<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>nahaufnahmen.ch</title>
	<atom:link href="http://www.nahaufnahmen.ch/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.nahaufnahmen.ch</link>
	<description>Das Magazin im Netz</description>
	<lastBuildDate>Thu, 11 Mar 2010 12:40:52 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.8.4</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>&#8220;Dinner für eine Leiche&#8221; von Jean G. Goodhind</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/11/dinner-fur-eine-leiche-von-jean-g-goodhind/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/11/dinner-fur-eine-leiche-von-jean-g-goodhind/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 12:40:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fee Anabelle Riebeling</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=2781</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/11/dinner-fur-eine-leiche-von-jean-g-goodhind/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/dinnerfüreineleiche-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>BISS dass der Fall geklärt ist
&#8220;Dinner für eine Leiche&#8221; von Jean G. Goodhind.
 
Im Rahmen von „Baths Internationaler Sternekoch- und Speisewoche“ – kurz BISS – soll der beste Koch der beschaulichen Stadt gekürt werden. Kurzfristige Änderungen in den Jury-Konstellation geben jedoch Rätsel auf, das Ergebnis sorgt für Verwirrung und Unmut. Als der Sieger ermordet wird, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>BISS dass der Fall geklärt ist</h1>
<h2>&#8220;Dinner für eine Leiche&#8221; von Jean G. Goodhind.</h2>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Im Rahmen von „Baths Internationaler Sternekoch- und Speisewoche“ – kurz BISS – soll der beste Koch der beschaulichen Stadt gekürt werden. Kurzfristige Änderungen in den Jury-Konstellation geben jedoch Rätsel auf, das Ergebnis sorgt für Verwirrung und Unmut. Als der Sieger ermordet wird, gerät in der Hotellerie einiges ins Wanken und Hotelbesitzerin Honey Driver avanciert erneut zur Privatdetektivin.</strong></p>
<p>Von Fee Anabelle Riebeling.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-2783" title="dinnerfüreineleiche" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/dinnerfüreineleiche.jpg" alt="dinnerfüreineleiche" width="200" height="331" />Gute Publicity ist in der Tourismusbranche das A und O. Und so ist der Hotelfachverband stets bemüht, nicht nur die ihm angeschlossenen Etablissements, sondern auch Branchenumfeld und Stadt ins rechte Licht zu rücken. Der Kochwettbewerb soll eine von vielen Etappen auf dem Weg zum erklärten Ziel sein. Doch das Interesse an sämtlicher Berichterstattung erlischt, als Oliver Stafford, Chefkoch des «Beau Brummell» und notorischer, obwohl verheirateter Frauenverführer, in seiner Küche ermordet aufgefunden wird.<strong><br />
 </strong></p>
<p><strong>Ein Mord ist nicht genug</strong><br />
 Mögliche Motive gibt es viele. Doch eines nach dem anderen muss ausgeschlossen werden, denn bald schon gibt es weitere Tote – sie alle kannten einander und standen beruflich in Kontakt. Der Mörder könnte aus dem näheren Umfeld stammen, was die Ermittlungen für Hannah „Honey“ Driver und ihren Kollegen nicht vereinfacht. Die Hotelbesitzerin, die seit dem Verschwinden eines amerikanischen Touristen (Jean G. Goodhind: «Mord ist schlecht fürs Geschäft», Februar 2009) zwischen Hotelfachverband und Polizei vermittelt und gemeinsam mit den Freunden und Helfern den damaligen Fall gelöst hat, ist wieder involviert. Beruflich – und privat.<strong><br />
 </strong></p>
<p><strong>Familienbande</strong><br />
 Während Honey Drivers Chefkoch sich kurz vor dessen Tod mit Opfer Nummer 1 überworfen hatte, war ihre Tochter Lindsey vorübergehend mit ihm liiert. Und ihre Mutter Gloria? Die alternde Dame ist – wieder einmal – frisch verliebt und versucht ihren Liebhaber, den wohlhabenden, aber äußerst zweifelhaften Fleischlieferanten Roland Mead (!) schon nach einigen Tagen in die Familie und in Honeys Geschäfte zu integrieren. Geht sie mit der Gefühlsduselei zunächst allen auf die Nerven, bringt das plötzliche Ende ihrer Romanze das nötige Licht in das Dunkel des verworrenen Falls.<strong><br />
 </strong></p>
<p><strong>Mord und Totschlag – und einige Mängel</strong><br />
 Obwohl Titel, Klappentext und die ersten Kapitel auf das Kochmilieu als Dreh- und Angelpunkt der Handlung hinweisen, stellt es nur den übergeordneten Rahmen dar, was wahre Kulinariker enttäuschen könnte. Nur stellenweise werden Rezepte erwähnt, die sporadische Nennung einzelner Speisen gerät zu einem oberflächlichen Name-Dropping. Da helfen auch die Übersetzungen der meist französischen Fachausdrücke in der Fußnote nicht viel. Es scheint, als sei die Autorin, die abwechselnd im englischen Wye Valley und auf einer vor Malta ankernden Yacht lebt, zu weit weg von der Welt, über die sie zu schreiben versucht.</p>
<p>Auch sprachlich gibt es in „Dinner für eine Leiche“ einiges zu bemängeln. Manche Formulierungen sind einfach zu schlicht, um für gut befunden zu werden. Viele Sätze senken aufgrund ihrer Kürze das Niveau. Wer darüber hinwegsehen kann, dem sei der Krimi trotzdem ans Herz gelegt: Von der ersten bis zur letzten Seite ist Jean G. Goodhinds neustem Roman mit weiblichem und typisch britischem Humor gespickt. Die Absurditäten nehmen im Verlauf der Ermittlungen und Wirrungen zu und so wundert es einen nicht, dass schließlich einer übergroßer, altertümlicher Büstenhalter die Ermordung von weiteren Personen verhindert.</p>
<p>Alles in allem ist Honey Drivers zweiter Fall lesenswert – sofern die Erwartungen nicht zu hoch sind.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Aufbau Verlag<br />
 304 Seiten, ca. CHF 16.50</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>ind</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/11/dinner-fur-eine-leiche-von-jean-g-goodhind/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die vergessene Zukunft</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/11/vergessene-zukunft/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/11/vergessene-zukunft/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 10 Mar 2010 22:07:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Geiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Archivierung]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Endlager]]></category>
		<category><![CDATA[Hieroglyphen]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Langzeitarchivierung]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilisation]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=2770</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/11/vergessene-zukunft/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/Hieroglyphen_Rosetta-Stein-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Unsere Spuren werden in 10'000 Jahren grösstenteils verwischt sein. Teilen wir den Menschen der Zukunft etwas mit über unsere Zivilisation!
