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	<title>nahaufnahmen.ch &#187; Interviews</title>
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	<description>Das Magazin im Netz</description>
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		<title>„Man musste auch in gewisser Weise ein Nerd sein, wenn man in diese Welt eintauchen wollte.“</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 13:25:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rico Steinemann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/09/03/inter-sister-bliss/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/09/SistaBliss-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>nahaufnahmen.ch hatte am Zürich Open Air die Gelegenheit backstage mit Sister Bliss ein kurzes Interview zu führen. Ein Gespräch über Festivalauftritte, Madonna und Ladygaga und ihre Anfängen als DJ.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>„Man musste auch in gewisser Weise ein Nerd sein, wenn man in diese Welt eintauchen wollte.“</h1>
<div id="attachment_6061" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-6061" title="SistaBliss" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/09/SistaBliss.jpg" alt="Sista Bliss an ihren Keys am Open Air Zürich. Bild: www.tilllate.ch" width="550" height="367" /><p class="wp-caption-text">Sista Bliss an ihren Keys am Open Air Zürich. Bild: www.tilllate.ch</p></div>
<h2>Interview, Sister Bliss von Faithless, 28.8.2010</h2>
<p><strong>nahaufnahmen.ch hatte am Zürich Open Air die Gelegenheit backstage mit Sister Bliss ein kurzes Interview zu führen. Ein Gespräch über Festivalauftritte, Madonna und Ladygaga und ihre Anfänge als DJ.</strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Du warst im April für ein Konzert im Zürcher Volkshaus. Magst du die grossen Festivalgigs im Freien lieber als Clubkonzerte?</p>
<p><strong>Sister Bliss</strong>: Nun jedes Konzert ist anders. Aber ich liebe die Festivals, weil man hier auch für Leute spielt, die nicht unbedingt deine Fans sind. Wenn man alleine spielt ist das auch toll, weil alle deine Fans kommen, nur um dich zu sehen. Aber Leute für sich als Fans zu gewinnen, die Faithless noch nicht kannten, dass ist es was jede Band will. Wir wollten immer ein so grosses Publikum wie möglich erreichen. Was ich besonders mag, sind Leute die sagen: „Oh, ich kann mit dieser Dance-Music überhaupt nichts anfangen, die sind total verrückt. Aber ich liebe Faithless.“ An einem Gig wo alles deine Fans sind, kriegst du so was nicht, da sich dich sowieso schon alle lieben. Daher gehe ich sehr gerne an Festivals.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wie unterscheidet sich bei euch konzeptuell ein Festival-Gig von einer Clubshow?</p>
<p>Sister Bliss: Nun bei einem Festival ist alles limitiert. Du hast 30 andere Bands, die auch spielen. Bei einer Clubshow bist du der Master of Production. Du kannst exakt bestimmen wie du es haben willst. Es gibt einen Soundcheck, grundsätzlich einfach mehr Kontrolle. Andererseits sind wir eine Band, meine ich, die soundmässig kraftvoll und visuell interessant anzusehen ist. So lange aber bei einem Festival, ein paar blitzende Lichter und eine gute Soundanlage da ist, wird alles gut.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wie fest seid ihr von der Band z. Bsp. beim Lichtkonzept involviert?</p>
<p>Sister Bliss: Nun, man holt sich einen Light-Designer für eine Zusammenarbeit. Wir arbeiten mit demselben Light-Designer wie Placebo. Es macht wunderbare Sachen auf grossen LED-Screens. Wir sind jedoch eine Band, die live in erster Linie von ihrer Energie lebt und erst in zweiter Linie drumherum. Wenn du dir ein grosses Popkonzert anschaust, Madonna oder Lady Gaga, da ist alles bis ins Letzte durchgeplant. Die Tanzchoreo, die Lichter, die Köstumwechsel, da bleibt kein Spielraum für Band. Ich sage dass, weil ich Leute kenne, die in diesen Bands spielen. Das erste Konzert ist aufregend, aber danach ist es ständige Wiederholung. Bei uns haben wir acht Personen auf der Bühne und Maxi mit seinen Lyrics würde eigentlich alleine schon ausreichen, um die Leute zu rocken. Wir performen zusammen und es entsteht eine ungemeine Kraft. Das sagen jedenfalls die Leute.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: War es eine grosse Herausforderung, eure elektronische Dancemusik live mit einer Band auf der Bühne umzusetzen?</p>
<p><strong>Sister Bliss</strong>: Ja, auf jeden Fall. Wir waren zu Beginn ein richtiges Studioprojekt. Wir hatten keine Ahnung, dass wir je eine Liveband werden würden. Weil wir jedoch von unserer ersten Platte so wenig verkauften, riet uns unser Labelmanager, dass wir live spielen sollten. Zu Beginn spielten wir im Jazz-Café in London für 400 Leute. Danach wurden es Clubs für 1000 und später für spielst du plötzlich für 5000 Leute. Wir rekonstruierten dabei Faithless für den Liveact. Ich spielte einen Haufen der Instrumente selbst. Wir mussten also zuerst eine Band zusammenstellen, da ich ja nicht alles selbst machen konnte. Wir wollten auf keinen Fall einfach einen Dj auf der Bühne, das wäre einfach zu langweilig. Mit richtigen Musikern kriegst du einfach eine andere Energie, alles wird lebendiger. Wir wollen da bei auch auf keinen Fall, dass wir live genauso tönen, wie auf der Platte. Es sollte live mehr ein Remix des Songs auf der Platte sein, denn man will ja als Zuschauer nicht das Gleiche hören wie zu Hause.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Du warst 1987 eine der ersten Frauen, die sich als DJ in der elektronischen Musik etablieren konnte. Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Szene? Siehst du dich als eine Art Pionierin?</p>
<p><strong>Sister Bliss</strong>: Nun, ich habe ein paar Theorien. Eine davon ist die, dass in meiner Generation, die Mädchen nicht unbedingt dazu ermutigt sich mit Technologie zu befassen. Es hatte damals noch kein Gleichgewicht zwischen der Wissenschaft und dem Künstlerischen. Die Jungs wurden in die eine Richtung gepusht, und die Mädchen in die andere. Dazu kam, dass den Mädchen wohl auch etwas das Selbstvertrauen fehlte. Ein Mischpult und so viele Knöpfe und Tasten, das kann vielleicht etwas entmutigend wirken. Man musste auch in gewisser Weise ein Nerd sein, wenn man in diese Welt eintauchen wollte. Für mich war es einfach eine grosse Leidenschaft. Es war meine Obsession. Ich weiss nicht&#8230;(überlegt kurz). Es ist auch ein hartes Leben. Jeder macht Party und du bist diejenige, welche die Party schmeisst. Ich fuhr alleine in meinem Auto durch ganz Grossbritannien. Nacht für Nacht an verschiedene Gigs, um mir einen Namen zu machen. Das war wirklich verdammt hart.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wurdest von Beginn weg akzeptiert? Wie hat man dich in der Szene aufgenommen?</p>
<p><strong>Sister Bliss</strong>: Nun was mir auffällt, ist, dass es männliche DJs gibt, die nach kürzester Zeit weltberühmt werden und ich habe so viele Millionen von Platten mehr verkauft als diese Jungs. Darüber kann ich echt nur lachen. Andererseits wenn man mich als Frau sieht, die sich durchgesetzt hat, dann inspiriert das vielleicht andere Frauen diesen Weg zu gehen. Man hat nie daran geglaubt, dass Frauen Ärztinnen sein könnten, bis man Ärztinnen gesehen hat, oder nicht? Aber ich weiss nicht, ob ich mich eine Pionierin nennen will.</p>
<p><a href="http://www.nahaufnahmen.ch/2010/09/03/zurich-open-air/">Zürich Open Air Review</a></p>
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		<title>Manu Chao war der Erste der zu mir sagte: „Die Welt muss deine Songs hören!“</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/09/02/interview-amparo-sanchez/</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 13:23:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rico Steinemann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/09/02/interview-amparo-sanchez/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/09/amparoSanchez1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>nahaufnahmen.ch traf sich mit der sympathischen und unkomplizierten Amparo Sanchez nach ihrem Konzert am Theaterspektakel zum Interview. Ein Gespräch über ihre neue Platte Tucson-Havana, die Zapatistenbewegung, Manu Chao und Billie Holiday. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Manu Chao war der Erste, der zu mir sagte: „Die Welt muss deine Songs hören!“</strong></h1>
<div id="attachment_6030" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-6030" title="31. ZÃ¼rcher Theater Spektakel 2010" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/09/amparoSanchez1.jpg" alt="Bild: Zürcher Theater Spektakel/Christian Altorfer" width="550" height="344" /><p class="wp-caption-text">Bild: Zürcher Theater Spektakel/Christian Altorfer</p></div>
<h2>Interview Amparo Sánchez, 26.8.2010</h2>
<p><strong>nahaufnahmen.ch traf sich mit der sympathischen und unkomplizierten Amparo Sanchez nach ihrem Konzert am Theaterspektakel zum Interview. Ein Gespräch über ihre neue Platte &#8220;Tucson-Havana&#8221;, die Zapatistenbewegung, Manu Chao und Billie Holiday. </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Nach den unzähligen Party-Konzerten, die du mit Amparanoia gefeiert hast, bist du nun ruhiger geworden, die Musik ist melancholischer, die Zuschauer sitzen. Wie erlebst du diesen Wandel?</p>
<p><strong>Amparo Sánchez</strong>: Ich denke es ist ein Teil meines persönlichen Prozesses, den ich einfach nötig hatte. Ich kam mit Amparanoia an einen Punkt, an dem ich ungemein Spass hatte, doch schon mit dem letzten Album „la vida te da“ fühlte ich das Bedürfnis wieder zurückzukehren zum Akustischen. Wieder mehr mit meiner Stimme zu kommunizieren. In der Weise, wie alles für mich begonnen hat. Irgendwie war ich wohl etwas müde vom ständigen Animieren der Leute, um 3 Uhr morgens wenn alle besoffen sind. Deshalb kam für mich der Moment wo ich etwas verändern musste. „Tucson-Havana“ war eine Reise, die mir —abgesehen vom Aufnehmen des neuen Albums — auch geholfen hat, mich selber zu entdecken und mir neue Ziele zu setzen. Ich bin sehr dankbar, dass ich mir die Möglichkeit gegeben habe, ein Genre, einen Stil zu verabschieden und die Leute auf eine andere Weise zu packen. Mit dem, was ich momentan fühle.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Das letzte Mal als ich dich sah, standest du in Barcelona mit Tränen in den Augen auf der Bühne, während deinem Abschiedskonzert mit Amparanoia. Wie haben deine letzten beiden Jahre ausgesehen und wie kam es zu der Kollaboration mit den Jungs von Calexico?</p>
<p><strong>Amparo </strong><strong>Sánchez</strong>: Nun die Jungs von Calexico kenne ich schon seit 2002 und meinem Album „Enchilao“, das aus dem Amparaoina-Universum etwas herausstach. Es war elektronischer und einfach anders als unsere früheren Alben. Joey Burns und John Convertino von Calexico hörten dieses Album und verliebten sich in meine Stimme. Dann luden sie mich ein mit ihnen ein Konzert in Rotterdam zu spielen. Ich kannte den Song „Crystal Frontier“ von Calexico und sie schienen eine Band zu sein mit einem grossen mexikanischen Einfluss, was mich musikalisch sehr ansprach. Also nahm ich die Einladung an und vom ersten Moment an stimmte die Chemie zwischen uns. Und so haben wir seit 2002 immer wieder zusammengearbeitet, auf Alben von ihnen oder von mir. Wir haben zusammen Konzerte gespielt. Dann habe ich 2006 und 2007 eine Reihe von Songs aufgenommen, die sich deutlich vom Vibe Amparanoias unterschieden. Ich traute mich sie John und Joey zu zeigen. Sie meinten, dass die Songs anders waren, traurig und ehrlich, aber gleichzeitig sei es auch nötig diese Gefühle zu vermitteln und falls ich diese Songs eines Tages aufnehmen wolle, dann möchten sie dabei sein. So ging die Zeit vorbei, ich traf die Entscheidung mit Amparanoia abzuschließen und ging Ende 2007 nach Tucson, Arizona, um mit Calexico einige Songs aufzunehmen. Nichts für ein Album, einfach so. Die Erfahrung gefiel mir sehr und so luden sie mich Ende 2008, nachdem die letzte Tour mit Amparanoia zu Ende war, ein weiteres Mal nach Tucson ein. Und ich lud sie ein mit mir nach Havanna zu kommen. Darum heisst das Album ja auch Tucson-Havana. Es sind die beiden Orte wo die Musik aufgenommen wurde, und auch die beiden Orte, welche das Album beeinflußt haben.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Die Idee mit Havanna hattest du also schon vorher?</p>
<p><strong>Amparo </strong><strong>Sánchez</strong>: Am Tag an dem ich Calexico kennenlernte, sagte ich ihnen: „Eines Tages müssen wir in die EGREM-Studios in Havanna.“ Uns allen gefiel das Album „Buena Vista Social Club“ sehr gut und so kam es, dass ich 2009, als sie mich ein weiteres Mal nach Tucson einluden, sagte, „Nein, wir gehen jetzt zusammen nach Havanna und nehmen den zweiten Teil dort auf!“ (lacht).</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Und wie war es in den mythischen EGREM-Studios?</p>
<p><strong>Amparo </strong><strong>Sánchez</strong>: Nun für sie als Amerikaner war es natürlich ein Tabu nach Kuba zu gehen und dazu noch verboten. Doch wir gingen so oder so hin. Der erste Traum von ihnen war also erfüllt. Wir waren in Kuba. Der zweite war das EGREM-Studio, wo schon so viele wichtige Musiker der lateinamerikanischen Welt seit den 1950ern Songs aufgenommen haben. Da waren wir also im gleichen Studio 101, im gleichen Saal, das war sehr ergreifend. Was wir in Tucson aufgenommen hatten, gefiel uns sehr und so wollten wir in Havanna daran anschliessen. So hatten wir ein super Gefühl, es war eine Entdeckungsreise, sowohl auf persönlicher als auch auf musikalischer Ebene. Und dann natürlich das Geschenk Omara Portuondo auf der Platte zu haben, die uns besuchte und mit uns einen Song („La parrandita de las Santas“ Anm. d. Red.) aufgenommen hat.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wie kam es denn zu der Zusammenarbeit mit Omara Portuondo?</p>
<p><strong>Amparo</strong> <strong>Sánchez</strong>: Ich bin ein grosser Fan von Omara und traute mich, sie einzuladen, da ich sehr gerne ein Lied mit ihr aufnehmen wollte. Und sie ist dann tatsächlich gekommen. Ihr gefiel meine Stimme und auch der Song, also ist sie gekommen. Sie war sehr natürlich und für mich war es immer ein Traum mit ihr zu arbeiten und dann hat es geklappt.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Welchen Einfluss hatte die Wüste Arizonas auf die Musik? Wirkt sich die Landschaft generell auf deine Musik aus?</p>
