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	<title>nahaufnahmen.ch &#187; Interviews</title>
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	<description>Das Magazin im Netz</description>
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		<title>„Ich bin wohl eher eine dunkle Träumerin, die vom Licht träumt“</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Nov 2011 14:45:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Aebi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/11/16/sophie-zelmani-interview/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/11/SophieZelmani+1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Mit ihrem neusten Album „Soul“ ist Sophie Zelmani ihrem ganz eigenen Musikstil grösstenteils treu geblieben: Traumwandlerisch schöne, fragile, intime, von akustischen Gitarren dominierte Lieder mit poetischen und rätselhaften Texten. Als Farbtupfer fungieren diesmal ein Duett mit Daniel Lemma sowie ein paar vereinzelte Reggae-Einsprengsel. Im Mail-Interview mit Nahaufnahmen.ch erzählt die schüchterne Schwedin über magische Momente bei den Aufnahmen zum neuen Album, die alles verändernde Kraft der Liebe, Ratschläge an ihre Tochter und wieso sie bisher kein Live-Album veröffentlichen mochte. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>„Ich bin wohl eher eine dunkle Träumerin, die vom Licht träumt“</strong></h1>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong></p>
<div id="attachment_9788" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9788" title="SophieZelmani+1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/11/SophieZelmani+1.jpg" alt="Alle Bilder: Sony Music" width="550" height="740" /><p class="wp-caption-text">Alle Bilder: Sony Music</p></div>
<p></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<h2>Interview mit Sophie Zelmani</h2>
<p><strong>Mit ihrem neusten Album „Soul“ ist Sophie Zelmani ihrem ganz eigenen Musikstil grösstenteils treu geblieben: Traumwandlerisch schöne, fragile, intime, von akustischen Gitarren dominierte Lieder mit poetischen und rätselhaften Texten. Als Farbtupfer fungieren diesmal ein Duett mit Daniel Lemma sowie ein paar vereinzelte Reggae-Einsprengsel. Im Mail-Interview mit Nahaufnahmen.ch erzählt die schüchterne Schwedin über magische Momente bei den Aufnahmen zum neuen Album, die alles verändernde Kraft der Liebe, Ratschläge an ihre Tochter und wieso sie bisher kein Live-Album veröffentlichen mochte. </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Nahaufnahmen.ch: Sophie, wieso hast du deinem neuen Album den Titel „Soul“ gegeben?</strong></p>
<p>Sophie Zelmani: Meistens wählt man ja einen der Liedertitel als Titel für das Album und in so einem Fall hätten wir die Platte „My soul remembers“ genannt. Aber wir hatten das Gefühl, dass das Wort „Soul“ an und für sich sehr hübsch ist und eine eigene Kraft ausstrahlt. Und dann ist vielleicht diese Platte auch „souliger“ als gewöhnlich&#8230;</p>
<p><strong>Was bedeutet das Wort „Seele“ für dich? </strong></p>
<p>Das kann bei unterschiedlichen Gelegenheiten verschiedene Dinge bedeuten. Aber meistens bedeutet es wohl „von innen heraus“.</p>
<p><strong>Wie würdest du dein neues Album beschreiben?</strong></p>
<p>Man kann sagen, dass es eine Fortsetzung von „mir“ ist. Für mich fühlt es sich am natürlichsten an, einfach diejenigen Lieder zu empfangen, die aus mir herauskommen wollen. Ich hatte zwar am Anfang die Idee, mit dem Album eine bestimmte Richtung einzuschlagen, aber das funktionierte nicht.</p>
<p><strong>Das erste Lied auf dem Album heisst „Free Now“. Wie würdest du für dich „Freiheit“ definieren? </strong></p>
<p>Für mich bedeutet Freiheit, ein ehrliches Leben zu führen. Nicht zu akzeptieren, mit Lügen irgendeiner Art durchs Leben zu gehen, nur weil dies vielleicht bequemer wäre. Das macht einen unglücklich.</p>
<p>„<strong>For you“ ist ein Duett mit dem schwedischen Sänger Daniel Lemma. Wieso hast du gerade ihn als Duettpartner ausgewählt?</strong></p>
<p>Während ich dieses Lied schrieb, konnte ich gewissermassen Daniels Stimme bereits hören. Zudem finde ich, dass er eine in jeder Hinsicht fantastische Person ist. So ist es für mich eine grosse Ehre, dass er mitmachen wollte.</p>
<p><strong>Mit welchen anderen Sängern würdest du – wenn du die Möglichkeit hättest – gerne ein Duett aufnehmen?</strong></p>
<p>Vielleicht mit David Gray oder Jeff Bridges?</p>
<p><strong>Was ist mit „dieser Art von Liebe“ genau gemeint, welche du im Lied „I wouldn’t speak for him“ besingst?</strong></p>
<p>Diejenige Liebe, die einen für immer verändert und dazu führt, dass man sich richtig öffnen kann. Freilich hat nicht jede Liebe diese Kraft.</p>
<p><strong>Eines der neuen Lieder heisst „My daughter“. In einem Interview mit einer schwedischen Zeitung hast du über deine Tochter gesagt, dass sie ebenfalls tolle Lieder schreibe und besser Gitarre spiele als du. Falls deine Tochter später auch Musikerin und Sängerin werden möchte, welche Ratschläge würdest du ihr geben?</strong></p>
<p>Ich würde ihr sagen, dass sie das, was sie tut, mit dem Herzen tun soll. Dann macht sie die Dinge auf jeden Fall richtig. Sie soll sich auch nie mit anderen Menschen vergleichen. Vielleicht würde ich ihr ebenfalls den Ratschlag geben, dass sie nicht so faul und schwierig werden soll, wie ich es bin&#8230;</p>
<p>„<strong>Your soul remembers“, das letzte Lied auf deiner neuen Platte, ist mit über neun Minuten Spielzeit wohl das längste Lied, das du jemals aufgenommen hast. War es von Anfang an geplant, dem Lied dieses epische Ende zu verpassen oder ist dies spontan im Studio so entstanden?</strong></p>
<p>Ja, das war für uns eine magische Aufnahme. Niemand wusste, welchen Weg das Lied nehmen würde. Wir sind einfach unserer Inspiration gefolgt und haben gar nicht gemerkt, dass wir mehr als neun Minuten gespielt haben.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-9789" title="SophieZelmani3" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/11/SophieZelmani3.jpg" alt="SophieZelmani3" width="550" height="367" /></p>
<p><strong>Kannst du uns den Entstehungsprozess deines neuen Albums etwas genauer beschreiben?</strong></p>
<p>Ich bin ein paar Mal zu Lasse (Lars Halapi, seit Beginn ihrer Karriere Sophies Produzent, Anm. d. Red.) nach Südschweden gefahren, wo er wohnt und gleichzeitig sein Studio hat. Ich habe dort einige Zeit verbracht, bin in Ruhe in seinem Studio gesessen und habe Lieder geschrieben. Wenn ein Lied fertig war, konnte ich nach Lasse rufen und wir haben das Lied direkt eingespielt. Auf diese Art und Weise war es leicht, die vollkommene Stimmung eines Liedes einzufangen, da ich sozusagen immer noch mittendrin war. Einige Male kam auch die Band zu Besuch und wir haben Lieder gemeinsam eingespielt. Zum Schluss kamen einige Overdubs hinzu, wie Streicher und Chöre. Insgesamt dauerten die Aufnahmen einige Monate, vom Frühling bis zum Sommer. Im Medley Studio in Kopenhagen, das nur etwa eine Stunde von Lasses Studio entfernt liegt, haben wir das Album abgemischt. Das Medley Studio ist ungeheuer gemütlich und ein Besuch in Kopenhagen ist immer sehr schön.</p>
<p><strong>Welches waren die schönsten Momente während den Aufnahmen?</strong></p>
<p>Immer dann, wenn wir eine sozusagen magische Aufnahme hingekriegt haben. Wenn alle verstanden haben, dass wir dasselbe fühlten. Dann natürlich auch die Gemeinschaft, die gemeinsam verbrachten Abende, das Essen und der Wein&#8230;</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Du warst in den letzten fünf Jahren überaus produktiv und hast, zählt man das neue Album dazu, insgesamt vier Alben veröffentlicht. Welches waren die Gründe dafür, dass du in so kurzer Zeit so viele Lieder komponieren und aufnehmen konntest?</strong></p>
<p>Schwer zu sagen. Es sind sowohl die Lust, das Bedürfnis als auch die vorhandenen Möglichkeiten, welche den Schaffensprozess steuern. Es ist schwierig, die Lust aufzuhalten und sobald genügend Lieder beisammen sind, denkt man bereits an eine neue Platte. Ich möchte ja nicht, dass die Lieder liegenbleiben und alt werden.</p>
<p><strong>Wie stark wirst du beim Liederschreiben von Literatur inspiriert? </strong></p>
<p>Ich weiss es nicht. Aber ich lese heutzutage viel mehr als früher, meistens Bücher von schwedischen Autoren. Das Lesen ist sowohl eine Flucht als auch entspannend und Einsicht gebend. Zudem habe ich das Lesen von Gedichten schätzen gelernt.</p>
<p><strong>Wie viele Gitarren besitzt du und welches ist deine Lieblingsgitarre? </strong></p>
<p>Ich habe jetzt drei Gitarren. Eine „Auto- und Hotel-Gitarre“. Dann eine Martin-Gitarre, auf der ich nie spiele. Meine Lieblingsgitarre ist diejenige, die ich mir genau zu jenem Zeitpunkt gekauft habe, als ich meinen Plattenvertrag erhielt. Ich glaube, ich habe die Saiten dieser Gitarre schon mehr als acht Jahre nicht mehr gewechselt.</p>
<p><strong>Deine Schwester Charlotte hat in einer schwedischen Zeitung über dich gesagt: „Sophie hat die schönste Seele der Welt. Sie ist wirklich speziell, ein Engel. Nicht ganz von dieser Welt, eher ein Wesen als ein gewöhnlicher Mensch“. Inwiefern trifft diese Beschreibung auf dich zu?</strong></p>
<p>Ich würde dasselbe über meine Schwester sagen. Aber ich bin wohl eher eine dunkle Träumerin, die vom Licht träumt.</p>
<p><strong>Bevor dein neues Album erscheint, wirst du in Schweden drei Konzerte geben. Das Publikum wird die neuen Lieder zum ersten Mal hören. Bist du, was die möglichen Reaktionen des Publikums betrifft, nervös?</strong></p>
<p>Ja, ich bin nervös. Das bin ich immer. Aber ich hoffe, dass die Zuhörer meine neuen Lieder mögen und sie gut aufnehmen werden, obwohl sie diese zum ersten Mal hören werden.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ich finde, deine Konzerte sind pure Magie. Hast du je daran gedacht, ein Live-Album zu veröffentlichen?</strong></p>
<p>Danke vielmals, dass du das sagst, aber ich wollte bisher kein Live-Album aufnehmen. Ich glaube, dass es sehr schwierig ist, ein solches Erlebnis auf einer Platte einzufangen. Ein Konzert ist ja etwas, das im Hier und Jetzt zusammen mit dem Publikum geschieht.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Wann wirst du das nächste Mal in der Schweiz Konzerte geben?</strong></p>
<p>Ich weiss es noch nicht genau, aber ich hoffe, dass es im nächsten Frühling soweit sein wird.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Hast du in der Schweiz einen Lieblingsort oder ein Lieblings-Konzertlokal?</strong></p>
<p>Mir hat es bisher an allen Orten in der Schweiz gefallen, an denen ich Konzerte gegeben habe. Es ist herrlich, immer und immer wieder an die gleichen Orte zurückzukehren. Ich fühle mich dann jeweils wie zuhause.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Zum Schluss beantwortete Sophie für uns ein paar kurze Fragen, die auf dem berühmten Fragebogen des französischen Poeten Marcel Proust basieren:</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Deine Vorstellung von wahrem Glück? </strong></p>
<p>Lebenslust.</p>
<p><strong>Deine grösste Angst?</strong></p>
<p>Bitter zu werden.</p>
<p><strong>Welche lebende Person bewunderst du am meisten?</strong></p>
<p>Diejenige Person, in welche ich verliebt bin.</p>
<p><strong>Was würdest du an dir ändern?</strong></p>
<p>Alles.</p>
<p><strong>Deine grösste Extravaganz?</strong></p>
<p>Champagner sowie die Zeit am Strand zu verbringen.</p>
<p><strong>Deine Lieblingsreise?</strong></p>
<p>Eine Reise nach Italien.</p>
<p><strong>Welches ist deine grösste Errungenschaft?</strong></p>
<p>Die Geburt meiner Tochter.</p>
<p><strong>Was bereust du am meisten?</strong></p>
<p>Dass ich bestimmte Menschen schlecht behandelt habe.</p>
<p><strong>Dein kostbarster Besitz?</strong></p>
<p>Die Liebe.</p>
<p><strong>Deine Lieblingsbeschäftigung?</strong></p>
<p>Essen.</p>
<p><strong>Deine markanteste Charaktereigenschaft?</strong></p>
<p>Wahrscheinlich, dass ich so ruhig und schweigsam bin.</p>
<p><strong>Dein persönliches Motto?</strong></p>
<p>Das wird schon klappen!</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Sophie Zelmanis neue CD „Soul“ (Sony Music) ist ab 18. November im Handel erhältlich.</p>
<p>Im Netz:</p>
<p><a href="http://www.sophie-zelmani.com/">www.sophie-zelmani.com</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		</item>
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		<title>„Ich denke nicht, dass man vor seinen Wurzeln wegrennen kann“</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/10/29/anna-ternheim-interview/</link>
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		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 15:33:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Aebi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/10/29/anna-ternheim-interview/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/10/Anna21-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Mit ihrem vierten Album „The Night Visitor“ ist der schwedischen Songwriterin Anna Ternheim ein Werk von zeitloser Schönheit gelungen. Nahaufnahmen.ch sprach mit Anna über ihre Studienzeit in Lausanne, die Energie ihrer Wahlheimat New York, die Zusammenarbeit mit Will Oldham, Inspirationen für ihre Lieder und ihre Demut gegenüber der Natur. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>„Ich denke nicht, dass man vor seinen Wurzeln wegrennen kann“</strong></h1>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong></p>
<div id="attachment_9667" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9667" title="Anna2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/10/Anna21.jpg" alt="Alle Bilder: Universal Music" width="550" height="370" /><p class="wp-caption-text">Alle Bilder: Universal Music</p></div>
<p></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<h2><strong>Interview Anna Ternheim, 28.10.2011<br />
 </strong></h2>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Mit ihrem vierten Album „The Night Visitor“ ist der schwedischen Songwriterin Anna Ternheim ein Werk von zeitloser Schönheit gelungen. Nahaufnahmen.ch sprach mit Anna über ihre Studienzeit in Lausanne, die Energie ihrer Wahlheimat New York, die Zusammenarbeit mit Will Oldham, Inspirationen für ihre Lieder und ihre Demut gegenüber der Natur. </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Obwohl es in New York City erst 9.30 Uhr morgens ist, tönt Anna Ternheims Stimme am anderen Ende der Telefonleitung bereits hellwach: „Ich bin soeben Kaffee holen gegangen und laufe durch die Stadt, um einen ruhigen Ort zu finden. Es ist gerade ziemlich lärmig um mich herum“.</p>
<p><strong>Nahaufnahmen.ch: Anna, was war der Auslöser dafür, dass du vor dreieinhalb Jahren von Schweden nach New York umgezogen bist?</strong></p>
<p>Anna Ternheim: Vor sechs oder sieben Jahren war ich hier im Urlaub. Dies war eine wunderbare Erfahrung. Ich erinnere mich daran, dass ich damals dachte: „Irgendwann einmal will ich hier leben“. Solche Gefühle hat man in den Ferien oftmals, macht dann aber meistens nichts daraus. Etwa ein Jahr später kontaktierte mich die Plattenfirma Universal/Decca. Sie hatten meine Musik gehört, wollten mit mir arbeiten und meine Musik in den USA veröffentlichen. Man half mir, ein Visum zu erhalten, Tourdaten wurden geplant. Plötzlich war es einfach eine gute Zeit, um umzuziehen. Ich hatte die Möglichkeit und sagte mir: „Ich versuche es und schaue, ob es mir hier in New York gefällt“. Und dann bin ich einfach geblieben. Nun sind bereits dreieinhalb Jahre vergangen. Wie lange ich hierbleiben werde, weiss ich allerdings nicht.</p>
<p><strong>Was gefällt dir in New York am besten?</strong></p>
<p>Die Stadt ist sehr multikulturell. Menschen aus allen Ecken der Welt wohnen hier. Du findest alles, was du brauchst. Die Stadt ist zudem sehr nonkonformistisch. Man kann hier leben, wie man möchte. Ich schätze das sehr. Das Leben einer Musikerin folgt ja anderen Routinen: Man hat einen verrückten Tagesablauf, insbesondere was Schlaf- und Essenszeiten betrifft. Einfach die Art und Weise, wie man als Musikerin lebt und arbeitet. Hier in New York gibt es mehr Leute als in Stockholm, die dasselbe machen wie ich.</p>
<p><strong>Welche Unterschiede gibt es sonst noch, wenn man als Songwriterin in New York statt in Schweden lebt?</strong></p>
<p>Ich kann als Songwriterin und Musikerin eigentlich überall arbeiten. Es geht mehr darum, sich im Moment an dem Ort, wo man lebt, wohl zu fühlen. Ich habe auch einmal für zwei Jahre in der Schweiz gelebt. Es waren zwei sehr gute Jahre. Ich habe dort viele Lieder geschrieben und war total glücklich. Hier in New York gibt es allerdings mehr Songwriter als in Schweden. Der Wettbewerb ist deshalb sehr hart und das Niveau sehr hoch. Fantastische Musiker spielen hier auf kleinen Bühnen und kämpfen um ihren Platz.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Bist du zum Studium in die Schweiz gekommen?</strong></p>
<p>Ja, ich wollte immer Französisch lernen und aus irgendeinem Grund bin ich dann in Lausanne gelandet. Zudem hat meine Familie während ein paar Jahren in der Schweiz gelebt und da dachte ich mir, ich könnte ebenso gut in der Schweiz studieren. Ich habe während anderthalb Jahren an der Universität in Lausanne studiert und habe es wirklich genossen. Als Studentin war Lausanne ein fantastischer Ort für mich. Das ist aber schon lange her.</p>
<p><strong>Wann war das genau?</strong></p>
<p>Im Jahr 1999 bin ich in die Schweiz gekommen. Da war ich gerade 20 Jahre alt.</p>
<p><strong>Was hat dir in der Schweiz besonders gut gefallen?</strong></p>
<p>Der Alltag als Studentin und der Lac Léman waren natürlich fantastisch. Die Schweiz hat mir aber auch als Ganzes sehr gefallen: Ich hatte das Gefühl, im Zentrum der Dinge zu stehen. In Stockholm hat man dieses Gefühl nicht. Man ist dort irgendwie abgeschnitten vom Rest Europas. Ich erinnere mich daran, wie einfach das Reisen war, wie schnell man andere Orte erreicht hat. Die schwedische und die Schweizer Mentalität sind zudem sehr ähnlich. Es war für mich deshalb keine grosse Veränderung, in die Schweiz zu ziehen. Ich habe mich dort sehr schnell zuhause gefühlt. Man weiss ja nie, für wie lange man irgendwo landet. Ich hätte mir aber vorstellen können, längere Zeit in Lausanne zu leben und ich habe immer noch Freunde, die dort wohnen.</p>
<p><strong>Gibt es an deinem heutigen Wohnort New York Dinge, die du aus deinem Heimatland Schweden vermisst?</strong></p>