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Die vergessene Zukunft</h1>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2772" title="Hieroglyphen auf dem Rosetta-Stein" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/Hieroglyphen_Rosetta-Stein.jpg" alt="Hieroglyphen auf dem Rosetta-Stein" width="233" height="223" /></p>
<p><strong>Diese Zivilisation wird untergehen.</strong> Vielleicht nicht gerade morgen, aber die Wahrscheinlichkeit ist recht gross, dass irgendwann einmal eine Katastrophe ihr ein Ende setzen wird. Der Einschlag eines Meteoriten könnte der Grund sein, eine Klimaänderung, eine Krankheit, wer weiss.</p>
<p>Aber darum soll es in diesem Text nicht gehen. Wir wollen uns nicht ausmalen, wie Millionen Menschen sterben und die Welt im Chaos versinkt. Vielmehr werfen wir einen Blick auf den Neuanfang danach – falls es einen gibt. Aber so optimistisch wollen wir heute sein!</p>
<p><strong>In der zivilisationslosen Zukunft</strong> werden die Menschen vielleicht wieder in Höhlen leben und sich von Beeren, Wurzeln und selbst gejagten Tieren ernähren. Sie werden einfache Werkzeuge basteln, Nadeln vielleicht, um Kleider aus Fellen zu nähen. Oder Äxte und Schneidwerkzeuge. Das Wissen und die Kultur der einstigen Zivilisationen werden längst vergessen sein – oder allenfalls noch in weitererzählten Legenden weiterleben. Wollen diese Menschen wieder eine Zivilisation aufbauen, werden sie alles neu erfinden müssen.</p>
<p>Dass sie nichts mehr von uns wissen werden, daran sind nicht zuletzt wir selber schuld. Denn einerseits konservieren wir unser Wissen äusserst lausig: Während Bücher bei guter Lagerung ein paar hundert Jahre lesbar bleiben können, sind digitale Daten das Speichermedium nicht wert, auf dem sie aufgezeichnet sind. Eine handelsübliche CD zum Beispiel hält bestenfalls ein paar Jahrzehnte.</p>
<p>Und andererseits benötigen digitale Daten eine riesige Infrastruktur, um sie überhaupt lesen zu können. Selbst wenn in einer fernen Zukunft einem Menschen eine noch intakte, weil hochwertige DVD in die Hände fallen sollte; was sollte er damit tun? Je nach Stand seiner Kultur wäre die Annahme gerade zu absurd, er würde sich einen Computer basteln und gleich noch den Strom dafür herstellen.</p>
<p>Immerhin, es gibt Menschen, die sich des Problems der kurzen Haltbarkeit von Information angenommen haben: Die Mitarbeiter der Long Now Foundation. Zwei ihrer Projekte sind bereits in Arbeit: Eine neue Ausgabe des Rosetta-Steins und eine mechanische Uhr, die mindestens 10&#8242;000 Jahre laufen soll.</p>
<p><strong>Robust muss sie sein</strong>, diese Uhr, und zukünftige Entdecker sollen ihre Prinzipien begreifen, sie nachbauen oder reparieren können. Ein gewisses technisch-kulturelles Niveau ist dazu allerdings Bedingung, es sollte ungefähr demjenigen der Bronzezeit entsprechen, die in Europa etwa um 2200 vor Christus  begann. Erste Prototypen dieser Uhr wurden bereits gebaut. Einer davon ist Orrery, ein Modell, dass auch die Position der sechs von Auge sichtbaren Planeten anzeigt.</p>
<p>Das Rosetta-Projekt ist benannt nach dem Rosetta-Stein, einer Granitplatte aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus. Auf ihr ist Text in drei Schriften – Altgriechisch, Demotisch und Hieroglyphen – eingemeisselt. Dieses Nebeneinander war bei der Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen sehr hilfreich.</p>
<p>Der neue Rosetta-Stein ist eine Scheibe von etwa acht Zentimetern Durchmesser. Sie soll dem zukünftigen Forscher ein Bild der heutigen Sprachenvielfalt vermitteln. Gefertigt ist sie aus einer widerstandsfähigen Nickellegierung und auf die Oberflächen der beiden Seiten ist ein Text in über 2000 verschiedenen Sprachen geätzt. Auf der Oberseite beginnt er gut von Auge lesbar und wird spiralförmig immer kleiner. Auf der Unterseite finden sich tausende Seiten Text in mikroskopisch kleiner Schrift.</p>
<p><strong>Mehr als der sprichwörtliche Tropfen</strong> auf ihn, sind die Bemühungen um den Stein allerdings nicht. Auch mit Nickelscheiben für alle Gebiete der Wissenschaft gelänge es höchstens, einen Bruchteil unserer Errungenschaften und Erkenntnisse zu sichern, aber immerhin.  Doch weitere derartige Scheiben gibt es (leider) noch nicht, geschweige denn grössere Projekte.</p>
<p>Doch selbst wenn man solche Scheiben überall auf dem Planeten verteilt und hofft, dass diese beständigen Mini-Archive dereinst tatsächlich gefunden werden,  stellt sich die Frage, ob sie je auch entziffert werden können. Dass es sich bei den eingravierten Zeichen um Schrift handelt, ist für den Menschen aus einer andern Welt – und das wird die Zukunft vielleicht sein – keinesfalls offensichtlich.</p>
<p><strong>Wie müssen wir heute Symbole gestalten</strong>, welche die Menschen auch in ferner Zukunft verstehen? Auch für die nuklearen Endlager ist dies eine Herausforderung. Wegen der Gefahr radioaktiver Strahlung sollen hier Symbole die Aussage: „Haltet Euch hiervon fern!“ vermitteln. Die Planer denken über Symbole nach, die schmerzverzerrte Gesichter zeigen oder flüchtende Menschen. Doch wer den Verdacht hegt, dass dies erst recht die Neugier wecken könnte, liegt wohl nicht völlig falsch.</p>
<p>Von Vorteil wäre die Neugier wohl für mögliche Objekte mit dem gespeicherten Wissen unserer Zivilisation. Doch wie sollten diese Objekte aussehen? Raffinierte Bauwerke wie die Pyramiden oder speziell markierte Höhleneingänge?</p>
<p>Klar scheint, dass nicht das ganze Wissen auf einmal zugänglich gemacht werden kann. Menschen auf einem tiefen kulturell-technischen Niveau können nichts mit Quantenphysik anfangen. Die Langzeitarchive sollen – auf raffinierte Weise – ihr Geheimnis und damit das Wissen unserer Epoche Schritt für Schritt preisgeben. Den Zugang erhält nur, wer auch mit den Erkenntnissen umgehen kann.</p>
<p>Vielleicht werden die Menschen der Zukunft diese Botschaften aus der Vergangenheit als göttlich oder ausserirdisch taxieren. Vielleicht werden sie sie eines Tages in ihre Museen stellen, so wie wir es in unseren Tagen mit geheimnisvollen Gegenständen wie der Himmelscheibe von Nebra tun.</p>
<p><strong>Eines ist gewiss:</strong> Dieser Text wird keine 10&#8242;000 Jahre überdauern. Wenn ihn jemand in eine Steinplatte meisseln wollte, wäre das natürlich anders. Interessierte melden sich bitte!</p>
<p><strong>Links:</strong><br />
 Die Organisation, die sich um die 10&#8242;000-Jahre-Uhr und die Rosetta-Scheiben kümmert:<br />
 <a href="http://www.longnow.org" target="_blank">http://www.longnow.org</a></p>
<p>Wie sollen Symbole aussehen, die jeder versteht, sogar Ausserirdische?<br />
 <a href="http://voyager.jpl.nasa.gov/spacecraft/goldenrec.html" target="_blank">http://voyager.jpl.nasa.gov/spacecraft/goldenrec.html</a></p>
<p>Artikel über langlebige Datenspeicher<br />
 <a href="http://swissengineering-stz.ch/pdf/stz0520093327.pdf" target="_blank">http://swissengineering-stz.ch/pdf/stz0520093327.pdf</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/11/vergessene-zukunft/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wie man einen Film macht, der den Oscar gewinnt</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/09/oscar_2010/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/09/oscar_2010/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 09 Mar 2010 14:24:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alexander Sigrist</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Avatar]]></category>
		<category><![CDATA[Hurt Locker]]></category>
		<category><![CDATA[Kochrezept]]></category>
		<category><![CDATA[Oscar]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=2746</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/09/oscar_2010/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/oscar_poster_2007.jpg class=imgtfe hspace=10 align=left width=150  border=0></a>Sie denken jedes Mal, wenn Sie die Oscarverleihung sehen, Sie könnten das auch? Also, einen Film drehen, der ganz sicher eine goldene Statue abstaubt? Und Sie können sicherlich auch eine bewegende Rede halten und dabei ordentlich die Tränchen rausdrücken? Das alles können Sie, aber Sie wissen nicht genau wie? Dann ist dies der Moment ihres Lebens - denn in diesem Artikel wird Ihnen gesagt, was es für einen Oscar gewinnenden Film braucht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Wie man einen Film macht, der den Oscar gewinnt</strong></h1>
<h2>Das Kochrezept zum Erfolg von Alexander Sigrist</h2>
<p><strong> </strong></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2754" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/oscar_poster_2007.jpg" alt="oscar" width="322" height="143" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Sie denken jedes Mal, wenn Sie die Oscarverleihung sehen, Sie könnten das auch? Also, einen Film drehen, der ganz sicher eine goldene Statue abstaubt? Und Sie können sicherlich auch eine bewegende Rede halten und dabei ordentlich die Tränchen rausdrücken? Das alles können Sie, aber Sie wissen nicht genau wie? Dann ist dies der Moment ihres Lebens &#8211; denn in diesem Artikel wird Ihnen gesagt, was es für einen Oscar-gewinnenden Film braucht.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Von Alexander Sigrist</p>
