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	<title>nahaufnahmen.ch &#187; Theater</title>
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		<title>Lukas Bärfuss &#8220;Zwanzigtausend Seiten&#8221; &#124; Schiffbau/Box, Zürich</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 06:00:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lisa Letnansky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/02/04/lukas-barfuss-zwanzigtausend-seiten-schiffbaubox-zurich/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/02/Zwanzigtausend_1289_550-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Wozu das ganze Spektakel?
Lukas Bärfuss &#8220;Zwanzigtausend Seiten&#8221; &#124; Schiffbau/Box, Zürich
Nach „Malaga“ stellte Lukas Bärfuss mit „Zwanzigtausend Seiten“ sein zweites Auftragswerk für das Schauspielhaus Zürich im Schiffbau vor. In seiner gewohnten Manier wirft er auch hier moralische Fragen auf, diesmal nach der Verantwortung des Individuums und der Auseinandersetzung eines Landes mit seiner Vergangenheit.
Von Lisa Letnansky.
Im Film [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="font-size: 16pt; font-weight: bold;">Wozu das ganze Spektakel?</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Lukas Bärfuss &#8220;Zwanzigtausend Seiten&#8221; | Schiffbau/Box, Zürich</span></strong></p>
<div id="attachment_10375" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><strong><img class="size-full wp-image-10375" title="Zwanzigtausend_1289_550" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/02/Zwanzigtausend_1289_550.jpg" alt="Ursula Doll (als Gosbor), Klaus Brömmelmeier (als Arzt), Sean McDonagh, Ludwig Boettger (als Arzt), Lukas Holzhausen (als Arzt) | Foto|Copyright: Tanja Dorendorf, T+T Fotografie" width="550" height="363" /></strong><p class="wp-caption-text">Ursula Doll (als Gosbor), Klaus Brömmelmeier (als Arzt), Sean McDonagh, Ludwig Boettger (als Arzt), Lukas Holzhausen (als Arzt) | Foto|Copyright: Tanja Dorendorf, T+T Fotografie</p></div>
<p><strong>Nach „Malaga“ stellte Lukas Bärfuss mit „Zwanzigtausend Seiten“ sein zweites Auftragswerk für das Schauspielhaus Zürich im Schiffbau vor. In seiner gewohnten Manier wirft er auch hier moralische Fragen auf, diesmal nach der Verantwortung des Individuums und der Auseinandersetzung eines Landes mit seiner Vergangenheit.</strong></p>
<p>Von Lisa Letnansky.</p>
<p>Im Film „Phenomenon“ wird George Malley (John Travolta) von einem geheimnisvollen Lichtstrahl erfasst und kann fortan in Sekundenschnelle ein Buch lesen und dazu noch dessen gesamten Inhalt behalten. In „Zwanzigtausend Seiten“ geschieht etwas Ähnliches, jedoch auf viel profanere Weise: Tony, einem jungen Lebemenschen, der sich bis anhin weder um Zukunft noch Vergangenheit Gedanken gemacht hat, fällt eines Tages eine Kiste Bücher auf den Kopf, woraufhin er deren Inhalt komplett auswendig kennt. Die Idee des Stücks ist also nicht ganz neu, aber durchaus vielversprechend, was zu einem Grossteil auch daran liegt, dass sämtliche besagte Bücher dasselbe Thema behandeln: die Rolle der Schweiz im 2. Weltkrieg.</p>
<div id="attachment_10376" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-10376" title="Zwanzigtausend Seiten von Lukas BÃ¤rfuss  UrauffÃ¼hrung Zwanzigt" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/02/Zwanzigtausend_0233_550.jpg" alt="Sean McDonagh, Lukas Holzhausen (als Wüthrich) | Foto|Copyright: Tanja Dorendorf, T+T Fotografie" width="550" height="366" /><p class="wp-caption-text">Sean McDonagh, Lukas Holzhausen (als Wüthrich) | Foto|Copyright: Tanja Dorendorf, T+T Fotografie</p></div>
<p><strong>„Man muss sich erinnern!“<br />
 </strong>Wie man sich vorstellen kann, wird Tony zunächst für verrückt gehalten und in eine Irrenanstalt verfrachtet. Seine Bemühungen, sich Glauben zu verschaffen, werden jedoch bald von einer tiefgreifenderen Problematik überschattet. Denn Tony, dem das Schicksal eines jungen jüdischen Flüchtlings, der aus der Schweiz deportiert worden war, nicht mehr aus dem Kopf gehen will, entwickelt eine regelrechte Obsession. „Man muss sich erinnern!“ lautet fortan sein Credo, „wir sind unglücklich, weil wir vergessen!“ Was folgt – die Suche nach einem Sprachrohr in die Öffentlichkeit – führt Tony von einem eigennützigen Profiteur zum nächsten, vom desillusionierten Geschichtsprofessor über einen aktivistischen Radiosender bis hin zu einer gross aufgezogenen Casting Show, und lässt seinen Wunsch nach Vergessen stetig wachsen.</p>
<p>Es ist also nicht nur das originelle Bühnenbild – ein rundum mit hunderten von Aktenordnern eingerahmtes quadratisches Versuchsfeld, in das die Zuschauer von allen Seiten wie Schaulustige oder Beobachter eines Experiments ihre neugierigen Blicke werfen können – das dem Publikum einen aussergewöhnlichen Theaterabend in Aussicht stellt. Lukas Bärfuss hat mit „Zwanzigtausend Seiten“ auch eine Story vorgelegt, die in mehrfacher Hinsicht über brisantes Potential verfügt: Die Frage nach Fluch oder Segen des Sich-Erinnerns, nach der Rolle der Schweiz im 2. Weltkrieg und jener des kleinen Bürgers in seinem Staat, und nicht zuletzt die Ausbeutung persönlicher Tragödien und ordinäre Freude am Fremdschämen im Privatfernsehen.</p>
<div id="attachment_10374" class="wp-caption aligncenter" style="width: 559px"><img class="size-full wp-image-10374" title="Zwanzigtausend Seiten von Lukas BÃ¤rfuss  UrauffÃ¼hrung Zwanzigt" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/02/Zwanzigtausend_1672_5501.jpg" alt="Sean McDonagh, Franziska Machens (als Lisa), Klaus Brömmelmeier (als John)  &lt;br&gt;Foto|Copyright: Tanja Dorendorf, T+T Fotografie" width="549" height="365" /><p class="wp-caption-text">Sean McDonagh, Franziska Machens (als Lisa), Klaus Brömmelmeier (als John)  Foto|Copyright: Tanja Dorendorf, T+T Fotografie</p></div>
<p><strong>Über das Ziel hinausgeschossen<br />
 </strong>Doch der Regisseur Lars-Ole Walburg scheint (anders als bei seiner grossartigen Inszenierung von Dürrenmatts „Die Panne“ am Schauspielhaus) weder in das thematische Potential dieses Stücks noch in Bärfuss’ messerscharfe Sprache und subtile Komik grosses Vertrauen gefunden zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass er aus dem Stück ein unnötig überbordendes Spektakel gemacht hat, das mit technischen Spielereien und massenhaft Requisiten immer wieder sich selbst aufmerksamkeitsheischend zu übertreffen versucht. Schlussendlich harmoniert die Inszenierung nicht mit dem Stück, sondern schiebt sich hüpfend, lärmend und armewedelnd davor wie ein dreijähriges Kind mit ADHS. Der Sinn beispielsweise des nicht komisch, sondern grotesk wirkenden Perücken-Spiels der Aktivistengruppe oder der zwar kurzen, aber scheinbar an beliebigen Stellen im Stück verteilten Ausdruckstänze, will sich den Zuschauern (oder mindestens der Verfasserin dieser Zeilen) nicht recht erschliessen.</p>
<p>Nicht das durchaus vorhandene Talent der Schauspieler – allen voran Sean McDonagh, der die Stimme seines Tony ständig auf meisterliche Weise sich nervös überschlagen lässt – ist es also, was die Begeisterung des Publikums zum Schluss in Grenzen hält, sondern dieses zu gewollt innovativ sein wollende Tamtam drum herum. Da treffen sich fragende Blicke und zuckende Achseln, und anstelle von Lobgesang hört man Sätze wie: „Het’s dir gfalle? Ja? Also, das muesch mer denn mal erkläre…“ Oder: „Wenn i gwüsst hett, dass de Schawinski da isch, hett i mi schöner azoge.“</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Besprechung der Premiere am 2. Februar 2012.<br />
 Weitere Vorstellungen bis am 15. März 2012.<br />
 Dauer: ca. 2 Stunden, keine Pause</p>
<p>Regie: Lars-Ole Walburg<br />
 Bühnenbild: Robert Schweer<br />
 Kostüme: Nina Gundlach<br />
 Musik: Tomek Kolczynski<br />
 Licht: Markus Keusch<br />
 Dramaturgie: Andrea Schwieter</p>
<p><strong>Besetzung<br />
 </strong>Sean McDonagh, Franziska Machens, Ursula Doll, Lukas Holzhausen, Klaus Brömmelmeier, Ludwig Boettger</p>
<p><strong>Im Netz<br />