<p>Ich denke nicht, dass man vor seinen Wurzeln wegrennen kann. Der Bezug und die Bindung zu seinem Heimatland sowie die Erinnerungen, beispielsweise an die Gerüche, das Essen oder das Wetter, bleiben. Natürlich vermisse ich meine Familie. Stockholm ist auch kleiner und sauberer als New York. Man kann mit dem Fahrrad unterwegs sein und überall in der Stadt schwimmen gehen. Das gibt einem ein Gefühl von Freiheit. Es ist einfach, herumzukommen und das Leben ist ganz allgemein einfacher. New York ist überfüllter, dreckiger und sehr teuer. Das Leben ist in New York eher ein Kampf. Alle Leute erfahren das auf eine gewisse Art und Weise, ob man jetzt Musiker ist, in einem Restaurant arbeitet oder versucht, ein Geschäft aufzubauen. Dieser Kampf gibt der Stadt aber auch eine enorme Energie. Diese Energie ist so stark, manchmal scheint es, man könne sie anfassen. Das kann man in Stockholm nicht.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-9670" title="Anna1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/10/Anna12.jpg" alt="Anna1" width="550" height="423" /></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Also gibt dir diese Energie Inspirationen für deine Lieder?</strong></p>
<p>Ja, aber diese Energie hat irgendwie auch eine seltsam beruhigende Wirkung auf mich. Ein Teil der Arbeit als Songwriterin ist sehr introvertiert. Ich verbringe viel Zeit alleine und schreibe. Dann mache ich die Türe zu, schliesse mich von meiner Umwelt aus und versuche, aus mir herauszubekommen, was mich tief in meinem Innern beschäftigt. Wenn es mir dann schwerfällt, alleine zu sein, oder ich frustriert bin, habe ich gleich draussen vor der Tür tausend Dinge, die auf mich warten. Für den Schreibprozess ist dies ideal: Ich kann mir draussen in der Stadt Inspirationen holen, kann aber auch meine Ruhe haben. Zudem muss ich nicht das Gefühl haben, etwas zu verpassen, weil sowieso immer etwas läuft (lacht).</p>
<p><strong>Es gibt eine nette Anekdote, dass es in der Nacht, als du 1978 geboren wurdest, einen kompletten Stromausfall gab und du im Licht von Taschenlampen zur Welt gekommen bist. Deshalb würdest du Lieder für die nächtlichen Stunden schreiben. Bist du aus diesem Grund auch in der Nacht am kreativsten? </strong></p>
<p>Es stimmt nicht ganz, dass ich meistens in der Nacht schreibe. Ich mache das zwar gerne, schreibe aber auch oft am Morgen. Wenn ich auf Tour bin, lebe ich in der Nacht, gehe spät zu Bett und schlafe am Morgen. Wenn ich aber zuhause bin, liebe ich es, früh aufzustehen und das erste Morgenlicht zu sehen. Die ruhigen Morgenstunden sind sehr angenehm, um Lieder zu schreiben. Es wurde mir aber oft gesagt, dass meine Musik zu den nächtlichen Stunden passt und die Zuhörer sozusagen auf eine nächtliche Reise schickt. Die Nacht ist eine gute Zeit, alles andere rundherum auszuschalten und der Musik wirklich zuzuhören.</p>
<p><strong>Man hat dann die Ruhe, sich wirklich auf die Musik zu konzentrieren&#8230;</strong></p>
<p>Ja genau. Deshalb mag ich es, in der Nacht Radio zu hören. Es ist so ruhig rundherum. Man hört sich die Lieder an, achtet auf den Text und erfährt, was die Musiker einem sagen wollen.</p>
<p><strong>Eine gebrauchte Gibson-Gitarre aus den 30-er Jahren, die du in einem Geschäft in Brooklyn entdeckt hast, sei für den Entstehungsprozess deines neuen Albums sehr wichtig gewesen. In welcher Art und Weise war diese Gitarre so wichtig für dich?</strong></p>
<p>Es gibt keine bestimmten Regeln oder Methoden, um einen kreativen Prozess in Gang zu setzen. Es ist eher etwas, wonach man suchen muss: Eine Kombination von purem Zufall und einer Absicht, die man hegt. Ich wollte diesmal ein eher gitarrenlastiges, musikalisch reduziertes Album machen. Das lag daran, dass während der meisten Zeit, die ich als Musikerin verbringe, die Gitarre mein wichtigstes Arbeitsgerät ist. Ich gebe viele akustische Konzerte. Bisher habe ich jedoch nie eine Platte gemacht, die das wirklich widergespiegelt hat. Früher habe ich meinen Gitarren auch nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt, denn ich bin eigentlich zuallererst eine Songwriterin und keine Gitarristin. Diesmal habe ich aber ein Instrument gesucht, welches zu den Liedern passt, die ich geschrieben habe. Ich hatte einen gewissen Klang im Kopf. Deshalb habe ich meine Augen offen gehalten. Immer, wenn ich an einem Gitarrenladen vorbeikam, bin ich hineingegangen und habe mich umgeschaut. Dann habe ich diesen fantastischen Gitarrenladen in Brooklyn gefunden. Es ist schwer zu beschreiben, aber als ich diese Gibson-Gitarre sah und in den Händen hielt, hatte ich das Gefühl, sie sei wie für mich gemacht. Zudem tönte sie genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Deshalb habe ich mir die Gitarre gleich gekauft und entschieden, dass sie der Ausgangspunkt für meine neue Platte sein wird und ich die Lieder um diese Gitarre herum aufbauen werde.</p>
<p><strong>Deine neue Platte „The night visitor“ wurde von Matt Sweeney produziert, der auf deinem letzten Album „Leaving on a mayday“ auf einigen Songs Gitarre gespielt hat. Wie kam es dazu, dass er nun für die Produktion des neuen Albums verantwortlich war?</strong></p>
<p>Das war purer Zufall. Ich hatte mir meine neue Gitarre gekauft und zu Beginn etwas Mühe damit, herauszufinden, wie man am besten darauf spielt. Ich habe deshalb Matt Sweeney angerufen, weil ich finde, dass er auf meinem letzten Album grossartig gespielt hat. Er hat mir Gitarrenstunden gegeben und mir geholfen, die neuen Lieder zu arrangieren. Wir haben uns also getroffen und zusammen musiziert. Das hat so viel Spass gemacht. Wir haben uns sehr gut verstanden, es gab eine grossartige Energie zwischen uns. Man hat eine gewisse Idee, wie ein Lied klingen soll und die andere Person versteht einen, ohne dass man sich immer gleich in Worten ausdrücken muss. Irgendwann hat Matt gesagt: „Hey, ich denke, ich sollte deine neue Platte produzieren.“ Er war es auch, der vorgeschlagen hat, nach Nashville zu gehen und die Platte im Studio von Dave Ferguson aufzunehmen, der an den „American Recordings“ von Johnny Cash mitgearbeitet hat und ein fantastischer Toningenieur ist.</p>
<p><strong>Warst du zum ersten Mal in Nashville oder hast du dort bereits Konzerte gegeben?</strong></p>
<p>Ich war zuvor noch nie in Nashville und wusste deshalb nicht, was mich dort erwartete. Da ich mir nicht wirklich Country-Musik anhöre, hatte ich nie den Wunsch, wegen der Musik nach Nashville zu fahren.Die ersten Tage in der Stadt war ich vor allem im Butcher Shoppe-Studio. Dieses liegt in einem alten Fabrikgebäude auf einer Anhöhe etwas ausserhalb der Stadt und wir waren dort sozusagen in unserem eigenen Universum. Vom Studio aus konnte man aber die Skyline von Nashville sehen. Bis ich das Nashville, von dem alle reden, erlebt habe, brauchte es deshalb seine Zeit. Nashville kann man aus verschiedenen Perspektiven betrachten: Das, was sich viele Leute unter Nashville vorstellen – die Musikwelt, Bars, welche 24 Stunden geöffnet sind, in denen pausenlos Musiker singen und Gitarre spielen – fühlt sich wie ein Teil von Nashville an, der sich infolge des Tourismus so entwickelt hat. Die ganze Musikindustrie-Seite Nashvilles ist eine Art Fabrik: Musiker gehen in ein Studio und nehmen innerhalb von fünf Tagen ihre Platte auf. Dann gibt es auf der anderen Seite ein Nashville, dessen Einwohner gar keinen Bezug zur Country-Musik haben. Sie sind beispielsweise nach Nashville gezogen, weil es dort eine grosse Universität gibt. Zudem sind die Häuser günstig. Ich kenne einige Leute aus New York, die nach Nashville umgezogen sind, weil sie dort mehr Raum für ihr Geld erhalten.</p>
<p><strong>Auf deiner neuen Platte haben viele bekannte Musiker mitgewirkt: Neben dem legendären Cowboy Jack Clement, der auf dem Album Dobro spielt, unter anderem auch Will Oldham, besser bekannt unter dem Namen Bonnie „Prince“  Billy. Er singt auf „Walking Aimlessly“, „Bow your head“ und „All Shadows“ im Hintergrund mit. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?</strong></p>
<p>Es war grossartig. Ich habe ihn zuvor schon mal in einer Bar in New York getroffen, nach einem seiner Konzerte. Er ist zudem mit Matt Sweeney befreundet. Die beiden haben in der Vergangenheit oft zusammen gearbeitet, auch mit Dave Ferguson. Will Oldham hat ausserdem ein Album des schwedischen Musikers Nicolai Dunger produziert, der ein Freund von mir ist und dessen Musik  ich sehr gerne mag. Will kam also eines Tages im Studio vorbei und hat die Background Vocals eingesungen. Ich bin ein ziemlich grosser Fan von ihm und bin deshalb sehr glücklich, dass er bei meinem neuen Album mit von der Partie ist. Er ist ein fantastischer Songwriter und hat diesen klassischen, amerikanischen Melodie-Sound. Man hat das Gefühl, seine Lieder seien schon vor Ewigkeiten entstanden.</p>
<p><strong>Dein neues Album „The Night Visitor“ besteht aus wunderschönen Folk-Balladen, die ebenfalls durch eine zeitlose Schönheit bestechen. Ich habe gelesen, dass das irische Folk-Lied „Night Visiting Song“ von Luke Kelly die Inspiration für den Titel deiner neuen Platte war. Inwiefern hat der „Night Visiting Song“ nicht nur den Titel sondern auch die Produktion deines neuen Albums inspiriert? </strong></p>
<p>Die Melodien und Harmonien von alten Folk-Songs wie dem „Night Visiting Song“ oder „Scarborough Fair“ haben mich seit jeher angezogen und mich inspiriert. Mein Songwriting kommt aus dieser Folk-Tradition. Beim neuen Album ist dies nun offensichtlicher, denn es ist eher eine Folk- als eine Pop-Platte. „The Night Visiting Song“ hat wie die Musik des soeben verstorbenen schottischen Songwriters Bert Jansch – vor allem die Art und Weise wie dieser Gitarre spielte –  mein neues Album direkt inspiriert und „The Night Visitor“ ist ein Titel, welche die Stimmung der Platte gut erfasst.</p>
<p><strong>Es gibt auf der neuen CD zwei Cover-Versionen, „The Longer the Waiting, the sweeter the kiss“ und „Dearest Dear“&#8230;</strong></p>
<p>„Dearest Dear“ ist ein alter, traditioneller Folk-Song, den fast niemand kennt. „The longer the waiting, the sweeter the kiss“ tönt zwar wie ein alter Folk-Song, ist aber vor noch nicht allzu langer Zeit geschrieben worden. Einer der Songwriter, Pat Mc Laughlin, hat auch auf meiner neuen Platte mitgespielt. Nachdem wir dieses Lied eines Tages entdeckt hatten, haben wir im Studio einfach die Gitarren in die Hand genommen und das Lied gespielt. Es war so direkt und wunderschön, dass ich sofort gesagt habe: „Dieses Lied sollten wir aufnehmen“. Es war nicht etwas, das wir geplant hätten. Es ist einfach so passiert und das Lied hat nun seinen Platz auf der Platte gefunden.</p>
<p><strong>Gibt es ein übergreifendes Thema, welches die Lieder auf der neuen Platte verbindet? </strong></p>
<p>Seit ich zehn Jahre alt bin, sind Musik und das Schreiben von Liedern eine Art notwendige Konsequenz meines Lebens. Ich habe jedoch nie für ein spezielles Thema geschrieben oder mir bereits während des Schreibens der Lieder Gedanken über das Konzept eines Albums gemacht. Ich schreibe über Dinge, die mich persönlich berühren. Das kann alles sein: Persönliche Erfahrungen, Erfahrungen von Menschen um mich herum, oder ich lese in der Zeitung etwas, das mich anschliessend zum Schreiben inspiriert. Es gibt in dieser Hinsicht also keinen Unterschied zum vorherigen Album. Ich bin nur etwas älter und reifer geworden und habe neue Menschen getroffen. Ach ja, vor ein paar Jahren habe ich mal für das Stadttheater in Göteborg Musik zu einem bestimmten Thema geschrieben. Das hat Spass gemacht, war aber etwas komplett Anderes als das, was ich sonst mache. Wer weiss, vielleicht mache ich auch einmal eine solche Platte, die nur aus Liedern zu einem bestimmten Thema besteht. Wenn ich die Lieder meines neuen Albums aber in einem Wort zusammenfassen müsste, dann denke ich, dass meine Musik die Gefühle einer gewissen Sehnsucht einfängt. Wonach, kann ich nicht präzis sagen. Ich mag es eben nicht so, zu viel über meine Musik preiszugeben.</p>
<p><strong>In deinen Konzerten leitest du die Lieder aber gerne mal mit kurzen Erklärungen ein. Ich finde das interessant, denn so erhält man manchmal einen anderen Zugang zu einem Lied. Beim Hören macht man sich seine eigene Gedanken und dann merkt man plötzlich, dass das Lied eigentlich eine ganz andere Bedeutung hat. </strong></p>
<p>Das verstehe ich total. Man kann so den Zuhörern neue Hinweise, Ideen geben oder sie in eine gewisse Richtung weisen. Das kann dazu führen, dass jemand mit dem Lied eine tiefere Erfahrung macht. Aber ich möchte nicht zu viele Details preisgeben oder die Geschichten genau so erzählen, wie sie sich zugetragen haben. Wenn eine Geschichte zu einem Lied wird, ist sie bereits verändert und jedermann macht sie dann zu seiner eigenen Geschichte.</p>
<p><strong>Bei „All Shadows“, einem deiner neuen Lieder, habe ich mich beispielsweise gefragt, wer mit „the one“ gemeint sein könnte (This is the one/who knows no regret/ who knows who you are/ you never met/ but one day it finds you wherever you are).</strong></p>
<p>Dieses Lied hatte eigentlich eine sehr klare Absicht. Vielleicht ist es am Ende nun sehr unklar geworden. Es ist ein Lied über Menschen, die alles haben und andere Menschen, die nichts haben. Jetzt wird es aber politisch und eigentlich möchte ich das ja nicht mit meiner Musik mischen. Die sollte eigentlich romantisch sein (lacht). Es geht um eine sehr kleine, privilegierte Gruppe von Menschen, die auch schon mal die Wahrheit erfindet und die Regeln für die anderen Menschen aufstellt. Es geht um Machstrukturen, wobei „the one“ für eine bestimmte Person oder auch für mehrere Personen stehen kann.</p>
<p><strong>Eines weiteres neues Lied heisst „Walking aimlessly“ (Ziellos umherlaufen). Ist dies eine Art Motto von dir?</strong></p>
<p>Ich denke ja. Wenn man sich einfach treiben lässt, realisiert man manchmal gewisse Dinge besser. Mir wurde auch schon gesagt, dass es mir schwerfallen würde, mich für etwas zu entscheiden. Es gibt dir Zeit, um darüber nachzudenken, was du machen möchtest. Es ist wichtig für mich und entspannt mich. Man muss aber jeglichen Lärm aussperren und sich selber gut kennen, um sich treiben zu lassen und um hören zu können, was in einem selber vorgeht.</p>
<p><strong>Der Song „Bow your head“ ist eine Art Ode an die Schönheit der Natur. Was gefällt dir in der Natur am besten oder wo in der Natur fühlst du dich am wohlsten?</strong></p>
<p>Die Natur macht einen demütig. Eigentlich sind wir sehr klein und in den Händen der Natur – und nicht umgekehrt. Ich wandere gerne in den Bergen oder durch den Wald. Ich bin damit aufgewachsen, in der Natur zu sein. An den Wochenenden sind wir oft entlang den Seen eislaufen oder in die Berge wandern gegangen. Oder wir gingen in den Wald, wo man seltsame Pilze finden und pflücken kann – wenn man das mag (lacht). Hier in New York ist es ein bisschen schwieriger. Manchmal nehme ich den Zug, der dem Hudson River entlangfährt. In weniger als einer Stunde ist man so draussen in der Natur und kann seine Ruhe geniessen. Das lädt deine Batterien auf und macht die Probleme kleiner. Wenn man so ein Glück hat wie ich, genug zu essen und ein Dach über dem Kopf und das machen kann, was man wirklich liebt, dann erscheinen die Probleme, die man manchmal hat, einfach lächerlich.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Nächstes Jahr gehst du wieder auf Tour. Die Konzerte sind als „acoustic stripped down shows“ angekündigt. Spielst du solo oder werden noch andere Musiker dabei sein? </strong></p>
<p>Ja, nächstes Jahr werde ich mehr oder weniger nonstop auf Tournee sein und auch in der Schweiz Konzerte geben. Ich habe die Konzerte als „acoustic stripped down shows“ angekündigt, um die Leute nicht zu verwirren. Es wird zwar mindestens ein zusätzlicher Musiker dabei sein, aber kein Schlagzeuger und auch keine komplette Band wie bei meiner letzten Tour. Aber es wird absolut fantastisch werden.</p>
<p>„The night visitor“ von Anna Ternheim ist ab 28. Oktober im Handel erhältlich (Universal Music).</p>
<p>Konzerttermine:</p>
<p>24. Februar 2012, Zürich, Kaufleuten<br />
 25. Februar 2012, Bern, Bierhübeli</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Im Netz:</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><a href="http://www.annaternheim.com/"><strong>www.annaternheim.com</strong></a><strong> </strong></p>
<p><a href="http://www.thenightvisitor.com/"><strong>www.thenightvisitor.com</strong></a><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
]]></content:encoded>
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		<title>&#8220;Ich habe 12 Jahre lang Musik gemacht, ohne dass irgendetwas passiert wäre.&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Aug 2011 17:24:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon Sigg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/08/29/ich-habe-12-jahre-lang-musik-gemacht-ohne-dass-irgendetwas-passiert-ware/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/P1040375-600x450.jpg class=imgtfe hspace=10 align=left width=150  border=0></a>Soeben erst zurückgekehrt von einer fantastischen Nordamerika-Tournee, zaubert sich das traumhaft elektronische Musikerlebnis Trentemøller schon wieder durch Europas Bühnen. Vor dem Konzert am For Noise Festival konnte sich nahaufnahmen.ch mit einem gut gelaunten Anders Trentemøller auf ein Gespräch treffen über das Leben auf Tournee, die musikalische Heimat und entscheidende Momente.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>&#8220;Ich habe 12 Jahre lang Musik gemacht, ohne dass irgendetwas passiert wäre.&#8221;</h1>
<div id="attachment_9503" class="wp-caption aligncenter" style="width: 559px"><img class="size-large wp-image-9503 " title="Trentemoller inti 1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/P1040375-600x450.jpg" alt="Trentemoller inti 1" width="549" height="412" /><p class="wp-caption-text">Ein Mann und seine Vision: Anders Trentemøller.</p></div>
<p><span style="font-size: medium;">Interview                 Trentemøller, For Noise, 19.8.2011</span></p>
