlauf der Jahre weitere Konventionen herausgebildet, die mal mehr, mal weniger absolute Geltung hatten:</p>
<p style="text-align: justify;">Dazu gehört das bescheidene Budget &#8211; etwa die Kosten eines PKWs -, die bescheidene Drehzeit von höchstens einer Woche, sowie die Laufzeit von ungefähr einer Stunde, die strukturiert wird durch eine Sex- und/oder Nacktszenen ca. alle zehn Minuten. Typisch für diese Szenen ist, dass sie mittels allerlei lauterer und unlauterer Tricks die Abbildung jeglicher Schambehaarung oder gar Geschlechtsteile umgehen &#8211; Resultat des japanischen Gesetzes für &#8220;Öffentliche Hygiene&#8221;, das entsprechende Bilder bis heute selbst in Hardcore-Pornos untersagt. Produziert, vertrieben und (meist im Dreierpaket) vorgeführt schliesslich werden die Filme durch eine Kette exklusiv darauf spezialisierter Unternehmen und Kinos  &#8211; vom Entwurf des Drehbuchs bis zur Uraufführung dauert es zuweilen weniger als einen Monat. Die &#8220;pinku eiga&#8221;-Industrie ist somit ein sehr effizientes, in sich geschlossenes System, das jedoch gelegentliche Ein- und Ausflüsse in das Mainstream- Studiosystem erlaubt.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-2838" title="Glamorous-Life-Of-Sachiko_jpg_595x325_crop_upscale_q85" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/Glamorous-Life-Of-Sachiko_jpg_595x325_crop_upscale_q85.jpg" alt="Glamorous-Life-Of-Sachiko_jpg_595x325_crop_upscale_q85" width="550" height="300" /><span style="font-size: xx-small;">&#8220;The Glamorous Life of Sachiko Hanai&#8221; (2003) von Mitsuru Meike<br />
</span></p>
<p style="text-align: justify;">Entscheidend aber sind die Freiräume, die dieses auf den ersten Blick rigide System erlaubt &#8211; und letztlich sind es auch diese Freiräume, resp. die Filmemacher, die sie genutzt haben um teilweise ganz und gar einzigartige Werke zu schaffen, die im Zentrum von &#8220;Behind the Pink Curtain&#8221; stehen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Swinging Sixties</strong><br />
Das Buch setzt allerdings lange vor der Durchsetzung besagter Konventionen an und verfolgt die Frühgeschichte des japanischen Films im Allgemeinen und der Filmzensur im Besonderen. Ein Vorläufer regulärer Pink Filme findet Sharp etwa in den 50er-Jahren mit dem Genre der &#8220;ama&#8221;-Filme, die in ursprünglich dokumentarischer, später immer freier fiktionalisierter Form das Leben der weiblichen Muscheltaucher in den ruralen Küstendörfern Japans portraitierten &#8211; und dabei reichlich Gelegenheit zur Darstellung von nur spärlich bedeckter Haut hatten.</p>
<p style="text-align: justify;">Erst in den 60ern aber installierte sich eine wirkliche Industrie mit den ersten Unternehmen, die bis heute dominierend im Pink-Sektor geblieben sind, spezialisierten Zeitschriften und der ersten Generation von Pink-Regisseuren. Inspiriert wurden sie zunächst noch primär von Gross-Studio-Produktionen wie dem mittlerweile kanonischen &#8220;Insect Woman&#8221; (1963) von Shohei Imamura, der einflussreich werden sollte weniger wegen seiner (sehr zurückhaltenden) Nacktszenen als aufgrund seiner Beschäftigung mit Prostitution und seinem nüchternen Umgang mit Sexualität. Auch &#8220;Gate of Flesh&#8221; (1964) von Renegade-Regisseur Seijun Suzuki (&#8221;Branded to Kill&#8221;) darf als Vorbild gelten, ist in seinem Hang zur quietschbunten Stilisierung allerdings in mancherlei Hindernis das genaue Gegenteil von Imamuras Film.</p>
