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		<title>Lukas Bärfuss &#8220;Zwanzigtausend Seiten&#8221; &#124; Schiffbau/Box, Zürich</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 06:00:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lisa Letnansky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/02/04/lukas-barfuss-zwanzigtausend-seiten-schiffbaubox-zurich/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/02/Zwanzigtausend_1289_550-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Wozu das ganze Spektakel?
Lukas Bärfuss &#8220;Zwanzigtausend Seiten&#8221; &#124; Schiffbau/Box, Zürich
Nach „Malaga“ stellte Lukas Bärfuss mit „Zwanzigtausend Seiten“ sein zweites Auftragswerk für das Schauspielhaus Zürich im Schiffbau vor. In seiner gewohnten Manier wirft er auch hier moralische Fragen auf, diesmal nach der Verantwortung des Individuums und der Auseinandersetzung eines Landes mit seiner Vergangenheit.
Von Lisa Letnansky.
Im Film [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="font-size: 16pt; font-weight: bold;">Wozu das ganze Spektakel?</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Lukas Bärfuss &#8220;Zwanzigtausend Seiten&#8221; | Schiffbau/Box, Zürich</span></strong></p>
<div id="attachment_10375" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><strong><img class="size-full wp-image-10375" title="Zwanzigtausend_1289_550" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/02/Zwanzigtausend_1289_550.jpg" alt="Ursula Doll (als Gosbor), Klaus Brömmelmeier (als Arzt), Sean McDonagh, Ludwig Boettger (als Arzt), Lukas Holzhausen (als Arzt) | Foto|Copyright: Tanja Dorendorf, T+T Fotografie" width="550" height="363" /></strong><p class="wp-caption-text">Ursula Doll (als Gosbor), Klaus Brömmelmeier (als Arzt), Sean McDonagh, Ludwig Boettger (als Arzt), Lukas Holzhausen (als Arzt) | Foto|Copyright: Tanja Dorendorf, T+T Fotografie</p></div>
<p><strong>Nach „Malaga“ stellte Lukas Bärfuss mit „Zwanzigtausend Seiten“ sein zweites Auftragswerk für das Schauspielhaus Zürich im Schiffbau vor. In seiner gewohnten Manier wirft er auch hier moralische Fragen auf, diesmal nach der Verantwortung des Individuums und der Auseinandersetzung eines Landes mit seiner Vergangenheit.</strong></p>
<p>Von Lisa Letnansky.</p>
<p>Im Film „Phenomenon“ wird George Malley (John Travolta) von einem geheimnisvollen Lichtstrahl erfasst und kann fortan in Sekundenschnelle ein Buch lesen und dazu noch dessen gesamten Inhalt behalten. In „Zwanzigtausend Seiten“ geschieht etwas Ähnliches, jedoch auf viel profanere Weise: Tony, einem jungen Lebemenschen, der sich bis anhin weder um Zukunft noch Vergangenheit Gedanken gemacht hat, fällt eines Tages eine Kiste Bücher auf den Kopf, woraufhin er deren Inhalt komplett auswendig kennt. Die Idee des Stücks ist also nicht ganz neu, aber durchaus vielversprechend, was zu einem Grossteil auch daran liegt, dass sämtliche besagte Bücher dasselbe Thema behandeln: die Rolle der Schweiz im 2. Weltkrieg.</p>
<div id="attachment_10376" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-10376" title="Zwanzigtausend Seiten von Lukas BÃ¤rfuss  UrauffÃ¼hrung Zwanzigt" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/02/Zwanzigtausend_0233_550.jpg" alt="Sean McDonagh, Lukas Holzhausen (als Wüthrich) | Foto|Copyright: Tanja Dorendorf, T+T Fotografie" width="550" height="366" /><p class="wp-caption-text">Sean McDonagh, Lukas Holzhausen (als Wüthrich) | Foto|Copyright: Tanja Dorendorf, T+T Fotografie</p></div>
<p><strong>„Man muss sich erinnern!“<br />
 </strong>Wie man sich vorstellen kann, wird Tony zunächst für verrückt gehalten und in eine Irrenanstalt verfrachtet. Seine Bemühungen, sich Glauben zu verschaffen, werden jedoch bald von einer tiefgreifenderen Problematik überschattet. Denn Tony, dem das Schicksal eines jungen jüdischen Flüchtlings, der aus der Schweiz deportiert worden war, nicht mehr aus dem Kopf gehen will, entwickelt eine regelrechte Obsession. „Man muss sich erinnern!“ lautet fortan sein Credo, „wir sind unglücklich, weil wir vergessen!“ Was folgt – die Suche nach einem Sprachrohr in die Öffentlichkeit – führt Tony von einem eigennützigen Profiteur zum nächsten, vom desillusionierten Geschichtsprofessor über einen aktivistischen Radiosender bis hin zu einer gross aufgezogenen Casting Show, und lässt seinen Wunsch nach Vergessen stetig wachsen.</p>
<p>Es ist also nicht nur das originelle Bühnenbild – ein rundum mit hunderten von Aktenordnern eingerahmtes quadratisches Versuchsfeld, in das die Zuschauer von allen Seiten wie Schaulustige oder Beobachter eines Experiments ihre neugierigen Blicke werfen können – das dem Publikum einen aussergewöhnlichen Theaterabend in Aussicht stellt. Lukas Bärfuss hat mit „Zwanzigtausend Seiten“ auch eine Story vorgelegt, die in mehrfacher Hinsicht über brisantes Potential verfügt: Die Frage nach Fluch oder Segen des Sich-Erinnerns, nach der Rolle der Schweiz im 2. Weltkrieg und jener des kleinen Bürgers in seinem Staat, und nicht zuletzt die Ausbeutung persönlicher Tragödien und ordinäre Freude am Fremdschämen im Privatfernsehen.</p>
<div id="attachment_10374" class="wp-caption aligncenter" style="width: 559px"><img class="size-full wp-image-10374" title="Zwanzigtausend Seiten von Lukas BÃ¤rfuss  UrauffÃ¼hrung Zwanzigt" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/02/Zwanzigtausend_1672_5501.jpg" alt="Sean McDonagh, Franziska Machens (als Lisa), Klaus Brömmelmeier (als John)  &lt;br&gt;Foto|Copyright: Tanja Dorendorf, T+T Fotografie" width="549" height="365" /><p class="wp-caption-text">Sean McDonagh, Franziska Machens (als Lisa), Klaus Brömmelmeier (als John)  Foto|Copyright: Tanja Dorendorf, T+T Fotografie</p></div>
<p><strong>Über das Ziel hinausgeschossen<br />
 </strong>Doch der Regisseur Lars-Ole Walburg scheint (anders als bei seiner grossartigen Inszenierung von Dürrenmatts „Die Panne“ am Schauspielhaus) weder in das thematische Potential dieses Stücks noch in Bärfuss’ messerscharfe Sprache und subtile Komik grosses Vertrauen gefunden zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass er aus dem Stück ein unnötig überbordendes Spektakel gemacht hat, das mit technischen Spielereien und massenhaft Requisiten immer wieder sich selbst aufmerksamkeitsheischend zu übertreffen versucht. Schlussendlich harmoniert die Inszenierung nicht mit dem Stück, sondern schiebt sich hüpfend, lärmend und armewedelnd davor wie ein dreijähriges Kind mit ADHS. Der Sinn beispielsweise des nicht komisch, sondern grotesk wirkenden Perücken-Spiels der Aktivistengruppe oder der zwar kurzen, aber scheinbar an beliebigen Stellen im Stück verteilten Ausdruckstänze, will sich den Zuschauern (oder mindestens der Verfasserin dieser Zeilen) nicht recht erschliessen.</p>
<p>Nicht das durchaus vorhandene Talent der Schauspieler – allen voran Sean McDonagh, der die Stimme seines Tony ständig auf meisterliche Weise sich nervös überschlagen lässt – ist es also, was die Begeisterung des Publikums zum Schluss in Grenzen hält, sondern dieses zu gewollt innovativ sein wollende Tamtam drum herum. Da treffen sich fragende Blicke und zuckende Achseln, und anstelle von Lobgesang hört man Sätze wie: „Het’s dir gfalle? Ja? Also, das muesch mer denn mal erkläre…“ Oder: „Wenn i gwüsst hett, dass de Schawinski da isch, hett i mi schöner azoge.“</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Besprechung der Premiere am 2. Februar 2012.<br />
 Weitere Vorstellungen bis am 15. März 2012.<br />
 Dauer: ca. 2 Stunden, keine Pause</p>
<p>Regie: Lars-Ole Walburg<br />
 Bühnenbild: Robert Schweer<br />
 Kostüme: Nina Gundlach<br />
 Musik: Tomek Kolczynski<br />
 Licht: Markus Keusch<br />
 Dramaturgie: Andrea Schwieter</p>
<p><strong>Besetzung<br />
 </strong>Sean McDonagh, Franziska Machens, Ursula Doll, Lukas Holzhausen, Klaus Brömmelmeier, Ludwig Boettger</p>
