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	<title>nahaufnahmen.ch &#187; Musik</title>
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		<title>Ironie im Angesicht des Unausweichlichen</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 14:14:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Aebi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Neuheiten]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/25/ironie-im-angesicht-des-unausweichlichen/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/leonard-cohen-old-ideas-cover-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>„Old Ideas“, Leonard Cohens erstes Studioalbum seit acht Jahren, ist ein intimes, spartanisch instrumentiertes Werk, auf welchem der kanadische Songpoet mit ironischer Distanz einen Blick auf das letzte Drittel des Lebens und dessen unausweichliches Ende wirft sowie die verschiedenen Ebenen der Liebe thematisiert. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Ironie im Angesicht des Unausweichlichen</strong></h1>
<div id="attachment_10297" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-10297" title="leonard-cohen-old-ideas-cover" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/leonard-cohen-old-ideas-cover.jpg" alt="Bild: Sony.com" width="200" height="200" /><p class="wp-caption-text">Bild: Sony.com</p></div>
<p><strong>„Old Ideas“, Leonard Cohens erstes Studioalbum seit acht Jahren, ist  ein intimes, spartanisch instrumentiertes Werk, auf welchem der  kanadische Songpoet mit ironischer Distanz einen Blick auf das letzte  Drittel des Lebens und dessen unausweichliches Ende wirft sowie die  verschiedenen Ebenen der Liebe thematisiert. </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Für Überraschungen ist Leonard Cohen, der mittlerweile 77-jährige Songpoet aus Montreal, immer wieder gut. Anfang 2008 kündigte er, wohl angetrieben von dem, was er damals etwas euphemistisch „meine ärgerliche finanzielle Situation“ nannte (seine ehemalige Managerin hatte ihn um fast sein ganzes Vermögen betrogen), nach 15 Jahren Bühnenabstinenz eine neue Welttournee an. Diese sollte schliesslich zweieinhalb Jahre dauern und fast 250 Konzerte umfassen. Wobei Konzert ein zu profaner Begriff dafür ist, was Cohen zusammen mit seiner virtuosen, neunköpfigen Band – in der Schweiz zuletzt im September 2010 in Basel – bot: Eine über dreistündige Reise durch einen während mehr als 40 Jahren entstandenen Songkatalog, mit einer derartigen Intensität vorgetragen, dass man eher von einer Audienz in Cohens Songkathedrale sprechen konnte. Als das neue Album angekündigt wurde, durfte man deshalb – nach dem meditativen, aber etwas aseptischen „Ten New Songs“ (2001) und dem unausgegorenen „Dear Heather“ (2004) – endlich mal wieder ein Cohen-Album in sattem Band-Sound erwarten.</p>
<p>Doch weit gefehlt: Seine „Unified Heart Touring Band“ist auf „Old Ideas“ nur gerade im bluesigen, bereits live interpretierten „The Darkness“ zu hören. Leise Enttäuschung kommt deshalb beim erstmaligen Hören auf. Doch je öfter man den zehn neuen Liedern andächtig lauscht, desto mehr versteht man Cohens Entscheid, sich statt auf Musik im Cinemascope-Format auf die in tiefstem Bariton vorgetragenen Texte zu fokussieren und musikalisch nur mit ausgewähltem Instrumentarium Akzente zu setzen. Ein intimes Album ist so entstanden, auf welchem Cohen mit ironischer Distanz einen Blick auf das letzte Drittel des Lebens und dessen unausweichliches Ende wirft sowie die verschiedenen Ebenen der Liebe thematisiert. Im Eröffnungslied „Going Home“, höhnt das Erzähler-Ich, der Leonard, dieser „lazy bastard in a suit“ wolle eigentlich eher ein Liebeslied oder eine Anleitung für das Leben mit Niederlagen schreiben. Stattdessen habe er ihm jedoch aufgetragen, die folgenden Worte mantrahaft zu wiederholen: „Going home without my burden/going home behind the curtain/going home without the costume that I wore“. Und so singt Leonard also vom Unausweichlichen, dem Angesicht des Todes.</p>
<div id="attachment_10298" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-10298" title="Pressefoto 2011 3 credits Dominique Issermann" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/Pressefoto-2011-3-credits-Dominique-Issermann.jpg" alt="Bild: Dominique Issermann" width="550" height="412" /><p class="wp-caption-text">Bild: Dominique Issermann</p></div>
<p>Natürlich thematisiert Cohen, der „Ladies’ man“, auf „Old ideas“ auch die Liebe. Im schon fast tanzbaren „Different Sides“, in welchem die Reime mit den Klängen eine perfekte Symbiose eingehen, geht es um die kleinen Kriege in Paarbeziehungen („We find ourselves on different sides/of the line nobody drew“). In „Crazy to love you“, in welchem sich Cohen mit der akustischen Gitarre selber begleitet, erzählt der Sänger von der Gelassenheit der Liebe im Alter („I’m tired of choosing desire/I’ve been saved by a blessed fatigue“). Der emotionale Höhepunkt des Albums ist jedoch das fast achtminütige „Amen“. In diesem Klagelied, in welchem sich die Klänge einer Trompete mit jenen einer Violine vermählen, wird die Liebe dem Horror in der Welt gegenübergestellt („Tell me again when the victims are singing/and the laws of remorse are restored/tell me again that you know what I’m thinking/but vengeance belongs to the lord“). Der „lord“, er wird auf Cohens neustem Album, dem wohl spirituellsten seit „Various Positions“ (1984), oft angerufen. „Show me the place“ und „Come Healing“ sind mit ihren Hammond-Orgel-Klängen und dem engelhaften Backgroundgesang (von der langjährigen musikalischen Weggefährtin Jennifer Warnes beziehungweise der noch wenig bekannten Dana Glover, übrigens die Entdeckung dieses neuen Albums) eine Art Hymnen. Da wird die geliebte Person – oder auch Gott – aufgerufen, zu zeigen, wo das Wort Mensch wurde und das Leid begann oder es wird um Heilung des Geistes und des Körpers gebeten.</p>
<p>Es finden sich auf „Old Ideas“ jedoch auch ein paar in jeder Hinsicht leichtgewichtigere Songs: So verlieben sich im besänftigenden Wiegenlied „Lullaby“ Katz und Maus und reden anschliessend in Zungen oder Cohen besingt ein kaputtes „Banjo“, welches im dunklen, verseuchten Meer herumdümpelt. Das jazzig-angehauchte „Anyhow“ wäre auf „Dear Heather“ besser aufgehoben gewesen und stört merklich den Fluss des Albums. Dennoch: So wie Cohen in seinen Konzerten vor Band und Publikum immer wieder seinen Hut zog, kann man vor diesem weisen, berührenden Alterswerk nur eines: ehrfürchtig den Hut ziehen.</p>
<p>Label: Sony Music</p>
<p><strong>Im Netz:</strong></p>
<p><a href="http://www.leonardcohen.com">leonardcohen</a></p>
<p><a href="http://www.leonardcohenfiles.com/"></a><a href="http://www.leonardcohenfiles.com">leonardcohenfiles</a></p>
<p><a href="http://www.leonardcohenforum.com/"></a><a href="http://www.leonardcohenforum.com">leonardcohenforum</a></p>
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		<item>
		<title>Top Alben 2011</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 21:36:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaronas Scheurer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/07/top-alben-2011/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/Tom-Waits-Bad-As-Me-cover-300x300-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>nahaufnahmen.ch Redaktor Jaronas Scheurer hat seine persönliche Best-of Liste des Jahres 2011 zusammengestellt. Auf das auch das neue Jahr wieder jede Menge grossartige Musik bringt!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>nahaufnahmen.ch Redaktor Jaronas Scheurer hat seine persönliche Best-of Liste des Jahres 2011 zusammengestellt. Auf das auch das neue Jahr wieder jede Menge grossartige Musik bringt!</strong></p>
<p><strong>Tom Waits – Bad As Me </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong></p>
<div id="attachment_10275" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-10275" title="Tom-Waits-Bad-As-Me-cover-300x300" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/Tom-Waits-Bad-As-Me-cover-300x300.jpg" alt="Meldet sich eindrucksvoll zurück: Tom Waits" width="200" height="200" /><p class="wp-caption-text">Meldet sich eindrucksvoll zurück: Tom Waits</p></div>
<p></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Der Grossmeister kann es noch! Und wie! Eines der bekömmlichsten  Alben von Tom Waits der letzten Jahren, doch dadurch keineswegs  schlechter als eines seiner sonstigen Meisterwerken. Diesmal hat das  scheue Genie eine Vielzahl von Kompagnons um sich geschart: Marc Ribot,  Keith Richards und sogar Flea von den Red Hot Chili Peppers</p>
<p><strong>Seefeel – Seefeel</strong></p>
<p>Das beste Comeback seit langem. Nach 14 Jahren Sendepause erfanden sich Seefeel irgendwo zwischen Shoegaze, Dub und typischen Warp-Klängen neu.</p>
<p><strong>Bright Eyes – The People&#8217;s Key</strong></p>
<p>Gekonnt gealtert! Mit gut 30 Jahren kann auch Conor Oberst nicht mehr den verzweifelten Teenager mimen. Nach seinen Solojahren rettete er sein Projekt Brigth Eyes gekonnt in einen ironischeren, (oberflächlich) freundlicheren Pop hinein.</p>
<p><strong>The Kills – Blood Pressures</strong></p>
<p>Trotz neuartigem A-Promis-Status von The Kills Hälfte Jamie Hince bleiben The Kills ihren kantigen Garage-Wurzeln treu ohne dabei gefälscht oder rückständig zu klingen.</p>
<p><strong>Timber Timbre – Creep on Creepin&#8217;</strong></p>
<p>Unter dem ganzen Indie-Folk Hype (Arcade Fire, Bon Iver und Co.) wohl das eigenständigsten und speziellsten Album. Timber Timbre siedeln sich irgendwo zwischen Sreamin&#8217; Jay Hawkins, schwarz-magischer Romantik, Blues, Tom Waits in einem unberührten Ecken der kanadischen Musikwäldern an und nennen ihre Musik dabei nonchalant „Gothic Rockabilly Blues“.</p>
<p><strong>Shlomo – Bad Vibes</strong></p>
<p>Meiner Meinung ein viel gelungener Entwurf für das Hype-Genre Chill Wave als der allgegenwärtige Panda Bear es mit „Tomboy“ geschafft hat. Chill Wave eklektisch gewürzt mit Hip-Hop à la Gonjasufi und Flying Lotus, Dub, an Avantgarde-Soundart geschulter Loop- und Bearbeitungs-Technik und einer altersuntypischen (Shlohmo zählt knappe 22 Jahre) Reduziertheit.</p>
<p><strong>Bill Callahan – Apocalypse</strong></p>
<p>Bill Callahan legt auf eindrückliche Weise seine äusserst persönliche Sicht auf Amerika dar. Ehrlich, kritisch (vor allem selbstkritisch) und musikalisch überzeugend.</p>
<p><strong>Francisco Meirino – </strong><strong>Recordings of voltage errors, magnetic fields, on-site testimonies &amp; tape tension</strong></p>
<p>Auch das Magazin The Wire ist da meiner Meinung: Der Spanische Klangkünstler Francisco Meirino hat eines der besten Werke im Bereich Noise, Elektroakustik, Avantgarde-Soundart des letzten Jahres geschaffen. Es entspricht sicher nicht den Ohren eines Radio-gewohnten Hörers; doch wer sich auf Meirinos Klanguniversum einlässt, kann in eine Welt eintauchen, in der ein Dur-Dreiklang als störend und ein Brummen eines kaputten Lautsprechers als passend wirken kann.</p>
