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	<title>nahaufnahmen.ch &#187; Auf der Leinwand</title>
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	<description>Das Magazin im Netz</description>
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		<title>&#8220;The Future&#8221; von Miranda July</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Dec 2011 10:45:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Garabet Guel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[David Warshofsky]]></category>
		<category><![CDATA[Hamish Linklater]]></category>
		<category><![CDATA[Isabella Acres]]></category>
		<category><![CDATA[Joe Putterlik]]></category>
		<category><![CDATA[Miranda July]]></category>
		<category><![CDATA[The Future]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/24/the-future/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/the-future-1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Nach „Me and You and Everyone We Know“ verzaubert uns Miranda July mit einem weiteren fabelhaften Erwachsenenmärchen. Die infantile Absurdität des Erstlings wird als Stimmungsrahmen beibehalten, jedoch strapaziert durch den Lastcharakter des Zeitbewusstseins und (zwischen-)menschliche Orientierungsschwierigkeiten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Ein verschwundenes Kind und ein kriechendes T-Shirt</h1>
<h2>&#8220;The Future&#8221; von Miranda July</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-10200" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/the-future-1.jpg" alt="the future 1" width="550" height="310" /></p>
<h3>Nach „Me and You and Everyone We Know“ verzaubert uns Miranda July mit einem weiteren fabelhaften Erwachsenenmärchen. Die infantile Absurdität des Erstlings wird als Stimmungsrahmen beibehalten, jedoch strapaziert durch den Lastcharakter des Zeitbewusstseins und (zwischen-)menschliche Orientierungsschwierigkeiten.</h3>
<p>Von Garabet Gül.</p>
<p>Miranda July schreibt in der November-Ausgabe des Kulturmagazins „Du“ von einem Ordner aus ihrer Kindheit mit der Aufschrift „Wie man die Zeit zurückdrehen oder andere Welten betreten kann“. Den Ordner habe sie noch und auch das Gefühl, dass der Eingriff in den Fluss der Zeit oder der Eintritt in andere Wirklichkeiten möglich sei. Diese Eventualitäten lotet sie nun nicht nur in ihrem neusten Film „The Future“ aus, auch in ihrem Leben scheint sie die Zeit manipuliert und eine andere Welt betreten zu haben. Laut „Du“ ist sie nämlich verschwunden und niemand, nicht einmal ihr Ehemann, wisse, wo sie sich befinde. Dementsprechend thematisiert das Magazin auch mehrheitlich das Verschwinden von Miranda July und weniger ihr eigentliches Kunstschaffen. Es geht mehr um die Person und weniger um das Werk – zumal diese Unterscheidung bei Miranda July schwierig vorzunehmen ist. Ihre Filme sind sehr persönlich und die Protagonistinnen, die sie selber verkörpert, auch Selbstdarstellungen. Es könnte deshalb durchaus der Verdacht aufkommen, es handle sich bei ihrem Verschwundensein um eine Inszenierung von Fluchtphantasien: Eine narzisstische Sehnsucht danach vermisst zu werden als konzeptuelles Thema für eine künstlerische Bewältigung des eigenen Lebens. Die Künstlerin wird zum Kunstwerk, sie macht sich selber zum Gegenstand, der vermisst werden soll. Eine durchaus verführerische Sache &#8211; denn wer hat sich nicht schon mal der bittersüssen Vorstellung vom eigenen Tod hingegeben und sich dabei gefragt, ob und wie sehr man den Hinterbliebenen fehlen würde. Miranda July sitzt nun vielleicht in einer anderen Zeit und fremden Welt und beobachtet, wie ihre Mitmenschen auf ihr Verschwinden, ihre neuste Performance, reagieren. Die Reaktionen auf ihren aktuellen Kinofilm dürften das verschollene Kind dabei bestimmt auch interessieren.</p>
<h3>Die Flucht und die Zeit</h3>
<p>In ihrem ersten Spielfilm waren es zwei liebesdurstige Figuren auf der Suche nach ihrem Seelenverwandten. In „The Future“ haben sich diese seit vier Jahren gefunden und führen ein bescheidenes Leben in einem kleinen schmucken Appartement in Los Angeles. Jason (Hamish Linklater) arbeitet von zuhause aus für eine Telefonhotline und Miranda Julys Alter Ego Sophie ist Tanzlehrerin für Kinder. Damit die Routine des Alltags etwas Abwechslung erfährt und an Dringlichkeit gewinnt, entscheiden sich die zwei Mitdreissiger, eine alte kranke Katze aus dem Tierheim zu adoptieren. Da das Tier, das sie „PawPaw“ taufen, an einer Pfote verletzt ist, müssen sich Jason und Sophie noch dreissig Tage gedulden, bis sie die Katze mit nach Hause nehmen können. Voller Ehrfurcht vor der bevorstehenden Verantwortung möchten die beiden den Monat dazu nutzen, neue Erfahrungen zu sammeln. Mit hektischer Vorfreude kündigen sie ihre Stellen, kappen die Internetverbindung und experimentieren auf je eigene Art und Weise mit der temporär offenen Situation. Jason versucht sich als hausierender Umweltschützer und lernt dabei einen mysteriösen alten Mann kennen, der gerne ausrangierte Gebrauchsgegenstände repariert. Sophie bemüht sich, für YouTube eine Sammlung aus dreissig Tänzen bereitzustellen. Jeden Tag ein neuer Tanz. Doch sie kommt nicht voran und die künstlerische Auseinandersetzung mit den neuen Lebensumständen misslingt vorerst.</p>
<div id="attachment_10202" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-10202" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/the-future-2.jpg" alt="© Studio / Produzent" width="550" height="310" /><p class="wp-caption-text">© Studio / Produzent</p></div>
<p>Spontan ruft sie einen fremden Mann an, dessen Nummer sie zufällig auf der Rückseite einer von Jason erworbenen Zeichnung findet. Ein kindliches Spiel mit Folgen beginnt: Sie flieht in eine kleinbürgerliche Welt, in der sie wie ein labiler Fremdkörper wirkt, noch zerbrechlicher als ohnehin schon. In dieser Welt scheint hingegen alles viel einfacher und geordneter zu verlaufen, sogar ihr lockiges Haar wird den Umständen angepasst und vor jedem Besuch in der idyllischen Vorstadtgegend glattgestrichen. Jason ahnt bereits Schreckliches, und als Sophie ihn über ihre neue Bekanntschaft in Kenntnis setzen möchte, versucht er verzweifelt, die Zeit anzuhalten – den Strom, in dem die Wahrheit fliesst.</p>
<h3>Verspielt und suchend</h3>
<p>Es ist einfach, Miranda July und ihr Werk zu verklären, so wie es das „Du“ tut, weil es schwierig ist, sich der skurrilen Verspieltheit dieser vielseitigen Künstlerin zu entziehen, die sich auch in „The Future“ neben der weiblichen Hauptrolle wieder für das Drehbuch und die Regie verantwortlich zeichnet. Wie bereits in „Me and You and Everyone We Know“ ist auch ihr neuer Film eine Ode an das ewige Kind in uns, das nicht erwachsen werden möchte, an den suchenden Künstler, der mit den Phänomenen des Lebens spielt, statt sie erklären zu wollen, an den sehnsüchtigen Träumer, der sich verloren fühlt in einer rationalisierten Welt, in welcher das Gefühl der Liebe als chemische Reaktion entmystifiziert und das Leben dem Diskurs der Nützlichkeit unterworfen wird. Dagegen sind Miranda Julys Filme entwaffnende poetische Liebesmärchen, die gleichwohl einen authentischen Identifikationscharakter besitzen und Platz lassen für realistische Durchdringungen &#8211; In dieser Welt bewahrt das Leben seine verletzliche Rätselhaftigkeit.</p>
<p>Die stimmungstragenden Begegnungen sind behutsam inszeniert, die Dialoge knapp und distanziert. Die Figuren wirken oft ein wenig verunsichert und geistesabwesend, lediglich die tanzende und schreiende Sophie sorgt zwischendurch für etwas Aufgeregtheit. Die atmosphärische Versunkenheit wird durch die Filmmusik von John Brion („Magnolia“ und „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“) und die schleppenden Traumlieder von Beach House angemessen akzentuiert. Geschildert wird die Geschichte aus der Sicht von PawPaw. Mit einer fragilen, verstellten Stimme (der von Miranda July) erzählt das Tier von seiner Vorfreude auf sein neues Zuhause und hält immer wieder schwermütige Monologe wie über das Bedürfnis nach Wärme und Geborgenheit. Diese tierische Verfremdung funktioniert nicht durchgehend und kommt mit der Zeit etwas bemüht konstruiert daher. Als weiteres phantastisches Element fungiert ein kriechendes T-Shirt, ein cineastischer Schabernack, der sich wiederum einfacher in die Stimmung und die Geschichte einfügt und nicht allzu gekünstelt wirkt. Das befreiende Kleidungsstück kriecht zu Sophie, das Gesuchte zur Suchenden, die Kunst findet die Künstlerin. Jetzt muss nur noch die Künstlerin gefunden werden.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 15. 12. 2011 im Kino.</p>
<p>Originaltitel: The Future (Deutschland 2011) <br />
 Regie: Miranda July <br />
 Darsteller: Miranda July, Hamish Linklater, David Warshofsky, Isabella Acres, Joe Putterlik<br />
 Genre: Liebesmärchen <br />
 Dauer: 91 Minuten<br />
 CH-Verleih: Columbus Films</p>
<p><strong>Im Netz</strong><br />