<p><strong> Amparo </strong><strong>Sánchez</strong>: Ja, selbstverständlich. Nun gut, ich hatte die Songs schon in Spanien geschrieben. Aber John Convertinos Schlagzeug und das Gitarrenspiel von Joey Burns sind ohne Zweifel mit ihrer Herkunft verbunden. Und das ist die Wüste. Eine Wüste, die ausserdem 60 Km von Mexiko entfernt ist, so dass schon zusammen mit der Musik des amerikanischen Südens immer schon auch der mexikanische Einfluss spürbar war. Und dieses Ambiente passte perfekt zu meinen Songs, da meine Hauptinspirationen zur Zeit des Schreibens Mexico und Kuba waren. So gaben die Aufnahmen in Tucson den Songs den passenden Rahmen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Auf dem Song „Mi suerte“ singst du: „el mundo se hunde sin medida en pobreza, seguro que hay algo que puedas hacer, seguro que hay alguien en quien puedas creer, cambiara tu suerte“ („Die Welt versinkt in massloser Armut, es gibt sicher etwas, das du tun könntest, es gibt sicher jemanden, an den du glauben kannst, ändere dein Schicksal“). Auch andere Songs haben eine gewisse Melancholie, ja fast schon Traurigkeit. Gleichzeitig aber schimmert immer auch etwas Hoffnung durch&#8230;</p>
<p><strong>Amparo </strong><strong>Sánchez</strong>: (unterbricht) Ich schrieb diese Songs, weil ich Antworten brauchte. Ich denke in den Songs sind sowohl die Fragen, als auch die Antworten. So, als würden mir die Songs helfen eine Antwort zu finden, verstehst du? Es ist schon richtig, dass ich mich sehr traurig fühlte, als ich die Songs schrieb. Aus persönlichen Gründen aber auch aus einer globalen Sicht. Ich war desillusioniert von all dem Horror, von dem unglaublichen Ungleichgewicht, das auf der Welt herrscht. Was kann ich denn schon machen? Ich kann doch nichts machen? Aber etwas konnte ich machen. Und zwar konnte ich versuchen eine Stimme zu sein, von allem, was ich sehe und lerne während meinen Reisen. Von allem was mich schmerzte. Und dies aber gleichzeitig auch mit meiner persönliche Ebene verbinden. Daher glaube ich, dass diese Songs sowohl eine gewisse Intimität, aber auch eine globale Vision haben. Im Sinne von: „Was passiert hier?“ Irgend etwas könnte ich doch machen. Diese Songs waren für mich wie ein Rettungsring in einem Moment von grosser Traurigkeit. Sie halfen mir die Dinge aus dieser Sicht zu sehen. Und darum fühlte ich, dass es wichtig war diese Songs aufzunehmen und unter die Leute zu bringen. Damit sie, falls sie auch solche Momente durchleben, etwas Trost finden und weitermachen können.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Du engagierst dich für die Bewegung der Zapatisten in Mexico und du hast Auftritte bei Anti-G8 Gipfeln. Siehst du dich ein wenig als eine Stimme für die Stimmenlosen?</p>
<p><strong>Amparo </strong><strong>Sánchez</strong>: Also, im Moment, wo ich Songs schreibe, schreibe ich wirklich von Herzen und von meinen Erfahrungen. Ich will schon ein Gefühl vermitteln. Auf persönlicher Ebene möchte ich schon das Gefühl haben, dass ich etwas unternehme. Sei dies nun ein objektiver oder subjektiver Blick auf das, was passiert. Es gibt Songs wie „Corazon de la realidad“, der natürlich der Bewegung der Zapatisten gewidmet ist. Mit dieser Bewegung habe ich mich identifiziert seit sie 1996 begonnen hat. Ich habe teilgenommen, bin in die Gemeinden der Indios gereist (im mexikanischen Bundesstaat Chiapas, Grenze zu Guatemala, Anm. d. Red.) und ich sehe diese Bewegung wirklich als ein Licht der Hoffnung in dem ungerechten ökonomischen System, in dem wir leben. Aber genauso wie mit den Zapatisten fühle ich mich verbunden mit den Bauern, dem ländlichen Leben, mit Menschen, die sagen, „wir müssen wieder zur Erde zurückkehren“, es gibt nur diese eine. Wir brauchen einen Schritt zurück, eine Re-Evolution, das ständige Wachsen muss aufhören. Mit diesen Menschen kann ich mich identifizieren und dies probiere ich auf eine Weise in meinen Texten zu übermitteln. Aber beim Komponieren der Songs fühle ich mich wirklich frei. Ich schreibe was ich fühle und wenn dann Songs rauskommen, die ich bestimmten Orten oder Menschen widme, dann bin ich zufrieden. Aber ich versuche eine Vision zu haben und diese Vision zu übermitteln, von dem, was ich tagtäglich erlebe.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wenn wir auf den Anfang deiner Karriere zurückschauen, hast du dir damals jemals vorstellen können, dass du mit deiner Musik um die Welt reist?</p>
<p><strong>Amparo </strong><strong>Sánchez</strong>: Nein! Niemals. Ich fing an zu singen, weil es mich befreite, weil ich mich frei fühlte beim Singen. Damals war ich 16, heute bin ich 40 Jahre alt. (lacht) Ich konnte mich also frei fühlen und gleichzeitig merkte ich, dass die Leute meine Stimme mochten. So hat alles angefangen in Granada, wo ich aufgewachsen bin, dann ging ich 1995 nach Madrid. In Madrid ging dann alles sehr schnell, ich nahm die erste Amparanoia-Platte auf und die Platte verbreitete sich und ich fing an zu reisen.</p>
<div id="attachment_6031" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-6031" title="AMPARANOIA-SABADELL2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/09/AMPARANOIA-SABADELL2.jpg" alt="Bild: www.amparanoia.com" width="500" height="333" /><p class="wp-caption-text">Bild: www.amparanoia.com</p></div>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: War das der Moment wo du dir bewusst wurdest, dass du es mit der Musik schaffen kannst?</p>
<p><strong>Amparo </strong><strong>Sánchez</strong>: Nun, nein. Schau, ich hab hier Billie Holiday (zeigt mir ihren Ring, mit einem Bild von Billie Holiday). Billie Holiday sang immer im gleichen Club. Und dies war mein Traum als ich anfing, dass ich immer gleichen Club spiele und die Leute kamen, um mich zu sehen. Damals wusste ich nicht, dass ich soviel reisen würde. Dann lernte ich in Madrid Manu Chao kennen und er sagte mir: „Aber, warum bist du immer nur hier? Du musst raus in die Welt, du musst reisen. Du musst der Welt deine Songs zeigen.“ Er war der Erste, der mir die Augen öffnete und plötzlich dachte ich, „ja er hat recht, ich muss reisen und schauen was passiert.“ Das war also zu Beginn kein Ziel oder so, aber danach wurde dann schon eine grosse Neugierde daraus. Später wurde mir bewusst, was ich alles für Erfahrungen machen konnte, wenn ich von meiner Musik leben und reisen konnte. Natürlich könnte ich immer im selben Club spielen aber reisend treffe ich Menschen, die mir ihre Geschichten erzählen. Alles, was ich gelernt habe, sei es bei einem Konzert für die Insassen eines Gefängnisses oder in einem Flüchtlingscamp für die Sahrauis (Bevölkerung der Westsahara, Anm. d. Red) in der Westsahara, all dies wurde mir durch die Musik ermöglicht. Abgesehen also von der Musik, die mir Freiheit gibt, bin ich dankbar für alles, was ich erlebte und kennenlernte durch die Musik und was mir noch bevorsteht.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Siehst du heute die alten Freunde aus Madrider Zeiten noch ab und zu, Manu Chao und Radio Bemba und all die anderen?</p>
<p><strong>Amparo </strong><strong>Sánchez</strong>: Jaja, natürlich, natürlich. Für mich sind richtige Freunde für immer. Auch wenn es Zeiten gibt, wo man sich nicht so oft sieht. Klar, unsere Leben haben sich verändert, aber als ich zum Beispiel Manu kennenlernte, war ich erst kurze Zeit in Madrid. Und Manu war damals auch eben erst in Madrid angekommen, er gründete gerade Radio Bemba und war in den Vorbereitungen für Clandestino. Er hatte sehr viel freie Zeit damals, war noch nicht ständig unterwegs. In diesen Tagen hatten wir richtig viel Zeit uns kennenzulernen, Manu und Radio Bemba, Joan und Miguel, die heute in der Band La Troba-Kung Fu spielen, mit Dani, der heute bei Macaco dabei ist usw. Wir waren noch nicht so bekannt, reisten noch nicht umher und damals entstanden wirklich Freundschaften fürs Leben. Und heute sehen wir uns seltener, aber wir schaffen es immer noch uns zu treffen. Im Falle von Manu, besteht zwischen ihm, mir und meinem älteren Bruder, der mir immer aufmerksam zuhört wenn ich mit ihm rede, ein wirklich starkes Band, da ist viel Liebe und Kraft zwischen uns. Wir wünschen uns einfach das Beste, helfen uns in schwierigen Situation, machen traurige und frohe Momente zusammen durch. Ja so ist das. Insbesondere Manu ist ein sehr spezieller Freund für mich.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Billie Holiday war eine deiner grossen Inspirationen, bist du mit ihrer Musik aufgewachsen? Oder was für Musik hast du im Hause deiner Eltern gehört?</p>
<p><strong>Amparo </strong><strong>Sánchez</strong>: Nun, weißt du, wir waren 5 Geschwister, da lief von Bob Marley über Pink Floyd, von Rumba über Flamenco bis zu kubanischer Musik einfach alles. Aber Billie Holiday lernte ich kennen, als ich 16 Jahre alt war. Eine Freundin schenkte mir eine Kassette und meinte, ich müsse diese Sängerin unbedingt hören. Ich war völlig weg und hörte das Ding bis die Töne schon nicht mehr richtig rauskamen (lacht). Und eines Tages fand ich in einem Plattenladen eine LP mit Billie Holiday. Die Musik bekam zum ersten Mal ein Bild. Ich kaufte die LP, obwohl ich keinen Plattenspieler hatte. Später schenkten sie mir ein Bild von Billie Holiday von einem Konzert in Kalifornien. Seit ich 18 bin, hatte ich dieses Bild immer bei mir, heute steht es in meiner Küche. Ja, Billie Holiday war immer eine Inspiration, meine schwarze Mutter, meine spirituelle Mutter.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Dein Lieblingslied von Billie?</p>
<p><strong>Amparo </strong><strong>Sánchez</strong>: Ich liebe „Strange Fruit“ weil sie es selbst geschrieben hat, aber vom Gesang her, alles. Wirklich alles. Niemand hat je so gesungen wie Billie.</p>
<p>Im Netz:</p>
<p><a href="http://www.nahaufnahmen.ch/2010/09/03/amparo-sanchez/">Amparo Sánchez am Theaterspektakel Zürich</a></p>
<p><a href="http://www.theaterspektakel.ch/">http://www.theaterspektakel.ch/</a></p>
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]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>„Das Spezielle liegt im Detail“</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/05/17/%e2%80%9edas-spezielle-liegt-im-detail%e2%80%9c/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/05/17/%e2%80%9edas-spezielle-liegt-im-detail%e2%80%9c/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 17 May 2010 21:44:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rico Steinemann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/05/17/%e2%80%9edas-spezielle-liegt-im-detail%e2%80%9c/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/05/len_sander_gruppe_oben-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Sie haben eben die wunderbare EP „Organik“ aufgenommen, ein kleines Schmuckstück mit vier Songs, das den sphärischen, detailverliebten Sound von Len Sander bestens wiedergibt. Ein Sound, wie geschaffen für lange und laue Sommernächte auf Dachterassen, an Seeufern oder am Meer. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>„Das Spezielle liegt im Detail“</h1>
<div id="attachment_3767" class="wp-caption aligncenter" style="width: 559px"><img class="size-full wp-image-3767" title="len_sander_gruppe_oben" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/05/len_sander_gruppe_oben.jpg" alt="Bild: Brigitte Fässler" width="549" height="367" /><p class="wp-caption-text">Bild: Brigitte Fässler</p></div>
<h2>Interview Len Sander 17.5.2010</h2>
<p>Sie haben eben die wunderbare EP „Organik“ aufgenommen, ein kleines Schmuckstück mit vier Songs, das den sphärischen, detailverliebten Sound von Len Sander bestens wiedergibt. Ein Sound, wie geschaffen für lange und laue Sommernächte auf Dachterassen, an Seeufern oder am Meer. Ihre kleine „Tour de Suisse“ steht mit dem Konzert im Hive vom nächsten Donnerstag vor dem Abschluss und gibt der Band Zeit sich für weitere Grosstaten im Übungskeller zu verschanzen. nahaufnahmen.ch traf sich mit dem Multiinstrumentalisten Simon um über die Tour, ihre EP und den geheimnisumwobenen Bandnamen Len Sander zu diskutieren.</p>
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<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Was zieht ihr nach den ersten beiden Konzerten in Frauenfeld und Bern für ein Fazit? Wie war es für euch nach vielen, vielen Stunden im Übungskeller die Songs nun live zu präsentieren?</p>
<p><strong>Len Sander</strong>: Wir haben uns wirklich verdammt lange, praktisch ein Jahr, auf diese Konzerte vorbereitet. Wir wussten schon von Anfang an, dass es eine Herausforderung sein wird, da wir nicht die grossen Bühnensauen sind, eine Live-Show aber immer auch ein gewisses unterhaltendes Element haben muss. Eine Show halt, bei der man nicht einfach seine Musik „spielen“ kann, so wie das im Übungskeller der Fall ist. Es ist auf der Bühne einfach anders als im Proberaum, wir waren uns auch nicht sicher ob die Songs überhaupt bühnentauglich sind. Kommt das gut an? Springt der Funken zum Publikum? Doch wir waren positiv überrascht, das Publikum hat unsere Musik gut aufgenommen. Es kamen jeweils viel mehr Leute zu den Konzerten, als wir uns dachten oder erhofften. Man merkt mit der Zeit wie es auf gewisse Songs reagiert, wie es mitgeht wenn ein Song abgeht. Andererseits gab es Songs wo wir dachten, dass sie voll abgehen, aber die Reaktion des Publikums dann eher verhalten war. Daran müssen wir noch ein wenig feilen, an der Dramaturgie der Show, wie wir es aufbauen, wann die eher langsameren Songs kommen und wann die Songs, die mehr abgehen. Das Publikum akzeptiert uns jedoch so wie wir sind, sie wissen, dass man sich bei uns auch mal zurücklehnen und einem Solo oder einem Soundkonstrukt zuhören kann, wo das Spezielle halt in den Details liegt.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Ihr habt kürzlich die EP „Organik“ mit 4 Songs im Studio aufgenommen, wie geht’s nun weiter? Bleibt ein „ganzes“ Album immer noch das Ziel?</p>
<p><strong>Len Sander</strong>: Nun, wir standen vor der Frage, ob wir ins Studio gehen, Geld investieren und ein Album aufnehmen sollen. Doch wir entschieden uns für eine erste Konzertreihe und parallel für die EP. Das Aufnehmen der EP hat viel Spass gemacht und wir haben so unseren Sound gefunden. Theoretisch könnten wir uns vorstellen im Halbjahrestakt weitere EPs gratis ins Netz zu stellen. Dies wäre ein Konzept, das uns eigentlich gefällt, denn in der Schweiz lässt sich mit Albumverkäufen nur schwer Geld verdienen, ausser man ist international bekannt oder ist besonders massentauglich. Andererseits, reizt es uns natürlich schon auch mit der ganzen Band in ein grosses Studio und ein ein ganzes Album mit 12 Songs zu produzieren.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wie entstehen bei Len Sander neue Songs? Ihr seid ja zu sechst, gibt es da eine treibende kreative Kraft, oder entstehen die Songs gemeinsam?</p>
<p><strong>Len Sander</strong>: Früher kam jemand mit einer Idee in die Probe und dann wurde dies gespielt und zusammen zu einem Song entwickelt. . Das war jedoch zum Teil ziemlich mühsam, vor allem wenn zu viele Ideen aufeinandertreffen. Dann wird es kompliziert, man fragt sich in welche Richtung man gehen soll. Deshalb braucht es einen Chef, jemanden der entscheidet wie es gemacht wird. Und dies ist derjenige der die ursprüngliche Idee hatte. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass wir bereits mit vorgefertigten Songs kommen und diese dann unter der Leitung des Initianten umgesetzt werden.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Gibt es dabei auch Reibungen unter euch, wenn gewisse Ideen auf Zustimmung oder Ablehnung bei bestimmten Bandmitgliedern treffen?</p>