<p><strong>Soeben erst zurückgekehrt von einer fantastischen Nordamerika-Tournee, zaubert sich das traumhaft elektronische Musikerlebnis Trentem</strong><strong>øller </strong><strong>schon wieder durch Europas Bühnen. Vor dem Konzert am For Noise Festival konnte sich nahaufnahmen.ch mit einem gut gelaunten Anders Trentem</strong><strong>øller </strong><strong><span style="font-size: small;">auf ein Gespräch treffen </span>über das Leben auf Tournee, die musikalische Heimat und entscheidende Momente.</strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Ich habe dich vor einem Monat am Gurten Festival gesehen, was für Schweizer Verhältnisse ein ziemlich grosses Festival ist, und nun spielst du hier an diesem kleinen Festival For Noise. Was ist dir lieber?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller:<strong> </strong>Ich mag eigentlich beides, aber ich mag wirklich, wenn es klein und intim ist, weil du dann das Publikum mehr spüren kannst und auch Augenkontakt herstellen kannst. Das ist wirklich wichtig für mich, denn immer während den ersten Liedern versuche ich bestimmte Leute im Publikum zu fokussieren, um zu schauen wie sie auf die Musik reagieren. Das ist immer ein guter Fixpunkt.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Und das geht eher an kleinen Konzerten?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Ja, weil es einfacher ist. Aber wir haben dieses Jahr auch ein fantastisches Konzert am Coachella Festival gespielt, das mit 30&#8242;000 Zuschauern ja ein riesiges Festival ist, und auch da war diese spezielle Atmosphäre. Ich denke, es hängt einfach davon ab, ob das Publikum musikalisch aufgeschlossen ist, und da hatten wir bisher mit unseren Konzerten bisher immer grosses Glück!</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Sogar in den Staaten?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Ja, ja! Wir haben 18 Konzerte gespielt dieses Jahr, alle waren ausverkauft. Wir gehen im Oktober nochmals auf eine grosse Tournee und machen 24 Konzerte in einem Monat! Also werden wir fast jeden Tag spielen, das wird zwar hart, aber ich freue mich wirklich, denn ich mag es zu touren. Wir haben einen grossen Bandbus und ich liebe es einfach, jeden Abend ein Konzert zu spielen und in einer neuen Stadt aufzuwachen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> nahaufnahmen.ch</strong>: Habt ihr denn auch etwas von den Städten, findet ihr Zeit irgendwas zu tun?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Ja, denn wir spielen jeweils am Abend, und fahren 2 Stunden später los, und am Morgen sind wir schon in der neuen Stadt, und ziehen dann – abhängig von der Anzahl Verkaterten – los. Und unsere Crew macht dann den Soundcheck, daher ist es für uns meistens sehr angenehm.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> nahaufnahmen.ch</strong>: Du machst so unterschiedliche Musik, dein neues Album im Unterschied zum alten, dazwischen Compilations und Remix-Alben. Wo fühlst du dich musikalisch zuhause?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Mein Hauptfokus sind meine Studio-Alben, und sie dann live zu spielen. Was ich am meisten mag, ist zu komponieren und produzieren. Es ist ein recht einsamer Prozess, denn ich mache alles alleine, spiele auch viele Instrumente selber ein, daher wird es meistens in der Nacht gemacht, so kannst du auch nicht gestört werden. Dies ist manchmal ein rechter Clash zu wenn wir die Lieder dann mit der Band vor 20&#8242;000 Leuten spielen. Das ist ein grosser Unterschied zu wenn ich sie alleine in meinem Studio aufnehme, aber beides ist wichtig, denn sonst würde ich, glaube ich, ein wenig komisch werden, wenn ich nur in meinem Studio sitzen würde. Auch ein wenig die Kontrolle über die Lieder zu verlieren, und die Band spielen zu lassen und auf Inputs zu hören, ist gut für den musikalischen Prozess.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wie sehr lässt du das zu?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Also am Anfang, wenn wir zu proben beginnen, zeige ich ihnen genau, was sie spielen müssen, denn ich habe diese Vision, wie es tönen soll. Aber wenn wir so 8 –10 mal gespielt haben, sage ich ihnen, sie sollen mit ihren eigenen Vorschlägen kommen, nachdem sie ihre Teile gelernt haben, und dann ändert die Musik meistens ziemlich stark. Ich habe letztens die Aufnahmen gesehen von vor einem Jahr, und das tönt völlig anders als was wir jetzt machen, denn wir sind die ganze Zeit ein bisschen am verändern, ändern die Setlist. Wir merken langsam, wie das Publikum ist, was geht und was nicht, und passen dies entsprechend an, aber es ist ein langer Prozess, der ständig weitergeht, und ich mag es wirklich, dass wir nicht ein Konzert spielen, das immer gleich ist, sondern uns ständig weiterentwickeln.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_9507" class="wp-caption aligncenter" style="width: 559px"><img class="size-full wp-image-9507" title="Trentemoller Inti 2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/IMG_9511_2.JPG" alt="Trentemoller Inti 2" width="549" height="365" /><p class="wp-caption-text">Kombination von atemberaubender Musik mit stetig wechselnden Lichteinlagen.</p></div>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wenn ich den Prozess deiner Arbeit betrachte, und den Trend beobachte hin zu deinem ruhigeren, eher melancholischen Elektro: Ist dies, weil du einfach andere, ruhigere Musik machen wolltest, oder weil allgemein, auch beim Publikum, eine gewisse Sättigung und Suche nach neuer Musik vorhanden ist?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Ich sehe meine Musik nicht als langsam, denn es hat auch ziemlich viele uptempo-Tracks auf dem Album, aber dieser elektronischer Mix gemischt mit Indie-Style ist einfach natürlich für mich. Das, was Sinn macht. Und ich versuche einfach qualitativ gute Musik zu machen. Ich habe definitiv mit eher clubbigem Sound begonnen, aber davor habe ich in Indie-Rock-Bands gespielt. Ich hatte schon immer ein Bein in der Indie-Szene und ein Bein in der Rave-Szene, und jetzt kann ich sie zusammenmixen. Ich liebe daran, dass es nicht nur ein Style ist, und ich machen kann, was immer ich will.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Was war der Moment, als du gefühlt hast, dass du mit Trentemoller etwas grossartiges erschaffst?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Das war, als ich richtig überrascht wurde vor 7 Jahren. Ich hatte eine Demo aufgenommen, etwas das ich nicht gedachte, je zu veröffentlichen. Aber ein paar von meinen Freunden brannten eine CD und brachten sie zu einem Typen vom Amedian Festival in Kent, und plötzlich wurde eines meiner Lieder unter Vertrag genommen, und dann begannen mir wildfremde Leute aus den Staaten, Mexiko, Brasilien, E-Mails zu schreiben, und ich dachte: Wow, meine Musik ist jetzt draussen. Es war ziemlich komisch, aber natürlich war ich glücklich. Dann dachte ich einfach, ich hatte Glück, das sei jetzt dieses eine Lied, das hört wieder auf. Aber es ging einfach weiter, und ich machte weiter Musik wie immer. Aber weißt du, vorher hatte ich während 12 Jahren Musik gemacht, ohne dass irgendetwas passiert wäre, und ich habe mich wirklich abgemüht, und versucht, meinen eigenen Sound zu finden. Ich habe wirklich lange darum gekämpft, hatte kein Geld, habe in einem Kindergarten gearbeitet, nur um mir einen neuen Sampler kaufen zu können.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Hast du immer dran geglaubt, dass du es einmal schaffen würdest?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Ich habe nicht daran gedacht, es schaffen zu können. Für mich ist Musik eine Passion, mit der ich nicht aufhören kann. Auch wenn niemand meine Musik kauft oder hört, würde ich weitermachen. Manchmal gibt es Momente, wo ich melancholisch bin, und dann ist Musik zu machen ein guter Weg, um meine Gefühle zu erklären. Eher als ein Gedicht zu schreiben oder so, ich bin nicht so gut mit Lyrics, also ist Musik definitv etwas, das ich persönlich benutze.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Du lebst in Copenhagen. Wie ist die Musikszene da?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Im Moment ist sie sehr gut. In den letzten drei, vier Jahren, ist sie regelrecht explodiert. Ich habe noch nie so etwas gesehen, denn vor 10 Jahren wollte jeder so tönen wie eine Band aus den Staaten oder der Insel, und dann schwappte die ganze Minimal Szene von Berlin über, und jeder wollte tönen wie eine Band aus Berlin. Aber jetzt haben die Leute neues Vertrauen gefasst in ihren eigenen Sound, und tönen nun eigentlich erst speziell, und es gibt sehr viele coole Bands, die aus Copenhagen oder Dänemark kommen. Und ich bin recht stolz darauf, was am geschehen ist. Früher war ich ein wenig beschämt, denn die einzige Band aus Dänemark, welche die Leute kannten war Aqua, „I’m a Barby girl“. Es gibt so viele talentierte Leute, und es ist heutzutage viel einfacher, deine Musik zu veröffentlichen, ohne die Hilfe der Major-Labels,</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Zum Abschluss würde ich dich gerne fragen, welches – neben dem Roskilde Festival natürlich – dein Lieblingsfestival ist?</p>
<p>Anders Trentemø<strong> </strong>ller: Ja, Roskilde und auch Coachella dieses Jahr waren fantastisch. Aber dieses Festival hier scheint auch sehr, sehr gemütlich zu sein, ich mag die Atmosphäre hier mit nur einer Bühne, und richtig guten Bands. Ich bin ein grosser Fan der Blonde Redhead. Ich freue mich, sie nachher spielen zu sehen, und auch unsere Freunde von den Raveonettes haben gestern hier gespielt gestern. Es ist ein toller Ort, und ich spüre schon jetzt, dass es ein grossartiger Abend wird. Es gibt gute Vibes hier.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Vielen Dank für das Gespräch!</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><a href="http://www.nahaufnahmen.ch/2011/08/25/for-noise/">Bericht For Noise Festival</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=8MPnF22b4GI">Trentemø<strong> </strong>ller &#8211; Shades of Marble</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=Q3Y-3B5Cq28">Trentemø<strong> </strong>ller &#8211; Moan</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=1iDhEWozfII">Trentemø<strong> </strong>ller &#8211; Silver Surfer, Ghost Rider, Go (Live @ Roskilde 2009)</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>„Neid und Eifersucht können einem das Leben vergällen“</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/08/27/%e2%80%9eneid-und-eifersucht-konnen-einem-das-leben-vergallen%e2%80%9c/</link>
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		<pubDate>Sat, 27 Aug 2011 10:01:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Aebi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/08/27/%e2%80%9eneid-und-eifersucht-konnen-einem-das-leben-vergallen%e2%80%9c/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/mvdh-foto-01-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Michael von der Heide ist mit seinem neuen, französischsprachigen Album „Lido“, welches Elektro-Pop und Dance sowie sehnsuchtsvolle Melodien und Texte miteinander verbindet, ein grosser Wurf gelungen.  Im Interview spricht er unter anderem über tragische Frauenstimmen, pathetische Todesfantasien von Teenagern, grausame Zwillinge, Gänsehaut-Momente im Studio und die Melancholie von französischen 80er-Jahre-Pop-Songs.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>„Neid und Eifersucht können einem das Leben vergällen“</strong></h1>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong></p>
<div id="attachment_9510" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9510" title="mvdh foto 01" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/mvdh-foto-01.jpg" alt="Alle Bilder: Patrick Mettraux" width="550" height="550" /><p class="wp-caption-text">Alle Bilder: Patrick Mettraux</p></div>
<p></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<h2>Das grosse nahaufnahmen.ch-Interview mit Michael von der Heide, 15.8.2011</h2>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Michael von der Heide ist mit seinem neuen, französischsprachigen Album „Lido“, welches Elektro-Pop und Dance sowie sehnsuchtsvolle Melodien und Texte miteinander verbindet, ein grosser Wurf gelungen.  Im Interview spricht er unter anderem über tragische Frauenstimmen, pathetische Todesfantasien von Teenagern, grausame Zwillinge, Gänsehaut-Momente im Studio und die Melancholie von französischen 80er-Jahre-Pop-Songs.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Die erste Single deiner neuen CD „Lido“ heisst „J’ai perdu ma jeunesse“. Wann hast du deine Jugend verloren?</strong></p>
<p>Michael von der Heide: Ich kann mich nicht erinnern, dass es einen bestimmten Moment gegeben hat. Aber ich spüre, dass die Jugend so langsam am gehen ist. Ich werde bald 40 Jahre alt und finde, mit 40 darf man schon erwachsen sein. Wenn ich meine Nichten und Neffen anschaue, die wirklich Jugendliche sind, sehe ich, dass dies eine andere Generation ist.</p>
<p><strong>Wie zeigt sich dieser Generationenunterschied?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Ich gehe beispielsweise nicht mehr unbedingt in Klubs. Obwohl ich jetzt mit dem neuen Album fast ein wenig Klubmusik mache. Wenn ich in Zürich, wo ich wohne, sehe, wie ein neuer Klub aufgeht und davor eine Kolonne junger Menschen auf Einlass wartet, denke ich: „Ah, das habe ich früher auch mitgemacht“. Nun bin ich jedoch froh, dass ich nicht mehr das Gefühl habe, ich müsste in den jeweils angesagtesten Klub gehen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Das Lied „J’ai perdu la jeunesse“ ist ein Chanson, welches die Sängerin Damia in den 30er-Jahren interpretiert hat. Wie bist du darauf gestossen?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Ich habe früher immer wieder Brockenhäuser aufgesucht, um alte Platten zu sammeln. Heutzutage, mit Youtube und I-Tunes, mache ich das nicht mehr so oft, da man dort fast alles findet. „J’ai perdu ma chanson“ von Damia, einer Vertreterin des „Chanson réaliste“, habe ich jedoch noch auf Vinyl. Bereits vor Jahren, als ich die Platte entdeckt habe, dachte ich mir: „Dieses Lied will ich irgendwann einmal interpretieren“.</p>
<p><strong>Was hat den Ausschlag gegeben, dass du das Lied nun gerade jetzt, für deine neue CD, aufgenommen hast?</strong></p>
<p>Für das neue Album wollte ich eine sehr moderne Produktion, bei der jedoch immer wieder etwas Retromässiges aufblinken darf. Deshalb war „J’ai perdu ma jeunesse“ eine Art Vorlage für das Album und ausgehend davon sind die anderen Lieder entstanden, die – von „Dans la ville endormie“ von Dalida einmal abgesehen – alles Originale sind.</p>
<p><strong>Wie hast du das Lied von Dalida ausgewählt?</strong></p>
<p>Mich hat an dem Lied interessiert, dass es zwar wunderschön und grossartig, aber kaum bekannt ist. Dalida hat ja unglaublich viele Songs aufgenommen. Ihre Geschichte – sie hat mit 54 Jahren Selbstmord begangen – ist genauso dramatisch und tragisch wie ihre Stimme. Deshalb hat sie einen auch so berührt, sogar mit dem etwas oberflächlichen Disco-Zeugs, das sie am Schluss ihrer Karriere gesungen hat. Wenn ich heute Radio höre, erklingt selten eine derart tragische Stimme, ausser vielleicht diejenige von Amy Winehouse.</p>
<p><strong>Gibt es noch andere Lieder, die du unbedingt gerne einmal covern möchtest?</strong></p>
<p>Für das neue Album hatte ich noch eine weitere Idee für einen Cover-Song. Ich sage dir aber nicht welchen, sonst macht’s noch jemand anderes (lacht).</p>
<p><strong>Damit nicht wieder das Gleiche geschieht wie bei „Campari Soda“, als dir Stephan Eicher zuvor gekommen ist?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Wenn ich ehrlich bin, war es so, dass mein damaliger Plattenboss unbedingt wollte, dass ich dieses Lied aufnehme. Ich hatte jedoch das Gefühl, dass der Song fast ein bisschen heilig ist und man ihn deshalb nicht covern darf. Ich habe deshalb damals gelogen und meinem Boss gesagt: „Es tut mir leid, wir sind mit dem Song im Studio nicht rechtzeitig fertig geworden.“. Obwohl ich von Grandjean, dem Komponisten von „Campari Soda“ ein Kompliment für meine Interpretation erhalten habe, wollte ich mit meiner zweiten Platte „30 Grad“ nicht gleich ein dermassen berühmtes Schweizer Lied veröffentlichen. Ein paar Monate später hat es dann Stephan Eicher getan. Schliesslich habe ich es doch noch veröffentlicht, auf meiner Best-of-Platte „2Pièces“, weil es ein toller Song ist, den ich manchmal auch an meinen Konzerten singe. Man macht ja gerne etwas, das dem Publikum gefällt. Ich habe jedoch immer geschaut, dass ich Lieder covere, um ihnen damit eine persönliche Note zu geben und mich nicht unbedingt an Songs vergreife, nur um einen Hit zu landen. Gerade heutzutage ist vieles nur geschnipselt, so wie „Tu vuò fa l’americano“, der letztes Jahr ein Hit war. Ich habe mich nie getraut, ein Lied mit dem Rezept zu covern: „Wir machen ein bisschen Bum-Bum drunter und dann gibt’s einen Hit“. Ich verurteile das zwar nicht, aber für mich ist das nichts.</p>
<p><strong>Wie lange hast du an deiner neuen CD gearbeitet?</strong></p>
<p>Von der Idee bis zur fertigen Platte sind etwa zweieinhalb Jahre vergangen. Ich habe aber immer wieder geschrieben, Songs wieder verworfen, Demos aufgenommen. Mit der Eurovision-Teilnahme gab es ein Intermezzo, während dem ich keine Zeit mehr hatte, an der CD zu arbeiten. Die Arbeit an der Platte war jedoch ganz entspannt und ich fand, sie wird dann erscheinen, wenn sie fertig ist.</p>
<p><strong>„Lido“ ist ein ziemlicher Kontrast zur letzten CD „Freie Sicht, welche akustisch, sehr ruhig und in deutscher Sprache gehalten war. „Lido“ ist, abgesehen von drei Balladen, eine Tanzplatte und du singst ausschliesslich französisch. Gab es einen konkreten Entscheid, eine Elektro-Pop-/Dance-Platte zu machen, oder hat sich das langsam entwickelt?</strong></p>
<p>„Freie Sicht“ gefällt mir immer noch sehr. Bei den Konzerten merkte ich jedoch, dass es irgendwann auf der Bühne wieder etwas mehr abgehen müsste. Zu Hause höre ich sehr gerne rhythmische Musik, sitze also nicht nur mit dem Rotweinglas herum, während im Hintergrund Tom Waits läuft. Zudem bin ich auf den Geschmack für elektronische Musik gekommen, als ich für „2raumwohnung“ geschrieben habe. Ich war oft an deren Konzerten und die Atmosphäre hat mir sehr gut gefallen. Die grossartige Inga Humpe, die noch einen Hauch älter ist als ich, macht fantastische Tanzmusik. Sie inspirierte mich und ich finde, dass dieses musikalische Universum sehr gut zu mir passt.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-9511" title="mvdh foto 02" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/mvdh-foto-02.jpg" alt="mvdh foto 02" width="550" height="550" /></p>
<p><strong>Wie viele Lieder haben es nicht auf die CD geschafft?</strong></p>
<p>Es sind viele Lieder in einer relativ frühen Phase schon hängen geblieben. Als ich den Produzenten Thomas Fessler kontaktiert habe, hatte ich den grössten Teil des Materials schon. Zusammen haben wir relativ schnell ausgemistet.</p>
<p><strong>Nach welchen Kriterien?</strong></p>
<p>Gewisse Sachen haben ihm nicht gefallen. Zudem habe ich von Freunden aus Deutschland gelernt, mich bereits in der Entstehungsphase eines Albums mehr zu öffnen. Bei „Lido“ habe ich deshalb bereits die Demos Freunden von mir, die gerne Musik haben und von denen ich weiss, dass sie mir gegenüber ehrlich sind, gezeigt. Aufgrund von deren Reaktionen sind ebenfalls Lieder weggefallen. Früher habe ich meine Lieder nie anderen Leuten ausserhalb des Produktionsteams gezeigt. Ich wollte einfach mit der fertigen Platte kommen und dann sagen: „Schaut, wie toll!“. In der Erwartung natürlich, dass die Leute die Platte ebenfalls gut finden.</p>
<p><strong>Wie kam es dazu, dass du für „Lido“ wieder mit dem Produzenten deiner ersten beiden Platten, Thomas Fessler, zusammengearbeitet hast?</strong></p>
<p>Mein erstes Album war gleichzeitig auch Thomas Fesslers erstes Album als Produzent. Danach wurde er immer bekannter und erfolgreicher und hat diverse Mundartkünstler produziert (Sina, Plüsch, Adrian Stern, Florian Ast,etc.). Er hat so viele Sachen gemacht, dass ich irgendwann fand, ich möchte auch mit anderen Leuten arbeiten. So habe ich mit Gere Stäuble und Tom Etter von Züri West die nächste Platte gemacht und danach mit weiteren Produzenten gearbeitet, was mir sehr gefallen hat. Irgendwann haben Thomas Fessler und ich uns wieder getroffen, geredet und ich hatte ein bisschen ein schlechtes Gewissen, als wäre ich irgendwie abgehauen. Ich fand, dass wir musikalisch noch eine Rechnung offen hatten und dass ich mit ihm eine Platte machen möchte, bei der wir uns quasi neu begegnen und sagen können: Wir arbeiten beide zusammen an etwas Neuem, das wir zuvor noch nicht wirklich gemacht haben.</p>