 <a href="http://www.youtube.com/watch?v=y_l05MZ9y8A" target="_blank">Trailer</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;OFF BEAT&#8221; von Jan Gassmann</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/11/05/off-beat-von-jan-gassmann/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/11/05/off-beat-von-jan-gassmann/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 05 Nov 2011 19:50:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rico Steinemann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Leinwand]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/11/05/off-beat-von-jan-gassmann/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/11/offbeat-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Jan Gassmann, ein vielversprechendes Schweizer Regietalent präsentiert mit OFF BEAT seinen ersten Spielfilm über einen erfolglosen Rapper.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>OFF BEAT</h1>
<div id="attachment_9721" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9721" title="offbeat" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/11/offbeat.jpg" alt="Bild: http://www.offbeat-film.com" width="550" height="309" /><p class="wp-caption-text">Bild: http://www.offbeat-film.com</p></div>
<p><strong><span style="font-family:Arial" lang="DE-CH">Jan Gassmann, ein vielversprechendes Schweizer Regietalent, präsentiert mit OFF BEAT seinen ersten Spielfilm über einen erfolglosen Rapper.<br />
 </span></strong></p>
<p>Von Simon Inauen</p>
<p><span style="font-family:Arial" lang="DE-CH">Pathetisch langsam nimmt OFF BEAT einen mit auf eine Reise auf die andere Seite der Stadt. Auf eine Seite, auf welcher Träume unerfüllt bleiben, Hoffnungen bleichen und Erwartungen verblühen. Mit umgekehrten Klavierklängen im Ohr laufen wir durch unsere Quartiere, unsere Clubs, erleben Exzesse und Liebesakte und werden langsam eingeführt in das Unvermögen zu leben, wenn zu viel Freiheit ohne äusseren Zwang und inneren Anspruch auf eben diese selbst gezimmerten Erwartungen und Hoffnungen trifft. Wenn sich unverdaute Missverständnisse mit Unehrlichkeit verbinden und Ängste die Kreativität anketten. Man zum Junkie wird. Und alles so ist wie man es nie wollte. Sich die Welt gegen einen stellt und man sich selbst gegen die Welt. Wenn die Liebsten dann die Seiten wechseln und man alleine unvermeidlich in eine panische Leere fällt und dann die letzten Überbleibsel seines Lebens zerreist um vielleicht ganz unten nochmals neu anzufangen.</span></p>
<p><span style="font-family:Arial" lang="DE-CH">OFF BEAT ist ein gelungenes Erstlingswerk, ein Trip von oben nach unten, schön aber ehrlich, direkt und unverblümt, wie wir es von Jan Gassmann gewohnt sind. Diesmal zerbricht der Mensch nicht am unverschuldeten Schicksal, sondern an seinem eigenen Unvermögen.</span></p>
<p><span style="font-family:Arial" lang="DE-CH"><br />
 </span></p>
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		</item>
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		<title>&#8220;A Separation&#8221; von Asghar Farhadi</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 18:53:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Garabet Guel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Asghar Farhadi]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
		<category><![CDATA[Jodaeiye Nader az Simin]]></category>
		<category><![CDATA[Leila Hatami]]></category>
		<category><![CDATA[Nader und Simin: Eine Trennung]]></category>
		<category><![CDATA[Peyman Moadi]]></category>
		<category><![CDATA[Sareh Bayat]]></category>
		<category><![CDATA[Sarina Farhadi]]></category>
		<category><![CDATA[Shahab Hosseini]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/09/05/a-separation/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/09/separation-1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Die Berlinale ist bekannt dafür, dass bei der Wahl des besten Films politische Beweggründe stärker gewichtet werden als ästhetische. Doch in diesem Fall dürfte die politische Betroffenheit kaum den Ausschlag gegeben haben. Denn bei „A Separation“ handelt es sich nicht um politisches Kino, auch wenn es ein iranischer Film ist. Eine joviale Sozialromantik kommt eindeutig zu kurz – dafür blüht das Cineastische um so mehr auf. Eindrückliches Kino über universelle menschliche Konfliktlinien.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Wahrheit ist eine Perspektive</h1>
<h2>&#8220;A Separation&#8221; von Asghar Farhadi</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-9599" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/09/separation-1.jpg" alt="separation 1" width="500" height="335" /></p>
<h3>Die Berlinale ist bekannt dafür, dass bei der Wahl des besten Films politische Beweggründe stärker gewichtet werden als ästhetische. Doch in diesem Fall dürfte die politische Betroffenheit kaum den Ausschlag gegeben haben. Denn bei „A Separation“ handelt es sich nicht um politisches Kino, auch wenn es ein iranischer Film ist. Eine joviale Sozialromantik kommt eindeutig zu kurz – dafür blüht das Cineastische um so mehr auf. Eindrückliches Kino über universelle menschliche Konfliktlinien.</h3>
<p>Von Garabet Gül.</p>
<p>Wenn im Westen der Iran im Fokus steht, ist es nicht selten der Fall, dass dabei die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im sogenannten Gottesstaat thema- und problematisiert werden. Sei dies die Atompolitik des zwielichtigen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, die Scharia, das islamische Recht als Gesetzesgrundlage, die allgemeine Menschenrechtssituation oder die Rolle der Frau in der iranischen Gesellschaft. Vorwiegend wird bei den Betrachtungen eine westliche Position eingenommen und nach eigenen Wertmassstäben begutachtet. Das ist verständlich und auch kaum anders möglich, da ein Urteil stets bedingt ist durch den kulturellen Hintergrund des Urteilenden.</p>
<p>Doch bei einer zu selbstgefälligen westlichen Sichtweise wird gerne übersehen, dass die Menschen im Iran ebenso einen Alltag besitzen, den sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten so gut als möglich zu bewältigen haben. Die Sehnsüchte und alltäglichen Auseinandersetzungen der Iraner und Iranerinnen sind mit den unsrigen durchaus vergleichbar, denn trotz aller kultureller Unterschiede spielt sich auch das tägliche Leben im ehemaligen Persien primär in Bindungs- und Organisationsformen wie Ehe, Familie, Schule, Arbeit und Staat ab.</p>
<h3>Der Zuschauer als Richter</h3>
<p>Gleich zu Beginn nimmt der Zuschauer den Blickwinkel des Scheidungsrichters ein. Ein iranisches Ehepaar aus der Mittelschicht möchte sich scheiden lassen und legt seine Gründe dar. Simin will den Iran verlassen, um ihrer Tochter Termeh im Ausland bessere Lebensbedingungen zu ermöglichen. Ihr Mann Nader möchte nicht auswandern und seinen an Alzheimer erkrankten Vater im Stich lassen. Auf das Scheidungsgesuch wird nicht eingegangen, unter anderem weil sich das Ehepaar betreffend Sorgerecht nicht einigen kann und der Richter keinen zwingenden Grund für eine rechtliche Trennung vorliegen sieht.</p>
<div id="attachment_9600" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-9600" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/09/separation-2.jpg" alt="separation 2" width="500" height="335" /><p class="wp-caption-text">© Studio / Produzent</p></div>
<p>Simin zieht daraufhin zu ihren Eltern. Die Tochter entscheidet, bei ihrem Vater zu bleiben und hofft auf eine baldige Versöhnung ihrer Eltern. Mit dem Wegzug von Simin fehlt nicht nur die Ehefrau und die Mutter der Familie, sondern auch eine wichtige Stütze für die Pflege des Grossvaters. Nader benötigt nun diesbezüglich Hilfe und stellt für die tägliche Betreuung seines Vaters eine junge Frau ein, die, wie er im Nachhinein zufällig erfährt, schwanger ist. Der Ehemann der Angestellten wird über das Arbeitsverhältnis nicht in Kenntnis gesetzt. Die junge Frau bekundet zusehends Mühe mit der Pflege des alten Mannes, nicht zuletzt wegen ihres Glaubens. Als Nader eines Tages nach Hause kommt und seinen Vater alleine und ans Bett gefesselt vorfindet, eskaliert die Situation.</p>
<p>Für die beiden Familien beginnt eine nervenaufreibende Zeit, in der das Leben der Mitglieder durcheinandergebracht und ihre Beziehungen irritiert und gefordert werden. Nach und nach spinnt sich ein brisantes Beziehungsnetz aus verschiedenen Hintergründen, Motivationen und Bedürfnissen. Immer neue Aspekte kommen zum Vorschein und lassen eine klare Zuweisung von Schuld und Unschuld nicht zu. Keinem der Protagonisten wird die Rolle der guten oder bösen Figur zugeteilt. Jeder der Beteiligten verfügt über seine eigenen Wahrheiten und die diffizile Zuschreibung der Charakterattribute bleibt dem Zuschauer überlassen.</p>
<h3>Warten auf die Entscheidung</h3>
<p>Neben der gekonnten Behandlung kulturübergreifender menschlicher Konflikte sind es vor allem das herausragende cineastische Feingefühl des Regisseurs und die exzellenten schauspielerischen Leistungen, die „A Separation“ so besonders machen. In dichten, sich zuweilen atemlos, jedoch nie übertrieben hektisch abwechselnden Nahaufnahmen, die zumeist die Sicht eines Protagonisten wiedergeben, entwickelt der Film eine ausgeklügelte und mitreissende Spannung, die gänzlich ohne musikalische Unterstützung oder andere übertrieben wirkende künstliche Effekte erzeugt wird. Das kühle Grau und Grün der Bilder wirkt nicht aufgetragen und könnte die, zwischen Tristesse und Hoffnung schwankenden, Gefühle der Filmfiguren symbolisieren. Die graugrüne Wechselbeziehung der Farben wird konsequent bis ins letzte Detail eingehalten, von der Bekleidung und der Wohnungseinrichtung bis hin zu der Sauerstoffmaske des kranken Vaters. Diese akribische Beständigkeit weist auf einen Filmemacher hin, der ein Faible für Details besitzt und nichts dem Zufall überlässt.</p>