<p><strong>Len Sander</strong>: Natürlich, das gibt es sehr oft. Wenn ein Song verdammt gut ist, finden es meistens auch alle verdammt gut. Es gibt aber auch viele Ideen, die nicht allen gleich gut gefallen. Dann ist aber klar, dass der mit der Idee entscheidet in welche Richtung es gehen soll. Es ist sein Song, seine Idee und sein Konzept und es ist frustrierend, wenn die Band dann etwas anderes daraus machen will. Aber klar, es gibt Reibungen, das ist auch normal, da muss man halt auch mal zurückstecken. Wir können ja auch nicht tagelang darüber diskutieren. Deshalb ist man manchmal froh, wenn derjenige mit der Songidee, die Richtung vorgibt und sagt: „Wir machen das jetzt so.“</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Ihr arbeitet und/oder studiert ja nebenbei alle noch. Habt ihr euch je vorgestellt wie es wäre, wenn ihr euch alle vollzeitlich der Musik widmen könntet? Ist dies ein Ziel, auf das ihr hinarbeiten wollt?</p>
<p><strong>Len Sander</strong>: Mittelfristig werden wir so weitermachen wie bisher. Alle werden ihre Ausbildungen abschliessen und haben nebenbei andere Tätigkeiten und Projekte am Laufen. Dies wird bis zu einem gewissen Grad wohl auch immer so bleiben. Die Option, dass wir mehr Musik machen werden, ist sicher offen und eigentlich auch das Ziel. Wenn wir am Sounden sind, dann tun wir das so als gäbe es nur ein Ziel, alles andere würde uns nicht weiterbringen (lacht).</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Viele Leute fragen sich ja, was Len Sander eigentlich bedeutet? Wer ist dieser Len Sander? Oder was ist Len Sander? Wird dieses Geheimnis je gelüftet?</p>
<p><strong>Len Sander</strong>: Das ist ein Mythos, ein Geheimnis, ein Fantasiename, der niemals gelüftet werden wird (lacht). Nein, wir wollten einfach etwas, dass nichts Spezifisches aussagt. Ein Name, der nicht schon im Vornherein verrät, was für eine Musik wir machen oder woher wir kommen. Es sollte etwas Neutrales sein, wo sich verschiedenste Musikstile dahinter verbergen können. Wir haben ja auch lange nach unserem Stil, nach unserem Sound gesucht. Die Bandbreite ist nach vor gross, doch ich habe das Gefühl, dass wir mit unserer Tour nun so richtig unseren Sound gefunden haben &#8211; den Len Sander Sound.</p>
<p>Die EP „Organik“ gibt es als gratis Download auf der Website:</p>
<p><a href="http://www.lensander.com/">www.lensander.com</a></p>
<p>Len Sander Live im Hive, Zürich, 20.5.2010, 22:00</p>
<p><a href="http://www.hiveclub.ch/programm/programmdetails/index.html?id=19852">http://www.hiveclub.ch/programm/programmdetails/index.html?id=19852</a></p>
<p>Tickets:</p>
<p><a href="http://www.starticket.ch/">www.starticket.ch</a></p>
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		<title>Interview mit Sophie Zelmani</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/24/interview-mit-sophie-zelmani/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 23:23:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Aebi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/24/interview-mit-sophie-zelmani/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/sophiezelmani-intw_01.JPG class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Die nachdenkliche und schüchterne Schwedin hat soeben ihr achtes Album „I’m the rain“ veröffentlicht. Im E-Mail-Interview mit nahaufnahmen.ch verrät Sophie Zelmani, warum Vergebung für sie wichtig ist, wieso sie sich zu Hause am wohlsten fühlt und welches das Erfolgsgeheimnis ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit dem Produzenten Lars Halapi ist. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>„Man trägt Dinge in sich, die nicht verschwinden, nur weil man sie eine gewisse Zeit verdrängt hat“</strong></h1>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_2671" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><strong><strong><img class="size-full wp-image-2671" title="sophiezelmani intw_01" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/sophiezelmani-intw_01.JPG" alt="Bild:Severus Tenenbaum" width="550" height="413" /></strong></strong><p class="wp-caption-text">Bild:Severus Tenenbaum</p></div>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<h2><strong>Interview mit Sophie Zelmani</strong></h2>
<p><strong>Die nachdenkliche und schüchterne Schwedin hat soeben ihr achtes Album „I’m the rain“ veröffentlicht. Im E-Mail-Interview mit nahaufnahmen.ch verrät Sophie Zelmani, warum Vergebung für sie wichtig ist, wieso sie sich zu Hause am wohlsten fühlt und welches das Erfolgsgeheimnis ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit dem Produzenten Lars Halapi ist. </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Sophie, dein neues Album hast du in Schonen, der südlichsten Provinz Schwedens, aufgenommen. Wie wichtig ist für dich der Ort, an welchem du ein Album einspielst?</strong></p>
<p>Sophie Zelmani: Es ist so, dass Lasse (Lars Halapi, Sophies Gitarrist und Produzent, Anm. d. Red.) vor ein paar Jahren nach Schonen umgezogen ist und sich dort ein Studio gebaut hat. So war es fast natürlich, dass wir uns entschieden, die neue Platte dort aufzunehmen. Es ist ganz wichtig für mich, dass ich mich an dem Ort, wo ich mich befinde, wohl fühle. Vor den Aufnahmen machen wir uns jeweils Gedanken, ob wir lieber isoliert irgendwo auf dem Land sein möchten oder doch eher zentral mitten in einer Stadt. Danach versuchen wir, ein geeignetes Studio zu finden.</p>
<p><strong>Für deine letzte Platte „The Ocean and me“ hast du die Songs zusammen mit deiner Band an mehreren Abenden hintereinander jeweils in einer bestimmten Reihenfolge aufgenommen und danach die besten Takes jedes Liedes ausgewählt. Wie liefen die Aufnahmen zu deinem neusten Werk „I’m the Rain“ ab?</strong></p>
<p>Ich reiste ein paar Mal zu Lasse nach Schonen und habe während meiner Aufenthalte dort an meinen Liedern geschrieben. Sobald ich das Gefühl hatte, dass ein Lied fertig war, haben wir es gleich eingespielt. Mit ein paar Songs haben wir jedoch gewartet, bis der Rest der Band sich zu uns gesellte, damit wir jene Lieder zusammen aufnehmen konnten.</p>
<p><strong>Gab es ein bestimmtes Ereignis, welches den Schreibprozess für deine neuste Liederkollektion in Gang gesetzt hat? </strong></p>
<p>Die Lieder handeln ja von Gedanken und Gefühlen, welche aus mir herauskommen wollen. Man weiss im Voraus nie, über welche Themen man das Bedürfnis haben wird, Lieder zu schreiben. Aber es ist klar, dass auch für diese Platte gewisse Ereignisse ausschlaggebend waren.</p>
<p><strong>„To be forgiven“, die erste Single aus dem neuen Album, handelt von der Notwendigkeit von Vergebung und Erlösung. Wie wichtig</strong> <strong>ist Vergebung für dich?</strong></p>
<p>Ich hatte Anlass dazu, vermehrt darüber nachzudenken, wie man verzeihen kann,  und wie es sich anfühlen würde, wenn einem selber wirklich verziehen wird. Ob es dann möglich ist, leichter im Leben weiterzugehen, trotz Sachen, die man gesagt oder getan hat. Ich denke, dass dies sehr wichtig ist.</p>
<p><strong>„Interior Design“ beschreibt im Detail die Einrichtung eines gemütlichen Hauses mit einem kleinen Garten, einer blauen Türe, einem Cheminée, überall hat es Kerzen. In welcher Umgebung fühlst du dich besonders wohl?</strong></p>
<p>Ich fühle mich vermutlich am wohlsten zu Hause. Man kann es dort vielleicht nicht immer genau so haben, wie man es sich erträumt, aber man strebt danach. Kerzen, ein offener Herd und eine Badewanne sind kleine Sachen, welche ich sehr schätze.</p>
<p><strong>Das wunderschöne Schlusslied „Song of the night“, beschreibt, wenn ich es richtig verstanden habe, den Prozess des Songwritings. Wie hat sich dieser Prozess verändert, seit du das erste Mal Lieder geschrieben hast?</strong></p>
<p>Es ist herrlich, wie du deine eigene Interpretation erhältst, ich werde gar nicht viel dazu sagen. Aber es ist immer noch so, dass Gemütszustände und eine Unruhe im Magen den Schreibprozess in Gang setzen. In der letzten Zeit konnte ich dies aber „aufsparen“ und damit warten, bis ich die Gelegenheit bekam, in Ruhe und Frieden zu arbeiten. Das war früher schwieriger.</p>
<p><strong>Seit dem ersten Album arbeitest du sehr erfolgreich mit dem Produzenten Lars Halapi zusammen. Wie hast du ihn kennengelernt und was ist, deiner Meinung nach, das Geheimnis eures Erfolges?</strong></p>
<p>Patrik Sventelius, welcher mir vor vielen Jahren den Plattenvertrag verschaffte, liess mich Lasse treffen, um zu sehen, ob er zu mir passen könnte, um mir beim ersten Album zu helfen. Seitdem dauert unsere Zusammenarbeit an. Es ist schwierig zu sagen, aber es ist wie eine lange und geglückte Ehe. Ich wage es, offen zu sein und er gibt mir ehrliche Antworten. Es fühlt sich ganz einfach ehrlich und wertvoll an.</p>
<p><strong>Wenn du dir für ein kommendes Album einen anderen Produzenten aussuchen müsstest, wen würdest du wählen? </strong></p>
<p>Ich weiss es nicht genau. Ich würde in diesem Fall nach denjenigen Produzenten suchen, die hinter den Platten oder Künstlern stehen, welche mir am besten gefallen. Ich habe bis jetzt aber noch an niemanden Bestimmtes gedacht.</p>
<p><strong>Die faszinierenden Bilder zum neuen Album hat die junge schwedische Fotografin Severus Tenenbaum gestaltet. Wie bist du auf sie gestossen und wie verliefen die Fotosessions? </strong></p>
<p>Sie ist eine Freundin von Lars Sundh, welcher alle meine Plattenumschläge gestaltet. Ich mochte ihren Stil und so fotografierten wir einen Tag lang im Haus von Lars. Wir probierten eine Idee aus, welche Lars irgendwo gesehen hatte. Wir hatten es nett und lustig, assen Lebkuchenplätzchen und hörten uns dazu Musik an.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Dein neues Album wird es auch in einer Vinyl-Version geben. Wieso hast du dich entschlossen, „I’m the rain“ als Schallplatte zu veröffentlichen? Hörst du dir selber immer noch Platten an und welches ist deine Lieblingsscheibe?</strong></p>
<p>Das war eigentlich gar nicht meine Idee, aber ich finde sie toll. Ist es nicht so, dass die Menschen wieder anfangen, sich vermehrt für Vinyl zu interessieren? Ich selbst habe fast keine Vinylplatten besessen. Ich glaube, ich habe im Alter von 12 Jahren einige Singles gekauft. Aber vielleicht wäre es cool, nun mit dem Sammeln zu beginnen?</p>
<p><strong>Letzten Sommer hat dein Produzent Lars Halapi das Album „The Scandinavian Report“ initiiert, auf welchem skandinavische Künstler Lieder von Leonard Cohen coverten. Du hast ebenfalls bei diesem Projekt mitgemacht und dir dafür den Song „Waiting for the miracle“ ausgesucht. Wieso hast du dich gerade für dieses Lied entschieden</strong>?</p>
<p>Ich finde, dass es ein enorm schönes Lied ist und dass es zu meiner Art zu singen passte. Zudem konnte ich mich sehr mit dem Text identifizieren.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Vor einigen Jahren, nach der Veröffentlichung von „Love Affair“, schrieb ein schwedischer Journalist in seiner Rezension: „Sophie Zelmani spielt immer wieder die gleiche Platte ein, nur besser.“ Was sagst du dazu?</strong></p>
<p>Ja, das war lieb, dass er fand, ich würde immer besser. Ich denke nicht, dass dem so ist. Ich folge irgendwie nur dem Leben und vielleicht verändere ich mich, von aussen gesehen, nicht so stark. Vielleicht sind es auch nur die Lieder, die sich für gewisse Menschen gleich anhören.</p>
<p><strong>Du bist eine sehr kreative Person. Neben dem Schreiben und Komponieren von Liedern stellst du auch verschiedene Produkte aus Leder sowie Keramikwaren her. </strong></p>
<p>Dies sind meine Hobbys, denen ich mich, so denke ich, etwas mehr widmen sollte. Sie halten mich davon ab, dass es mir langweilig wird. Ausserdem ist es immer befriedigend, etwas produziert zu haben.<strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Wieso hast du dich entschieden, bei den kommenden Konzerten – im Gegensatz zur letzten Tournee –  wieder in kleineren Lokalitäten aufzutreten? </strong></p>
<p>Es ist immer mein Wunsch, in kleineren Lokalen zu spielen. Ich finde, die Konzerte fühlen sich auf diese Weise wirklicher und schöner an.</p>
<p><strong>In der Vergangenheit hast du bei einigen Konzerten ein Buch im Publikum zirkulieren lassen, in welches die Besucher etwas über sich oder an dich schreiben konnten. Was hast du aus diesen Einträgen erfahren oder gelernt?</strong></p>
<p>Ich bin so froh über diese Bücher. Ich habe sie nach den Auftritten gelesen und es wurde mir ganz warm ums Herz. Die Bücher sind auch eine Art Beweis dafür, wer an den Konzerten war und wie es sich anfühlte. Jetzt liegen die Bücher da und warten darauf, dass ich alt werde, damit ich sie anschauen und mich zurückerinnern kann.</p>
<p><strong>Ich habe in einem Interview gelesen, dass du vor drei Jahren während eines Soundchecks in der Passionskirche in Berlin eine Art Erweckung hattest. Inwiefern hat dich diese Erfahrung verändert oder beeinflusst?</strong></p>
<p>Das war eine ganz merkwürdige Sache, welche da während des Soundchecks geschah, ohne dass ich darauf gefasst gewesen wäre. Ich fing an, immer wieder hemmungslos zu weinen und konnte damit erst lange nach dem Ende der Tournee wieder aufhören. Es ist wohl so, dass man das Gefühl hat, man habe Kontrolle über alles, aber manchmal wird man von sich selber auf irgendeine Weise überrumpelt. Ich finde, dass das befreiend sein kann. Man trägt Dinge in sich, die nicht verschwinden, nur weil man sie eine gewisse Zeit verdrängt hat.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Du wirst die Tournee mit zwei Konzerten in der Schweiz beenden. Gibt es etwas, worauf du dich besonders freust, wenn du an einen Besuch in unserem Land denkst?</strong></p>
<p>Mittlerweile fühlt es sich richtig vertraut an, euch zu besuchen. Ich habe einige speziell schöne Erinnerungen an Erlebnisse in eurem Land, bin sehr dankbar dafür und freue mich darauf, wieder in die Schweiz zu kommen. Ich fühle mich bei euch sehr wohl.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Konzerte:</strong></p>
<p>26. März 2010 Bern, Bierhübeli</p>
<p>27. März 2010 Zürich, Härterei</p>
<p><strong>Im Netz:</strong></p>
<p><a href="http://www.zelmani.com/">http://www.zelmani.com</a></p>
<p><a href="http://www.zelmani.se/">http://www.zelmani.se</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong> </strong></p>
]]></content:encoded>
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		<title>„Ich hab das Gefühl, da gibt es noch vieles zu entdecken“</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2009/12/10/max-herre-interview/</link>