<p><strong>Im Netz<br />
 </strong><a href="http://www.schauspielhaus.ch" target="_blank">www.schauspielhaus.ch</a></p>
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		</item>
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		<title>&#8220;Trust&#8221; von David Schwimmer</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 09:03:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Hunziker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf DVD]]></category>
		<category><![CDATA[Catherine Keener]]></category>
		<category><![CDATA[Chatroom]]></category>
		<category><![CDATA[Chris Henry Coffey]]></category>
		<category><![CDATA[Clive Owen]]></category>
		<category><![CDATA[David Schwimmer]]></category>
		<category><![CDATA[Liana Liberato]]></category>
		<category><![CDATA[Pädophilie]]></category>
		<category><![CDATA[Trust]]></category>
		<category><![CDATA[Vergewaltigung]]></category>
		<category><![CDATA[Viola Davis]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/02/01/trust/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/02/trust-1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Im Internet ist nicht jeder der, der er zu sein vorgibt. Gerade Teenager, die sich dessen nicht bewusst sind, machen oft schmerzliche Erfahrungen mit Onlinebekanntschaften. Immer wieder fallen sie auch Pädophilen zum Opfer, die sich als Gleichaltrige ausgeben und sich mit ihnen anfreunden. "Trust" erzählt die Geschichte eines 14-jährigen Mädchens, das sich mit ihrer Onlinebekanntschaft trifft – und bald die ganze Welt gegen sich hat.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Minenfeld Internet</h1>
<h2>&#8220;Trust&#8221; von David Schwimmer</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-10361" title="trust 1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/02/trust-1.jpg" alt="trust 1" width="550" height="367" /></p>
<h3 style="text-align: justify;">Im Internet ist nicht jeder der, der er zu sein vorgibt. Gerade Teenager, die sich dessen nicht bewusst sind, machen oft schmerzliche Erfahrungen mit Onlinebekanntschaften. Immer wieder fallen sie auch Pädophilen zum Opfer, die sich als Gleichaltrige ausgeben und sich mit ihnen anfreunden. &#8220;Trust&#8221; erzählt die Geschichte eines 14-jährigen Mädchens, das sich mit ihrer Onlinebekanntschaft trifft – und bald die ganze Welt gegen sich hat.</h3>
<p>Von Lukas Hunziker.</p>
<p style="text-align: justify;">Annie ist ein Teenager wie viele andere: Sie schaut zu jenen an ihrer Schule auf, die weniger zu bieten haben als sie, sich aber besser verkaufen, sie streitet sich mit ihrer Mutter, welche Kleider für die Schule angemessen sind und sie verbringt jede freie Minute in Chatrooms. Dort lernt sie Charlie kennen, einen charmanten, sportlichen 16-Jährigen, der sie versteht, ihr Tipps fürs Volleyball gibt und ihr Komplemente macht, die sie sonst noch von niemandem bekommt. Bald jedoch gesteht er ihr, dass er nicht 16, sondern 20 ist und wenige Wochen darauf korrigiert er sein Alter noch einmal nach oben. Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber diesen Alterslügen lässt Annie zu, dass ihre Beziehung zu Charlie immer ernster wird – bis sie sich entschliesst, ihn zu treffen.</p>
<h3>Die Macht der Verdrängung</h3>
<p style="text-align: justify;">Als Annie am verabredeten Treffpunkt einem erwachsenen Mann in den Dreissigern gegenüber steht, fühlt sie sich verraten, wird wütend, vergiesst Tränen. Doch auch jetzt sind die Gefühle, die sie in den endlosen Chatgesprächen für Charlie entwickelt hat, stärker als die Vernunft. Das Treffen endet, wo es enden muss: in einem Hotelzimmer. Was dort passiert, erfahren Annies Eltern nicht von ihr selbst, sondern von einer Ärztin, die Annie auf Spuren einer Vergewaltigung untersucht, nachdem Annies beste Freundin die Polizei verständigt hat. Annie, die darauf beharrt, dass der Sex mit Charlie auch von ihr gewollt und Ausdruck ihrer Liebe war, sieht plötzlich die ganze Welt gegen sich: ihre Eltern sehen sie als Vergewaltigungsopfer, ihre beste Freundin hat ihren Freund angezeigt, und das FBI zwingt sie, bei den Ermittlungen gegen Charlie zu helfen.</p>
<p style="text-align: justify;">Dass Annie sich weigert, die Vergewaltigung anzuerkennen, ist ein ebenso spannender wie gewagter Wendepunkt in &#8220;Trust&#8221;. Anstatt zum Opfer von Charlie wird Annie vor allem das Opfer ihres Vaters, der in seiner Wut nicht verstehen will, warum Annie seine Rachegelüste nicht teilt. Anstatt seiner Tochter zur Seite zu stehen, beginnt er seine eigenen Ermittlungen anzustellen, tritt einer Organisation besorgter Eltern bei, welche die Adressen von Pädophilen im Internet veröffentlicht, und gibt sich schliesslich sogar als Mädchen aus, um Kontakte mit Pädophilen zu knüpfen.</p>
<div id="attachment_10362" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-10362" title="trust 2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/02/trust-2.jpg" alt="trust 2" width="550" height="367" /><p class="wp-caption-text">© Studio / Produzent</p></div>
<p style="text-align: justify;">Regisseur David Schwimmer gelingt es über weite Strecken, die Komplexität der Folgen eines Pädophilieverbrechens zu zeigen. Anstatt die Geschichte zu einem Thriller werden zu lassen, in dessen Zentrum die Verfolgung des Täters steht, fokussiert &#8220;Trust&#8221; ausschliesslich auf die Reaktionen in der Familie und dem unmittelbaren sozialen Umfeld von Annie. Einzig der Schluss des Films lässt etwas zu wünschen übrig, da die Handlung hier wieder in die Strasse der Klischees einmündet und wir z.B. erfahren, dass der Pädophile von Beruf Lehrer ist – ein Klischee, das stereotype Vorstellungen in Bezug auf Pädophilie nur fördert. Trotzdem: &#8220;Trust&#8221; ist ein gelungener und mutiger Film zu einem heiklen Thema, psychologisch differenziert und überraschend kritisch.</p>
<h3>Ausstattung</h3>
<p style="text-align: justify;">Die DVD enthält ein gut viertelstündiges Making of, 13 Minuten Interviews, deren interessantesten Aussagen aber auch im Making of vorkommen. Sehenswerter sind da schon die nicht verwendeten Szenen, die der Geschichte einige interessante neue Aspekte hinzufügen. Abgerundet wird das Bonusmaterial mit dem Trailer und den ziemlich sinnlosen 3 Minuten &#8216;Behind the Scenes&#8217;.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 2. Dezember 2011 im Handel.</p>
<p>Originaltitel: Trust (USA 2010)            <br />
 Regie: David Schwimmer<br />
 Darsteller: Clive Owen, Catherine Keener, Liana Liberato, Chris Henry Coffey<br />
 Genre: Drama<br />
 Dauer: 97 Minuten<br />
 Bildformat: 16:9<br />
 Sprache: Englisch, Deutsch<br />
 Untertitel: Deutsch<br />
 Audio: Dolby Digital 5.1<br />
 Bonusmaterial: Making of, Interviews, Behind the Scenes, Outtakes, Trailer<br />
 Vertrieb: Praesens Film</p>
<p><strong>Im Netz</strong><br />
 <a href="http://www.youtube.com/watch?v=k9J3fBSpXwc" target="_blank">Trailer</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Julian Barnes: &#8220;Vom Ende einer Geschichte&#8221;</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/30/julian-barnes-vom-ende-einer-geschichte/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 08:48:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lisa Letnansky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Julian Barnes]]></category>
		<category><![CDATA[Man Booker Prize 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Vom Ende einer Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/30/julian-barnes-vom-ende-einer-geschichte/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/VomEnde-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Erinnerungen können trügen. Das muss Julian Barnes' Protagonist Tony am eigenen Leib erfahren. Indem eine vierzig Jahre alte Geschichte neu aufgerollt wird, lässt Barnes seinen Helden die Unzulänglichkeiten des menschlichen Erinnerungsvermögens erkennen und stellt so jede Autobiographie in ein neues Licht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Reise in die Vergangenheit</strong></h1>