<p style="text-align: justify;"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Phase A: Die Story</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Story ist an sich nicht so wichtig &#8211; es reicht auch völlig, ein paar rudimentäre Szenen auf einer Serviette zu notieren. Der <strong>Hintergrund </strong>ist viel wichtiger. Am Besten man wählt ein an sich kritisches Szenario. Krieg macht sich immer gut; wenn es gerade einen realen gibt &#8211; umso besser. Dabei muss aber ganz vorsichtig vorgegangen werden: keinesfalls direkt kritisch sein! Keine politischen Machenschaften kritisieren! Viel besser, man nutzt den realen Hintergrund für eine allgemeine, humanitäre <strong>Wischi-Waschi-Botschaft</strong>. &#8220;Krieg ist schlecht!&#8221;, zum Beispiel, ist ein Dauerbrenner!</p>
<p style="text-align: justify;"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Phase B: Das Drehbuch</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es wird schwieriger: nun muss man die rudimentären Szenen und die Botschaft in einen Zusammenhang bringen. Am Besten man lässt die Szenen einzeln stehen und tut später so, als hätte man einen <strong>unterkühlten, distanzierten Erzählstil</strong> anstreben wollen. Die <strong>Dialoge sollten möglichst nichtssagend</strong> sein &#8211; so zeigt man dem Zuschauer, dass die Charaktere eigentlich gar nichts zum Reden haben und das Maul halten würden, wenn sie nicht für den Film reden müssten. Ganz mutige Naturen können auch eine Adaption schreiben, die haben aber meist nur wenige Chancen auf einen Sieg.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Achtung: NO GO!</strong> Ausufernde Liebeleien sind out! Die Tage von Filmen wie &#8220;Vom Winde verweht&#8221; sind definitiv vorbei! Viel lieber eine im Scheitern begriffene Ehe zeigen. 80% der Akademie-Mitglieder sind geschieden, da finden die das realistischer.<strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Phase C: Die Crew / Die Schauspieler</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Hier sollte besonderes Augenmerk dem/der <strong>RegisseurIn</strong> gelten. Sollten Sie jemand Bekanntes (z.B. die Ex-Frau des Regisseurs des erfolgreichsten Films aller Zeiten) gerade zur Hand haben: super! Das wäre ein <strong>Über-Bingo!</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Vielleicht möchten Sie den Oscar für den besten Film mit einem Oscar für den besten Schauspieler kombinieren? Muss nicht unbedingt sein, macht sich aber gut im Lebenslauf. Generell gilt: je älter und <strong>je näher am Tod der Schauspieler</strong>, desto grösser die Chance zu gewinnen. Manchmal hat die Akademie auch Mitleid mit Leuten, die ihr Leben lang in schlechten Komödien gespielt haben &#8211; wenn Sie ein Drama drehen, unbedingt auf so jemanden zurückgreifen!<strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Phase D: Ausführung</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es wird noch schwieriger, denn es ist sehr wichtig für das Gelingen, bei der Ausführung das richtige Mass zu finden. Auf keinen Fall zu viel Geld ausgeben &#8211; das erinnert die Akademie zu schnell an die allgemein ignorierte <strong>Hegemonie des Kapitalismus in Hollywood</strong> und könnte sensible Naturen abschrecken. Dasselbe gilt für Spezialeffekte: die sollten nur gemässigt eingesetzt werden &#8211; <strong>Aliens</strong>, egal ob nun krabbenartige oder blaue, sind auf alle Fälle ein ganz schlimmer Fauxpas. Wie gesagt, viel lieber auf Realismus setzen und diesen dann und wann mit ein wenig Hyperrealismus (z.B. überlangen Zeitlupen etc.) optisch interessant machen.<strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Phase E: Vermarktung</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Auch hier gilt: das richtige Mass ist entscheidend! Wer zu erfolgreich ist, der vertut seine Chancen auf einen Gewinn! Denn wenn ein Film zu erfolgreich ist, dann würde eine Auszeichnung für diesen Film gar die <strong>pseudo-elitäre Grundhaltung der Akademie</strong> untergraben, und das wollen wir ja nicht, oder? Nein, die Akademie ist unser Freund. Viel lieber <strong>an der Kinokasse floppen</strong>, damit hat man schon die halbe Miete.</p>
<p style="text-align: justify;">Wer noch ganz wild sein möchte, schreibt der Akademie kurz vor der Verleihung eine <strong>Email </strong>und denunziert die Konkurrenten. Das hat die Akademie besonders gern, zeigt es doch, wie sehr man vom eigenen Film überzeugt ist!<strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Phase F: Die Dankesrede</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Sie haben es geschafft! Nicht vergessen: möglichst<strong> viele Namen </strong>nennen, auch wenn kein Schwein weiss, wen sie da eigentlich meinen. Und mindestens dreizehn Mal die Akademie erwähnen. Sie können ihr niemals genug danken!</p>
<p style="text-align: justify;">Weinen ist out, Sie sollten eher mit tränenerstickter Stimme reden, das kommt besser an, ausser Sie gehören zu einer Randgruppe &#8211; dann <strong>sollten Sie heulen</strong>, was das Zeug hält!</p>
<p style="text-align: justify;"><br class="spacer_" /></p>
<p style="text-align: justify;">Sie haben nun alles zusammen, was sie für einen Sieg brauchen. Worauf waren Sie also noch? Raus mit Ihnen, mit einer Kamera, und filmen, filmen, filmen Sie! Wir sehen uns an den nächsten Oscars!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/09/oscar_2010/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Vom Sumo, der nicht dick werden konnte&#8221; von Eric-Emmanuel Schmitt</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/09/vom-sumo-der-nicht-dick-werden-konnte-von-eric-emmanuel-schmitt/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/09/vom-sumo-der-nicht-dick-werden-konnte-von-eric-emmanuel-schmitt/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 09 Mar 2010 12:49:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lisa Letnansky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=2730</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/09/vom-sumo-der-nicht-dick-werden-konnte-von-eric-emmanuel-schmitt/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/vomsumodernichtdickwerdenkonnte-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Mit der Erzählung „Vom Sumo, der nicht dick werden konnte“ legt der französische Schriftsteller Eric-Emmanuel Schmitt einmal mehr eine kurze Geschichte mit grossem Inhalt vor. Die Wandlung eines Strassenjungen zum Sumoringer regt zum Nachdenken an und gewährt einen Einblick in eine nur scheinbar fremdartige Welt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<h1><strong>Sieger über sich selbst</strong></h1>
<h2>&#8220;Vom Sumo, der nicht dick werden konnte&#8221; von Eric-Emmanuel Schmitt<strong><br />
 </strong></h2>
<p><strong>Mit der Erzählung „Vom Sumo, der nicht dick werden konnte“ legt der französische Schriftsteller Eric-Emmanuel Schmitt einmal mehr eine kurze Geschichte mit grossem Inhalt vor. Die Wandlung eines Strassenjungen zum Sumoringer regt zum Nachdenken an und gewährt einen Einblick in eine nur scheinbar fremdartige Welt.</strong></p>
<p>Von Lisa Letnansky.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-2741" title="vomsumodernichtdickwerdenkonnte" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/vomsumodernichtdickwerdenkonnte.jpg" alt="vomsumodernichtdickwerdenkonnte" width="255" height="420" />Mit „Milarepa“ legte Schmitt 1997 den Grundstein für seinen „Zyklus des Unsichtbaren“. Weltberühmt wurde er dann 2001 mit dem Buch „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, das 2003 auch verfilmt wurde. Es folgten „Oskar und die Dame in Rosa“ und „Das Kind von Noah“. Jetzt ist mit „Vom Sumo, der nicht dick werden konnte“ der fünfte Band des Zyklus&#8217; erschienen. Jede dieser Geschichten erzählt bestimmte Aspekte einer der grossen Weltreligionen; dieses Mal ist nun der Zen-Buddhismus an der Reihe, auch wenn dieser bei genauerem Hinsehen eine eher untergeordnete Rolle spielt.<strong><br />
 </strong></p>
<p><strong>Herr über Körper und Geist<br />
 </strong>Das grosse Thema dieser Erzählung ist also weniger der Zen-Buddhismus als vielmehr, wie man Herr über seinen Körper und seinen Geist werden kann, dass man einmal gefällte Meinungen überdenken und sein Selbst so neu definieren kann. Genau diese Wandlung durchlebt der fünfzehnjährige Strassenjunge Jun, der sein Leben in Tokio damit verbringt, wertlose Gegenstände an belebten Strassenkreuzungen zu verkaufen. Er ist sich sicher, an einer Art „universeller Allergie“ zu leiden, denn unter Menschen fühlt er sich unwohl und ein schlimmer Juckreiz macht ihm zu schaffen. Diese „Krankheit“ bestimmt sein ganzes Leben; die Schule hat er hingeschmissen, Freunde hat er keine und am liebsten meidet er jeglichen Kontakt zu anderen Lebewesen.<strong><br />
 </strong></p>
<p><strong>Der Gipfel der Geschmacksverirrung</strong><br />