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		<pubDate>Thu, 10 Dec 2009 15:44:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rico Steinemann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/12/10/max-herre-interview/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/11/Max-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Es war der Tag nach dem ersten von zwei Zürcher Konzerten, als sich nahaufnahmen.ch mit Max Herre im Novotel zum Interview traf. Max war zuerst noch unauffindbar und seine Tourmanagerin wirkte zunehmend ungeduldiger, nach einigen Minuten tauchte er aber doch noch auf. Mit der ihm eigenen sympathischen Art nahm er Zeit für ein ausführliches Gespräch über seine musikalische Entwicklung, sein neues Album und die Minarett - Initiative.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>„Ich hab das Gefühl, da gibt es noch vieles zu entdecken“</h1>
<div id="attachment_1397" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-1397" title="Max" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/11/Max.jpg" alt="www.maxherre.com" width="550" height="366" /><p class="wp-caption-text">www.maxherre.com</p></div>
<p><br class="spacer_" /></p>
<h2>Max Herre Interview, 5.12. 2009</h2>
<p>Es war der Tag nach dem ersten von zwei Zürcher Konzerten, als sich nahaufnahmen.ch mit Max Herre im Novotel zum Interview traf. Max war zuerst noch unauffindbar und seine Tourmanagerin wirkte zunehmend ungeduldiger, nach einigen Minuten tauchte er aber doch noch auf. Mit der ihm eigenen sympathischen Art nahm er sich Zeit für ein ausführliches Gespräch über seine musikalische Entwicklung, sein neues Album und die Minarett &#8211; Initiative.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Wie siehst du deine Entwicklung seit &#8220;Quadratur des Kreises&#8221;?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Max Herre: Ich glaub man kann Dinge immer anders machen, aber man macht sie wie man sie macht, es geht auch weniger darum was man gemacht hat, als darum was man noch vor hat zu tun. Es ist für mich immer spannender zu fragen, was als nächstes passiert, als die Frage zu stellen, was passiert ist. Das kann man sowieso nicht ändern. Für mich beginnt Max Herre als Musiker auch nicht 1997 mit &#8220;Quadratur des Kreises&#8221;, es gab auch einen Weg dahin, eine Entwicklung, ich habe angefangen mit 14,15 Musik zu machen, auch Freundeskreis 1997 war eine Momentaufnahme, von was ich eben damals in einer bestimmten Konstellationen mit Leuten gemacht und gefühlt hab und es wurde eben bekannt und darum wird man daran gemessen. Es war `ne tolle Zeit und es ist immer noch `ne tolle Zeit und es ist für mich auch keine andere Zeit oder ein anderes Leben, sondern es ist das gleiche Leben an `nem anderen Punkt. Ich seh das als eine stetige Entwicklung, wo Dinge passieren, Dinge dazukommen, wo man eben schöpft aus Erfahrungen, die man gemacht hat und neue Wege betritt.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Seit deinem Album &#8220;Max Herre&#8221; sind 5 Jahre vergangen, was hast du in dieser Zeit alles gemacht? War dein neues Album ein stetiger Prozess, der sich in dieser Zeit entwickelt hat?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Max Herre: Ich hab erstmal das Album von Joy gemacht (Joy Denalane, Anm. d. Red), das eigentlich als eigenes Album zu betrachten ist, was die Intensität mit der ich daran gearbeitet habe angeht, ich habe geschrieben und produziert und da kann man nicht nebenher noch Sachen machen. Insofern war das ziemlich nahtlos, ich habe live gespielt bis 2005 und dann fing ich an mit Joy und für Joy zu schreiben an ihrem Album. Ende 2005 sind wir schon für 3 Monate nach Philadelphia gegangen um das Album aufzunehmen. Es ging bis 2006 bis wir das dann abgemischt hatten, dann ist sie auf Tour und dann ab 2007 haben wir kurz zusammen mit Freundeskreis so ein Revival gemacht. Zu dieser Zeit habe ich angefangen wieder eigene Sachen zu machen. Ab 2008 habe ich dann intensiv an dem neuen Album angefangen zu arbeiten.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Dein Schritt weg von Rap in Richtung Singer/Songwriter-Stil, hat das mit dem Älterwerden zu tun oder wurde Rap mit der Zeit einfach langweilig?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Max Herre: (lacht) Keine Ahnung, die Leute fragen mich immer, ich denke aber nicht in Genres, ich habe nie in Genres gedacht. Letztlich glaube ich, dass wir auch alle Kinder unserer Zeit sind. Als ich 19, 20 war, davor habe ich in einer Band Soul und Reggae gespielt, wurde einfach immer mehr Rap gehört. Die Musik wurde einfach immer toller, zwingender und besser. Dann kamen plötzlich A Tribe Called Quest und De La Soul und Brand Nubian und Bands, die einfach auch einen musikalischen Ansatz hatten. Aus England kam die ganze Acid-Jazz-Bewegung mit Urban Species und Galliano, die auch Band-Sound gemacht haben, gesungen und gerappt haben. Und das ist eigentlich wie ich in den Rap reingekommen bin, auch über den Band-Sound, über gesungene Sachen. Dann habe ich immer mehr Rap integriert, weil das einfach die Musik der Stunde war. Für Leute, die Black Music mochten und ein urbanes Lebensgefühl hatten, war das einfach das Ding der Stunde. Wie es für mich 10 Jahre vorher irgendwie Bob Marley und Reggae-Sachen waren. Ich hab mich immer als Musiker definiert, natürlich als HipHop-Musiker zu Rapzeiten, aber das Musiker sein war das Interessante daran. Musik ist eben nichts starres, nichts statisches. Musik entwickelt sich, atmet und tauscht sich aus. Deshalb wäre die Konservierung eines bestimmten Stils eine unnatürliche Herangehensweise für mich, das passiert natürlich oft, da es ein Konzept ist, das funktioniert. Und die Leute mögen Konzepte, die funktionieren. Sowohl Hörer, als auch die Leute, die es machen, weil es ihnen eine gewisse Sicherheit gibt und auch einen gewissen Erfolg garantiert. Das war für mich nie der Weg und auch für niemanden, der bei Freundeskreis dabei war. Das sind Leute, die machen nach wie vor mit dem gleichen  Enthusiasmus Musik und Kunst, aber (unterbricht)…es gibt da einen Spruch, den ich neulich gelesen habe: “Perfektion ist ein bewegliches Ziel“. Ich glaube, dass Verwirklichung ein bewegliches Ziel ist. Das Ziel verschiebt sich mit den Dingen, die man gemacht und erlebt hat und mit den Ideen, die einem das Leben gibt. Insofern, bezogen auf das Rapding, gibt es für mich da keinen Bruch, sondern nur eine Entwicklung. Aber natürlich kann man, wenn man die letzten 10 Jahre nimmt, sagen, dass ich mich vor allem als Songwriter und Produzent und weniger als MC definiert habe. Aber das ist das, was einfach immer mehr Platz eingenommen und nun seinen Höhepunkt gefunden hat mit diesem Album, das halt ein reines Gesangsalbum geworden ist.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Es gab also kein Schlüsselerlebnis, wo du dir gesagt hast: „Schluss mit Rap, ich nehme jetzt die Gitarre!“?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Max Herre: Ich habe mit 11 angefangen Gitarre zu spielen. Und es war einfach so, dass ich nie besonders gut war. Ich hatte mit 15 `ne Band, wo ich Gitarre gespielt und gesungen hab und dann kam ein Gitarrist, der einfach besser war und dann habe ich nur noch gesungen. Dann stand die Gitarre 20 Jahre in der Ecke und ich hab nur ab und zu mal drauf gespielt und hab sie irgendwie letztes Jahr wieder entdeckt und gesagt: „Ok, ich will dem Instrument noch etwas abgewinnen für mich und meine Entwicklung. Ich will gern Songs darauf schreiben.“ Ich finde es total spannend, es hält mich frisch und jung und ich merk das einfach, diese Tournee jetzt, dass habe ich so noch nie gemacht, gesungen und Gitarre gespielt. Man stellt alles zur Disposition was man kann. Als MC oder Bandleader von `ner Band die Rap macht und ein bisschen Reggae konnte ich mich auch mal verlassen auf das, was ich kann. Das gab es jetzt weniger. Klar, es gibt immer noch Mechanismen, die funktionieren. Auf der Bühne zu stehen ist wie Skifahren, aber wirklich Bandsound zu machen, in der Art und Weise, ist etwas Neues für mich und ich hab das Gefühl, da gibt es noch viel zu entdecken.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Ist das ein bisschen so was wie ein neuer Trend in Deutschland?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Max Herre: Keine Ahnung, ihr redet ja immer über Dennis (Dennis Lisk, Anm. d. Red.) und Sam (Samy Deluxe, Anm.d. Red.), oder was weiss ich, ich kann das so nicht sagen. Ich glaube, die kommen schon aus einer anderen Ecke, Sam ist als Graffitiartist zur Musik gekommen, ich bin als Musiker zu Rap gekommen, bei Dennis weiss ich es zu wenig.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Ihr tauscht euch also nicht gross untereinander aus?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Max Herre: Nee, ich hab jetzt zwar für Sam ein Ding produziert für seine letzte Platte und wir kennen uns natürlich von früher, auch die Beginner klar, aber es ist nicht so, dass wir musikalisch zusammen zu tun haben. Mit Clüsen (Clueso, Anm. d. Red.) hab ich zu tun. Ihn kenne ich seit über 10 Jahren, als er mit Demos zu Four Music kam, auch was ähnliches gemacht hat wie Freundeskreis, auch inspiriert war dadurch und einfach kohärent seine Karriere entwickelt hat und sich deshalb vielleicht auch früher schon von diesem Rapding verabschiedet hat. Ich finde…(unterbricht), ja ich kanns gar nicht sagen, ich will da…weiss ich auch nicht (bricht wieder ab). Ich habe gerade ein Ding aufgenommen für Roberto, da habe ich auf Englisch gerappt mit italienischem Akzent (lacht), es ist also immer noch da….</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Apropos Englisch, reizt dich das nicht, mal eine Platte auf Englisch aufzunehmen?</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Max Herre: Nun, Joy`s letzte Platte ist ein englischsprachiges Album. Ok, ich hab da nicht selbst gesungen, aber ich habe sie aufgenommen. Was natürlich toll dran war, ist, dass man plötzlich auf der ganzen Welt spielt. Ich war mit ihr in New York, Tokyo, London, Stockholm und Paris. Plötzlich spielst du vor Leuten, die irgendwie andere Sachen feiern, die du auch feierst, das ist noch mal eine andere Form der Bestätigung. Auch wenn sich das nicht gleich exponential in den Verkaufszahlen zeigt, die schiere Breite macht es einfach interessant. Klar, die Welt ist gross, es ist gibt viele tolle Orte. Ich mein, ich spiel gern in Osnabrück (beginnt zu lachen) und in…</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Zürich?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Max Herre: (lacht) Zürich, mit Wien, Hamburg, Berlin sind sozusagen die Metropolen die man spielt, dann hat man so ein bisschen das Gefühl, man ist auf Welttournee. Das andere ist auch okay, aber klar, es ist toll auf einem Festival in Holland zu spielen…aber insofern, ich glaub nicht, dass ich das tragen kann ein komplettes Album auf Englisch, denn dafür geht es in meiner Musik zu sehr auch um…ja um Authenzität. Rappen könnte ich zum Beispiel nicht auf Englisch, nee, für mich ist meine Sprache auch ein integraler Bestand meiner Musik. Ich denke, es wär schwierig. Ich hab auf der letzten Platte 2,3 Songs, einen auf italienisch und einen auf Englisch mit Sekou. Das funktioniert auch und macht auch Spass, aber um wirklich meine Geschichte zu transportieren, ist es für mich momentan noch wichtig mich in meiner Sprache auszudrücken.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Du hast gesagt: „Mir wurde klar, dass ich das, was ich zu erzählen habe, am besten mit Gesang und Gitarre ausdrücken kann.“ Wir hatten im Sommer mit Dennis Lisk ein Interview, in dem er sagte, er könne gewisse Themen und Gefühle mit Rap nicht mehr ausdrücken. Ist das bei Dir ähnlich?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Max Herre: Ja, das ist natürlich so. Rap ist ein Ding, das wenig Zweifel zulässt. Man stellt sich vorne hin und macht `ne Ansage. Ich bin der und der und das ist, was es is`…nenn mir mal einen wirklich selbstkritischen Rapsong. Ich kenn irgendwie Beck „I`m a loser“ und sonst kenn ich keinen. Die Lovesongs, die es gibt, sind meistens Geschichten, „ich hab sie da und da getroffen, und dann ist das passiert…“ wie A.N.N.A. Und ich wollte keine Geschichten erzählen, ich wollte über Gefühle sprechen, ohne die Geschichte erzählen zu müssen. Ich wollte die Geschichte explizit nicht erzählen, weil es meine Geschichte ist und weil sie einfach `ne private Geschichte ist. Und ich wollte was machen, das persönlich ist und intim, ohne aber privat zu sein. Das heisst, ich rede über Emotionen und ich rede über die Gefühle hinter der Geschichte. Und das kann man natürlich in der Poesie, in Liedtexten besser als im Rap. Rap ist einfach narrativ und erzählt Geschichten von A nach Z. Und das macht Lyrik nicht. Lyrik sucht `ne Metapher, sucht ein Bild und die Geschichte ist sozusagen fast austauschbar. Die Geschichte ist die Geschichte jedes Hörers, der sich angesprochen fühlt, lässt wahnsinnig Platz für die eigene Interpretation. Und trotzdem ist es was, das wahnsinnig echt und nah und gefühlvoll ist.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Deine Texte scheinen sehr persönlich zu sein. Trotzdem findet man sich aber als Hörer darin wieder.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Max Herre: Das denke ich auch. Ein Song wie „Blick nach vorn“ oder „Scherben“ ist trotzdem was, was einfach für jeden passt zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben. Und das ist letztlich auch das, was mich interessiert. Trotzdem kannst du diese Grenze ziehen zwischen dem Persönlichen und dem Privaten. Das ist natürlich für jemanden wie mich, der in der Öffentlichkeit ist, der verheiratet war mit einer Frau, die in der Öffentlichkeit ist, ein probates Mittel, um mir selbst irgendwie trotzdem Luft zu machen, mir Dinge von der Seele zu schreiben, ohne die Leute irgendwie auf meine Bettkante zu setzen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Man hat Dich früher oft in eine politische Ecke gedrängt. Hat Dich das damals gestört?</strong></p>