<p>Ohne vortreffliche Schauspieler kann keine stimmungsvolle Geschichte erzählt werden. „A Separation“ bietet beachtenswertes Schauspielkino. Jede der Haupt- und Nebenrollen ist erstklassig besetzt und wird glaubwürdig interpretiert. Insbesondere die beiden unterschiedlichen weiblichen Hauptfiguren übermitteln ein treffendes, differenziertes Bild der Frauen im Iran. Die stereotypische, unterdrückte iranische Frau gibt es nicht. Der Film behandelt die Geschlechterfrage, wie auch alle anderen Fragen, beschreibend und neutral und verzichtet darauf, moralische oder ethische Instanz zu sein. „A Separation“ ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass die (Film-)Kunst vor allem dann zu überzeugen vermag, wenn sie als Zweck betrieben wird und nicht bloss als tendenziöses Mittel.</p>
<p>Am Ende sitzen Simin und Nader wieder vor dem Scheidungsrichter, diesmal ist auch Termeh dabei. Der Richter fragt die Tochter, ob sie sich schon entschieden habe, bei welchem Elternteil sie nach der Scheidung bleiben möchte. Sie nickt mit Tränen in den Augen, kann aber ihre Entscheidung nicht artikulieren. Der Richter schickt die Eltern hinaus &#8211; und in den engen Gängen der iranischen Justiz wartet das entfremdete Ehepaar auf die Wahl ihrer Tochter.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 8. September 2011 im Kino.</p>
<p>Originaltitel: Jodaeiye Nader az Simin – Nader und Simin: Eine Trennung (Iran 2011)<br />
 Regie: Asghar Farhadi <br />
 Darsteller: Leila Hatami, Peyman Moadi, Shahab Hosseini, Sareh Bayat, Sarina Farhadi<br />
 Genre: Drama <br />
 Dauer: 123 Minuten <br />
 CH-Verleih: Trigon Film</p>
<p><strong>Im Netz</strong><br />
 <a href="http://www.youtube.com/watch?v=B2Sswx_vrWk" target="_blank">Trailer</a></p>
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		<title>&#8220;Submarine&#8221; von Richard Ayoade</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Jun 2011 17:58:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kevin McLoughlin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Craig Roberts]]></category>
		<category><![CDATA[Noah Taylor]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Ayoade]]></category>
		<category><![CDATA[Submarine]]></category>
		<category><![CDATA[Yamins Paige]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/06/19/submarine/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/06/submarine-1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Ein pubertierender Waliser versucht ein guter Freund zu sein und gleichzeitig die Ehe seiner Eltern zu retten. Richard Ayoades Spielfilmdebut überzeugt durch die herzerwärmende Story und die zum grosse Teil unbekannten Schauspieler.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Zwischen Freundin und Eltern</h1>
<h2>&#8220;Submarine&#8221; von Richard Ayoade</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8871" title="submarine 1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/06/submarine-1.jpg" alt="submarine 1" width="550" height="367" /></p>
<h3>Ein pubertierender Waliser versucht ein guter Freund zu sein und gleichzeitig die Ehe seiner Eltern zu retten. Richard Ayoades Spielfilmdebut überzeugt durch die herzerwärmende Story und die zum grosse Teil unbekannten Schauspieler.</h3>
<p>Von Kevin Mc Loughlin.</p>
<p>Der etwas prätentiöse und von seinen Klassenkameraden ausgegrenzte Oliver Tate (Craig Roberts) aus Swansea ist 15 und trotz gegenteiliger Argumente davon überzeugt, dass er hochintelligent und bei allen beliebt ist. Nachdem er umsonst ein Mädchen geplagt hat, nur um Jordana (Yasmin Paige) zu beeindrucken, wendet sich das Blatt für ihn, als sie ihn missbraucht, um ihren Exfreund eifersüchtig zu machen. Der Plan scheitert jedoch und Oliver wird selbst verprügelt, als er sich weigert, Jordana als Schlampe zu bezeichnen. Sie ist davon aber so angetan, dass die beiden fortan ein Paar sind.</p>
<h3>Familienzwist</h3>
<p>So weit so gut, also. Ganz anders sieht es bei Olivers Eltern aus. Durch ein ausgeklügeltes System hat er nämlich festgestellt, dass sein Vater Lloyd (Noah Taylor) und seine Mutter JIll (Sally Hawkins) seit langer Zeit keinen Sex mehr gehabt haben und er sieht das Familienglück in Gefahr – vor allem, als im Nachbarhaus der New Age Guru Graham (Paddy Considine) einzieht, der Jugendfreund von Jill. Oliver beginnt alsdann im Verborgenen daran zu arbeiten seine Mutter und Graham auseinander und seine Eltern wieder näher zusammenzubringen. Als wären diese Probleme nicht schon genug für einen 15-jährigen, kommt noch die Mutter seiner Freundin hinzu, die Krebs im Endstadium hat.</p>
<div id="attachment_8872" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-8872" title="submarine 2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/06/submarine-2.jpg" alt="© Studio / Produzent" width="550" height="367" /><p class="wp-caption-text">© Studio / Produzent</p></div>
<h3>Gelungenes Regiedebüt</h3>
<p>Richard Ayoade, der einigen als Moss aus der britischen Serie &#8220;The IT Crowd&#8221; bekannt sein dürfte, beweist bei seinem Regiedebüt in allen Belangen ein sehr gutes Händchen. Der Cast ist zum grossen Teil unbekannt, überzeugt aber auf der ganzen Linie. Die Geschichte findet in Wales zu einer nicht näher bestimmten und bestimmbaren Zeit statt und die Musik &#8211; komponiert und produziert von Alex Turner (Frontman von den Arctic Monkeys) &#8211; passt dabei wunderbar ins Konzept. &#8220;Submarine&#8221; glänzt durch schönes Storytelling, feinfühlige Charakterzeichnung und subtilen Humor, der durch unpässliche und unbehagliche Situationen entsteht. Auf Slapstick Comedy wird zum Glück und zum grossen Gewinn für den Film gänzlich verzichtet. &#8220;Submarine&#8221; dürfte im kommenden Dezember wohl als eine der grossen Entdeckungen des Kinojahres zählen und es bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass Ayoade noch viele weitere Filme folgen lassen wird.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 16. Juni 2011 im Kino.</p>
<p>Originaltitel: Submarine (England, Wales 2010) <br />
 Regie: Richard Ayoade <br />
 Darsteller: Craig Roberts, Yamins Paige, Noah Taylor<br />
 Genre: Komödie, Drama, Coming of Age <br />
 Dauer: 97 Minuten <br />
 CH-Verleih: Rialto</p>
<p><strong>Im Netz</strong><br />
 <a href="http://trailers.apple.com/trailers/weinstein/submarine/" target="_blank">Trailer</a><br />
 <a href="http://warp.net/films/submarine" target="_blank">Offizielle Seite</a></p>
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		<item>
		<title>&#8220;Live aus PEEPLI. Irgendwo in Indien&#8221; von Anusha Rizvi</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/06/09/peepli/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/06/09/peepli/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 09 Jun 2011 06:42:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Garabet Guel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Leinwand]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/06/09/peepli/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/06/peepli-1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Eine unterhaltsame Medien- und Politsatire aus Indien – frei von kitschigen Bollywood-Künstlichkeiten und auch ohne die atemlose und überästhetisierte Romantik von „Slumdog Millionaire“. Mit reichlich schwarzem Humor und einer Prise sozialkritischer Melancholie hinterfragt Anusha Rizvi in ihrem Filmdebüt die perversen Mechanismen der Medienindustrie.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Selbstmord (LIVE)</strong></h1>
<h2>&#8220;Live aus PEEPLI. Irgendwo in Indien&#8221; von Anusha Rizvi</h2>
<p><strong> </strong></p>
<h3><img class="alignnone size-full wp-image-8789" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/06/peepli-1.jpg" alt="peepli 1" width="550" height="390" /></h3>
<h3><strong>Eine unterhaltsame Medien- und Politsatire aus Indien – frei von kitschigen Bollywood-Künstlichkeiten und auch ohne die atemlose und überästhetisierte Romantik von „Slumdog Millionaire“. Mit reichlich schwarzem Humor und einer Prise sozialkritischer Melancholie hinterfragt Anusha Rizvi in ihrem Filmdebüt die perversen Mechanismen der Medienindustrie. </strong></h3>
<p>Von Garabet Gül.</p>