 </strong><a href="http://www.schauspielhaus.ch" target="_blank">www.schauspielhaus.ch</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Frederick Loewe/Alan J. Lerner &#8220;My Fair Lady&#8221; &#124; Theater Winterthur</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/10/my-fair-lady-theater-winterthur/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/10/my-fair-lady-theater-winterthur/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 14:00:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Salome Kern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/10/my-fair-lady-theater-winterthur/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/MyFairLady_2011Kammeroper-Koeln-actors-photography-presse-11-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Winterthur, 30. Dezember 2011 – Im Stadttheater Winterthur spielte ein Musical, das einst auf dem Broadway berühmt wurde und dann als Film mit Audrey Hepburn Erfolge feierte. Die Kammeroper Köln triumphiert mit ihrer Inszenierung gemischt aus Schauspiel, Gesang und Tanz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im Stadttheater Winterthur spielte ein Musical, das einst auf dem Broadway berühmt wurde und dann als Film mit Audrey Hepburn Erfolge feierte. Die Kammeroper Köln triumphiert mit ihrer Inszenierung gemischt aus Schauspiel, Gesang und Tanz.</strong></p>
<div id="attachment_10307" class="wp-caption aligncenter" style="width: 577px"><img class="size-full wp-image-10307" title="MyFairLady_2011Kammeroper- Koeln-actors-photography-presse-1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/MyFairLady_2011Kammeroper-Koeln-actors-photography-presse-11.jpg" alt="Bild|Copyright: Theater Winterthur" width="567" height="378" /><p class="wp-caption-text">Bild|Copyright: Theater Winterthur</p></div>
<p>Von Salome Kern.</p>
<p>Eliza Dolittle, eine Blumenverkäuferin aus der Unterschicht, preist in lautstarkem derbem Berliner Akzent ihre Sträusse an. Voller Abscheu kritisiert der Phonetiker Henry Higgins ihre Sprache und sieht darin ihren niedrigen Status. Der egozentrische Mann behauptet, er könnte aus Eliza innert sechs Monaten eine Dame machen, nur in dem er ihr beibringt, richtig zu reden. Sie beginnt zu träumen: Endlich müsste sie nicht mehr auf der Strasse stehen und Blumen verkaufen, sondern sie hätte ihren eigenen Blumenladen. So entsteht eine Wette zwischen Henry Higgins und Oberst Pickering. Für Eliza beginnt ein mühsamer Lehrweg.</p>
<div id="attachment_10308" class="wp-caption aligncenter" style="width: 568px"><img class="size-full wp-image-10308" title="MyFairLady_2011Kammeroper-Koeln-actors-photography-presse-13" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/MyFairLady_2011Kammeroper-Koeln-actors-photography-presse-13.jpg" alt="Bild|Copyright: Theater Winterthur" width="558" height="347" /><p class="wp-caption-text">Bild|Copyright: Theater Winterthur</p></div>
<p><strong>Es grünt so grün<br />
 </strong>Im Stadttheater steht eine Kulisse, die die englische Stadt darstellt, und patriotisch ziert eine Zeichnung der britischen Fahne die Wand. Das Publikum ist fasziniert von den liebevollen Kostümen, die den Zuschauer in die Vergangenheit versetzen. Auf der Bühne wärmen sich die einfachen Leute ihre Hände an einem Ofen und singen in kraftvoll-vulgärem Berlinerisch “Wäre det nich wundascheen?“ Sie träumen gemeinsam von warmen Füssen und Pralinen. Eliza dagegen ärgert sich über ihren Lehrer und singt wütend: “Warts nur ab!“. Als sie endlich “ü“ statt “i“ sagt und “g“ statt “j“, ist Henry Higgins stolz auf ihren Fortschritt. Langsam entwickelt sich aber nicht nur Elizas Sprachfähigkeiten, sondern es spannt sich ein Band zwischen ihrem Lehrer und ihr. Henry Higgins ist allerdings ein eingefleischter Junggeselle und hat eigentlich auch vor, das zu bleiben. So muss die Situation nach dem Diplomatenball im Buckingham Palast eskalieren, bei dem Eliza brilliert und für eine ungarische Prinzessin gehalten wird. Henry Higgins und Oberst Pickering gratulieren sich gegenseitig und vergessen ganz, dass auch Eliza mitgewirkt hatte. So nimmt sie Reissaus und geht zurück in die Gosse, wo man sie allerdings nicht mal mehr erkennt.</p>
<p>Henry seinerseits merkt auf einmal, dass er sich an Elizas Gesicht gewöhnt hat. Was für den nicht gerade gefühlsdusligen Mann sehr viel bedeutet. Nach einer Aussprache versöhnen sich die beiden, doch wie ihr gemeinsames Leben aussehen wird, erfährt man nicht mehr.</p>
<div id="attachment_10309" class="wp-caption aligncenter" style="width: 577px"><img class="size-full wp-image-10309" title="MyFairLady_2011Kammeroper-Koeln-actors-photography-presse4" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/MyFairLady_2011Kammeroper-Koeln-actors-photography-presse4.jpg" alt="Bild|Copyright: Theater Winterthur" width="567" height="378" /><p class="wp-caption-text">Bild|Copyright: Theater Winterthur</p></div>
<p><strong>Kraftvolle Klänge<br />
 </strong>Die Kammeroper Köln feiert einen vollen Erfolg mit ihrer Vorstellung von My fair Lady. Es treffen wunderschöne Singstimmen auf energiestrotzende Schauspieler. Das weltbekannte Musical wird auf höchstem Niveau gespielt. Es scheint in der Tat, als wäre für jede Rolle die perfekte Besetzung gefunden worden, jeder der Schauspielerinnen und Schauspieler überzeugte. Der liebenswürdige Oberst Pickering, der strenge Henry Higgins, die süsse Eliza und ihr betrunkener Vater – die gesamte Besetzung wirkte sehr liebevoll ausgewählt. An den Berliner Akzent musste man sich erst gewöhnen. Da man viel fürs Auge hatte, konnte man darüber getrost hinwegsehen. Das Theater Winterthur hatte eine grossartige Gruppe zu Gast, die das Publikum in eine andere Welt entführten.</p>
<p>Dauer: 2 ½ Stunden<br />
 Vorstellungen vom 30. Dezember 3011 bis 4. Januar 2012.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Musikalische Leitung<br />
 </strong>Inga Hilsberg</p>
<p><strong>Regie</strong> <br />
 Lajos Wenzel</p>
<p><strong>Besetzung<br />
 </strong>Oberst Pickering : Bernhard Dübe <br />
 Henry Higgins : Wolf Latzel<br />
 Eliza: Maria Mucha</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Im Netz<br />
 </strong><a href="http://www.theaterwinterthur.ch" target="_blank">www.theaterwinterthur.ch</a><br />
 <a href="http://www.kammeroper-koeln.de" target="_blank">www.kammeroper-koeln.de</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Oscar Wilde &#8220;Der ideale Mann&#8221; &#124; Schauspielhaus Zürich</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/12/oscar-wilde-der-ideale-mann-schauspielhaus-zurich/</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 19:34:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lisa Letnansky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/12/oscar-wilde-der-ideale-mann-schauspielhaus-zurich/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/Mann_1175-550-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Zürich, 9. Dezember 2011 – Was dabei herauskommt, wenn Elfriede Jelinek Oscar Wilde interpretiert, kann derzeit am Schauspielhaus Zürich erlebt werden: Ein Abend voller Witz, Ironie und einschlagender Sprachgewalt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="font-size: 16pt; font-weight: bold;">Korruption und Heiterkeit</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Oscar Wilde &#8220;Der ideale Mann&#8221; | Schauspielhaus, Zürich</span></strong></p>
<div id="attachment_10110" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><strong><img class="size-full wp-image-10110" title="Der ideale Mann" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/Mann_1175-550.jpg" alt="Janina Schauer, Patrick Güldenberg, Susanne-Marie Wrage" width="550" height="380" /></strong><p class="wp-caption-text">Janina Schauer, Patrick Güldenberg, Susanne-Marie Wrage</p></div>
<p><strong>Was dabei herauskommt, wenn Elfriede Jelinek Oscar Wilde interpretiert, kann derzeit am Schauspielhaus Zürich erlebt werden: Ein Abend voller Witz, Ironie und einschlagender Sprachgewalt.</strong></p>
<p>Von Lisa Letnansky.</p>
<p>Oscar Wildes “An Ideal Husband“, eine Komödie über Politik und Intrigen in der Londoner High Society, wurde erstmals 1895 aufgeführt. Die Vermutung liegt nahe, dass diese Thematik heutzutage langweilig und verstaubt anmuten würde, doch Elfriede Jelineks Übertragung des Stücks ins Deutsche und in die Gegenwart belehrt uns eines Besseren: Wildes Geschichte vom Aufstieg und Beinahe-Fall des überheblichen und redegewandten Politiker Sir Robert Chiltern ist heute aktueller denn je.</p>
<p><strong>Intrigen stehen auf der Tagesordnung<br />