<p>Max Herre: Das hat mich schon gestört, ja. Wir haben uns nie als politische Band verstanden. Wir waren einfach Musiker, die alle Bereiche ihres Lebens in die Musik einfliessen lassen und  Politik ist eben eine. Für mich gibt es diese Grenze zwischen privat und politisch nicht. Ich denke am Ende ist alles politisch. Politik ist nichts anderes, als ein Blick auf den Menschen neben dir. Und das Interesse am Menschen neben dir. Man darf auch den ganzen Kontext nicht vergessen, das ganze Rapding war frisch und man hatte sich zu positionieren in dieser Popwelt. Und das hatte schon was politisches und „Guerillero-haftes“. Wir machen alles anders, wir machen das nicht und das nicht und das nicht, wir sind kein Pop-Act, wir sind ein HipHop-Act mit allem was dazugehört: Eigenständigkeit, den eigenen Weg gehen, bestimmte Formate nicht bedienen. Ich glaube das, gepaart mit noch ein, zwei politischen Songs und noch einem Outfit, wie es damals alle getragen haben, irgendwie M65 Armee Parka Jacken. Ich mein die Fugees haben „Fu-gee-la“ gedreht und sind irgendwie von der Polizei weggerannt. Das war auch die Zeit, weißt du, die Neunzigerjahre, wo sich viele Rapbands auch so in dieser „Guerillero-Mode“ präsentiert haben, weil es eben etwas Rebellisches hatte. Die Musik war rebellisch und HipHop war rebellisch, weil HipHop die ganze Industrie auf den Kopf gestellt hat, weil plötzlich junge Leute kamen und gesagt haben: „Für uns gelten nicht die Regeln, wie sie für eure Popacts gelten. Ihr kommt nicht zu uns ins Studio, ihr kriegt unser Band nicht vorher zu hören, ihr redet uns nicht ins Artwork, wir spielen auch keine Playback-Shows und wir geben kein Interview mit der Bravo.“ Das war in dieser Welt, in dieser Musikwelt irgendwie ein Rebellentum, das sich gepaart mit ein, zwei politischen Statements natürlich potenziert hat. Und plötzlich wurde da was gemacht, und dann kommt ein Typ mit Vollbart und langen Haaren und dann bist du halt irgendwie der Che. Also, das ging schnell und das bekam so eine Dynamik, dass ich plötzlich mit 25 dreimal am Tag Anfragen gekriegt habe, ob ich zu irgendeinem tagespolitischen Thema nicht ein Statement parat hätte. Das ist ein Stiefel, den kann sich keiner anziehen, der irgendwie einfach Musik machen will und mit seinen Jungs hängt, der zwar auch ein bestimmtes politisches Bewusstsein hat, aber der eigentlich Musiker ist. Wir haben uns nicht an Victor Jara orientiert oder Ton, Steine, Scherben sondern an Bob Marley, Curtis Mayfield und Stevie (Stevie Wonder, Anm. d. Red.) und Nas. Das war es eigentlich, was wir machen wollten. Für mich ist „One love“ von Nas ein politischer Song. Er schreibt einen Brief an einen Typ, der im Knast sitzt und erzählt ihm von „draussen“. Das ist ein politischer Song für mich, weil er einen Zustand, eine Gesellschaft spiegelt.</p>
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<p><strong>nahaufnahmen.ch: Apropos politische Statements, könntest Du was zur Minarett-Initiative sagen? (Eine Frage, die eigentlich als Spass gedacht war, verleitet Max dann doch zu einer ausführlichen Antwort)</strong></p>
<p>Max Herre: Ja, ich kann natürlich etwas sagen, es ist ein hochinteressantes Thema. Letztes Mal, als ich hier war, war es Polanski, dieses Mal ist es das Minarett. Na ja, ihr schiesst halt Eigentore gerade, muss man sagen. Aber ihr wisst ja, wie das ist, die Gefahr am Populismus ist die Polemik, die dahinter steckt. Eine direkte Demokratie, wie ihr das seid, mit Referenden, was ja eine grosse demokratische Errungenschaft ist, birgt doch auch die Gefahr, dass sie dem Populismus unterliegt. Das ist in der Schweiz auch nicht anders, wie in anderen Ländern, dass die Massenmedien von bestimmten Interessengruppen und Menschen kontrolliert werden und dass damit eine Gesellschaft auch manipulierbar wird. Wir reden über ein Land, das genau vier Minarette hat und nicht 700 und es wären auch nicht 700 geworden. Für mich ist es einfach die Frage, was das Verständnis einer Demokratie ist und die Schweiz ist die älteste Demokratie, die es gibt. Das wichtigste Element einer Demokratie sind bestimme Bürger- und Menschenrechte, Meinungs- und Religionsfreiheit. Das ist die Grundlage für jede Demokratie und man kann Toleranz von Menschen nur einfordern, wenn man bereit ist tolerant zu sein und einfach eine Gesellschaft zu schaffen, die diese Toleranz gewährleistet, dieses Recht jedes einzelnen. Insofern &#8211; und das ist auch das Eigentor -­ wettert man gegen Parallelgesellschaften und was weiss ich. Aber man schafft sie genau dadurch, dass man bestimmte Dinge tabuisiert und stigmatisiert und letztlich ins Abseits drängt. An den Rand der Gesellschaft, anstatt in die Mitte, um eine transparente, offene Gesellschaft zu schaffen. Da liegt eigentlich die grosse Tragik. Die Grundlage für all diese Ressentiments ist immer die Unwissenheit. Und ich glaube es gibt kaum etwas worüber die Menschen so wenig wissen, wie über den Islam. Ich glaube, die Schweiz tut sich damit keinen Gefallen, weil sie so letztlich noch stärker eine Parallelgesellschaft schafft, weil sie eine Frustration schafft, die neue Probleme mit sich bringen wird.</p>
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<p><strong>nahaufnahmen.ch: Lass uns für die letzte Frage zur Musik zurückkommen. Wie geht’s weiter mit Max Herre?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Max Herre: Es gibt im Frühling noch mal eine Tour, wahrscheinlich auch mit den Festivals. Es gibt da ein paar Sachen, die in der Pipeline sind. Auch für andere. Nächstes Jahr ist erstmal wieder Joy dran mit ihrem neuen Album und dann will ich relativ schnell auch wieder weitermachen.</p>
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<p><strong>nahaufnahmen.ch: Wird das wieder im Singer/Songwriter-Stil? Max Herre mit Gitarre?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Max Herre: (lacht) Also ich bin auf jeden Fall dabei. Die Gitarre auch. Wie gesagt, Musik ist so ein breites Feld, es gibt so viele Zutaten, die mich interessieren, die mich immer interessiert haben. Ich kann nicht sagen, dass das letzte Album ein homogenes Album war. Da war von Reggae über Singer/Songwriter bis Rock, HipHop, Soulsachen.  Da war alles da. Ich habe mich bei diesem Album entschieden, es ein bisschen einzugrenzen und wirklich ein homogenes Album zu machen. Und das gefällt mir eigentlich auch, ein Album zu machen, das eine Richtung verfolgt. Welche Richtung das genau sein wird…elektronisch wird’s nicht werden. Das kann ich schon mal ausschliessen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Max Herre, vielen Dank für das Gespräch.</p>
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		<title>Das grosse nahaufnahmen.ch-Interview mit Endo Anaconda</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 19:00:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Aebi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/11/05/das-grosse-nahaufnahmen-ch-interview-mit-endo-anaconda/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/11/StillerHasInterview-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Der Stimm- und Wortakrobat der Berner Erfolgsband Stiller Has über augenzwinkernde Schmalz-Romantik, die Doppelbödigkeit der neuen Lieder, die Schweiz als Hochglanz-DDR und Christoph Mörgeli, den Hofnarr der Rechten. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>„Ich schwanke immer wieder zwischen Euphorie und Verzweiflung“</h1>
<h2>Das grosse nahaufnahmen.ch-Interview mit Endo Anaconda</h2>
<div id="attachment_1172" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-1172" title="StillerHasInterview" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/11/StillerHasInterview.jpg" alt="Bild: Christoph Aebi" width="550" height="413" /><p class="wp-caption-text">Bild: Christoph Aebi</p></div>
<h3>Der Stimm- und Wortakrobat der Berner Erfolgsband Stiller Has über augenzwinkernde Schmalz-Romantik, die Doppelbödigkeit der neuen Lieder, die Schweiz als Hochglanz-DDR und Christoph Mörgeli, den Hofnarr der Rechten.</h3>
<p>Von Christoph Aebi.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Vor drei Jahren habt ihr zuerst die CD „Geisterbahn“ eingespielt und seid danach damit auf Tournee gegangen. Im Gegensatz dazu spielt ihr einige Lieder eures neusten Werkes „So verdorbe“ bereits seit letztem Jahr live und erst jetzt werden diese auf CD verewigt. Was hat euch zu diesem Entscheid bewogen?</strong></p>
<p>Endo Anaconda: Wir sind immer auf Tournee und spielen eigentlich das ganze Jahr. Eine spezielle Tournee in diesem Sinne gibt es also nicht. Wir spielen, wenn wir Zeit haben und angefragt werden.</p>
<p><strong>Wie unterscheidet sich die neue CD „So verdorbe“ deiner Meinung nach von den vorherigen Werken?</strong></p>
<p>Das ist schwierig einzuschätzen. Meistens bestimmen irgendwelche Kritiker, was sie darin sehen. Für uns ist es einfach das nächste Projekt. Die Songs sind vielleicht ein bisschen anders, als man sie bisher von Stiller Has kennt.</p>
<p><strong>Inwiefern anders?</strong></p>
<p>Es ist weniger ein Sich-Lustig-Machen über irgendwelche Abwarte oder so (Endo bezieht sich hier beispielsweise auf das Lied „Hene“ über den Abwart gleichen Namens, Anm. d. Red.). Einfach ein bisschen weniger Kleinkunst. Es ist auch sehr viel musikalischer.</p>
<p><strong>Die neuen Lieder erinnern mich von der Stimmung her an die „Chole“-CD, sie sind sehr melancholisch&#8230;</strong></p>
<p>Melancholisch nicht unbedingt, nein.</p>
<p><strong>Ein Song wie „Chlyne Tod“ beispielsweise&#8230;</strong></p>
<p>Der ist nicht melancholisch, sondern einfach mal ein gescheiter Song übers Ficken, der nicht ordinär ist. Sonst wird ja nur Scheissdreck geschrieben. Sex hat ja auch emotionalen Wert. Das ist mal ein Versuch, einen guten Song über Sex zu schreiben.</p>
<p><strong>Salome (die Bassistin von Stiller Has, Anm. d. Red.) hat mir erzählt, dass eine Kollegin von ihr weinen musste, als sie das Lied hörte. Es ist also ein Song, welcher bei den Leuten starke Gefühle auslöst.</strong></p>
<p>Der kleine Tod ist halt das Leben.</p>
<p><strong>Oder die Cover-Version des Fred Buscaglione-Klassikers „Guarda che luna“, welche ebenfalls auf der neuen CD sein wird..</strong></p>
<p>Das ist augenzwinkernde Schmalz-Romantik. Eigentlich sind es schon Liebeslieder, ja.</p>
<p><strong>In diesem Lied heisst es übersetzt: „Verrückt vor Liebe will ich sterben, in dieser Nacht ohne dich will ich sterben“.</strong></p>
<p>Der CD-Titel heisst ja „So verdorbe“ und behandelt ein bisschen dieses Thema: Die Höhepunkte und Abgründe der Sexualität.</p>
<p><strong>Wie viel Autobiographisches steckt in deinen Liedern?</strong></p>
<p>Das ist eben gerade das Geheimnis. Was autobiographisch ist oder nicht, müssen die Leute selber herausfinden. Die Lieder sind sicher nicht nur autobiographisch. Wenn ich all das erleben würde, was in meinen Liedern steht, wäre ich tot.</p>
<p><strong>Was war die Inspiration für den Song „Venedig“, die erste Single aus dem neuen Album?</strong></p>
<p>„Venedig“ ist das Gegenteil vom Klischee als Stadt der Verliebten. Venedig hat für mich etwas ungeheuer Morbides. Ich finde die Stadt im Winter eigentlich interessanter. Im Sommer ist es total überlaufen. Venedig im Winter ist schon etwas Spezielles. Es hat eine melancholische Seite.</p>
<p><strong>In „Schifahre“, einem weiteren neuen Lied, outest du dich sozusagen als Wintersport-Hasser.</strong></p>
<p>Man muss sich unter „Schifahre“ eher vorstellen, dass man die ganze Nacht durchgemacht hat, völlig verkatert ist und einen ausschweifenden Lebensstil führt. Dann trifft man auf „normale“ Leute, die alle Skifahren gehen und man selber sitzt in der Bellevue-Bar (lacht schallend) und kann daran nicht teilnehmen, weil man halt anders lebt.</p>
<p><strong>Hat die Bellevue-Bar die ganze Nacht geöffnet?</strong></p>
<p>Nein, das ist das „Dead End“. Dort kommt der Protagonist des Liedes nicht rein, weil er entweder zu früh oder zu spät dran ist -  oder einen zu schlechten Ruf hat.</p>
<p><strong>Wie entstehen eure Songs? Ist zuerst der Text da oder die Idee für eine Melodie?</strong></p>
<p>Das ist nicht immer ganz gleich. Ich höre zum Beispiel irgendein Riff von Schifer Schafer, dann fällt mir ein Satz ein und das Ganze wird dann immer mehr verdichtet.</p>
<p><strong>Hast du einen Ordner, wo du alle Textideen sammelst?</strong></p>
<p>Ja, ich habe viel handschriftliches Rohmaterial.</p>
<p><strong>Hattet ihr für die Arbeit an der neuen Platte eher zuviel Material?</strong></p>
<p>Es hat Sachen, die noch eine Art Baustelle sind. Die kommen dann aber auf die nächste Platte.</p>
<p><strong>Nach welchen Kriterien habt ihr die Lieder, die als Singles ausgekoppelt werden sollen, „Venedig“ und „Justine“, ausgewählt?</strong></p>
<p>Man passt sich da den Radiosendern an und versucht, Auflagen zu erfüllen, welche diese haben. Es ist ein formaler Filter, wo man sagt, dieses und jenes Lied kann man dem Radio anbieten. Anderes ist eher nicht geeignet, weil es mit dem sonstigen Radioprogramm nicht kompatibel ist.</p>
<p><strong>Das Titellied „So verdorbe“ zum Beispiel..</strong></p>
<p>Würden sie wahrscheinlich nicht als Single akzeptieren, wird aber ein Knüller.</p>
<p><strong>Die Cover sind ein wichtiger Bestandteil eurer Platten. Bisher wurden diese jeweils von Hans Stalder gestaltet. Wird das auch bei eurem neusten Werk der Fall sein?</strong></p>
<p>Nein, das neue Cover habe ich gestaltet. Hans Stalder hatte diesmal keine Zeit. Die neue CD ist auch ein anderes Projekt und unterscheidet sich vom alten Hasen.</p>
<p><strong>Wie wird das Cover aussehen?</strong></p>
<p>Das Cover ziert eine Turmspringerin, bei welcher man nicht weiss: Ist es eine Selbstmörderin, eine Kunstspringerin oder ein Engel? Es hängt mit der Textzeile zusammen: „Zyt zum Flüge, es isch Summer“.</p>
<p><strong>Aus welchem Lied stammt diese?</strong></p>
<p>Aus „So verdorbe“, dem Titelsong. „Zyt zum Flüge, es isch Summer. I ha d Schwümmflügeli montiert“.</p>
<p><strong>Vor zwanzig Jahren erschien eure Debüt-Musikkassette (das gab es damals noch) mit dem Titel „Stiller Has’“. Ein normaler Feldhase hat eine Lebenserwartung von zirka 12 Jahren. Stiller Has hoppelt nun bereits seit zwanzig Jahren quer durchs Schweizerland.</strong></p>
<p>In der Mythologie der Indianer zum Beispiel sind die Hasen unsterblich. Sie kommen und verschwinden mit dem ersten beziehungsweise letzten Sonnenstrahl. Der heutige Hase ist auch nicht der Gleiche wie früher, vielleicht eher ein Nachfahre des Urhasen. Er hat einen Teil der alten Hasengene noch drin, hat aber auch sehr viel neue Einflüsse. Mit Salome ist beispielsweise eine femininere Komponente dazugekommen. Der Hase ist jedes Mal wieder ein bisschen anders. Er ist halt kein Duo mehr, wir sind jetzt eine Band.</p>
<p><strong>Ein Kritker schrieb im letzten Jahr nach einem eurer Konzerte, der Has nähere sich je länger je mehr dem profanen Berner-Mundartrock an. Wie reagierst du, wenn du so etwas liest?</strong></p>
<p>Dann versteht er wohl nichts von Texten und von Musik. Ein Stück wie „Schifahre“ beispielsweise hat überhaupt noch nie jemand gemacht. Es gibt auch Leute, welche die Doppelbödigkeit der Lieder nicht verstehen. Das ist eigentlich auch gut. Ich denke, wem es nicht gefällt, der muss sich die Musik auch nicht anhören. Die Erfahrung ist, dass es viel mehr junge Leute im Publikum hat, seit wir als Band unterwegs sind. In einer gewissen Szene haben wir eine Art Kultcharakter für junge Leute und deswegen nun auch viel mehr junges Publikum. Eine Band wie Span beispielsweise hat das nicht oder zumindest weniger. Polo Hofer ist wieder etwas anderes. Der macht Volksmusik und das machen wir im Prinzip auch.</p>
<p><strong>Mir ist damals schon auf der „Stelzen“-Tour aufgefallen, nachdem „Znüni näh“ im Radio ein grosser Hit war, dass sich das Publikum ziemlich verjüngt hat.</strong></p>
<p>Das kann man halt nicht steuern. Vielleicht ist auf der neuen Platte auch kein Hit. Ich kann mir nur vorstellen, dass sicher irgend etwas schon hängen bleiben wird.</p>
<p><strong>Ich denke, dass es sehr schwierig ist, vorauszusehen, wie das Publikum auf neue Lieder reagieren wird.</strong></p>
