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	<description>Das Magazin im Netz</description>
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		<title>Michael Kleeberg: „Das amerikanische Hospital“</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 15:09:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fee Anabelle Riebeling</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/09/02/michael-kleeberg-%e2%80%9edas-amerikanische-hospital%e2%80%9c/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/09/dasamerikanischehospital-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Hélène wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind, David nichts mehr als Geschehenes endlich hinter sich lassen zu können. Die beiden kennen einander nicht. Doch auf der Suche nach Erfüllung begegnen sich die Pariserin und der Amerikaner in der Empfangshalle des amerikanischen Hospitals zu ersten Mal. Ihre Weltansichten könnten nicht gegensätzlicher sein und trotzdem finden sie zusammen. Was zunächst nur zufällig passiert, ist später Absicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Das geht unter die Haut</strong></h1>
<h2>Michael Kleeberg: „Das amerikanische Hospital“<strong> (Roman) <br />
 </strong></h2>
<h3><strong>Hélène wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind, David nichts mehr als Geschehenes endlich hinter sich lassen zu können. Die beiden kennen einander nicht. Doch auf der Suche nach Erfüllung begegnen sich die Pariserin und der Amerikaner in der Empfangshalle des amerikanischen Hospitals zu ersten Mal. Ihre Weltansichten könnten nicht gegensätzlicher sein und trotzdem finden sie zusammen. Was zunächst nur zufällig passiert, ist später Absicht.</strong></h3>
<p><strong> </strong></p>
<p>Von Fee Anabelle Riebeling.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-6040" title="dasamerikanischehospital" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/09/dasamerikanischehospital.jpg" alt="dasamerikanischehospital" width="200" height="319" />Michael Kleeberg nimmt seine Leser mit auf die Reise in eine andere Welt. Leicht ist diese nicht. Inhalt und Sprache wiegen schwer. Hélène und David kämpfen jeder seinen eigenen Kampf. Sie leiden Qualen. Kleebergs Sprache ist gewaltig. Doch gleichzeitig ist sein Stil wunderbar sanft, ja, beinahe schon zurückhaltend. Das verleiht dem Geschriebenen eine den Leser beinahe erdrückende Macht. Dank der präzisen Schreibe des Autors spielt sich die Geschichte der beiden Gequälten stets auch vor dem inneren Auge ab. Das verstärkt den Effekt.<strong><br />
 </strong></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Traurige Helden</strong><br />
 Ihr Leben könnte so wunderbar sein. Hélène ist gerade einmal dreissig Jahre alt, ihre Ehe verläuft glücklich, die Finanzen stimmen und auch, dass der zweite Golfkrieg für beendet erklärt wurde, müsste die Pazifistin positiv stimmen. Doch ihre Unfruchtbarkeit trübt die Stimmung. Ein eigenes Kind würde ihrem Leben einen neuen Sinn geben. Der Meinung ist auch ihr Ehemann: Eine künstliche Befruchtung soll weiterhelfen. Bei einer Nachsorgeuntersuchung nach dem grossen Eingriff kommt es zu der Begegnung, die ihr Leben prägen soll. Vor ihren Augen bricht David, der Amerikaner zusammen.</p>
<p>Auch er sucht in dem Spital ärztliche Hilfe, denn die Bilder in seinem Kopf wollen nicht verschwindet. Er ist Soldat – und er war im Krieg. Mittendrin. Er hat Freund und Feind fallen sehen. Und genau diesen Szenen begegnet er immer wieder. Aus dem einst kräftigen Kämpfer ist ein gebrechlicher Mann geworden, der zusammenzuckt, wenn irgendwo eine Tür ins Schloss fällt. Er versucht stark zu sein, doch erst als er Hélène trifft, die ihm beisteht, ohne auch nur das Geringste über ihn zu wissen, schafft er es. Oder ist es vielleicht gerade, weil sie nicht weiss, dass er bei der Armee ist?<strong><br />
 </strong></p>
<p><strong>Schicksalhafte Begegnung</strong><br />
 Hélène ist erschüttert, als sie erneut auf David trifft – zum einen, weil sie erfährt, dass es mit der künstlichen Befruchtung nicht geklappt hat und ihr wohlmöglich noch viele solche Fehlversuche bevorstehen, zum anderen, weil sie realisiert, dass der freundliche Amerikaner ein Uniformträger und alles andere als ein Pazifist ist. Erst viele weitere zufällige Begegnungen später realisieren die beiden, was sie aneinander haben. Und sie sind nicht bereit, dieses Glück aufzugeben.</p>
