Jan Decker “Beelitz Heilstätten: Tragischer Monolog und komisches Nachspiel”

Ein Zeitgeschichtsstück liefert der Autor Jan Decker mit “Beelitz Heilstätten – Tragischer Monolog und komisches Nachspiel“ ab. Mit bewundernswerter Konsequenz treibt er seine künstlerischen Mittel auf die Spitze.
“Week_End“ nach dem Film von Jean-Luc Godard (Neumarkt Theater, Zürich)

Zürich, 9. Februar 2010 – Mit dem Film “Weekend“ hatte Godard das Ende des Kinos im Blick. Jedes Tabu wurde darin gebrochen und allen voran wohl das der Menschlichkeit. Dies auf Seiten der Figuren. Die berühmte Stauszene wiederum hat schon beinahe Marthalersche Ausmasse (oder umgekehrt?) und ist damit grenzenlos theatralisch. Diese Vermischung treffen wir auch an diesem Theaterabend an.
Euripides “Alkestis” (Schauspielhaus Zürich, Pfauen)

Zürich, 10. Februar 2010 – Was, wenn man lebt, weil ein geliebter Mensch sich an seiner Statt opfert? Siegt Freude oder Schuld? Und wofür lohnt es sich, zu leben? Karin Henkel holt das Euripideische Drama Alkestis ans Schauspielhaus und inszeniert eine moderne Version der griechischen Tragödie.
J.M.R. Lenz “Der Hofmeister“ (Schauspielhaus Zürich, Schiffbau)

Zürich, 29. Januar 2010 – Das Schauspielhaus Zürich zeigt die vierstündige Inszenierung “Der Hofmeister“ in der Regie von Frank Castorf. Eine Collage aus Heiner Müllers „Die Schlacht“ (1951), Georg Büchners “Lenz“ (1839) und Jakob Michael Reinhold Lenz’ “Der Hofmeister“ (1774), eine bäuerische Materialschlacht und eine Gesellschaftskritik von 1774 bis 2010.
Samuel Beckett, Peter Handke “Das letzte Band“, “Bis dass der Tod euch scheidet“ (Schauspielhaus Zürich)

Zürich, 22. Januar 2010 – Das letzte Band/Bis dass der Tod euch scheidet ist die Verbindung zweier Monologe von Samuel Beckett und Peter Handke. Einmal aus männlicher und einmal aus weiblicher Sicht wird eine lange zurückliegende Liebesgeschichte erzählt.
Frances Goodrich, Albert Hackett “Das Tagebuch der Anne Frank” (Theater Minimax|Theater Roxy, Birsfelden)

Birsfelden, 22. Januar 2010 – Wie kann man sich dem ergreifenden Dokument über das Schicksal einer jüdischen Familie im Nationalsozialismus nähern und es auf die Bühne bringen? Die gefühlvolle Inszenierung des Theater Minimax, gewährt dem Publikum Einblicke in das Seelenleben eines frühreifen und sensiblen Mädchens, das an der Schwelle zum Erwachsensein steht. Ohne Pathos und Betroffenheitsrhetorik.
Michael E. Graber “Agents Provocateurs – Ein Agentenstück” (Imprimerie Basel)

Basel, 17. Januar 2010 – Alle Schauspieler sind Lügner, vermittelt uns der Schauspieler und Theatermacher Michael E. Graber in seinem Stück “Agent provocateur“. – Der Schauspieler geniesst den Widerspruch, der Theatermacher geht ihm auf den Grund.
Ödön von Horváth “36 Stunden oder Die Geschichte vom Fräulein Pollinger” (Klibühni Chur)

Chur, 15. Januar 2010 – Mit der Romanadaption von Ödön von Horváths “36 Stunden oder Die Geschichte vom Fräulein Pollinger” liefert Magdalena Nadolska in der Churer “Klibühni” ein überzeugendes Regiedebüt, das sein Publikum mit einfallsreichen theatralen Mitteln unterhält, nachdenklich macht und fordert. Im Februar und April kann die Inszenierung auch auf Berner und Zürcher Bühnen bestaunt werden.
“archiv.toten.heim – Ruhe in Frieden, liebes Theater” (Schweizer Theatersammlung Bern )

Bern, 20. Dezember 2009 – Wenn es etwas gibt, was die Schweizerische Theatersammlung nicht um sich macht, dann ist dies – Theater. Dies ändert sich nun dank muse:on mit der Inszenierung von «archiv.toten.heim – Ruhe in Frieden, liebes Theater».
Hansjörg Schneider “Sennentuntschi” (Stadttheater Bern, Vidmar 1)

Bern, 18. Dezember 2009 – Elias Perrig, Schauspieldirektor am Theater Basel, inszeniert Hansjörg Schneiders Skandalstück “Sennentuntschi” in den Berner Vidmarhallen direkt, plakativ und deshalb sehr beklemmend. Trotz passender Bühne und guter Schauspielerleistung war der Schlussapplaus zögerlich – ein Zeichen von Überforderung oder Missgefallen?