<p><strong>Anna Aaron – Dogs in Spirit</strong></p>
<p>Auch die Schweiz hat grossartige Künstler in peto: Nach Sophie Hunger eine neue weibliche Songwriter-Sensation. Anna Aaron hat mit ihrem Zweitling ihren Platz irgendwo zwischen der Rockröhre einer PJ Harvey, den Pianoklängen einer Tori Amos, einer leicht religiös-pathetischen Mystik und einem ureigenen Sound voll knarrenden, schweren Türen und dunklen, leeren Säälen.</p>
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		<title>Zwischen den Stühlen</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/04/zwischen-den-stuhlen/</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Dec 2011 19:59:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaronas Scheurer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuheiten]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/04/zwischen-den-stuhlen/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/Superdisque-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Es gibt Alben, die sind schwer einzuordnen. Ist es jetzt eher Punk oder eher Rock oder Indie oder eher Electronica? Und dann gibt es Alben wie Superdisque, die sind unmöglich einzuordnen. Ein Gitarrist (David Fenech), der irgendwo zwischen Punk, freiem Jazz und Avantgarde steht, ein Sänger (Ghédalia Tazartès), dessen Gesang zwischen Kinderlieder und freier Improvisation, zwischen arabischen Balladen und tibetanischem Mönchsgesangs, zwischen Avantgarde und Archaik hin- und herpendelt, und ein Trompeter (Jac Berrocal), der seine Trompete manchmal als herrlich-singende Engelstrompete, manchmal als röhrend-animalisches Organ, manchmal als reiner Geräuschproduzent benutzt.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong style="font-size: 24px;">Jac Berrocal, David Fenech, Ghédalia Tazartès – Superdisque</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Zwischen den Stühlen</strong></p>
<div id="attachment_10065" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><strong><strong><img class="size-full wp-image-10065" title="Superdisque" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/Superdisque.jpg" alt="Bild: http://subrosa.itcmedia.net/en/catalogue/soundworks/jac-berrocal----david-fenech---ghedalia-tazartes.html" width="200" height="200" /></strong></strong><p class="wp-caption-text">Bild: http://subrosa.itcmedia.net/en/catalogue/soundworks/jac-berrocal----david-fenech---ghedalia-tazartes.html</p></div>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Es gibt Alben, die sind schwer einzuordnen. Ist es jetzt eher Punk oder eher Rock oder Indie oder eher Electronica? Und dann gibt es Alben wie <em>Superdisque, </em>die sind unmöglich einzuordnen. Ein Gitarrist (David Fenech), der irgendwo zwischen Punk, freiem Jazz und Avantgarde steht, ein Sänger (Ghédalia Tazartès), dessen Gesang zwischen Kinderlieder und freier Improvisation, zwischen arabischen Balladen und tibetanischem Mönchsgesangs, zwischen Avantgarde und Archaik hin- und herpendelt, und ein Trompeter (Jac Berrocal), der seine Trompete manchmal als herrlich-singende Engelstrompete, manchmal als röhrend-animalisches Organ, manchmal als reiner Geräuschproduzent benutzt.</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Ist es Jazz, Avantgarde, eine Art progressiver Ethno-Folk, neue Musik, Soundart? Auf jeden Fall ist es erstaunlich, wie viel verschiedenes die drei französischen Musiker auf <em>Superdisque </em>(veröffentlicht auf Sub Rosa)<em> </em>unter einen Hut und in dreizehn Stücke gebracht haben. Meditatives Sound-Aufschichten („Joy Divisé“, „Human Bones“), verstörende Klangcollagen („Cochise“), schräge Folk-Chansons („Quando“), klaustrophobische Stimmungsbilder, die einem David Lynch-Film entspringen könnten („David&#8217;s Theme“), humorvolle Volkslied-Parodien („Ife L&#8217;Ayo“, „Final“), stimmungsvolle Klanglandschaften („J&#8217;attendrai“, „Sainte“), indianische Ritualgesänge in das 21. Jahrhundert projiziert („Powow“) und massive Klangmauern („Ziveli“). Die drei unkonventionellen Musiker bleiben auch nicht bei ihren herkömmlichen Instrumenten: Die verschiedensten Instrumente wie Akkordeon, Kinderklavier, Ukulele, Oud, Gamelan und verschiedene Perkussions-Instrumente, aber auch eher seltsame Klangerzeuger wie Turntables, Muschelschalen, Spielzeuge, Musikbox, Wassergeräusche und sogar menschliche Knochen (es steht ausdrücklich „Human Bones“) kommen zum Einsatz. Auch ein Featuring ist darauf zu finden: Für „Porte de Bagnolet“ haben sie den französischen Akkordeonist Zap Pascal eingeladen, der das atmosphärisch dichte und intensive Stück mit seinen reduzierten Klangflächen und Melodiefragmente  würzt.</p>
<p>Man hört sicherlich, dass sich hier drei äusserst interessante und eigenständige Personen der französischen Avantgarde-Szene zusammengefunden haben. Ghédalia Tazartès ist zwar nicht sehr bekannt, doch seine eigenwilliges Organ, ständig wechselnd zwischen Kind und Diva, und seine unkonventionelle Art Musik frei von jeglichen Genre-Grenzen zu machen, hat ihn inzwischen zu einer Art Kultfigur gemacht. Mit seinem Mix aus dem archaischen, manchmal fast schamanischen Ausdruck seiner Stimme und der experimentellen Montage und progressiven Arrangements ist er zu folkloristisch, zu wenig „neu“ für die Avantgarde-Szene und viel zu schräg und zu experimentell für  einen eher ethnologisch geprägten Kanon.</p>
<p>David Fenech und Jac Berrocal hingegen sind ziemlich fest in der europäischen Avantgarde-Szene irgendwo zwischen Jazz, Rock und zeitgenössischer Musik, verwurzelt. Beide haben sicher schon ein Duzend Alben Solo und in unterschiedlichen Kollaborationen veröffentlicht. David Fenech spielte unter anderem schon mit Felix Kubin, Gino Robair, Tom Cora, Rhys Chatham und anderen und Jac Berrocal arbeitete schon mit Pascal Comelad, Nurse With Wound (aka Steve Stapleton), Jaki Liebezeit von der deutschen Band Can, Sunny Murray, Lol Coxhill und anderen zusammen.</p>
<p>Ein interessantes Trio ist hier entstanden und ein äusserst vielseitiges und auch ambivalentes Album. Einerseits durchaus der E-Musik – inklusive dem Einsatz von Samples, freier Improvisation, Klanggedichten und Soundscapes – zuzurechnen, andererseits – durch den teilweise komisch anmutenden Gesang von Tazartès und den schrägen Folkeinflüsse und Kinderlieder – sehr humorvoll. Einen strengen Verfechter von konzeptioneller E-Musik sowie einen eher konservativ eingestellten Volksmusiker wird dieses Album wohl vor den Kopf stossen. Doch wer es sich mit offenen Ohren und einer gehörigen Portion Humor anhört, wird den Reiz dieser ungewöhnlichen Kollaboration sicher entdecken.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Links:</strong></p>
<p><a href="http://subrosa.itcmedia.net/en/catalogue/soundworks/jac-berrocal----david-fenech---ghedalia-tazartes.html">http://subrosa.itcmedia.net/en/catalogue/soundworks/jac-berrocal&#8212;-david-fenech&#8212;ghedalia-tazartes.html</a></p>
<p><a href="http://www.plattfon.ch/">www.plattfon.ch</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Eine neue elektronische Hoffnung?</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/04/eine-neue-elektronische-hoffnung/</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Dec 2011 19:47:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaronas Scheurer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuheiten]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/04/eine-neue-elektronische-hoffnung/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/Bad-Vibes-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Klirrende Gitarren, eine durch das Hallgerät gejagte Stimme, einige Klicks und Schnipps, ein nostalgisches Rauschen und ein langsam tropfender Beat und fertig ist das Wunderkind. Schon als der damals 19-jährige Shlohmo 2010 seine erste EP Shlohmoshun Redux auf Friends of Friends veröffentlichte, erstaunte er, obwohl teilweise noch ein wenig überladen und unausgereift, mit seinem eigenwilligen Mix von Hiphop, Dub, Electonica, Chillwave, Lo-Fi und Shoegaze. Nun, ein Jahr später, veröffentlicht er seine „proper debut LP“, wie er auf seinem Blog schreibt, wieder auf Friends of Friends.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong style="font-size: 24px;">Shlohmo – Bad Vibes</strong></p>
<p><strong><br />
 </strong></p>
<p><strong><span style="font-size: 12pt;" lang="DE-CH">Eine neue elektronische Hoffnung?</span></strong></p>
<div id="attachment_10057" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><strong><img class="size-full wp-image-10057" title="Bad-Vibes" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/Bad-Vibes.jpg" alt="Bild: http://www.fofmusic.net/?page_id=2784" width="200" height="199" /></strong><p class="wp-caption-text">Bild: http://www.fofmusic.net/?page_id=2784</p></div>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Klirrende Gitarren, eine durch das Hallgerät gejagte Stimme, einige Klicks und Schnipps, ein nostalgisches Rauschen und ein langsam tropfender Beat und fertig ist das Wunderkind. Schon als der damals 19-jährige Shlohmo 2010 seine erste EP <em>Shlohmoshun Redux </em>auf <em>Friends of Friends</em> veröffentlichte, erstaunte er, obwohl teilweise noch ein wenig überladen und unausgereift, mit seinem eigenwilligen Mix von Hiphop, Dub, Electonica, Chillwave, Lo-Fi und Shoegaze. Nun, ein Jahr später, veröffentlicht er seine „proper debut LP“, wie er auf seinem Blog schreibt, wieder auf <em>Friends of Friends.</em></strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Das Album <em>Bad Vibes </em>ist ein Phänomen. Nach dem ersten Durchhören war ich äusserst angetan. Es groovt leichtfüssig, mit ein paar wenigen Klicks und Bleeps wird ein dubbiger Hiphop-Beat angetönt, es erinnert ein wenig an Gonjasufi oder Flying Lotus. Freundlich, gereift und angenehm reduziert und zurückhaltend präsentieren sich die dreizehn neuen Tracks von Shlohmo, was schon sehr erstaunlich ist, für ein Künstler seines Alters. Nur seltsam, dass er ihm mit <em>Bad Vibes </em>ein so düsterer Titel gibt. Auch Track-Namen wie „I Can&#8217;t See You, I&#8217;m Dead“, „Trapped in A Burning House“ und „Your Stupid Face“ klingen nicht unbedingt freundlich.</p>
<p>Je häufiger und aufmerksamer man das Album jedoch anhört, desto tiefere Schichten werden freigelegt. Mit minimalen Mitteln wie einer zunehmen verzerrten und verdoppelten Gitarre wie auf „I Can&#8217;t See You, I&#8217;m Dead“ oder einem hypnotischen Beat (z.B: „Get Out“) werden nervenaufreibende Spannungen aufgebaut, die sich dann in gemächlich swingenden Stücke wie „Seriously“, in nostalgischen Feel-Good Melodien wie in „Places“ entlädt.</p>