 </strong>Sir Chiltern, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, ist Politiker durch und durch und wird von seiner Gattin Lady Gertrude als „der ideale Mann“ gerühmt. Als eines Abends jedoch Mrs. Chevely auftaucht, die Gertrude noch aus der Schulzeit kennt, beginnt Sir Chilterns fester Stand zu wanken. Mrs. Chevely weiss nämlich von seinem lange gut gehüteten Geheimnis: Vor Jahren hat er einmal einem Börsenspekulanten Kabinettsgeheimnisse anvertraut und dadurch den Grundpfeiler für seinen Aufstieg und seinen Reichtum gelegt. Mit Hilfe eines kompromittierenden Briefes möchte Mrs. Chevely ihn jetzt dazu bringen, ein zum Scheitern verurteiltes Projekt zu unterstützen, in das sie selbst viel Geld investiert hat. Sir Chiltern ist verzweifelt: Was würden die Leute – allen voran seine Frau – von ihm denken, wenn er plötzlich etwas unterstützt, das er vorher vehement verteufelt hat? Aber was würde erst geschehen, wenn sie von seinem Insidertipp erfahren würden? Gott sei dank aber scheinen in dieser Gesellschaftsschicht Intrigen an der Tagesordnung zu stehen; Lord Arthur Goring, ein Lebemann und Sir Chilterns bester Freund, der selbst eine Vergangenheit mit Mrs. Chevely verbindet, schaltet sich ein und versucht, die Erpresserin mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Am Ende sind alle glücklich und die Politik läuft so heiter und korrupt weiter wie zuvor.</p>
<div id="attachment_10112" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-10112" title="Der ideale Mann" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/Mann_0837-550.jpg" alt="Janina Schauer, Markus Scheumann" width="550" height="380" /><p class="wp-caption-text">Janina Schauer, Markus Scheumann</p></div>
<p><strong>Damals wie heute<br />
 </strong>Es ist nicht viel, was Jelinek abändern musste, um “An ideal Husband“ in die Gegenwart zu übertragen. In den letzten über hundert Jahren scheint sich an den Gepflogenheiten in der Politik nicht viel geändert zu haben. Aus dem Suez-Kanal-Projekt wurde bei Jelinek der “Hyper-Alpenkanal“, ein Luftprojekt, bei dem auch nach langen Reden nicht klar wird, um was es sich dabei eigentlich handelt. Auch wurden Wildes Dialoge durch den hohlen Jargon der Politik und der Finanzbranche und eine breite Masse an Kalauern aufgefrischt. Das Grundgerüst und die Aussage bleiben aber die selben: So lange die Politiker noch Reden schwingen können, die im Grunde nur gut tönen, aber überhaupt nichts aussagen, und so lange jeder nur auf sich selbst und seinen eigenen Vorteil bedacht ist und dem Nachbar nicht ins Spiel pfuscht, so lange dreht sich die Welt friedlich und skandallos weiter und alle sind glücklich und zufrieden.</p>
<p><strong>Grasser, Haider &amp; Co.<br />
 </strong>Die Parallelen zu den aktuellen Missständen nicht nur in der österreichischen Politik- und Finanzwelt sind in Jelineks Bearbeitung nicht zu übersehen. Dem charmant-schleimigen Egomanen Robert Chiltern mag beispielsweise der ehemalige österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser Pate gestanden zu haben, aber auch Assoziationen an Jörg Haider und weitere Personen aus der Welt der Politik und Finanzen scheinen beabsichtigt zu sein. Wie schon in „Die Kontrakte des Kaufmanns“ und in „Winterreise“ lässt Jelinek kein gutes Haar an ihren Zeitgenossen, schafft es aber auch hier wieder mit viel Witz und Ironie niemals borniert oder verbittert zu wirken.</p>
<div id="attachment_10114" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-10114" title="Der ideale Mann" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/Mann_0618.jpg" alt="Julia Kreusch, Ludwig Boettger, Patrick Güldenberg" width="550" height="380" /><p class="wp-caption-text">Julia Kreusch, Ludwig Boettger, Patrick Güldenberg</p></div>
<p><strong>Der hohle Geist der Politik<br />
 </strong>Diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und Witz verkörpern die Darsteller des Stücks auf eine glaubwürdige und unterhaltsame Weise. Allen voran ist es Markus Scheumann, der als Sir Chiltern sich widersprechende Gefühle zwischen Interesse und Abscheu im Zuschauer hervorruft (und daher nicht nur aufgrund seines Sprachduktus an den TV-Antihelden Stromberg erinnert). Obwohl das eher dialogreiche und handlungsarme Stück (eine weitere Parallele zur Politik!) zuweilen etwas sehr statisch wirkt, ist es Tina Lanik, die mit “Der ideale Mann“ ihr Debüt am Schauspielhaus Zürich gibt, durchaus gelungen, den hohlen Geist der zeitgenössischen politischen Welt auf eine kurzweilige und erheiternde Weise auf die Bühne zu bannen.</p>
<p>Besprechung der Premiere am 9. Dezember 2011.<br />
 Weitere Vorstellungen bis am 27. Januar 2012.<br />
 Dauer: ca. 2 Stunden 20 Minuten.</p>
<p>Regie: Tina Lanik<br />
 Bühne: Stefan Hageneier<br />
 Kostüme: Su Sigmund<br />
 Musik: Rainer Jörissen<br />
 Licht: Frank Bittermann<br />
 Dramaturgie: Thomas Jonigk</p>
<p><strong>Besetzung<br />
 </strong>Markus Scheumann (Sir Robert Chiltern), Ludwig Boettger (Lord Caversham), Patrick Güldenberg (Lord Goring, sein Sohn), Janina Schauer (Phipps, Lord Gorings Diener), Isabelle Menke (Lady Chiltern), Julia Kreusch (Mabel Chiltern), Susanne-Marie Wrage (Mrs. Cheveley), Miriam Maertens (Lady Markby).</p>
<p><strong>Im Netz<br />
 </strong><a href="http://www.schauspielhaus.ch" target="_blank">www.schauspielhaus.ch</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Ivana Sajko &#8220;Womanbomb&#8221; &#124; Theater Winkelwiese, Zürich</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/03/ivana-sajko-womanbomb-theater-winkelwiese-zurich/</link>
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		<pubDate>Sat, 03 Dec 2011 13:28:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jolanda Heller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=10089</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/03/ivana-sajko-womanbomb-theater-winkelwiese-zurich/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/WOMANBOMB_06-550-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Zürich, 30. November 2011 – 2004 entsteht der Monolog für eine Bombenfrau und weitere Figuren. Dieser Text ist mögliches Zeugnis einer Selbstmordattentäterin, die sich in 12 Minuten und 36 Minuten mit einem Politiker und mit allen und allem andern in einem Radius von 18 m in die Luft sprengen wird. Das Theater Winkelwiese bringt den Text in Koproduktion mit dem Künstlerkollektiv ÅNGSTRØM und dem Salon5 Wien erstmals in der Schweiz auf die Bühne.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="font-size: 16pt; font-weight: bold;">Ivana Sajko &#8220;Womanbomb&#8221; | Theater Winkelwiese, Zürich</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Ein Stück zwischen Dokumentation und Reflexion</span></strong></p>
<div id="attachment_10091" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-10091" title="WOMANBOMB_06-550" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/WOMANBOMB_06-550.jpg" alt="Foto | Copyright: Thomas Richter" width="550" height="364" /><p class="wp-caption-text">Foto | Copyright: Thomas Richter</p></div>
<p><strong>2004 entsteht der Monolog von Ivana Sajko für eine Bombenfrau. Dieser Text ist mögliches Zeugnis einer Selbstmordattentäterin, die sich in 12 Minuten und 36 Minuten mit einem Politiker und mit allen und allem andern in einem Radius von 18 m in die Luft sprengen wird. Das Theater Winkelwiese bringt den Text in Koproduktion mit dem Künstlerkollektiv </strong><strong>ÅNGSTRØM und dem Salon5 Wien erstmals in der Schweiz auf die Bühne.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Von Jolanda Heller.</p>
<p>Der Musiker (Christian Weissenberger) sitzt mit seinem Arsenal an Instrumenten und Alltagsgegenständen, die als Instrumente fungieren, da und wartet auf seinen Einsatz. Karola Niederberger, einmal als Autorin, einmal als Selbstmordattentäterin, Mona Lisa oder Gott vor uns steht und ihre Beweggründe für ihr Tun dem Publikum mitteilt, liest aus einem Manuskript vor.</p>
<p><strong>Dokumentation <br />
 </strong>Zuerst berichtet die Figur auf der Bühne vom Erschaffen des Stücktextes, dem Absetzen vom Spielplan eines anderen Stückes der Autorin, weil es &#8220;zu&#8221; aktuell war, es auf einen schwelenden Konflikt im Nahen Osten Bezug nahm, der auch tatsächlich in einen Krieg mündete. Dann wird weiter von der Zahl der Selbstmordkommissionen bis zum Jahr 2000 berichtet: LTTE = 168, Hisbollah = 52, Hamas = 22, PK = 15, Al-Kaida = 2, EIJ, IG, BKI und GIA je eine. &#8220;Ein Drittel der Selbstmörder waren Frauen.&#8221;</p>
<p>12 Minuten, 36 Sekunden, dann soll die Bombe hier losgehen. &#8220;Was würdest du tun, wenn du noch zwölf Minuten und sechsundreissig Sekunden hättest?&#8221; Verschiedene Antworten sind zu hören, etwa &#8220;Vielleicht könnte ich mich in die Sonne legen und die Augen schliessen &#8230;&#8221;, &#8220;Ich würde mich von allen verabschieden, etwa so: Ich habe die Schnauze voll von Strategien, Berichten, Businessplänen und ähnlichen Geschäften. Wie Che Guevara gehe ich zur Guerilla &#8230;&#8221; oder &#8220;Ich würde mich in den Lotussitz setzen &#8230;&#8221;, &#8220;Ich würde an meinem Kind riechen &#8230;&#8221;.</p>
