“Goethe!” von Philipp Stölzl

…die die Welt im Innersten zusammenhält!“, erklärt der junge Sturm-und-Drang-Goethe – und lebt danach. Sein Herz schlägt kräftigst für Charlotte Buff; die leider schon so gut wie verlobt ist. In “Goethe!” präsentieren sich Goethe als ein widerspenstiger Heisssporn und das 18. Jahrhundert als etwas zwischen Märchenwelt und Biedermeierparadies. Das passt zum Film, der eine recht gelungene Mischung zwischen Autorenporträt und Literaturverfilmung ist.

“Live aus PEEPLI. Irgendwo in Indien” von Anusha Rizvi

Eine unterhaltsame Medien- und Politsatire aus Indien – frei von kitschigen Bollywood-Künstlichkeiten und auch ohne die atemlose und überästhetisierte Romantik von „Slumdog Millionaire“. Mit reichlich schwarzem Humor und einer Prise sozialkritischer Melancholie hinterfragt Anusha Rizvi in ihrem Filmdebüt die perversen Mechanismen der Medienindustrie.

“Piñero” von Leon Ichaso

Das unkonventionelle Biopic von Leon Ichaso über das Leben des Strassenpoeten Miguel Piñero soll hier nicht zum zeitlosen Meisterwerk erhoben werden, dafür lässt es einem am Ende zu ratlos zurück. Doch der impressionistische Film zeigt Mut zur narrativen und ästhetischen Zusammenhangslosigkeit und trifft so die Stimme eines sensiblen, talentierten, aber konfliktbeladenen und unkontrollierbaren Menschen.

“Accidents happen” von Andrew Lancaster

Die Conways haben es nicht leicht: Egal was sie tun – oder lassen – es geschieht ein Unglück. Und das nächste lässt nicht lange auf sich warten, so viel ist sicher. Denn das Schicksal meint es wirklich nicht gut mit ihnen. Und auch nicht mit ihren Mitmenschen. Die Idee des Plots ist ungewöhnlich und berührt den Zuschauer sehr.

“Monsters” von Gareth Edwards

Kalter Schweiss muss Hollywoods Filmproduzenten den Rücken herunter gelaufen sein, als sie Gareth Edwards “Monsters” sahen. Ein britischer Visual Effects Creator hatte mit einem Budget von 500′000 einen Spielfilm gedreht, der nicht nur um Meilen intelligenter und vielschichtiger war als manches von Hollywoods Multimillionenprojekten, sondern auch mindestens so gut aussah. “Monsters” ist der Beweis, dass low budget nicht zwingend low quality sein muss, sondern vielleicht sogar der Weg zurück zu gutem Kino ist.

“Ondine” von Neil Jordan

Welcher Fischer würde nicht gerne einmal eine wunderschöne Frau in den Netzen finden, die er an Bord zieht? Syracuse, einem vom Pech geplagten irischen Fischer, passiert in “Ondine” genau das. Dass es sich bei der Frau aus dem Meer um das Sagenwesen Selkie handeln soll, will er nicht glauben, obwohl seine Tochter felsenfest davon überzeugt ist. Eine Romanze, angesiedelt im Niemandsland zwischen Märchen und Sozialdrama, beginnt sich zu entwickeln.

“Here and there” von Darko Lungulov

Scheinehe, Liebe, Hoffnung auf ein besseres Leben in der Fremde – eigentlich ernste Gegebenheiten, die dem Spielfilmdébut von Darko Lungulov den inhaltlichen Rahmen geben. Der Regisseur geht in seinem Erstling aber lakonisch und distanziert an diese Themen ran. Damit schafft es Lungulov mit “Here and There” eine feine Filmunterhaltung zu bieten, nicht zuletzt auch durch überzeugende schauspielerische Leistungen.

“Lemmy” von Greg Olliver und Wes Orshoski

“49% Motherf**ker, 51% Son of a Bitch” – die Tagline dieser angenehm persönlichen Dokumentation von Greg Olliver und Wes Orshoski spricht Bände, führt aber doch in die Irre. Allen Gerüchten und Exzessen zum Trotz ist Lemmy Kilmister letztendlich zu 100% Mensch.

