Von Lukas Hunziker · Juli 2011

Der Geschmack des Publikums und der Geschmack der Jury lagen dieses Jahr für einmal nahe beisammen. Die norwegische faux-Doku “Trollhunter” räumte gleich drei Preise ab, was kaum eine Überraschung war. “Hello Ghost” gewann im asiatischen Wettbewerb, was die vielen Freudetränen, die bei den zwei Vorstellungen vergossen wurden, ebenfalls schon angekündigt hatten. Trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen, unseren Senf zu jedem Preis auch dazuzugeben.
Von Lukas Hunziker · Juli 2011

Auch anlässlich des diesjährigen NIFFFs müssen wir unserer Leserschaft leider mitteilen, dass die Gerüchte, nach denen der Tag eines nahaufnahmen.ch Journalists 30 und nicht 24 Stunden hat, weshalb er zu jedem gesehenen Film eine ausführliche Besprechung schreiben kann, leider falsch sind. Nicht falsch jedoch sind die Gerüchte, dass wir verdammt viele Filme gesehen haben, von denen wir einige nicht unerwähnt lassen möchten.

Am sechsten Tag wurde es theatralisch am NIFFF: Der südkoreanische Wettbewerbsbeitrag “End of Animal” gibt sich spröde und entzieht sich jeder Kategorisierung, ausser: Irgendwas mit Beckett. Zugänglicher war da schon “Todos tus muertos”, der mit Surrealismus und bitterbösem Humor die Korruption in Kolumbien anklagt.

Norwegen hat einen Lauf: Nach „Norwegian Ninja“ stellen die Skandinavier mit „Trollhunter“ eine weitere hoch unterhaltsame Mockumentary, die an nationalen Mythen rüttelt. Auch erschütternd, allerdings eher erschütternd schlecht, war dagegen ausgerechnet der einzige Animationsfilm am NIFFF.

Tag drei bot mit „Hello Ghost“ einen süd-koreanischen Film, bei dessen Anblick Zynikern ihr schwarzes Herz im rheumatischen Brustkorb verdorrt. Und mit „Norwegian Ninja“ einen Film, der alles hält, was sein ungemein sprechender Titel verspricht. Ausserdem: Südstaaten-Charme mit dem Erfinder des Gore-Kinos und Eli Roth.

Der zweite Festival-Tag hielt zwei japanische Beiträge zum asiatischen Wettbewerb bereit, die trotz einem gemeinsamen Fokus auf Sex kaum unterschiedlicher hätten sein können: „Underwater Love“ darf als aufwändigster Vertreter der faszinierend Softporno-Tradition des Landes gelten, die Stärke aus Einschränkungen gewinnt – und scheitert ausgerechnet an einem Mangel an Restriktionen.
Von Lukas Hunziker · Juli 2011

Das böse Kind, sei es als Antichrist in “The Omen” oder als eiskalter Elternmörder in Tom Shanklands “The Children”, ist ein fruchtbares Motiv für Horrorfilme. In Lynn Ramsays brillianter Adaption von Lionel Shrivers Bestseller “We need to talk about Kevin” entfaltet sich der Horror jedoch ohne Satansvaterschaft und Splattereffekte. Das schonungslose Drama über die dunklen Seiten des Eltern-seins ist harte Kost – aber auch einer der sehenswertesten Film des Jahres.

Rote Latexpullover, Bösewichter kopiert aus einem Marvel-Comic und das Hirn im Schleudersitz: Mit dem Superhelden-Schinken „Red Eagle“ bekam die elfte Durchführung des Neuchâtel International Fantastic Film Festival den Auftakt, den sie verdient. Später am Tag zeigte „Operation Tatar“, der erste mongolische Beitrag in der Geschichte des Festivals, dass weniger auch mehr sein kann.
Von Simon Wottreng · November 2010