<div id="attachment_10092" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-10092" title="WOMANBOMB_08_550" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/WOMANBOMB_08_550.jpg" alt="Foto | Copyright: Thomas Richter" width="550" height="367" /><p class="wp-caption-text">Foto | Copyright: Thomas Richter</p></div>
<p><strong>Reflexion<br />
 </strong>Die RAF und ihre Bombenattentate von 1968 sind ebenso Thema wie Mona Lisa, Gott, zwanzig Freunde der Autorin, ihre Mutter und sie selbst, die wieder und wieder zu Wort kommen und die das Stück zu einer spannenden Collage zwischen Dokumentation und Fiktion, Reflexion und Behauptung changierendem Kleidoskop machen, in dem man leicht die Übersicht verlieren kann. Wie die Selbstmordattentäterin vielleicht selbst. Ebenso ist das Stück Zeugnis einer nicht rational erklärbaren Tat, weil bei der Erforschung der möglichen Motive so viele beteiligt sind – oder gerade deshalb. Und irgendwann ist es auch trotz der Zweifel zu spät &#8211; und es macht &#8220;wumm&#8221;.</p>
<p>Das Wechselspiel der Figuren schafft die Darstellerin auf eindrückliche Weise. Die Aussage der Autorin &#8220;Der Text tickt in mir wie die Bombe in ihr&#8221; hat sie sich einverleibt. Das rund eineinhalb Stunden dauernde Stück lässt deshalb zu keiner Zeit an der Authentizität der Figur(en) zweifeln. Eindringlich spricht sie in ihren Zwiegesprächen zum Publikum, das gebannt bis zum Schluss auf die Erlösung hofft, vergeblich.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Besetzung: Karola Niederhuber, Christian Weissenberger<br />
 Regie: Dora Schneider<br />
 Ausstattung &amp; Live-Sampling: Christian Weissenberger<br />
 Dramaturgie: Thomas Richter</p>
<p><strong>Im Netz<br />
 </strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.winkelwiese.ch" target="_blank">www.winkelwiese.ch</a></span></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Johann Wolfgang v. Goethe “Die Leiden des jungen Werther“ &#124; Junges Schauspielhaus Zürich</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/11/26/goethe-die-leiden-des-jungen-werther-schauspielhaus-zurich/</link>
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		<pubDate>Sat, 26 Nov 2011 16:00:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Salome Kern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/11/26/goethe-die-leiden-des-jungen-werther-schauspielhaus-zurich/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/werther_550-150x150.png class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Zürich, 22. November 2011 – Das Junge Schauspielhaus Zürich zeigt Goethes Bestseller in Bühnenfassung. Dabei knallen die Gegensätze des poetischen Deutschs auf eine kalte, requisitenlose Bühne. Ein Spiel voller Wortgefechte, aber leider auch ohne Spannung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="font-size: 16pt; font-weight: bold;">Was wäre die Welt ohne Liebe?</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Johann Wolfgang v. Goethe “Die Leiden des jungen Werther“ | Junges Schauspielhaus Zürich</span></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_10217" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-10217" title="werther_550" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/werther_550.png" alt="Foto: Schauspielhaus Zürich" width="550" height="234" /><p class="wp-caption-text">Foto: Schauspielhaus Zürich</p></div>
<p><strong>Das Junge Schauspielhaus Zürich zeigt Goethes Bestseller in Bühnenfassung. Dabei knallen die Gegensätze des poetischen Deutschs auf eine kalte, requisitenlose Bühne. Ein Spiel voller Wortgefechte, aber leider auch ohne Spannung.</strong></p>
<p>Von Salome Kern.</p>
<p>Johann Wolfgang von Goethe beschreibt in Briefform autobiografisch eine unglückliche Liebe, Werther kommt von der Stadt aufs Land. Der Bürgerliche lernt bei einer Kutschgesellschaft Lotte kennen, die durch den Tod ihre Mutter in deren Rolle schlüpfen musste. Fasziniert beobachtet Werther, wie sie unter ihren jüngeren Geschwistern Brot verteilt. Beim Tanz erfährt er, dass seine Angebetet mit dem lieben, braven Albert so gut wie verlobt ist. Die Männer freunden sich an und ein Dreiecksverhältnis entsteht. Werther kann seine starke Liebe zu Lotte nicht verleugnen. Als er sie besucht und ihr Gedichte vorliest, küssen sie sich leidenschaftlich. Die Braut reisst sich los und rennt in ihr Zimmer. Die Tragödie endet mit dem Selbstmord Werthers, aufgeführt durch eine von Albert ausgeliehene Pistole.</p>
<p><strong>„Eins, zwei, drei, eins, zwei, drei“</strong></p>
<p>Die drei Schauspieler stehen in der Matchbox des Schiffbaus in Strassenkleidung vor dem Publikum. Daniel Kuschewski führt Regie und ist gleichermassen in der Rolle des Alberts. Sie laufen an den hinteren Bühnenrand und ziehen ihre schlichten Kostüme an. So schlüpfen sie in die Rollen des Werthers, der Lotte und des Alberts. Das Stück beginnt mit einem Monolog von Werther, er vereint die Erzählform mit der direkten Rede. „11. Mai, 12. Mai, 13. Mai.“ Werther erzählt, wie er die Tage erlebt hat. Diese Aufzählung der Tage ist der rote Faden durch die ganze Aufführung. Mal mit kleinen, mal mit grossen Zeitsprüngen führen die Schauspieler durch das Theater.</p>
<p>Jeder der das Stück von Goethe gelesen hat, erkennt, wie abstrakt die Szenen aus dem Roman dargestellt werden. Die Dreiecksbeziehung ist nun eine Umarmung von Albert und Werther. Lotte ist dazwischen und umarmt beide abwechselnd. Tänze werden durch leisen Singsang oder Zählreime und angedeutete Tanzschritte demonstriert.</p>
<p><strong>Auf die Spitze getrieben Abstraktion</strong></p>
<p>An den schauspielerischen Fähigkeiten gibt es nichts auszusetzen. Besonders Werther überzeugt mit seiner ausdruckstarken Mimik. Wer Goethes klassisches Werk liebt, wird aber enttäuscht. Dem Theater fehlen die Handlung und das Spielen. Auch mit geschlossenen Augen würde man kaum etwas verpassen. Oft stehen die Schauspieler nur auf einer waagrechten Linie und erzählen. Der Spannungsbogen wird abgeflacht, das Publikum kann kaum mit Werther mitfiebern. Die Tragödie wird so abstrahiert, dass es oft lächerlich wirkt. Es mag ja eine moderne Interpretation sein, doch der Zuschauer geht nicht ins Theater um eine Geschichte zu hören, sondern um sie zu erleben. So hat man die Gestik und Bewegung vermisst. Zumindest, mag der Goethe Bewunderer denken, wird das schöne Deutsch nicht auch noch modernisiert.</p>
<p>Besprechung der Aufführung vom 9. Dezember 2011.</p>
<p>Dauer: ca. 120 Minuten. Keine Pause.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Besetzung: Daniel Kuschewski, Kathrin Veith, Lukas Waldvogel<br />
 Regie: Daniel Kuschewski<br />
 Bühne und Kostüme: Thomas Unthan</p>
<p><strong>Im Netz<br />
 </strong><a href="http://www.junges.schauspielhaus.ch/home" target="_blank">www.junges.schauspielhaus.ch/home</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Eugène Ionesco “Die Unterrichtsstunde“ &#124; Theater Basel, Kleine Bühne</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/11/18/ionesco-die-unterrichtsstunde-theater-basel/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/11/18/ionesco-die-unterrichtsstunde-theater-basel/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 11:36:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jolanda Heller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Absurdes Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Ionesco]]></category>
		<category><![CDATA[Theater Basel]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/11/18/ionesco-die-unterrichtsstunde-theater-basel/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/11/499596_R_K_B_by_Gerd-Altmann_pixelio.de-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Basel, 16. November 2011 – Bluttaten werden heute aus banalsten Gründen verübt und scheinen uns oft völlig absurd. Weshalb also nicht auch auf diese Weise: Ein Professor bringt seine Schülerin um, die nicht 3 von 4 subtrahieren kann, die ihn an der Wandtafel dauernd unterbricht, die zwar die unwahrscheinlichsten Multiplikationen auswendig, deren Herleitung aber nicht kennt. Überlastung? Burnout? Oder "einfach nur" eine (weitere) dumme Schülerin?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="font-size: 16pt; font-weight: bold;">40 Leichen für einen Professor</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;"> </span></strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Eugène Ionesco “Die Unterrichtsstunde“ | Theater Basel, Kleine Bühne</span></strong></p>