<p><strong>Wie fiel der Entscheid, dass die ganze Platte in französischer Sprache sein sollte?</strong></p>
<p>Das wollte ich lustigerweise schon immer machen. Zu Beginn meiner Karriere habe ich aus Angst, nie mehr eine Platte realisieren zu dürfen, und weil ich zeigen wollte, was ich kann, alles durcheinandergemischt. Irgendwann habe ich mich entspannt und gesagt: „Ok, es geht sehr wahrscheinlich noch weiter“. Als ich in Deutschland aufgetreten bin, hat mir zudem Annette Humpe gesagt: „Wir möchten dich gerne in französischer Sprache singen hören“. Deshalb habe ich es jetzt probiert.</p>
<p><strong>Vor zehn Jahren hattest du bereits einmal ein Angebot einer französischen Plattenfirma und warst in Paris, um Songs zu schreiben und aufzunehmen, welche jedoch nie erschienen sind. </strong></p>
<p>Nein, aber die Songs gibt es immer noch. Aus dieser Zeit sind zudem Freundschaften entstanden und geblieben. Doriand, den Texter des neuen Liedes „La nuit dehors“ zum Beispiel habe ich damals kennengelernt. Immer wenn ich ein Französischproblem habe oder jemand Tolles für eine Zusammenarbeit herbeiziehen möchte, dann hilft er mir.</p>
<p><strong>Welches war eigentlich der Grund, dass damals keine französische Platte erschienen ist?</strong></p>
<p>Ich ging auf Einladung der A+R-Abteilung von Sony Music France nach Paris. Die fanden mich sowohl als Sänger als auch als Typ super. Ein Jahr lang bin ich von Studio zu Studio und von Songwriter zu Songwriter getingelt und habe diverse Sachen ausprobiert. Die Verantwortlichen der Plattenfirma sagten immerzu: „C’est magnifique, mais ce n’est pas encore ça“. Man denkt es vielleicht nicht von mir, wenn man mich auf der Bühne sieht, aber ich habe auch eine scheue und introvertierte Seite. Am Anfang habe ich mich deshalb nicht getraut, auf den Tisch zu hauen. Irgendwann ging mir dann das Geld aus und ich habe gesagt: „Schaut, es ist mir egal. Ich habe genug. Ich kann mir das alles gar nicht leisten.“ Es war nicht mehr die goldene Zeit der 80er-Jahre, von denen mir Kollegen erzählt haben. Sie haben damals von der Plattenfirma einen Monatslohn erhalten und konnten einfach mal ausprobieren. Ich habe während der Zeit in Paris natürlich auch deutsche Songs geschrieben. Als ich zurück in die Schweiz gekommen bin, habe ich die „Frisch“-Platte gemacht und dann ging es immer weiter. Ich schaue nicht mit Bitterkeit auf diese Zeit in Paris zurück. Ich habe einfach gemerkt, dass es für mich ein bisschen schneller und leichter gehen muss.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-9513" title="mvdh foto 03" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/mvdh-foto-03.jpg" alt="mvdh foto 03" width="550" height="825" /></p>
<p><strong>Neben Thomas Fessler als Produzent hat eine weitere alte Bekannte an der neuen Platte mitgearbeitet: Milena Moser hat den Text zu „Quand je serai mort“ geschrieben. </strong></p>
<p>Milena, mit der ich seit vielen Jahren befreundet bin, sagte mir vor einiger Zeit, sie hätte einen Text, der zu mir passe und mir quasi auf den Leib geschrieben sei. Ich habe den Text gelesen und hatte das Gefühl, dass dieser, obwohl ich ihn super fand, für das  deutsche Album „Freie Sicht“ doch etwas zu hart ist. Deshalb habe ich den Text auf die Seite gelegt und erst für das neue Album wieder hervorgenommen. In der französischen Übersetzung ist das Lied nun stärker geworden. Die Fantasie, die im Text beschrieben wird, hatte ich ebenfalls. Mir haben viele Leute attestiert, dass sie als Teenager eine pathetische Todesfantasie hatten, sei es, weil die Eltern nicht nett waren oder wenn es in der Schule Probleme gab. Sie stellten sich dann vor, wie das Umfeld reagieren würde, wenn sie nicht mehr leben würden. Eigentlich ist es eine Hoffnung: „Das würde euch so leid tun! Würde ich sterben, wüsstet ihr, was ihr an mir gehabt hättet“. Der Song beschreibt ganz einfach dieses jugendliche Gefühl.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ein toller Text ist ebenfalls „Jumelles cruelles“. Was ist mit diesen grausamen Zwillingen genau gemeint?</strong></p>
<p>Neid und Eifersucht, diese hässigen Geschwüre, die einem das Leben vergällen können und von denen man sich so schnell immer wieder vergiften lässt.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Gibt es im Showbusiness viel Neid und Eifersucht?</strong></p>
<p>Ich würde das nicht einmal unbedingt aufs Showbusiness beziehen. Showbusiness ist sowieso nur ein anderes Wort für das Leben. Man will besser scheinen als man ist. Die einen haben mehr Erfolg als die anderen und man denkt: „Wieso denn nur? Ich bin doch besser!“. Mit dem Neid und der Eifersucht fängt es schon in ländlichen Gegenden an, wenn die Nachbarin beispielsweise die schöneren Rosen hat. Diese Gefühle kannte ich bereits als Kind. Ich bin einfach, aber nicht ärmlich, aufgewachsen. Meine Mutter kaufte mir damals meine Kleider immer im Vögele. Die Nachbarn hingegen haben in der Boutique Designerklamotten gekauft. Das hat mich unheimlich genervt. Meine Mutter sagte jeweils: „Die Vögele-Jeans sind genauso gut und sehen genauso aus wie die anderen“. Ich habe ihr dann geantwortet: „Nein, die sehen eben nicht gleich aus!“. Meiner Mutter war dies jedoch egal, sie hatte dieses Flair einfach nicht.</p>
<p><strong>Wie reagierst du auf Neid und Eifersucht?</strong></p>
<p>Ich tue jeweils so, wie wenn ich es nicht merken würde. Lächeln und sich blöd stellen, das ist in solchen Momenten immer das Gescheiteste.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>„Jumelles Cruelles“ ist ein Lied, welches du mit der Westschweizer Texterin Nadine Mayoraz geschrieben hast. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>In Deutschland oder der Deutschschweiz hatte ich immer „Gspändli“, mit denen ich texte. Für französische Texte fehlte mir ein solcher Austausch lange Zeit. Obwohl ich relativ gut französisch schreiben kann, ist es trotzdem nicht meine Muttersprache. Eine Redewendung, die in Deutsch clever tönt, kann im Französischen platt sein. Der welsche Sänger Thierry Romanens, mit dem ich mal ein Duett gesungen habe, hat mich mit Nadine Mayoraz, die für ihn bereits Texte verfasst hat, bekannt gemacht. Wir haben uns sofort sehr gut verstanden. Das ist wichtig, denn man muss jemanden haben, der einen ähnlichen Geschmack hat und der auch Kritik ertragen kann. Ihr kann ich sagen: „Ça c’est nul. Il faut chercher autre chose“. Das verträgt sie dann auch. Lustigerweise habe ich das selber lernen müssen, als ich in Deutschland gearbeitet habe und mir jemand sehr direkt gesagt hat: „Nee, das geht überhaupt nicht!“. Zuerst dachte ich, nun sei mein ganzes Leben, ich als Künstler, einfach alles in Frage gestellt. Mit der Zeit habe ich gemerkt: „Nein, es war nur diese eine Textzeile gemeint und nichts anderes.“</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ein gewisser André Grueter ist bei vielen Liedern ebenfalls als Texter aufgeführt. </strong></p>
<p>Den habe ich entdeckt (lacht). Lustigerweise ist er ein alter Bekannter von mir, der mir immer dreingeredet und mir gesagt hat, was ich karrieremässig machen sollte. Ich war jeweils leicht beleidigt. Da er Übersetzer ist, habe ich ihn dann aber mal engagiert, als ich eine Übersetzung benötigte. Während der Arbeit haben wir viel über Musik gesprochen und ich dachte mir: Eigentlich bräuchte ich so jemanden, der sowohl sehr musikalisch, als auch nicht auf den Mud gefallen und etwas frech ist. Sich also im gleichen Universum bewegt. Er ist super und kann das, was ich nicht kann und umgekehrt. Die Ideen und das Poetische bei den Liedern kommen vor allem von mir und er veredelt es dann.</p>
<p><strong>Bei vielen Liedern auf der Platte gibt es einen starken Kontrast zwischen der tanzbaren Musik und den doch eher traurigen Texten. </strong></p>
<p>Ja, aber zum Beispiel „Je ne sers à rien“ – das ist jetzt zwar eine Ballade &#8211; ist auch mit Hoffnung getränkt. Es wäre sehr deprimierend, wenn der letzte Satz nicht käme. Eine deutsche Freundin hat zu mir gesagt: „Ich kann dieses Lied nicht hören. Was willst du, dass man sich dabei umbringt?“. Sie hat das Lied aber nur bis zur Hälfte und nicht bis zum Schluss gehört. Dieser ist nämlich sehr schön und hoffnungsvoll, wenn es heisst: „Reviens! Komm zurück!“Das Lied handelt von einem Gefühl, das wohl viele Leute kennen. Man entwickelt in der Liebe mit der Zeit eine gewisse Abhängigkeit von seinem Partner. Das muss nicht einmal negativ sein. Man merkt einfach: Ich bin nur die eine Hälfte und brauche die andere Person.</p>
<p><strong>Obwohl auf „Lido“ viele computerprogrammierte Klänge zu hören sind, ertönen als prägnante Farbtupfer auch einige akustische Instrumente, wie beispielsweise die wunderbaren Bandoneonklänge von Michael Zisman.</strong></p>
<p>Ja, der ist super. Als ich bei dem Projekt „Buebetröim“ des Swiss Jazz Orchestra mitgemacht habe, war Michael Zisman dort Gast. Wenn er sein Bandoneon gespielt hat, hat es einem richtiggehend die Haare aufgestellt. Ich wusste zwar, dass ich mit „Lido“ etwas Elektronisches machen wollte, aber mit Elementen von Instrumenten, die einem ans Herz gehen. Deshalb habe ich Michael Zisman ganz einfach gefragt, ob er mitmachen möchte und er hat sogleich zugesagt und sich sehr geehrt gefühlt.</p>
<p><strong>Bei „Je t’aime“, wenn die Klänge der Bag Pipe ertönen, stellt es einem ebenfalls die Haare auf.</strong></p>
<p>Bereits bei der Komposition des Liedes habe ich an dieses Instrument gedacht. Alle anderen, auch der Produzent,  waren jedoch skeptisch und meinten, dass dies nicht unbedingt sein müsse. Irgendwann habe ich im Studio gesagt: „So, und wann nehmen wir jetzt diese Bag Pipe auf?“ Thomas Fessler hat mir dann erzählt, dass er den irischen Musiker Brendan Wade kenne, der eine Koryphäe auf diesem Instrument sei und in der Schweiz wohne. Als Wade mit seinem ganzen Arsenal, seinen Flöten, ins Studio kam und zu spielen begann, hielten alle den Atem an. Die Bag Pipe gibt dem Song eine unglaubliche Weite. Es ist schon verrückt, dass ein Instrument, das jemand so toll spielt, so viel auslösen kann.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Auch der Background-Gesang von Madeleine Rascher, der im Lied „Reste“ fast opernhaft klingt, ist sehr eindrücklich.</strong></p>
<p>Vor drei Jahren hätte ich noch gesagt: „Komm, das ist zu pathetisch!“ Aber ich finde den Part ebenfalls super. Ursprünglich wollte ich für dieses Lied mit einer norwegischen Opernsängerin zusammenarbeiten, die ich am Theater Basel kennengelernt hatte. Dann habe ich mir gedacht: Das wäre schon ein wenig übertrieben, wenn sie extra für die Aufnahmen dieser Sequenz aus Norwegen in die Schweiz kommen müsste. Als ich „Lido“ aufgenommen habe, war Madeleine Rascher nebenan im Studio. Ich habe sie gefragt, ob sie den Part übernehmen möchte, ihr diesen vorgesungen und sie hat das so toll gemacht! Sie ist ganz jung, erst 18 oder 19 Jahre alt und absolviert die Ausbildung zur Sängerin und Pianistin. Sie hat etwas sehr Herzliches und singt sogar noch schöner als eine Opernsängerin.</p>
<p><strong>Du bist, wie schon im Vorfeld des Albums „Freie Sicht“, mit den Liedern aus „Lido“ auf Tour gegangen, bevor die Platte fertig war. Wie hat das Publikum darauf regagiert, dass ein grosser Teil des Konzertes aus unbekannten Liedern bestand?</strong></p>
<p>Das kam richtig super an. Ich habe ein sehr interessiertes Publikum, welches auch goutiert, wenn es im Konzert Lieder zu hören bekommt, die es auf Platte noch nicht gibt. Das ist eigentlich ein Luxus. Deshalb war es für mich eine tolle Erfahrung.</p>
<p><strong>Du hast gesagt, der Sound der neuen CD sei für Leute in deinem Alter gedacht, die sich gerne an ihre Teenagerzeit zurückerinnern möchten. Was hast du für Erinnerungen an deine Teenagerzeit?</strong></p>
<p>Schöne und furchtbare. Als Teenager hat man ganz viele Hoffnungen und stellt sich gleichzeitig Fragen wie: „Was wird aus mir?“ Diese Fragen sind dermassen präsent. Mit 40 weiss man dann einigermassen, was aus einem geworden ist. Ich war zwar gerne Teenager, aber ich habe mich auch gefreut, als diese Zeit vorbei war.</p>
<p><strong>Einige Lieder auf „Lido“ erinnern mit ihren Retro-Elementen im Stil ein wenig an „Ouragan“ von Stéphanie de Monaco, der du im Booklet der neuen CD deinen Dank aussprichst.</strong></p>
<p>Das mache ich immer, das hat bereits Tradition (lacht). Mir gefällt bei diesen französischen Liedern wie „Ouragan“ oder auch „Voyage, voyage“, dass sie zwar poppig und recht elektronisch sind, aber auch eine gewisse Melancholie verströmen. Sie haben zum Teil zwar einen leichten Text, sind aber trotzdem nicht doof. „Ouragan“ und „Voyage, Voyage“ finde ich nach wie vor sehr gut. Natürlich ist der Gesang von Stéphanie de Monaco sehr französisch. Dieses Gehauchte, eine Art „Non-Voice“, gibt es aber in der französischen Musik immer wieder.</p>
<p><strong>Der stimmgewaltigen Patricia Kaas dankst du  im Booklet ebenfalls.</strong></p>
<p>Als ich als Au-Pair im Welschland war und dort Gesangsstunden genommen habe, hatte Patricia Kaas mit „Mon mec à moi“ gerade einer ihrer ersten Hits. Meine Gesangslehrerin sagte damals: „Écoute! Das ist zwar kein klassischer Gesang, aber diese Künstlerin ist super und hat eine tolle Stimme!“. Als Patricia Kaas später in Zürich gewohnt hat, haben wir uns oft getroffen. Wir kennen uns mittlerweile schon lange und reden jeweils viel über Musik. Obwohl sie ein so grosser Star ist, findet der Austausch mit ihr immer auf einer Augenhöhe statt. Das ist toll. Einmal kam sie an eines meiner Konzerte und sagte nachher zu mir: „Mais tu fais peur aux gens“ (lacht) Ich solle etwas kommerzieller lächeln, dann hätte ich mehr Publikum. Die Reinunterhaltung, die nur brav und lieb ist, liegt mir aber nicht, sonst würde ich mich mit meiner Musik im Schlagerbereich bewegen.</p>
<p><strong>Die verstorbene deutsche Lyrikerin Hilde Domin erwähnst du in deinen Danksagungen ebenfalls. Inwiefern hat sie dich inspiriert?</strong></p>
<p>Vor drei Jahren habe ich einen Dokumentarfilm über Hilde Domin gesehen. Da hat es mich richtig gepackt. Ihre Gedichte finde ich grossartig. In ihnen ist so viel drin, sie sind so reich. Das Lied „Je ne sers à rien“ ist deshalb von einem ihrer Gedichte inspiriert.</p>
<p><strong>Auffallend ist, dass du, seit du vor 15 Jahren dein erstes Album veröffentlicht hast, je länger je mehr eigene Lieder schreibst. Was hat dazu geführt?</strong></p>
<p>Ich habe immer eigene Songs geschrieben. Das Komponieren fällt mir aber oftmals einfacher als das Texten. Früher habe ich schnell einmal aufgegeben, weil ich dachte, ich sei kein begabter Texter, da ich die Texte nicht so schnell runterschreiben konnte. Wenn ich dann zum Beispiel einen Liedtext von Martin Suter erhalten habe, dachte ich jeweils: „Natürlich ist dieser Text besser. Ich nehme lieber den“. Annette und Inga Humpe haben mir aber Mut gemacht und gesagt, ich müsste einfach dran bleiben. Ich habe dann bei anderen Künstlern gesehen, dass auch diesen das Texten nicht immer leicht fällt. Manchmal fällt mir eine Zeile ein, die dann über Jahre herumliegt. Ich habe nun gelernt, dran zu bleiben und nicht gleich aufzugeben.</p>
<p><strong>Du bist ein musikalisches Chamäleon. Jede CD war wieder anders, hatte einen anderen Stil. Live bietest du eine Mischung aus Chanson, Pop, Jazz und Tanzmusik. Gibt es auch etwas, das du nicht kannst?</strong></p>
<p>Also, ich kann vieles nicht. Ich kann beispielsweise keine Punkmusik machen. Also ich könnte es vielleicht schon, aber es wäre einfach nicht gut und nicht authentisch. Für Heavy-Rock fehlt mir die geeignete Stimme. Ich höre sehr gerne Hardrock, die Sänger in diesem Genre sind oft fantastisch. Es gibt auch vieles, das ich gar nicht machen will, beispielsweise so richtige Schlagermusik.</p>
<p><strong>Welches war das schönste Erlebnis in deiner bisherigen Karriere?</strong></p>
<p>Ich habe so viele Dinge gemacht, da ist es schwierig, ein bestimmtes Erlebnis zu nennen. Es gibt für mich auch keinen schönsten Gig. Ich hatte so viele tolle Begegnungen: Mit Ute Lemper am Montreux Jazz Festival beispielsweise, oder die Duette, die ich mit Nina Hagen, Kuno Lauener oder auch weniger bekannten Leuten eingespielt habe. Das Schönste ist, dass ich immer noch Platten machen kann und es Leute gibt, die sich für mich und meine Musik interessieren und an meine Konzerte kommen. Dafür bin ich sehr dankbar.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Wo siehst du dich in 15 Jahren?</strong></p>
<p>Gell, wenn man nach meinem Lied „Quand je serai mort“ urteilen würde, müsste ich dann wohl unter der Erde sein (lacht).</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Im Interview mit einer Illustrierten hast du vor Jahren mal gesagt: „Ich glaube, dass ich nicht sehr alt werde“.</strong></p>
<p>Ja, das weiss ich noch. Meine Grossmutter ist damals, als sie das gelesen hat, aus allen Wolken gefallen und hat gefragt: „Ja, bist du denn krank?“. Als junger Mensch konnte ich mir damals gar nicht vorstellen, überhaupt 40 Jahre alt zu werden. Ich werde jetzt bald 40 und bin überhaupt nicht alt. Jetzt muss ich auch sagen: Um jung zu sterben, bin ich mittlerweile zu alt. Nun habe ich so ein Gefühl, dass ich sehr alt werde, obwohl ich rauche. Was die Musik betrifft: Ich sehe immer wieder Konzerte von Künstlern, die 60,70 Jahre alt sind und bei denen ich finde: „Wow! Die machen das toll! Der Inhalt ist gut und die Performance ist stimmig.“ Das könnte ich mir ebenfalls vorstellen, aber natürlich nur, wenn die Leute immer noch Interesse an meiner Musik haben. Ich möchte nicht das Gefühl haben, dass es mit einem extremen Krampf verbunden ist. Nicht wie gewisse Schauspieler, die immer sagen: „Ich MUSS zur Bühne!“. Mit Musik würde ich mich immer gerne in der einen oder anderen Art beschäftigen, aber vielleicht müsste es nicht mehr unbedingt auf der Bühne sein. Aber ich plane nicht, jetzt gleich aufzuhören. Wenn man nicht dem Jugendwahn verfallen ist, auch künstlerisch, kann man dieses Metier sehr lange ausüben.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Passend zum französischsprachigen Album „Lido“ beantwortete Michael von der Heide für Nahaufnahmen.ch zudem den berühmten Fragebogen des französischen Schriftstellers Marcel Proust:</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Was ist deine Vorstellung von wahrem Glück?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Ich habe keine eigentliche Vorstellung davon. Deshalb antworte ich mit einem Zitat aus einem Lied von Hildgeard Knef: „Das Glück kennt nur Minuten, der Rest ist Warteraum“. Auch wenn man eigentlich zufrieden ist, sind doch die wirklichen Glücksmomente eher kurz.</p>