<h2><strong> </strong><span style="font-weight: normal;">Julian Barnes: &#8220;Vom Ende einer Geschichte&#8221; (Roman)</span></h2>
<h3><span style="font-weight: normal;"><strong>Erinnerungen können trügen. Das muss Julian Barnes&#8217; Protagonist Tony am eigenen Leib erfahren. Indem eine vierzig Jahre alte Geschichte neu aufgerollt wird, lässt Barnes seinen Helden die Unzulänglichkeiten des menschlichen Erinnerungsvermögens erkennen und stellt so jede Autobiographie in ein neues Licht.</strong></span></h3>
<p><span style="font-weight: normal;"><strong> </strong></span><span style="font-weight: normal;">Von Lisa Letnansky.</span></p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-10356" title="VomEnde" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/VomEnde.jpg" alt="VomEnde" width="200" height="327" />„Geschichte ist die Gewissheit, die dort entsteht, wo die Unvollkommenheiten der Erinnerung auf die Unzulänglichkeiten der Dokumentation treffen“, zitiert Adrian Finn in einer Geschichtsstunde den fiktiven Franzosen Patrick Lagrange. Adrian ist vor kurzem neu in die Klasse gekommen und hat mit Colin, Alex und Tony auch rasch Freunde gefunden. Ein wenig ernster und intellektueller als seine Altersgenossen, inspiriert er sie zu langen Diskussionen und der ständigen Interpretation ihrer Umwelt. Vor allem Tony, der Ich-Erzähler von „Vom Ende einer Geschichte“, ist fasziniert von seinem neuen Freund und muss schliesslich erkennen, dass Adrians Zitat über die Entstehung von Geschichte auch auf das alltägliche Leben des kleinen Bürgers anwendbar ist.</p>
<h3><strong>Der Held der Jugend</strong></h3>
<p>Im Mittelpunkt von Julian Barnes&#8217; neustem Roman steht der mittlerweile sechzigjährige Tony, der sich an seine Schul- und Jugendzeit erinnert. Ausgelöst durch einen mysteriösen Brief und eine damit verbundene Erbschaft, beginnt für ihn eine Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit, die schliesslich in einer Art Obsession endet. Denn Adrian, der bewunderte Schulkamerad, war damals mit einem Mädchen zusammen, von dem sich Tony selbst erst kurze Zeit zuvor getrennt hatte, und nahm sich nur wenig später das Leben. Scheinbar überlegt und besonnen wies er das Geschenk des Lebens, um das er nicht gebeten habe, zurück, wie er in seinem Abschiedsbrief klarstellte. Tony und seine Freunde waren sich erst unschlüssig, ob sie Adrians Tat beeindruckend oder dumm finden sollten, aber auch vierzig Jahre später verklärt sich Tonys Erinnerung an den Selbstmörder in ein Bild des jugendlichen Helden, der das Leben und die Zusammenhänge viel klarer erkannte als alle anderen.</p>
<h3><strong>Erinnerungen = Ereignisse + Zeit?</strong></h3>
<p>An dieser Vorstellung zweifelte Tony zeit seines Lebens nie. Erst eine Nachricht der Mutter des besagten Mädchens bringt die scheinbar so klaren Erinnerungen ins Wanken. Wie hatte sich das damals eigentlich genau abgespielt? Konnte er sich sicher sein, dass es wirklich so war, wie er immer geglaubt hatte? Diese Vorstellung lässt Tony nun nicht mehr los, er kramt in seinen Erinnerungen, liest alte Briefe und stellt Nachforschungen an. Langsam muss er erkennen, dass die „Annahme, dass Erinnerungen Ereignisse plus Zeit sind“, viel zu bequem ist, und dass, „je länger das Leben andauert, es desto weniger Menschen gibt, die unsere Darstellung infrage stellen, uns daran erinnern können, dass unser Leben nicht unser Leben ist, sondern nur die Geschichte, die wir über unser Leben erzählt haben“.</p>
<p>Diesen Suchprozess nach der eigenen Geschichte erzählt Tony nun einem nicht näher bezeichneten Gegenüber auf eine ganz unsentimentale und liebenswürdige Weise, verliert sich mal schwadronierend in amüsanten Anekdoten oder teilt ironische Seitenhiebe gegen sich selbst und seine Umwelt aus. Sachlich zerlegt er die Verblendungen und Überheblichkeiten der Jugend, entwirft ganz nebenbei ein Porträt der Klassengesellschaft im London der sechziger Jahre, legt die Bequemlichkeit und Passivität des Alters bloss und zersetzt so Stück für Stück die Vorstellung von der Unantastbarkeit einmal festgelegter Erinnerungen.</p>
<h3><strong>Ein schmales Buch mit grossen Nachwirkungen</strong></h3>
<p>Die Wirkung lässt auch nicht lange auf sich warten: Unweigerlich legt man das Buch von Zeit zu Zeit kurz weg, um sich selbst bestimmter Begebenheiten zu entsinnen und sich zu fragen, ob diese Erinnerungen wohl bei allen Involvierten ähnlich seien, oder ob das, was man als seine Vergangenheit bezeichnet, nur Erinnerungen sind, die die Zeit zu Gewissheiten verzerrt hat – ein Gedanke, der eine interessante Rolle spielen könnte, wenn man das nächste Mal eine Autobiographie aufschlägt.</p>
<p>„Vom Ende einer Geschichte“ nimmt den Leser also nicht nur mit auf die Reise in Tonys Vergangenheit, sondern auch immer in die eigene – eine bemerkenswerte Wirkung eines nur 192 Seiten starken Romans, für den Barnes 2011 zu Recht mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet wurde.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Titel: Vom Ende einer Geschichte<br />
 Autor: Julian Barnes<br />
 Übersetzerin: Gertraude Krueger<br />
 Verlag: Kiepenheuer &amp; Witsch<br />
 Seiten: 192<br />
 Richtpreis: CHF 27.90</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Christian Zehnder: &#8220;Julius&#8221;</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/29/christian-zehnder-julius/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 17:37:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra Despont</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Zehnder]]></category>
		<category><![CDATA[Julius]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/29/christian-zehnder-julius/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/julius1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Aus unendlicher Ferne scheint in Christian Zehnders kurzem Roman ein nüchterner, aber durchaus mitfühlender Beobachter das Erwachsenwerden des träumerischen Julius’ zu verfolgen. Ungreifbar und schwebend ist diese Geschichte, und dabei schön und poetisch. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Ein seltsamer junger Mann</strong></h1>
<h2>Christian Zehnder: &#8220;Julius&#8221; (Roman)</h2>
<h3><strong>Aus unendlicher Ferne scheint in Christian Zehnders kurzem Roman ein nüchterner, aber durchaus mitfühlender Beobachter das Erwachsenwerden des träumerischen Julius’ zu verfolgen. Ungreifbar und schwebend ist diese Geschichte, und dabei schön und poetisch. </strong></h3>
<p>Von Sandra Despont.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-10352" title="julius" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/julius1.jpg" alt="julius" width="200" height="311" />Julius ist ein etwas seltsamer Jugendlicher: ernst, träumerisch, sensibel. Er lässt vieles aus, was seine Altersgenossen umtreibt, von wilden Partys, Alkohol- und Drogenexperimenten kann keine Rede sein. Er wirkt träge, scheint keine Leidenschaften, keine Hobbies zu haben. Seine Pubertät verbringt er mit grosser Ernsthaftigkeit, wartend, eigentlich ist er erwachsener als jeder Erwachsene. Seine Eltern sind gleichzeitig froh und irritiert. Sie haben einen Jungen, der sich nicht auflehnt, aber auch nicht lacht, für den das Treppensteigen eine der interessantesten Tätigkeiten ist, die man sich vorstellen kann. Sein einziger Freund Martin wohnt seit langem in einem anderen Kanton, neue Freunde sucht sich Julius nicht. Bis er wieder an Martin denkt, ihn besucht, vergehen fünf Jahre. Erst als Julius wieder mit Martin zusammenzieht, kommt etwas mehr Bewegung in sein Leben.</p>
<h3><strong>Leben durch Martin</strong></h3>