<div id="attachment_9995" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9995" title="499596_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.de" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/11/499596_R_K_B_by_Gerd-Altmann_pixelio.de.jpg" alt="Foto | Copyright: Gerd Altmann, Pixelio.de" width="550" height="398" /><p class="wp-caption-text">Foto | Copyright: Gerd Altmann, Pixelio.de</p></div>
<p><strong>Bluttaten werden heute aus banalsten Gründen ver</strong><strong>ü</strong><strong>bt und scheinen uns oft v</strong><strong>ö</strong><strong>llig absurd. Weshalb also nicht auch auf diese Weise: E</strong><strong>in Professor bringt seine Sch</strong><strong>ü</strong><strong>lerin um, die nicht 3 von 4 subtrahieren kann, die zwar die unwahrscheinlichsten Multiplikationen auswendig, deren Herleitung aber nicht kennt. Überlastung? Burnout? Oder &#8220;einfach nur&#8221; eine (weitere) dumme Schülerin?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Von Jolanda Heller.</p>
<p>Ein Mädchen aus gutem Hause sucht ihren neuen Nachhilfelehrer auf. Sie will ihre Allgemeinbildung auf ein Niveau bringen, um gleich an allen Fakultäten der Universität studieren zu können. “Ich habe solche Lust, etwas zu lernen. Auch meine Eltern möchten so gern, dass ich meine Kenntnisse vertiefe. Sie meinen: Allgemeinbildung, auch wenn sie noch so gut ist, genügt heutzutage nicht mehr.“</p>
<p>Motiviert setzen sich Professor (Vincent Leittersdorf) und Schülerin (Marie Jung) an den grossen Tisch im Studierzimmer, mit dem weissen, etwas zu modernen Stuhl, auf dem sich später das Tragische ereignen wird (Bühne: Raimund Bauer). Einfache Additionen klappen wundervoll, mit Subtrahieren hat das Mädchen Schwierigkeiten und das bringt den Lehrer – zusätzlich zu ihren schnippischer werdenden Antworten langsam auf.</p>
<p><strong>Warnungen werden in den Wind geschlagen<br />
 </strong>Das in die Jahre gekommene, etwas grobschlächtige Dienstmädchen (Nikola Weisse) setzt sich zu Beginn der Stunde, als in der Nachhilfestunde noch alles ruhig und beherrscht abläuft, an den Tisch und warnt: “Entschuldigen Sie, Herr Professor, aber passen Sie auf, ich rate Ihnen, ruhig zu bleiben.“ Der Lehrer schickt sie abwehrend aus dem Raum und auch der Zuschauer erhält eine erste Vorwarnung, dass da noch etwas passieren wird. Ein zweites Erscheinen – sie warnt ihn dann vor der Philologie, das ginge schlecht aus – lässt ahnen, dass eine Katastrophe kommen muss.</p>
<p>Die Rage, in die der erst ganz scheue Professor nach und nach gerät, und die Passivität, in die das erst ganz aufgeweckte Mädchen nebst ihren Zahnschmerzen nach und nach fällt, sind im Text Ionescos stärker herauszuspüren als auf der Basler Bühne. Der Regisseur Werner Düggelin geht hier sehr subtil mit den Figuren um. Der Professor regt sich zwar mehr und mehr auf, doch dieses Flackern in den Augen, von dem Ionesco spricht, das ist hier nur verhalten zu spüren. Ob das nun aber nach bereits 39 – am selben Tag – erfolgten Schülerinnenmorden noch realistisch ist, sei ob dieser ebenso absurden Anzahl dahingestellt. Nichtsdestotrotz ist dessen innere Anspannung fast körperlich zu spüren. Lange kann sich der Professor immer wieder beruhigen, doch als ein Messer aus der Tischschublade in seine Hände kommt, da bricht sich der Irrsinn seinen Weg. Er ist wie der Hamster im Hamsterrad, die Drehbühne, auf denen sich alles abspielt, ist Zeichen dafür. Zwischen ihm und seiner Schülerin spielt sich noch etwas Wort-Pingpong ab und der Professor referiert über den Vorgang der Aussprache und welchen Körperteil die Luft beim Durchströmen des Körpers gerade berührt, damit am Ende “Lippenlaute, Zahnlaute, Lispellaute, Zischlaute, Gaumenlaute und andere, teils zärtlich, teils bitter und heftig“ aus ihm herausdringen.  Eine einzige Parodie auf den Gelehrten.</p>
<p><strong>Die Absurdit</strong><strong>ä</strong><strong>t nimmt seinen Lauf<br />
 </strong>Am Ende ist die Luft draussen, der Professor ersticht seine Schülerin, keine Warnung des Dienstmädchens hat ihn aufhalten können. “Schlampe“ nennt er die Tote, weshalb ist unwichtig, eine rationale Begründung gibt es nicht. Die Schülerin, die ihre Stunde nicht bezahlt hat, wird in einen billigen Holzsarg gesteckt werden, wie auch die 39 anderen &#8211; auf die selbe Weise &#8211; Ermordeten. Das Dienstmädchen, Mitwisserin und damit Mittäterin, und der Professor, sie sind eine unglückliche Schicksalsgemeinschaft. Das Dienstmädchen wird bei der Organisation des Transports der Leichen helfen, beziehungsweise die Drecksarbeit machen, damit auch der Professor – die nächste Schülerin klingelt schon – weitermachen kann.</p>
<p>Im absurden Theater, zu dessen Vertretern Eugène Ionesco gehört, verkommt scheinbar Sinnhaftes zur Absurdität. Sei es die Sprache oder die Handlung der einzelnen Figuren oder des Stückes. Rationalität hat keinen Platz, es herrschen Willkür und Surrealismus.</p>
<p>Mit der eingangs gegebenen “Sonate“ von Jean Tardieu, einem weiteren Vertreter des Absurden und gespielt von den selben Schauspielern, ist man auf diesen Theaterabend eingestimmt, ohne ahnen zu können, wie sehr die  Ruhe noch gestört würde. Womit der Bezug zur Realität wieder hergestellt wäre, denn einer zu grossen Ruhe sollte man nie ganz trauen.</p>
<p>Besprechung der Premiere vom 16. November 2011.</p>
<p>Dauer: ca. 55 Minuten, ohne Pause.</p>
<p>Weitere Aufführungen am 21. (mit anschliessendem Publikumsgespräch), 22. und 25. November; 15., 23., 27. und 30. Dezember 2011, jeweils um 20.15 Uhr.</p>
<p><strong><br />
 Im Netz<br />
 </strong><a href="http://www.theaterbasel.ch" target="_blank">www.theaterbasel.ch</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>“Eine griechische Tragödie. Die Krise des Euro und des Weltwährungssystems“ &#124; Reihe: Salongespräche &#124; Theater Neumarkt, Zürich</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/11/08/%e2%80%9ceine-griechische-tragodie-die-krise-des-euro-und-des-weltwahrungssystems%e2%80%9c-reihe-salongesprache-theater-neumarkt-zurich/</link>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 14:36:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jolanda Heller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Vorschau]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=9754</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/11/08/%e2%80%9ceine-griechische-tragodie-die-krise-des-euro-und-des-weltwahrungssystems%e2%80%9c-reihe-salongesprache-theater-neumarkt-zurich/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/11/542867_R_K_B_by_Kurt-F.-Domnik_pixelio-550.de-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Zürich, 8. November 2011 – Einen spannenden Abend versprechen die beiden Experten Prof. Urs Birchler, Professor für Banking an der Universität Zürich, Prof. Heiner Flassbeck, Chef-Ökonom der Uno-Organisation für Welthandel und Entwicklung und der Moderator Daniel Binswanger, an dem die Gründe der Krise und Lösungen zu ihrer Überwindung diskutiert werden. Wie aber definierte Aristoteles, der grosse Meister der Dichtkunst, die Tragödie?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>“Eine griechische Tragödie. Die Krise des Euro und des Weltwährungssystems“ | Reihe: Salongespräche | Theater Neumarkt, Zürich</strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Vorschau auf die Veranstaltung vom Samstag, 12. November 2011, 20 Uhr</span></p>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_9755" class="wp-caption alignleft" style="width: 560px"><strong><img class="size-full wp-image-9755" title="542867_R_K_B_by_Kurt F. Domnik_pixelio-550.de" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/11/542867_R_K_B_by_Kurt-F.-Domnik_pixelio-550.de.jpg" alt="Foto | Copyright: Kurt F. Dominik | Pixelio.de" width="550" height="364" /></strong><p class="wp-caption-text">Foto | Copyright: Kurt F. Dominik | Pixelio.de</p></div>
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<p><strong>Einen spannenden Abend versprechen die beiden Experten Prof. </strong><strong>Urs Birchler, Professor für Banking an der Universität Zürich, Prof. Heiner Flassbeck, Chef-Ökonom der Uno-Organisation für Welthandel und Entwicklung und der Moderator Daniel Binswanger, an dem die Gründe der Krise und Lösungen zu ihrer Überwindung diskutiert werden. Wie aber definierte Aristoteles, der grosse Meister der Dichtkunst, die Tragödie?</strong></p>