<p>Indische Filme oder solche über Indien sind bei uns nicht sehr verbreitet, sie gehören im Angebot exotischer Grenzerfahrungen nicht zum primären Kanon der europäischen und angelsächsischen Unterhaltungsindustrie. Das indische Kino wird in erster Linie mit dem sogenannten Bollywood<em> </em>assoziiert, dem asiatischen Pendant der US-amerikanischen Traumfabrik. Im Gegensatz zu den Sehnsüchten, die an der Westküste der Vereinigten Staaten produziert werden, besitzen die Streifen aus Indien jedoch kaum globale Ausstrahlungskraft. Mit dem Film „Lagaan“ (2001), der auf gewohnte Bollywood-Manier die britische Kolonisation thematisiert, schaffte es hingegen ein indischer Film über die Landesgrenzen hinaus Zuschauer ins Kino zu locken und für den Oscar als <em>Bester fremdsprachiger Film</em> nominiert zu werden. Der Produzent und Hauptdarsteller von „Lagaan“, Aamir Khan, hat nun auch „PEEPLI“ produziert, welcher ebenfalls für den Auslandoscar nominiert ist. Aber dort wo „Lagaan“ exotische Unterhaltung bleibt und sich, sowohl ästhetisch wie inhaltlich, vor allem innerhalb des indischen Kontextes bewegt, sprengt „PEEPLI“ den nationalen Kulturkreis, indem er mediale Anomalien hinterfragt, die auch im Westen sehr ähnlich funktionieren.</p>
<p><strong>Der Mensch als Story</strong></p>
<p>Den Hintergrund der Satire bildet, wie so oft, ein ernstes Thema. Die Suizidrate unter den indischen Landwirten ist erschreckend hoch. Gemäss offiziellen Zahlen sollen sich zwischen 1997 und 2007 über 180.000 Bauern umgebracht haben. Auch heute noch wird von über fünfzehntausend Selbstmorden pro Jahr ausgegangen, deren Ursachen vor allem auf klimabedingte Ernteausfälle und den globalisierten Saatgutmarkt zurückgeführt werden. Die indische Regierung hat angesichts der Besorgnis erregenden Problematik sogar eigens einen Fond für Hinterbliebene eingerichtet. Soweit die realen sozialen Gegebenheiten.</p>
<p>Auch im Film leidet die Landwirtschaft unter den schwierigen ökologischen und ökonomischen Bedingungen.  Die Bauern Natha und sein älterer Bruder Budhia können nicht genug aus ihrem Ackerland in Peepli erwirtschaften, um die Raten eines Darlehens an die Regierung zurückzubezahlen. Auf der Suche nach Unterstützung gelangen sie an einen zynischen Lokalpolitiker, der sie dazu anspornt, Selbstmord zu begehen, damit die Familie in den Genuss des Regierungs-Fonds kommt. Der ledige Budhia findet Gefallen an dem Gedanken und schafft es, seinen Bruder Natha zu überzeugen, sich umzubringen und dadurch seiner Frau und seinen beiden Kindern zu helfen. Der apathische Natha willigt ein  – der Selbstmord verkommt zu einer Verdienstmöglichkeit.</p>
<div id="attachment_8790" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-8790" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/06/peepli-2.jpg" alt="© Studio / Produzent" width="550" height="367" /><p class="wp-caption-text">© Studio / Produzent</p></div>
<p>Als nun am Vorabend der nationalen Wahlen per Zufall ein lokaler Journalist von dem Unterfangen Nathas erfährt und am nächsten Tag in der Zeitung darüber berichtet, überstürzen sich die Ereignisse. Nathas Vorhaben wird zum Dreh- und Angelpunkt der Wahlberichterstattungen. Sein Haus mutiert zu einem Medienzentrum, dutzende von Fernsehstationen stellen ihr Lager davor auf und begleiten Natha den ganzen Tag: 24 Stunden haarsträubende Direktübertragungen rund um DAS Ereignis. Das ganze Land ist bewegt und fragt sich, wie wenn es sich um einen Wettbewerb oder eine Live-Fernsehshow handeln würde, ob Natha sich umbringt oder nicht. Als dann noch die Politik den Selbstmordkandidaten für ihre Zwecke zu instrumentalisieren beginnt, wird endgültig klar: Natha ist nur eine Story, die konsumiert wird. Es geht lediglich um die Sensation – und nicht um den Menschen.</p>
<p><strong>Satire zwischen Nähe und Distanz</strong></p>
<p>Trotz allen Unterschieden gegenüber Bollywood-Produktionen wird auch „PEEPLI“ von viel Musik getragen. Doch statt für folkloristische Musical-Einlagen wird hier die emotionale Unmittelbarkeit der Musik anderweitig eingesetzt. Melancholische Lieder über die Inflation, den Tod und die Liebe verleihen dem satirischen Ton des Films eine nachdenklich-ruhige Komponente. Diese Ernsthaftigkeit wird durch einen ethischen Einbruch im Drehbuch unterstützt, indem der Reporter, der die ganze Sache losgetreten hat, sein journalistisches Gewissen zu entdecken beginnt. Dieser Stimmungswechsel mag zwar etwas sauer aufstossen und die Leichtigkeit der Satire gefährden. Doch neben bitterbösem Klamauk sollte bei satirischen Darstellungen immer auch ein Rest an seriöser Dringlichkeit bewahrt bleiben, möchte die Satire auch etwas nachdenklich stimmen und nicht bloss zur bequemen, debilen und inhaltslosen Comedy verkommen. Über die Mittel dazu lässt sichselbstverständlich  streiten.</p>
<p>Was weiter auffällt, und vielleicht zum Zweck einer authentischen Darstellung gewählt worden ist, ist die sehr enge Kameraführung. Das Auge der Kamera und gleich hinter ihr diejenigen des Betrachters  sind meistens sehr Nahe bei den Dingen und den Darstellern. Als möchte die Regisseurin den Zuschauer daran hindern, die Perspektive eines Aussenstehenden, den Blick des Voyeurs aus dem sicheren Kinosessel, einzunehmen. Der Zuschauer soll die filmische Realität miterleben und nicht nur konsumieren. Eine solche Nähe wiederum ist nicht ungefährlich, sie kann unter anderem dazu führen, dass durch eine zu starke Involvierung des Betrachters in das Geschehen der Abstand abhanden kommt, welcher für eine kritische Beurteilung des thematischen Hintergunds der Satire unabdingbar ist.</p>
<p>Am Schluss aber schafft die Kamera Distanz, verlässt das Dorf und begibt sich zitternd auf einen Trip in die Stadt und endet mit Aufnahmen von einer Baustelle, wo Bauern den Wohlstand der Anderen bauen &#8211; Die Landflucht als Alternative zum Selbstmord. Was macht wohl Natha? Wie endet seine Story?</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 2. Juni 2011 im Kino.</p>
<p>Originaltitel: PEEPLI (LIVE) (Indien 2010)<br />
 Regie: Anusha Rizvi<br />
 Darsteller: Omkar Das Manikpuri, Raghuvir Yadav, Malaika Shenoy, Shalini Vatsa, Nawazuddin Siddiqui, Farukh Jaffer, Vishal Sharma.<br />
 Genre: Medien-und Politsatire<br />
 Dauer: 107 Minuten<br />
 CH-Verleih: Trigon</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Im Netz</strong><a href="http://www.youtube.com/watch?v=O2J5N8z8gFY" target="_blank"><br />
 Trailer</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Winter’s Bone&#8221; von Debra Granik</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/03/13/winter%e2%80%99s-bone/</link>
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		<pubDate>Sun, 13 Mar 2011 07:56:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Hunziker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Dale Dickey]]></category>
		<category><![CDATA[Debra Granik]]></category>
		<category><![CDATA[Garret Dillahunt]]></category>
		<category><![CDATA[Jennifer Lawrence]]></category>
		<category><![CDATA[John Hawkes]]></category>
		<category><![CDATA[Kevin Breznahan]]></category>
		<category><![CDATA[Oscars 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Ozark Mountains]]></category>
		<category><![CDATA[Ozarks]]></category>
		<category><![CDATA[Winter's Bone]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/03/13/winter%e2%80%99s-bone/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/winters-bone-1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Einen Film mit einem Budget von 2 Millionen macht sich selten Hoffnungen auf die grossen Festivalpreise und Auszeichnungen. Besonders dann nicht, wenn gerade mal einer der Nebendarsteller einigermassen bekannt ist, während von Regisseurin und Hauptdarstellerin noch kaum jemand gehört hat, und der Film in der wohl hinterwäldlerischsten Region Amerikas spielt. Was Debra Granik mit "Winter's Bone" gelungen ist, ist daher umso bewundernswerter und macht Hoffnung auf eine Richtungsänderung im amerikanischen Filmbusiness.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Das andere Amerika</h1>
<h2>&#8220;Winter’s Bone&#8221; von Debra Granik</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8069" title="winters bone 1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/winters-bone-1.jpg" alt="winters bone 1" width="550" height="381" /></p>
<h3 style="text-align: justify;">Ein Film mit einem Budget von 2 Millionen macht sich selten Hoffnungen auf die grossen Festivalpreise und Auszeichnungen. Besonders dann nicht, wenn gerade mal einer der Nebendarsteller einigermassen bekannt ist, während von Regisseurin und Hauptdarstellerin noch kaum jemand gehört hat, und der Film in der wohl hinterwäldlerischsten Region Amerikas spielt. Was Debra Granik mit &#8220;Winter&#8217;s Bone&#8221; gelungen ist, ist daher umso bewundernswerter und macht Hoffnung auf eine Richtungsänderung im amerikanischen Filmbusiness.</h3>
<p style="text-align: justify;">Von Lukas Hunziker.</p>
<p style="text-align: justify;">Es kommt wahrlich nicht oft vor, dass Indie-Filme grosse Gewinne an der Kinokasse einfahren und gleichzeitig Festivalpreise abräumen. 2 Millionen kostete &#8220;Winter&#8217;s Bone&#8221; – man darf aber davon ausgehen, dass selbst diese nicht einfach aufzutreiben waren – und hat bis heute bereits das gut Vierfache eingespielt. Dass das amerikanische Mainstreamkino in einer Krise steckt, darüber legte die diesjährige Verleihung der Academy Awards bitteres Zeugnis ab. &#8220;Inception&#8221; (Budget: 160 Millionen) und &#8220;The Social Network&#8221; (40 Millionen) holten sich (zurecht) nur Trostpreise, der grosse Erfolg fiel, wie vorausgesagt, der britischen Produktion &#8220;The King&#8217;s Speech&#8221; zu. Das laufende Jahr verspricht kaum besser zu werden. Uninspirierte Fortsetzungen von finanziell erfolgreichen Filmen, die für Kritiker aber nur Futter für fiese Verrisse sind, dominieren den kommenden Kinosommer.</p>