<p><strong>Was ist deine grösste Angst?</strong></p>
<p>Unter das Tram zu kommen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Welche lebende Person bewunderst du am meisten?</strong></p>
<p>Bette Midler</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Gibt es eine lebende Person, die du verabscheust?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Ja, aber das erzähle ich dir nicht.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Was würdest du an dir ändern?</strong></p>
<p>Optisch könnte man viel machen, aber da mache ich nichts. Die Ungeduld vielleicht.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Deine grösste Extravaganz? </strong></p>
<p>Auf Massen-SMS zum Geburtstag und zu Weihnachten nicht zu antworten.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Deine Lieblingsreise?</strong></p>
<p>Die habe ich noch nicht gemacht. Die kommt noch.</p>
<p><strong>In welcher Situation würdest du lügen?</strong></p>
<p>Wenn man mit der Wahrheit jemanden verletzen müsste und dies nicht unbedingt sein muss.</p>
<p><strong>Was betrachtest du als deine grösste Errungenschaft?</strong></p>
<p>Dass ich dranbleiben kann und einen langen Atem habe. Dies ist zwar keine Errungenschaft, aber dafür ein positiver Charakterzug.</p>
<p><strong>Deine gegenwärtige Geistesverfassung?</strong></p>
<p>In guter Hoffnung.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Dein meistgeschätzter Besitz?</strong></p>
<p>Meine zwei Katzen und der Hund.</p>
<p><strong>Wo möchtest du gerne leben?</strong></p>
<p>Ich würde gerne in einem irrsinnigen Haus in Südfrankreich wohnen.</p>
<p><strong>Deine Lieblingsbeschäftigung?</strong></p>
<p>Musik machen, Musik hören und Aperitiv trinken mit Freunden.</p>
<p><strong>Deine markanteste Charaktereigenschaft?</strong></p>
<p>Meine Treue. Es gibt immer wieder Leute, die zu mir sagen: „Du bist eine treue Seele.“</p>
<p><strong>Welche Eigenschaft magst du bei einem Mann beziehungsweise bei einer Frau am meisten?</strong></p>
<p>Wenn jemand denselben, etwas bissigen Humor hat wie ich.</p>
<p><strong>Dein Lieblingsschriftsteller/Deine Lieblingsschriftstellerin?</strong></p>
<p>Hilde Domin</p>
<p><strong>Dein Lebensmotto?</strong></p>
<p>Wenn es diesmal nicht klappt, dann halt das nächste Mal.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Das Album:</strong></p>
<p>„Lido“ (Sony Music Switzerland) ist seit 26. August im Handel erhältlich.</p>
<p><strong>Die Tour-Daten:</strong></p>
<p>Eine Übersicht über Michael von der Heides Konzerte in den kommenden Monaten findet sich auf <a href="http://www.michaelvonderheide.com/">www.michaelvonderheide.com</a>.</p>
<p>Zusätzlich zu den Konzerten ist Michael ab 16. September im Theater Basel im Stück „Hush, no more“ zu sehen.</p>
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		<title>«Was die Musik betrifft, bin ich ein Diktator»</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Jun 2011 10:01:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rico Steinemann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/06/07/interview-kadebostan/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/06/Kadebostan-Inti.JPG class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Sie galten als Geheimtipp des Festivals, The National Fanfare of Kadebostany, das folkloristische Orchester um Frontmann Kadebostan. nahaufnahmen.ch traf sich mit Gründer und Herrscher der Republik Kadebostany im Pressebereich zum Kurz-Interview. Mit Sonnenbrille, der Jacke einer Uniform älteren Datums und Bierdose in der Hand erschien der DJ und Produzent zum Gespräch, eine symphathische Mischung aus General und Zirkusdirektor.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>«Was die Musik betrifft, bin ich ein Diktator»</h1>
<div id="attachment_8774" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-8774" title="Kadebostan Inti" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/06/Kadebostan-Inti.JPG" alt="Der Anführer von The National Fanfare de Kadebostany&quot; im Interview. Bild: Luka Beluhan" width="550" height="365" /><p class="wp-caption-text">Der Anführer von The National Fanfare de Kadebostany&quot; im Interview. Bild: Luka Beluhan</p></div>
<h2>Interview Kadebostan, festi’neuch, 4.6.2011</h2>
<p><strong>Sie galten als Geheimtipp des Festivals, The National Fanfare of Kadebostany, das folkloristische Orchester um Frontmann Kadebostan. nahaufnahmen.ch traf sich mit Gründer und Herrscher der Republik Kadebostany im Pressebereich zum Kurz-Interview. Mit Sonnenbrille, der Jacke einer Uniform älteren Datums und Bierdose in der Hand erschien der DJ und Produzent zum Gespräch, eine symphathische Mischung aus General und Zirkusdirektor.</strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wie kam es, dass du als DJ und Produzent elektronischer Musik eine Kollaboration mit einem osteuropäischen Orchester eingegangen bist?</p>
<p>Kadebostan: Ich war lange als Solo Act unterwegs und habe an einem Festival in Krakau Mat Schulz kennengelernt, der meinen Auftritt sehr mochte und mich unbedingt mit einem Orchester in Minsk bekannt machen wollte. So bin ich nach Minsk gefahren, habe das Orchester kennengelernt und alles hat seinen Lauf genommen. Es gab lange Nächte mit viel Wodka und Rotwein und wir wussten, dass wir uns keinerlei Regeln vorschreiben wollten, was unsere Musik betrifft. Also haben wir ein Fantasie-Land gegründet. Die Republik von Kadebostany. Wir machen folkloristische Musik aus Kadebostan. (lacht)</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Hast du eine besondere Verbindung zu osteuropäischer Musik?</p>
<p>Kadebostan: Nun ich hatte schon immer grosses Interesse an folkloristischer Musik aus dem Osten, eigentlich an folkloristischer Musik allgemein. Sei dies nun aus Afrika oder aus Osteuropa.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Du spielst mit deinem Orchester an verschiedensten Festivals, an einem «normalen» wie hier, aber auch an einer Lethargy in der Roten Fabrik oder der Fusion in der Nähe von Berlin. Warum spricht eure Musik so viele verschiedene Menschen an?</p>
<p>Kadebostan: Für uns ist dies in erster Linie ein grosses Glück. Warum die Musik bei so vielen verschiedenen Leuten so gut ankommt, weiss ich ehrlich gesagt auch nicht. Wir sind nie Konzessionen eingegangen und haben einfach unser Ding durchgezogen. Wir sind sicher auch speziell und machen keine alltägliche Musik. Ich denke, die Leute mögen das. Nächste Woche spielen wir sogar am Samstag Abend während der Prime Time im Westschweizer Fernsehen (TSR).</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Ach ja, in welcher Sendung?</p>
<p>Kadebostan: Ups, sorry, keine Ahnung wie die Sendung heisst, ich schaue selber nicht fern. (lacht)</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Eben erst hast du das Album «Songs from Kadebostany» released. Wie war das für dich, anstatt alleine, nun plötzlich mit einer ganzen Band zu arbeiten?</p>
<p>Kadebostan: Es war ein langer zweijähriger Prozess, bei dem ich die Band am Anfang bat, einfach zu spielen. Dabei kam sehr viel Material zusammen, die Band ist sehr sehr gut im improvisieren und das gefiel mir. Dabei achtete ich speziell auf Momente, wo es kleine Ungereimtheiten und Fehler gab, die so nicht geplant waren. Ich mag es, wenn nicht alles durchgeplant klingt. So habe ich dann angefangen aus der riesigen Ansammlung Material einzelne Songs zu basteln. Schlussendlich kamen dann 14 Songs auf die Platte.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Hast du die Songs ausgewählt oder war das ein Prozess mit der gesamten Band ?</p>
<p>Kadebostan: Oh, nein, die Songs habe ich ausgewählt. Ich bin was die Musik betrifft ein Diktator. (lacht) Mein Studiopartner in der Republik von Kadebostany, Lalou, der übrigens auch ein richtig guter DJ ist, war mir jedoch bei der Reihenfolge für das Album behilflich. Er ist sehr gut, wenn es darum geht, Songs für ein Album so zusammenzustellen, dass es am Schluss ein funktionierendes Gesamtbild gibt.</p>
<p>Im Netz: <a href="http://kadebostany.com/">Kadebostany</a></p>
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		<item>
		<title>Die zauberhafte Welt der Oh Land</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/06/07/die-zauberhafte-welt-der-oh-land/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Jun 2011 09:20:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michelle Akanji</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=8750</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/06/07/die-zauberhafte-welt-der-oh-land/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/06/Oh-Land-Cover-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Nach ihrem Erstling „Fauna“ (2008) erschien letzten Freitag das neue Elektro-Pop Album der 26-jährigen Dänin. „Oh Land“ heisst das Meisterwerk mit zwölf Songs, das mit dem Sony Music Label „Epic“ in New York aufgenommen wurde. Auf ihrer Promotionstour legte Oh Land einen Stopp in Zürich ein und gab am Frühstückstisch im Hotel Europe ein exklusives Interview für nahaufnahmen.ch. Bei einer Tasse Tee plauderte die lebendige Sängerin über Träume, Kunst und Märchen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Die zauberhafte Welt der Oh Land</strong></h1>
<h2>
<div id="attachment_8753" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-8753  " title="Oh Land Cover" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/06/Oh-Land-Cover.jpg" alt="&quot;Oh Land&quot;, kürzlich erschien die neue Scheibe der dänischen Electro-Pop Queen. Bild: Ohland.com" width="550" height="550" /><p class="wp-caption-text">&quot;Oh Land&quot;, die neue Scheibe der dänischen Electro-Pop Queen. Bild: Ohlandmusic.com</p></div>
</h2>
<h2>Oh Land-Interview, Zürich, 01.06.2011</h2>
<p>Märchenland, unendliche Möglichkeiten, geheimnisvolle Landschaften und mystische Klänge; das ist die musikalische Szenerie, in der sich Oh Land bewegt. Die Kopenhagenerin, die eigentlich Nanna Øland Fabricius heisst, verwebt Realität und Träume. Es entsteht ein kaum fassbares Soundkonstrukt, das durchzogen von Extremen mal zuckersüss, mal stockfinster klingt. Ihre Songs bestehen nicht „nur“ aus Melodien, sondern auch aus dem Klicken, Piepsen, Zupfen und Surren, das man hören kann, wenn ihre Musik entsteht. In einer Künstlerfamilie aufgewachsen, entschied sich Oh Land vorerst für eine Tanzkarriere und studierte an den königlichen Ballettschulen von Dänemark und Schweden. Eine Rückenverletzung zwang sie, das Tanzen an den Nagel zu hängen. Um die kreative Lücke zu füllen, begann sie Songtexte zu schreiben, die aus einem Märchenbuch stammen könnten. Nach wie vor ist das Tanzen ein wichtiges Element der Performance von Oh Land. Das Publikum wird an Konzerten gleichermassen mit musikalischen und visuellen Elementen konfrontiert – etwa durch eine Bühne voller weisser Luftballone auf deren Oberfläche eigenartigen Projektionen schimmern, begleitet durch den dumpfen Sound von Drumpads. Dabei schwebt Oh Land wie im Traum über die Bühne und schildert in allen Formen und Farben, was sie sieht.</p>
<p><strong>Nach ihrem Erstling „Fauna“ (2008) erschien letzten Freitag das neue Elektro-Pop Album der 26-jährigen Dänin. „Oh Land“ heisst das Meisterwerk mit zwölf Songs, das mit dem Sony Music Label „Epic“ in New York aufgenommen wurde. Auf ihrer Promotionstour legte Oh Land einen Stopp in Zürich ein und gab am Frühstückstisch im Hotel Europe ein exklusives Interview für nahaufnahmen.ch. Bei einer Tasse Tee plauderte die lebendige Sängerin über Träume, Kunst und Märchen.</strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Bist du das erste Mal in der Schweiz?</p>
<p>Oh Land: Ja, ich war noch nie hier, obwohl es gar nicht weit weg ist von Dänemark. Aber ich werde bald wieder kommen: Im Juli spiele ich am Montreux Jazz-Festival.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Dein neues Album „Oh Land“ wird in den nächsten Tagen veröffentlicht. Kannst du es in drei Worten beschreiben?</p>
<p>Oh Land: Verträumte, elektronische Popmusik.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Hast du ein Lieblingslied?</p>
<p>Oh Land: Immer, wenn ich einen Song fertig geschrieben habe, mag ich den am besten, weil er so frisch ist. Aber wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, wäre es „Wolf and I“. Ich liebe es, den Song live zu spielen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: </strong>„Wolf and I“ besteht aus vielen Dubstep-Elementen. Ist Dubstep die neue Form von Drum n Bass?<strong> </strong></p>
<p>Oh Land: Ich würde sagen ja.</p>
<p>Ich lernte Dubstep vor drei Jahren an einem Festival in Schweden irgendwo draussen im Wald kennen. Neben einem Stromkraftwerk legte <em>Scream</em> auf, der Vater des Dubstep. Während den drei Stunden konnte ich den Bass sogar in meiner Nase spüren – ein unglaubliches Gefühl. Ich war völlig beeindruckt und das war wohl der Punkt, an dem meine Dubstep-Besessenheit entstand. Ich hatte allerdings schon auf meinem ersten Album „Fauna“ viele dieser starken tiefen Bass-Elemente – nur wusste ich damals nicht, dass es Dubstep hiess.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Welche andere Musik beeinflusst dich?</p>
<p>Oh Land: Ich habe während meiner Kindheit oft klassische Musik gehört, zum Beispiel ungarische Chöre. Aber auch Daftpunk, Radiohead, Björk und Portishead beeinflussen meinen Alltag und meine Musik.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Was inspiriert dich sonst noch?</p>
<p>Oh Land: Vor allem Filme und die bildende Kunst begleiten mich immer. Meine Lieblingskünstler sind der amerikanische Medienkünstler Matthew Barney, ich mag vor allem die Art und Weise, wie er Performance in seine Werke einfliessen lässt. Und natürlich Eske Kath, ein dänischer Künstler, der das Artwork für mein neues Album gemacht hat. Wir haben auch vor kurzem zusammen eine Ausstellung gemacht in New York: Er hat einen ganze Galerie nach dem Oh Land–Spiritus gestaltet und ich habe darin ein Konzert gegeben. Und David Lynch war auch immer eine sehr grosse Inspiration. Und der Fotograf Tim Walker. Und Tim Burton.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Machst du selber Kunst?</p>
<p>Oh Land: Ja, schon seit ich Kind war, zeichnete ich. Meine Zeichnungen sind eigentlich die bildliche Darstellung meiner Lyrics. Ich male oft patchwork-mässig, wie im Märchenwald. Alles muss idyllisch und schön sein. Aber gleichzeitig lasse ich dunkle Elemente einfliessen. Zum Beispiel habe ich einmal ganz viele kleine Ballerinas gemalt, was für mich die ultimative Schönheit bedeutet, doch alle diese Tänzerinnen zusammen lassen ein Bild von einem Gesicht entstehen, das ganz entsetzlich schreit. Ich mag Hologramme und Kontraste. Du musst die Dinge immer von zwei Seiten betrachten können.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Deine Lyrics handeln oft von Märchen. Kannst du dich an eines aus deiner Kindheit erinnern?</p>
<p>Oh Land: Natürlich, Alice im Wunderland! Das Buch lese ich oft. Ich bewundere die Art und Weise, wie es geschrieben ist. Die Geschichte ist simpel und logisch, handelt aber gleichzeitig von einer komplexen Welt. Es erinnert mich an den Zeitpunkt kurz bevor man einschläft. Du hörst Dinge von der realen Welt, die sich aber langsam vermischen mit jenen deiner Traumwelt. Genau in diesem merkwürdigen Zwischenland fühle ich mich zu Hause.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Schreibst du oft über deine Träume?</p>
<p>Oh Land: Ich habe sehr strukturierte Träume, sie sind immer eine vollständige Geschichte mit Anfang und Ende. Komisch, nicht? Manchmal stehe ich mitten in der Nacht auf, um die Träume aufzuschreiben, damit sie nicht vergessen gehen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Zu deiner Performance auf der Bühne: Planst du sie?</p>
<p>Oh Land: Nein, alles ist spontan. Ich mache keine Choreografien. Ich versuche die Musik zu fühlen, das Publikum zu fühlen und lasse mich von meiner Umgebung anstecken. Dafür plane ich das ganze Bühnenbild von A bis Z: Visuelle Elemente, wie Ballone mit Projektionen drauf. Seltsame Beleuchtungen. Das muss alles sehr dramatisch sein, wie im Theater.</p>
<div id="attachment_8752" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-8752" title="Oh Land" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/06/Oh-Land.jpg" alt="Bild: Chris LaPutt" width="550" height="550" /><p class="wp-caption-text">Bild: Chris LaPutt</p></div>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Du hast früher getanzt. Wie sind deine Gefühle beim Tanzen und wie beim Singen?</p>
<p>Oh Land: Bei beidem gehe ich verloren, mein Körper nimmt überhand und mein Kopf folgt. Ich gelange in einen friedlichen Zustand, wie meditieren. Du weißt, du bist mit deinem Körper und Geist voll da, wo du dich eben gerade befindest. Tanzen ist immer auch mit Leistung verbunden, wenn ich Musik mache bin ich introvertierter, ich stelle mir unmögliche Dinge vor, träume vor mich hin.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Du magst Mode&#8230;</p>
<p>Oh Land: Oh ja! Kleider machen unglaublich viel Spass!</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Woher holst du deine Ideen?</p>
<p>Oh Land: Alte Menschen beeindrucken mich, weil sie nicht versuchen, einem Trend zu folgen und schon seit Jahren ihren persönlichen Stil haben. Sie sind so einzigartig. Neulich habe ich einen alten Mann mit einer Jacke gesehen, die ich unbedingt haben wollte. Ich fragte ihn, woher er sie habe. Leider ohne Erfolg, denn er sagte: „Was weiss ich, die habe sie vor 70 Jahren gekauft!“. Ich mische oft alte, für mich emotionale Dinge mit ganz neuen, schrillen Sachen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Und auf der Bühne?</p>
<p>Oh Land: Da müssen meine Kleider natürlich sein und meine Musik unterstützten. Sie sollen ballett-ähnlich sein, mich an die Outfits von Tänzern erinnern, wie zum Beispiel diese Leggins hier, die ich heute anhabe (hebt das Bein und zeigt schwarze Leggins, die über und über mit schimmernden Pailletten besetzt sind). Kleider müssen eine Geschichte erzählen, und nicht einfach nur gerade angesagt sein.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Entwirfst du selber Kleider?</p>
<p>Oh Land: Ja, aber nur für mich selber, für die Bühne. Manchmal, wenn ich keine Zeit habe, auf die Schneiderin zu warten, schnipsle ich einfach selber an meinen Bühnen-Outfits herum.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Du lebst momentan in Brooklyn, New York. Ein sehr unmystischer Ort mit wenig Natur. Wie vereinst du das mit deiner Musik?</p>
<p>Oh Land: Solange ich in der Stadt lebe, werde ich mich immer nach der Natur, Landschaften und Wasserfällen sehnen. Und dies wirkt sich natürlich auf meine Songs aus. Aber sobald ich an einen See oder in den Wald ziehen würde, würde ich wohl Hardcore-Elektro machen. Ich brauche den Ausgleich. Und man sagt ja, auf der anderen Seite ist das Gras immer grüner. Du wirst inspiriert von Sachen, die du dir vorstellst, die nicht hier sind.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Auf was freust du dich speziell in diesem Sommer?</p>