<p>“Die Tragödie ist Nachahmung einer guten und in sich geschlossenen Handlung von bestimmter Grösse, in anziehend geformter Sprache, wobei diese formenden Mittel in den einzelnen Abschnitten je verschieden angewandt werden – Nachahmung von Handelnden und nicht durch Bericht, die Jammer und Schaudern hervorruft und hierduch eine Reinigung von derartigen Erregungszuständen bewirkt.“</p>
<p>Wir können wohl noch so viele Finanzkrisen (sprich: Kapitalismuskrisen) erleben, die nicht nur gute Handlungen in sich bergen, die Jammer und Schauder bei den Hauptakteuren in engen Grenzen halten, bei den kleinen Leuten aber einen umso grösseren hervorrufen und dem Allgemeinwohl zudem viel Schaden zufügen. Da nützt auch das Gerede von Corporate Governance, Corporate Citizenship und Corporate Social Responsibility nicht viel, das sich vielfach diejenigen auf die Fahne schreiben, die sich am wenigsten an den dort enthaltenen Grundsätzen orientieren.  Der Schaden wird die Allgemeinheit tragen, das heisst, der Staat und die Nationalbank müssen eingreifen. Paradox, hat man sich vorher doch nach “so wenig Staat als möglich, so viel Markt wie möglich“ heiser geschrien.</p>
<p>Auch sollen in der Tragödie die Charaktere erkenntnisfähig sein, also eine Läuterung (im Guten Sinne) erfahren. Die Tragödie soll einen Anfang, eine Mitte und ein Ende und der Umschlag vom Unglück ins Glück oder vom Glück ins Unglück soll in seiner Grösse die richtige Begrenzung haben.</p>
<p>Wir wissen es – die Hauptdarsteller in der aktuellen Tragödie sind wenig erkenntnisfähig: Sie sind Wiederholungstäter. Und das mit der Erkenntnis, dass ihnen eh keiner an den Kragen geht. Das Ende der Tragödie? Dies scheint als Endlosschlaufe nicht kommen zu wollen, entsprechend kann sich das Unglück ins Unermessliche steigern.</p>
<p>Und noch die hier – nicht bei Aristoteles – letzten Anforderungen an eine Tragödie, damit diese als gelungen bezeichnet werden kann:</p>
<p>“1. Man darf nicht zeigen, wie makellose Männer einen Umschlag vom Glück ins Unglück erleben; dies ist nämlich weder schaudererregend noch jammervoll, sondern abscheulich.</p>
<p>2. Man darf auch nicht zeigen, wie Schufte einen Umschlag vom Unglück ins Glück erleben, dies ist nämlich die untragischste aller Möglichkeiten, weil sie keine der erforderlichen Qualitäten hat: sie ist weder menschenfreundlich noch jammervoll noch schaudererregend.</p>
<p>3. Andererseits darf man auch nicht zeigen, wie der ganz Schlechte einen Umschlag vom Glück ins Unglück erlebt. Eine solche Zusammenfügung enthielte zwar Menschenfreundlichkeit, aber weder Jammer noch Schaudern. (&#8230;)“</p>
<p>Ganz als Gegenteil dessen stellt sich die Finanzkrise dar: abscheulich, menschenfeindlich und keine Katharsis bringend. Das heisst nichts weniger, als das sie sogar die Regeln des Aristoteles für die Tragödie missachtet. Aber, das muss noch gesagt werden, die Tragödie ist eine nachahmende Kunst. Die aktuellen Geschehnisse sind dies leider nicht, sie folgen nicht dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit, sie sind ganz einfach Realität. Und das ist schlicht gesagt ein Schlamassel.</p>
<p>Quelle: Aristoteles, Poetik, Reclam Verlag Stuttgart, 1997.</p>
<p><strong>Link<br />
 </strong><a href="http://www.theaterneumarkt.ch" target="_blank">www.theaterneumarkt.ch</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Romeo Castellucci &amp; Socìetas Raffaello Sanzio “Sul concetto di volto nel figlio di Dio“ &#124; Zürcher Theater Spektakel, Landiwiese</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/09/04/romeo-castellucci-societas-raffaello-sanzio-zuercher-theater-spektakel/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/09/04/romeo-castellucci-societas-raffaello-sanzio-zuercher-theater-spektakel/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 04 Sep 2011 20:54:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jolanda Heller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Romeo Castellucci]]></category>
		<category><![CDATA[Societas Raffaello Sanzio]]></category>
		<category><![CDATA[Zürcher Theater Spektakel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=9553</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/09/04/romeo-castellucci-societas-raffaello-sanzio-zuercher-theater-spektakel/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/09/ZH-Theaterfestival-2011-27_550-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Zürich, Landiwiese – 3. September 2011: Väter-Söhne-Geschichten sind in der diesjährigen Ausgabe des Theater Spektakels aktuell. Neben “She She Pop und ihre Väter“ mit “Testament“ und Ilay den Boer &#038; Het Huis van Bourgondië mit “This is my dad“ handelt auch dieses Stück von einer solchen Konstellation. Der italienische Regisseur Romeo Castellucci und die durch seine Schwester und ihn gegründete Socìetas Raffaello Sanzio gehen ein im Privatesten verhandeltes Thema – die Pflege eines kranken Elternteils – mit viel Einfühlungsvermögen an.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="font-size: 16pt; font-weight: bold;">Vaterpflege unter den Augen Gottes</p>
<div id="attachment_9565" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9565 " title="ZH Theaterfestival 2011-27_550" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/09/ZH-Theaterfestival-2011-27_550.jpg" alt="Foto | Copyright: Andreas Georg Scherer" width="550" height="366" /><p class="wp-caption-text">Foto | Copyright: Andreas Scherer</p></div>
<p><span style="text-decoration: underline;">Romeo Castellucci &amp; Socìetas Raffaello Sanzio “Sul concetto di volto nel figlio di Dio“ | Zürcher Theater Spektakel, Landiwiese</span></p>
<p><strong>Väter-Söhne-Geschichten sind in der diesjährigen Ausgabe des Theater Spektakels aktuell. Neben “She She Pop und ihre Väter“ mit “Testament“ und Ilay den Boer &amp; Het Huis van Bourgondië mit “This is my dad“ handelt auch dieses Stück von einer solchen Konstellation. Der italienische Regisseur Romeo Castellucci und die durch seine Schwester und ihn gegründete Socìetas Raffaello Sanzio gehen ein im Privatesten verhandeltes Thema – die Pflege eines kranken Elternteils – mit viel Einfühlungsvermögen an.</strong></p>
<div id="attachment_9577" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9577" title="ZH Theaterfestival 2011-16_550" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/09/ZH-Theaterfestival-2011-16_550.jpg" alt="Foto | Copyright: Andreas Scherer" width="550" height="366" /><p class="wp-caption-text">Foto | Copyright: Andreas Scherer</p></div>
<p>Die fortschreitende Demenz seines Vaters hat Arno Geiger in seinem Buch “Der König im Exil“ berührend und mit feinem Humor beschrieben. Dort erfährt man, was geschieht, wenn das Gehirn nicht mehr in den gewohnten Bahnen funktioniert. Und wie der Sohn und seine Geschwister mit dieser Situation umzugehen versuchen. Sehr oft gerät man an seine körperlichen und geistigen Grenzen, ist traurig, dass sich der Vater nicht mal mehr an seine eigenen Kinder erinnern kann, oder wütend, dass ihm immer öfter nicht einmal mehr die kleinsten Handgriffe gelingen.</p>
<div id="attachment_9570" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9570 " title="ZH Theaterfestival 2011-21_550" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/09/ZH-Theaterfestival-2011-21_5502.jpg" alt="Foto | Copyright: Andreas Georg Scherer" width="550" height="367" /><p class="wp-caption-text">Foto | Copyright: Andreas Scherer</p></div>
<p><strong>“Scusa mi, scusa mi tanto“</strong></p>
<p>Der Vater in Castelluccis Stück weiss sehr wohl, was er tut und was er nicht mehr tun kann. Er kann seinen Körper nicht mehr beherrschen, macht in die Hose und leider nicht nur dort hinein. Dicke, braune Exkremente, auch dünne, laufen – ja strömen – ihm aus den Windeln, die dann der Sohn mit grosser Geduld mehrmals versucht, wegzuräumen. Bis am Ende er und sein Vater gemeinsam, erschöpft und weinend dastehen. Von dem nicht enden wollenden in die Hosen machen und Wegputzen auf der einst schön weissen Loungegarnitur, mit dem weissen Loungetisch und dem weissen Teppich, dem blitzblank sauberen Glastisch in der Mitte und dem unschuldig weiss bezogenen Bett daneben. Alles befleckt und verschmiert von Kot und brauner Flüssigkeit. Der Vater weint verzweifelt, weil er sich schämt, und entschuldigt sich immer wieder: “Scusa mi, scusa mi tanto“ (worauf der Sohn beruhigend und sanft erwidert: “Non ti deve scusare, non ti deve justificare“). Der Sohn weint, weil er einerseits zur Arbeit wollte, zu der er nach mehrmaligem Windelnwechseln (das nichts genützt hat) aus seiner einst steril weissen Wohnung und jetzt zu einem Chaos voll braunem Kot und brauner Flüssigkeit verkommenen Ort viel zu spät kommen wird (einmal läutet sein Mobiltelefon), und andererseits, weil es ihm weh tut, den Verfall des Vaters so mit anzusehen. Die Überforderung der beiden ist für das Publikum körperlich spürbar.</p>