<p style="text-align: justify;">Es muss einigen Studios zu denken gegeben haben, dass der international meistgelobte amerikanische Film des vergangenen Jahres eine Independentproduktion war, die sich so fundamental von allem unterscheidet, was Hollywood als Erfolgsrezept kennt. Ohne Stars, ohne viel Geld und ohne Beachtung dramatischer Konventionen gewann &#8220;Winter&#8217;s Bone&#8221; zahlreiche nationale und internationale Preise und wurde für vier Oscars nominiert, für beste Hauptdarstellerin, bester Nebendarsteller, bester Film und bestes Drehbuch. Kritiker, die den Film nicht mochten, waren kaum zu finden, Hauptdarstellerin Jennifer Lawrences Darbietung wurde so gelobt, dass sie quasi über Nacht zum Star wurde. Irgendetwas hatte dieser Film, das mit Geld nicht zu kaufen war, irgendwo darin lag die Antwort auf die Frage, wie man ohne ein grosses Budget Filme von Weltklasse produzieren kann.</p>
<h3 style="text-align: justify;">In the Middle of (American) Nowhere</h3>
<p style="text-align: justify;">Die Geschichte von &#8220;Winter&#8217;s Bone&#8221; ist schnell erzählt. Ree, die mit ihrer kranken Mutter und ihren beiden jüngeren Geschwistern allein auf einem heruntergekommenen Gut in den Ozark Mountains in Missouri lebt, erhält die Nachricht, dass ihr Vater, der auf Kaution aus dem Gefängnis gekommen war, nicht zu seinem letzten Gerichtstermin erschienen ist. Da die Kaution aus dem Haus und Land seiner Familie bestand, droht Ree das Haus zu verlieren, falls ihr Vater auch zum nächsten Termin nicht erscheint. Ree versichert der Polizei, sie werde ihren Vater finden, und macht sich auf die Suche nach seinem Verbleib. Bald muss sie jedoch feststellen, dass die Männer, mit der ihr Vater verkehrt hat, nichts weniger gebrauchen können als jemanden, der in ihren Machenschaften rumschnüffelt. Obwohl es immer wahrscheinlicher scheint, dass ihr Vater tot ist und sie sich selbst in Lebensgefahr begibt, wenn sie nach ihm oder seinem Mörder sucht, gibt Ree nicht auf setzt ihre Suche bis zum schockierenden Ende fort.</p>
<p style="text-align: justify;"><img class="alignnone size-full wp-image-8070" title="winters bone 2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/winters-bone-2.jpg" alt="winters bone 2" width="550" height="401" /></p>
<p style="text-align: justify;">Schauplatz und Handlung sind in &#8220;Winter&#8217;s Bone&#8221; eng miteinander verknüpft. Die Ozarks, ein Hochlandplateau, das sich über die gesamte südliche Hälfte von Missouri erstreckt, sind die grösste Gebirgsregion zwischen den Appalachen und den Rocky Mountains und gehören wohl zu den ärmlichsten und abgeschiedensten Gegenden der Vereinigten Staaten. &#8220;Winter&#8217;s Bone&#8221; zeigt die Ozarks als beinahe lebensfeindliche Region, in der nach eigenen Gesetzen gelebt wird und wo Polizei und Behörden mit Misstrauen und Feindseligkeit beäugt werden. Allerdings lässt sich der Film weder zu sozialkritischen Klischees hinreissen, noch versucht er die Region über ihre Traditionen folkloristisch mit dem übrigen Amerika zu versöhnen. Authentizität war oberstes Gebot bei &#8220;Winter&#8217;s Bone&#8221;, und so wurde nicht nur in den Ozarcs gedreht und Nebenrollen mit lokalen Darsteller besetzt; Granik und ihre Crew begleiteten Einheimische durch ihren Alltag, filmten in ihren Häusern und verwendeten ihre Kleider als Kostüme im Film.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Gestalten, welche Ree auf der Suche nach ihrem Vater trifft, sind von etwas ganz besonders gezeichnet: dem in kleinen Drogenlabors in den Ozarks  hergestellten Crystal Meth. Die fatale Bewusstseinsdroge, die schon nach einmaligem Konsum zu schweren körperlichen und psychischen Schäden führen kann, scheint Rees Umfeld buchstäblich aufzufressen. Ihr Vater war ebenfalls im Methgeschäft, wodurch sich eine mögliche Todesursache aufdrängt: Explosionen in den Drogenlabors gehören nämlich zum Berufsrisiko der Hobbychemiker. Crystal Meth hat in den Ozarks den sogenannten Moonshine Whiskey abgelöst, welcher über Jahre hinweg als billige Alternative zu legalem Alkohol produziert worden war, dann aber durch die Kommerzialisierung zum unattraktiven Geschäft wurde. Mit Crystal Meth wurde die Region jedoch von einem Fluch der schlimmeren Art heimgesucht. Die Nervenkrankheit, an welcher Rees Mutter leidet, dürfte ein Folge des Konsums der fatalen Droge sein.</p>
<div class="mceTemp" style="text-align: justify;">
<dl id="attachment_8071" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px;">
<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-full wp-image-8071" title="winters bone 3" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/winters-bone-3.jpg" alt="© Studio / Produzent" width="550" height="381" /></dt>
<dd class="wp-caption-dd">© Studio / Produzent</dd>
</dl>
</div>
<p style="text-align: justify;">Die Atmosphäre von &#8220;Winter&#8217;s Bone&#8221; ist entsprechend düster, Lichtblicke gibt es im Film nur sehr wenige. Die Welt ausserhalb der Ozarks existiert für Ree nur in der Hoffnung, in die Armee einzutreten, um mit dem Vorschuss für ihren Dienst ihrer Familie eine neue Existenzgrundlage zu geben. Doch ein Gespräch mit einem Rekrutierungsoffizier macht ihr klar, dass auch aus diesem Traum nichts werden wird, da ihre Geschwister ohne sie verloren wären. Ree weiss, dass selbst wenn sie ihren Vater findet, damit nur ein Problem gelöst ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Zuschauer merkt bald, dass &#8220;Winter&#8217;s Bone&#8221; eigentlich mehr Drama als Thriller ist. Die Glaubwürdigkeit der Handlung und Authentizität der Figuren stand für Debra Granik klar an erster Stelle. Von einigen Kritikern musste sich der Film daher die Kritik gefallen lassen, zu wenig für die Spannung zu tun. Wer einen traditionellen Thriller erwartet, mag sich an dem gemächlichen Gang der Handlung möglicherweise tatsächlich stören und wird vielleicht gar frustriert sein, dass der Film am Schluss gewisse Fragen bewusst offen lässt. Dabei ist es gerade ein Stärke von &#8220;Winter&#8217;s Bone&#8221;, seine Geschichte ohne Zugeständnisse an Genreerwartungen zu erzählen. Genau wie Ree dem Zuschauer fremd und faszinierend zugleich scheint, hält auch die Handlung das Publikum stets auf Distanz. Die Wirkung, die der Film dadurch erzielt, ist aber umso grösser.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Goldenes Händchen bei der Besetzung</h3>
<p style="text-align: justify;">Trotzdem wäre &#8220;Winter&#8217;s Bone&#8221; wohl nicht das Lob beschieden worden, das er bekommen hat, hätte man die Hauptrolle nicht mit Jennifer Lawrence besetzt. Die beim Dreh 19-Jährige leistet in ihrer Rolle wahrlich Grosses, denn Ree ist keine einfach zu spielende Figur. Was in ihr vorgeht, ist meistens nur schwer zu erraten, sie zeigt kaum Gefühle und schützt sich gegen die raue Aussenwelt durch eine undurchschaubare Maske. Über minimale Mimik, Gestik und  Tonfall musste Lawrence aus Ree eine glaubwürdige Figur machen. Wie gut ihr dies gelungen ist, zeigen die Preise, mit welchen man sie für den Film überhäuft hat.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch nicht nur Ree brilliert in ihrer Rolle, das Casting für den Film ist eine Erfolgsgeschichte für sich. Viele Nebenrollen wurden durch lokale Darsteller besetzt, welche kaum Schauspielerfahrung hatten, aber aufgrund ihrer Verwurzelung in der Region perfekt in die Atmosphäre des Films passten. Die professionellen Darstellern von den Amateuren zu unterscheiden, ist aber kaum möglich. Granik liess den Amateurdarstellern geschickterweise viel Freiheit in der Formulierung ihres Textes. Auch dies hat sich bezahlt gemacht: Gewisse Szenen muten beinahe dokumentarisch an, so perfekt verschmelzen die Figuren mit der  Kulisse. Gäbe es Awards fürs Casting, &#8220;Winter&#8217;s Bone&#8221; hätte sie gewinnen müssen.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Wink in eine andere Richtung</h3>
<p style="text-align: justify;">Oscars gab es für &#8220;Winter&#8217;s Bone&#8221; trotz vier Nominationen keine (genauso wenig für den zweiten Indiefilm mit bescheidenem Budget: &#8220;The Kids are allright&#8221;). Die Academy fürchtete sich einmal mehr vor mutigen Preisvergaben, und überschüttete jene Filme mit Oscars, welche den Stempel der Konformität auf der Stirn trugen – die Kategorie &#8220;Beste Hauptdarstellerin&#8221; mal ausgenommen. Lieber einen britischen Film über mutige Monarchen als ein Drama über soziales Elend im eigenen Land (diesem hatte man letztes Jahr mit dem Oscar für &#8220;Precious&#8221; schliesslich schon genug Aufmerksamkeit geschenkt), schien die Devise zu lauten.</p>