 Juns Entwicklung beginnt mit einer scheinbar alltäglichen Begegnung, als eines Tages ein älterer Herr an ihm vorbei geht und meint: „Ich sehe schon, wie groß und stark du mal wirst.“ Der schmächtige und magere Jun glaubt zuerst, das Opfer eines übel gemeinten Scherzes zu sein, und auch nachdem der Alte ihm eine Eintrittskarte zu einem Sumoringkampf schenkt, fühlt er sich veräppelt. Mit diesem traditionsreichen Kampfsport kann Jun gar nichts anfangen, Sumo ist für ihn „der Inbegriff dessen, was ich an Japan haßte, der Gipfel der Geschmacksverirrung, der Fudschijama des Horrors“. Nachdem einige Zufälle dazu geführt haben, dass Jun auch noch sein letztes Hab und Gut verloren hat, entschliesst er sich aber doch noch dazu, diesem Wettkampf beizuwohnen.<strong><br />
 </strong></p>
<p><strong>Berufswunsch Sumoringer</strong><br />
 Sein Ekel und Unverständnis für die Kämpfer wandelt sich allmählich in Ehrfurcht und Begeisterung. &#8220;Von Kampf zu Kampf verwandelten sie das Sinnlose zu Sinnvollem, ihre Masse wurde Waffe, ihre Körperfülle Kraft, ihr Speck Hammer und Schild“. Es folgt das Unausweichliche: Jun beschliesst, in die Schule des Alten einzutreten und Sumoringer zu werden. Nun stellt sich ihm nur noch ein Problem: Trotz immenser Nahrungsaufnahme und dem Ziehen aller Register nimmt er kein einziges Gramm zu. Dennoch wird alles, was er von diesem Zeitpunkt an erlebt und erfährt, sein Wesen von Grund auf ändern und ihn seinen Glauben an die Menschheit wiederfinden lassen.</p>
<p>„Vom Sumo, der nicht dick werden konnte“ ist ein kurzer Band für einen ruhigen und entspannten Abend, die Seiten fliegen unter den Augen des Lesers nur so dahin, und wenn man ihn zuklappt, hat wenigstens der Optimist in uns ein paar Gramm zugenommen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Ammann<br />
 107 Seiten, ca. CHF 27.50</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/09/vom-sumo-der-nicht-dick-werden-konnte-von-eric-emmanuel-schmitt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>„Love Exposure“ von Sion Sono</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/08/love_exposure/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/08/love_exposure/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 21:48:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christof Zurschmitten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf DVD]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[bolero]]></category>
		<category><![CDATA[ero guro]]></category>
		<category><![CDATA[exte - hair extension]]></category>
		<category><![CDATA[koji wakamatsu]]></category>
		<category><![CDATA[Kritiker-Hybris]]></category>
		<category><![CDATA[love exposure]]></category>
		<category><![CDATA[mitsushima hikari]]></category>
		<category><![CDATA[nishijima takahiro]]></category>
		<category><![CDATA[ravel]]></category>
		<category><![CDATA[religion]]></category>
		<category><![CDATA[sakura ando]]></category>
		<category><![CDATA[Sasori]]></category>
		<category><![CDATA[sekten]]></category>
		<category><![CDATA[Shinji Aoyama]]></category>
		<category><![CDATA[sion sono]]></category>
		<category><![CDATA[splatter]]></category>
		<category><![CDATA[strange circus]]></category>
		<category><![CDATA[suicide club]]></category>
		<category><![CDATA[Takahisa Zeze]]></category>
		<category><![CDATA[Takashi Miike]]></category>
		<category><![CDATA[up-skirt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=2733</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/08/love_exposure/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/love-exposure-still03-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Coming of Age-Story, Verwechslungskomödie, Gender Bending, Karate-Flick, Sozialfarce, Milieustudie, High School-Romanze, Splatterorgie, Grand Guignol und und und und und: Sion Sono fasst mit „Love Exposure“ in knapp vier Stunden mehrere Jahrzehnte japanischer Pop-Kultur zusammen und führt sie zugleich zu einem Höhepunkt. Mit einem Wort: Wahnsinn.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Alles Menschenmögliche</h1>
<h2>„Love Exposure“ von Sion Sono</h2>
<h3 style="text-align: justify;"><img class="aligncenter size-full wp-image-2734" title="love-exposure-still03" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/love-exposure-still03.jpg" alt="love-exposure-still03" width="550" height="310" />Coming of Age-Story, Verwechslungskomödie, Travestie, Karate-Flick, Sozialfarce, Milieustudie, High School-Romanze, Splatterorgie, Grand Guignol und und und und und: Sion Sono fasst mit „Love Exposure“ in knapp vier Stunden mehrere Jahrzehnte japanischer Pop-Kultur zusammen und führt sie zugleich zu einem Höhepunkt. Mit einem Wort: Wahnsinn.</h3>
<p>Jorge Luis Borge hat &#8220;Barock&#8221; einmal definiert als jenen Stil, &#8220;der seine Möglichkeiten ausschöpft (oder ausschöpfen will), und der hart an die Karikatur seiner selbst grenzt&#8221;. So gesehen war Sion Sono schon länger dem Barock verpflichtet. Mindestens seit er seine pornographischen Anfänge sublimiert hat in Richtung &#8220;ero guru&#8221;, jener in Japan traditionsreichen &#8220;erotischen Groteske&#8221; vorwiegend verstörender Prägung. Seine letzten drei Filme &#8211; „Strange Circus“, „Suicide Club“, „Exte – Hair Extension“ &#8211; waren mit Ideen vollgestopfte Bilderreigen, die sich nie darum kümmerten, ihren überbordenden Symbolismus im Zaun zu halten. Die Grenze zur Selbstparodie war für Sono nur eine weitere, die zu überschreiten er nötigenfalls mehr als bereit war.</p>
<p>Auch &#8220;Love Exposure&#8221; ist kein Bruch mit dieser Linie &#8211; ein Novum ist er aber insofern, als er die von Borges gesetze Klammer aufsprengt. Sonos Karriere mag so einzigartig nicht sein &#8211; er teilt sich die Anfänge in der Pornographie mit Takahisa Zeze oder Koji Wakamatsu, den Hang zum Genre-Bending mit <a href="ttp://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/03/zum-kino-shinj…-bong-joon-hos">Shinji Aoyama</a>, die Vorliebe für den Exzess mit Takashi Miike und den Erfolg bei exklusiven Zirkeln ausländischer Kritiker mit allen der Genannten. Trotzdem hat Sono ein Alleinstellungsmerkmal: den Hang zum barocken Grössenwahn. Einem durchaus gesunden im Fall von &#8220;Love Exposure&#8221;, wo er unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten auch tatsächlich Grosses schafft.</p>
<p style="TEXT-ALIGN: justify"><strong>But wait, there&#8217;s more!</strong><br />
Eine Farce auf den Katholizismus, etwa. Yus (Nishijima Takahiro) Mutter stirbt, nicht jedoch ohne dem Sohn eine heilige Sehnsucht nach seiner persönlichen Maria einzupflanzen. Der Vater lässt sich aus Gram zum Priester weihen. Der Vater-als-Priester wird von einer alternden femme fatale verführt. Die femme fatale lässt den Priester fallen, der verhärmt Scham wie Selbsthass auf den Sohn projiziert. Der Beichtstuhl als letzter Ort der Kommunikation zwischen den beiden. Der Sohn sucht dem Bild nachzueifern, das sein Vater von ihm hat &#8211; nur dass ihm zum lästerlichen Saububen die Sünde fehlt. Also macht sich der Sohn auf, sie zu suchen, und wird fündig. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=QUarASqrVnY&amp;feature=related">But wait, there&#8217;s more!</a></p>
<p style="text-align: justify;">Ein Guru, dem das weibliche Geschlecht heilig ist, etwa. Der weiht Yu ein in eine geheime Lehre: Die der &#8220;Up skirt&#8221;-Fotografie nämlich, die Sono als nationale Obsession und Artistik zugleich in Szene setzt &#8211; unter Ausnutzung aller Freiheiten, die ihm die digitale Kamera lässt. Yu bekommt also eine Ausbildung in einer mehr sublimen denn martialischen Kunst und dank schlummernde Talente eine höhere Bestimmung gleich mit: Er wird zum König der Perversen, der &#8220;hentais&#8221;, und erhält sich doch insgeheim sein reines Herz. Der Zuschauer glaubt ihm (wie er wundernswerter Weise alle Figuren ihr Tun und Wollen glaubt), der Vater eher nicht. Er zürnt plangemäss, und entblösst in seinen Schlägen doch nur seine Liebe.</p>
<p style="text-align: justify;"><img class="aligncenter size-full wp-image-2735" title="LoveExposure_scene_01" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/LoveExposure_scene_01.jpg" alt="LoveExposure_scene_01" width="450" height="253" /></p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=abLB7aTmnE4">But wait, there&#8217;s much, much more!</a> Ravels &#8220;Bolero&#8221; etwa, der in Gesamtlänge halbstündig auf der Tonspur vor sich hin anschwillt, während ein weiteres Genre-Element  zur Filmspur findet: Ein Wunder nämlich, das punktgenau auf ein Parallelmontagefeuerwerk beschliesst und das Orchesterstück zum grand finale anheizt: Yu trifft Yoko (Mitsushima Hikari), erkennt in der Punk-Christin seine Madonna, und kriegt seine erste, keusche Erektion. Damit nun stehen auch der Romanze Tür und Tor offen, und die Verwechslungskomödie fällt gleich mit ins Haus: Yu ist in diesem Moment verkleidet. Als Frau, einerseits, als inkarnierte Popkultur zum Anderen. Der erste, vermeintlich lesbische Kuss wird getauscht in <a href="Permalink: http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/03/sasori_teil1">Mantel und Hut Sasoris</a>, jener Filmheldin, die sich bis heute zwischen Homo und Hetero, zwischen Arthouse und Trash, zwischen Feminismus und Exploitation <a href="http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/03/sasori_teil2">nicht entscheiden mag</a>. In diesem Moment, in dem der Film längst zur Opulenz angeschwollen ist, implodieren die Querbezüge vollends mit Aplomb &#8211; und jetzt erst läuft etwa nicht der Ab-, sondern der Vorspann. Mit einem Wort: Wahnsinn.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Much, much more!</strong><br />