<div id="attachment_9571" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9571 " title="ZH Theaterfestival 2011-34_550" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/09/ZH-Theaterfestival-2011-34_550.jpg" alt="Foto | Copyright: Andreas Georg Scherer" width="550" height="366" /><p class="wp-caption-text">Foto | Copyright: Andreas Scherer</p></div>
<p><strong>You are (not) my shepherd</strong></p>
<p>Der Sohn geht hin zum überdimensionalen Ausschnitt des Gemäldes “Salvator Mundi“ des Renaissancekünstlers Antonello da Messina, dessen Jesus im Hintergrund die ganze Szenerie mit eine melancholischen Blick verfolgt. “Gesù“, Gesù, Gesù“, flüstert eine Stimme aus dem Off. Erst ertönt Kirchengesang, dann sanfte Klänge. Der Sohn hängt an den Lippen Jesu bis er abtritt, sein Vater folgt ihm, am Bild vorbei, mit dem Plastikkanister voll brauner Brühe, die eine Spur neben ihm her zeichnet.</p>
<div id="attachment_9572" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9572 " title="ZH Theaterfestival 2011-39_550" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/09/ZH-Theaterfestival-2011-39_550.jpg" alt="Foto | Copyright: Andreas Georg Scherer" width="550" height="750" /><p class="wp-caption-text">Foto | Copyright: Andreas Scherer</p></div>
<p>Dann plötzlich windet sich ein Körper hinter der Leinwand des Jesus-Bildes. Auf und ab und nach rechts und links. Das Bild wird von hinten bespritzt und der Körper-Wulst verschmiert alles auf dem abgebildeten Gesicht (bzw. der Leinwand, das Bild ist projiziert). Blasphemie? Wird hier das Leiden und Mitleiden Jesu in den Dreck gezogen? Oder ist es ganz einfach Frustration? Wo ist Gott? Weshalb sieht er zu und tut nichts? Weshalb erlöst er uns nicht, bevor es soweit kommen muss? Auf der Bühne folgt die Zerstörung des Bildes und die mögliche Antwort wird als leuchtender Text sichtbar: “You are my shepherd“ mit einem im Schatten stehenden “not“ auch als “You are not my shepherd“ lesbar. Der ganz offenbare Ikonoklasmus wird im Wort nicht bestätigt, ein Wanken zwischen Glaube und Nichtglaube, das wohl so viele Söhne und Töchter in ähnlichen, aber realen Szenen, hin- und herreisst.</p>
<p>Besprechung der Aufführung vom 3. September 2011.<br />
 Weitere Aufführung: 4. September 2011, 18.30 Uhr, Werft.<br />
 Dauer: ca. 50 Minuten</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Besetzung</strong><br />
 Gianni Plazzi (Vater) und Sergio Scarlatella (Sohn),<br />
 zusammen mit Dario Boldrini, Vito Matera und Silvano Voltolina</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Konzept und Regie: Romeo Castellucci<br />
 Musik: Scott Gibbons |<br />
 Mitarbeit Bühne: Giacomo Strada<br />
 Bauten der Objekte: Istvan Zimmermann, Giovanna Amoroso<br />
 Licht: Luciano Trebbi<br />
 Ton: Marco Canali</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Im Netz<br />
 </strong><a href="http://www.theaterspektakel.ch" target="_blank">www.theaterspektakel.ch</a><br />
 <a href="http://www.raffaellosanzio.org" target="_blank">www.raffaellosanzio.org</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Motus &#8220;Alexis. Una tragedia greca&#8221; &#124; Zürcher Theater Spektakel, Landiwiese</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/08/29/motus-alexis-una-tragedia-greca-zurcher-theater-spektakel-landiwiese/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Aug 2011 18:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lisa Letnansky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Alexis]]></category>
		<category><![CDATA[Motus]]></category>
		<category><![CDATA[Zürcher Theater Spektakel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=9532</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/08/29/motus-alexis-una-tragedia-greca-zurcher-theater-spektakel-landiwiese/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/motus_2010-low-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Zürich, Landiwiese - 27. August 2011: Wer ist Antigone heute? Das ist die Frage, die sich die Gruppe Motus aus Rimini in ihrem Stück “Alexis. Una tragedia greca“ stellt – ein modernes Theater muss heute ja auch immer ein Theater der Aktualität sein. Indem sie die antike Geschichte von Antigone in die heutige Zeit zu versetzen versuchen, entdecken Motus überraschende Parallelen, verlieren aber leider den grösseren Zusammenhang aus den Augen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="font-size: 16pt; font-weight: bold;">Aufruf zur Revolution!</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Motus &#8220;Alexis. Una tragedia greca&#8221; | Zürcher Theaterspektakel, Landiwiese</span></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_9538" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9538" title="32. ZÃ¼rcher Theater Spektakel 2011" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/motus_2010-low.jpg" alt="Bild|Copyright: Zürcher Theater Spektakel 2011/Christian Altorfer" width="550" height="360" /><p class="wp-caption-text">Bild|Copyright: Zürcher Theater Spektakel 2011/Christian Altorfer</p></div>
<h3>Wer ist Antigone heute? Das ist die Frage, die sich die Gruppe Motus aus Rimini in ihrem Stück “Alexis. Una tragedia greca“ stellt – ein modernes Theater muss heute ja auch immer ein Theater der Aktualität sein. Indem sie die antike Geschichte von Antigone in die heutige Zeit zu versetzen versuchen, entdecken Motus überraschende Parallelen, verlieren aber leider den grösseren Zusammenhang aus den Augen.</h3>
<p>Es ist der 6. Dezember 2008. Das Ensemble von Motus steckt mitten in den Proben zu ihrem vierteiligen Projekt “Syrma Antigónes“, als sie die Nachricht vom Tod des 15-jährigen Alexandros-Andreas Grigoropoulos, genannt Alexis, erreicht. Dieser war am Rande einer Demonstration in Athen von einem Polizisten erschossen und auf offener Strasse liegen gelassen worden. Die jungen Theaterleute sind von dieser Nachricht erschüttert und Alexis’ Geschichte sollte sie für lange Zeit nicht mehr in Ruhe lassen.</p>
<div id="attachment_9540" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9540" title="32. ZÃ¼rcher Theater Spektakel 2011" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/motus_2056-low.jpg" alt="Bild|Copyright: Zürcher Theater Spektakel 2011/Christian Altorfer" width="550" height="358" /><p class="wp-caption-text">Bild|Copyright: Zürcher Theater Spektakel 2011/Christian Altorfer</p></div>
<p><strong>Alexis: ein moderner Polyneikes?<br />
 </strong>“Alexis. Una tragedia greca“, der vierte und letzte Teil ihrer Antigone-Bearbeitung, ist nun gleichsam der Abschluss und der Anfang des Zyklus, da sie damit zum Beginn ihrer Langzeitrecherche im Herbst 2008 zurückkehren und den Stoff der Tragödie mit aktuellem Bezug neu zu deuten versuchen. Kann man Alexis, der schnell zu einer Identifikationsfigur und Ikone der jugendlichen Revolten in Griechenland aufstieg, als modernen Polyneikes bezeichnen? Sophokles’ Polyneikes durfte auf Befehl des Königs Kreon nicht bestattet werden und auch Alexis wurde nach seinem Tod einfach auf der Strasse liegen gelassen. Doch wichtiger ist die Reihe der Ereignisse, die der Tod beider nach sich gezogen hat – Antigone wehrt sich gegen den Befehl des Königs und weiht sich selbst dem Tod, indem sie den Bruder bestattet, und Alexis’ Tod schafft neue Parolen und Protestgründe für die jungen Athener, deren Unzufriedenheit und Gewaltbereitschaft danach noch stärker ist als zuvor.</p>
<p><strong>Keine Tragödie des Einzelnen<br />
 </strong>Indem Sie Auszüge aus den Antigone-Bearbeitungen sowohl von Sophokles als auch von Bertold Brecht verwenden, reflektieren die Darsteller über den antiken Stoff und dessen Umsetzbarkeit und Aktualität. Die sehr starke schauspielerische Leistung, eine grossartige Musikauswahl und die Miteinbeziehung moderner Medien tragen dazu bei, dass auf der Bühne eine glaubhaft bedrückte und verzweifelte Stimmung entsteht, die den Zuschauer sicherlich nicht kalt lassen. Das riesige, blutrote Quadrat auf dem Boden der Bühne und kreative Spielereien mit Klebeband schaffen eine leicht aggressive Grundatmosphäre. Die Video-Installation, die Silvia Calderoni alias Antigone wild umherrennend überall auf die Wände des Raumes projiziert, und die Fotos, die sie während dem Stück schiessen und die anschliessend den Hintergrund des Bühnenraums bedecken, vervielfachen die Figuren nicht nur optisch, sondern verweisen darauf, dass diese Tragödie keine einzelne ist, sondern eine vielfache, die überall geschehen kann und auch geschieht.</p>