<p style="text-align: justify;">Regisseure wie Mamoru Watanabe oder Kinya Ogawa verhandelten in den ersten &#8220;pinku eigas&#8221; unterschiedliche Themen, von traditionellen Geistergeschichten über diverse Formen der Prostitution bis hin zum Yakuza-Thriller. Ebenso sinister waren und die ersten Darstellungen von sadomasochistischen oder rein sadistischen Handlungen. Sex wurde, so Sharp, in der weit überwiegenden Zahl der frühen &#8220;pinku eigas&#8221; zwar noch kaum explizit dargestellt, aber immer als etwas Düsteres oder Pathologisches angesehen &#8211; ein Pfad, der in den 80ern bis zum bitteren Ende weiter gegangen werden sollte und den &#8220;pinku eiga&#8221; an den Rand des Abgrunds brachte. Einzelne Regisseure wie Shinya Yamamoto brachten allerdings bereits in dieser Frühphase des Subgenres Slapstick-Momente in die Filme ein, was sehr viel später Regisseure wie Mitsuru Meike oder Yuji Tajiri erneut als Erfolgsrezept für sich entdecken sollten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Das Rote Jahrzehnt</strong><br />
Der interessanteste Aspekt des Pink Films in den 60er-Jahren ist aber zweifelsohne seine Verbandelung mit den politischen und sozialen Strömungen der Zeit, auf die &#8220;Behind the Pink Curtain&#8221; ausführlich eingeht (Sharps historische Kontextualisierungen sind meist kurz, aber prägnant). Dass das Private politisch ist, wurde auch in studentenbewegten Kreisen in Japan erkannt. Entsprechend war die Kopplung von Sex-Filmen und politischen Aussagen quasi der nächste logische Schritt. Berühmt wurde etwa das Beispiel von Tesuji Takeshis &#8220;Black Snow&#8221; (1965), der sich explizit gegen die amerikanische Besetzung Japans wandte und &#8211; ebenso sehr aufgrund seiner kritischen Haltung wie seiner Nacktszenen &#8211; als erster japanischen Film der Nachkriegszeit einen Prozess wegen Obszönität nach sich zog.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-2839" title="sex_jack" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/sex_jack.jpg" alt="sex_jack" width="550" height="220" /><span style="font-size: xx-small;">&#8220;Sex Jack&#8221; (1970) von Kôji Wakamatsu</span></p>
<p style="text-align: justify;">Davon abgesehen war Takeshis eher reaktionäre Agenda kaum deckungsgleich mit den Anliegen der neuen sozialen Bewegungen. Gerade deren Vertreter fanden sich aber &#8211; mehr oder weniger freiwillig &#8211; immer wieder &#8220;portraitiert&#8221; in Pink Filmen.</p>
<p style="text-align: justify;">Diese hatten einige handfeste Vorteile vorzuweisen, wenn es darum ging, den Finger am Puls der Zeit zu behalten: Der kurze Produktionsprozess erlaubte es, aktuelle Bilder zwischen die üblichen Szenen zu schneiden und in kürzester Zeit im Kino zur Aufführung zu bringen. So fanden etwa Aufnahmen vom blutigen Aufeinandertreffen zwischen der als kidôtai bekannten Anti-Demonstrations- Polizeikorps ihren Weg in diverse pinku eigas, ebenso wie Aufnahmen von der gewaltsam aufgelösten Vietnam- Demonstrationen am Haneda-Flughafen 1967.</p>
<p style="text-align: justify;">Sharp stellt die berechtigte Frage, ob Filme schon dadurch politisch werden, dass sie politische Ereignisse auf diese Art en passant mitbehandeln &#8211; eine Frage, die sich doppelt stellt angesichts des fragwürdigen Frauenbilds in vielen Pink-Filmen. Eine eindeutige Antwort gibt er nicht &#8211; überhaupt bleibt &#8220;Behind the Pink Curtain&#8221; wohlweislich undogmatisch in der Behandlung eines Thema, dem eine polemische Herangehensweise nur schaden könnte. Allerdings räumt er ein, dass diese &#8220;politischen&#8221; pinku eigas zumindest als Zeitgeist-Dokument einen unschätzbaren Wert zukomme.</p>