Die äussere Uhr behauptet zu diesem Zeitpunkt irgendwas von 90 Minuten, die innere glaubt ihr kein Wort. Der Widerstreit der beiden wird den Erzählrhythmus etwas zur Ruhe bringen (niemals jedoch zum Erliegen), während wir Bekanntschaft machen mit Koike (Sakura Ando), einer anfangs enigmatischen, dann zunehmend mephistolphelischen Präsenz. Koike ist &#8211; wie viele andere in diesem Film &#8211; sozial geschädigt, aber märchenhaft unkaputtbar, und prädestiniert dazu, dem Bildhunger auch noch den Psychothriller, die Groteske, einige Gallonen Blut und ein Sekten- wie Krankenhausdrama einzuverleiben.<br />
Am Schluss werden wir für sie ebenso natürlich Sympathien empfinden wie für die heiligen Simpel Yu und Yoko, dann nämlich, wenn &#8220;Love Exposure&#8221; die Grenzen zu Allem Möglichen längst gesprengt haben wird und unser Urteilsvermögen darüber, was Gehörig ist und Ungehörig, was Passend und Unpassend, was Misslungen und Gelungen, gleich mit dazu. Die äussere Uhr spricht dann von 228 Minuten. Die innere freilich hört ihr Ticken längst nicht mehr, das untergegangen ist unter einer Lawine von Ideen und dem andauerenden Ausruf der Verzückung (oder Verwirrung, ganz nach Façon): WAAAHNSINNNNN.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Bonusmaterial: <br />
</strong>Die lieben Leute von Rapideyemovies haben wieder mal ein schönes Päkchen geschnürt: Der Film kommt seiner Länge gemäss auf zwei DVDs. Die eine davon enthält zusätzlich Dokus zum Film, einige Deleted Scenes, den obligaten Trailer und ein reich bebildertes Booklet mit einem Interview und Essay von Rüdiger Suchland (der sich auch <a href="http://www.artechock.de/film/text/kritik/l/loexpo.htm">online findet</a>).</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 05. Februar 2010 im Handel.</p>
<p>Originaltitel: Ai no mukidashi (Japan 2008)</p>
<p>Regie: Sion Sono<br />
Darsteller:  Nishijima Takahiro, Mitsushima Hikari, Sakura Ando et al.<br />
Genre: Alles. ALLES!<br />
Dauer: 228 Min.<br />
Bildformat: 1.85:1 (16: 9)<br />
Sprachen: Japanisch<br />
Untertitel: Deutsch (optional)<br />
Audio: DD 5.1<br />
Bonusmaterial: Dokumentation zum Film, Deleted Scenes, Kinotrailer, Booklet<br />
Vertrieb: Praesens Film</p>
<p><strong>Im Netz<br />
</strong>Wahnsinn in kondensierter Form bietet bereits <a href="http://www.youtube.com/watch?v=5Fxa5NuVrqU&amp;feature=PlayList&amp;p=3B0780D95F402607&amp;playnext=1&amp;playnext_from=PL&amp;index=17">der Trailer</a>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/08/love_exposure/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Nibelungenfieber&#8221; von Astrid Ule und Eric T. Hansen</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/05/nibelungenfieber-von-astrid-ule-und-eric-t-hansen/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/05/nibelungenfieber-von-astrid-ule-und-eric-t-hansen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 05 Mar 2010 09:16:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefanie Feineis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Astrid Ule]]></category>
		<category><![CDATA[Eric T. Hansen]]></category>
		<category><![CDATA[Nibelungenfieber]]></category>
		<category><![CDATA[Nibelungenlied]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=2718</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/05/nibelungenfieber-von-astrid-ule-und-eric-t-hansen/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/nibelungenfieber-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a> Über Nacht hat sich das unscheinbare Dörfchen Loch durch einen spektakulären Schatzfund in eine Touristenmetropole verwandelt. Den Einwohnern ist dies sofort klar, jetzt gilt es nur noch, die Aussenwelt davon zu überzeugen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Glaube versetzt Berge &#8211; und Nibelungenschätze</strong></h1>
<h2>&#8220;Nibelungenfieber&#8221; von Astrid Ule und Eric T. Hansen</h2>
<p><strong> </strong><strong>Über Nacht hat sich das unscheinbare Dörfchen Loch durch einen spektakulären Schatzfund in eine Touristenmetropole verwandelt. Den Einwohnern ist dies sofort klar, jetzt gilt es nur noch, die Aussenwelt davon zu überzeugen.</strong></p>
<p>Von Stefanie Feineis.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-2727" title="nibelungenfieber" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/nibelungenfieber.jpg" alt="nibelungenfieber" width="200" height="314" />Als im kleinbürgerlichen, auf vielen Landkarten schlichtweg vergessenen Dörfchen mit dem bezeichnenden Namen Loch nach einem schweren Unwetter eine goldene Kette gefunden wird, ist den Einwohnern sofort klar, was dies bedeutet: In der Nähe ihres Dorfes muss sich der sagenhafte Nibelungenschatz befinden. Schliesslich wurde dieser laut alten Schriften vor 1 600 Jahren bei „Lôche in den Rîn“ versenkt. Während der erfreute Bürgermeister sofort ein neues Ortsschild in Auftrag gibt und ein spektakuläres Festspiel zu planen beginnt, um Touristen aus aller Welt anzulocken, zweifelt man vor allem in der berühmten Nachbarstadt Worms am Verstand der Dorfbewohner und an der Existenz des Schatzes.<strong><br />
 </strong></p>
<p><strong>Andererorts…</strong><br />
 Während die Einwohner von Loch ganz aus dem Häuschen sind, hat der erfolglose Schriftsteller Steve Gunderson andere Probleme: die Inspiration für seinen Roman will sich nicht so recht einstellen, und seine Freundin Carla ist es leid, alle Rechungen alleine zu bezahlen. Auf ihr Anraten betätigt er sich widerwillig als Journalist und schickt einen Artikel über die Stadt Krefeld an die New York Times, der auch prompt gedruckt wird &#8211; allerdings nur, da Steve mit einem etablierten Journalisten gleichen Namens verwechselt wird.<strong><br />
 </strong></p>
<p><strong>Folgen einer Verwechslung</strong><br />
 Dennoch hat die Veröffentlichung des Artikel ungeahnte Folgen: Nur wenige Tage später erhält Steve das verlockende Angebot des Bürgermeisters von Loch, einen Artikel über die Festspielbemühungen und den Weg des unbekannten Dorfes zur Touristenmetropole und Nibelungenstadt zu schreiben. Steve erklärt sich einverstanden, und wird als berühmter amerikanischer Journalist empfangen und verwöhnt. Nur allzu bald kommt die Wahrheit ans Licht, aber weder Steve noch die inzwischen von aller Welt verlachten Locher geben so einfach auf. Schliesslich gilt es, ein nie dagewesenes Festspiel vorzubereiten und nebenbei noch den Schatz der Nibelungen zu finden. Doch existiert dieser wirklich?<strong><br />
 </strong></p>
<p><strong>Satire auf einen nationalen Mythos</strong><br />
 Das Autorenduo präsentiert in ihrem ersten gemeinsamen Werk eine ungewöhnliche und erfrischende Satire mit vielen Wendungen und Pointen, die sich unmöglich in der Kürze dieses Artikels zusammenfassen lassen. Kleinbürgertum und grossstädtische Arroganz, Politiker und Dorfbewohner, Journalisten und Theaterregisseure, niemand ist in dieser Satire sicher vor Spott und Hohn, vor allem jedoch nicht der grosse deutsche Mythos der Nibelungen.</p>
<p>Neben neuen fundamentalen Erkenntnissen zum Einfluss der Nibelungen auf das moderne Leben ist hier vor allem kurzweilige Unterhaltung garantiert.</p>
<p>Scherz<br />
 462 Seiten, ca. CHF 26.90</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/05/nibelungenfieber-von-astrid-ule-und-eric-t-hansen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Mary and Max&#8221; von Adam Elliot</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/01/mary-and-max/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/01/mary-and-max/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 10:49:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Hunziker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf DVD]]></category>
		<category><![CDATA[Adam Elliot]]></category>
		<category><![CDATA[Animation]]></category>
		<category><![CDATA[Barry Humphries]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Bana]]></category>
		<category><![CDATA[Philip Seymour Hoffman]]></category>
		<category><![CDATA[Toni Colette]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=2707</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/01/mary-and-max/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/Mary-and-Max-1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>"Dear Mr. Horowitz" – so beginnt die seltsame Geschichte der unwahrscheinlichen Freundschaft zwischen der kleinen Mary und dem dicken Max, die auf gegenüberliegenden Seiten des Globus mit ihrer Einsamkeit kämpfen. Adam Elliots Film trotzt dem 3D-Wahn und erzählt seine Geschichte mit guten alten Knetfiguren, die einem nahe gehen, ohne dass sie aus der Leinwand hopsen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Ein Leben in Briefen (und Plastilin)</h1>
<h2>&#8220;Mary and Max&#8221; von Adam Elliot</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-2708" title="Mary and Max 1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/Mary-and-Max-1.jpg" alt="Mary and Max 1" width="550" height="425" /></p>