<p>Doch wo ein Mensch wie Julius, der Tage braucht, um auf einfache Fragen zu antworten, der nicht mit Gleichaltrigen abhängt, sondern lieber stundenlang durch Felder streift und an Waldrändern sitzt, im Leben einen Platz finden soll, bleibt fraglich. Lange scheint er bloss durch seinen Freund Martin etwas vom prallen Leben, das dieser für sich entdeckt, abzubekommen. Er schreibt Martins Seminararbeiten, bleibt aber für sich selbst ohne jede Ambition, verharrt in einem stillen Nachdenken, begleitet Martin und seine Freundin, statt sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Auch das zärtliche Mädchen, mit dem er seine erste, beglückende Liebesnacht verbringt, ist eine Bekannte Martins. Julius bleibt Beobachter, Stadtwanderer, er lernt die Gesichter der Passanten auswendig, sieht den Verkäuferinnen nach ihrem Feierabend zu, wie sie der Sonne ausweichen und rauchen. Die Begegnung mit Jadwiga gibt seinem Leben schliesslich eine etwas genauere Richtung.</p>
<h3><strong>Rätsel Julius</strong></h3>
<p>In „Julius“ geht es um das Hinaustreten ins Leben, um das Erwachsenwerden eines Jugendlichen. Doch statt Einblicke in die Seele eines Pubertierenden zu erhalten, lesen wir einen Text, der seltsam zwischen neutralem Bericht und mitfühlender Charakterstudie schwankt. Einerseits scheint der Erzähler angesichts seines seltsamen Studienobjekts ebenso irritiert wie der Leser, andererseits wirbt er mit zärtlichen Worten um Verständnis für den andersartigen jungen Mann. Nahe kommt man dem Titelhelden Julius nicht; und wenn, dann nur in flüchtigen Augenblicken des Verstehens und nur kurz bevor Julius wieder zum Rätsel wird. Mit grosser Distanz blickt der Erzähler auf diesen Knaben, beschreibt, wie er Freundschaft und erste Liebe erfährt, wie er seinen Platz im Leben sucht. Doch Julius’ Gänge durch eine namenlos bleibende, aber doch als Bern erkennbare Stadt bleiben durch die meist fehlende Innensicht, die Zeitsprünge, den raschen Szenenwechsel kaum nachvollziehbar. Diese Ferne zu ertragen, ist nicht immer leicht. Man wünschte sich oft, man würde einen Schlüssel in die Hand bekommen, das einem das Rätsel Julius zu lösen hilft.</p>
<h3><strong>Gesucht poetisch mit stillen Gesten</strong></h3>
<p>Andererseits entfaltet „Julius“ gerade durch diese schwebende Ferne einen besonderen Reiz. Wie könnte ein so sonderbarer Mensch, der schon als Kind stundenlang über sich selbst nachgedacht hat, überhaupt gefasst werden? Julius ist so, weil er eben Julius ist. Er fügt sich nur widerstrebend in die normale Alltagswelt. Er geht in ihr spazieren, ohne Teil zu haben oder Teil zu werden, er beobachtet und leidet auf seine ihm ganz eigene Weise.</p>
<p>Wer diese Unsicherheiten etragen kann, wer den trägen, etwas gesucht poetischen Schreibstil von Christian Zehnder zu schätzen weiss, wer keine pompösen Ereignisse braucht, sondern mit zarten, stillen Gesten ebensogut leben kann, wird diesen Roman, der sprachlich so träumerisch und unbestimmt gestaltet ist wie sein Titelheld, mit Genuss lesen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Titel: Julius<br />
 Autor: Christian Zehnder<br />
 Verlag: dtv premium<br />
 Seiten: 120<br />
 Richtpreis: CHF 18.90</p>
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		<title>Tanja Weber: &#8220;Sommersaat&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 13:40:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra Despont</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Sommersaat]]></category>
		<category><![CDATA[Tanja Weber]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/29/tanja-weber-sommersaat/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/sommersaat-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>In ihrem ersten Kriminalroman um den Postboten Stifter und den bayrischen Kommissar Thalmeier enttarnt Tanja Weber eine Dorfidylle, zeichnet mit wenigen Worten selbst von Nebenfiguren Porträts mit scharfen Konturen und begeistert mit zwei eigentümlichen Protagonisten. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Besser als ein Pageturner</strong></h1>
<h2>Tanja Weber: &#8220;Sommersaat&#8221; (Kriminalroman)</h2>
<h3><strong>In ihrem ersten Kriminalroman um den Postboten Stifter und den bayrischen Kommissar Thalmeier enttarnt Tanja Weber eine Dorfidylle, zeichnet mit wenigen Worten selbst von Nebenfiguren Porträts mit scharfen Konturen und begeistert mit zwei eigentümlichen Protagonisten. </strong></h3>
<p>Von Sandra Despont.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-10343" title="sommersaat" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/sommersaat.jpg" alt="sommersaat" width="200" height="344" />Sinuskurve. Und das schon im allerersten Satz. Oje, oje, wenn ein Briefträger keine einfachen Biegungen mehr fährt, sondern Sinuskurven, dann kann man sich auf etwas gefasst machen&#8230; Will hier eine Autorin ihren Bildungsbürgertumswortschatz vor uns ausbreiten? – Aber nein. Weit gefehlt! An unserem Pöstler liegts, denn der hat einige Semester Philosophiestudium hinter sich und eine akademisch genaue Ausdrucksweise damit voll drauf! An der Sinuskurve ist also alleine er schuld. Und nicht nur daran, sondern auch an der erfreulichen Ernsthaftigkeit und Tiefe dieses Kriminalromans.</p>
<h3><strong>Ein Männlein liegt im Walde</strong></h3>
<p>Ein Männlein, steht, nein, liegt im Walde von Germerow, einem trostlosen, sich aus zwei grösseren planierten Strassen und zahlreichen Bausünden aus der DDR-Zeit zusammensetzenden Ort in Brandenburg. Stumm ist das Männchen auch, denn man hat ihm den Schädel so eingedroschen, dass ausser blutigem Matsch kaum noch etwas übrig ist. Das Männlein heisst Walter Demski, genannt Micha. Einer, dessen Leben mit dem Wort Totalabsturz am besten gefasst werden kann, der zu Lebzeiten Frau und Kinder terrorisiert und geprügelt hat, einer auch, der in der Zeit vor seinem Tod plötzlich als Fahrer von Luxuskarossen zu sehen war. Und einer, dem man nun auf äusserst brutale Weise ein Ende gesetzt hat. Der Anfangsverdacht fällt auf den Entdecker der Leiche, den Postboten Johannes Stifter, doch bald wird klar: In diesem unscheinbaren Dorf in Brandenburg ist nicht nur der Briefträger ein etwas seltsamer Kerl, hier haben auch noch einige andere Leute etwas zu verbergen.</p>
<h3><strong>Bayer, Bulle, sympathischer Mensch</strong></h3>
<p>Voilà, die Leiche hätten wir, skurril geschmückt mit Blümchen, die der mongoloide Sonny in seinem unschuldigen Spiel sorgfältig zu einem lächelnden Mund arrangiert hat. Und hier ist auch schon der Ermittler: Thalmeier, seines Zeichens alter Sack, Wessi, und, das Schlimmste, Bayer. Sein Markenzeichen: Ein Strickjanker, den er trotz Hitze mit grosser Sturheit ständig übergezogen hat, selbst wenn ihn dieser Janker schon einmal an den Rand einer Ohnmacht treibt und sein Kollege Galicek ihn deswegen als armen Irren und als „du Bayer du!“ beschimpft. Gemütlich, mitfühlend, schlau, und vor allem müde bewegt er sich durch die Landschaft Brandenburgs, in die er geflohen ist, um Vergessen zu können. Während der Aufklärung des Falls in Germerow trifft er auf eine Figur, die ebenso skurril und liebenswert ist wie er selbst: Johannes Stifter, ein Postbote, der zweiundzwanzig Semester Philosophie studiert hat und nun seit zehn Jahren mit dem Verfassen seiner Doktorarbeit befasst ist, hat in der brandenburgischen Einöde Germermows die Einfachheit und in der automatisierten, entfremdeten Arbeit des Ablesens und Einordnens von Post eine kontemplative, ihn in einen glücklichen Zustand versetzende Arbeit gesucht und gefunden. In Thalmeier findet er etwas, das er bisher für unvereinbar gehalten hat: Einen bayrischen Bullen, der zudem noch ein sympathischer Mensch ist. Beide ermitteln auf ihre Art und Weise und bloss punktuell treffen ihre Welten aufeinander. Doch auch ohne dass sich die beiden in die Arme fallen oder einander ihre Lebensgeschichte darlegen, wird deutlich, dass sich zwischen Postbote und Polizist ein leises Vertrauen anbahnt, das in einer Freundschaft enden könnte.</p>