<p>Oh Land: Auf meine Tour und natürlich die Festivals. Speziell freue ich mich auf das Roskilde Festival in Kopenhagen, weil ich in meiner Heimat spielen kann, meine Freunde und Familie treffe und vielleicht für einen kurzen Moment im Garten meiner Eltern ausspannen kann.</p>
<p>Im Netz:</p>
<p><a href="http://www.ohlandmusic.com/">Oh Land</a></p>
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		<item>
		<title>&#8220;That’s how great music works!&#8221;</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/04/05/raphael-saadiq/</link>
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		<pubDate>Tue, 05 Apr 2011 08:34:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rico Steinemann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/04/05/raphael-saadiq/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/04/Saadiq-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>nahaufnahmen.ch traf sich in der Lounge des Kaufleuten mit Soulmastermind Raphael Saadiq zu einem Gespräch über das neue Album „Stone Rollin“, sogenannte „Household“-Records, Techno aus Detroit und seine Zusammenarbeit mit Mick Jagger.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>That’s how great music works!</h1>
<div id="attachment_8370" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-8370" title="Saadiq" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/04/Saadiq.jpg" alt="Raphael Saadiq, live im Kaufleuten, 23.4.2011 und am Blueballs Festival, 23.07.2011. Alle Bilder: Sonymusic" width="550" height="471" /><p class="wp-caption-text">Raphael Saadiq, live im Kaufleuten, 23.4.2011 und am Blueballs Festival, 23.07.2011. Alle Bilder: Sonymusic</p></div>
<h2>Raphael Saadiq – Interview / Zürich, 31.3.2011</h2>
<p><strong>nahaufnahmen.ch traf sich in der Lounge des Kaufleuten mit Soulmastermind Raphael Saadiq zu einem Gespräch über das neue Album „Stone Rollin“, sogenannte „Household“-Records, Techno aus Detroit und seine Zusammenarbeit mit Mick Jagger.</strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Du hast eben dein neues Album „Stone Rollin“ veröffentlicht. Ähnlich wie auf „The way I see it“ hat auch dieses Album einen ausgeprägten Oldschool-Vibe, klingt aber trotzdem auch zeitgemäß. Bist du ähnlich an dieses Album rangegangen wie auf „The way I see it“?</p>
<p>Raphael Saadiq: Nein, ich hatte eine etwas andere Herangehensweise. Ich habe auf diesem Album viel mehr Gitarren gebraucht, es ist allgemein lauter. Ein wenig bluesiger auch, aber immer noch voller Nostalgie. Aber das bin einfach ich. Ich werde mich nie ändern. Jedes meiner Alben hatte eine gewisse Nostalgie. Ich bin ebenfalls anders an dieses Album rangegangen, weil ich zwei Jahre lang mit „The way I see it“ auf Tour war. Also wurde es schlussendlich ein Album, bei dem ich oft dachte: „Ok, ich möchte diesen Song auf der Bühne spielen, mit diesem Tempo, mit dieser Aggresivität, wenn ich auf Tour bin.“ Das hatte ich letztes Mal noch nicht und dies hat sich sicher auf dieser Platte ausgewirkt.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Einmal mehr hast du dein Album selber geschrieben und produziert, du singst und spielst Gitarre, Bass, Keys, teilweise auch Drums und Percussion selber ein. Ist dies für dich ein Weg die Kontrolle über deine Arbeit zu behalten?</p>
<p>Raphael Saadiq: Nun, nein. Ich weiß halt einfach, wie’s geht. (lacht) Es ist, wie wenn dein Auto einen platten Reifen hat und du ihn selber flicken kannst. Dann tust du es, weil du weißt, wie das geht. Das ist keine harte Arbeit. Es ist nicht so, wie wenn ich zu Hause irgendwelche Rohre flicken müsste. Ich kann diese Instrumente spielen, also warum sollte ich es nicht tun? Aber ich habe ja schon nicht alles selber gemacht. Ich habe einige Jungs aus meiner Band, die hier und da z. B. einen Basspart übernehmen, auch mein Drummer ist auf einigen Songs drauf, aber ja, vieles habe ich selbst gemacht. Es sind ja nur zehn Songs. (lacht)</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wenn du dich hinsetzt und an einem neuen Song arbeitest, welches Instrument nimmst du dann zur Hand?</p>
<p>Raphael Saadiq: Hm…(überlegt) den Bass, ab und zu die Gitarre. Eigentlich meistens die Gitarre.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Je nachdem, wo du mit dem Song hinwillst?</p>
<p>Raphael Saadiq: Genau. Aber schon sehr oft die Gitarre.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Du hast eben den europäischen Teil deiner „Stone Rollin“-Tour begonnen und wenn ich mir deinen Tourplan anschaue, dann wird mir beinahe schwindelig. Jeden Tag eine andere Stadt, jeden Abend ein Konzert, praktisch pausenlos unterwegs, kannst du das Touren überhaupt genießen oder ist es primär einfach stressig?</p>
<p>Raphael Saadiq: Nein, ich habe eigentlich schon Spass dabei, wenn ich so tue, als wäre mein Terminkalender gar nicht da. (grinst) Wenn ich ihn mir anschaue, dann wird mir auch schwindelig.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Du tourst durch die USA, Europa und Asien. Warst du mal in Afrika?</p>
<p>Raphael Saadiq: Noch nicht. Aber es steht definitiv auf meiner Liste. Ich hätte eigentlich letztes Jahr an ein Jazzfestival gehen sollen, doch dann kollidierten die Termine mit der europäischen Promotour von „The way I see it“.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Fühlst du den Druck, nach „The way I see it“ jetzt so schnell als möglich einen Nachfolger zu veröffentlichen, um an diesen Erfolg anzuknüpfen?</p>
<p>Raphael Saadiq: Nein. Aber ich denke schon, dass ich nach dem grossen Durchbruch von „The way I see it“ einfach dieses Momentum ausnutzen muss. Also kommt nun „Stone Rollin“ und danach die nächste Platte. Damit die Leute es wie eine sich fortsetzende Geschichte ansehen können. Bis jetzt war mein Output seit Beginn meiner Karriere immer unregelmäßig. Ein wenig wie unverbundene Punkte. Sogar mit den Tonys (Tony! Toni! Tone!, Saadiqs erste Band, Anm. d. Red.) oder mit Lucy Pearl war keine grosse Kontinuität da. Es gab keine ausgedehnten Touren, mit Lucy Pearl machte ich nur ein Album, danach habe ich sehr viel nur als Produzent gearbeitet. Danach kamen dann „Instant Vintage“ und „Ray Ray“ vor „The way I see it“. Viele Leute kennen mich erst seit „The way I see it“. Die denken, ich sei ein neuer Künstler.</p>
<div id="attachment_8372" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-8372" title="Saadiq3" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/04/Saadiq3.jpg" alt="&quot;Ich bin voller Nostalgie.&quot;" width="550" height="367" /><p class="wp-caption-text">&quot;Ich bin voller Nostalgie.&quot;</p></div>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Dabei warst du schon ein millionenfach verkaufter Künstler in den 80er Jahren, hast Grammys gewonnen und bist seit mehr als 20 Jahren im Geschäft. Nun hast du ausgerechnet mit einem „klassischen“ Soul-Album den Höhepunkt deiner Popularität erreicht. Woher diese momentane Popularität für sogenannt „alte“ Soulmusik, die ich auch ohne Probleme meiner Mutter vorspielen könnte?</p>
<p>Raphael Saadiq: It was just a classic time! Und darum denkt man gerne nostalgisch über diese Zeit. Es ist wie ein…(überlegt lange) Ich nenne es „a household-record“, dass heißt, du kannst die Platte eben genau zu deiner Mutter mitnehmen und sie würde es cool finden. Einige Leute mögen diese Idee nicht, dass auch ihre Mutter dieselbe Platte gut finden kann. Aber für mich sind das die besten Platten, die es gibt. Wenn eine Mutter eine Platte mit nach Hause nimmt und ihr Sohn findet es auch gut. So war es mit meiner Mutter. Sie brachte Al Green mit nach Hause und mir gefiel es. So war das nun mal, was auch immer die Eltern mitbrachten, wurde gespielt. Und du solltest dir dies anhören können und es mögen und eines Tages wirst du deine Kinder darauf aufmerksam machen. That’s how great music works! Motown ist für immer. Deine Kinder werden sich noch Motown-Songs anhören. Sie werden rausfinden, wer Stevie Wonder ist, oder Michael Jackson. Wenn du also als Musiker dir selber treu bleibst, dann kannst du etwas erschaffen, das bleibt. Die verschiedenen Stile sind ja schon da draußen. Du musst einfach einen wählen. Wenn du einen Stil auswählst, der die Zeit nicht überdauert, dann ist das dein Problem. Ich entschied mich einfach für etwas, das bleiben wird. Ich wollte einfach der Welt zeigen, wie ich es sehe! The way I see it. Und es hat funktioniert. Anstatt ständig zu versuchen, in der Popmusik der Amerikaner einen Platz zu finden, sagte ich mir einfach: „Ich mache jetzt die beste Musik, die ich will.“ Und das ist die Musik, die ich jetzt mache. Es ist alles verbunden, „The way I see it“ und „Stone Rollin“. Für die Leute sind das zwei Alben, aber ich sehe keines der beiden als ein Album an…</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Für dich ist es eher ein kontinuierlicher Prozess.</p>
<p>Raphael Saadiq: Genau. Ich sehe keine Zeit. Ich werde gefragt: „Wann hast du das gemacht? Und wann hast du dies gemacht?“ Und ich beantworte diese Fragen so, wie sie von mir erwarten, dass ich sie beantworte. Aber ehrlich, wenn man mir die richtige Frage stellt, so wie du eben, dann sage ich: „The way I see it“ und „Stone Rollin“ sind…(überlegt) nicht dasselbe, aber auch nicht weit voneinander entfernt. Das ist wie in einem Spiel, sei es Baseball, Fußball oder was auch immer. Du spielst und spielst und wenn du nächste Saison zurückkommst, ist es wieder „Game time“. Und jetzt ist es eben wieder „Game time“. Auch wenn mein Style jetzt kopiert wird, mit dem Anzug und der dünnen Krawatte, das stört mich nicht, es schmeichelt mir viel mehr. Ich würde mich niemals daran stören, dass mich jemand kopiert, denn es ist ja so schon eine Kopie. Früher sind alle so rumgelaufen. Die Leute sind so zur Arbeit gegangen. Jazzmusiker, alle haben das getragen. Das waren gute Zeiten. Es ist ein wenig so, wie wenn du in Zürich ankommst und du siehst all die alten Häuser, du siehst Geschichte. Wenn man all dies nun abreißen würde und neue Häuser an die Stelle der alten setzte, wäre es nicht mehr dasselbe. Genau das passiert in Amerika. Wir reißen unsere Trademarks nieder und bauen Neues. Die Trademarks in der Musik sind die Instrumente. Sie sind immer noch da. Es hat Gitarren im Laden, die darum flehen, gespielt zu werden. Also gebe ich ihnen, was sie brauchen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Du sprichst über Instrumente als Trademarks, spielst selber mehrere Instrumente und bist tief verwurzelt in dieser Tradition. Was hältst du von elektronischer Musik? Zum Beispiel von der Szene in Detroit?</p>
<p>Raphael Saadiq: Oh, ich mag es sehr. Es gibt diesen Typen, der macht einen Haufen Sachen für Adult Swim (amerik. Cartoon-Sender, Anm. d. Red.) Wie hiess nochmals der Typ…Flying Lotus, genau. Er hätte auf meinem Album sein sollen, mit kleinen elektronischen Schnipseln. Doch dann haben wir die Idee doch wieder verworfen. Ich mag auch Little Dragon aus Schweden. Die Sängerin dieser Electroband singt auch auf „Stone Rollin“. Ebenso wie vieles aus der Chicago-House Szene. Ich mache selber auch Musik für ein Videospiel. Alles elektronisch, keine Gitarren. Nur Drummachines und Synthesizer.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Komischerweise sind ja die Erfinder dieser Musik, ein Derrick May oder Juan Atkins in Europa immens populär, während sie in den USA bei weitem nicht dieselbe Anerkennung erhalten. Was denkst du, warum sich diese Musik hier so viel besser etablieren konnte?</p>
<p>Raphael Saadiq: Die Leute haben so viel zu tun, weißt du was ich meine? Es ist ein „Rat race“ bei uns drüben. All diese DJs, die hier so viel berühmter sind als bei sich zu Hause, die achten natürlich auch darauf, was auf der Welt passiert. Und sie gehen halt dahin, wo sie Anerkennung erhalten. So war das auch mit den Jazzern, mit Miles Davis oder mit Chester Himes, einem Schriftsteller, der in Paris berühmter war als in Amerika. Zu Hause verstand man ihn nicht. Die Leute hier wissen kleine Dinge noch zu schätzen. Du spielst einen simplen Song und sie lieben dich. Einfache Dinge sind manchmal am besten. Aber diese Jungs haben auch in gewissen Gegenden der USA ihre Anhänger. Schlussendlich geht es jedoch in Amerika nur ums Geld, weißt du? Aber ich schätze auch diese Musik. Es ist einfach gute Musik. Es sind Leute, die sich Zeit nehmen und etwas kreieren. Ich sehe das und denke: „Schau dir mal an, was der da macht.“ Das ist einzigartig.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Lass uns nochmals zur Soulmusik zurückkehren. Du führst eine Tradition fort, welche einige herausragende Künstler wie Marvin Gaye, Al Green oder Stevie Wonder hervorgebracht hat. Siehst du dich selber auf Augenhöhe mit diesen Legenden?</p>
<p>Raphael Saadiq: (entschieden) Nein, nein. Das könnte ich niemals. Ich kann nicht derjenige sein, der das tut.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Du denkst nicht, dass in 20 Jahren „The way I see it“ neben „What’s going on“ von Marvin Gaye im Regal steht?</p>
<p>Raphael Saadiq: (seufzt) Aaah. Das kann ich mir nicht mal vorstellen. Falls das jemand macht…aber das sind meine Idole. I don’t play around with them. Das sind Götter für mich.</p>
<p>Der Mann von Sony beugt sich zu mir rüber und sagt: „No nä letschti Frag.“ Was Raphael Saadiq zum Anlass nimmt sein Schweizerdeutsch etwas zu üben. Nach einigen holprigen Gehversuchen und Gelächter, („frag? Hm, that sounds like frog. (engl. Frosch)“) lassen wir es bleiben und kehren zum Gespräch zurück.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Apropos Legenden. Kürzlich bist du im Rahmen eines Solomon Bourke Tributes an den Grammy Awards zusammen mit Mick Jagger aufgetreten. Die Rolling Stones haben ja als eine Bluesband angefangen. Was verbindet dich mit dem Blues und wie war die Zusammenarbeit mit Mick Jagger?</p>
<p>Raphael Saadiq: Er ist eine Wucht! Er ist gleichzeitig cool, seriös und ein lustiger Kerl. Er weiss genau, was er will und wir hatten eine legendäre Zeit. Das werde ich nie vergessen. Blues, ich höre mir den ganzen Tag Blues an. Johnny Guitar Watson, Howlin Wolf, Albert King, Son House, sehr viel Blues. Ich bin damit aufgewachsen. Blues ist voller Geschichte und voller Stories. Howlin Wolf hat diese eine Story, wo er in irgendeinem Jukejoint in Mississippi spielt. Albert King kommt da rein und sah, wie Howlin Wolf seinen Fuss auf einem Typen hatte, der am Boden lag. Er spielte da so mit seinem Fuss auf ihm. Und da sagte Albert: „Hey, was machst du da mit deinem Fuss auf diesem Typen?“ Und Howlin antwortete: „Der da? Der ist tot. Ich habe ihn aber nicht getötet.“ Und spielte weiter. (lacht) Wenn du solche Sachen aus Howlins Buch liest, diese Legenden und Geschichten, das ist einfach wunderbar. Momentan lese ich sehr viel über diese Musik und es lässt mich auch besser verstehen, warum ich meine Art von Musik so mache, wie sie eben ist. Wie gesagt, auch Jungs wie die Rolling Stones haben Howlin Wolf bewundert. Auch sie kennen die Geschichte und wissen sie zu schätzen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Vielen Dank für das Gespräch.</p>
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		<title>&#8220;Im Dunkeln bekommen die Dinge neues Leben&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 14:02:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon Sigg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/03/30/everything-everthing-interview/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/everything-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Die nicht selten hysterische britische Musikpresse hat in Everything Everything den  nächsten Hype gefunden. nahaufnahmen.ch traf die Jungs tief im Bauch des Schiffbaus zum Interview.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>&#8220;Im Dunkeln bekommen die Dinge neues Leben&#8221;</h1>
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<div id="attachment_8298" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-8298" title="everything" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/everything.jpg" alt="Gitarrist Alex Robertshaw (2. v. r.) und Drummer Michael Spearman (ganz links) im nahaufnahmen.ch-Interview" width="550" height="413" /><p class="wp-caption-text">Gitarrist Alex Robertshaw (2. v. r.) und Drummer Michael Spearman (ganz links) im nahaufnahmen.ch-Interview</p></div>
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<h2>Everything Everything-Interview, Zürich, 26. 3. 2011</h2>
<p><strong>Die nicht selten hysterische britische Musikpresse hat in Everything Everything den nächsten Hype gefunden. nahaufnahmen.ch traf Gitarrist Alex Robertshaw und Drummer Michael Spearman tief im Bauch des Schiffbaus zum Interview.</strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Was haltet ihr von der Idee des m4music-Festivals, eine Art Plattform zu bieten für Künstler, Medien und die Musik-Industrie?</p>
<p>Alex Robertshaw: Ich glaube, es ist eine gute Idee, etwas Sinn in die für mich teilweise laute Musik-Medienindustrie zu bringen. Der Versuch, das Beste aus Allem herauszuholen und an einem Ort zusammenzubringen… Ich glaube nicht, dass es viele Länder gibt, die dies versuchen und auch noch einen guten Job dabei machen können.</p>
<p>Michael Spearman: Absolut. Es ist jedoch gut, dass es nicht nur Conferences sind, sondern auch Musik gespielt wird, sonst wäre es wohl zu trocken. Dass es Bands hat, die spielen, erinnert die Leute daran, worum es wirklich geht. Nämlich um Bands, die Musik machen. (lacht)</p>
<p>Alex Robertshaw: Man sollte vorsichtig sein und nicht zuviel in das Ganze hineininterpretieren. Musik entsteht einfach, wenn vier oder mehr Leute zusammen laute Geräusche machen. Man sollte mehr darauf den Fokus legen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Es scheint, als legt ihr grossen Wert auf eure künstlerische Freiheit. Ihr nehmt auch eure Videos selber auf. Hat einer von euch eine Ausbildung auf diesem Gebiet?</p>
<p>Alex Robertshaw: Ja, das stimmt, wir nehmen die meisten Videos selber auf. Ausser Jon (Sänger Jonathan Higgs, Anm. d. Red.) hat eigentlich niemand einen Background im Filmen. Als er Musik studierte, machte er gleichzeitig Kurzfilme und war einfach gerne kreativ. Und jetzt führt er bei unseren Videos Regie. Aber wir haben nun, mit dem grossen Label im Rücken, natürlich ein grösseres Budget und Leute, die uns jede Menge Dinge abnehmen. Man fühlt sich ein bisschen sicherer, wenn ein erfahrenes Team noch dabei ist. Aber wenn du alle Zügel aus der Hand gibst, dann hast du sehr wahrscheinlich am Ende ein schreckliches Video.</p>
<p>Michael Spearman: Es geht darum, eine gewisse Identität zu bewahren mit jedem Output an dem wir beteiligt sind. Wenn du bei einem Label unter Vertrag bist, dann ist es nicht einfach, sich etwas aus dieser riesigen Maschinerie fern zu halten.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch:</strong> Wie schafft ihr es denn, euch davon fern zu halten?</p>