<h3>&#8220;Dear Mr. Horowitz&#8221; – so beginnt die seltsame Geschichte der unwahrscheinlichen Freundschaft zwischen der kleinen Mary und dem dicken Max, die auf gegenüberliegenden Seiten des Globus mit ihrer Einsamkeit kämpfen. Adam Elliots Film trotzt dem 3D-Wahn und erzählt seine Geschichte mit guten alten Knetfiguren, die einem nahe gehen, ohne dass sie aus der Leinwand hopsen.</h3>
<p>Von Lukas Hunziker.</p>
<p>Als Mary Daisy Dinkle aus Mount Waverly, Australien, auf gut Glück einen Brief an den in New York lebenden Max Horowitz schreibt, hat sie keine Ahnung, dass daraus eine Brieffreundschaft auf Lebenszeit entstehen wird. Mary, die wegen einem Muttermal von anderen Kindern gehänselt und von ihren Eltern vernachlässigt wird, wünscht sich nichts mehr als einen Freund. Max, ein 44-jähriger jüdischer Atheist mit Asperger Syndrom, wünscht sich genau dasselbe. Auch er hat niemanden, der sich um ihn kümmert, und die Goldfische, die er sich als Kameraden hält, sterben ihm immer wieder weg. Somit scheint es ein Wink des Schicksals zu sein, dass Mary zufällig seinen Namen im riesigen New Yorker Telefonbuch trifft, und ihm einen Brief schickt, in der Hoffnung, eines Tages Antwort zu erhalten.</p>
<p><strong>Hochs und Tiefs einer Brieffreundschaft</strong><br />
 Als Max den Brief erhält, tut er erstmal, was er immer tut, wenn sich in seinem Leben etwas Aufregendes und Stressiges ereignet – er steht stundenlang auf einem Stuhl in der Ecke, klappert mit den Zähnen und schwitzt. Dann jedoch erkennt er, dass Mary vielleicht der Freund sein könnte, den er sich so sehnlich wünscht. Mutig schreibt er zurück, und damit beginnen seine und Marys Einsamkeit zu bröckeln. Die beiden schreiben sich fleissig, schicken sich ihre liebsten Süssigkeiten und diskutieren ihre Lieblings-Fernsehserie – die &#8220;Noblets&#8221;. Dann jedoch berührt Mary einen wunden Punkt von Max: Liebe &#8211; für den Autisten das rätselhafteste und verwirrendste Phänomen überhaupt. Max ist mit Marys Fragen zur Liebe dermassen überfordert, dass er in eine Klinik eingewiesen werden muss, wodurch die Brieffreundschaft ein unerwartetes Ende nimmt. Vorerst.</p>
<div id="attachment_2709" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-2709" title="Mary and Max 2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/Mary-and-Max-2.jpg" alt="© Studio / Produzent" width="550" height="366" /><p class="wp-caption-text">© Studio / Produzent</p></div>
<p>Fünf Jahre hat Adam Elliot in &#8220;Max and Mary&#8221; investiert; ein Jahr alleine brauchte er für die Entwicklung des Drehbuchs und 57 Drehtage waren erforderlich für die aufwendige Animation. Die Geschichte von &#8220;Mary und Max&#8221; basiert &#8220;auf einer wahren Geschichte&#8221;, insofern dass Elliot selber einen New Yorker Brieffreund hat, dem Max nicht unähnlich ist, und dem er seit mittlerweile 20 Jahren schreibt. Tatsächlich ist der Film in allen noch so absurden Details glaubwürdig und die Geschichte der beiden Brieffreunde, die unterschiedlicher nicht sein könnten, berührt und bewegt. Die Stimmen von Philip Seymour Hoffman (Max) und Toni Collette (Mary) passen herrlich zum autistischen New Yorker und dem näselnden australischen Teenager, und Barry Humphries&#8217; Erzählstimme verlieht der Geschichte die Wärme, die den Dialogen, oder besser gesagt den Briefen, fehlt.</p>
<p><strong>Ach was, 3D – Knete, Mann!</strong><br />
 Während in den aktuellen Animatonsblockbuster die Story unter der 3D-Verliebtheit je länger je mehr leidet, besinnt sich &#8220;Max und Mary&#8221; auf die Wurzeln des Animationsfilms zurück, und beweist einmal mehr, dass eine gute Story mit Knetfiguren weit mehr faszinieren kann als farbenfrohe 3D-Effekte. Mit einer Nomination für die Oscars wurde der Film allerdings nicht belohnt; auf der Longlist war er noch drauf, in die Endrunde kam er aber nicht. An der Technik kann dies jedoch nicht liegen: mit &#8220;Coraline&#8221; und &#8220;Fantastic Mr. Fox&#8221; sind zwei Filme vertreten, deren Figuren nicht (nur) aus dem Computer kommen. Also muss es an der Story liegen, die der Academy wohl eine Spur zu unorthodox ist – und dies mag vielleicht die beste Auszeichnung sein, die &#8220;Max und Mary&#8221; bisher bekommen hat.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 12. Februar im Handel.</p>
<p>Originaltitel: Mary and Max (Australien 2009)<br />
 Regie: Adam Elliot<br />
 Darsteller: Philip Seymour Hoffman, Toni Colette, Barry Humphries, Eric Bana<br />
 Genre: Tragikomödie<br />
 Dauer: 89 Minuten<br />
 Format: 16:9<br />
 Sprachen: Englisch, Französisch<br />
 Untertitel: Deutsch, Französisch<br />
 CH-Vertrieb: Warner</p>
<p><strong>Im Netz</strong><br />
 <a href="http://www.maryandmax.com/" target="_blank">Trailer und offizielle Seite</a><br />
 <a href="http://www.adamelliot.com.au/Home.html" target="_blank">Homepage von Adam Elliot</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/01/mary-and-max/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Séraphine&#8221; von Martin Provost</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/01/seraphine/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/01/seraphine/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 10:46:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fee Anabelle Riebeling</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf DVD]]></category>
		<category><![CDATA[Anne Bennet]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Provots]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrich Tukur]]></category>
		<category><![CDATA[Yolande Moreau]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=2702</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/01/seraphine/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/Seraphine-1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Anfang des 20. Jahrhunderts arbeitet Séraphine Louis als Zugehfrau in dem französischen Städchen Senlis. Die rare Freizeit verbringt sie mit dem Malen von Bildern. Ihre Gemälde werden von allen belächelt – bis ein deutscher Kunstsammler sie entdeckt. Ein Film nach einer wahren Begebenheit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Verkanntes und unbekanntes Genie</h1>
<h2>&#8220;Séraphine&#8221; von Martin Provost</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-2704" title="Seraphine 1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/Seraphine-1.jpg" alt="Seraphine 1" width="550" height="368" /><br class="spacer_" /></p>
<h3>Anfang des 20. Jahrhunderts arbeitet Séraphine Louis als Zugehfrau in dem französischen Städchen Senlis. Die rare Freizeit verbringt sie mit dem Malen von Bildern. Ihre Gemälde werden von allen belächelt – bis ein deutscher Kunstsammler sie entdeckt. Ein Film nach einer wahren Begebenheit.</h3>
<p>Von Fee Anabelle Riebeling.</p>
<p>Heute gilt Séraphine Louis, die auch Séraphine de Senlis genannt wird, als eine der wichtigsten Vertreterinnen der Naiven Kunst, wie man die betont einfachen, unbekümmerten und phantasievollen Arbeiten von Autodidakten nennt. Zwar hängen Séraphines Werke in verschiedenen französischen Museen, doch die Malerin selbst ist weitgehend unbekannt geblieben. Der preisgekrönte Film von Regisseur Martin Provost könnte dies nun ändern.</p>
<p><strong>Zwei Gesichter</strong><br />
 Unbeholfen, verschroben, wortkarg und zurückgezogen – so verbringt Séraphine ihre Arbeitstage. Doch in ihrer raren Freizeit bröckelt die Mauer und sie schleppt sich zielstrebigen Schrittes durch Ort und Umgebung. Sie klaut Kerzenwachs aus der Kirche, schöpft beim Fleischer heimlich Blut, sammelt Schlick aus dem Bach und kratzt Rinde vom Baum. In der Nacht mischt sie ihre Beute zu Farben zusammen und malt kräftige Bilder von Früchten, Bäumen und Blumen.</p>
<div id="attachment_2705" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-2705" title="Seraphine 2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/Seraphine-2.jpg" alt="© Studio / Produzent" width="550" height="368" /><p class="wp-caption-text">© Studio / Produzent</p></div>
<p>Durch einen Zufall wird sie 1912 von dem deutschen Kunstsammler Wilhelm Uhde entdeckt. Der Entdecker von «Le Douanier» Henri Rousseau, fördert nun auch Séraphine. Bis er zu Beginn des Ersten Weltkriegs Frankreich und somit auch seine Schülerin verlassen muss. Der Film fokussiert Begegnung und Trennung der platonisch Liebenden.</p>
<p><strong>Zweite Phase</strong><br />
 Erst 15 Jahre später kehrt er zurück und findet Séraphines Kunst gereift vor. Seine ehemalige Zugehfrau hat ihren Stil weiterentwickelt und malt nun bis zu zwei Meter hohe Bilder, die zu ihrer und zur Beunruhigung aller immer unruhiger werden. Dennoch ist der Kunstsammler nach wie vor von ihr überzeugt und möchte sie in Paris ausstellen. Doch die Wirtschaftskrise vereitelt seine Pläne.</p>
<p>Was nur als Aufschub gedacht war, bedeutet für Séraphines junge Karriere das Ende. Enttäuscht und zunehmend von Erscheinungen heimgesucht, bricht sie zusammen. Sie wird in die  Nervenheilanstalt Clermont-sur-l&#8217;Oise eingeliefert und zeichnet nie wieder auch nur einen Strich. Ihr Mäzen steht ihr nach wie vor bei und realisiert die versprochene Ausstellung 1929. Dreizehn Jahre später stirbt Séraphine.</p>