<p style="text-align: justify;">Die lupenreinste Ausprägung finden sowohl politische Tendenzen wie auch die diese unterlaufenden Fragwürdigkeiten in den Filmen von Kôji Wakamatsu und Masao Adachi, den schillerndsten Figuren in dieser Agitprop-Stossrichtung des Pink Films. Nach Anfängen bei verschiedenen kleineren Produzenten gründete der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Wakamatsu seine eigene Firma Wakamatsu Pro &#8211; und fuhr damit Erfolge ungeahnten Ausmasses ein. Sein achtzehnter (aber lange nicht letzter) Film &#8220;Secret Acts Behind Walls&#8221; schaffte es durch eine Reihe von Zufällen an die Berlinale 1965.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Film ist eine dunkle Parabel, in der ein Reihenhaus zu einem Brutkasten für sexuelle Frustrationen und Ambitionen wird &#8211; Inzucht und Mord ebenso inklusive wie ein eher kruder politischer Subtext, bei dem ein von der Atombombe Versehrter Sex im Angesicht eines Stalin-Posters hat. Zu viel für die heimischen Behörden, die im Film eine Schande für das öffentliche Bild Japans sahen und Wakamatsu entsprechend ächteten. Nichtsdestoweniger gelangten 1971 mit &#8220;Sex Jack&#8221; und &#8220;Violated Angels&#8221; erneut zwei Watsamatu Pro-Produktionen an ein internationales A-Klasse-Festival, dieses Mal Cannes.</p>
<p style="text-align: justify;">Entscheidend beteiligt an diesen Filmen war Masao Adachi, dem eine ganz und gar einzigartige Laufbahn beschieden sein sollte: Im Gegensatz zu Wakamatsu kann Adachi auf eine universitäre Ausbildung zurückblicken, samt Drogen- und Demonstrationserfahrungen. Beides führte zu ersten experimentellen Filmen, die das Interesse Wakamatsus weckten und Adachi schliesslich zu einer Anstellung in dessen Produktionsfirma verhalfen. Adachi schuf mit &#8220;The Embryo Hunts in Secret&#8221; (1966) das Skript für einen ebenso psychedelischen wie psychotischen, aufs Äusserste reduzierten Film über Misshandlung und Folter, der bis heute in verschiedenen Kreisen als ein Quäntchen ZU effizient eingeschätzt wird. Weitere Zusammenarbeiten sollten folgen, mit Filmen wie dem kaiserkritischen &#8220;Japan Assault Dark History: Blood of an Abnormal Man&#8221; auch wieder vermehrt mit politischem Subtext &#8211; der sich auch  im Kultreisser &#8220;High School Girl Guerilla&#8221; (1969) findet, in dem eine Gruppe barbusiger High School-Mädchen den bewaffneten Kampf aufnimmt, nur um am Ende desillusioniert das Scheitern ihres Aufstandes anerkennen zu müssen. Dass Adachi, der bei diesem Film Regie führte, nicht die Revolution an sich, sondern nur ihre inkonsequente Ausführung zu Graben tragen wollte, sollte sich später unmissverständlich herausstellen.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-2840" title="TheFreeloadingSexmachine-Bild05" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/TheFreeloadingSexmachine-Bild05.jpg" alt="TheFreeloadingSexmachine-Bild05" width="550" height="325" /><span style="font-size: xx-small;">&#8220;The Strange Saga of Hiroshi the Freeloading Sex Machine&#8221; (2005) von Yûji Tajiri<br />
</span></p>
<p style="text-align: justify;">Kôji Wakamatsu und Masao Adachi machten auf dem Rückweg von ihrem Ausflug nach Cannes einen Abstecher nach Beirut. Dort trafen sie sich mit Vertretern der Japanischen Roten Armee, die den Befreiungskampf des palästinensischen Volks als Teil der Weltrevolution verstand und folglich Bande mit der PFLP geknüpft hatte. Der Aufenthalt und Adachis Bemühungen, die Ideale aus Studentenzeiten zu reaktiveren und zu fördern, resultierte in dem offen propagandistischen Dokumentarfilm &#8220;Red Army / PFLP: Declaration of World War&#8221; (1971). Die Agitationswirkung blieb bescheiden, und so kehrte Adachi anschliessend zurück zu nur auf den ersten Blick konventionelleren Pink Filmen wie &#8220;Ecstasy of the Angels&#8221; (1972),  in dem der Terrorismus als Thema immer präsent bleibt.</p>