<p>Sowieso sind die dreizehn Tracks dramaturgisch geschickt angeordnet. In dem durch Vogel-Gezwitscher eingeleitete „Big Feelings“ schält Shlohmo einen plätschernden Puls aus atmosphärischen Feld-Aufnahmen, dessen treibendes Ziehen er durch das gesamte Album nicht mehr verlässt. Spannungen und Gitarrenwände werden darüber aufgebaut, Abgründe aufgetan. Während Shlohmo in Lied Nummer Sechs („Just Us“) eine tropfende Zupfmelodie über choralesquen Gesang und einem hüpfend-swingenden Beat legt, zieht er dann im neunten Lied ganz andere Saiten auf: „Trapped In A Burning House“ erinnert einen fast an Drone-Bands wie Sunn O))) oder Earth und tatsächlich können dabei klaustrophische Angstgefühle aufkommen. Eine langgezogene jaulende Gitarrenmelodie schwingt sich immer höher über düster-verzerrte Klangflächen. Natürlich heisst das nächste Lied dann „Get Out“: Ein monotoner Beat, eine tiefe Orgel, verzogene Stimmen, ein paar geräuschhafte Perkussionselemente und Gitarren und viel Echo reichen Shlohmo, um musikalisch eine geradezu filmische Vision von einem leicht verstörten Morgengrauen inklusive Schlafmangel, Morgentau, realitätsferner Euphorie und, was sonst noch zu dem Ende einer durchfeierten Nacht gehört, zu erzeugen.</p>
<p>Mit den letzten Tracks kehrt Shlohmo dann zu der verträumten, leicht nostalgischen Stimmung des Beginns zurück.</p>
<p>Alles in allem ein überaus geglückter Ausflug in die wundersame Welt des „Wunderkinds“ Shlohmo. Erstaunlich, mit welch feinem Gespür er Chillwave-Gesänge, Lo-Fi-Feldaufnahmen, doomige Gitarrenwände und tropfende Hiphop-Beats miteinander vermischt. Ich denke und hoffe auf jeden Fall noch mehr von ihm zu hören.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Links:</p>
<p><a href="http://www.wediditcollective.com/">http://www.wediditcollective.com/</a></p>
<p><a href="http://www.fofmusic.net/">http://www.fofmusic.net/</a></p>
<p><a href="http://www.plattfon.ch/">http://www.plattfon.ch/</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Die positiven Seiten der Globalisierung</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Dec 2011 19:32:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaronas Scheurer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuheiten]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/04/die-positiven-seiten-der-globalisierung/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/komba_cover-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Das portugiesische Party-Quartett Buraka Som Sistema bleibt bei ihrem Zweitling bei ihren Leisten – und das ist gut so. Die positiven Folgen der Globalisierung und der weltweiten kulturellen Durchmischung sind bei den pumpenden Clubhits von Buraka Som Sistema hör- und fühlbar: World Music 2.0.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong style="font-size: 24px;">Buraka Som Sistema – Komba </strong></p>
<p style="font-weight: bold;"> </p>
<p style="font-weight: bold;">Die positiven Seiten der Globalisierung</p>
<p style="font-weight: bold;"> </p>
<div id="attachment_10045" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-10045" title="komba_cover" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/komba_cover.jpg" alt="Bild: http://www.enchufada.com/2011/10/25/komba-buraka-som-sistema/" width="200" height="200" /><p class="wp-caption-text">Bild: http://www.enchufada.com/2011/10/25/komba-buraka-som-sistema/</p></div>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Das portugiesische Party-Quartett Buraka Som Sistema bleibt bei ihrem Zweitling bei ihren Leisten – und das ist gut so. Die positiven Folgen der Globalisierung und der weltweiten kulturellen Durchmischung sind bei den pumpenden Clubhits von Buraka Som Sistema hör- und fühlbar: World Music 2.0.</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Ende der 1980er Jahre, nach dem Zusammenbruch der portugiesischen Herrschaft und der daraus resultierenden Einwanderung von Leuten aus Südamerika und der Karibik, entstand im Untergrund von der angolanischen Stadt Luanda unter dem Einfluss von aus Europa kommenden elektronischen Musikstilen ein Hybrid, der inzwischen die Clubs auf der ganzen Welt zu erobern scheint: Kuduro. Damals mischten angolanische DJs, beeinflusst von den neuen Kulturen und Musikarten, ihre angolanische Musik wie Semba oder Kizomba, neuere karibische Musikstile wie Zouk und Soca mit europäischer, elektronischer Musik wie Techno, Tribal House und Co. Diese Mixtur klingt ein wenig nach einem musikalischen Frankenstein, doch das Resultat war unglaublich energetisch und tanzbar: Kuduro („cú duro“ ist portugiesisch für „harter Arsch“).</p>
<p>Einige Jahre später begannen zwei portugiesische Teenies in Buraca, einer Gemeinde in der Agglomeration Lissabons, zusammen Musik zu machen. Sie trafen auf den angolanischen Einwanderer Andro Carvalho alias Conductor, der sie mit der Musik Angolas, mit Kuduro in Berührung brachte. Zusammen formierten sie sich zu Buraka Som Sistema. Ein wohlklingender Name, der – ganz simpel – Buraca Sound System bedeutet. Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurden sie sogar von einem Label entdeckt, von Enchufada. Der Mitgründer des Labels, der Dichter und Musiker Kalaf Angelo, stieg sogar bei ihnen als MC ein. Das höllische Quartett war somit komplett und begann die Welt zu erobern. Ihre erste EP („From Buraka To The World“) ist mit dem Jahre 2006 datiert. Auf ihrem Debüt-Album „Black Diamond“ (2008) können sie schon unzählige Featurings verzeichnen, unter anderem mit <em>der </em>Stimme der „World Music 2.0“, mit M.I.A. Auch der Brasilianische Baile Funk-Pionier Deiza Tigrona oder die angolanischen Kuduro-Musiker DJ Znobia und Pongolove sind für einige Tracks mitverantwortlich. Inzwischen sind circa drei Jahre verstrichen, die die vier mit ausgiebigem Touren gefüllt haben. Sie gelten als eine der besten portugiesischen Liveact, was ihnen auch schon einen MTV Music Award als „Best Portuguese Act“ einbrachte, und spielten dieses Jahr am <em>Rock in Rio </em>vor circa 110&#8242;000 begeisterten Menschen.</p>
<p>Man hört dem neuen Album auch an, dass es als Live-Set konzipiert ist. Schon der Opener „Eskeleto“ ist ein Hybrid aus düster-pumpendem Dubstep-Knaller und der zerschossenen, aufpeitschenden Rhythmik des Kuduros. Im Outro von „Eskeleto“ wird auch das Konzept bzw. der Titel des ganzen Albums erklärt. Komba ist ein angolanisches Ritual, wobei die Familie, die Freunde, die Bekannten eines Verstorbenes sich sieben Tage nach seinem Tod versammeln und zusammen sein Lieblingsessen, -getränk, -musik geniessen und so das Leben des Verblichenen mit einer grossen Party feiern. Diese Nähe von Leben und Tod, von ekstatischer Lebensfreude und Düsterheit ist auch auf dem Zweitling von Buraka Som Sistema zu finden. Düstere Bass-Music-Elemente stehen neben zirpenden Synthies und zappligen Drumbeats. Aggressive Wobble-Bässe werden unter wild-ausgelassene Party-Shouts und treibende Karibik-Rhythmen gelegt (so im grandiosen „Tira O Pé“).</p>
<p>Obwohl die zwölf Tracks nicht durchwegs überzeugen, ist <em>Komba </em>wohl eine der gelungensten Clubmusik-Veröffentlichungen dieses Jahres. Es fällt sogar zu den weniger mitreissenden Tracks schwer, sitzen zu bleiben. So fallen das an die neuen Black Eyed Peas erinnernde „(We Stay) Up All Night“ oder das ambivalente „Voodoo Love“, deren t.A.T.u.- ähnlichen Gesang (beigesteuert von Sara Tavares) durch den explosiven Rap-Part von Terry Lynn wett gemacht wird, ein wenig ab. Man darf natürlich nicht erwarten, dass Buraka Som Sistema mit <em>Komba </em>die elektronische Musik revolutionieren werden. Doch selten hört man so energetische, lebendige und multikulturelle Clubmusik wie auf dem neuen Wurf von den vier Portugiesen. Auf jeden Fall eine angenehme Erhellung der tristen Herbstmonaten – trist betreffend des Wetters und der Veröffentlichungen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Links:</p>
<p><a href="http://www.buraka.tv/">http://www.buraka.tv/</a></p>
<p><a href="http://www.enchufada.com/artists/buraka-som-sistema/">http://www.enchufada.com/artists/buraka-som-sistema/</a></p>
<p><a href="http://www.plattfon.ch/">http://www.plattfon.ch/</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>„Ich bin wohl eher eine dunkle Träumerin, die vom Licht träumt“</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/11/16/sophie-zelmani-interview/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/11/16/sophie-zelmani-interview/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 16 Nov 2011 14:45:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Aebi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/11/16/sophie-zelmani-interview/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/11/SophieZelmani+1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Mit ihrem neusten Album „Soul“ ist Sophie Zelmani ihrem ganz eigenen Musikstil grösstenteils treu geblieben: Traumwandlerisch schöne, fragile, intime, von akustischen Gitarren dominierte Lieder mit poetischen und rätselhaften Texten. Als Farbtupfer fungieren diesmal ein Duett mit Daniel Lemma sowie ein paar vereinzelte Reggae-Einsprengsel. Im Mail-Interview mit Nahaufnahmen.ch erzählt die schüchterne Schwedin über magische Momente bei den Aufnahmen zum neuen Album, die alles verändernde Kraft der Liebe, Ratschläge an ihre Tochter und wieso sie bisher kein Live-Album veröffentlichen mochte. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>„Ich bin wohl eher eine dunkle Träumerin, die vom Licht träumt“</strong></h1>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong></p>
<div id="attachment_9788" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9788" title="SophieZelmani+1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/11/SophieZelmani+1.jpg" alt="Alle Bilder: Sony Music" width="550" height="740" /><p class="wp-caption-text">Alle Bilder: Sony Music</p></div>
<p></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<h2>Interview mit Sophie Zelmani</h2>
<p><strong>Mit ihrem neusten Album „Soul“ ist Sophie Zelmani ihrem ganz eigenen Musikstil grösstenteils treu geblieben: Traumwandlerisch schöne, fragile, intime, von akustischen Gitarren dominierte Lieder mit poetischen und rätselhaften Texten. Als Farbtupfer fungieren diesmal ein Duett mit Daniel Lemma sowie ein paar vereinzelte Reggae-Einsprengsel. Im Mail-Interview mit Nahaufnahmen.ch erzählt die schüchterne Schwedin über magische Momente bei den Aufnahmen zum neuen Album, die alles verändernde Kraft der Liebe, Ratschläge an ihre Tochter und wieso sie bisher kein Live-Album veröffentlichen mochte. </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Nahaufnahmen.ch: Sophie, wieso hast du deinem neuen Album den Titel „Soul“ gegeben?</strong></p>
<p>Sophie Zelmani: Meistens wählt man ja einen der Liedertitel als Titel für das Album und in so einem Fall hätten wir die Platte „My soul remembers“ genannt. Aber wir hatten das Gefühl, dass das Wort „Soul“ an und für sich sehr hübsch ist und eine eigene Kraft ausstrahlt. Und dann ist vielleicht diese Platte auch „souliger“ als gewöhnlich&#8230;</p>