<h3><strong>Germerow – totentwickelte Idylle</strong></h3>
<p>Und dann dieses Germerow: Ein Ort, in dem Kieswege pedantisch geharkt werden, in dem an einem Montagvormittag nur Alte und Hoffnungslose unterwegs sind. Alte und Hoffnungslose, die einander nicht helfen, weil sie genug mit sich selbst zu tun haben. Ein Ort mit Menschen, die sich früher einen bescheidenen Wohlstand zusammenbeobachtet haben und gewohnheitsmässig weiterbeobachten, ein Ort, an dem eine alleinstehende Mutter, Sozialhilfeempfängerin, dazu noch mit einem mongoloiden Kind, kaum auf Mitgefühl und Hilfe hoffen kann. Ein Ort, der zu DDR-Zeiten „totentwickelt“ wurde, mit einem Unterstand an der Bushaltestellte, der ein „Relikt aus der Hochzeit der Pfuschbauten“ ist. Ein Ort, an dem die Menschen unsichtbar in ihren Häusern hocken, aber plötzlich auftauchen, sobald es etwas zu sehen gibt. Eine Idylle, die nur so nach Enttarnung schreit.</p>
<h3><strong>Beharrliche Klugheit statt Zaubertricks</strong></h3>
<p>In diesem Germerow und in der Beschreibung seiner Menschen zeigt sich die Qualität von „Sommersaat“. Am Mordfall liegt es sicher nicht, dass man „Sommersaat“ mit Vergnügen liest. Es liegt sicher nicht an der spektakulären Ermittlungsarbeit von Thalmeier, denn der gemütliche Bayer setzt mehr auf beharrliche Klugheit als auf sensationelle Zaubertricks der Ermittlungskunst. Es liegt ganz bestimmt nicht an dem Verlangen, einen brutalen Mord aufgeklärt zu sehen, denn der tote Micha weckt, je mehr man über ihn erfährt, eher Abscheu und Verachtung, keinesfalls aber den Wunsch, seinen Mörder dingfest gemacht zu sehen. Nein, es ist eine ernsthafte, mitfühlende Weise, Orte und Figuren fassbar zu machen, die „Sommersaat“ vor anderen Kriminalromanen auszeichnet. Tanja Weber charakterisiert liebevoll, kritisch, humorvoll und immer unterhaltsam, changiert gekonnt zwischen verschiedenen Erzählperspektiven und zeichnet ihre Figuren handelnd, denkend und sprechend ungemein genau und anschaulich. Mit wenigen Sätzen führt einen Tanja Weber nahe an ihre Figuren heran und lässt einen hinter Fassaden blicken, ohne in Gefühlsduselei zu verfallen. So bringt sie etwa das Wesen eines Tatverdächtigen kurz und bündig auf den Punkt, indem sie feststellt, dass er „auch als Mann ein eher preiswerteres Modell“ gewesen sei, macht die Not eines sozial benachteiligten Jungen fast körperlich spürbar, dessen Leben als Loser vorgezeichnet ist, der sich nach Mama sehnt und es in seinen Gewaltphantasien als Monster im Kampfrausch allen zeigt, und Tanja Weber schafft mit dem bayrischen Bullen und dem philosophierenden Postboten zwei unglaublich sympathische, vielschichtige Figuren, denen man gerne folgt und von denen man nur zu gern mehr lesen möchte.</p>
<h3><strong>Kein Pageturner&#8230;</strong></h3>
<p>Wer von einem Kriminalroman spektakuläre Fälle erwartet, wer auf jeder Seite ungeduldiger auf die Lösung des Rätsels hinlesen, wer wie im Fieber die Seiten blättern will, ist bei „Sommersaat“ falsch, denn einen so genannten Pageturner hat Tanja Weber wahrlich nicht geschrieben. Zu langsam ist der Erzählrhythmus, zu viele Seiten verwendet sie auf die Beleuchtung von Hintergründen, zu sehr weicht sie von der strikten Konzentration auf Fall und Ermittlungsarbeit ab. „Sommersaat“ ist mehr Roman als Krimi und mag deshalb den Fans von actiongeladener Spannungsliteratur eher lahm und so gemütlich vorkommen wie der ermittelnde Kommissar.</p>
<h3><strong>&#8230;sondern etwas viel Besseres</strong></h3>
<p>Wer jedoch eine tiefe Figurenzeichnung, die sorgfältige Gestaltung einer Atmosphäre und unaufgeregte, präzise Prosa schätzt, der liegt mit „Sommersaat“ richtig. Hier ist der Weg das Ziel, und zwar in einem so hohen Mass, dass man, je länger man liest, desto mehr das Ende des Romans bedauert, noch bevor man es kennt. Denn das Ende bedeutet ein Abschied vom Wolljanker Thalmeiers und von dem philosophierenden Postboten Stifter. Es bedeutet, Figuren zu verlassen, die man lieb gewonnen hat und an deren Leben man Anteil nimmt. „Sommersaat“ ist kein Krimi, den man nach der Lösung des Falls als gelesen abhakt, im Büchergestell verschwinden lässt und nicht mehr hervornimmt, solange man sich noch daran erinnern kann, wer schlussendlich der Mörder war. „Sommersaat“ ist etwas viel Besseres, nämlich ein Buch, das die besten Elemente von Krimi und Roman in sich vereinigt und damit zu ernstzunehmender Literatur wird, die über blosse Unterhaltung hinausgeht.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Titel: Sommersaat<br />
 Autor: Tanja Weber<br />
 Verlag: Aufbau<br />
 Seiten: 350<br />
 Richtpreis: CHF 28.90</p>
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		<title>Philipp Mattheis: &#8220;In Dingenskirchen&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 07:33:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ferdinand Laudage</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[In Dingenskirchen]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Mattheis]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/28/jenseits-der-dorfidylle-philipp-mattheis-in-dingenskirchen-geschichten-vom-arsch-der-welt/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/indingenskirchen-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Der Prozess des Erwachsenwerdens ist sowieso schon mit vielen Querelen verbunden. Doch wer ausgerechnet dort der Pubertät entfliehen muss, wo Tristesse und Monotonie Tür an Tür leben, hat es besonders schwer. Der heute 32-jährige Autor Philipp Matthies beschreibt seine im Grunde alles andere als müde Jugend im fiktiven Münchner Vorort Dingenskirchen und erklärt dabei sogar mithilfe der Wissenschaft, warum man Kühe einfach nicht umschubsen kann.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Jenseits der Dorfidylle</h1>
<h2>Philipp Mattheis: &#8220;In Dingenskirchen &#8211; Geschichten vom Arsch der Welt&#8221; (Roman)</h2>
<h3>Der Prozess des Erwachsenwerdens ist sowieso schon mit vielen Querelen verbunden. Doch wer ausgerechnet dort der Pubertät entfliehen muss, wo Tristesse und Monotonie Tür an Tür leben, hat es besonders schwer. Der heute 32-jährige Autor Philipp Matthies beschreibt seine im Grunde alles andere als müde Jugend im fiktiven Münchner Vorort Dingenskirchen und erklärt dabei sogar mithilfe der Wissenschaft, warum man Kühe einfach nicht umschubsen kann.</h3>
<p>Von Ferdinand Laudage.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-10335" title="indingenskirchen" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/indingenskirchen.jpg" alt="indingenskirchen" width="200" height="305" />Wer seine Kindheit auf dem Land verbringen darf, ist eigentlich ein wahrer Glückspilz. Denn das Kind vom Land weiss, dass Kühe nicht lila sind, und es weiss, wie sich Moos unter nackten Füssen anfühlt oder wie Gäseblümchen schmecken. Es braucht nicht viel Phantasie, um eine abenteuerliche Kindheit zwischen Feldern und Wäldern zu verleben. Doch sobald das Kind erstmals bemerkt, dass das doch alles uncool ist, beginnt eine harte Zeit. Nicht nur für die Eltern, sondern auch für das pubertierende Kind selbst.</p>
<h3>Willkommen im Vorortsgefängnis</h3>
<p>In Dingenskirchen hat man es nicht leicht als Heranwachsender, der Abwechslung braucht. Denn genau daran fehlt es. Also wird aus Langeweile randaliert, und die Dorfjugendlichen mutierten in den Augen des Bürgermeisters zu Vandalen. Dass jedes kleine Vergehen in der Provinz schnell die Runde macht, verwundert nicht. Ein Klischee, welches also in gewisser Weise der Wahrheit entspricht, glaubt man zumindest dem autobiographischen Roman von SZ-Autor Philipp Mattheis.</p>