<p>Alex Robertshaw: Wir hatten Glück, unser Label war immer sehr gut zu uns. UK-Geffen liess uns gewähren, sie akzeptierten unsere Videos, die wir selber drehten…wir hatten sehr viel Glück, dass wir uns selber bleiben konnten.</p>
<p>Michael Spearman: Ich glaube, die Leute vom Label haben uns vertraut. Während der Aufnahmen zum Album kam nie jemand vorbei, sie liessen uns einfach machen.</p>
<p>Alex Robertshaw: Genau, entweder war es Vertrauen oder Misstrauen. (lautes Gelächter)</p>
<p>Michael Spearman: Wenn wir irgendeinen Rat geben müssten im Umgang mit Labels, dann kann ich nur sagen: sei vernünftig. Wie in allem eigentlich. Wenn du mit jemandem redest und einen Kompromiss suchst, dann schreist du ihn ja auch nicht an und bist aggressiv. So sind wir an die Sache rangegangen.</p>
<p>Alex Robertshaw: Ja, wir waren offen für Ideen. Wenn du in irgendeine Industrie reinkommst und du probierst dir schreiend Gehör zu verschaffen, erreichst du genau das Gegenteil. Aber wie gesagt, wenn ich so höre, was andere Bands teilweise durchmachen, dann muss ich betonen, dass wir schon sehr viel Glück hatten.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wenn ihr euch vorstellt, in was für einem Setting die Fans am liebsten eure Musik anhören, was kommt euch da in den Sinn?</p>
<p>Alex Robertshaw: Es ist stockdunkel und sie hören die Musik mit Kopfhörern. Mit wirklich guten Kopfhörern. Stell dir mal vor alle Konzertbesucher würden mit Kopfhörern unsere Musik hören.</p>
<p>Michael Spearman: Die visuelle Ablenkung ist eine Art Nachteil in der Musik. Wenn du eine Platte wirklich hören möchtest, dann tu es in einem dunklen Raum und hör sie dir an, but really fuckin loud! Im Dunkeln bekommen die Dinge neues Leben.</p>
<p>Alex Robertshaw: Aber wir müssten in einem anderen Raum sein, da ich nicht im Dunkeln spielen kann. (lautes Gelächter)</p>
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		<title>&#8220;Wenn etwas draussen ist, dann ist es für immer. Also will man auch, dass es gut ist.&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 13:46:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon Sigg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/03/30/goose-interview/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/Goose-Inti-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>nahaufnahmen.ch traf sich am m4music mit dem redseligen Goose Frontmann Mickael Karkousse und seinem anfangs eher wortkargen Drummer Bert Libeert zum lockeren Gespräch über Social Media, Musik für die Werbung und die Anfänge als Hardrock Band.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>&#8220;Wenn etwas draussen ist, dann ist es für immer. Also will man auch, dass es gut ist.&#8221;</h1>
<h2>Goose Interview, Zürich, 25.3.2011<br class="spacer_" /></h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8334" title="Goose-Inti" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/Goose-Inti.jpg" alt="Goose-Inti" width="550" height="365" /></p>
<p>Von Simon Sigg und Rico Steinemann</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch traf sich am m4music mit dem redseligen Goose Frontmann Mickael Karkousse und seinem anfangs eher wortkargen Drummer Bert Libeert zum lockeren Gespräch über Social Media, Musik für die Werbung und die Anfänge als Hardrock Band.</strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Was haltet ihr vom Konzept des m4music-Festivals, dass es sich hier nicht nur um Musik, sondern auch um einen Austausch zwischen Künstlern, Presse und Industrie handelt?</p>
<p>Mickael Karkousse: Es ist immer gut, wenn ein Festival noch ein gewisses Extra bieten kann. Es ist sicher auch gut für den Austausch zwischen Labels, Managern etc. aber für uns Bands ist es immer ähnlich. Wir sind immer glücklich mit anderen Musikern zusammen zu sein, das verändert sich nicht. Aber für das ganze Umfeld der Bands ist es ein sehr wichtiger Anlass.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Habt ihr ein ähnliches Festival zu Hause in Belgien?</p>
<p>Mickael Karkousse: Es gibt das Eurosonic-Festival in Groningen, Holland, welches durchaus mit dem Festival hier vergleichbar ist. Ich denke auch an das Sonar-Festival in Barcelona. Ich denke, es ist etwas, das sich durchaus etabliert hat.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Habt ihr denn hier einen regen Austausch zwischen verschiedenen Bereichen der Branche? Findet ihr Gefallen daran?</p>
<p>Mickael Karkousse: Nun, so viel machen wir da gar nicht. (lacht) Wir sind hier um Musik zu machen und nicht um über das Business zu sprechen. Wir sind uns schon bewusst, was passiert, dass Bands im Internet aktiv sein müssen, dass sie auf vielen Levels aktiv sein müssen. Ich denke, vor allem für neue Bands eröffnet es viele Möglichkeiten hier. Sie können herkommen und mit Leuten aus dem Business reden und auch lernen, wie das Business funktioniert. Was man von einem Label erwarten kann oder von einer Booking Agency. Es ist ein Festival, wo viele Fragen beantwortet werden können. Denn als eine Band, die gerade anfängt, hat man jede Menge Fragen. Wir hatten jede Menge Fragen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Lasst uns etwas über die Anfänge von Goose sprechen. Es gibt euch seit dem Jahr 2000, just zu einem Zeitpunkt, als sich das Internet langsam, aber sicher zu einer dominierenden Kraft entwickelte und auch die Einnahmen der Musikindustrie kontinuierlich zurückgingen. Habt ihr zu Beginn je daran gedacht, kommerziellen Erfolg zu haben?</p>
<p>Mickael Karkousse: Wie du gesagt hast, standen wir damals kurz vor dem Internetboom. Aber es war gar nicht unsere Erwartung Alben zu verkaufen. Sogar heute, wenn ich die Zeit zwischen „Bring it on“ (Debütalbum 2006, Anm. d. Red) und „Syringe“ (2010) vergleiche, da haben sich innert kurzer Zeit viele Dinge verändert. Die Zeitspanne der Aufmerksamkeit ist sehr viel kürzer geworden, früher hast du eine Single veröffentlicht und sie wurde ein, zwei Monate im Radio gespielt. Heute veröffentlichst du eine Single und sie „lebt“ vielleicht noch 2 Wochen. Im Internet vielleicht fünf Tage. Du haust sie auf deine Website, einen Blog oder was auch immer, dann hast du einen Haufen Hits die ersten paar Tage, aber das nimmt rapide ab. Das ist natürlich aus unserer Sicht nicht so toll.</p>
<p>Bert Libeert (er spricht also doch): Es gibt einfach zu viele Sachen zu hören. Es ist eine Schande, dass teilweise richtige Qualitätsarbeit einfach vorbeigeht.</p>
<p>Mickael Karkousse: Du musst eigentlich 24 Stunden am Tag vor dem Computer sitzen um nichts zu verpassen. Andererseits hat das Internet auch positive Seiten. Wir können direkt über Facebook und Twitter mit unseren Fans in Kontakt treten. Vor 15, 20 Jahren wurden die Karrieren und die Interaktion zwischen Fans und Künstlern noch viel mehr von Labels und Managern kontrolliert. Das ist auch für uns etwas Neues, vor vier Jahren gab es Myspace und sonst nichts. Und jetzt ist diese ganze Social Media Welt explodiert. Das mussten wir erst selber lernen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Seht ihr im Grossen und Ganzen diese Social Media Entwicklung als etwas Positives für die Band?</p>
<p>Mickael Karkousse: Ja, schon. Man muss bedenken, dass die Anzahl Fans, die man hat, nicht mit der Anzahl Albumkäufe übereinstimmt. Die Relation zwischen Sales und Anzahl Fans ist verschwunden. Social Media sind darum ein guter Weg zu sehen, wie viele Fans man hat, wer deine Musik hört, auf Facebook sieht man wo die Fans herkommen, ob sie weiblich oder männlich sind etc. Es ist auf jeden Fall eine interessante Sache.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-8292" title="_DSF2049_008" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/DSF2049_008.JPG" alt="_DSF2049_008" width="550" height="365" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Ihr habt auffallend oft eure Songs für die Werbung zur Verfügung gestellt. Was steckt hinter diesem Vorgehen und wie kommen diese Kollaborationen mit den Firmen zustande?</p>
<p>Mickael Karkousse: Es gibt Agenturen die unsere Musik verschiedenen Firmen präsentieren. Letztendlich ist es ein Weg unsere Musik unter die Leute zu bringen. Fernsehen ist ein machtvolles Medium, aber es ist auch so, dass unsere Musik einfach gut zu Bildern passt. Wir sehen das nicht als etwas Schlechtes an, nur weil ein Song von uns in CSI läuft.</p>
<p>Bert Libeert: Wir machen auch nicht Musik <em>für</em> die Werbung. Das passiert einfach, wir würden uns niemals irgendwie anpassen, damit die Werbung unsere Musik spielt. Wir machen unsere Musik und nachher wird sie gebraucht.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Aber es ist sicher auch eine nettes Nebeneinkommen, oder?</p>
<p>Mickael Karkousse: Oh ja. Aber es zeigt auch, dass die Leute unsere Arbeit zu schätzen wissen. Dabei probieren wir so gut es geht uns selber zu bleiben.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Ihr habt als richtige AC/DC-mässige Hardrock Band angefangen. Wann habt ihr denn angefangen elektronische Elemente in eure Musik einzubauen?</p>
<p>Mickael Karkousse: Das ging eigentlich Schritt für Schritt. Wenn es einen Moment gab, der uns Richtung Elektronik drängte, dann war das vielleicht, als wir „Darkdancer“ von Les Rythmes Digitales gekauft haben. Das waren richtig gute Popsongs, aber sie tönten sehr elektronisch. Das war wohl einer der Knackpunkte, der uns bekräftigte, auch elektronische Elemente auszuprobieren.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Bleibt ihr diesem Sound auch in Zukunft treu?</p>
<p>Mickael Karkousse: Ich weiss nicht. Ich denke, dass kann sich jederzeit ändern. Wenn wir vier zusammen sind, haben wir eine gewisse Energie. Wir gehen unseren Weg und es ist egal, ob wir Gitarren oder Synthesizer brauchen, denn wenn wir zusammen spielen, haben wir einen Vibe und es entsteht „Goose“-Sound. Es könnte weniger elektronisch sein oder elektronischer, es ist einfach „Goose“.</p>
<p>Bert Libeert: Wir sind schon so lange zusammen, wir waren damals Freunde und sind es heute immer noch. Darum gibt es niemanden, der genauso ähnlich tickt wie wir, wir machen diese Musik, weil es zu viert für uns stimmt. Es gibt niemanden, der entscheidet, in welche Richtung wir gehen. Es ist einfach eine natürliche Evolution. Und das ist schön. (lacht)</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Es scheint nicht so, als ob ihr euch von der Musikindustrie zu sehr unter Druck gesetzt fühlt. Es hat vier Jahre gedauert, bis euer zweites Album erschienen ist. Vier Jahre in der heutigen Zeit ist ganz schön lang.</p>
<p>Bert Libeert: Nun, wir setzen uns selber unter einen „Qualitäts“-Druck. Wir wollen nur etwas releasen, wenn wir das Gefühl haben, dass es auch einen Wert hat, released zu werden. Wenn etwas draussen ist, dann ist für immer da. Also will man auch, dass es gut ist.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Released ihr jeweils einzelne Teile des Albums schon im Voraus, z.B. auf Facebook oder Myspace?</p>
<p>Mickael Karkousse: Nein, es gibt einen kompletten Informations-Stop.</p>
<p>Bert Libeert: Wir haben uns für eineinhalb Jahre im Studio eingeschlossen, Demos aufgenommen…</p>
<p>Mickael Karkousse: Wir haben in dieser Zeit viel gelernt. Wir mussten uns einfach Zeit nehmen, um rauszufinden was wir tun wollen und wie. Zum Beispiel die Frage, ob wir einen Produzenten engagieren wollen oder nicht. Für lange Zeit dachten wir, wir sollten mit einem Produzenten zusammenarbeiten. Aber irgendwie ging das terminlich nie auf und wir schrieben einfach weiter an unseren Songs. Und am Schluss machten wir dann doch alles selber. Aufnahme, Mix etc. und darauf können wir wirklich stolz sein.</p>
<p>Bert Libeert: Dann wussten wir auch, dass dies niemand besser hätte machen können.</p>
<p>Mickael Karkousse: Jetzt brauchen wir keine Angst mehr zu haben.</p>
<p>Bert Libeert: Am Schluss waren wir sogar glücklich, dass niemand Zeit hatte uns zu produzieren, denn dadurch mussten wir alles selber machen. Und nun wissen wir, dass wir es können. Das macht uns noch stolzer.</p>
<p>Mickael Karkousse: Ja. Wir sind bereit für die Zukunft. Wir wissen, dass wir es drauf haben. Die Frage, ob wir es können, stellt sich nicht mehr. Yes we can! (lacht laut)</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Letzte Frage, welches ist euer Lieblingsfestival?</p>
<p>Bert Libeert: Mein Lieblingsfestival ist das Melt-Festival. Wie das aussieht mit den Kränen und den Lichtern, das ist mein Lieblings-Ort. Und das Line-Up ist jeweils auch grossartig. Elektronisch, aber doch auch mit vielen Live-Bands.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Habt ihr denn Zeit, um euch auch andere Bands anzusehen?</p>
<p>Mickael Karkousse: Kommt drauf an, manchmal schon, manchmal nicht. Abgesehen davon ist es einfach schön, im Sommer auf den Festivals unterwegs zu sein. Man trifft hin und wieder Freunde, kann zusammen abhängen.</p>
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		<title>„Meine Songs sind vertonte, verdichtete Alltagsgeschichten“</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Mar 2011 09:03:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Aebi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/03/15/interview-sina/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/sina1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Sinas neustes Album „Ich schwöru“ glänzt mit doppelbödigen Texten, abwechslungsreichen Kompositionen und ausgefeilten Arrangements. Nahaufnahmen.ch traf die sympathische Walliserin in einem Zürcher Nudel-Lokal zum Interview und sprach mit ihr über die teilweise zermürbende Arbeit am neuen Album, spannungsvolle Momente mit dem Symphonischen Orchester Zürich sowie über Parfumverkäuferinnen, professionelle Wortjongleusen und Themendetektive.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>„Meine Songs sind vertonte, verdichtete Alltagsgeschichten“</strong></h1>
<div id="attachment_8168" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-8168" title="sina1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/sina1.jpg" alt="Alle Bilder: Corinne Koch. www.sina.li" width="550" height="367" /><p class="wp-caption-text">Alle Bilder: Corinne Koch. www.sina.li</p></div>
<h2><strong>Das grosse nahaufnahmen.ch-Interview:</strong></h2>
<p><strong>Sinas neustes Album „Ich schwöru“ glänzt mit doppelbödigen Texten, abwechslungsreichen Kompositionen und ausgefeilten Arrangements. Nahaufnahmen.ch traf die sympathische Walliserin in einem Zürcher Nudel-Lokal zum Interview und sprach mit ihr über die teilweise zermürbende Arbeit am neuen Album, spannungsvolle Momente mit dem Symphonischen Orchester Zürich sowie über Parfumverkäuferinnen, professionelle Wortjongleusen und Themendetektive.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Sina, du hast gesagt, dein neues Album „Ich schwöru“ sei wie ein Lieblingstape für die besten Freunde. Wenn du ein Tape mit deinen Lieblingssongs von anderen Künstlern zusammenstellen würdest, welche wären da drauf?</strong></p>
<p>Sina: Ich würde ganz sicher Lieder von Vaya con Dios, Elvis, Queen, Deep Purple, Foreigner und Abba auf die Kassette aufnehmen. Dies sind ein paar Bands und Musiker, welche mich in den letzten 30 Jahren begleitet haben. Was ich mit der Aussage, „Ich schwöru“ sei wie ein Lieblingstape für die besten Freunde, antönen wollte, war der Mix aus Jazz, Pop, bis hin zu Bossa, welchen das neue Album abdeckt. Ich hatte die Absicht, mit den Liedern in verschiedene Stimmungen einzutauchen. Bei anderen Künstlern mag ich es sehr gerne, wenn ein Album nicht nur eine einzige Stimmung hat, sondern etwas, das mich immer wieder zum Zuhören bringt. Das wollte ich nun selber umsetzen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Die neuen Lieder klingen sehr entspannt. Inwiefern war dies beabsichtigt?</strong></p>
<p>Ich nehme das als Kompliment, dass es entspannt tönt. Der Prozess ist definitiv nicht so entspannt wie das Resultat. Wenn man ein Jahr lang an den Songs herumschraubt, kommt es vor, dass man in eine Sackgasse läuft, den Kopfhörer in die Ecke wirft und wieder von vorne beginnt. Aber schlussendlich geht es darum, dass die Leute das Gefühl haben: „Hej, das kommt alles so selbstverständlich daher. Ich glaube, das könnte ich auch.“ Die Arbeit hinter dem fertigen Album sollte man nicht spüren, aber sie ist natürlich da.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Dauerten die Aufnahmen zum neuen Album ein ganzes Jahr oder ist der Prozess des Liederschreibens ebenfalls in dieser Zeitspanne enthalten?</strong></p>
<p>Alles in allem ging es von den ersten Demos bis zu den fertigen Aufnahmen etwa ein Jahr. Die Demos waren relativ lange eine Art Skelette, nur mit meiner Stimme zur Klavier- oder Gitarrenbegleitung. Für mich war es neu und etwas schwierig, ganz lange bei diesen Skeletten zu bleiben. Es auszuhalten, nicht gleich der ersten Idee, die man hat, nachzugehen, sondern vielleicht erst die vierte Idee, welche dann auch wirklich gut zum Lied passt, umzusetzen. Ich habe das diesmal ganz bewusst gemacht. Meine Mitkomponisten musste ich in ihrer Euphorie richtig zurückbinden und ihnen ab und zu sagen: „Kommt, jetzt lassen wir den Song mal zwei Monate, so wie er ist und danach schauen wir, was ihm am besten steht.“ Das Resultat sind all die Musiker, die schlussendlich im Studio waren: Von der Bläser-Sektion des Swiss Jazz Orchestras bis zum Streichquartett und dem Symphonischen Orchester Zürich. All dies konnte in das Album einfliessen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Symphonischen Orchester Zürich? </strong></p>
<p>Das symphonische Orchester Zürich, welches sehr innovativ ist und immer wieder Crossover-Projekte mit Künstlern realisiert, fragte bereits vor eineinhalb Jahren an, ob es meine Pop-Songs symphonisch umsetzen könne. Ich fand dies spannend. So hörten wir unsere Songs einmal ohne Schlagzeug und elektrische Gitarre, nur in symphonischer Begleitung. Das war ein richtiges Abenteuer. Während der Entwicklung des Projektes kam mir der Song „Ich schwöru“ in die Quere. Diese Ballade anerbot sich plötzlich, symphonisch zu tönen. Wir probierten dann, das Lied mit dem Orchester umzusetzen. Vor dem ersten Konzert installierten wir ein mobiles Studio und hatten genau zweimal die Möglichkeit, das Orchester aufzunehmen. Es war ein sehr spannungsvoller Moment. Zwischendurch fiel immer mal wieder jemandem der Geigenbogen herunter, jemand schlug die Türe zu oder der Wind wehte ein Notenblatt auf den Boden. Ich wusste genau: Jetzt kommen gleich die Konzertbesucher, das Konzert beginnt nächstens und ich will diesen Song im Kasten. Ich dachte mir: „Hoffentlich kommt das gut!“ Glücklicherweise klappte jedoch alles und schlussendlich hatten wir zwei Aufnahmen, welche wir im Studio bearbeiten konnten. Danach galt es, das Klavier und die Gesangsstimmen aufzunehmen. Das Lied ist somit in drei Phasen entstanden und hat sich durch die Anfrage des Symphonischen Orchesters Zürich entwickelt. Es war also nicht geplant, dass ich ein ganzes Symphonieorchester auf der CD habe. Im Nachhinein ist es ein wahrer Glücksfall.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Das Lied „Ich schwöru“ ist ein Duett mit Büne Huber. Wieso hast du gerade ihn als Duettpartner ausgewählt?</strong></p>