<p><strong>Was bedeutet das Wort „Seele“ für dich? </strong></p>
<p>Das kann bei unterschiedlichen Gelegenheiten verschiedene Dinge bedeuten. Aber meistens bedeutet es wohl „von innen heraus“.</p>
<p><strong>Wie würdest du dein neues Album beschreiben?</strong></p>
<p>Man kann sagen, dass es eine Fortsetzung von „mir“ ist. Für mich fühlt es sich am natürlichsten an, einfach diejenigen Lieder zu empfangen, die aus mir herauskommen wollen. Ich hatte zwar am Anfang die Idee, mit dem Album eine bestimmte Richtung einzuschlagen, aber das funktionierte nicht.</p>
<p><strong>Das erste Lied auf dem Album heisst „Free Now“. Wie würdest du für dich „Freiheit“ definieren? </strong></p>
<p>Für mich bedeutet Freiheit, ein ehrliches Leben zu führen. Nicht zu akzeptieren, mit Lügen irgendeiner Art durchs Leben zu gehen, nur weil dies vielleicht bequemer wäre. Das macht einen unglücklich.</p>
<p>„<strong>For you“ ist ein Duett mit dem schwedischen Sänger Daniel Lemma. Wieso hast du gerade ihn als Duettpartner ausgewählt?</strong></p>
<p>Während ich dieses Lied schrieb, konnte ich gewissermassen Daniels Stimme bereits hören. Zudem finde ich, dass er eine in jeder Hinsicht fantastische Person ist. So ist es für mich eine grosse Ehre, dass er mitmachen wollte.</p>
<p><strong>Mit welchen anderen Sängern würdest du – wenn du die Möglichkeit hättest – gerne ein Duett aufnehmen?</strong></p>
<p>Vielleicht mit David Gray oder Jeff Bridges?</p>
<p><strong>Was ist mit „dieser Art von Liebe“ genau gemeint, welche du im Lied „I wouldn’t speak for him“ besingst?</strong></p>
<p>Diejenige Liebe, die einen für immer verändert und dazu führt, dass man sich richtig öffnen kann. Freilich hat nicht jede Liebe diese Kraft.</p>
<p><strong>Eines der neuen Lieder heisst „My daughter“. In einem Interview mit einer schwedischen Zeitung hast du über deine Tochter gesagt, dass sie ebenfalls tolle Lieder schreibe und besser Gitarre spiele als du. Falls deine Tochter später auch Musikerin und Sängerin werden möchte, welche Ratschläge würdest du ihr geben?</strong></p>
<p>Ich würde ihr sagen, dass sie das, was sie tut, mit dem Herzen tun soll. Dann macht sie die Dinge auf jeden Fall richtig. Sie soll sich auch nie mit anderen Menschen vergleichen. Vielleicht würde ich ihr ebenfalls den Ratschlag geben, dass sie nicht so faul und schwierig werden soll, wie ich es bin&#8230;</p>
<p>„<strong>Your soul remembers“, das letzte Lied auf deiner neuen Platte, ist mit über neun Minuten Spielzeit wohl das längste Lied, das du jemals aufgenommen hast. War es von Anfang an geplant, dem Lied dieses epische Ende zu verpassen oder ist dies spontan im Studio so entstanden?</strong></p>
<p>Ja, das war für uns eine magische Aufnahme. Niemand wusste, welchen Weg das Lied nehmen würde. Wir sind einfach unserer Inspiration gefolgt und haben gar nicht gemerkt, dass wir mehr als neun Minuten gespielt haben.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-9789" title="SophieZelmani3" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/11/SophieZelmani3.jpg" alt="SophieZelmani3" width="550" height="367" /></p>
<p><strong>Kannst du uns den Entstehungsprozess deines neuen Albums etwas genauer beschreiben?</strong></p>
<p>Ich bin ein paar Mal zu Lasse (Lars Halapi, seit Beginn ihrer Karriere Sophies Produzent, Anm. d. Red.) nach Südschweden gefahren, wo er wohnt und gleichzeitig sein Studio hat. Ich habe dort einige Zeit verbracht, bin in Ruhe in seinem Studio gesessen und habe Lieder geschrieben. Wenn ein Lied fertig war, konnte ich nach Lasse rufen und wir haben das Lied direkt eingespielt. Auf diese Art und Weise war es leicht, die vollkommene Stimmung eines Liedes einzufangen, da ich sozusagen immer noch mittendrin war. Einige Male kam auch die Band zu Besuch und wir haben Lieder gemeinsam eingespielt. Zum Schluss kamen einige Overdubs hinzu, wie Streicher und Chöre. Insgesamt dauerten die Aufnahmen einige Monate, vom Frühling bis zum Sommer. Im Medley Studio in Kopenhagen, das nur etwa eine Stunde von Lasses Studio entfernt liegt, haben wir das Album abgemischt. Das Medley Studio ist ungeheuer gemütlich und ein Besuch in Kopenhagen ist immer sehr schön.</p>
<p><strong>Welches waren die schönsten Momente während den Aufnahmen?</strong></p>
<p>Immer dann, wenn wir eine sozusagen magische Aufnahme hingekriegt haben. Wenn alle verstanden haben, dass wir dasselbe fühlten. Dann natürlich auch die Gemeinschaft, die gemeinsam verbrachten Abende, das Essen und der Wein&#8230;</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Du warst in den letzten fünf Jahren überaus produktiv und hast, zählt man das neue Album dazu, insgesamt vier Alben veröffentlicht. Welches waren die Gründe dafür, dass du in so kurzer Zeit so viele Lieder komponieren und aufnehmen konntest?</strong></p>
<p>Schwer zu sagen. Es sind sowohl die Lust, das Bedürfnis als auch die vorhandenen Möglichkeiten, welche den Schaffensprozess steuern. Es ist schwierig, die Lust aufzuhalten und sobald genügend Lieder beisammen sind, denkt man bereits an eine neue Platte. Ich möchte ja nicht, dass die Lieder liegenbleiben und alt werden.</p>
<p><strong>Wie stark wirst du beim Liederschreiben von Literatur inspiriert? </strong></p>
<p>Ich weiss es nicht. Aber ich lese heutzutage viel mehr als früher, meistens Bücher von schwedischen Autoren. Das Lesen ist sowohl eine Flucht als auch entspannend und Einsicht gebend. Zudem habe ich das Lesen von Gedichten schätzen gelernt.</p>
<p><strong>Wie viele Gitarren besitzt du und welches ist deine Lieblingsgitarre? </strong></p>
<p>Ich habe jetzt drei Gitarren. Eine „Auto- und Hotel-Gitarre“. Dann eine Martin-Gitarre, auf der ich nie spiele. Meine Lieblingsgitarre ist diejenige, die ich mir genau zu jenem Zeitpunkt gekauft habe, als ich meinen Plattenvertrag erhielt. Ich glaube, ich habe die Saiten dieser Gitarre schon mehr als acht Jahre nicht mehr gewechselt.</p>
<p><strong>Deine Schwester Charlotte hat in einer schwedischen Zeitung über dich gesagt: „Sophie hat die schönste Seele der Welt. Sie ist wirklich speziell, ein Engel. Nicht ganz von dieser Welt, eher ein Wesen als ein gewöhnlicher Mensch“. Inwiefern trifft diese Beschreibung auf dich zu?</strong></p>
<p>Ich würde dasselbe über meine Schwester sagen. Aber ich bin wohl eher eine dunkle Träumerin, die vom Licht träumt.</p>
<p><strong>Bevor dein neues Album erscheint, wirst du in Schweden drei Konzerte geben. Das Publikum wird die neuen Lieder zum ersten Mal hören. Bist du, was die möglichen Reaktionen des Publikums betrifft, nervös?</strong></p>
<p>Ja, ich bin nervös. Das bin ich immer. Aber ich hoffe, dass die Zuhörer meine neuen Lieder mögen und sie gut aufnehmen werden, obwohl sie diese zum ersten Mal hören werden.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ich finde, deine Konzerte sind pure Magie. Hast du je daran gedacht, ein Live-Album zu veröffentlichen?</strong></p>
<p>Danke vielmals, dass du das sagst, aber ich wollte bisher kein Live-Album aufnehmen. Ich glaube, dass es sehr schwierig ist, ein solches Erlebnis auf einer Platte einzufangen. Ein Konzert ist ja etwas, das im Hier und Jetzt zusammen mit dem Publikum geschieht.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Wann wirst du das nächste Mal in der Schweiz Konzerte geben?</strong></p>
<p>Ich weiss es noch nicht genau, aber ich hoffe, dass es im nächsten Frühling soweit sein wird.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Hast du in der Schweiz einen Lieblingsort oder ein Lieblings-Konzertlokal?</strong></p>
<p>Mir hat es bisher an allen Orten in der Schweiz gefallen, an denen ich Konzerte gegeben habe. Es ist herrlich, immer und immer wieder an die gleichen Orte zurückzukehren. Ich fühle mich dann jeweils wie zuhause.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Zum Schluss beantwortete Sophie für uns ein paar kurze Fragen, die auf dem berühmten Fragebogen des französischen Poeten Marcel Proust basieren:</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Deine Vorstellung von wahrem Glück? </strong></p>
<p>Lebenslust.</p>
<p><strong>Deine grösste Angst?</strong></p>
<p>Bitter zu werden.</p>
<p><strong>Welche lebende Person bewunderst du am meisten?</strong></p>
<p>Diejenige Person, in welche ich verliebt bin.</p>
<p><strong>Was würdest du an dir ändern?</strong></p>
<p>Alles.</p>
<p><strong>Deine grösste Extravaganz?</strong></p>
<p>Champagner sowie die Zeit am Strand zu verbringen.</p>
<p><strong>Deine Lieblingsreise?</strong></p>
<p>Eine Reise nach Italien.</p>
<p><strong>Welches ist deine grösste Errungenschaft?</strong></p>
<p>Die Geburt meiner Tochter.</p>
<p><strong>Was bereust du am meisten?</strong></p>
<p>Dass ich bestimmte Menschen schlecht behandelt habe.</p>
<p><strong>Dein kostbarster Besitz?</strong></p>
<p>Die Liebe.</p>
<p><strong>Deine Lieblingsbeschäftigung?</strong></p>
<p>Essen.</p>
<p><strong>Deine markanteste Charaktereigenschaft?</strong></p>
<p>Wahrscheinlich, dass ich so ruhig und schweigsam bin.</p>
<p><strong>Dein persönliches Motto?</strong></p>
<p>Das wird schon klappen!</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Sophie Zelmanis neue CD „Soul“ (Sony Music) ist ab 18. November im Handel erhältlich.</p>
<p>Im Netz:</p>
<p><a href="http://www.sophie-zelmani.com/">www.sophie-zelmani.com</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>„Ich denke nicht, dass man vor seinen Wurzeln wegrennen kann“</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/10/29/anna-ternheim-interview/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/10/29/anna-ternheim-interview/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 15:33:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Aebi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/10/29/anna-ternheim-interview/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/10/Anna21-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Mit ihrem vierten Album „The Night Visitor“ ist der schwedischen Songwriterin Anna Ternheim ein Werk von zeitloser Schönheit gelungen. Nahaufnahmen.ch sprach mit Anna über ihre Studienzeit in Lausanne, die Energie ihrer Wahlheimat New York, die Zusammenarbeit mit Will Oldham, Inspirationen für ihre Lieder und ihre Demut gegenüber der Natur. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>„Ich denke nicht, dass man vor seinen Wurzeln wegrennen kann“</strong></h1>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong></p>
<div id="attachment_9667" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9667" title="Anna2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/10/Anna21.jpg" alt="Alle Bilder: Universal Music" width="550" height="370" /><p class="wp-caption-text">Alle Bilder: Universal Music</p></div>
<p></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<h2><strong>Interview Anna Ternheim, 28.10.2011<br />