<p style="text-align: justify;">Trotzdem, die Nominierung allein war löblich und lässt hoffen, dass im amerikanischen Filmgeschäft bald ein Umdenken stattfindet, und sich mehr Studios wieder darauf besinnen, dass Geld machen nicht das Hauptziel der Unterhaltungsindustrie sein sollte. Dass auch weniger am Markt orientierte Filme durchaus respektable Gewinne erzielen können, hat &#8220;Winter&#8217;s Bone&#8221; bewiesen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Ab dem 24. März 2009 im Kino.</p>
<p>Originaltitel: Winter&#8217;s Bone (USA 2010)            <br />
 Regie: Debra Granik<br />
 Darsteller: Jennifer Lawrence, John Hawkes, Kevin Breznahan, Dale Dickey, Garret Dillahunt<br />
 Genre: Drama/Thriller<br />
 Dauer: 100 Minuten<br />
 CH-Verleih: Look Now!</p>
<p><strong>Im Netz</strong><br />
 <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Gp7ejzjNa1Y" target="_blank">Trailer</a><br />
 <a href="http://www.wintersbonemovie.com/" target="_blank">Offizielle Seite</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;The Tree&#8221; von Julie Bertuccelli</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Mar 2011 07:55:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Aylin Tutel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Charlotte Gainsbourg]]></category>
		<category><![CDATA[Judy Pascoe]]></category>
		<category><![CDATA[Julie Bertuccelli]]></category>
		<category><![CDATA[Marton Csokas]]></category>
		<category><![CDATA[Morgana Davies]]></category>
		<category><![CDATA[Our Father who art in the Tree]]></category>
		<category><![CDATA[The Tree]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=8131</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/03/13/the-tree/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/the-tree-1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Kann ein Film, dessen Hauptdarsteller ein Baum ist, berühren und überzeugen? Ja, er kann. Julie Bertuccelli bezaubert mit ihrem zweiten Spielfilm. Im Mittelpunkt steht die Natur mit all ihren wundervollen, aber auch unheildrohenden Facetten und die tröstliche Kraft der Phantasie im Umgang mit dem Tod.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Der Fall des Unerschütterlichen</strong></h1>
<h2>&#8220;The Tree&#8221; von Julie Bertuccelli</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8132" title="the tree 1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/the-tree-1.jpg" alt="the tree 1" width="550" height="365" /></p>
<h3><strong>Kann ein Film, dessen Hauptdarsteller ein Baum ist, berühren und überzeugen? Ja, er kann. Julie Bertuccelli bezaubert mit ihrem zweiten Spielfilm. Im Mittelpunkt steht die Natur mit all ihren wundervollen aber auch unheildrohenden Facetten und die tröstliche Kraft der Phantasie im Umgang mit dem Tod.</strong></h3>
<p>Von Aylin Tutel</p>
<p>Die Natur und das Leben sind voll von kleinen und grossen Wundern, die wir Menschen kaum zu verstehen vermögen. Müssen wir aber auch nicht. Wir können höchstens versuchen mit diesen umzugehen, jeder auf seine Art und Weise. So wie die Protagonisten in Julie Bertuccellis Film, einer Adaption des Buches &#8220;Our Father who art in the Tree&#8221; von Judy Pascoe. &#8220;The Tree&#8221; erzählt die Geschichte einer Familie, die versucht, nach dem Tod des geliebten Vaters wieder ins Leben zurückzufinden.</p>
<p>Den Rahmen für die Handlung bildet die weitläufige und eindrückliche Landschaft Australiens. Darin teilen sich Peter und Dawn (eine glänzende Charlotte Gainsbourg) mit ihren vier Kindern ein Haus, das neben einem riesigen Feigenbaum steht. Nach der Rückkehr Peters von einer Geschäftsreise (herrlich, wie ein Fertighaus ans andere Ende des Landes gefahren wird) erliegt er plötzlich einem Herzinfarkt.</p>
<div id="attachment_8133" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-8133" title="the tree 2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/the-tree-2.jpg" alt="© Studio / Produzent" width="550" height="365" /><p class="wp-caption-text">© Studio / Produzent</p></div>
<p>Jedes der Familienmitglieder geht anders um mit dem Tod des Vaters. Ab hier fokussiert der Film vor allem auf die Mutter Dawn und die achtjährige Tochter Simone (grossartiges Debut von Morgana Davies). Während Dawn den unermesslichen Schmerz kaum verarbeiten kann, bis weit in den Tag hinein im Bett liegt und soziale Kontakte meidet, entscheidet sich Simone für das Glücklichsein. Zuflucht findet die Achtjährige in ihrer Phantasie: Sie ist überzeugt davon, dass ihr Vater im mächtigen Feigenbaum weiterlebt. Als sie ihre Mutter in ihr Geheimnis einweiht, wird auch Dawn in den Bann des Baumes gezogen – der Baum als Sinnbild für die Verwurzelung mit der Erde und dem Unergründlichen.</p>
<p><strong>Aufsässige Wurzeln</strong></p>
<p>Acht Monate vergehen. Auf der Suche nach Wasser dehnen sich die Wurzeln des Baums immer weiter aus und blockieren die Wasserrohre auf dem Grundstück. Dawn wendet sich an einen Klempner, George (Marton Csokas), der nicht nur die Verstopfung der Leitungen, sondern auch die Traurigkeit Dawns’ löst. In seinem Geschäft für Sanitäranlagen kann Dawn zusätzlich die Stelle als Buchhalterin und Verkaufskraft antreten. Schüchtern tasten sich die beiden Erwachsenen einander an. An dieser neu entstandenen Liaison zwischen George und Dawn scheint sich, abgesehen von der eifersüchtigen Simone, nur noch der Baum zu stören: Eines Nachts bricht plötzlich einer der gewaltigen Äste in das Schlafzimmer von Dawn. Diese ist aber kaum verängstigt, im Gegenteil, sie schläft noch tagelang mit dem Ast im Bett, als ob sie in den behutsamen starken Armen ihres Mannes liegen würde.</p>
<p>Mit diesem einstürzenden Geäst steigt die Dramaturgie allmählich an. Die riesigen, sich stetig ausbreitenden Wurzeln rütteln am Fundament des Hauses. Das Kräftemessen zwischen Natur und Mensch spitzt sich weiter zu.</p>
<h3><strong>Neue Vergabelungen</strong></h3>
<p>Wie geht das Leben nach dem Tod eines geliebten Menschen weiter? Die Regisseurin bettet diese Frage in eine umwerfende Naturkulisse ein und setzt sich mit ihr besinnlich und phantasievoll auseinander. &#8220;The Tree&#8221; besticht vor allem dadurch, nie ins Esoterische auszuarten, obwohl der Baum mit einem Toten assoziiert wird. Während Dawn und Simone mit dem Baum reden, hört dieser bloss zu. Antworten erhalten die beiden durch einen Windhauch, durch raschelnde Blätter oder knackende Äste. Diese Einbildungskraft gibt der Mutter und der Tochter Halt, die sich allein durch die Präsenz der mächtigen Pflanze geborgen und sicher fühlen. Die in warmen Farben gehaltenen Bilder unterstreichen diese behagliche Stimmung zusätzlich.</p>
<p>„Trauer, die sich verflüchtigt und sich in Wasser verwandelt“ – ein Zitat aus Milan Kunderas’ „Das Leben ist anderswo“, welches das Filmende andeutet. Die Naturkatastrophe, einem (ohn-)mächtigen Gefühlsausbruch gleich, scheint den Verlust und Schmerz ein wenig wegzuspülen. So fest verwurzelt der Baum auch sein mag, selbst dieser Bindung kann man sich nicht hundertprozentig sicher sein. Alles kann einstürzen, das Leben kann aus der Bahn geworfen werden. Aber umgeworfene Strukturen können neue Weggabelungen öffnen und das Schlagen von neuen Wurzeln ermöglichen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 10. März 2011 im Kino.</p>
<p>Originaltitel: The Tree (Frankreich, Australien, Deutschland, Italien 2010)<br />
 Regie: Julie Bertuccelli<br />
 Darsteller: Charlotte Gainsbourg, Morgana Davies, Marton Csokas<br />
 Genre: Drama<br />
 Dauer: 92 Minuten<br />
 CH-Verleih: Filmcoopi</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Im Netz</strong><a href="http://www.thetreefilm.com" target="_blank"><br />
 Trailer<br />
 Offizielle Seite</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;The King&#8217;s Speech&#8221; von Tom Hooper</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/02/25/the-kings-speech/</link>
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		<pubDate>Fri, 25 Feb 2011 07:26:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kevin McLoughlin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Colin Firth]]></category>
		<category><![CDATA[Geoffrey Rush]]></category>
		<category><![CDATA[Helena Bonham Carter]]></category>
		<category><![CDATA[Oscars 2011]]></category>
		<category><![CDATA[The King's Speech]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Hooper]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/02/25/the-kings-speech/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/02/kings-speech-1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>In einer Zeit des politischen Aufruhrs und der Unsicherheit muss ein Mitglied der Royal Family lernen, über seine Behinderung hinwegzukommen. Colin Firth glänzt in "The King's Speech" als angehender König mit Sprachproblemen und erspielt sich eine Oscarnomination.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Königlicher Film</h1>
<h2>&#8220;The King&#8217;s Speech&#8221; von Tom Hooper</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8008" title="kings speech 1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/02/kings-speech-1.jpg" alt="kings speech 1" width="550" height="413" /></p>