<p><strong>Gewalt als letzter Ausweg<br />
 </strong>Die Versetzung des Antigone-Stoffes in die Gegenwart und die Frage nach der (damaligen und heutigen) Möglichkeit der Revolte und des Widerstandes ist vielversprechend. Die Parallelen zwischen Alexis’ und Polyneikes Tod und den Ereignissen, die sie ausgelöst haben, sind überraschend und glaubwürdig. Dennoch wirkt es, als ob sich die Gruppe Motus hier zu sehr auf diese Übereinstimmungen konzentriert und dabei den grösseren Zusammenhang aus den Augen verloren hat. In der Schlussszene steht das gesamte Ensemble inklusive einiger Personen aus dem Publikum auf der Bühne und ruft zum gemeinsamen Protest auf. Doch wie kommt es, dass der Protest hier immer mit einem zum Werfen bereit gehaltenen Stein und nie mit einem Protestschild oder ähnlichem versinnbildlicht wird? Ist das Werfen von Steinen auf Polizisten wirklich die einzige Möglichkeit für junge Menschen, heutzutage ihre Unzufriedenheit gegenüber dem Staat auszudrücken? Dass es Situationen gibt, in denen gewaltloser Protest keine Option mehr ist, zeigen aktuelle Krisen wie jene in Lybien und Syrien nur zu deutlich. Doch dass auch in Ländern wie Griechenland und Italien, wo doch immerhin demokratische Grundlagen gegeben wären, der Protest der einzige Ausweg &#8211; und dieser anscheinend immer ein gewaltbereiter sein muss &#8211; lässt bei diesem Stück leider einen etwas negativen Beigeschmack zurück.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Vorstellungen: 27. bis 29. August 2011<br />
 Dauer: 1 Std. 10 Min.</p>
<p>Idee &amp; Regie: Enrico Casagrande und Daniela Nicolò<br />
 Darsteller: Silvia Calderoni, Vladimir Aleksic, Benno Steinegger, Alexandra Sarantopoulou</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Im Netz<br />
 </strong>www.motusonline.com<br />
 www.theaterspektakel.ch</p>
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		<item>
		<title>Mokhallad Rasem &#8220;Iraqi Ghosts&#8221; &#124; Zürcher Theaterspektakel, Landiwiese</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2011/08/24/mokhallad-rasem-iraqi-ghosts-zurcher-theaterspektakel-landiwiese/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Aug 2011 16:44:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lisa Letnansky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Iraqi Ghosts]]></category>
		<category><![CDATA[Mokhallad Rasem]]></category>
		<category><![CDATA[Zürcher Theater Spektakel]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/08/24/mokhallad-rasem-iraqi-ghosts-zurcher-theaterspektakel-landiwiese/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/RASEM_1_B156-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Zürich, Landiwiese – 21. August 2011: Den Krieg auf die Bühne zu bringen, ist das erklärte Ziel der irakisch-belgischen Produktion “Iraqi Ghost“. Kein einfaches Vorhaben, das weiss auch der seit drei Jahren in Belgien lebende irakische Regisseur und Schauspieler Mokhallad Rasem. Mit geradlinigen Plots und anschaulichen Szenen ist dem Krieg nicht beizukommen, denn gerade für die involvierte Bevölkerung ist Krieg immer unlogisch, laut und surreal.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="font-size: 16pt; font-weight: bold;">Unterhaltungsmaschinerie Krieg</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Mokhallad Rasem &#8220;Iraqi Ghosts&#8221; | Zürcher Theaterspektakel, Landiwiese</span></p>
<div id="attachment_9466" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9466" title="RASEM_1_B156" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/08/RASEM_1_B156.jpg" alt="Foto | Copyright: Zürcher Theater Spektakel" width="550" height="367" /><p class="wp-caption-text">Foto | Copyright: Zürcher Theater Spektakel</p></div>
<p><strong>Den Krieg auf die Bühne zu bringen, ist das erklärte Ziel der irakisch-belgischen Produktion “Iraqi Ghost“. Kein einfaches Vorhaben, das weiss auch der seit drei Jahren in Belgien lebende irakische Regisseur und Schauspieler Mokhallad Rasem. Mit geradlinigen Plots und anschaulichen Szenen ist dem Krieg nicht beizukommen, denn gerade für die involvierte Bevölkerung ist Krieg immer unlogisch, laut und surreal.</strong></p>
<p>Lautes Knallen eröffnet das Stück. Es sind aber keine Schüsse, die da fallen, sondern Bretter, und hinter den Brettern kommen Tiermasken hervor: Ein Affe, eine Giraffe, ein Eisbär und ein Hahn. Was für den Zuschauer zunächst befremdlich wirkt, wird von den Akteuren bald erklärt, denn es geht hier nicht nur um die Menschen im Irak, sondern auch um die Tiere, die während dem Krieg aus Höfen und Zoos geflohen sind und verstört auf den Strassen umherirren. So versteht man bald, dass es dem Theatermacher Mokhallad Rasem weder um Politik noch um Recht und Unrecht geht, sondern viel mehr um das alltägliche Leben in einem Kriegsgebiet.</p>
<p><strong>“That’s democracy!“<br />
 </strong>“Iraqi Ghosts“ ist in mehrere Teile gegliedert. Nach der Tierszene folgt ein “Vorsprechen“, in welchem jeder der Darsteller sich selbst und sein Anliegen vorstellt. Die drei irakischen Schauspieler möchten dem Publikum zeigen, was ein Opfer ist und was Angst, doch bald schon reden alle durcheinander, bis Julia Clever, eine der beiden westlichen Vertreterinnen des Ensembles, sie unterbricht: “Let him talk, that’s democracy!“ In der Folge nehmen die beiden Schauspielerinnen dann eine vermittelnde Funktion ein: Mal sind sie Mütter, dann Geliebte, dann wieder souverän lächelnde, aber eigentlich desinteressierte Moderatorinnen. Im Kernstück des Schauspiels soll aufgezeigt werden, wie das Leben im Irak ablief und abläuft – vor dem Krieg, nach dem Krieg und während des Krieges. Dazu wird Skurriles mit Abstraktem, Symbolisches mit Realistischem vermischt, es entsteht eine “show that relates to dreams that relates to reality“.</p>
<p><strong>Durchhaltevermögen ist gefragt<br />
 </strong>Dem Zuschauer wird dabei viel Geduld und Verständnisbereitschaft abverlangt. Ob die Figuren nun in lautem Geschrei mit Nahrungsmitteln um sich werfen, oder ob sie in grotesken Masken mit quälend langsamen Bewegungen eine skurrile Choreographie vorführen, der Zuschauer fragt sich zwangsläufig, warum das alles so langatmig und abstrakt ist, und ob die ständige Wiederholung in mindestens drei Sprachen wirklich hätte sein müssen. Vereinzelt hört man herzhaftes Gähnen, es wird mit den Stühlen gescharrt und in Handtaschen gekramt. Doch alle, die Durchhaltevermögen beweisen, werden gegen Ende des Stücks belohnt. Der letzte Teil von “Iraqi Ghost“ wirkt nicht nur erhellend und erklärend, er wirft auch noch eine neue Thematik auf, die man hier nicht mehr als Anspielung, sondern nur noch als Wink mit dem Zaunpfahl bezeichnen kann, und die das gesamte Stück in ein anderes Licht rückt.</p>
<p><strong>Dank dem Krieg<br />
 </strong>Während einer bizarr anmutenden Preisverleihung werden anhand von kurzen Filmszenen beispielsweise das beste Opfer und die beste Darstellung der Angst ausgezeichnet. Der Krieg ist hier kein Alltag mehr, sondern Teil einer verstörenden Unterhaltungsmaschinerie. Dies lässt beim Publikum, das gerade zu diesem Zeitpunkt in einer solchen Unterhaltungsmaschinerie sitzt, umso mehr ein bedrückendes Gefühl zurück, als die irakischen Schauspieler deren Funktionieren erläutern: “Thanks to the war I am in this show. Thanks to the war you applaude me in the end. So don’t forget to say, while you’re applauding: Thanks to the war!“</p>
<p>“Iraqi Ghosts“ ist sicherlich keine leichte Kost. Man muss sich auch auf das Abstrakte und Verwirrende des Stücks einlassen, erst dann entfaltet es seinen berührenden und kritischen Charakter.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Vorstellungen: 20. bis 22. August 2011<br />
 Dauer: 1 Std. 40 Min.</p>
<p>Regie &amp; Bühnenbild: Mokhallad Rasem<br />
 Darsteller: Duraid Abbas, Julia Clever, Sarah Eisa, Ahmed Khaled, Mokhallad Rasem<br />
 Produktion: Monty Antwerpen und Jamaa El Irakyak</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Im Netz<br />
 </strong><a href="http://www.monty.be" target="_blank">www.monty.be<br />
 </a><a href="http://www.theaterspektakel.ch" target="_blank">www.theaterspektakel.ch</a></p>
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