<p>Die &#8220;Geschichten vom Arsch der Welt&#8221;, die Matthies in seinem ersten Roman erzählt, lassen keine Jugendsünde aus. Der Autor und dessen Clique erleben Skurriles mit Alkohol und beim Kiffen, Aufregendes mit dem schönsten Mädchen des Dorfes, und nicht nur einmal erleben sie auch ihr blaues Wunder. Sie pubertieren wie nach Lehrbuch. Doch im Grunde ist die Quertreiberei als Hilfeschrei zu deuten, denn jeder von ihnen fühlt sich beengt und möchte am liebsten in die grosse weite Welt &#8211; oder zumindest nach München. Doch wie soll das ohne Führerschein funktionieren?</p>
<h3>Themen von Welt beschäftigen das Dorf</h3>
<p>Mattheis präsentiert ein Bild vom Land, das absurd und grotesk, aber dadurch erheiternd und komisch ist. Auf der anderen Seite wird die Stadt idealisiert und verklärt dargestellt. Mattheis nimmt sich und seine Weggefährten selbst aufs Korn, lässt aber auch schwierige Themen wie Alkoholmissbrauch, Drogenhandel und den Tod nicht aussen vor. So wirkt der Roman vollends authentisch und weiss zu unterhalten.</p>
<p>Man muss seine Jugend nicht in der bayrischen Provinz verschwendet haben, um über diesen Roman schmunzeln zu können. Selbst Leser, die in der Stadt aufgewachsen sind, dürften sich in so mancher Erzählung wiederfinden. Denn im Grunde hat uns alle irgendwann dasselbe Schicksal getroffen: die Pubertät.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Titel: In Dingenskirchen &#8211; Geschichten vom Arsch der Welt<br />
 Autor: Philipp Mattheis <br />
 Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag<br />
 Seiten: 270<br />
 Richtpreis: CHF 13.50</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Claire Cook: &#8220;Frühjahrsputz&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 07:24:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Luzia Zollinger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Claire Cook]]></category>
		<category><![CDATA[Frühjahrsputz]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/28/claire-cook-fruhjahrsputz/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/frühjahrsputz-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Alleinerziehende Mutter, verheiratet und doch Single. All dies trifft auf Jill Murray zu. Sie hat ihr Leben im Griff, wohnt in einem Einfamilienhaus und hat beruflich abwechslungsreiche Aufträge. Doch eigentlich wünscht sie sich, dass ihre Tochter ihren Vater kennen lernt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Liebe auf Umwegen</strong></h1>
<h2>Claire Cook: &#8220;Frühjahrsputz&#8221; (Roman)</h2>
<h3><strong>Alleinerziehende Mutter, verheiratet und doch Single. All dies trifft auf Jill Murray zu. Sie hat ihr Leben im Griff, wohnt in einem Einfamilienhaus und hat beruflich abwechslungsreiche Aufträge. Doch eigentlich wünscht sie sich, dass ihre Tochter ihren Vater kennen lernt.</strong></h3>
<p>Von Luzia Zollinger.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-10329" title="frühjahrsputz" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/frühjahrsputz.jpg" alt="frühjahrsputz" width="200" height="316" />Seit Jill Murrays Mann sie vor sieben Jahren vom einen auf den anderen Tag mit ihrer gemeinsamen Tochter Anastasia stehen gelassen hat, ist Jill häuslich geworden. Nie hätte sie dies für möglich gehalten, denn Jill war ihr ganzes Leben lang eine Weltenbummlerin. Doch mit einer Tochter und keinem Mann, der einem finanziell unter die Arme greift, muss Jill an einem Ort bleiben und ihre Brötchen selber verdienen. Jill leitet einen Kochkurs namens &#8220;Eine kulinarische Reise um die Welt&#8221;, vermittelt telefonisch Kulturreisen für &#8220;Freundinnen unterwegs&#8221; und gibt ihr Wissen über die Kultur anderer Länder an Privat- und Firmenkunden weiter. Mit diesen drei Arbeiten ist Jill mehr als beschäftigt, oft rund um die Uhr. Da bleibt nicht mehr viel Zeit für Anastasia. So hat Jill sich ihr Leben nicht vorgestellt.</p>
<h3><strong>Unerwartet kommt oft</strong></h3>
<p>Immer und immer wieder hat sich die Szene in Jills Kopf abgespielt, wie es wäre, wenn Seth, ihr Mann, plötzlich vor der Türe stehen würde. Und eines Tages, als Jill gerade damit beschäftigt ist, ihre Kunden des Kochkurses kulinarisch in eine fremde Welt zu entführen, steht Seth im Türrahmen. &#8220;Er hatte dunkles, leicht gelocktes Haar, das ihm fast bis zu den Schultern reichte, und blasse, sommersprossige Haut. Ich hatte tausend Mal von dieser Szene geträumt und sie auf hundert verschiedene Arten ablaufen lassen.&#8221;</p>
<p>Jill ist im ersten Moment mit der Situation vollkommen überfordert und beschliesst, ihrer Tochter vorerst nicht zu sagen, dass ihr Vater nach so langer Zeit wieder aufgetaucht ist.</p>
<p>Als wäre Jill nicht schon genug durcheinander, verguckt sie sich auch noch in einen ihrer Kunden und unternimmt mit ihm romantische Fahrradtouren. Sieben Jahre lang hatte sie keinen Mann und jetzt gleich zwei. Da ist Gefühlschaos vorprogrammiert.</p>
<p>Claire Cook nimmt ihre Leser an die Hand und führt sie in ihrem siebten Buch durch das Wellental ihrer Hauptdarstellerin Jill. Mit einer leichten Sprache und manchmal zu schnulzigen Passagen taucht man in eine andere Welt ab, wie sie auch in Hollywood-Liebesfilmen vorkommt.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Titel: Frühjahrsputz<br />
 Autorin: Claire Cook<br />
 Übersetzerin: Barbara Ostrop<br />
 Verlag: Ullstein Taschenbuch<br />
 Seiten: 336<br />
 Richtpreis: CHF 14.90</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Jo Nesbo: „Die Larve“</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 07:16:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fee Anabelle Riebeling</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Die Larve]]></category>
		<category><![CDATA[Jo Nesbo]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/28/jo-nesbo-%e2%80%9edie-larve%e2%80%9c/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/dielarve-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Kommissar Harry Hole ist eigentlich aus dem Polizeidienst ausgeschieden – eigentlich. Denn nach drei Jahren in Asien kehrt er an den Ort zurück, wo er einst Kriminellen das Handwerk legte. Doch kaum hat die Spürnase a.D. wieder Osloer Luft in der Nase, beginnt sie auch schon das Schnüffeln. Denn der Ermittler hat von einem Fall gehört, der ihm keine Ruhe lässt. Hole geht der Sache auf den Grund – und findet mehr heraus als ihm lieb ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Die Katze lässt das Mausen nicht</strong></h1>
<h2><strong>Jo Nesbo: „Die Larve“ (Thriller)</strong></h2>
<h3>Kommissar Harry Hole ist eigentlich aus dem Polizeidienst ausgeschieden – eigentlich. Denn nach drei Jahren in Asien kehrt er an den Ort zurück, wo er einst Kriminellen das Handwerk legte. Doch kaum hat die Spürnase a.D. wieder Osloer Luft in der Nase, beginnt sie auch schon das Schnüffeln. Denn der Ermittler hat von einem Fall gehört, der ihm keine Ruhe lässt. Hole geht der Sache auf den Grund – und findet mehr heraus, als ihm lieb ist.</h3>
<p>Von Fee Anabelle Riebeling.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-10324" title="dielarve" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/dielarve.jpg" alt="dielarve" width="200" height="319" />Einen Neuanfang. Das war es, was Harry Hole nach seinem letzten Fall wollte. Hongkong schien ihm die Lösung seiner Probleme. Ohne Frau und Kind fing er dort noch mal von vorne an. Doch nun ist er zurück. Denn ihm ist ein Fall zu Ohren gekommen, der ihn nicht mehr loslässt: Ein Jugendlicher wurde wegen Mordes an einem Drogendealer angeklagt. Die Schuld wird lückenlos bewiesen. Doch die Lösung des Falls scheint Hole ein bisschen zu glatt gelaufen zu sein. Er beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Aber er wäre nicht  d e r  Harry Hole, wenn er nicht hin und wieder seine Kontakte im Kommissariat um Hilfe bitten würde.</p>
<h3><strong>Hartes Brot</strong></h3>