<h3>In einer Zeit des politischen Aufruhrs und der Unsicherheit muss ein Mitglied der Royal Family lernen, über seine Behinderung hinwegzukommen. Colin Firth glänzt in &#8220;The King&#8217;s Speech&#8221; als angehender König mit Sprachproblemen und erspielt sich eine Oscarnomination.</h3>
<p>Von Kevin Mc Loughlin.</p>
<p>Albert (Colin Firth) hat ein Problem. Seit seiner frühen Kindheit stottert er. Das wäre an und für sich nicht weiter schlimm, müsste er nicht öffentlich auftreten. Nur ist er der Duke of York und sein Vater König George V (Michael Gambon). Nachdem er bei einer Rede an der British Empire Exhibition 1925 kein Wort vor das andere bringt, sucht seine Frau Elizabeth (Helena Bonham Carter) – die spätere Queen Mom – einen Sprachtherapeuten für ihn. Diverse Therapeuten versuchen ihre Methoden und scheitern. Als Prinz Albert bereits aufgegeben hat, findet seine Ehefrau mit dem etwas unkonventionellen Lionel Logue (Geoffrey Rush) eine letzte Hoffnung.</p>
<h3>Politische Wirren</h3>
<p>Nach einem etwas harzigen Anfang beginnt Logue mit Albert Fortschritte zu erzielen. Immer wieder bringt er ihn an seine Grenzen und somit weiter in seinem Kampf gegen seine Sprachbehinderung. Währenddessen befindet sich das Land im Umbruch und Europa im politischen Aufruhr. Nach dem Tod von König George V geht die Regentschaft der Tradition entsprechend an seinen ältesten Sohn über, King Edward VIII (Guy Pearce). Da dieser jedoch partout seine Geliebte, Wallis Simpson (Eve Best) heiraten will, die aber mitten in einer Scheidung steckt – etwas, das die anglikanische Kirche nicht billigt – wird er dazu gedrängt, als König abzudanken. Zeitgleich kommt in Deutschland Adolf Hitler an die Macht und stürzt mit seiner aggressiven Aussenpolitik Europa in Wirren. Plötzlich sieht sich Albert zu König George VI gekrönt und Europa am Rande des Zweiten Weltkriegs.</p>
<div id="attachment_8009" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-8009" title="kings speech 2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/02/kings-speech-2.jpg" alt="© Ascot Elite" width="550" height="367" /><p class="wp-caption-text">© Ascot Elite</p></div>
<h3>Historische Genauigkeit</h3>
<p>Regisseur Tom Hooper – unter anderem bekannt durch &#8220;The Damned United&#8221; – wollte für &#8220;The King&#8217;s Speech&#8221; möglichst historisch korrekt bleiben. Dies ist ihm mit kleinen Ausnahmen auch erstaunlich gut gelungen. Die Zeitspanne der Zusammenarbeit Logues und Prinz Alberts wurde für den dramatischen Effekt verkürzt, die Figuren von George V und Edward VIII werden wohl etwas antagonistischer dargestellt, als sie es wirklich waren, und Winston Churchill kommt an Orten vor, an denen der historischen Churchill nicht dabei war. Ansonsten hält sich der Film an die historischen Fakten. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde er für insgesamt 12 Oscars nominiert und darf an den Academy Awards (zu Recht!) als grosser Favorit gelten. Die Geschichte ist herzerwärmend, Geoffrey Rush wunderbar und Colin Firth stellt einmal mehr eindrücklich unter Beweis, dass er zur Zeit zu den absolut besten seines Fachs gehört. &#8220;The King&#8217;s Speech&#8221; dürfte Ende Jahr locker mit zu den besten Filmen 2011 zählen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 17. Februar 2011 im Kino.</p>
<p>Originaltitel: The King&#8217;s Speech (England, Australien, USA 2011)<br />
 Regie: Tom Hooper<br />
 Darsteller: Colin Firth, Geoffrey Rush, Helena Bonham-Carter<br />
 Genre: Tragikomödie, Historienfilm<br />
 Dauer: 118 Minuten<br />
 CH-Verleih: Ascot Elite</p>
<p><strong>Im Netz</strong><br />
 <a href="http://trailers.apple.com/trailers/weinstein/thekingsspeech/" target="_blank">Trailer</a><br />
 <a href="http://www.weinsteinco.com/#/film/the_kings_speech" target="_blank">Offizielle Seite</a></p>
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		<title>&#8220;Songs of Love and Hate&#8221; von Katalin Gödrös</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/01/27/songs-of-love-and-hate/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/01/27/songs-of-love-and-hate/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 27 Jan 2011 15:05:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Garabet Guel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Jeroen Willems]]></category>
		<category><![CDATA[Joel Basman]]></category>
		<category><![CDATA[Katalin Gödrös]]></category>
		<category><![CDATA[Luisa Sappelt]]></category>
		<category><![CDATA[Mira Elisa Goeres]]></category>
		<category><![CDATA[Sarah Horvath]]></category>
		<category><![CDATA[Songs of Love and Hate]]></category>
		<category><![CDATA[Ursina Lardi]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/01/27/songs-of-love-and-hate/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/01/songs-of-love-and-hate-1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Überzeugendes Kino aus der Schweiz – ja, das gibt es: Katalin Gödrös wartet mit einem subtilen Familiendrama auf, jenseits stumpfsinniger Psychologisierung und pathetischer Bewirtschaftung von Emotionen. Statt abgedroschenen Erklärungsbemühungen und empörter Drastik vertraut sie bei ihrer Darstellung menschlicher Irritationen auf feine Schattierungen und leise Töne.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1 style="text-align: left">Die Adoleszenz und das Nichts</h1>
<h2>&#8220;Songs of Love and Hate“ von Katalin Gödrös</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-7761" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/01/songs-of-love-and-hate-1.jpg" alt="songs of love and hate 1" width="550" height="365" /></p>
<h3 style="text-align: justify">Überzeugendes Kino aus der Schweiz – ja, das gibt es: Katalin Gödrös wartet mit einem subtilen Familiendrama auf, jenseits stumpfsinniger Psychologisierung und pathetischer Bewirtschaftung von Emotionen. Statt abgedroschenen Erklärungsbemühungen und empörter Drastik vertraut sie bei ihrer Darstellung menschlicher Irritationen auf feine Schattierungen und leise Töne.</h3>
<p style="text-align: justify">Von Garabet Gül.</p>
<p style="text-align: justify">Wenn, um einen Ausdruck Martin Heideggers aufzugreifen, der <em>Lastcharakter des Daseins</em> angesichts der aufkeimenden Maturität aufbricht und das Nichts sich offenbart, kann die pubertäre Triebsamkeit schon mal zu drastischen Handlungen führen. Es sind aber nicht nur die Heranwachsenden, die durch die Entbindung aus dem naiven Paradies Kindheit und den damit verbundenen Verwerfungen plötzlich der Gefahr ausgesetzt sind, Aktionen durchzuführen, die den Konventionen der Erwachsenenwelt zuwider laufen. Auch die Eltern, die Vorbilder im ehemaligen Paradies, spielen auf einmal nicht mehr dieselbe Rolle als Bezugspersonen, die sie einst bekleideten. Ehemals unschuldige Spielereien verkommen zu Versuchungen und Verführungen, die Welt erfährt Unterteilungen in Wahrheit und Lüge, in Gut und Böse. Die unbedarfte zärtliche Intimität erleidet Brüche und es kommt auf beiden Seiten zu Ablehnungen und Verlustängsten.</p>
<h3 style="text-align: justify">Warum auch immer</h3>
<p style="text-align: justify">Eigentlich ist mit der eben beschriebenen Ausgangslage zu einem wesentlichen Teil die Filmhandlung bereits vorweggenommen und die Frage, worum es in diesem Film geht, beantwortet. Was die beiden Hauptpersonen, die adoleszente Lilli (Sarah Horvath) und ihr Vater Rico (Jeroen Willems), tun, wie sie mit der neuen Konfrontation konkret umgehen,  ihr Entwicklungsgang  im Detail aussieht und  welche Handlungen sie vornehmen &#8211;  das alles ist nicht primär. Selbstverständlich kann das Handlungsgerüst eines Films nicht unberücksichtigt gelassen werden, erzählt doch ein Spielfilm oft auch eine Geschichte. Aber gutes Kino besitzt die Fähigkeit, übergreifender und wesentlicher zu erzählen: „Songs of Love and Hate“ handelt von universellen Gefühls- und Seelenzuständen.</p>
<div class="mceTemp" style="text-align: justify">
<dl>
<dt><img class="size-full wp-image-7762" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/01/songs-of-love-and-hate-2.jpg" alt="songs of love and hate 2" width="550" height="365" /></dt>
<dd>© Studio / Produzent</dd>
</dl>
</div>
<p style="text-align: justify">Der Leser soll an diesem Punkt  nicht mehr als nötig über die Charaktere und den Ablauf des Films erfahren. Eine Vorahnung, was sich darin zuträgt, soll ausreichen, damit der Kinobesuch möglichst ohne vorgefertigte Bilder und Erwartungen erfolgen kann.</p>
<h3 style="text-align: justify">Das Verlangen zu verstehen</h3>
<p style="text-align: justify">Gödrös schafft es auf eindringliche Art, heftige Ereignisse in einer besinnlichen und nie ausufernden Filmsprache darzustellen. Ohne Hektik aufkommen zu lassen, lässt sie ihre Figuren, auch in der vermeintlich grössten Verzweiflung, agieren. Selten kommt es zu emotionalen Ausbrüchen auf der Leinwand, und wenn es dies mal tut, kehrt schnell wieder Ruhe ein. Als Mittel der Beschaulichkeit und des Rückzugs wird immer wieder der finstere und doch behutsame Wald eingeblendet, der als Topos in einer dichten cineastischen Welt dient. Das Kinodebut der Filmemacherin ist reich an sublimen Begegnungen. Besonders in einer Szene kommt die Fragilität des Miteinanderseins nennenswert zum Ausdruck: Lillis Mutter Anna, die zwei Jahre jüngere Schwester Roberta und ihre Freundin Ronny schneiden Zwiebeln in der Küche. Die Stimmung ist gedrückt,  das Gemüse löst Tränen aus. Auf die bitteren Tränen folgt unmittelbar ein losgelöstes, gemeinschaftliches Gelächter, welches aber abrupt verstummt, als die sichtlich aufgewühlten Lilli und Rico den Schauplatz betreten und die schmalen Übergänge von an sich widersprüchlichen Gefühlszuständen offenbar werden &#8211; Lieder über Liebe und Hass.</p>
