
Tag drei bot mit „Hello Ghost“ einen süd-koreanischen Film, bei dessen Anblick Zynikern ihr schwarzes Herz im rheumatischen Brustkorb verdorrt. Und mit „Norwegian Ninja“ einen Film, der alles hält, was sein ungemein sprechender Titel verspricht. Ausserdem: Südstaaten-Charme mit dem Erfinder des Gore-Kinos und Eli Roth.

Der zweite Festival-Tag hielt zwei japanische Beiträge zum asiatischen Wettbewerb bereit, die trotz einem gemeinsamen Fokus auf Sex kaum unterschiedlicher hätten sein können: „Underwater Love“ darf als aufwändigster Vertreter der faszinierend Softporno-Tradition des Landes gelten, die Stärke aus Einschränkungen gewinnt – und scheitert ausgerechnet an einem Mangel an Restriktionen.
Von Lukas Hunziker · Juli 2011

Das böse Kind, sei es als Antichrist in “The Omen” oder als eiskalter Elternmörder in Tom Shanklands “The Children”, ist ein fruchtbares Motiv für Horrorfilme. In Lynn Ramsays brillianter Adaption von Lionel Shrivers Bestseller “We need to talk about Kevin” entfaltet sich der Horror jedoch ohne Satansvaterschaft und Splattereffekte. Das schonungslose Drama über die dunklen Seiten des Eltern-seins ist harte Kost – aber auch einer der sehenswertesten Film des Jahres.

Rote Latexpullover, Bösewichter kopiert aus einem Marvel-Comic und das Hirn im Schleudersitz: Mit dem Superhelden-Schinken „Red Eagle“ bekam die elfte Durchführung des Neuchâtel International Fantastic Film Festival den Auftakt, den sie verdient. Später am Tag zeigte „Operation Tatar“, der erste mongolische Beitrag in der Geschichte des Festivals, dass weniger auch mehr sein kann.
Von Lukas Hunziker · Juni 2011

Ein mit übernatürlichen Kräften ausgestatteter Pneu als Mörder – zugegeben, der Einfall ist so absurd, dass man daraus einfach einen Film machen muss. Die Idee von “Rubber” scheint für viele Kritiker, welche den Film euphorisch als Kultfilm bezeichneten, jedoch wichtiger gewesen zu sein als der Film. Dass die 60 von 80 Minuten, in denen der Pneu nicht im Bild ist, einfach nur ausgemachter Mist sind, scheint den meisten entgangen zu sein.
Von Kevin McLoughlin · Juni 2011

Ein pubertierender Waliser versucht ein guter Freund zu sein und gleichzeitig die Ehe seiner Eltern zu retten. Richard Ayoades Spielfilmdebut überzeugt durch die herzerwärmende Story und die zum grosse Teil unbekannten Schauspieler.
Von Sandra Despont · Juni 2011

…die die Welt im Innersten zusammenhält!“, erklärt der junge Sturm-und-Drang-Goethe – und lebt danach. Sein Herz schlägt kräftigst für Charlotte Buff; die leider schon so gut wie verlobt ist. In “Goethe!” präsentieren sich Goethe als ein widerspenstiger Heisssporn und das 18. Jahrhundert als etwas zwischen Märchenwelt und Biedermeierparadies. Das passt zum Film, der eine recht gelungene Mischung zwischen Autorenporträt und Literaturverfilmung ist.
Von Garabet Guel · Juni 2011

Eine unterhaltsame Medien- und Politsatire aus Indien – frei von kitschigen Bollywood-Künstlichkeiten und auch ohne die atemlose und überästhetisierte Romantik von „Slumdog Millionaire“. Mit reichlich schwarzem Humor und einer Prise sozialkritischer Melancholie hinterfragt Anusha Rizvi in ihrem Filmdebüt die perversen Mechanismen der Medienindustrie.
Von Moritz Schuler · Juni 2011

Das unkonventionelle Biopic von Leon Ichaso über das Leben des Strassenpoeten Miguel Piñero soll hier nicht zum zeitlosen Meisterwerk erhoben werden, dafür lässt es einem am Ende zu ratlos zurück. Doch der impressionistische Film zeigt Mut zur narrativen und ästhetischen Zusammenhangslosigkeit und trifft so die Stimme eines sensiblen, talentierten, aber konfliktbeladenen und unkontrollierbaren Menschen.