<p style="text-align: justify;">Währenddessen kam es zu dramatischen Entwicklungen innerhalb der bewaffneten Gruppierungen in und aus Japan (u. a. das berühmte Asama Berghütten-Drama), die einen generellen Kurswechsel anbahnten. Adachi vollzog diesen auch für sich persönlich, indem er 1974 nach Beirut zurückkehrte, um während Jahrzehnten im Umfeld der PFLP und der Japanischen Roten Armee zu verbleiben. Erst 1997 wurde er im Libanon festgenommen und zurück nach Japan geführt, wo er bis 2003 im Gefängnis verblieb, aber schliesslich frei gelassen wurde, da ihm keine direkte Beteiligung an bewaffneten Handlungen nachgewiesen werden konnte. Quasi als Nachtrag zu diesen politischen Irrungen und Wirrungen hat Wakamatsu kürzlich die Geschichte der Japanischen Roten Armee in seinem umstrittenen &#8220;United Red Army&#8221; aus einer persönlichen Perspektive noch einmal Revue passieren lassen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Der Weg zum Exzess</strong><br />
&#8220;Behind the Pink Curtain&#8221; lebt &#8211; wie die Pink Industrie selbst &#8211; von derartigen exzentrischen Persönlichkeiten. Einen derart legendären Status wie Wakamatsu und Adachi konnte in den 70ern und 80ern aber kein Filmemacher mehr einnehmen. Jasper Sharps Darstellung konzentriert sich im Folgenden denn auch eher auf grössere Entwicklungen: In den 70ern ist deren wichtigste zweifelsohne der Versuch der grossen Studios, ein Stück vom zunehmend lukrativen Pink-Kuchen abzukommen: Toei machte Vorstösse mit den auf nahaufnahmen.ch bereits besprochenen Sasori-Filmen. Wichtigster Akteur war aber Nikkatsu, das von 1973-1988 eine eigene Erotik-Reihe lancierte, die von einem erheblich grösseren Budget profitierte und unter dem Namen &#8220;Roman Porno&#8221; schliesslich zur schärfsten Konkurrenz für die traditionellen Pink-Produzenten werden sollte. Sharp widmet den entsprechenden Filmen mehrere Kapitel und bespricht in diesem Kontext auch den berühmtesten japanischen Erotik-Film überhaupt, Nagisa Oshimas skandalträchtigen &#8220;L&#8217;empire des senses&#8221; (1976), der allerdings mit französischen Geldern entstand. Da diese Filme aufgrund ihrer radikal anderen Produktionsbedingungen nicht zum &#8220;pinku eiga&#8221; im engeren Sinn gerechnet werden können, sollen sie an dieser Stelle aber nicht weiter interessieren.</p>
<p style="text-align: justify;">Dennoch blieb die Major Studio-Konkurrenz nicht ohne Wirkung auf den &#8220;kleineren Bruder&#8221;. Die wohl auffälligste Entwicklung war eine zunehmende Abgrenzungsbemühung, die zu einem Verzicht auf formale und politische Experimente führte, aber dennoch immer drastischere Werken hervorbrachte: Die 70er-Jahre sahen die Entstehung und Verbreitung von WIRKLICH ausbeuterischen Genres wie den Nunsploitationfilmen (wobei es erstaunlicherweise auch in Japan vorzugsweise katholische Nonnen waren, die misshandelt wurden) oder Bondage-,  Vergewaltigungs- und Folterreissern. Die Grenzen dessen, was in Sachen Gewalt zumut- und zeigbar war, wurden im Pink-Metier immer weiter verschoben, wobei die Verbreitung von Heimvideo-Recordern und die zunehmende Konkurrenz durch die billigeren Hardcore-Video-Produktionen für einen weiteren Radikalisierungs-Schub sorgten. &#8220;Behind the Pink Curtain&#8221; behandelt auch diese Entwicklungen mit nüchterner Distanz und hebt zu Recht zugleich mehrere bemerkenswerte Regisseure und Filme aus dieser Zeit hervor (unter ihnen Takashi Ishii mit seiner &#8220;Angel Guts&#8221;-Serie). Zudem sahen just jene Jahre des Exzesses den Aufstieg einer Reihe von Filmemachern, die ihre ersten (Assistenz-)Regieschritte  in der Pink-Branche machten und mittlerweile in der ersten Riege der Welt-Regisseure angekommen sind: Namen wie Hideo Nakata (&#8221;The Ring&#8221;), Kyoshi Kurosawa (&#8221;Pulse&#8221;, &#8220;Cure&#8221;) oder Ryûchi Hiroki (&#8221;Vibrator&#8221;) sprechen für sich.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Der Weg aus dem Exzess</strong><br />