 </strong></h2>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Mit ihrem vierten Album „The Night Visitor“ ist der schwedischen Songwriterin Anna Ternheim ein Werk von zeitloser Schönheit gelungen. Nahaufnahmen.ch sprach mit Anna über ihre Studienzeit in Lausanne, die Energie ihrer Wahlheimat New York, die Zusammenarbeit mit Will Oldham, Inspirationen für ihre Lieder und ihre Demut gegenüber der Natur. </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Obwohl es in New York City erst 9.30 Uhr morgens ist, tönt Anna Ternheims Stimme am anderen Ende der Telefonleitung bereits hellwach: „Ich bin soeben Kaffee holen gegangen und laufe durch die Stadt, um einen ruhigen Ort zu finden. Es ist gerade ziemlich lärmig um mich herum“.</p>
<p><strong>Nahaufnahmen.ch: Anna, was war der Auslöser dafür, dass du vor dreieinhalb Jahren von Schweden nach New York umgezogen bist?</strong></p>
<p>Anna Ternheim: Vor sechs oder sieben Jahren war ich hier im Urlaub. Dies war eine wunderbare Erfahrung. Ich erinnere mich daran, dass ich damals dachte: „Irgendwann einmal will ich hier leben“. Solche Gefühle hat man in den Ferien oftmals, macht dann aber meistens nichts daraus. Etwa ein Jahr später kontaktierte mich die Plattenfirma Universal/Decca. Sie hatten meine Musik gehört, wollten mit mir arbeiten und meine Musik in den USA veröffentlichen. Man half mir, ein Visum zu erhalten, Tourdaten wurden geplant. Plötzlich war es einfach eine gute Zeit, um umzuziehen. Ich hatte die Möglichkeit und sagte mir: „Ich versuche es und schaue, ob es mir hier in New York gefällt“. Und dann bin ich einfach geblieben. Nun sind bereits dreieinhalb Jahre vergangen. Wie lange ich hierbleiben werde, weiss ich allerdings nicht.</p>
<p><strong>Was gefällt dir in New York am besten?</strong></p>
<p>Die Stadt ist sehr multikulturell. Menschen aus allen Ecken der Welt wohnen hier. Du findest alles, was du brauchst. Die Stadt ist zudem sehr nonkonformistisch. Man kann hier leben, wie man möchte. Ich schätze das sehr. Das Leben einer Musikerin folgt ja anderen Routinen: Man hat einen verrückten Tagesablauf, insbesondere was Schlaf- und Essenszeiten betrifft. Einfach die Art und Weise, wie man als Musikerin lebt und arbeitet. Hier in New York gibt es mehr Leute als in Stockholm, die dasselbe machen wie ich.</p>
<p><strong>Welche Unterschiede gibt es sonst noch, wenn man als Songwriterin in New York statt in Schweden lebt?</strong></p>
<p>Ich kann als Songwriterin und Musikerin eigentlich überall arbeiten. Es geht mehr darum, sich im Moment an dem Ort, wo man lebt, wohl zu fühlen. Ich habe auch einmal für zwei Jahre in der Schweiz gelebt. Es waren zwei sehr gute Jahre. Ich habe dort viele Lieder geschrieben und war total glücklich. Hier in New York gibt es allerdings mehr Songwriter als in Schweden. Der Wettbewerb ist deshalb sehr hart und das Niveau sehr hoch. Fantastische Musiker spielen hier auf kleinen Bühnen und kämpfen um ihren Platz.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Bist du zum Studium in die Schweiz gekommen?</strong></p>
<p>Ja, ich wollte immer Französisch lernen und aus irgendeinem Grund bin ich dann in Lausanne gelandet. Zudem hat meine Familie während ein paar Jahren in der Schweiz gelebt und da dachte ich mir, ich könnte ebenso gut in der Schweiz studieren. Ich habe während anderthalb Jahren an der Universität in Lausanne studiert und habe es wirklich genossen. Als Studentin war Lausanne ein fantastischer Ort für mich. Das ist aber schon lange her.</p>
<p><strong>Wann war das genau?</strong></p>
<p>Im Jahr 1999 bin ich in die Schweiz gekommen. Da war ich gerade 20 Jahre alt.</p>
<p><strong>Was hat dir in der Schweiz besonders gut gefallen?</strong></p>
<p>Der Alltag als Studentin und der Lac Léman waren natürlich fantastisch. Die Schweiz hat mir aber auch als Ganzes sehr gefallen: Ich hatte das Gefühl, im Zentrum der Dinge zu stehen. In Stockholm hat man dieses Gefühl nicht. Man ist dort irgendwie abgeschnitten vom Rest Europas. Ich erinnere mich daran, wie einfach das Reisen war, wie schnell man andere Orte erreicht hat. Die schwedische und die Schweizer Mentalität sind zudem sehr ähnlich. Es war für mich deshalb keine grosse Veränderung, in die Schweiz zu ziehen. Ich habe mich dort sehr schnell zuhause gefühlt. Man weiss ja nie, für wie lange man irgendwo landet. Ich hätte mir aber vorstellen können, längere Zeit in Lausanne zu leben und ich habe immer noch Freunde, die dort wohnen.</p>
<p><strong>Gibt es an deinem heutigen Wohnort New York Dinge, die du aus deinem Heimatland Schweden vermisst?</strong></p>
<p>Ich denke nicht, dass man vor seinen Wurzeln wegrennen kann. Der Bezug und die Bindung zu seinem Heimatland sowie die Erinnerungen, beispielsweise an die Gerüche, das Essen oder das Wetter, bleiben. Natürlich vermisse ich meine Familie. Stockholm ist auch kleiner und sauberer als New York. Man kann mit dem Fahrrad unterwegs sein und überall in der Stadt schwimmen gehen. Das gibt einem ein Gefühl von Freiheit. Es ist einfach, herumzukommen und das Leben ist ganz allgemein einfacher. New York ist überfüllter, dreckiger und sehr teuer. Das Leben ist in New York eher ein Kampf. Alle Leute erfahren das auf eine gewisse Art und Weise, ob man jetzt Musiker ist, in einem Restaurant arbeitet oder versucht, ein Geschäft aufzubauen. Dieser Kampf gibt der Stadt aber auch eine enorme Energie. Diese Energie ist so stark, manchmal scheint es, man könne sie anfassen. Das kann man in Stockholm nicht.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-9670" title="Anna1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/10/Anna12.jpg" alt="Anna1" width="550" height="423" /></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Also gibt dir diese Energie Inspirationen für deine Lieder?</strong></p>
<p>Ja, aber diese Energie hat irgendwie auch eine seltsam beruhigende Wirkung auf mich. Ein Teil der Arbeit als Songwriterin ist sehr introvertiert. Ich verbringe viel Zeit alleine und schreibe. Dann mache ich die Türe zu, schliesse mich von meiner Umwelt aus und versuche, aus mir herauszubekommen, was mich tief in meinem Innern beschäftigt. Wenn es mir dann schwerfällt, alleine zu sein, oder ich frustriert bin, habe ich gleich draussen vor der Tür tausend Dinge, die auf mich warten. Für den Schreibprozess ist dies ideal: Ich kann mir draussen in der Stadt Inspirationen holen, kann aber auch meine Ruhe haben. Zudem muss ich nicht das Gefühl haben, etwas zu verpassen, weil sowieso immer etwas läuft (lacht).</p>
<p><strong>Es gibt eine nette Anekdote, dass es in der Nacht, als du 1978 geboren wurdest, einen kompletten Stromausfall gab und du im Licht von Taschenlampen zur Welt gekommen bist. Deshalb würdest du Lieder für die nächtlichen Stunden schreiben. Bist du aus diesem Grund auch in der Nacht am kreativsten? </strong></p>
<p>Es stimmt nicht ganz, dass ich meistens in der Nacht schreibe. Ich mache das zwar gerne, schreibe aber auch oft am Morgen. Wenn ich auf Tour bin, lebe ich in der Nacht, gehe spät zu Bett und schlafe am Morgen. Wenn ich aber zuhause bin, liebe ich es, früh aufzustehen und das erste Morgenlicht zu sehen. Die ruhigen Morgenstunden sind sehr angenehm, um Lieder zu schreiben. Es wurde mir aber oft gesagt, dass meine Musik zu den nächtlichen Stunden passt und die Zuhörer sozusagen auf eine nächtliche Reise schickt. Die Nacht ist eine gute Zeit, alles andere rundherum auszuschalten und der Musik wirklich zuzuhören.</p>
<p><strong>Man hat dann die Ruhe, sich wirklich auf die Musik zu konzentrieren&#8230;</strong></p>
<p>Ja genau. Deshalb mag ich es, in der Nacht Radio zu hören. Es ist so ruhig rundherum. Man hört sich die Lieder an, achtet auf den Text und erfährt, was die Musiker einem sagen wollen.</p>
<p><strong>Eine gebrauchte Gibson-Gitarre aus den 30-er Jahren, die du in einem Geschäft in Brooklyn entdeckt hast, sei für den Entstehungsprozess deines neuen Albums sehr wichtig gewesen. In welcher Art und Weise war diese Gitarre so wichtig für dich?</strong></p>
<p>Es gibt keine bestimmten Regeln oder Methoden, um einen kreativen Prozess in Gang zu setzen. Es ist eher etwas, wonach man suchen muss: Eine Kombination von purem Zufall und einer Absicht, die man hegt. Ich wollte diesmal ein eher gitarrenlastiges, musikalisch reduziertes Album machen. Das lag daran, dass während der meisten Zeit, die ich als Musikerin verbringe, die Gitarre mein wichtigstes Arbeitsgerät ist. Ich gebe viele akustische Konzerte. Bisher habe ich jedoch nie eine Platte gemacht, die das wirklich widergespiegelt hat. Früher habe ich meinen Gitarren auch nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt, denn ich bin eigentlich zuallererst eine Songwriterin und keine Gitarristin. Diesmal habe ich aber ein Instrument gesucht, welches zu den Liedern passt, die ich geschrieben habe. Ich hatte einen gewissen Klang im Kopf. Deshalb habe ich meine Augen offen gehalten. Immer, wenn ich an einem Gitarrenladen vorbeikam, bin ich hineingegangen und habe mich umgeschaut. Dann habe ich diesen fantastischen Gitarrenladen in Brooklyn gefunden. Es ist schwer zu beschreiben, aber als ich diese Gibson-Gitarre sah und in den Händen hielt, hatte ich das Gefühl, sie sei wie für mich gemacht. Zudem tönte sie genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Deshalb habe ich mir die Gitarre gleich gekauft und entschieden, dass sie der Ausgangspunkt für meine neue Platte sein wird und ich die Lieder um diese Gitarre herum aufbauen werde.</p>
<p><strong>Deine neue Platte „The night visitor“ wurde von Matt Sweeney produziert, der auf deinem letzten Album „Leaving on a mayday“ auf einigen Songs Gitarre gespielt hat. Wie kam es dazu, dass er nun für die Produktion des neuen Albums verantwortlich war?</strong></p>
<p>Das war purer Zufall. Ich hatte mir meine neue Gitarre gekauft und zu Beginn etwas Mühe damit, herauszufinden, wie man am besten darauf spielt. Ich habe deshalb Matt Sweeney angerufen, weil ich finde, dass er auf meinem letzten Album grossartig gespielt hat. Er hat mir Gitarrenstunden gegeben und mir geholfen, die neuen Lieder zu arrangieren. Wir haben uns also getroffen und zusammen musiziert. Das hat so viel Spass gemacht. Wir haben uns sehr gut verstanden, es gab eine grossartige Energie zwischen uns. Man hat eine gewisse Idee, wie ein Lied klingen soll und die andere Person versteht einen, ohne dass man sich immer gleich in Worten ausdrücken muss. Irgendwann hat Matt gesagt: „Hey, ich denke, ich sollte deine neue Platte produzieren.“ Er war es auch, der vorgeschlagen hat, nach Nashville zu gehen und die Platte im Studio von Dave Ferguson aufzunehmen, der an den „American Recordings“ von Johnny Cash mitgearbeitet hat und ein fantastischer Toningenieur ist.</p>
<p><strong>Warst du zum ersten Mal in Nashville oder hast du dort bereits Konzerte gegeben?</strong></p>