<p>Ja, die laden vielleicht ein oder zwei Stücke runter. Es ist eine Minderheit, die sich ein ganzes Album kauft und das ganze Werk, den ganzen Zyklus möchte.</p>
<div id="attachment_1173" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-1173" title="StillerHasInterview2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/11/StillerHasInterview2.jpg" alt="Bild: Christoph Aebi" width="550" height="413" /><p class="wp-caption-text">Bild: Christoph Aebi</p></div>
<p><strong>Habt ihr die Krise im Musikbusiness in den letzten Jahren anhand der CD-Verkäufe selber auch bemerkt?</strong></p>
<p>Die sind insgesamt zurückgegangen. Im Vergleich zum Rahmen, in welchem die Verkäufe generell zurückgingen, hat sich für uns nicht gross etwas verändert. Die letzte CD „Geisterbahn“ erreichte den Gold-Status.</p>
<p><strong>Ist eure bisher erfolgreichste CD immer noch „Moudi“ oder bereits „Stelzen“?</strong></p>
<p>Schon die „Moudi“-CD, aber am erfolgreichsten ist eigentlich der Sampler „Die grössten Schweizer-Hits“, der 150&#8242;000 mal verkauft wurde und auf welchem die Lieder „Gruusig“, „Moudi“ und „Znüni näh“ vertreten sind. Viele Leute haben unsere Platten noch nicht, kennen aber diese Lieder. Das ist auch der Grund, wieso wir, auch wenn wir kein aktuelles Werk haben, trotzdem jedes Jahr 3’000-5&#8242;000 CDs unseres Backkataloges verkaufen.</p>
<p><strong>Inwiefern haben sich eure älteren Lieder verändert, seit die neue Bassistin Salome Buser und der neue Schlagzeuger Markus Fürst zur Band gestossen sind?</strong></p>
<p>Wir haben nun ein tragendes Schlagzeug und einen guten Bass. Die Musik ist weniger jazzig, dafür härter, rockiger, bluesiger und hat mehr Druck.</p>
<p><strong>Eure ersten beiden Werke „Stiller Has’“ und „Der Wolf ist los“ waren grösstenteils eine Art vertonte Poesie.</strong></p>
<p>Das war zum Teil auch Zufall. Ich mag diese Phase nicht missen und bin froh, dass ich diese Werke zusammen mit Balts gemacht habe. Wir hatten eine gute Zeit, aber ich hatte Lust, für den Rest meines Lebens noch ein bisschen zu singen. Das ewige Rezitieren hatte für mich schlussendlich in musikalischer Hinsicht zu wenig Fleisch am Knochen. Ich denke, nun habe ich mehr Möglichkeiten, wirklich zu singen. Das ist ein neuer Aspekt, der mir gefällt. Ich mag nicht unbedingt ins Kleinkunstige zurückgehen, was nicht heisst, dass wir nicht doch an kleinen Orten auftreten könnten. Wir haben immer noch ein sparsames Konzept und eine schlanke Produktion im Vergleich zu anderen Bands.</p>
<p><strong>War der Wunsch nach einer musikalischen Veränderung der Ausschlag, dass Balts die Band vor vier Jahren verlassen hat?</strong></p>
<p>Die genauen Gründe kann ich nicht sagen. Vielleicht hatte er nach 16 Jahren Stiller Has auch einfach genug und wollte mal etwas anderes machen. Ich denke, das Improvisative, das verrückte Element, welches er als Musiker hatte, war ein gutes und lange tragendes Element des Hasen. Wir haben seinen Ausstieg an sich bedauert. Es wäre im gleichen Rahmen aber auch nicht weiter gegangen.</p>
<p><strong>Also hat es diese Veränderung gebraucht.</strong></p>
<p>Ja, es war vielleicht auch nicht die letzte Veränderung. Möglicherweise gibt es ja irgendwann mal einen Techno-Hasen, ich weiss es nicht.</p>
<p><strong>Euer Lied „Vater la mi la gah“ ist auf der „Poulet Tour“-CD als Bonus Track in einer Remix-Version veröffentlicht worden.</strong></p>
<p>Ja, die ist heiss.</p>
<p><strong>Ist mit dem Vater in diesem Lied eigentlich Vater Staat gemeint?</strong></p>
<p>Nein, es geht um irgendeine Vaterfigur. Ich kann das nicht genau sagen, ich hatte ja nie einen Vater. Es könnte auch die Kirche sein oder eine Partei.</p>
<p><strong>Einige eurer Lieder haben Geschichte geschrieben. „Aare“ zum Beispiel, der live nicht mehr so oft im Repertoire auftaucht.</strong></p>
<p>Man muss auch wechseln. Wir haben über hundert Stücke und ich mag nicht immer das Gleiche spielen. Es ist mir mit der Zeit verleidet, immer „Znüni näh“ zu spielen. Dann muss man das Lied ein wenig auf die Seite legen, damit es wieder frisch ist. Ich mag auch nicht zwanzig Jahre lang „Moudi“ singen. Den werden wir sicher auf der kommenden Tournee nicht spielen. Dafür werden wir vielleicht andere Songs wieder hervorholen, welche thematisch passen oder Lieder neu bearbeiten. Es gibt ja viele Sachen, die ich mit Balts gemacht habe, bei denen ich mir auch eine andere Umsetzung vorstellen kann. Mit Balts war es mehr eine Art Cartoon, das geht zu zweit gar nicht anders. Es gibt aber doch einige Sachen, bei denen ich mir auch vorstellen kann, diese mit einer Band umzusetzen und in dieser Hinsicht neu anzugehen. Es muss auch für einen selber lebendig bleiben. Ich möchte nicht bei jedem Konzert „Alperose“ singen müssen. Polo muss das, das ist aber kein Vorwurf.</p>
<p><strong>Nachdem mit „Moudi“ zum ersten Mal der grosse Erfolg aufrat, habt ihr von jener Tour eine Live-CD veröffentlicht, welche heute im Handel nicht mehr erhältlich ist. Auf der CD gibt es einen denkwürdigen Moment, in welchem du sagst, dass euch jemand gefragt habe, ob ihr nicht das Gefühl hättet, durch den Erfolg nun vereinnahmt zu sein. Darauf hast du geantwortet: Die Leute meinten, man fühle sich sofort vereinnahmt, wenn man endlich einmal Einnahmen habe. Hat euch dieser plötzliche Erfolg damals unter Druck gesetzt im Hinblick auf weitere Veröffentlichungen?</strong></p>
<p>Ich denke, wenn sich nach zwanzig Jahren nicht irgendeine Form von Erfolg einstellt, hat man sicher den falschen Beruf gewählt. Ich habe den Erfolg nicht vordergründig gesucht und bin froh, wenn ich meine Rechnungen bezahlen kann. Es ist ein Privileg, wenn man etwas machen kann, das dem eigenen Wesen entspricht und man davon leben kann.  Die zwanzig Jahre sind sehr schnell vorbei gegangen. Zuerst hiess es, die Musik sei schräg und mittlerweile sind daraus eine Art Volkslieder geworden. Ich finde, dies ist eine positive Entwicklung. Es gibt viele Leute aus der Improvisations-Szene, die gar nicht für ein Publikum spielen wollen. Wenn es den Leuten gefällt und die Konzertbesucher anfangen zu tanzen, finden sie das bereits blöde. Ich wollte immer für ein grosses Publikum spielen  Es war nie meine Absicht, in einem Jazzkeller Kunst für zwanzig, dreissig Leute zu produzieren. Ich habe nichts dagegen, das ist vielleicht eine Sparte, die man subventionieren muss, weil es sonst gar nicht funktionieren würde. Ich bin aber froh, sind wir selbsttragend.</p>
<p><strong>Du schreibst auch Kolumnen, früher für die Berner Zeitung, nun für den Tages-Anzeiger und die Zeitschrift „FACES“.</strong></p>
<p>Endo Anaconda: Die können sich nun keine teuren Kolumnisten mehr leisten. Für „FACES“ habe ich zwei Jahre geschrieben und diese Kolumnen werden sicher zu einem Drittel Bestandteil eines kommenden Buches sein. Mal sehen, wie die CD läuft. Man muss schauen, dass das nicht im gleichen Jahr veröffentlicht wird, sonst verdient man zu viel und es wird aus steuerlichen Gründen blöd. Man muss schon sagen, dass im Kanton Bern ein wenig Planwirtschaft herrscht. Wenn man im Jahr plötzlich 10&#8242;000 Franken zu viel verdient, ist man in einer anderen Steuerstufe und bezahlt 5&#8242;000 Franken zusätzlich. Irgendwie ist es perfid. Es ist gar nicht unbedingt wünschenswert, dass man das Einkommen allzu sehr steigert, weil es schlussendlich nichts bringt. Ich bin nicht jemand, der sagt, man müsse wenig Steuern bezahlen. Aber in einem gewissen Bereich ist es so konstruiert, dass der Mittelstand geknebelt wird und wenn man blöderweise jemand ist, der unterhaltspflichtig ist und man sich im unteren Drittel der Besserverdienenden befindet, kann man bankrott gehen, wenn man zu viel arbeitet. Eigentlich rentiert es dann eher, weniger zu arbeiten und weniger zu verdienen. Früher, als ich die Musik nur hobbymässig betrieben habe, hatte ich noch einen Job. Ich lebe heute aber nicht besser. Man wird verpflichtet, Gelder, die man in mageren Jahren braucht, einer als kriminelle Organisation verdächtigten Institution als dritte Säule zu überweisen, damit einem nicht alles genommen werden kann. Die Schweiz hat sehr viel von der alten DDR. Eine Art Hochglanz-DDR: Es ist warm, heimelig, eigentlich hat man alles, was man braucht auf einem hohen Niveau, ist aber irgendwie auch gefangen. Es ist nicht unbedingt ein Land, welches die Privatinitiative belohnt. Da pflichte ich einer gewissen freisinnigen Argumentation bei. Ich bin zwar eher links, aber manchmal werden Initiativen von Leuten einfach abgewürgt. Die Schweiz ist überperfekt und dadurch nicht sehr inspirierend, neben allen anderen positiven Seiten, welche das Land hat. Ich bin gerne Schweizer, aber ich habe meine bitteren Erfahrungen gemacht. Es heisst nicht, dass, wenn man gut verdient, man sich eine kreative Pause gönnen kann. Es wird nicht ruhiger und angenehmer. Man muss einen gewissen Level halten, der schwer abzubauen ist. Früher, als die Musik noch ein Hobby war, konnte ich besser arbeiten, musste nicht auf Druck irgendwelche Sachen machen.</p>
<p><strong>Die Steuern bezahlt man in der Schweiz traditionellerweise ja immer erst nachträglich.</strong></p>
<p>Es ist so konstruiert, dass die Leute verpflichtet sind, ihr Geld oder ihre Reserven einer Grossbank in den Rachen zu schieben, bei welcher man nicht weiss, ob man das Geld wieder bekommt oder nicht. Ich habe viel Geld auf die Seite gelegt, das mir jetzt fehlt. Nicht dass ich vom Bankrott bedroht wäre, aber die Reserven werden aufgefressen. Dieses System müssten sie überdenken. Es ist derart lähmend, wie eine Art planwirtschaftlicher Anti-Kommunismus, dem alles unterworfen ist.</p>
<p><strong>Du hast dieses Jahr in Zürich eine viel beachtete 1.Mai-Rede gehalten, in welcher du gesagt hast, die Krise sei nichts anderes als eine Art Schweinegrippe des Finanzkapitals. Christoph Mörgeli hat sich daraufhin zu Wort gemeldet.</strong></p>
<p>Mit Herrn Mörgeli muss man nicht wirklich debattieren, weil es nichts nützt. Man muss ihn als unterhaltende Figur wahrnehmen. Er ist ein Hofnarr der rechten Seite und ich bin vielleicht ein Hofnarr der linken Seite. Herrn Mörgeli will ich nicht überzeugen. Es braucht andere Leute, um die Probleme dieses Landes zu lösen. Er gehört dort sehr wahrscheinlich nicht dazu, ich wohl auch nicht. Ich habe mal eine Diskussion gesehen, mit einem SVP-Vertreter und einem Klimatologen (einem Professor, wirklich eine wissenschaftliche Kapazität), der sagte, die Klimaerwärmung sei aus diesen und jenen Gründen entstanden und das seien die Szenarien. Der SVP-Vertreter antwortete daraufhin: „Ja, das säged Sie!“. Was will man daraufhin sagen? Man kann beispielsweise entgegnen: „Herr Giezendanner, wenn Sie mir jetzt erklären, wie man die Logistik eines Lastwagenbetriebes aufbaut und ich würde als Klimatologe antworten: „Ja, das säged Sie!“. Auf welcher Ebene will man mit solchen Leuten diskutieren. Jemand, der sich 20,30,50 Jahre mit Klimatologie befasst hat. Dann kommt irgend so eine Dumpfbacke und sagt: „Das säged Sie!“. (lacht schallend). Was will man da sagen? Da geht man lieber jassen.</p>
<p><strong>Herr Mörgeli hat in seiner Antwort auf deine 1.Mai-Rede unter anderem geschrieben, die Schweinegrippe sei weniger gefährlich als befürchtet.</strong></p>
<p>Ja, es gebe bereits Entwarnung.</p>
<p><strong>Waren die Schweinegrippe und die Finanzkrise auch Inspirationsquellen für neue Lieder?</strong></p>
<p>Das kam bereits mit der „Geisterbahn“. Das „Geisterbahn“-Album ist einfach zu früh erschienen, würde ich sagen. Es lag etwas in der Luft, was ich damals aufgenommen habe. Die Vogelgrippe war gerade aktuell. Es gibt gewisse Esoteriker, die sagen, sie hätten das immer gewusst. Sehr interessant ist, dass die schlimmsten Esoteriker Banker sind. Die lassen von Elizabeth Teissier ihr Horoskop machen. Eigentlich ist das genau so etwas Abstraktes und Absurdes, wie an der Börse etwas zu investieren, das im Endeffekt fünfhundert Mal überkotiert ist. Da muss man leicht verrückt sein, das Geld in so etwas zu investieren. Das ganze Börsengeschehen ist irrational. Gefährlich wird es dann, wenn der Staat als reale Organisation irgendwelche irrationalen Verluste, die gar nicht möglich sind, weil das Geld gar nicht vorhanden ist, mit realen Steuergeldern bezahlt, um das ganze System aufrecht zu erhalten. Das ist eine Pappkulisse, sonst nichts. Es gibt nicht andere Werte ausser denen, welche da sind. Selbst wenn es so ist, geht es uns immer noch besser als vielen anderen. Man hätte sich überlegen müssen, wie man und wer das Ganze kontrolliert. Es geht aber nun genau gleich weiter. Jemand wie Herr Villiger ist erstens der falsche Mann an dieser Position und zweitens wollen sich die Banken sowieso nicht kontrollieren lassen. Es würde eigentlich heissen, dass viele Versprechungen nicht eingehalten werden können und dass wir andere soziale Strukturen suchen müssen, um die Zivilisation zu erhalten. Es gibt ja noch andere Strukturen als beispielsweise die Spitex. Das ist ja etwas Positives. Aber diese Pflegeheime. Jetzt haben sie gejammert, die Pflegeheime seien leer. Die Leute leben wohl zu gesund. Es gibt so eine calvinistische Tendenz, den Leuten alles, was ihnen Freude macht, beispielsweise das Rauchen, zu verbieten. Dieser Wahnsinn einer nüchternen, rauschfreien Gesellschaft, welche ein begleitetes, langweiliges, reglementiertes aber dafür gesundes Leben anbietet. Das muss nicht für alle das Ziel sein. Ein endloses, gesundes, zunehmend dementes Leben. Die Demenz ist immer noch die Haupttodesursache. Die Leute werden immer älter, aber ich glaube nicht, dass die Lebensqualität wirklich zunimmt.</p>
<p><strong>Eine letzte Frage noch: Gibt es ein Lied der neuen Platte, welches dir besonders am Herzen liegt?</strong></p>
<p>“Chlyne Tod“ finde ich schon etwas sehr Schönes. Eigentlich aber alle neuen Lieder. Ich weiss auch nicht, ich schwanke immer wieder zwischen Euphorie und Verzweiflung.</p>
<p><strong>Endo Anaconda, herzlichen Dank für dieses ausführliche Gespräch.</strong></p>
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		<title>Interview mit Dani Klein</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 17:25:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Aebi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/11/05/interview-mit-dani-klein/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/11/Vaya-con-Dios-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Auch auf ihrem neusten Album „Comme on est venu...“ präsentieren Vaya con Dios einen höchst delektablen Mix aus Chanson, Soul, Blues, Jazz und World Music, jedoch zum ersten Mal in französischer Sprache. Zum Funkeln gebracht werden die poetischen Songs durch die unvergleichliche Stimme von Dani Klein. nahaufnahmen.ch sprach mit der sympathischen Belgierin über die Zusammenarbeit mit ihrem Sohn, ihr Engagement für Immigranten und Romas, den Jägerinstinkt der Männer und ihre wiedergefundene Freude an Live-Auftritten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<h1><strong>„Wenn man kein gutes Selbstbild hat, sucht man die Liebe um jeden Preis“</strong></h1>