Dass die zunehmende Radikalisierung dennoch ein Irrweg war, lässt sich durch handfeste Fakten belegen: Nicht nur das Major-Studio-System befand sich Ende der 80er-Jahre in einer veritablen Krise, wofür der Bankrott von Nikkatsu den schlagendsten Beweis lieferte. Auch der &#8220;pinku eiga&#8221; sah sich durch den explodierenden Video-Markt immer mehr in der Bedrängnis &#8211; und tatsächlich hat die ungleich teurere und umständlichere Produktion von auf Film aufgenommenen Sex-Streifen und die Verbreitung in spezialisierten Kinos etwas Anachronistisches in Zeiten von Heimvideo und Digitalisierung.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch der Pink Film überlebte die Krise, wozu einerseits der Boost durch die wegbrechende Roman Porno-Konkurrenz nach 1988 beitrug. Mindestens ebenso entscheidend dürfte aber das Erscheinen einer neuen Generation von Regisseuren gewesen sein, die die Weltuntergangsstimmung nützten, um in einer Nach-uns-die-Sintflut-Haltung das starre Pink-Gerüst nach allen Regeln der Kunst zu verbiegen und zu brechen. Die Filme des als shitennô oder &#8220;Vier Teufel&#8221; bezeichneten Quartett Takahisa Zeze, Kazuhiro Sano, Hisayasu Satô und Toshiki Satô erfüllten oben skizzierten Richtwerte des Pink Films  gerade noch; alles andere aber wurde einer Frischzellenkur unterzogen. Auf der formalen Ebene griff man zu allerlei Arthouse-Gimmicks: Jump Cuts und häufige Formatwechsel, das Einreissen der Vierten Wand sowie aussergewöhnliche Kamerawinkel. Inhaltlich aber hielt wieder Düsteres, Psychologisches &#8211; und endlich wieder offen Politisches Einzug in den &#8220;pinku eiga&#8221;. Es überrascht nicht, dass die shitennô das Duo Wakamatsu/Adachi als Väter im Geist betrachten. Die Vier Teufel und ihre Nachfolger verschafften dem pinku eiga ab den 90er-Jahren einen seit Jahrzehnten nicht mehr gekannten Respekt auch unter (ausländischen) Kritikern &#8211; und neue Publikumsschichten.</p>
<p style="text-align: justify;">Trotz Unzeitgemässheit des Pink Films endet &#8220;Behind the Pink Curtain&#8221; deshalb mit einer Note der Hoffnung: Vieles mag sich verändert haben in den letzten vierzig Jahren; das Stammpublikum wird immer älter; der Kampf gegen die Zensur und für die künstlerische Freiheit, die politischen und ästhetischen Reibeflächen, die die bemerkenswertesten &#8220;pinku eigas&#8221; hervorgebracht haben, mögen im 21. Jahrhundert an Bedeutung verloren haben. Doch die Industrie hat  immer wieder erstaunliches Regenerationsvermögen bewiesen &#8211; und selbst heute noch zeichnet sich der &#8220;pink film&#8221; für einen Grossteil der japanischen Filmproduktion verantwortlich.</p>
<p style="text-align: justify;">Selbst wenn er in absehbarer Zukunft tatsächlich untergehen sollte, bleibt ein verschwendend grosser Back-Katalog, der für das westliche Filmpublikum noch über Jahre Entdeckungen bereithalten dürfte. &#8220;Behind the Pink Curtain&#8221; ist ein guter Kompass auf dem Weg dahin.</p>
<p style="text-align: justify;">Jasper Sharp: Behind the Pink Curtain: The Complete History of Japanese Sex Cinema</p>
<p style="text-align: justify;">FAB Press</p>
<p style="text-align: justify;">348 Seiten, ca. CHF 45.50 CHF</p>
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