Zum 14. Mal sind in Winterthur die Kurzfilmtage über die Bühne, respektive Leinwand, gegangen. Das vielfältige Programm überzeugte nicht nur mit interessanten internationalen Filmen, sondern bewies, dass auch hierzulande talentierte junge Filmemacher am Werk sind, von welchen in Zukunft auch anspruchsvolle Langfilme erwartet werden dürfen. Ein Augenschein des Schweizer Beitrags am renommierten Festival.
Von Christoph Aebi · Oktober 2010

Nach über 70 Dokumentarfilmen für das Schweizer Fernsehen hat Paul Riniker mit „Sommervögel“, einer berührenden Liebesgeschichte zwischen einer verhaltensauffälligen Frau und einem in die Jahre gekommenen Biker, seinen ersten Spielfilm und gleichzeitig ein kleines Meisterwerk realisiert. Nahaufnahmen.ch traf den Regisseur am Filmfestival Locarno und sprach mit ihm über die Schwierigkeiten bei der Finanzierung, die Suche nach einem geeigneten Campingplatz und seine Drehsucht.
Von Christoph Aebi · September 2010

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, über Langeweile nicht: So gab es denn in den ersten Festivaltagen einige pseudo-philosophische Filme zu überstehen, welche die Nerven des Berichterstatters arg strapazierten. Da half es auch nichts, dass der neue künstlerische Direktor Olivier Père diese nichtssagenden Machwerke in den höchsten Tönen als „Filme des Jahrzehnts“ anpries. Der überragende Schweizer Beitrag „La petite chambre“ sowie ein sechsstündiger Monumental-Dokumentarfilm aus China retteten schliesslich den kränkelnden Wettbewerb.
Von Christoph Aebi · September 2010

Die mittlerweile 21.Ausgabe der Kritikerwoche, organisiert vom Verband der Schweizer Filmjournalisten, erfüllte auch in diesem Jahr das selbst gesteckte Ziel, dem Publikum eine möglichst abwechslungsreiche Mischung von Dokumentarfilmen zu präsentieren, mühelos. Für Höhepunkte sorgten insbesondere die drei skandinavischen Beiträge über häusliche Gewalt, ein dunkles Kapitel des 2.Weltkrieges sowie einen Subutex-Junkie.
Von Lukas Hunziker · Juli 2010

Was in Cannes die Palme d’Or, an der Berlinale der Goldene Bär und in Locarno der Goldene Leopard ist, ist am NIFFF der “Narcisse”, der Jurypreis für den besten Film im internationalen Wettbewerb. Dieser ist jedoch nicht der einzige Preis, welcher vergeben wurde – auch für die Filme im asiatischen Wettbewerb, den besten europäischen Film, den besten Schweizer und den besten europäischen Kurzfilm, und Filme in weiteren Kategorien gab es Preise. Eine kommentierte Liste.

Am Samstag versuchten sich gleich zwei Beiträge aus verschiedenen Ecken der Welt an der Verschmelzung von Knüppelei und Klamauk: Doch trotz vielversprechender Ansätze blieben sowohl der thailändische “Raging Phoenix”, der Muay Thai mit Breakdance zusammen bringt, als auch das Hong Konger Geronten-Gekloppe “Gallants” hinter den Erwartungen zurück.

Am Freitag schickt Frankreich einen Trupp Soldaten in die Wüste – wo sie einen der besten und stillsten Horror-Trips des NIFFFs 2010 erleben. Stille gebietet auch der Film “Murderer”, über den man nicht viel sagen darf, ausser: Er ist, einer verschrobenen Logik folgend, der konsequente nächste Schritt für den Hong Kong-Thriller.
Von Lukas Hunziker · Juli 2010

Neben viel Horror, Gore, Geistern und Vampiren war ein Film im internationalen Wettbewerb vertreten, der auch ohne visuelle Effekte und Kunstblut ziemlich fantastisch war – in beiden Bedeutungen des Wortes. In “Transfer” bietet eine deutsche Firma alten Menschen an, ihre Persönlichkeit in den Körper eines jungen Menschen zu überführen, und ihnen so ein zweites Leben zu ermöglichen.
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