<p style="text-align: justify">Die grösste Stärke des Films ist der Verzicht auf psychologische Ergründungen  menschlicher Abgründe. Katalin Gödrös schreibt, dass durch Psychologisierungen versucht werde, „’das Böse’ zu verstehen: Es erscheint uns fassbar, erklärbar und potentiell heilbar.“<br />
 Doch Lilli ist nicht „krank“ oder „gestört“. Psychologische Gutachten degradieren den Menschen zu einem Störungsbild. Der Mensch aber ist kein gestörtes Bild, er ist kein Gegenstand, der vollends mit exakten Methoden erforscht und definiert werden kann. Lillis Verhalten kann nicht gefasst und erklärt werden. Der Zuschauer schaut Lilli zu, möchte verstehen und fragt: Warum? Vielmehr als das können wir auch nicht tun – fragen und aushalten. Und gute Filmkunst kann dabei begleiten.</p>
<p style="text-align: justify"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify">Seit dem 27. Januar 2011 im Kino.</p>
<p style="text-align: justify">Originaltitel: Songs of Love and Hate (Schweiz 2010)<br />
 Regie: Katalin Gödrös<br />
 Darsteller: Sarah Horvath, Jeroen Willems, Ursina Lardi, Luisa Sappelt, Joel Basman, Mira Elisa Goeres<br />
 Genre: Drama<br />
 Dauer: 89 Minuten<br />
 CH-Verleih: Filmcoopi</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Im Netz</strong><br />
 <a href="http://www.youtube.com/watch?v=pJfxE2TvOW0" target="_blank">Trailer</a></p>
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		<title>&#8220;Manipulation&#8221; von Pascal Verdosci</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/01/27/manipulation/</link>
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		<pubDate>Thu, 27 Jan 2011 15:02:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon Wottreng</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Maria Brandauer]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulation]]></category>
		<category><![CDATA[Pascal Verdosci]]></category>
		<category><![CDATA[Sebastian Koch]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Douglas]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/01/27/manipulation/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/01/manipulation-1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>1956, Kalter Krieg. Der Schweizer Staatsschutz überwacht zehn Prozent der eigenen Bevölkerung aus Angst vor kommunistischer Unterwanderung, es existieren Pläne zum Bau einer Atombombe. Dass in diesem Kontext der Begriff der Wahrheit zu einer von politischen Interessen vereinnahmten Sache wird, muss Spezialagent Rappold erkennen, als er den undurchschaubaren PR-Berater Harry Wind verhört. Ein intelligenter Thriller über die Macht der Lüge, wobei mit dem Setting im Kalten Krieg ein dunkles Kapitel der Schweizer Politik aufgeschlagen wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Wenn Lügen wahrer als die Wahrheit sind</h1>
<h2>„Manipulation“ von Pascal Verdosci</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-7756" title="manipulation 1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/01/manipulation-1.jpg" alt="manipulation 1" width="550" height="368" /></p>
<h3>1956, Kalter Krieg. Der Schweizer Staatsschutz überwacht zehn Prozent der eigenen Bevölkerung aus Angst vor kommunistischer Unterwanderung, es existieren Pläne zum Bau einer Atombombe. Dass in diesem Kontext der Begriff der Wahrheit zu einer von politischen Interessen vereinnahmten Sache wird, muss Spezialagent Rappold erkennen, als er den undurchschaubaren PR-Berater Harry Wind verhört. Ein intelligenter Thriller über die Macht der Lüge, wobei mit dem Setting im Kalten Krieg ein dunkles Kapitel der Schweizer Politik aufgeschlagen wird.</h3>
<p>Von Simon Wottreng.</p>
<p>Die Fotos, welche Urs Rappold von Dr. Harry Wind zugespielt worden sind, scheinen eindeutig: Radioreporter Eiselin ist dabei zu sehen, wie er dem russischen Verbindungsoffizier Rutschenko in Moskau einen Umschlag überreicht. Er wird wegen Spionage festgenommen. Dem Druck der Haft hält er jedoch nicht stand und nimmt sich das Leben.</p>
<h3>Zweifel</h3>
<p>Als im Rahmen einer Observierung entstandene Filmaufnahmen auftauchen, die den Russen mit Harry Wind in Basel zeigen, rollt Rappold den vermeintlich abgeschlossenen Fall neu auf und lässt den PR-Berater verhaften. Weshalb hat ihm letzterer jene kompromittierenden Fotos gegeben? Sind die Fotos gefälscht? War Eiselin womöglich unschuldig? Je mehr Nachforschungen der erfahrene Beamte betreibt, desto undurchsichtiger wird der Fall. Erschwerend kommt hinzu, dass der angesehene Wind Beziehungen zu höchsten Stellen unterhält und in Militärkreisen der Unmut über die Verhaftung einer derart respektablen Person wächst. Glaubte Rappold zu Beginn noch, im Schnellverfahren einen Kommunisten zur Strecke bringen zu können, findet er sich plötzlich selbst inmitten eines politischen Komplotts.</p>
<h3>Freund und Feind</h3>
<p>„Manipulation“ basiert auf Walter Matthias Diggelmanns Roman „Das Verhör des Harry Wind“ aus dem Jahre 1962. Ungleich der literarischen Vorlage ist der Film ein Kammerspiel der beiden Hauptdarsteller. Klaus Maria Brandauer, bekannt aus „Mephisto“, „Out of Africa“ oder als Bösewicht in „James Bond: Never Say Never Again“, verleiht der Rolle des Ermittlers mit wenigen Worten einen faszinierenden Charakter: Der vaterlandstreue Beamte ist ein überzeugter Verteidiger der Wahrheit. Kurz vor seiner Pensionierung wird er mit der Tatsache konfrontiert, dass das System, welchem er jahrelang gedient hat, keine Bastion der Wahrheit und Rechtschaffenheit, sondern ein von Partikularinteressen durchsetzter und von Lügen zerfressener Apparat ist, dessen Funktionäre sich genauso der Mittel der Manipulation und Erpressung bedienen, wie es der Feind tut. Sein Glaube an die Wahrheit wird tief erschüttert.</p>
<div id="attachment_7757" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-7757" title="manipulation 2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/01/manipulation-2.jpg" alt="© Studio / Produzent" width="550" height="368" /><p class="wp-caption-text">© Studio / Produzent</p></div>
<p>Ihm gegenüber steht der gewiefte Harry Wind, gespielt von Sebastian Koch („Das Leben der Anderen“). Der Rolle des notorischen Manipulatoren könnte Koch durchaus mehr Ausdruck verleihen; Harrys kriminelle Durchtriebenheit droht in seiner strategischen Coolness während des Verhörs unterzugehen. Zur Etablierung von mehr Charaktertiefe gibt das Drehbuch aber wahrlich wenig Raum: Einzig die Szene in der nächtlichen Zelle zeigt Harry von einer persönlichen Seite, doch lässt sie kaum genug Zeit, um seinen Albtraum als schlechtes Gewissen zu interpretieren.</p>
<p>An der Konzentration der Handlungsorte auf die Büroräumlichkeiten ist hingegen nichts zu kritisieren. Diese schafft einen intimen Rahmen, in welchem der Fokus ganz auf dem Schauspiel der beiden Hauptdarsteller liegt und der kleinsten Mimik grosse Aufmerksamkeit beschieden ist. Zur dichten Atmosphäre tragen die Feldzüge der Requisiteure durch Museen und Sammlungen bei, deren Resultat eine veritable Zeitreise in die 1950er Jahre ist.</p>
<h3>Sprache</h3>
<p>Nach den ersten paar Worten des Protagonisten stellt sich dem Publikum eine Frage, die paradigmatisch ist für das gegenwärtige Schweizer Filmschaffen: Warum nicht auf Schweizerdeutsch? In Folge einer Welle von Mundart gesprochenen Filmen wie „Mein Name ist Eugen“ oder „Die Herbstzeitlosen“ hat sich die Praxis verbreitet, einige oder gleich alle Charaktere hochdeutsch sprechen zu lassen. Fällt dies beispielsweise in einer Liebeskomödie weniger auf, so ist gesprochenes Schriftdeutsch in einem Schweizer Historienfilm frappant. Möglich, dass auf Schweizerdeutsch aber keine derart hochkarätige Besetzung zustande gekommen wäre.</p>
<p>An einem gibt es nichts zu rütteln: „Manipulation“ ist grosses Kino. Und ungeachtet ihres historischen Bezugs bleibt die Thematik hochaktuell; erst kürzlich hat uns Wikileaks wieder einmal eine Ahnung davon gegeben, was der Öffentlichkeit verschwiegen werden sollte. Schauen wir besser zwei Mal hin, wer was weshalb für wahr erklärt.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 3. Februar 2011 im Kino.</p>
<p>Originaltitel: „Manipulation“ (Schweiz 2010)<br />
 Regie: Pascal Verdosci<br />
 Darsteller: Klaus Maria Brandauer, Sebastian Koch, Thomas Douglas<br />
 Genre: Thriller<br />
 Dauer: 90 Minuten<br />
 CH-Verleih: Ascot Elite</p>
<p><strong>Im Netz</strong><br />
 <a href="http://www.youtube.com/watch?v=SbDypPar0WE" target="_blank">Trailer</a><br />
 <a href="http://www.manipulationmovie.com" target="_blank">Offizielle Seite</a></p>
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