<p>Das – und noch einmal Sex mit der Ex – ist aber auch das einzige, was Autor Jo Nesbo seinem Helden an Annehmlichkeiten gewährt. Denn wie gewohnt mutet er dem Kommissar einiges zu. Ab und zu geht er sogar einen Schritt weiter als sonst. So kämpft Harry Hole nicht nur gegen den Alkoholdurst und Kriminelle, sondern auch mit seinen Gefühlen. Denn als er den mutmaßlichen Mörder im Gefängnis besucht, muss er erkennen, dass sein Gegenüber ein alter und vor allem ein sehr guter Bekannter ist. Und so wird aus der Aufklärung des mysteriösen Falls auch ein persönliches Anliegen.</p>
<p>Fortan ist die Drogenszene der norwegischen Hauptstadt Holes zweites Zuhause. Denn der Ermittler vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Auftauchen eines geheimnisvollen Drogenbosses und dem toten Dealer. Je mehr Hole herausfindet, desto mehr Widersacher ruft er auf den Plan. Denn wer auch immer der wahre Täter ist: Er muss viele Unterstützer haben, und das nicht nur in der Unterwelt. Ehemalige Kollegen zählen ebenso dazu wie Politiker. Ihnen allen ist Harry Hole ein Dorn im Auge. Um dem drohenden Tod immer wieder von der Schippe zu springen, muss der Kommissar erst einmal herausfinden, wem er überhaupt noch vertrauen kann.</p>
<h3><strong>Anspruchsvoll, aber ausbaufähig</strong></h3>
<p>Schlussendlich ist die Frage nach dem Vertrauen der Dreh- und Angelpunkt von Jo Nesbos „Die Larve“. Wenn es vordergründig um Drogenschmuggel, Mafiamethoden und geheime Verbindungen geht, belastet den Ermittler eigentlich viel mehr die Frage, wem er in diesem weitverzweigten Netz eigentlich noch trauen darf. Alles, was gestern noch als gesichert galt, muss heute in Frage gestellt werden. Von seinen Gegnern körperlich und seelisch schwer in Mitleidenschaft gezogen, zweifelt er schliesslich an sich selbst. Kann er derart gebrochen seinen Widersachern überhaupt die Stirn bieten?</p>
<p>Der neuste Krimi aus der „Harry Hole“-Reihe ist nicht nur aufgrund seiner 576 Seiten ein echtes Schwergewicht. Die weiter verästelte Geschichte gerät an manchen Stellen ins Stocken. Langatmig sind diese Passagen nicht, vielmehr etwas zu detailliert skizziert. Nichtsdestotrotz hat Jo Nesbo mit „Die Larve“ wieder einmal bewiesen, dass er ganz zu Recht zu den besten Autoren seines Fachs zählt. Er zeigt aber auch, dass selbst die ganz Grossen ab und an mal schwächeln. So gut wie seine Vorgänger ist Nesbos neuster Streich nicht.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Titel: Die Larve<br />
 Autor: Jo Nesbo<br />
 Übersetzer: Günther Frauenlob<br />
 Verlag: Ullstein<br />
 Seiten: 576<br />
 Richtpreis: CHF 29.90</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Ragnar Jonasson: &#8220;Schneebraut&#8221;</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/28/ragnar-jonasson-schneebraut/</link>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 06:55:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Birke Tunc</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Ragnar Jonasson]]></category>
		<category><![CDATA[Schneebraut]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/28/ragnar-jonasson-schneebraut/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/schneebraut-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>In Ragnar Jonassons "Schneebraut" schneit es oft. Doch das ist nicht der einzige Grund, wieso sich eine deprimierende und erdrückende Stimmung beim Leser breitmacht. Nervige Wiederholungen, zu viele Figuren, kaum vorhandene Spannung und ein Schluss, der viele Fragen offen lässt, bringen den Leser fast zum Verzweifeln.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Let it snow, let it snow, let it snow</strong></h1>
<h2>Ragnar Jonasson: &#8220;Schneebraut&#8221; (Thriller)</h2>
<h3><strong>In Ragnar Jonassons &#8220;Schneebraut&#8221; schneit es oft. Doch das ist nicht der einzige Grund, wieso sich eine deprimierende und erdrückende Stimmung beim Leser breitmacht. Nervige Wiederholungen, zu viele Figuren, kaum vorhandene Spannung und ein Schluss, der viele Fragen  offen lässt, bringen den Leser fast zum Verzweifeln.</strong></h3>
<p>Von Birke Tunç.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-10319" title="schneebraut" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/schneebraut.jpg" alt="schneebraut" width="200" height="313" />Siglufjördur ist ein völlig abgelegenes Fischerdorf im Norden Islands, das nur durch einen Bergtunnel zu erreichen ist. Die Bewohner kennen sich seit ihrer Kindheit und bilden eine eingeschworene Gruppe, die kein Interesse an den Geschehnissen in der restlichen Welt hat und Fremde nicht gerade mit offenen Armen empfängt. Alle sind sich einig: In Siglufjördur passiert nie etwas. Und dann passiert doch was, welch Überraschung&#8230;</p>
<h3><strong>Dorfgeheimnisse</strong></h3>
<p>Ari, ein junger Polizeischüler, ist gerade dabei, seine Ausbildung abzuschliessen, als er ein festes Jobangebot in dem Örtchen Siglufjördur erhält. Es lässt daraufhin seine enttäuschte Freundin Kristin in Reykjavik zurück und macht sich auf den Weg nach Norden. Angekommen, deutet alles auf eine ereignislose und ruhige Zeit hin. Polizeichef Tomas versichert Ari, dass in Siglufjördur nie etwas passiert und seine Hauptaufgabe darin besteht, im Schnee stecken gebliebene Fahrzeuge wieder fit zu bekommen.Womit der junge Polizist allerdings wirklich zu kämpfen hat, ist das Wetter: ununterbrochen schneit es. Ausserdem wird er von den Dorfbewohnern nicht ernst genommen und ist ein Aussenseiter. Nur die hübsche Ugla, welche auch eine Zugezogene ist, gibt sich mit Ari ab, und es dauert nicht lange, bis die beiden Gefühle füreinander entwickeln.</p>
<p>Trotz des Versprechens von Tomas, dass in Siglufjördur nie etwas passiert, tut sich  bereits nach einer Woche was im kleinen Fischerdorf: Während der Probe des neusten Stücks des örtlichen Laientheaters kommt es zu einem Unfall. Hrolfur Kristjansson, Dorfberühmtheit und ehemals weltbekannter Schriftsteller, stürzt in der Pause die Treppe hinunter. Da er zuvor schon einiges getrunken hatte, sieht Tomas keinen Grund, in diesem Fall weiter zu ermitteln. Als nur einige Tage später Linda, die Frau eines Theatergruppenmitglieds, halb nackt und halb tot vor ihrem Haus im Schnee gefunden wird, muss allerdings sogar Tomas zugeben, dass es mit der Ruhe in Siglufjördur vorbei ist. Ari ist sich sicher, dass zwischen den beiden Fällen ein Zusammenhang besteht, doch die Aufklärung entpuppt sich als schwierig. Alle Dorfbewohner haben nämlich ein dunkles Geheimnis.</p>
<h3><strong>Gute Ideen und deren ziemlich schlechte Umsetzung</strong></h3>
<p>Ragnar Jonasson macht es dem Leser leicht &#8220;Schneebraut&#8221; nicht zu mögen. Als erstes wären da die nervigen Wiederholungen wie „Siglufjördur ist ein Dorf im Norden und hier passiert nie was“, „Ari hat sein Theologiestudium hingeschmissen“ oder „es schneit“, die einem das Gefühl geben, dass eigentlich während über 300 Seiten nichts passiert. Die Bezeichnung ‚Thriller’ erscheint hier mehr als unangebracht. Ausserdem sind da die seitenlangen Wiedergaben der Lebensläufe so ziemlich jedes Dorfbewohners, welche beim Leser ein Ohnmachtsgefühl auslösen. Wahrscheinlich war Jonassons Gedanke dahinter derjenige, dass so mehrere Figuren im Vordergrund stehen, somit eine grosse Anzahl von Verdächtigen vorhanden ist und die Geschichte dadurch spannend wird. Es ist aber einfach zu viel des Guten und man muss sich ziemliche Mühe geben, um sich daran zu erinnern, wer denn jetzt schon wieder spielsüchtig ist und wer doch gleich eine auserlesene Weinsammlung hat.</p>