<p><strong>Liebeserklärung an die Kunst</strong><br />
 &#8220;Séraphine&#8221; ist ein unaufgeregtes Porträt dieser zunächst verkannten und viele zu lange unbekannten Malerin. Die gedeckten Farben lenken die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche: Séraphines Werke sind der rote Faden dieser wahren Geschichte, das herausragende Schauspiel ihrer Darstellerin (Yolande Moreau) ein Highlight. Körperhaltung, Mimik und Sprache sind stets überzeugend und waren 2009 den Juroren des französischen Filmpreises Césare eine Statue in der Kategorie &#8220;Beste Hauptdarstellung&#8221; wert.</p>
<p>In insgesamt sieben Kategorien gewann Martin Provosts Liebeserklärung einen César: In &#8220;Bester Film&#8221;, &#8220;Bestes Drehbuch&#8221;, &#8220;Beste Kamera&#8221;, &#8220;Beste Kostüme&#8221;, &#8220;Beste Ausstattung&#8221;, &#8220;Beste Musik&#8221;. Die Bandbreite zeigt, welch Meisterwerk nun auf DVD erschienen ist. &#8220;Séraphine&#8221; ist ein anspruchsvoller Film: Durch langsamere Schnitte und weniger Dialoge als gewohnt, erfordert das Porträt Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit, die belohnt wird.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 19. Februar im Handel.</p>
<p>Originaltitel: Séraphine (Frankreich 2008)<br />
 Regie: Martin Provots<br />
 Darsteller: Yolande Moreau, Ulrich Tukur, Anne Bennet<br />
 Genre: Drama<br />
 Dauer: 121 Minuten<br />
 Format: 16:9, 1:1.85<br />
 Sprachen: Französisch, Deutsch<br />
 Untertitel: Deutsch<br />
 CH-Vertrieb: Warner</p>
<p><strong>Im Netz</strong><br />
 <a href="http://www.seraphine-derfilm.de/" target="_blank"> Deutsche Seite und Trailer</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/01/seraphine/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Go Shopping&#8221; von Eva Tenzer</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/27/go-shopping-von-eva-tenzer/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/27/go-shopping-von-eva-tenzer/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 27 Feb 2010 19:20:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susanna Valentin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Tenzer]]></category>
		<category><![CDATA[Shopping]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=2697</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/27/go-shopping-von-eva-tenzer/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/01/goshopping-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>"Go Shopping" dreht sich nicht in allgemeiner Weise um globalen Kapitalismus, sondern "um den Kopf des Konsumenten, um seine Psyche, seine kleinen Leiden und Freuden und den Ort, wo sie entstehen: Das Gehirn." ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Shoppen will gelernt sein</h1>
<h2>&#8220;Go Shopping&#8221; von Eva Tenzer</h2>
<p><strong>&#8220;Go Shopping&#8221; dreht sich nicht in allgemeiner Weise um globalen Kapitalismus, sondern &#8220;um den Kopf des Konsumenten, um seine Psyche, seine kleinen Leiden und Freuden und den Ort, wo sie entstehen: Das Gehirn.&#8221; </strong></p>
<p>Von Susanna Valentin.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1722" title="goshopping" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/01/goshopping.jpg" alt="goshopping" width="200" height="345" />Unser Gehirn ist im Hinblick auf Konsum nicht vernünftig. Es macht uns damit das Leben schwer, dass es keineswegs asketisch leben möchte, das Gegenteil ist der Fall: Lassen wir uns vom Kaufrummel begeistern und erliegen den Verlockungen des Angebotes, schüttet unser Belohnungszentrum Glückshormone aus. Früher Luxus bestand darin, Wild schon zu jagen bzw. gejagt zu haben, bevor der Hunger kam. Vorräte anzulegen ist zwar in der heutigen westlichen Welt nicht mehr nötig, dennoch funktionieren unsere neuronalen Schaltkreise wie zu Steinzeiten: Zur Freude aller verkaufswilligen Unternehmen.</p>
<p><strong>Die Neuronen sind schuld</strong><br />
 Warum jubelt unser Hirn, wenn wir uns etwas Neues anschaffen? Warum lassen wir uns dermassen von Schönem beeindrucken? Warum gehen wir auf Schnäppchenjagd und wollen uns unnützen Luxus leisten? Fragen über Fragen und alle drehen sich um dasselbe Thema: Konsumlust. Neuropsychologen sind heutzutage gefragte Berater eines jeden Unternehmens. Wie genau und wo Werbung platziert wird, welche Musik in bestimmten Geschäften im Hintergrund dudelt, ist keine Laune des Zufalls. &#8211; Und unser Unterbewusstsein ist alldem ausgeliefert. &#8220;Alles nicht nötig!&#8221;, sagen Konsumkritiker und doch können auch sie nicht verhindern, dass die Neuronen sich regen, sobald ihr Träger in Versuchung gerät. Gehirnscans verschiedenster Studien lassen solche Verbindungen nicht leugnen. Moralisieren möchte deshalb auch Eva Tenzer nicht: Weder soll die Lust am Shoppen geschmälert werden, noch soll will die Autorin dazu anstacheln. Vielmehr handelt es sich um einen Versuch, sich selbst mit dem Konsum-Phänomen auseinanderzusetzen und es besser zu verstehen. Geshoppt werden darf also weiterhin, allerdings mit einer fundierten Wissensgrundlage.</p>
<p><strong>Mehr Inhalt als Verpackung</strong><br />
 &#8220;Go Shopping&#8221; hält eindeutig mehr, als es verspricht: Wirkt es doch auf den ersten Blick wie ein sehr einfaches Frauenbuch, welches alle Klischees abdeckt. Der blaue Einband im Päckchenstil stellt sich jedoch als reine Atrappe heraus, denn Eva Tenzer füllt diesen mit durchaus lesenswertem Inhalt. Gekonnt arbeitet sie mit wissenschaftlichen Grundlagen, die sie leicht lesbar verpackt. So kommt man zwar nicht um die gängigen Schuhkauf-Geschichten herum, diese sind jedoch in einen gehaltvolleren Rahmen eingepackt, woraus eine ansprechende Mischung entsteht. Auch Eva Tenzer hat von ihren Forschungen profitiert: Durch geschicktes Zusammenflechten von einem einfachen Erzählstil mit wissenschaftlichen Facts hat sie ein Sachbuch geschaffen, das sich verkaufen lässt.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Kiepenheuer<br />
 307 Seiten, ca. CHF 34.50</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Zur Autorin</strong><br />
 Eva Tenzer, geb. 1968, ist promovierte Historikerin und Wissenschaftsjournalistin. Sie schreibt für Psychologie heute, FAZ, Vogue, Handelsblatt, NZZ u.a. und lebt mit ihrer Familie in Oldenburg. Veröffentlichungen u.a.: „Älter werden wir jetzt“(2005), „Einfach schweben. Wie das Meer den Menschen glücklich macht“ (2007).</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/27/go-shopping-von-eva-tenzer/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#8220;A Single Man&#8221; von Tom Ford</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/26/a-single-man/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/26/a-single-man/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 26 Feb 2010 10:10:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Aebi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[A Single Man]]></category>
		<category><![CDATA[Colin Firth]]></category>
		<category><![CDATA[Julianne Moore]]></category>
		<category><![CDATA[Oscars]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Ford]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=2690</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/26/a-single-man/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/A-single-man-1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Dem Star-Modedesigner Tom Ford ist mit „A Single Man“, einer Adaption des gleichnamigen Romans von Christopher Isherwood über einen in den USA lebenden britischen Literaturprofessor, welcher den Unfalltod seines langjährigen Partners nicht verkraften kann, ein dialoglastiger, im besten Sinne altmodischer Debütfilm gelungen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Am Ende bleibt die Hoffnung</h1>
<h2>&#8220;A Single Man&#8221; von Tom Ford</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-2692" title="A single man 1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/A-single-man-1.jpg" alt="A single man 1" width="550" height="299" /><br class="spacer_" /></p>
<h3>Dem Star-Modedesigner Tom Ford ist mit „A Single Man“, einer Adaption des gleichnamigen Romans von Christopher Isherwood über einen in den USA lebenden britischen Literaturprofessor, welcher den Unfalltod seines langjährigen Partners nicht verkraften kann, ein dialoglastiger, im besten Sinne altmodischer Debütfilm gelungen.</h3>
<p>Von Christoph Aebi.</p>
<p>In einer Zeit, in der es von singenden und schauspielernden Supermodels sowie modelnden Sport-Ikonen nur so wimmelt, stellt sich die Frage: Braucht die Welt unbedingt einen Modemacher, der sich als Filmregisseur versucht? Im Falle von Tom Ford zumindest kann diese Frage mit grossem Nachdruck bejaht werden. Mit „A Single Man“ ist ihm als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion ein höchst bemerkenswerter und erstaunlich reifer Debütfilm gelungen.</p>