<p>Ich konnte mir niemand anderes vorstellen, der dieses Duett mit mir hätte singen können. Es ist eine Liebesballade, in welcher Büne von Anfang an der andere Pol war. Somit war ich sehr glücklich, dass ihn das Lied genauso wie mich berührt hat und wir zusammen im Studio stehen und das Lied aufnehmen konnten.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Die Berner Musikszene ist auf dem Album gesanglich in doppelter Hinsicht vertreten. Steff la Cheffe wirkt auf dem Song „Schi mägunt mi nit“ mit. Wie kam es zu ihrer Mitarbeit? </strong></p>
<p>Seit Jahren habe ich immer wieder mit Bernern zusammengearbeitet. Die erste CD nahm ich zusammen mit der Schmetterband auf und arbeitete immer mal wieder mit Polo und auch mal mit Ritschi zusammen. Es gibt eine Art Berner-Walliser-Connection, die seit Jahren wie geschmiert läuft. Diesmal suchte ich jedoch nicht spezifisch nach einer Berner Sängerin oder Rapperin, sondern nach jemandem, der die Schnauze einer Steff la Cheffe hat und genau das ausdrücken kann, was ich in dem Lied nicht sagen darf. Nämlich: „Ich will hier weg! Das wird nichts mit uns!“ Das Lied handelt von der ersten Begegnung mit den Schwiegereltern in spe, bei der man bereits nach ein paar Sekunden merkt: „Das kommt nicht gut!“. Steff la Cheffe ist in dem Song die innere Stimme, die ausdrückt, was ich eigentlich denke. Sie schrieb den Rap-Part des Liedes, weil sie sich total mit dem Lied identifizieren konnte.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Sind während der Arbeit an der neuen CD auch Lieder entstanden, die es nun nicht aufs Album geschafft haben?</strong></p>
<p>Manchmal merkt man, dass der Weg eines Liedes an einem bestimmten Punkt aufhört, weil es zu wenig gut ist. So bleibt einiges auf der Strecke. Bei diesem Album waren es ungefähr 23 Songmuster, die sich bis zu einem gewissen Punkt entwickelt haben. Einige Lieder sind fertig und gehen vielleicht in einem anderen Projekt einen weiteren Weg. Die meisten fallen jedoch weg, weil man in drei Jahren, wenn die nächste Platte entsteht, an einem anderen Punkt ist und gewisse Dinge dann nicht mehr stimmen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Wie merkt man, welche Songmuster sich weiterentwickeln können?</strong></p>
<p>Es ist die Kombination aus einer Melodie, die mich begeistert und berührt, und einem Thema, das mich interessiert. Auf dem neuen Album hat es einen Song, der „Nit cool enough“ heisst. Den Text dazu gibt es bereits seit vier Jahren. Erst bei der Arbeit für die neue CD fand sich dafür eine Melodie. Manchmal lohnt es sich also, zu warten, bis die beiden Komponenten Musik und Text zusammengehen. Es ist ganz wichtig, dass eine Geschichte, die man erzählt, eine entsprechende Stimmung hat. Dies geschieht nicht immer automatisch. Die Arbeit an einem Album, welches leichtfüssig daherkommen soll, ist zum Teil zermürbend. Zwischendrin hat man das Gefühl, das komme nie gut. Wenn am Schluss das Album fertig ist und man das Gefühl hat, die Arbeit daran sei nur Friede, Freude, Eierkuchen gewesen, so stimmt das nicht ganz.</p>
<p>Manchmal gibt es Lieder, die man fallen lassen muss, auch wenn man noch so intensiv daran arbeitet. Es gab beispielsweise den Song „Fragä“, eigentlich einer meiner Lieblingssongs, welchen ich bereits auf dem letzten Album haben wollte. Wir haben verschiedene Varianten ausprobiert und mussten am Schluss sagen: „Es geht nicht“. Dabei ist die Musik des Liedes treibend und der Text, welcher aus teilweise recht existenziellen Fragen über das Leben besteht, ist super. Obwohl ich immer fand, das komme am Schluss gut, wir müssten einfach lange genug dran bleiben, konnten wir das Lied nicht „bodigen“.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-8169" title="Sina2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/03/Sina2.jpg" alt="Sina2" width="550" height="367" /></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Hast du dich eigentlich auch schon „Nit cool enough“ gefühlt, wenn du, aus einer ländlichen Gegend anreisend, in einer Grossstadt aus dem Zug gestiegen bist?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Obwohl ich nun doch schon ein paar Jahre auf dem Buckel habe, kann ich die Gefühle einer 18-Jährigen, die aus einem Dorf kommt und zum ersten Mal nach Zürich geht, immer noch sehr gut nachvollziehen. Als ich damals mit 18 nach Genf zog, ging es mir genau gleich: Ich hatte die falschen Schuhe an, eine Frisur, die zu wenig hip war und kannte niemanden. Im ersten Moment, bis man sich richtig eingelebt hat, fühlt man sich nicht wirklich wohl in einer Stadt, in der alles pulsiert und in welcher jeder das Gefühl hat, am Zeitgeist mitzuschreiben. Man selber hat dann den Eindruck, immer ein bisschen daneben zu stehen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Wie „Nit cool enough“ entstand auch „Parfum“ in Zusammenarbeit mit Milena Moser. Das Lied ist eine Art vertonte Kurzgeschichte.</strong></p>
<p>Ich erinnerte mich an all die Schüler und Schülerinnen meines Jahrgangs, mit denen ich früher auf dem Pausenplatz herumstand. An diejenigen mit der grossen Klappe, die schon damals wussten, dass sie später einmal Karriere machen würden. Sie waren gut in der Schule und man hatte das Gefühl, denen stehe die Welt offen. Im Nachhinein sah ich, wie wenig dies mit Lebenstüchtigkeit und sozialer Kompetenz zu tun hat. Ob jemand sein Leben packt oder nicht, sieht man immer erst im Nachhinein. Der Song „Parfum“ handelt von einer Frau, die als Mädchen bereits wusste, dass sie mal berühmt sein wird und Autogrammkarten verteilte, welche einmal ganz viel Wert sein würden. Schlussendlich wird aus ihr eine Parfumverkäuferin. Das ist überhaupt nicht abschätzend gegenüber Verkäuferinnen gemeint. Es soll aber zeigen, dass Träume, die man früher mal hatte, sich zerschlagen können und man schlussendlich ganz woanders landet.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Wie muss man sich die Zusammenarbeit mit Milena Moser vorstellen?</strong></p>
<p>Schön! (lacht) Ich habe meine Vorstellungen davon, was ich auf einem Album thematisieren möchte. Meine Songs sind vertonte, verdichtete Alltagsgeschichten, Manchmal haben sie einen offenen Schluss, zum Teil sind sie autobiographisch, zum Teil aus der Beobachterrolle geschrieben. Es sind einfach Geschichten, die mich beschäftigen. Ich erzähle Milena, was mich interessiert und frage sie, ob sie eine Idee hat, wie man dies umsetzen könnte. Es ist für mich ein Glück, mit Leuten arbeiten zu können, bei denen das Wort im Mittelpunkt steht, die also professionelle Wortjongleusen sind. Milena ist eine dieser Personen, die ich nicht nur als Mensch sehr mag, sondern die zudem in meinem Sinn Geschichten formuliert. Das ist ihr auch mit „Parfum“ wunderbar gelungen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Du arbeitest ebenfalls mit der Schriftstellerin Sibylle Berg zusammen. Inwiefern gibt es in der Zusammenarbeit mit Milena und Sibylle Unterschiede oder Gemeinsamkeiten?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Im Ablauf ist die Zusammenarbeit sehr ähnlich. Mit Sibylle gibt es ein Hin und Her, ein Schieben von Texten, bis die Rhythmik, die Thematik, die Emotion und zum Schluss die Übersetzung eines Liedes emotional und musikalisch bei mir angekommen ist.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Gibt es weitere Schriftstellerinnen und Schriftsteller, mit denen du gerne einmal zusammenarbeiten würdest?</strong></p>
<p>Es würde ein paar Männer geben&#8230;Ich habe mal eine Zusammenarbeit mit Richard Reich angefangen und ebenfalls mit Ralf Schlatter gearbeitet, welcher den wunderschönen Text zu „D’ Wält uf um Chopf“ (für das Album „All:Tag“, Anm. d. Red.) verfasst hat. Es gibt eine Menge Leute, mit denen ich mir eine spannende Zusammenarbeit vorstellen könnte. Momentan suche ich jedoch niemanden, da mein Team vollständig ist.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Könntest du dir auch wieder ein literarisches Konzert vorstellen, bei dem du singst und Sibylle Berg sowie Milena Moser lesen? Du hast das vor Jahren mal in Deutschland zusammen mit Sibylle gemacht.</strong></p>
<p>Das war super. Sibylle hat Texte zu Themen gelesen, die zu meinen Liedern passten. Zwischendurch habe ich immer wieder gesungen. Die Abende sind mir in sehr guter Erinnerung geblieben. Nach wie vor könnte ich mir ganz Vieles vorstellen. Die erste Zusammenarbeit mit Sibylle Berg entstand für das Trash-Musical „Helges Leben“, zu welchem ich gemeinsam mit Erika Stucky die Songs geschrieben habe. Weil wir gerade so schön in der Thematik drin waren, fand Sibylle, ich und Erika könnten auch noch gleich eine Rolle im Musical übernehmen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Sibylle Berg hat den Text zum Song „Mentag“ verfasst, einem Lied über lethargische Sonntage. Treibende Kraft dieses Songs ist ein Banjo. Die Songwriterin Sophie B. Hawkins hatte vor langer Zeit eine Auseinandersetzung mit ihrer damaligen Plattenfirma, welche das Banjo auf einem Song partout durch ein anderes Instrument ersetzt haben wollte. Wie viel Freiheit lässt dir deine Plattenfirma bei der Konzeption eines Albums?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Wer bezahlt, kann mitreden. Dies ist ein Credo, welches man so stehen lassen muss. Was die Musik sowie die Themen meiner Lieder betrifft, ist meine Plattenfirma sehr, sehr locker. Da muss ich nicht mehr durch eine moralische Instanz gehen und es werden mir auch keine Themendetektive auf den Hals geschickt. Zu Fotomaterial und Albumtitel bildet sich die Plattenfirma jedoch eine eigene Meinung und kann gerne auch mitreden. Es gibt Diskussionen, Sitzungen und zum Schluss einigt man sich.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Der Song „Geburtstag“ hat eine sehr eigenwillige Instrumentierung. Du wirst nur von Blasmusikern begleitet.</strong></p>
<p>„Geburtstag“ ist neben „Mentag“ der einzige Song auf dem Album, für welchen ich die Musik ganz alleine komponiert habe. Ich hatte einfach diesen Ostblock-Sound im Kopf. Das Arrangement hat aber auch mit dem Text zu tun. Es geht darum, schon wieder ein Jahr älter zu werden und das Gefühl zu haben, man werde dies locker wegstecken. Nur um am Geburtstag selber zu merken, dass dem überhaupt nicht so ist. Man hat jedoch die Hoffnung, dass es noch anders wird und einem im nächsten Jahr dann wirklich egal ist. Um zu vergessen, wie weh es tut, dass man wieder ein Jahr älter geworden ist, muss man den Refrain ganz laut mitgrölen. Das Lied soll zum Mitsingen animieren. Das ist eigentlich die Idee des Songs gewesen. Darum musste als Begleitung eine Bläser-Combo her, die das Lied total besoffen mitsingt. Im Lied herrscht ja ein wenig eine abgesoffene Stimmung.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Die Songfolge auf dem Album ist ebenfalls sehr interessant. Vor „Ich schwöru“ ertönt „Villicht im Mai“, in welchem es um die Partnersuche im Internet geht. Damit man sich Treue schwören kann, muss man zuerst einmal den richtigen Partner haben&#8230; </strong></p>
<p>(lacht schallend) Ja, da muss man sich zuerst einmal finden.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Wirst du von der Internet-Partnervermittlungsagentur, welche im Song vorkommt, gesponsert?</strong></p>
<p>Im Nachhinein &#8211; und vor allem weil sie den Song gut finden &#8211; haben sie Kontakt mit meinem Management aufgenommen. Während ich heute Interviews gegeben habe, hatte mein Management eine Sitzung mit <a href="http://parship.ch">parship.ch</a>. Keine Ahnung, was dabei herauskam.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: „Villicht im Mai“ ist eine Art Pendant zum Song „Schi will ä Maa“ aus dem Album „4“. Nur geht die Protagonistin ihre Partnersuche jetzt etwas gelassener an: In „Schi will ä Maa“ musste ein potentieller Partner einen guten Body haben. Mittlerweile spielt es nicht mehr eine so grosse Rolle, wenn er ein kleines Bäuchlein hat.</strong></p>
<p>Dies ist eine ganz logische Verschiebung von Gewichtungen und ergibt sich automatisch durch die Erfahrungen, die man macht. Mit 27 ist vielleicht ein strammer Body noch wichtiger. Mitte 40 will man einfach, dass ein Mann einen versteht und einem zuhört.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Für die Protagonistin in „Ha gmeint“, dem ersten Song auf dem neuen Album, dauert der Ruhm nicht viel länger als fünf Minuten. Du bist erfolgreich, seit 1994 deine erste Mundart-CD erschienen ist. Welches ist dein Rezept für eine lange Karriere?</strong></p>
<p>Wenn man das immer so schnell in zwei Worte fassen könnte, wärs schön. Ich glaube, es gibt kein Erfolgsrezept. Ich habe probiert, etwas passioniert zu machen und eine gewisse Hartnäckigkeit zu zeigen. Dazu kam eine Portion Glück, welche es braucht, um die richtigen Leute zu treffen und im richtigen Moment etwas auf den Markt zu bringen. Ganz sicher waren meine Leidenschaft und die Liebe zur Musik dafür verantwortlich, dass ich nicht bereits in den ersten zehn Jahren, die zum Teil recht hart waren, aufgegeben habe. Von dieser Zeit spricht selten jemand. Der Punkt Null ist für alle immer beim Pfarrersohn. Zuvor musste Frau Bellwald zehn Jahre lang oft in fast leeren Klubs ohne grosse Gage spielen. Ich habe auch ein paar unschöne Seiten dieses Business erlebt und dies zur richtigen Zeit. Wenn ich da nach einem Gig, zu dem nur Besoffene kamen, und nach welchem ich eine ganze Nacht durchfahren musste, um am nächsten Morgen um 7 Uhr in Genf wieder meinen Dienst anfangen zu können, bereits aufgegeben hätte, wäre ich heute nicht hier. Ich habe mich durchgebissen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Es war die Zeit, in welcher du hochdeutsche Schlager mit Titeln wie „Mein Herz steht in Flammen“ gesungen hast&#8230;</strong></p>
<p>Das gehörte auch dazu. Es war aber gut, dass ich anfangs schön im Dunkeln munkeln konnte. Wenn immer gleich ein Scheinwerfer draufleuchtet – was bei den heutigen Casting-Shows geschieht – ist das Lichtlein auch schnell wieder weg. Sobald die Kamera abschaltet, bist du meistens auch schon wieder weg. Beim Lied „Ha gmeint“, welches du vorhin angesprochen hast, geht es vor allem darum, dass unter der Arbeit, die man als Künstler hat, gewisse Leute etwas anderes verstehen: Laute Partys, viel Geld, Glamour, rote Teppiche, Champagner, was weiss ich. Auf jeden Fall nicht das, was der Realität entspricht. Das ist deren Vorstellung von den berühmten 15 Minuten Ruhm, an denen einige Leute dann das Leben lang hängen. Ich habe ganz bewusst diese 15 Minuten auf fünf Minuten verkürzt, denn in der Erinnerung ist dann alles noch viel kürzer.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Du konzentrierst dich nicht nur auf die Musik, sondern bist immer wieder in verschiedene Theater-Projekte involviert. Zuletzt hast du in der „Dreigroschenoper“ im Zürcher Schauspielhaus mitgewirkt.</strong></p>
<p>Ich bin grundsätzlich jemand, der sehr neugierig ist und vieles ausprobieren möchte. Manchmal sage ich auch etwas voreilig bei einem Projekt zu und denke dann: „Ui, jetzt habe ich ja gesagt und weiss gar nicht, was auf mich zukommt.“ Wenn ich in einem Schauspielhaus in der Dreigroschenoper mitspiele, mache ich das aber wirklich nur, weil ich darin singen kann. Ich kann zwar von Schauspielern lernen, wie ich auftreten und sprechen muss, aber immer ist die Musik da, welche mir den Halt gibt. Es gibt aber extrem viele interessante musikalische Projekte und ich werde nicht zögern, weiterhin ja zu sagen, wenn sich mir eines nähert.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Inwiefern hat sich dein Mitwirken in der Dreigroschenoper auf deine Musik und das neue Album ausgewirkt?</strong></p>
<p>Bei Brecht und Weill hat mir das Dreckige und Ungeschliffene gefallen. Diese Skrupellosigkeit, die sich ebenfalls in der Musik zeigt. Man hört richtig die Schuhe auf staubigem Boden sowie die Gauner, welche nach Gier und Mordlust riechen. Dieses Rohe hört man möglicherweise auch meinem Song „Geburtstag“ an. Ich glaube, dass jedes Projekt, bei dem man dabei gewesen ist, einen prägt, Spuren hinterlässt und irgendwo in die eigene Arbeit einfliesst, auch wenn man das zum Teil gar nicht benennen kann.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Du gehst bald wieder auf Tournee und hast – abgesehen von deinem Bassisten Michael Chylewski – eine ganz neue Band zusammengestellt. Wie hast du die Musiker ausgewählt?</strong></p>
<p>Sie müssen einfach gut aussehen (lacht). Das tun sie zwar, aber sie spielen auch noch ein paar Instrumente ziemlich gut. Das hilft natürlich. Es sollte ein Pianist im Mittelpunkt stehen, da auf dem neuen Album das Klavier eine wichtige Rolle einnimmt. Mit Peter Wagner fand ich einen grossartigen Pianisten, der zudem noch Gitarre, Melodica, Handorgel und diverse andere Instrumente beherrscht. Es ist eine Herausforderung, dieses Album mit seiner teilweise üppigen Instrumentierung mit vier Musikern so zu komprimieren und auf den Punkt zu bringen, dass es auf der Bühne funktioniert. Teilweise mussten wir die Arrangements extrem ändern.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Viele Musiker lassen, bevor sie auf Tournee gehen, auf ihren Websites die Fans abstimmen, welche Lieder sie in den Konzerten gerne hören möchten. Hast du dir das auch schon mal überlegt?</strong></p>
<p>Ich kenne meine Fans und weiss, was diese brauchen (schmunzelt).</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Also bestimmst weiterhin du das Programm&#8230;</strong></p>
<p>Im Ernst: Ich weiss natürlich wirklich, was meine Fans gerne hören. Es ist allen klar, dass ich „Wänn nit jetz wänn dä“ oder „Hinnär diär“ spielen werde und der Pfarrerssohn wird mich wohl lebenslang begleiten. In dieser Hinsicht gibt es also keine grossen Experimente. Die neuen Songs werden wir aber zum Teil ziemlich durch den Fleischwolf drehen, mit interessantem Resultat. Meine Fans kriegen schon ihr Futter. Die kriegen „Gutzi“!</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Sina, ganz herzlichen Dank für dieses Gespräch!</strong></p>
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<p><strong>Das Album:</strong></p>
<p>„Ich schwöru“ (Musikvertrieb) ist seit 25. Februar im Handel erhältlich.</p>
<p>Hörproben gibt es auf <a href="http://yoca.do/sina_schwoeru/">http://yoca.do/sina_schwoeru/</a></p>
<p><strong>Die Tour-Daten:</strong></p>
<p>Am 17. März 2011 startet Sina in der Alten Taverne in Adelboden ihre neue Tournee. Eine Übersicht aller Tour-Daten findet sich auf <a href="http://www.sina.ch/">www.sina.ch</a>.</p>
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