“The Age of Stupid” von Franny Armstrong

Seit mittlerweile fast einem halben Jahrhundert ist sich der Mensch bewusst, dass er mit seinem CO2-Ausstoss Veränderungen im Klima herbeiführt oder zumindest beschleunigt. Getan hat er in diesem halben Jahrhundert wenig dagegen, und was er getan hat, war nicht radikal genug, um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden. In “The Age of Stupid” blickt ein Wissenschaftler auf die Ereignisse zwischen 2010 und 2055 zurück – der Zeit des klimabedingten Untergangs der Menschheit.

“Beautiful” von Dean O’Flaherty

Es ist nicht alles Gold, was glänzt – und hinter dem schönen Schein verbirgt sich oftmals die pure Hässlichkeit. In seinem an diversen Filmfestivals gut aufgenommenen Thriller “Beautiful” entlarvt Dean O’Flaherty die amerikanische Vorzeige-Vorstadt und ihre Bewohner. Blutfluss nicht ausgeschlossen.

“Winter’s Bone” von Debra Granik

Einen Film mit einem Budget von 2 Millionen macht sich selten Hoffnungen auf die grossen Festivalpreise und Auszeichnungen. Besonders dann nicht, wenn gerade mal einer der Nebendarsteller einigermassen bekannt ist, während von Regisseurin und Hauptdarstellerin noch kaum jemand gehört hat, und der Film in der wohl hinterwäldlerischsten Region Amerikas spielt. Was Debra Granik mit “Winter’s Bone” gelungen ist, ist daher umso bewundernswerter und macht Hoffnung auf eine Richtungsänderung im amerikanischen Filmbusiness.

“The Tree” von Julie Bertuccelli

Kann ein Film, dessen Hauptdarsteller ein Baum ist, berühren und überzeugen? Ja, er kann. Julie Bertuccelli bezaubert mit ihrem zweiten Spielfilm. Im Mittelpunkt steht die Natur mit all ihren wundervollen, aber auch unheildrohenden Facetten und die tröstliche Kraft der Phantasie im Umgang mit dem Tod.

“The Expendables” von Sylvester Stallone

Über 100 Millionen Dollar Gewinn an den Kinokassen machen eigentlich gespannt auf diesen Action-Kracher mit seiner crème de la crème Besetzung: Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li und auch Mickey Rourke und Arnold Schwarzenegger geben sich die Ehre – und “Expendables II” soll 2012 auch schon in die Kinos kommen. Doch wenn man genauer hinschaut…

“War of the Wizards” von Dong-hun Choi

Eine der wenigen Komödien am Neuchatel International Fantastic Filmfestival 2010 war “Woochi” – eine geballte Ladung quirligen Fantasyklamauks aus Südkorea. Der Erfolg im eigenen Land scheint dem Film den Sprung nach Europa verschafft zu haben – auch bei uns ist der Film ab sofort als “War of the Wizards” auf DVD erhältlich.

“Jonah Hex” von Jimmy Hayward

Verzweifelt über seine zunehmende Ideenlosigkeit scheint Hollywood sich nach wie vor an das zweischneidige Erfolgsrezept namens Superhelden-Comicverfilmung zu klammern. Wirklich gut war bisher eigentlich noch keine, aber so schlecht wie „Jonah Hex“ auch nicht. Dessen Leinwandauftritt markiert einen neuen Tiefpunkt in Hollywoods Schaffenskrise, indem er alles, aber wirklich alles falsch macht.

“The King’s Speech” von Tom Hooper

In einer Zeit des politischen Aufruhrs und der Unsicherheit muss ein Mitglied der Royal Family lernen, über seine Behinderung hinwegzukommen. Colin Firth glänzt in “The King’s Speech” als angehender König mit Sprachproblemen und erspielt sich eine Oscarnomination.

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