<p>Nach dem Hintergrund für die Qualität des Streifens muss nicht lange gesucht werden: Die Verfilmung des 1964 erschienenen, autobiographisch gefärbten Romans „A Single Man“ („Der Einzelgänger“) des Briten Christopher Isherwood, der nach seiner Emigration in die USA dem 31 Jahre jüngeren Don Bachardy (welcher sowohl als Berater an den Dreharbeiten teilnahm als auch einen Cameo-Auftritt im Film hat) begegnete und mit ihm eine bis zu Isherwoods Tod 1986 andauernde Liebesbeziehung führte, war für Tom Ford schlicht und einfach eine Herzensangelegenheit. Bereits mit Anfang zwanzig, als Kunstgeschichte-Student an der New York University, las Ford den Roman erstmals und war gerührt von der Ehrlichkeit und Einfachheit der Geschichte. Nach seinem kometenhaftem Aufstieg in der Glitzer- und Glamourwelt des Modedesigns, welche 1990 als Womenswear-Designer bei Gucci begann, und 2003, nachdem er das einst marode Unternehmen wieder auf Erfolgskurs gebracht hatte, als Kreativdirektor von Gucci und Yves Saint Laurent endete, las er das Buch nochmals und entdeckte eine tief spirituelle Seite der Geschichte: Ein Tag im Leben eines Mannes, der keine Zukunft für sich mehr sieht.</p>
<p>Mit dem nötigen Kleingeld ausgestattet, gründete Ford seine Filmproduktionsgesellschaft „Fade to Black“ sowie sein eigenes Modelabel und machte sich daran, ein Drehbuch für „A Single Man“ zu verfassen, was sich als einigermassen vertrackte Angelegenheit herausstellen sollte. Zwei Jahre verbrachte Ford damit, den in der Originalversion komplett als inneren Monolog verfassten Roman filmtauglich zu adaptieren. Das Resultat kann sich, wie gesagt, sehen lassen.</p>
<p><strong>Die Einsamkeit und Leere nach dem Tod des Partners</strong><br />
 Wir schreiben den 30. November 1962 und begleiten den nach Los Angeles emigrierten 52-jährigen Literaturprofessor George Falconer (Colin Firth), seine Off-Stimme im Ohr, durch den Tag. Alle Äusserlichkeiten im Film, inklusive Georges architektonisch extravagantem Glashaus und seiner Massanzüge (notabene, Product Placement lässt grüssen, von „Tom Ford Menswear“ angefertigt), sind von auserlesener Schönheit, nur Georges Augen strahlen eine grosse Leere aus. Seine Umwelt nimmt er wie in Zeitlupe wahr. Kein Wunder, acht Monate zuvor ist sein um etliche Jahre jüngerer Freund Jim (Matthew Goode), mit welchem George 16 Jahre lang zusammen war, bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen. Zur Beerdigung wurde George nicht eingeladen, Jims konservative Eltern konnten den Partner ihres Sohnes nie akzeptieren.</p>
<div id="attachment_2693" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-2693" title="A single man 2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/A-single-man-2.jpg" alt="© Ascot Elite" width="550" height="300" /><p class="wp-caption-text">© Ascot Elite</p></div>
<p>Mit der Leere, welche Jims Tod hinterlassen hat und der damit einhergehenden Trauer und Einsamkeit kommt George nicht zurecht. Umso mehr als er nicht öffentlich trauern kann. Homosexualität ist in den USA der 60er-Jahre, im durch die Kuba-Krise geprägten politischen Klima der Angstmacherei, wo die Regierung hinter jeder Strassenecke einen verkappten Kommunisten vermutet, immer noch ein Tabuthema. So wenig George in der Öffentlichkeit zu seinen politischen Ansichten stehen kann, so kryptisch bleiben den Studenten gegenüber seine Äusserungen zur privaten Lebenssituation: Solange eine Minderheit unsichtbar bleibe, meint er in einer Vorlesung nur, verursache diese grössere Angst.</p>
<p><strong>Die kleinen Geschenke des Lebens</strong><br />
 George fällt den Entschluss, sein Leben, in dem er keine Zukunft mehr sieht, an diesem Tag zu beenden. Fein säuberlich trifft er die Vorbereitungen, packt seinen Revolver ein, räumt an der Universität das Büro und in der Bank den Safe, kauft Kugeln für die Waffe und hinterlässt der Haushälterin eine Notiz zusammen mit dem noch fälligen Lohn, bevor er zum letzten Mal zu einem Abendessen bei seiner besten Freundin Charley (Julianne Moore) aufbricht. Diese ist eine wohlhabende, aber seit der Scheidung von ihrem Mann alleinstehende, die Einsamkeit im Alkohol ertränkende, ehemalige Studienkollegin. Mit ihr verbindet George auch eine lange zurückliegende, kurzzeitige Liebschaft, die Charley noch so gerne wieder aufnehmen würde. Jetzt, wo Jim tot ist, mit dem George, wie Charley in angeheiterter Stimmung erklärt, doch gar keine wirkliche Beziehung unterhalten habe. Eher sei diese ein Ersatz für etwas anderes, nämlich die wahre, heterosexuelle Liebe gewesen.</p>
<p>Bevor George seinem Leben definitiv ein Ende setzen will, sucht er noch ein letztes Mal die Bar auf, in welcher er damals Jim kennenlernte. Dort trifft er auf Kenny (Nicholas Hoult), einer seiner Studenten, der bereits im Verlaufe des Tages mehrmals ein mehr oder weniger zweideutiges Interesse an George zeigte und wohl einer der wenigen Menschen ist, die ahnen, was in Georges Kopf vorgeht. Die Begegnung und die Gespräche mit dem verführerischen, blauäugigen Schönling, der George weismacht, man müsse doch immer die kleinen Geschenke, die einem das Leben so beschere, schätzen, lassen George seine Entscheidung nochmals überdenken. Er lädt Kenny zu sich nach Hause ein, verbrennt die bereits geschriebenen Abschiedsbriefe. Ein Fünkchen Hoffnung auf einen Neubeginn, eine etwas weniger schwarze Zukunft, keimt auf, bevor das Leben doch noch in seiner ganzen Grausamkeit und Unberechenbarkeit zuschlägt.</p>
<p><strong>Gewagter Schachzug entpuppt sich als Glücksgriff</strong><br />
 Tom Ford ging mit der Realisierung von „A Single Man“ einige Risiken ein. So ist die Geschichte eines schwulen Literaturprofessors, der durch den Tod seines geliebten Freundes in eins schwere Lebens- und Sinnkrise gerät, wohl die Art von Film, welche bei Festivals gerne den ein oder anderen Preis gewinnt, jedoch kaum das Blockbuster-Massenpublikum anspricht. Die Besetzung seines Protagonisten mit dem Briten Colin Firth war ebenfalls gewagt, ist doch dieser dem Publikum vor allem als Herzensbrecher Mr. Darcy aus der Fernseh-Adaption des Jane Austen-Klassikers „Pride and Prejudice“ sowie als Mark Darcy aus „Bridget Jones Diary“ wohlbekannt. Dieser gewagte Schachzug stellt sich für den Film jedoch als Glücksgriff heraus: Colin Firth liefert als George Falconer eine wahrlich oscar-würdige schauspielerische Leistung ab (den Darstellerpreis der 66. Filmfestspiele von Venedig sowie einen BAFTA-Award hat er sich bereits geholt). Er trägt mit seiner Darstellung den ganzen Film. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl, ein Schauspieler sei hier am Werk.</p>
<p>Colin Firth verkörpert die unendliche Leere und Trauer, welche Georges ganzes Handeln und Denken überschattet, so überzeugend, dass der Eindruck entsteht, Firth sei mit der Figur des Literaturprofessors regelrecht verschmolzen. Von Julianne Moore ist man sich die eindringliche Darstellung komplexer Frauenfiguren gewohnt, es sei nur auf „The Hours“ und „Far from Heaven“ verwiesen. Ihre leider viel zu kleine Rolle als depressive, alkoholsüchtige Endvierzigerin wurde zu Recht mit einer erneuten Golden Globe-Nomination gewürdigt. Eine reife Leistung zeigt der zwanzigjährige Brite Nicholas Hoult in der Rolle des Studenten Kenny. Hoult machte vor acht Jahren an der Seite von Hugh Grant in „About a Boy“ erstmals auf sich aufmerksam und ist hier, sonnengebräunt, mit kurzem Haar und amerikanischem Akzent, kaum mehr wiederzuerkennen.</p>
<p><strong>Ein im besten Sinne altmodischer Film</strong><br />
 Eine gute Wahl bewies Tom Ford zudem mit der Verpflichtung des bisher kaum bekannten, erst 28-jährigen spanischen Kameramanns Eduard Grau. Die brillante Kameraführung, verbunden mit einer ausgeklügelten Farbdramaturgie, welche die Charaktere je nach Stimmung in blau-gräuliches oder orange-rotes Licht tauchen lässt, ist eine der weiteren Stärken des Films. Ebenfalls zum Gelingen trägt der schwelgerische Soundtrack bei, zu welchem Shigeru Umebayashi (man erinnere sich nur an seine Musik zum Film „In the mood for love“ von Wong Kar Wai) drei Themen komponierte.</p>
<p>Tom Ford hat mit „A Single Man“ in nur 21 Drehtagen einen gemächlichen, dialoglastigen und deshalb im besten Sinne altmodischen Film realisiert. Allzu pingelige Kritiker würden einige Szenen wohl als „abgefilmtes Theater“ betiteln. Nichtsdestotrotz ist das Debütwerk des Modemachers ein sehr persönlicher (Ford ist seit 23 Jahren mit dem Modejournalisten Richard Buckley, dem der Film gewidmet ist, verpartnert) und tieftrauriger Film geworden, der seinen Fokus auf ein ausgezeichnetes Drehbuch, brillante Darsteller und zum Weinen schöne Bilder und Musik legt. Kurzum: Wenn auch noch kein Meisterwerk, so doch zumindest ein Gesamtkunstwerk.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 11. Februar 2010 im Kino.</p>
<p>Originaltitel: A Single Man (USA 2009)            <br />
 Regie: Tom Ford<br />
 Darsteller: Colin Firth, Julianne Moore, Matthew Goode, Nicholas Hoult, etc.<br />
 Genre: Drama<br />
 Dauer: 99 Minuten<br />
 CH-Verleih: Ascot Elite</p>
<p><strong>Im Netz</strong><br />
 <a href="http://www.asingleman-movie.com" target="_blank">Offizielle Seite</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/26/a-single-man/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