<p><strong> </strong></p>
<h2><strong>Interview mit Dani Klein</strong></h2>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Von Christoph Aebi</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_1163" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><strong><strong><img class="size-full wp-image-1163" title="Vaya con Dios" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/11/Vaya-con-Dios.jpg" alt="http://www.sonymusicpromotion.ch/" width="550" height="600" /></strong></strong><p class="wp-caption-text">http://www.sonymusicpromotion.ch/</p></div>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Auch auf ihrem neusten Album „Comme on est venu&#8230;“ präsentieren Vaya con Dios einen höchst delektablen Mix aus Chanson, Soul, Blues, Jazz und World Music, jedoch zum ersten Mal in französischer Sprache. Zum Funkeln gebracht werden die poetischen Songs durch die unvergleichliche Stimme von Dani Klein. nahaufnahmen.ch sprach mit der sympathischen Belgierin über die Zusammenarbeit mit ihrem Sohn, ihr Engagement für Immigranten und Romas, den Jägerinstinkt der Männer und ihre wiedergefundene Freude an Live-Auftritten.</strong></p>
<p><strong><br />
 </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Aus welchen Gründen haben Sie entschieden, mit „Comme on est venu..“ das erste rein französischsprachige Vaya Con Dios-Album zu veröffentlichen?</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Dani Klein: Zum Glück weiss man im Leben nicht immer, wieso man etwas macht. (lacht). Ich bin jedoch mit der französischen Kultur aufgewachsen. Den ersten Liedern, welchen ich am Radio lauschte und die ersten Platten, welche ich mir anhörte, waren französische Chansons. Interpreten wie Brassens, Ferré, Brel oder Barbara waren für mein Leben sehr wichtig. Deren Platten habe ich mir tausend Mal angehört und die Lieder haben mich sehr angesprochen. Zweifellos hat sich irgendwann einmal die Idee aufgedrängt, etwas auf Französisch, einer meiner beiden Muttersprachen, zu machen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Sie interpretieren auf Ihrer neuen CD mit „Vingt Ans“ und „Pauvre Rutebeuf“ zwei Lieder von Leo Ferré. Wie haben Sie diese aus dem riesigen Repertoire des Chansonniers ausgewählt?</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Dani Klein: Ich denke, viele Dinge spielen sich im Unterbewusstsein ab. Was die Erinnerungen betrifft, haben wir ein selektives Gedächtnis. Gewisse Dinge kommen einem wieder in den Sinn, andere nicht. Wenn man seine Erinnerungen mit jemandem vergleicht, welcher dasselbe erlebt hat, sind diese oft verschieden. Ich denke, mit den Liedern ist es ähnlich wie mit Erlebnissen, welche uns geprägt haben. „Vingt Ans“ ist ein Chanson, das mich sehr beeinflusst hat. Es beschreibt gewissermassen auch das Lebensstadium, in welchem ich mich jetzt befinde: Ich bin 56 Jahre alt und habe meine Jugend hinter mir. Das Lied handelt davon. Es erzählt von der Jugend, in welcher man glaubt, man könne alles machen und verändern. Irgendwann einmal ist man jedoch mit seinem Spiegelbild und dem Altern konfrontiert. Wenn Sie so wollen, ist man damit bei seinen eigenen Lebensthemen angelangt. Ohne Zweifel hat das dazu geführt, dass ich genau zum jetzigen Zeitpunkt Lust bekam, dieses Chanson einzuspielen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Die Lieder auf dem neuen Album sind zwar teilweise üppig arrangiert, haben gleichzeitig aber auch einen sehr intimen Klang.</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Dani Klein: Das war effektiv eine Herausforderung. Ich arbeitete mit wunderbaren Jazzmusikern. Deshalb war mein Ansatz ursprünglich, die Lieder so einzuspielen, wie man dies früher tat: Sich mit den Musikern im Studio treffen, während drei Tagen proben und danach das Album aufnehmen. Das haben wir auch getan, aber das Resultat war nicht zufriedenstellend. Ich entschied mich, den intimen Charakter der Lieder zwar beizubehalten, aber ihnen eine zusätzliche Fülle zu geben. Deshalb habe ich an einem gewissen Zeitpunkt meinen Sohn angerufen, der Produzent ist und mich gut kennt und versteht. Er weiss genau, was zu tun ist. Ich finde –und das nicht nur, weil er mein Sohn ist (lacht), denn manchmal ärgert er mich auch (lacht schallend) – er hat wirklich eine bemerkenswerte Arbeit geleistet. Es ist ihm gelungen, schöne Arrangements zu kreieren, die Lieder gut einzukleiden und gleichzeitig ihre intime Seite beizubehalten.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Wie war das für Sie, mit dem eigenen Sohn an einer Platte zu tüfteln?</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Dani Klein: Wir haben schon öfters zusammen etwas realisiert und sind dann wie Kollegen. Wir konzentrieren uns auf die Arbeit und vermischen sie nicht mit Privatem. Mein Sohn ist nun über 30 Jahre alt, hat sein eigenes Leben. Wir sind zwei erwachsene Personen. Ich denke nicht, dass wir während dem gemeinsamen Arbeiten eine Mutter-Sohn-Beziehung haben, sondern eher ein kollegiales Verhältnis.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Ihr neues Werk ist eines jener Alben, deren Lieder nicht als Hintergrundmusik taugen. Man sollte sich beim Anhören ganz auf Musik und Texte konzentrieren können, gerade weil diese einerseits sehr poetisch und andererseits sehr engagiert sind. „La pirogue de l’exode“ beispielsweise thematisiert das Schicksal von Immigranten. Ist dies ein Thema, welches Ihnen sehr am Herzen liegt?</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Dani Klein: Hier in Brüssel gibt es Orte, an denen die Sans-Papiers sich auf der Strasse wiederfinden und gezwungen sind, nachts in Parks zu schlafen. Dies sind erbärmliche Zustände. Auf der anderen Seite gibt es Reden der extremen Rechtsparteien, welche diese Bevölkerung sehr stark stigmatisieren. Wenn man keine Zukunftsaussichten hat, verstehe ich sehr gut, dass man das Verlangen danach hat, seinem Leben eine Perspektive zu geben. Um sich dies erfüllen zu können, gibt es für viele Menschen oft nur die Möglichkeit, ihre Heimat zu verlassen und zu versuchen, in ein Land zu fliehen, wo sie &#8211; so denken sie– bessere Möglichkeiten haben. Ich kann aber auch verstehen, dass jemand, der in einem ruhigen und sauberen Quartier lebt, nicht zufrieden ist, wenn er sieht, dass sich plötzlich ein Haufen Menschen in den Strassen herumtreibt, ohne finanzielle Mittel und in mitunter erbärmlichen hygienischen Zuständen. Es ist weniger eine rechtliche und eher eine menschliche Problematik. Diese reicht viel weiter. Wenn die Menschen beispielsweise in Ländern wie Marokko, Afghanistan oder Pakistan bessere Lebensumstände und eine Perspektive hätten, würden sie sicher nicht ihre Familien, Eltern und Kinder verlassen, um im Winter in der Kälte in einem Brüsseler Park zu schlafen. Oder sich, das Leben riskierend, in Lastwagen verstecken, um nach England zu gelangen. Zudem ist da noch der Druck der Familien, die im Heimatland zurückgeblieben sind. Sie stellen sich vor, dass die Flüchtlinge, kaum in Europa angekommen, bereits reich sind und verlangen von ihnen, Geld nach Hause zu schicken. Für diese Probleme habe ich keine Lösung parat. Ich möchte diese Dinge jedoch von einem menschlichen Standpunkt aus betrachten und die Leute nicht stigmatisieren, denn ich sehe, dass ihre Probleme real sind. Wenn die Weltpolitik nicht so korrupt wäre, auch in ihren Heimatländern, hätten diese Menschen oft auch keinen Grund, auszuwandern.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Im letzten Jahr haben Sie anlässlich des Internationalen Tages der Roma im Europaparlament ein Konzert gegeben. Wenn Sie auftreten, spielen Sie ab und zu auch die Roma-Hymne „Djelem Djelem“. Gibt es einen speziellen Grund, dass Sie sich für die Situation der Roma besonders interessieren?</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Dani Klein: In den letzten Jahren haben wir oft in osteuropäischen Ländern Konzerte gegeben. In Ungarn, Rumänien, Bulgarien sind wir sehr populär und werden immer sehr herzlich empfangen. Wenn wir „Djelem Djelem“ spielen, sagen die Konzertbesucher, das sei wunderbar gewesen und wir hätten eines ihrer Lieder gespielt. Die gleichen Leute aber stigmatisieren die Roma in ihren Ländern. Sie behandeln diese so schlecht es nur geht. Auf der anderen Seite gebrauchen sie die Kultur der Roma, um für den Tourismus Werbung zu machen. Diese bizarre Situation hat mich überrascht und enttäuscht. Einerseits rühmt man sich der Roma-Kultur, andererseits gibt man ihnen in der Gesellschaft keinen Platz.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Viele Liedertexte auf Ihrem neuen Album handeln von leidenden Frauen. Eine der Protagonistinnen sagt zum Beispiel, sie hätte geliebt, bis sie habe kotzen müssen (aus „A en mourir pas“). Eine andere wird von ihrem Mann geschlagen. Sind diese Texte durch Beobachtungen in Ihrer Umgebung entstanden?</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Dani Klein: Ja, die Texte sind in einer gewissen Weise sogar autobiografisch. Wenn man das Bedürfnis hat, geliebt zu werden, weil man kein sehr gutes Selbstbild hat und sich selber nicht liebt, sucht man die Liebe um jeden Preis. So ist man manchmal bereit, das Inakzeptable zu billigen, um für jemand anderen zu existieren.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: In einem Interview im Booklet des vor drei Jahren erschienenen Best-of-Albums antworteten Sie auf die Frage, was Sie als Ihre grösste Errungenschaft bezeichnen würden: „Die Angst, allein zu sein besiegt und mich von Ko-Abhängigkeiten befreit zu haben.“</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Dani Klein: Das ist mein grosser Sieg und war für mich das Schwierigste überhaupt in meinem Leben.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Auf Youtube hat jemand Ihr Lied „Pauvre Diable“ (welches auf der „Ultimate Collection“-CD zu finden war und jetzt in einer etwas veränderten Version auf dem neuen Album nochmals auftaucht) wie folgt kommentiert: „Es ist bizarr, wie in den Liedern von Vaya con Dios die Männer immer die Schweinehunde sind“. Was würden Sie dieser Person entgegnen?</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Dani Klein: (lacht) Nein, das stimmt nicht. Es gibt da beispielsweise ein Lied&#8230;(fängt an, „Don’t go looking for him lady“ aus „Far gone Now“ zu singen). Ich bin nicht der Meinung, dass Männer Schweine sind. Ich spreche effektiv von Dingen, die ich erlebt habe. Ich bin eine Frau und hatte manchmal mit Männern zu tun, die wirklich Schweine waren. Aber das heisst nun nicht, dass alle Männer gleich sind. Ich habe viele männliche Freunde, welche ich sehr respektiere. Doch in der menschlichen Natur wird der Mann immer ein Verführer und Jäger bleiben, weil er genetisch so programmiert ist. Er muss seine Art erhalten. Wenn ein Mann treu sein will, muss er also gewissermassen seinen Jägerinstinkt opfern. Es wäre aber in meinem Alter ein wenig Ehrlichkeit angebracht. Viele Leute geben sich Versprechen, ohne zu wissen, dass sie diese nicht halten können. Weil die Natur und der Instinkt plötzlich wieder einsetzen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Im Titelsong „Comme on est venu&#8230;“ kritisieren Sie die Machtapparate, welche hinter den drei grossen Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum stehen. Da ist beispielsweise von „senilen Heiligkeiten“ und „pädophilen Priestern“ die Rede. Wie, denken Sie, werden diese auf Ihr Lied reagieren?</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Dani Klein: (lacht schallend) Wissen Sie, das Interview mit Ihnen ist das Erste, welches ich zum neuen Album führe. Ich habe keine Ahnung, wie die Leute darauf reagieren werden. Ehrlich gesagt, ist es mir egal. Ich profitiere davon, in einer Demokratie zu leben, wo man im Prinzip das Recht hat, seiner Meinung Ausdruck zu verleihen. Ich möchte keine Religion im Besonderen kritisieren. Es ist auch nicht die Tatsache, an Gott zu glauben, die mich stört, sondern dass im Namen Gottes in allen Religionen Abscheulichkeiten geschehen. Das ist inakzeptabel und zwar bei allen Religionen. Es gibt keine, die besser ist als die andere.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Das letzte Lied auf Ihrer neuen Platte, „Charly’s Song“, ist ein Instrumentalstück, welches Ihr Vater geschrieben hat. </strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Dani Klein: Mein Vater war Amateurmusiker und ein grosser Musikliebhaber. Er kannte sich in allen Genres sehr gut aus. Er liebte die klassische Musik und Opern sehr, jedoch auch Jazz und Samba. Als er pensioniert wurde, hatte er Lust, Klavierunterricht zu nehmen. Der belgische Pianist Frank Wuyts, ein Freund von mir, der bereits meinen Sohn unterrichtet hatte, brachte ihm das Klavierspiel bei. Während des Unterrichts spielte Frank oft die Akkorde, mein Vater die Melodien. So haben sie zusammen einige Lieder geschrieben. „Charly’s Song“ ist eines davon. Das Lied war auf einer Kassette und mein Pianist William Leconte hat es für die Musiker arrangiert. Mein Vater konnte sich das fertige Stück vor seinem Tod noch anhören.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Ich habe gelesen, dass Sie durch die Plattensammlung Ihres Vaters zum ersten Mal mit Musik in Kontakt kamen.</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Dani Klein: Ja, zu jener Zeit hatten wir keinen Fernseher. Am Abend spielte mein Vater entweder auf seiner akustischen Gitarre oder er setzte sich in einen Sessel und hörte seine Platten an.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Vor fünf Jahren, als das letzte Vaya Con Dios-Album „The Promise“ erschien, sagten Sie, Sie wüssten nicht, ob Sie wieder auf Tournee gehen würden. Schlussendlich gaben Sie jedoch zahlreiche Konzerte. Eine zweite Serie mit akustischen Auftritten folgte. Wie haben Sie die Freude an Live-Auftritten wiedergefunden?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Dani Klein: Es kam der Moment, wo mir die Konzerte fehlten. Auf der Bühne zu stehen und zu singen gefällt mir sehr. Singen tue ich jedoch überall und jederzeit, das ist wie Atmen. Was ich besonders vermisste waren die Zusammenarbeit und den Austausch mit anderen Musikern. Wir lachen viel und amüsieren uns. Ich fahre nun aber nicht mehr für lange Perioden weg, sondern pendle zwischen den Konzerten nach Hause zurück. So bewahre ich mein soziales Leben mit meiner Familie und meinen Freunden. Es ist nicht mehr wie früher, als ich während mehreren Monaten unterwegs war. Das ist schrecklich, weil es einen komplett von der Gesellschaft und der Realität abkoppelt. Das Leben der Freunde geht weiter, sie haben ihren Beruf und ihre Beschäftigungen. Wenn ich von einer Tour nach Hause zurückkam, sah ich mich mit einer grossen Leere konfrontiert.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Sie haben einmal gesagt, je erfolgreicher Sie waren, desto einsamer fühlten Sie sich.</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Dani Klein: Ja,  genauso war es.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Im Januar 2010 startet in Brüssel Ihre neue Tournee, die im Cabaret-Stil angekündigt ist. Was können wir von der neuen Show erwarten?</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Dani Klein: Für die Konzerte arbeite ich mit einem Theaterregisseur zusammen. Ich hatte Lust das Ganze, vor allem was die Beleuchtung und Atmosphäre auf der Bühne angeht, etwas theatralischer zu gestalten. Zudem plane ich, einige gesprochene Beiträge ins Programm einzuflechten.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Dani Klein, herzlichen Dank für dieses Gespräch!</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>CD: Vaya con Dios „Comme on est venu..“, Sony Music.</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Im Netz:</strong></p>