<p>Trotz all diesen Figuren scheint das eigentliche Thema von &#8220;Schneebraut&#8221; die Winterzeit in Island zu sein, welche den Menschen das Leben erschwert. In jedem zweiten Satz wird erwähnt, wie kalt es ist und wie viel Schnee rumliegt, um das Gefühl der Dunkelheit und der Einsamkeit zu vermitteln. Eigentlich ist es ja ziemlich clever, mit Hilfe der Natur eine Stimmung kreieren zu wollen, doch auch hier übertreibt es Jonasson. Auch bei der Auflösung des Krimis konnte sich der junge Autor nicht zurückhalten: Der Leser hat absolut keine Chance, das Rätsel selber zu lösen. Natürlich, es darf nicht offensichtlich erkennbar sein, wer für die Verbrechen verantwortlich ist und der Leser soll immer wieder auf eine falsche Fährte gelockt werden. Doch die in &#8220;Schneebraut&#8221; in den Mittelpunkt gerückten Dinge wie etwa die Dreiecksbeziehung Ari-Kristin-Ugla , die vielen Figuren/Verdächtigen und der Bezug zu deren Vergangenheit, liegen sehr weit von den eigentlichen Ereignissen entfernt.</p>
<p>Das einzig gute an &#8220;Schneebraut&#8221; von Ragnar Jonasson ist die letzte Buchseite. Denn damit endet diese literarische Folter zum Glück.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Titel: Schneebraut<br />
 Autor: Ragnar Jonasson<br />
 Übersetzerin: Ursula Giger<br />
 Verlag: Scherz<br />
 Seiten: 367<br />
 Richtpreis: CHF 23.50</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<title>Ironie im Angesicht des Unausweichlichen</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 14:14:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Aebi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Neuheiten]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2012/01/25/ironie-im-angesicht-des-unausweichlichen/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/leonard-cohen-old-ideas-cover-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>„Old Ideas“, Leonard Cohens erstes Studioalbum seit acht Jahren, ist ein intimes, spartanisch instrumentiertes Werk, auf welchem der kanadische Songpoet mit ironischer Distanz einen Blick auf das letzte Drittel des Lebens und dessen unausweichliches Ende wirft sowie die verschiedenen Ebenen der Liebe thematisiert. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Ironie im Angesicht des Unausweichlichen</strong></h1>
<div id="attachment_10297" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-10297" title="leonard-cohen-old-ideas-cover" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/leonard-cohen-old-ideas-cover.jpg" alt="Bild: Sony.com" width="200" height="200" /><p class="wp-caption-text">Bild: Sony.com</p></div>
<p><strong>„Old Ideas“, Leonard Cohens erstes Studioalbum seit acht Jahren, ist  ein intimes, spartanisch instrumentiertes Werk, auf welchem der  kanadische Songpoet mit ironischer Distanz einen Blick auf das letzte  Drittel des Lebens und dessen unausweichliches Ende wirft sowie die  verschiedenen Ebenen der Liebe thematisiert. </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Für Überraschungen ist Leonard Cohen, der mittlerweile 77-jährige Songpoet aus Montreal, immer wieder gut. Anfang 2008 kündigte er, wohl angetrieben von dem, was er damals etwas euphemistisch „meine ärgerliche finanzielle Situation“ nannte (seine ehemalige Managerin hatte ihn um fast sein ganzes Vermögen betrogen), nach 15 Jahren Bühnenabstinenz eine neue Welttournee an. Diese sollte schliesslich zweieinhalb Jahre dauern und fast 250 Konzerte umfassen. Wobei Konzert ein zu profaner Begriff dafür ist, was Cohen zusammen mit seiner virtuosen, neunköpfigen Band – in der Schweiz zuletzt im September 2010 in Basel – bot: Eine über dreistündige Reise durch einen während mehr als 40 Jahren entstandenen Songkatalog, mit einer derartigen Intensität vorgetragen, dass man eher von einer Audienz in Cohens Songkathedrale sprechen konnte. Als das neue Album angekündigt wurde, durfte man deshalb – nach dem meditativen, aber etwas aseptischen „Ten New Songs“ (2001) und dem unausgegorenen „Dear Heather“ (2004) – endlich mal wieder ein Cohen-Album in sattem Band-Sound erwarten.</p>
<p>Doch weit gefehlt: Seine „Unified Heart Touring Band“ist auf „Old Ideas“ nur gerade im bluesigen, bereits live interpretierten „The Darkness“ zu hören. Leise Enttäuschung kommt deshalb beim erstmaligen Hören auf. Doch je öfter man den zehn neuen Liedern andächtig lauscht, desto mehr versteht man Cohens Entscheid, sich statt auf Musik im Cinemascope-Format auf die in tiefstem Bariton vorgetragenen Texte zu fokussieren und musikalisch nur mit ausgewähltem Instrumentarium Akzente zu setzen. Ein intimes Album ist so entstanden, auf welchem Cohen mit ironischer Distanz einen Blick auf das letzte Drittel des Lebens und dessen unausweichliches Ende wirft sowie die verschiedenen Ebenen der Liebe thematisiert. Im Eröffnungslied „Going Home“, höhnt das Erzähler-Ich, der Leonard, dieser „lazy bastard in a suit“ wolle eigentlich eher ein Liebeslied oder eine Anleitung für das Leben mit Niederlagen schreiben. Stattdessen habe er ihm jedoch aufgetragen, die folgenden Worte mantrahaft zu wiederholen: „Going home without my burden/going home behind the curtain/going home without the costume that I wore“. Und so singt Leonard also vom Unausweichlichen, dem Angesicht des Todes.</p>
<div id="attachment_10298" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-10298" title="Pressefoto 2011 3 credits Dominique Issermann" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2012/01/Pressefoto-2011-3-credits-Dominique-Issermann.jpg" alt="Bild: Dominique Issermann" width="550" height="412" /><p class="wp-caption-text">Bild: Dominique Issermann</p></div>
<p>Natürlich thematisiert Cohen, der „Ladies’ man“, auf „Old ideas“ auch die Liebe. Im schon fast tanzbaren „Different Sides“, in welchem die Reime mit den Klängen eine perfekte Symbiose eingehen, geht es um die kleinen Kriege in Paarbeziehungen („We find ourselves on different sides/of the line nobody drew“). In „Crazy to love you“, in welchem sich Cohen mit der akustischen Gitarre selber begleitet, erzählt der Sänger von der Gelassenheit der Liebe im Alter („I’m tired of choosing desire/I’ve been saved by a blessed fatigue“). Der emotionale Höhepunkt des Albums ist jedoch das fast achtminütige „Amen“. In diesem Klagelied, in welchem sich die Klänge einer Trompete mit jenen einer Violine vermählen, wird die Liebe dem Horror in der Welt gegenübergestellt („Tell me again when the victims are singing/and the laws of remorse are restored/tell me again that you know what I’m thinking/but vengeance belongs to the lord“). Der „lord“, er wird auf Cohens neustem Album, dem wohl spirituellsten seit „Various Positions“ (1984), oft angerufen. „Show me the place“ und „Come Healing“ sind mit ihren Hammond-Orgel-Klängen und dem engelhaften Backgroundgesang (von der langjährigen musikalischen Weggefährtin Jennifer Warnes beziehungweise der noch wenig bekannten Dana Glover, übrigens die Entdeckung dieses neuen Albums) eine Art Hymnen. Da wird die geliebte Person – oder auch Gott – aufgerufen, zu zeigen, wo das Wort Mensch wurde und das Leid begann oder es wird um Heilung des Geistes und des Körpers gebeten.</p>
<p>Es finden sich auf „Old Ideas“ jedoch auch ein paar in jeder Hinsicht leichtgewichtigere Songs: So verlieben sich im besänftigenden Wiegenlied „Lullaby“ Katz und Maus und reden anschliessend in Zungen oder Cohen besingt ein kaputtes „Banjo“, welches im dunklen, verseuchten Meer herumdümpelt. Das jazzig-angehauchte „Anyhow“ wäre auf „Dear Heather“ besser aufgehoben gewesen und stört merklich den Fluss des Albums. Dennoch: So wie Cohen in seinen Konzerten vor Band und Publikum immer wieder seinen Hut zog, kann man vor diesem weisen, berührenden Alterswerk nur eines: ehrfürchtig den Hut ziehen.</p>
<p>Label: Sony Music</p>
<p><strong>Im Netz:</strong></p>
<p><a href="http://www.leonardcohen.com">leonardcohen</a></p>
<p><a href="http://www.leonardcohenfiles.com/"></a><a href="http://www.leonardcohenfiles.com">leonardcohenfiles</a></p>
<p><a href="http://www.leonardcohenforum.com/"></a><a href="http://www.leonardcohenforum.com">leonardcohenforum</a></p>
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