<p>Ich war zuvor noch nie in Nashville und wusste deshalb nicht, was mich dort erwartete. Da ich mir nicht wirklich Country-Musik anhöre, hatte ich nie den Wunsch, wegen der Musik nach Nashville zu fahren.Die ersten Tage in der Stadt war ich vor allem im Butcher Shoppe-Studio. Dieses liegt in einem alten Fabrikgebäude auf einer Anhöhe etwas ausserhalb der Stadt und wir waren dort sozusagen in unserem eigenen Universum. Vom Studio aus konnte man aber die Skyline von Nashville sehen. Bis ich das Nashville, von dem alle reden, erlebt habe, brauchte es deshalb seine Zeit. Nashville kann man aus verschiedenen Perspektiven betrachten: Das, was sich viele Leute unter Nashville vorstellen – die Musikwelt, Bars, welche 24 Stunden geöffnet sind, in denen pausenlos Musiker singen und Gitarre spielen – fühlt sich wie ein Teil von Nashville an, der sich infolge des Tourismus so entwickelt hat. Die ganze Musikindustrie-Seite Nashvilles ist eine Art Fabrik: Musiker gehen in ein Studio und nehmen innerhalb von fünf Tagen ihre Platte auf. Dann gibt es auf der anderen Seite ein Nashville, dessen Einwohner gar keinen Bezug zur Country-Musik haben. Sie sind beispielsweise nach Nashville gezogen, weil es dort eine grosse Universität gibt. Zudem sind die Häuser günstig. Ich kenne einige Leute aus New York, die nach Nashville umgezogen sind, weil sie dort mehr Raum für ihr Geld erhalten.</p>
<p><strong>Auf deiner neuen Platte haben viele bekannte Musiker mitgewirkt: Neben dem legendären Cowboy Jack Clement, der auf dem Album Dobro spielt, unter anderem auch Will Oldham, besser bekannt unter dem Namen Bonnie „Prince“  Billy. Er singt auf „Walking Aimlessly“, „Bow your head“ und „All Shadows“ im Hintergrund mit. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?</strong></p>
<p>Es war grossartig. Ich habe ihn zuvor schon mal in einer Bar in New York getroffen, nach einem seiner Konzerte. Er ist zudem mit Matt Sweeney befreundet. Die beiden haben in der Vergangenheit oft zusammen gearbeitet, auch mit Dave Ferguson. Will Oldham hat ausserdem ein Album des schwedischen Musikers Nicolai Dunger produziert, der ein Freund von mir ist und dessen Musik  ich sehr gerne mag. Will kam also eines Tages im Studio vorbei und hat die Background Vocals eingesungen. Ich bin ein ziemlich grosser Fan von ihm und bin deshalb sehr glücklich, dass er bei meinem neuen Album mit von der Partie ist. Er ist ein fantastischer Songwriter und hat diesen klassischen, amerikanischen Melodie-Sound. Man hat das Gefühl, seine Lieder seien schon vor Ewigkeiten entstanden.</p>
<p><strong>Dein neues Album „The Night Visitor“ besteht aus wunderschönen Folk-Balladen, die ebenfalls durch eine zeitlose Schönheit bestechen. Ich habe gelesen, dass das irische Folk-Lied „Night Visiting Song“ von Luke Kelly die Inspiration für den Titel deiner neuen Platte war. Inwiefern hat der „Night Visiting Song“ nicht nur den Titel sondern auch die Produktion deines neuen Albums inspiriert? </strong></p>
<p>Die Melodien und Harmonien von alten Folk-Songs wie dem „Night Visiting Song“ oder „Scarborough Fair“ haben mich seit jeher angezogen und mich inspiriert. Mein Songwriting kommt aus dieser Folk-Tradition. Beim neuen Album ist dies nun offensichtlicher, denn es ist eher eine Folk- als eine Pop-Platte. „The Night Visiting Song“ hat wie die Musik des soeben verstorbenen schottischen Songwriters Bert Jansch – vor allem die Art und Weise wie dieser Gitarre spielte –  mein neues Album direkt inspiriert und „The Night Visitor“ ist ein Titel, welche die Stimmung der Platte gut erfasst.</p>
<p><strong>Es gibt auf der neuen CD zwei Cover-Versionen, „The Longer the Waiting, the sweeter the kiss“ und „Dearest Dear“&#8230;</strong></p>
<p>„Dearest Dear“ ist ein alter, traditioneller Folk-Song, den fast niemand kennt. „The longer the waiting, the sweeter the kiss“ tönt zwar wie ein alter Folk-Song, ist aber vor noch nicht allzu langer Zeit geschrieben worden. Einer der Songwriter, Pat Mc Laughlin, hat auch auf meiner neuen Platte mitgespielt. Nachdem wir dieses Lied eines Tages entdeckt hatten, haben wir im Studio einfach die Gitarren in die Hand genommen und das Lied gespielt. Es war so direkt und wunderschön, dass ich sofort gesagt habe: „Dieses Lied sollten wir aufnehmen“. Es war nicht etwas, das wir geplant hätten. Es ist einfach so passiert und das Lied hat nun seinen Platz auf der Platte gefunden.</p>
<p><strong>Gibt es ein übergreifendes Thema, welches die Lieder auf der neuen Platte verbindet? </strong></p>
<p>Seit ich zehn Jahre alt bin, sind Musik und das Schreiben von Liedern eine Art notwendige Konsequenz meines Lebens. Ich habe jedoch nie für ein spezielles Thema geschrieben oder mir bereits während des Schreibens der Lieder Gedanken über das Konzept eines Albums gemacht. Ich schreibe über Dinge, die mich persönlich berühren. Das kann alles sein: Persönliche Erfahrungen, Erfahrungen von Menschen um mich herum, oder ich lese in der Zeitung etwas, das mich anschliessend zum Schreiben inspiriert. Es gibt in dieser Hinsicht also keinen Unterschied zum vorherigen Album. Ich bin nur etwas älter und reifer geworden und habe neue Menschen getroffen. Ach ja, vor ein paar Jahren habe ich mal für das Stadttheater in Göteborg Musik zu einem bestimmten Thema geschrieben. Das hat Spass gemacht, war aber etwas komplett Anderes als das, was ich sonst mache. Wer weiss, vielleicht mache ich auch einmal eine solche Platte, die nur aus Liedern zu einem bestimmten Thema besteht. Wenn ich die Lieder meines neuen Albums aber in einem Wort zusammenfassen müsste, dann denke ich, dass meine Musik die Gefühle einer gewissen Sehnsucht einfängt. Wonach, kann ich nicht präzis sagen. Ich mag es eben nicht so, zu viel über meine Musik preiszugeben.</p>
<p><strong>In deinen Konzerten leitest du die Lieder aber gerne mal mit kurzen Erklärungen ein. Ich finde das interessant, denn so erhält man manchmal einen anderen Zugang zu einem Lied. Beim Hören macht man sich seine eigene Gedanken und dann merkt man plötzlich, dass das Lied eigentlich eine ganz andere Bedeutung hat. </strong></p>
<p>Das verstehe ich total. Man kann so den Zuhörern neue Hinweise, Ideen geben oder sie in eine gewisse Richtung weisen. Das kann dazu führen, dass jemand mit dem Lied eine tiefere Erfahrung macht. Aber ich möchte nicht zu viele Details preisgeben oder die Geschichten genau so erzählen, wie sie sich zugetragen haben. Wenn eine Geschichte zu einem Lied wird, ist sie bereits verändert und jedermann macht sie dann zu seiner eigenen Geschichte.</p>
<p><strong>Bei „All Shadows“, einem deiner neuen Lieder, habe ich mich beispielsweise gefragt, wer mit „the one“ gemeint sein könnte (This is the one/who knows no regret/ who knows who you are/ you never met/ but one day it finds you wherever you are).</strong></p>
<p>Dieses Lied hatte eigentlich eine sehr klare Absicht. Vielleicht ist es am Ende nun sehr unklar geworden. Es ist ein Lied über Menschen, die alles haben und andere Menschen, die nichts haben. Jetzt wird es aber politisch und eigentlich möchte ich das ja nicht mit meiner Musik mischen. Die sollte eigentlich romantisch sein (lacht). Es geht um eine sehr kleine, privilegierte Gruppe von Menschen, die auch schon mal die Wahrheit erfindet und die Regeln für die anderen Menschen aufstellt. Es geht um Machstrukturen, wobei „the one“ für eine bestimmte Person oder auch für mehrere Personen stehen kann.</p>
<p><strong>Eines weiteres neues Lied heisst „Walking aimlessly“ (Ziellos umherlaufen). Ist dies eine Art Motto von dir?</strong></p>
<p>Ich denke ja. Wenn man sich einfach treiben lässt, realisiert man manchmal gewisse Dinge besser. Mir wurde auch schon gesagt, dass es mir schwerfallen würde, mich für etwas zu entscheiden. Es gibt dir Zeit, um darüber nachzudenken, was du machen möchtest. Es ist wichtig für mich und entspannt mich. Man muss aber jeglichen Lärm aussperren und sich selber gut kennen, um sich treiben zu lassen und um hören zu können, was in einem selber vorgeht.</p>
<p><strong>Der Song „Bow your head“ ist eine Art Ode an die Schönheit der Natur. Was gefällt dir in der Natur am besten oder wo in der Natur fühlst du dich am wohlsten?</strong></p>
<p>Die Natur macht einen demütig. Eigentlich sind wir sehr klein und in den Händen der Natur – und nicht umgekehrt. Ich wandere gerne in den Bergen oder durch den Wald. Ich bin damit aufgewachsen, in der Natur zu sein. An den Wochenenden sind wir oft entlang den Seen eislaufen oder in die Berge wandern gegangen. Oder wir gingen in den Wald, wo man seltsame Pilze finden und pflücken kann – wenn man das mag (lacht). Hier in New York ist es ein bisschen schwieriger. Manchmal nehme ich den Zug, der dem Hudson River entlangfährt. In weniger als einer Stunde ist man so draussen in der Natur und kann seine Ruhe geniessen. Das lädt deine Batterien auf und macht die Probleme kleiner. Wenn man so ein Glück hat wie ich, genug zu essen und ein Dach über dem Kopf und das machen kann, was man wirklich liebt, dann erscheinen die Probleme, die man manchmal hat, einfach lächerlich.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Nächstes Jahr gehst du wieder auf Tour. Die Konzerte sind als „acoustic stripped down shows“ angekündigt. Spielst du solo oder werden noch andere Musiker dabei sein? </strong></p>
<p>Ja, nächstes Jahr werde ich mehr oder weniger nonstop auf Tournee sein und auch in der Schweiz Konzerte geben. Ich habe die Konzerte als „acoustic stripped down shows“ angekündigt, um die Leute nicht zu verwirren. Es wird zwar mindestens ein zusätzlicher Musiker dabei sein, aber kein Schlagzeuger und auch keine komplette Band wie bei meiner letzten Tour. Aber es wird absolut fantastisch werden.</p>
<p>„The night visitor“ von Anna Ternheim ist ab 28. Oktober im Handel erhältlich (Universal Music).</p>
<p>Konzerttermine:</p>
<p>24. Februar 2012, Zürich, Kaufleuten<br />
 25. Februar 2012, Bern, Bierhübeli</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Im Netz:</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><a href="http://www.annaternheim.com/"><strong>www.annaternheim.com</strong></a><strong> </strong></p>
<p><a href="http://www.thenightvisitor.com/"><strong>www.thenightvisitor.com</strong></a><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<title>Nächtlicher Zauber, morgendlicher Kater</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/09/05/nachtlicher-zauber-morgendlicher-kater/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 11:04:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rico Steinemann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konzertberichte]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/09/05/nachtlicher-zauber-morgendlicher-kater/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/09/Vision2-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Die letzten Beats der Streetparade hallten wohl noch in einigen Köpfen nach, da lud das Vision-Festival schon zum nächsten sommerlichen Tanz auf die sogenannte Sonnenterasse in Sigriswil, hoch über dem Thunersee. Ein Szenario aus dem Bilderbuch für „Berner Oberland-Tourismus“, 8500 Tanzwütige und elektronische Clubmusik während 24 Stunden: Vision 2011 im nahaufnahmen.ch Bericht!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Nächtlicher Zauber, morgendlicher Kater</h1>