Die Conways haben es nicht leicht: Egal was sie tun – oder lassen – es geschieht ein Unglück. Und das nächste lässt nicht lange auf sich warten, so viel ist sicher. Denn das Schicksal meint es wirklich nicht gut mit ihnen. Und auch nicht mit ihren Mitmenschen. Die Idee des Plots ist ungewöhnlich und berührt den Zuschauer sehr.
Von Lukas Hunziker · Mai 2011

Kalter Schweiss muss Hollywoods Filmproduzenten den Rücken herunter gelaufen sein, als sie Gareth Edwards “Monsters” sahen. Ein britischer Visual Effects Creator hatte mit einem Budget von 500′000 einen Spielfilm gedreht, der nicht nur um Meilen intelligenter und vielschichtiger war als manches von Hollywoods Multimillionenprojekten, sondern auch mindestens so gut aussah. “Monsters” ist der Beweis, dass low budget nicht zwingend low quality sein muss, sondern vielleicht sogar der Weg zurück zu gutem Kino ist.
Von Lukas Hunziker · Mai 2011

Welcher Fischer würde nicht gerne einmal eine wunderschöne Frau in den Netzen finden, die er an Bord zieht? Syracuse, einem vom Pech geplagten irischen Fischer, passiert in “Ondine” genau das. Dass es sich bei der Frau aus dem Meer um das Sagenwesen Selkie handeln soll, will er nicht glauben, obwohl seine Tochter felsenfest davon überzeugt ist. Eine Romanze, angesiedelt im Niemandsland zwischen Märchen und Sozialdrama, beginnt sich zu entwickeln.
Von Aylin Tutel · April 2011

Scheinehe, Liebe, Hoffnung auf ein besseres Leben in der Fremde – eigentlich ernste Gegebenheiten, die dem Spielfilmdébut von Darko Lungulov den inhaltlichen Rahmen geben. Der Regisseur geht in seinem Erstling aber lakonisch und distanziert an diese Themen ran. Damit schafft es Lungulov mit “Here and There” eine feine Filmunterhaltung zu bieten, nicht zuletzt auch durch überzeugende schauspielerische Leistungen.
Von Annika Janssen · April 2011

“49% Motherf**ker, 51% Son of a Bitch” – die Tagline dieser angenehm persönlichen Dokumentation von Greg Olliver und Wes Orshoski spricht Bände, führt aber doch in die Irre. Allen Gerüchten und Exzessen zum Trotz ist Lemmy Kilmister letztendlich zu 100% Mensch.
Von Lukas Hunziker · März 2011

Seit mittlerweile fast einem halben Jahrhundert ist sich der Mensch bewusst, dass er mit seinem CO2-Ausstoss Veränderungen im Klima herbeiführt oder zumindest beschleunigt. Getan hat er in diesem halben Jahrhundert wenig dagegen, und was er getan hat, war nicht radikal genug, um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden. In “The Age of Stupid” blickt ein Wissenschaftler auf die Ereignisse zwischen 2010 und 2055 zurück – der Zeit des klimabedingten Untergangs der Menschheit.
Von Annika Janssen · März 2011

Es ist nicht alles Gold, was glänzt – und hinter dem schönen Schein verbirgt sich oftmals die pure Hässlichkeit. In seinem an diversen Filmfestivals gut aufgenommenen Thriller “Beautiful” entlarvt Dean O’Flaherty die amerikanische Vorzeige-Vorstadt und ihre Bewohner. Blutfluss nicht ausgeschlossen.
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