<p><strong>www.vayacondios.info</strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Interview mit Dennis Lisk</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2009/10/02/interview-dennis-lisk/</link>
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		<pubDate>Fri, 02 Oct 2009 06:01:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rico Steinemann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen-test.ch/?p=292</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/10/02/interview-dennis-lisk/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/10/Dennis+Lisk+dennislisk1.jpeg class=imgtfe hspace=10 align=left width=150  border=0></a>Es war ein drückend heisser Hochsommertag als sich nahaufnahmen.ch mit Dennis Lisk im lauschigen Innenhof der Old Fashion Bar in Zürich zum Interview traf. Zusammen mit Jan Delay und DJ Mad hat er (damals noch als Denyo) als Beginner in der Rapwelt schon länger Kultstatus erreicht, nach diversen Rapsoloalben betritt Dennis Lisk nun neue musikalische Pfade und bringt mit "suchen und finden" ein Album im Singer/Songwriter-Stil heraus.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>&#8220;Ich habe losgelassen, um wieder eine neue Form von Glück und Leidenschaft zu finden&#8221;</h1>
<h2>Interview mit Dennis Lisk</h2>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-907" title="Dennis+Lisk+dennislisk" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/10/Dennis+Lisk+dennislisk1.jpeg" alt="Dennis+Lisk+dennislisk" width="200" height="281" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Interview Dennis Lisk , 19.8.2009 Old Fashion Bar Zürich</p>
<p>Es war ein drückend heisser Hochsommertag als sich nahaufnahmen.ch mit Dennis Lisk im lauschigen Innenhof der Old Fashion Bar in Zürich zum Interview traf. Zusammen mit Jan Delay und DJ Mad hat er (damals noch als Denyo) als Beginner in der Rapwelt schon länger Kultstatus erreicht, nach diversen Rapsoloalben betritt Dennis Lisk nun neue musikalische Pfade und bringt mit &#8220;suchen und finden&#8221; ein Album im Singer/Songwriter-Stil heraus. Trotz der Hitze und einem langen Nachmittag voller Interviews zeigen sich bei Dennis Lisk noch keine Ermüdungserscheinungen und so ergibt sich anregendes Gespräch über Live-Auftritte, sein neues Album &#8220;suchen und finden&#8221;, die Zukunft des Musikbusiness und ein mögliches neues Beginneralbum.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Du warst in den letzten Wochen zu Gast bei verschiedenen Festivals und hast so dein neues Album erstmals auch live präsentiert. Bist du soweit zufrieden mit der Liveumsetzung deines Albums? Klappt alles nach deinen Vorstellungen?</strong></p>
<p>Dennis Lisk: Ja, es klappt nach meinen Vorstellungen. Ich habe natürlich auch ein bisschen Zeit gebraucht, um das Ganze so richtig einzuspielen und `ne gute Show draus zu machen und die haben wir jetzt. Wir haben einige grosse Festivals gespielt wo ich auch gemerkt habe, dass viele Leute meinetwegen gekommen sind. Das waren echt schöne Konzerte, es hat richtig Spass gemacht. Die Band ist am Start und das Bühnenkonzept stimmt, wir spielen nun noch den Festivalsommer zu Ende und gehen danach mit Xavier Naidoo auf Tour.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Spielst du live lieber in kleinen, intimen Clubs oder vor 20 000 Leuten?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Dennis Lisk: Es kommt immer drauf an, in welcher Phase man sich als Musiker gerade befindet. Man muss eine schöne Balance finden, aber Fakt ist, dass ich lieber vor 200 oder 500 Leuten im kleinen Club spiele, die halt wirklich meine Musik schön finden, als vor 20 000 wo dich keiner kennt. Aber wenn dich die 20 000 kennen, ist das natürlich auch geil. Ich finde beides cool, ich habe jetzt auch beides schon gemacht und möchte beides nicht missen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Wie hast du die Musiker deiner Band ausgewählt? Hast du sie schon gekannt bevor du das Album aufgenommen hast oder bist du so richtig auf die Suche gegangen?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Dennis Lisk: Die Stammmusiker, die das Album eingespielt haben, die kannte ich schon vorher, ich habe den Gitarristen bei einer Zusammenarbeit für den Soundtrack des Filmes &#8220;Leroy&#8221; kennengelernt und darüber dann auch den Drummer und den Bassisten. Mein Keyborder war früher schon bei meinen Rapsoloalben dabei und so hat sich das dann alles zusammengefügt.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Dein neues Album &#8220;suchen und finden&#8221; geht mehr in Richtung Singer/Songwriter, hattest du dabei klangliche Vorbilder im Kopf?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Dennis Lisk: Ich hatte ein intuitives Gefühl, ich wusste genau was für bestimmte Gefühlsmomente ich auf den Songs haben möchte. Und das sind meine eigenen Momente. Ansonsten hatte ich viele Vorbilder musikalischer Art, ich habe hie und da versucht, was von The Police aufblitzen zu lassen, bei anderen Songs mit einem klassischen Gitarre-Gesangskonzept steckt bestimmt auch ein Faible für Rio Reiser oder Lindenberg drin, genauso wie auch ein Faible für schöne Rockmusik drinsteckt, ob das nun The Verve ist oder Lenny Kravitz oder so was. Aber es gibt jetzt keinen Künstler, den ich ganz doll als Vorbild herausheben würde. Ich hab auch viel mit Streichern gearbeitet, da war dann ein Song wie &#8220;Past time paradise&#8221; von Stevie Wonder total hilfreich.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: In einem Interview auf deiner Myspace-Seite sagst du, dass du gewisse Themen und Gefühle mit Rap nicht ausdrücken kannst. Was für Themen sprichst du hier an und wieso denkst du, dass du sie mit Rap nicht ansprechen kannst? </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Dennis Lisk: Ich für mich persönlich habe einfach das Gefühl gehabt, dass das was ich jetzt ausdrücken wollte mit diesem Album, nicht in Form eines Rapalbum hätte machen können. Das hat manchmal auch handwerkliche Gründe, wenn der Beat zu fett wird, dann kann ich nicht mehr so gefühlvoll singen, sondern muss halt anfangen ein bisschen mehr Gas zu geben, ein bisschen mehr Energie reinzupacken. Und dann verliert sich halt das Gefühl, dass ich eigentlich ausdrücken wollte. Die ganze Machart von Rap hätte bedeutet, dass ich mehr Energie in meine Texte und meinen Gesang hätte reinbringen müssen, die konträr zu dem gewesen wäre, was ich für ein Gefühl ausdrücken möchte. Es ist halt sehr weich und sehr zart, auch ein bisschen zerbrechlich, das interessiert mich an mir selber und an der Musik, die ich mache. Deshalb war es für mich persönlich nicht mit Rap zu vereinbaren. Das war nicht das  was ich machen wollte, ich wollte einfach Gesang und Melodien haben.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: War es in gewisser Weise für dich auch eine Befreiung vom Rap?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Dennis Lisk: Ja, das ist einfach so. Es ist alles so nah an mir dran, das alles stimmig ist. So ein Song wie &#8220;Lass los&#8221; handelt halt vom loslassen und als ich den geschrieben habe, habe ich bestimmt eher an die Beziehungsebene gedacht, zwischen Mann und Frau oder Beziehungsformen halt. Im Nachhinein ist aber ganz klar, dass ich weiss, dass ich den Song auch geschrieben habe, weil ich HipHop losgelassen habe, das was mich ausmacht, wofür ich lebe und wofür mich die Leute auch kennen, wo ich total vertraut drin bin, dass ich dies alles loslasse, um für mich wieder eine neue Form von Glück und Leidenschaft zu finden. So habe ich halt eine neue Spielwiese und kann neue Wege gehen und das hat mich auch extrem glücklich gemacht.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Hast du jetzt nach &#8220;suchen und finden&#8221; das Gefühl, dass dein nächstes Soloalbum noch mal in diese Richtung geht, weil du jetzt besser weißt, wie du diese Musik machen kannst?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Dennis Lisk: Ja natürlich, das erste Jahr war so eine Selbstfindungsphase, die würde nicht wegfallen, weil man muss sich immer wieder neu finden und auch kucken muss wo man hin will, aber ich find das total spannend mit dem Wissen, das ich jetzt habe, habe ich mich auch verbessert und bin sicherer geworden. Ich weiss woraufs mir eigentlich ankommt, ich freue mich schon auf die Phase, wo ich wieder Zeit habe neue Songs zu schreiben. Und es wird auf jeden Fall als Dennis Lisk weitergehen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Ich habe letzte Woche folgendes Zitat von Jan Delay gelesen: &#8220;Es wäre ganz schön doof in einer Zeit auf der faulen Haut zu liegen, in der man dem Musikbusiness  zuschauen kann wie  es auf  eine Betonwand zurast. &#8220;</strong> <strong>Siehst du die Zukunft des Musikbusiness auch ähnlich schwarz? </strong></p>
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<p>Dennis Lisk: Ich sehe die Zukunft des Musikbusiness nicht schwarz, nein. Es wird nur nicht leichter, es wird halt immer schwerer. Das ist halt schade. Es ist besonders schade für ambitionierte, nicht so leicht greifbare Künstler, die nicht so schnell zu vermarkten sind. Es ist schon krass, dass auch Labels immer weniger Möglichkeiten haben gute Künstler zu unterstützen und sich immer mehr für etablierte und sichere Künstler entscheiden müssen. Ich habe auch Angst davor, dass da irgendwann nichts mehr nachkommt an interessanten Kunst- und Kulturflashes, weil alles einfach irgendwie marktgerecht sein muss. Andererseits birgt das Internet auch extrem viele Chancen, man hat die Möglichkeiten sich einen Namen zu machen ohne mit A&amp;Rs zu sprechen, die einen in irgendeine Schublade stecken möchten. Du kannst einfach anfangen und deine Musik verbreiten und es gibt immer noch genug Möglichkeiten Geld zu verdienen. Du kannst live auftreten wenn du eine Band hast, das finde ich das Schöne wiederum. Im Gegensatz zum Schauspieler, der immer wieder auf ein Filmengagement warten muss, kannst du als Musiker hier und jetzt deine Musik machen. Aber es ist schon wahr, es wird immer schwerer, deiner Intuition, deinem eigenen Weg zu folgen, man muss immer mehr Kompromisse eingehen und das ist schade. Schlussendlich jammern dann die Fans oder die Konsumenten darüber, dass nichts Tolles mehr rauskommt, aber wenn man die Musik nicht kauft, die man hört, dann führt das halt dazu.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch: Hast du selber das Gefühl, dass du Kompromisse eingehst?</strong></p>
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<p>Dennis Lisk: Nee, genau das habe ich dieses Mal nicht gemacht. Aber unterbewusst geht man bestimmt Kompromisse ein. Ich habe ganz doll darauf geachtet einem bestimmten Gefühl von mir zu vertrauen und das wird mich dann schon da hin bringen schöne Musik zu machen. Und ich habe solche Sachen losgelassen wie, &#8220;kann man das live rüberbringen?&#8221;, &#8220;sind das nicht zu viele langsame Songs?&#8221; und &#8220;ich bin doch eigentlich Rapper&#8221; und all diese ganzen Sachen habe ich extra losgelassen und mich ganz bewusst dazu entschieden nicht diese Kompromisse einzugehen. Und das ist auch nicht immer einfach.</p>
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<p><strong>nahaufnahmen.ch: Apropos Jan Delay, tauscht ihr euch gegenseitig über eure Soloprojekte aus? </strong></p>
<p>Dennis Lisk: Ein bisschen. Nicht so doll. Ich bin nicht so daran interessiert am Schaffensprozess von Jan beteiligt zu sein oder jetzt jeden Tag mitzubekommen was er macht. Ich weiss er macht sein Ding und das wird cool und irgendwann gehe ich aufs Konzert und pfeif mir das rein und das wird schon geil und das ist voll in Ordnung so. Genauso ist das bei mir halt auch. Ich habe ihm schon meine Sachen gezeigt vor einem knappen Jahr, weil mich das interessiert hat, ob er vielleicht noch Ideen hat und wie er es findet. Gleichzeitig habe ich auch seine Sachen gehört, die er bis dato gemacht hatte und habe dann auch noch meinen Senf dazu gesagt, aber das wars dann letztenendes auch und jeder geht seinen Weg. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass ich ganz bewusst nicht zuviel wollte. Weder Jan urteilen lassen über meine Musik, noch in irgendeiner Form seine Musik hören, ich wollte gar nicht wissen, was er macht und wie das dann klingt. Ich wollte auch überhaupt gar nicht wissen wie er das findet was ich mache, bis zu einem gewissen Punkt wo ich die Platte eh schon fast fertig hatte. Weil ich, wie gesagt, ganz nah bei mir selber bleiben wollte. Ich habe natürlich Leute um mich rum, die mir auch wichtig sind, aber da gehört er dann nicht dazu.</p>
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<p><strong>nahaufnahmen.ch: Wird es denn in naher oder ferner Zukunft wieder ein Beginner Album geben?</strong></p>
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<p>Dennis Lisk: In naher Zukunft nicht, aber es wird auf jeden Fall noch mal ein Album geben, darüber sind wir uns alle einig. Wir wissen einfach noch nicht wann das genau passiert. Wir müssen kucken, dass Jan und ich zeitlich zueinander finden. Ich denke mal, dass Jan mit seinem zweiten Jan Delay Album hintereinander eher das Gefühl hätte, dass er das für sich abschliessen kann und eher so eine Beginnerphase beginnt, aber ich werde für mich noch mein zweites Dennis Lisk Album machen und dann müssen wir irgendwie schauen, dass sich die Zeitfenster überlappen. Aber ich freu mich natürlich auch, wieder was zu machen mit Jan und kann mir gut vorstellen, dass wir so Ende 2010 anfangen mit einem neuen Beginneralbum. Aber wer weiss was passiert? Vielleicht will Jan doch was anderes machen, oder ich will etwas anderes machen, man kann es nicht so ganz versprechen. Aber von meiner Intuition und ich glaube auch von Jans Intuition könnte 2010 so ein Jahr sein, wo man sich jedenfalls sagt man beginnt mit einem neuen Album.</p>
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<p>Im Netz:</p>
<p><a href="http://www.myspace.com/dennislisk">http://www.myspace.com/dennislisk</a></p>
<p><a href="http://www.dennislisk.de/">http://www.dennislisk.de/</a></p>
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