<div id="attachment_9585" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9585 " title="Vision2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/09/Vision2.jpg" alt="Alle Bilder: Andreas Frei" width="550" height="367" /><p class="wp-caption-text">Das Raumschiff Vision auf Zwischenhalt in Sigriswil. Alle Bilder: Andreas Frei</p></div>
<h2>Vision Festival, 20.8.2011, Sigriswil</h2>
<p><strong>Die letzten Beats der Streetparade hallten wohl noch in einigen Köpfen nach, da lud das Vision-Festival schon zum nächsten sommerlichen Tanz auf die sogenannte Sonnenterasse in Sigriswil, hoch über dem Thunersee. Ein Szenario aus dem Bilderbuch für „Berner Oberland-Tourismus“, 8500 Tanzwütige und elektronische Clubmusik während 24 Stunden: Vision 2011 im nahaufnahmen.ch Bericht!</strong></p>
<p>Eiger, Mönch und Jungfrau thronen majestätisch im goldigen Abendlicht, die letzten Sonnenstrahlen spiegeln sich im Thunersee, nur schon die 20-minütige Postautofahrt von Thun nach Sigriswil hält genügend pittoreske Eindrücke bereit, um jede asiatische Touristengruppe zu befriedigen. Bei der Ankunft auf dem Vision-Gelände in Sigriswil wird schnell klar, warum die Veranstalter für einmal kurz sesshaft geworden sind. Die Location könnte nicht besser sein. Wunderbar eingebettet in die Natur, mit grandioser Aussicht und trotz dem hügeligen Gelände einer grossen, ebenen Tanzfläche vor der Main Stage. Mit einbrechender Dunkelheit entfaltet sich dann der ganze Zauber der Vision. Aufwändige Visuals werden auf umliegende Bäume und das Zelt, welches die kleinere Stage 2 enthält, projiziert und sorgen für ständig wechselnde Lichtspielereien. Über der Main Stage bilden schwebende Luftballons ein durchlässiges „Dach“, es hat wehende Fahnen und brennende Finnenkerzen, deren Rauch die Mainstage bald in einen neblig mystischen Ort verwandeln.</p>
<div id="attachment_9586" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9586 " title="Zelt1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/09/Zelt1.jpg" alt="Zelt1" width="550" height="367" /><p class="wp-caption-text">Tanzzelt Nr. 1. Musikalisch und visuell abwechslungsreich. </p></div>
<p><strong>Zwischen hartem Minimal, Nina Simone und Marvin Gaye!</strong></p>
<p>Natürlich steht auch an der Vision neben all den visuellen Anreizen, der schönen Location und den Chai-Zelten, die Musik im Mittelpunkt. Es ist ein El Dorado für jeden Anhänger der elektronischen Clubmusik. Ein grosser Spielplatz für Erwachsene, der einem an drei verschiedenen Stages, Livebands oder DJs präsentiert, die immer dafür sorgen, dass der Beat niemals aufhört. Das ist herrlich verspielt, melodiös und warm, wie bei Dirty Doerig, ehemaliger Bar25 Resident, im Tanzzelt Nr. 1. Oft bedienen sich die DJs für die housigen Tracks im Fundus der schwarzen Musiktradition, man hört Remixe von Marvin Gayes „What’s going on“ oder Nina Simones „Funkier than a mosquito tweeter“ und kommt so erfreulich in den Genuss von Stimmen, die man an der Vision eher nicht erwartet hätte. Abwechslungsreich zeigt sich auch das erstmals an der Vision vertretene Zelt des Zürcher Clubs Hive, das ebenfalls ohne Scheuklappen das gesamte Spektrum elektronischer Musik abdeckt und somit für all jene zum sicheren Tanzhafen wird, die mal eine kurze Minimalpause brauchen. Sogar ein Remix von Barry Levys „Under mi sensi“ findet hier Platz, Reggae und die Vision, darauf muss man erstmal kommen. Anders dagegen die Main Stage, hier regiert Minimal der härteren Gangart, der mit zunehmendem Fortschreiten der Nacht zu einem Einheitsbrei zu verkommen droht.</p>
<p><strong>Schöne neue Extrawelt!</strong></p>
<p>Definitiv nicht in diesen Einheitsbrei gehört hingegen das deutsche Duo Extrawelt. Arne Schaffhausen und Wayan Raabe wollen sich nach eigener Aussage, „etwas trauen, große Sounds und mehr Melodien wagen. Sonnenaufgangs-Szenario, Energie, Revolution und Kaputtheit, all das sind Teile der Extrawelt“. Besser als in ihren eigenen Worten, kann man ihr Set nicht beschreiben. Immer treibend, immer fordernd, (man merkt ihnen die Goa-Psytrance-Vergangenheit an), trotzdem auch „Melodien“ und jede Menge „Sonnenaufgangs-Szenarios“. Als unbestrittener Höhepunkt auf der Main Stage, lockte das norddeutsche Duo die irrwitzigsten Töne aus ihren Rechnern und liess das Visionpublikum euphorisch und ausgelassen zurück.</p>
<div id="attachment_9587" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9587" title="Extrawelt" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/09/Extrawelt.jpg" alt="Extrawelt" width="550" height="367" /><p class="wp-caption-text">Grossartiges Highlight der Mainstage: Extrawelt</p></div>
<p><strong>Frühstück mit Sven</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Während mit der aufgehenden Sonne, die trockene, warme und sternenklare Nacht zu Ende geht und sich ein weiterer Hitzetag ankündigt, lichten sich langsam die Reihen. Platz gabs die ganze Nacht überall mehr als genug, doch nun stehen und tanzen bald nur noch die hartgesottenen Druffies. Headliner Sven Väth beginnt sein Set um 09:00 morgens zum Frühstück, das entfernte Wummern des 4/4 Taktes dringt bei den einen durch die Zeltwand und löst bei anderen (immer noch) euphorische Jubelschreie aus. Der nächtliche Zauber ist bei Tageslicht verflogen, es zeigen sich nun die Spuren der letzten Nacht, nicht nur auf dem Festivalgelände, sondern auch in den Gesichtern der Besucher. Langsam pilgert der Grossteil der (gemäss Sanität) 8500 Besucher in Richtung Festivalshuttle und somit zurück in die Zivilisation. Sven Väth hin oder her, irgendwann „isch gnueg Heu dune!“</p>
<div id="attachment_9588" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9588" title="sunrise" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/09/sunrise.jpg" alt="sunrise" width="550" height="367" /><p class="wp-caption-text">Die Sonne geht auf, Headliner Sven Väth und sein Set sind noch 3 Stunden entfernt.</p></div>
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		</item>
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		<title>&#8220;Ich habe 12 Jahre lang Musik gemacht, ohne dass irgendetwas passiert wäre.&#8221;</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/08/29/ich-habe-12-jahre-lang-musik-gemacht-ohne-dass-irgendetwas-passiert-ware/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Aug 2011 17:24:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon Sigg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/08/29/ich-habe-12-jahre-lang-musik-gemacht-ohne-dass-irgendetwas-passiert-ware/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/P1040375-600x450.jpg class=imgtfe hspace=10 align=left width=150  border=0></a>Soeben erst zurückgekehrt von einer fantastischen Nordamerika-Tournee, zaubert sich das traumhaft elektronische Musikerlebnis Trentemøller schon wieder durch Europas Bühnen. Vor dem Konzert am For Noise Festival konnte sich nahaufnahmen.ch mit einem gut gelaunten Anders Trentemøller auf ein Gespräch treffen über das Leben auf Tournee, die musikalische Heimat und entscheidende Momente.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>&#8220;Ich habe 12 Jahre lang Musik gemacht, ohne dass irgendetwas passiert wäre.&#8221;</h1>
<div id="attachment_9503" class="wp-caption aligncenter" style="width: 559px"><img class="size-large wp-image-9503 " title="Trentemoller inti 1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/P1040375-600x450.jpg" alt="Trentemoller inti 1" width="549" height="412" /><p class="wp-caption-text">Ein Mann und seine Vision: Anders Trentemøller.</p></div>
<p><span style="font-size: medium;">Interview                 Trentemøller, For Noise, 19.8.2011</span></p>
<p><strong>Soeben erst zurückgekehrt von einer fantastischen Nordamerika-Tournee, zaubert sich das traumhaft elektronische Musikerlebnis Trentem</strong><strong>øller </strong><strong>schon wieder durch Europas Bühnen. Vor dem Konzert am For Noise Festival konnte sich nahaufnahmen.ch mit einem gut gelaunten Anders Trentem</strong><strong>øller </strong><strong><span style="font-size: small;">auf ein Gespräch treffen </span>über das Leben auf Tournee, die musikalische Heimat und entscheidende Momente.</strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Ich habe dich vor einem Monat am Gurten Festival gesehen, was für Schweizer Verhältnisse ein ziemlich grosses Festival ist, und nun spielst du hier an diesem kleinen Festival For Noise. Was ist dir lieber?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller:<strong> </strong>Ich mag eigentlich beides, aber ich mag wirklich, wenn es klein und intim ist, weil du dann das Publikum mehr spüren kannst und auch Augenkontakt herstellen kannst. Das ist wirklich wichtig für mich, denn immer während den ersten Liedern versuche ich bestimmte Leute im Publikum zu fokussieren, um zu schauen wie sie auf die Musik reagieren. Das ist immer ein guter Fixpunkt.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Und das geht eher an kleinen Konzerten?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Ja, weil es einfacher ist. Aber wir haben dieses Jahr auch ein fantastisches Konzert am Coachella Festival gespielt, das mit 30&#8242;000 Zuschauern ja ein riesiges Festival ist, und auch da war diese spezielle Atmosphäre. Ich denke, es hängt einfach davon ab, ob das Publikum musikalisch aufgeschlossen ist, und da hatten wir bisher mit unseren Konzerten bisher immer grosses Glück!</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Sogar in den Staaten?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Ja, ja! Wir haben 18 Konzerte gespielt dieses Jahr, alle waren ausverkauft. Wir gehen im Oktober nochmals auf eine grosse Tournee und machen 24 Konzerte in einem Monat! Also werden wir fast jeden Tag spielen, das wird zwar hart, aber ich freue mich wirklich, denn ich mag es zu touren. Wir haben einen grossen Bandbus und ich liebe es einfach, jeden Abend ein Konzert zu spielen und in einer neuen Stadt aufzuwachen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> nahaufnahmen.ch</strong>: Habt ihr denn auch etwas von den Städten, findet ihr Zeit irgendwas zu tun?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Ja, denn wir spielen jeweils am Abend, und fahren 2 Stunden später los, und am Morgen sind wir schon in der neuen Stadt, und ziehen dann – abhängig von der Anzahl Verkaterten – los. Und unsere Crew macht dann den Soundcheck, daher ist es für uns meistens sehr angenehm.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> nahaufnahmen.ch</strong>: Du machst so unterschiedliche Musik, dein neues Album im Unterschied zum alten, dazwischen Compilations und Remix-Alben. Wo fühlst du dich musikalisch zuhause?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Mein Hauptfokus sind meine Studio-Alben, und sie dann live zu spielen. Was ich am meisten mag, ist zu komponieren und produzieren. Es ist ein recht einsamer Prozess, denn ich mache alles alleine, spiele auch viele Instrumente selber ein, daher wird es meistens in der Nacht gemacht, so kannst du auch nicht gestört werden. Dies ist manchmal ein rechter Clash zu wenn wir die Lieder dann mit der Band vor 20&#8242;000 Leuten spielen. Das ist ein grosser Unterschied zu wenn ich sie alleine in meinem Studio aufnehme, aber beides ist wichtig, denn sonst würde ich, glaube ich, ein wenig komisch werden, wenn ich nur in meinem Studio sitzen würde. Auch ein wenig die Kontrolle über die Lieder zu verlieren, und die Band spielen zu lassen und auf Inputs zu hören, ist gut für den musikalischen Prozess.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wie sehr lässt du das zu?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Also am Anfang, wenn wir zu proben beginnen, zeige ich ihnen genau, was sie spielen müssen, denn ich habe diese Vision, wie es tönen soll. Aber wenn wir so 8 –10 mal gespielt haben, sage ich ihnen, sie sollen mit ihren eigenen Vorschlägen kommen, nachdem sie ihre Teile gelernt haben, und dann ändert die Musik meistens ziemlich stark. Ich habe letztens die Aufnahmen gesehen von vor einem Jahr, und das tönt völlig anders als was wir jetzt machen, denn wir sind die ganze Zeit ein bisschen am verändern, ändern die Setlist. Wir merken langsam, wie das Publikum ist, was geht und was nicht, und passen dies entsprechend an, aber es ist ein langer Prozess, der ständig weitergeht, und ich mag es wirklich, dass wir nicht ein Konzert spielen, das immer gleich ist, sondern uns ständig weiterentwickeln.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_9507" class="wp-caption aligncenter" style="width: 559px"><img class="size-full wp-image-9507" title="Trentemoller Inti 2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/IMG_9511_2.JPG" alt="Trentemoller Inti 2" width="549" height="365" /><p class="wp-caption-text">Kombination von atemberaubender Musik mit stetig wechselnden Lichteinlagen.</p></div>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wenn ich den Prozess deiner Arbeit betrachte, und den Trend beobachte hin zu deinem ruhigeren, eher melancholischen Elektro: Ist dies, weil du einfach andere, ruhigere Musik machen wolltest, oder weil allgemein, auch beim Publikum, eine gewisse Sättigung und Suche nach neuer Musik vorhanden ist?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Ich sehe meine Musik nicht als langsam, denn es hat auch ziemlich viele uptempo-Tracks auf dem Album, aber dieser elektronischer Mix gemischt mit Indie-Style ist einfach natürlich für mich. Das, was Sinn macht. Und ich versuche einfach qualitativ gute Musik zu machen. Ich habe definitiv mit eher clubbigem Sound begonnen, aber davor habe ich in Indie-Rock-Bands gespielt. Ich hatte schon immer ein Bein in der Indie-Szene und ein Bein in der Rave-Szene, und jetzt kann ich sie zusammenmixen. Ich liebe daran, dass es nicht nur ein Style ist, und ich machen kann, was immer ich will.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Was war der Moment, als du gefühlt hast, dass du mit Trentemoller etwas grossartiges erschaffst?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Das war, als ich richtig überrascht wurde vor 7 Jahren. Ich hatte eine Demo aufgenommen, etwas das ich nicht gedachte, je zu veröffentlichen. Aber ein paar von meinen Freunden brannten eine CD und brachten sie zu einem Typen vom Amedian Festival in Kent, und plötzlich wurde eines meiner Lieder unter Vertrag genommen, und dann begannen mir wildfremde Leute aus den Staaten, Mexiko, Brasilien, E-Mails zu schreiben, und ich dachte: Wow, meine Musik ist jetzt draussen. Es war ziemlich komisch, aber natürlich war ich glücklich. Dann dachte ich einfach, ich hatte Glück, das sei jetzt dieses eine Lied, das hört wieder auf. Aber es ging einfach weiter, und ich machte weiter Musik wie immer. Aber weißt du, vorher hatte ich während 12 Jahren Musik gemacht, ohne dass irgendetwas passiert wäre, und ich habe mich wirklich abgemüht, und versucht, meinen eigenen Sound zu finden. Ich habe wirklich lange darum gekämpft, hatte kein Geld, habe in einem Kindergarten gearbeitet, nur um mir einen neuen Sampler kaufen zu können.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Hast du immer dran geglaubt, dass du es einmal schaffen würdest?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Ich habe nicht daran gedacht, es schaffen zu können. Für mich ist Musik eine Passion, mit der ich nicht aufhören kann. Auch wenn niemand meine Musik kauft oder hört, würde ich weitermachen. Manchmal gibt es Momente, wo ich melancholisch bin, und dann ist Musik zu machen ein guter Weg, um meine Gefühle zu erklären. Eher als ein Gedicht zu schreiben oder so, ich bin nicht so gut mit Lyrics, also ist Musik definitv etwas, das ich persönlich benutze.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Du lebst in Copenhagen. Wie ist die Musikszene da?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Im Moment ist sie sehr gut. In den letzten drei, vier Jahren, ist sie regelrecht explodiert. Ich habe noch nie so etwas gesehen, denn vor 10 Jahren wollte jeder so tönen wie eine Band aus den Staaten oder der Insel, und dann schwappte die ganze Minimal Szene von Berlin über, und jeder wollte tönen wie eine Band aus Berlin. Aber jetzt haben die Leute neues Vertrauen gefasst in ihren eigenen Sound, und tönen nun eigentlich erst speziell, und es gibt sehr viele coole Bands, die aus Copenhagen oder Dänemark kommen. Und ich bin recht stolz darauf, was am geschehen ist. Früher war ich ein wenig beschämt, denn die einzige Band aus Dänemark, welche die Leute kannten war Aqua, „I’m a Barby girl“. Es gibt so viele talentierte Leute, und es ist heutzutage viel einfacher, deine Musik zu veröffentlichen, ohne die Hilfe der Major-Labels,</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Zum Abschluss würde ich dich gerne fragen, welches – neben dem Roskilde Festival natürlich – dein Lieblingsfestival ist?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Ja, Roskilde und auch Coachella dieses Jahr waren fantastisch. Aber dieses Festival hier scheint auch sehr, sehr gemütlich zu sein, ich mag die Atmosphäre hier mit nur einer Bühne, und richtig guten Bands. Ich bin ein grosser Fan der Blonde Redhead. Ich freue mich, sie nachher spielen zu sehen, und auch unsere Freunde von den Raveonettes haben gestern hier gespielt gestern. Es ist ein toller Ort, und ich spüre schon jetzt, dass es ein grossartiger Abend wird. Es gibt gute Vibes hier.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Vielen Dank für das Gespräch!</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><a href="http://www.nahaufnahmen.ch/2011/08/25/for-noise/">Bericht For Noise Festival</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=8MPnF22b4GI">Trentemø<strong> </strong>ller &#8211; Shades of Marble</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=Q3Y-3B5Cq28">Trentemø<strong> </strong>ller &#8211; Moan</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=1iDhEWozfII">Trentemø<strong> </strong>ller &#8211; Silver Surfer, Ghost Rider, Go (Live @ Roskilde 2009)</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<title>Zwischen Konzertsaal und Technoclub</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Aug 2011 11:10:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rico Steinemann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konzertberichte]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/08/27/zwischen-konzertsaal-und-technoclub/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/BBF21-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Das Brandt Brauer Frick Ensemble zeigt wie man mit einem klassischen Orchester Techno auf die Bühne zaubert. Ein eindrückliches Experiment, das jedoch ein klein wenig Wucht vermissen lässt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Zwischen Konzertsaal und Technoclub</h1>
<div id="attachment_9518" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9518" title="BBF2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/BBF21.jpg" alt="Alle Bilder: Luka Beluhan" width="550" height="365" /><p class="wp-caption-text">Alle Bilder: Luka Beluhan</p></div>
<h2>Brandt Brauer Frick Ensemble, 12. 8. 2011, KKL, Luzern</h2>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Das Brandt Brauer Frick Ensemble zeigt wie man mit einem klassischen Orchester Techno auf die Bühne zaubert. Ein eindrückliches Experiment, das jedoch ein klein wenig Wucht vermissen lässt.</strong></p>
<p>Zu Beginn des Abends stellten Studenten der Schweizer Hochschulen der Künste (Basel, Zürich, Bern und Luzern) ihre audiovisuellen Beiträge zum Thema „Nacht“ vor, die für ausserhalb der Kunstszene verkehrende Menschen wohl unter dem Wort „abstrakt“ abgekanzelt würden. Der nur spärlich gefüllte Luzernersaal im KKL füllte sich gegen Mitternacht etwas mehr, es gab nun Bewegung auf der Bühne, das BBF Ensemble installierte sich.</p>
<p>Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick setzen sich mit ihren sieben Mitmusikern an ihre Instrumente und legen los ohne ein Wort zu verlieren. Ihre Musik spricht für sich selbst. Die kurze, knapp einstündige Live-Show, dient als Plattform zur Präsentation ihrer Debütscheibe „You make me real“. Schnell wird klar, dass sich hier ausgezeichnete Musiker gefunden haben, die sowohl die klassische Musik, als auch die Rhythmen der Clubs dieser Welt bestens kennen. Doch irgendwie vermag der Funke nicht so recht zu springen. Songs wie „Bop“, die sich während neun Minuten detailverliebt und verspielt zu einem clubwürdigen Abschluss aufbauen, werden handwerklich beeindruckend umgesetzt, doch es fehlt die letzte Wucht, vielleicht auch die Lautstärke, damit sich der Luzerner Saal in einen brodelnden Club verwandelt hätte. Was wohl auch gar nicht das Ziel war, denn wer das deutsche Trio tags darauf ohne Ensemble an der Lethargy spielen sah, weiss, dass sie zu dritt die Bässe wummern lassen, als gäbe es kein Morgen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-9519" title="BBF1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/BBF11.jpg" alt="BBF1" width="550" height="365" /></p>
<p>So bleibt der Eindruck von wunderbar begabten Musikern, die ihre Idee von der Heirat klassischer Musik mit Techno, gespielt von echten Instrumenten und ohne elektronische Unterstützung, eindrücklich umsetzen. Das dies mehr zum staunen, denn zum tanzen verleitet, muss im Rahmen des KKL nicht weiter stören.</p>
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