<p>Ein toller Roman, der nachhallt.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Titel: Das amerikanische Hospital<br />
 Autor: Michael Kleeberg<br />
 Verlag: DVA Deutsche Verlags-Anstalt<br />
 Seitenzahl: 240<br />
 Richtpreis: CHF 33.90</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Manu Chao war der Erste der zu mir sagte: „Die Welt muss deine Songs hören!“</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 13:23:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rico Steinemann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/09/02/interview-amparo-sanchez/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/09/amparoSanchez1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>nahaufnahmen.ch traf sich mit der sympathischen und unkomplizierten Amparo Sanchez nach ihrem Konzert am Theaterspektakel zum Interview. Ein Gespräch über ihre neue Platte Tucson-Havana, die Zapatistenbewegung, Manu Chao und Billie Holiday. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Manu Chao war der Erste, der zu mir sagte: „Die Welt muss deine Songs hören!“</strong></h1>
<div id="attachment_6030" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-6030" title="31. ZÃ¼rcher Theater Spektakel 2010" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/09/amparoSanchez1.jpg" alt="Bild: Zürcher Theater Spektakel/Christian Altorfer" width="550" height="344" /><p class="wp-caption-text">Bild: Zürcher Theater Spektakel/Christian Altorfer</p></div>
<h2>Interview Amparo Sanchez, 29.8.2010</h2>
<p><strong>nahaufnahmen.ch traf sich mit der sympathischen und unkomplizierten Amparo Sanchez nach ihrem Konzert am Theaterspektakel zum Interview. Ein Gespräch über ihre neue Platte &#8220;Tucson-Havana&#8221;, die Zapatistenbewegung, Manu Chao und Billie Holiday. </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Nach den unzähligen Party-Konzerten, die du mit Amparanoia gefeiert hast, bist du nun ruhiger geworden, die Musik ist melancholischer, die Zuschauer sitzen. Wie erlebst du diesen Wandel?</p>
<p><strong>Amparo Sanchez</strong>: Ich denke es ist ein Teil meines persönlichen Prozesses, den ich einfach nötig hatte. Ich kam mit Amparanoia an einen Punkt, an dem ich ungemein Spass hatte, doch schon mit dem letzten Album „la vida te da“ fühlte ich das Bedürfnis wieder zurückzukehren zum Akustischen. Wieder mehr mit meiner Stimme zu kommunizieren. In der Weise, wie alles für mich begonnen hat. Irgendwie war ich wohl etwas müde vom ständigen Animieren der Leute, um 3 Uhr morgens wenn alle besoffen sind. Deshalb kam für mich der Moment wo ich etwas verändern musste. „Tucson-Havana“ war eine Reise, die mir —abgesehen vom Aufnehmen des neuen Albums — auch geholfen hat, mich selber zu entdecken und mir neue Ziele zu setzen. Ich bin sehr dankbar, dass ich mir die Möglichkeit gegeben habe, ein Genre, einen Stil zu verabschieden und die Leute auf eine andere Weise zu packen. Mit dem, was ich momentan fühle.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Das letzte Mal als ich dich sah, standest du in Barcelona mit Tränen in den Augen auf der Bühne, während deinem Abschiedskonzert mit Amparanoia. Wie haben deine letzten beiden Jahre ausgesehen und wie kam es zu der Kollaboration mit den Jungs von Calexico?</p>
<p><strong>Amparo Sanchez</strong>: Nun die Jungs von Calexico kenne ich schon seit 2002 und meinem Album „Enchilao“, das aus dem Amparaoina-Universum etwas herausstach. Es war elektronischer und einfach anders als unsere früheren Alben. Joey Burns und John Convertino von Calexico hörten dieses Album und verliebten sich in meine Stimme. Dann luden sie mich ein mit ihnen ein Konzert in Rotterdam zu spielen. Ich kannte den Song „Crystal Frontier“ von Calexico und sie schienen eine Band zu sein mit einem grossen mexikanischen Einfluss, was mich musikalisch sehr ansprach. Also nahm ich die Einladung an und vom ersten Moment an stimmte die Chemie zwischen uns. Und so haben wir seit 2002 immer wieder zusammengearbeitet, auf Alben von ihnen oder von mir. Wir haben zusammen Konzerte gespielt. Dann habe ich 2006 und 2007 eine Reihe von Songs aufgenommen, die sich deutlich vom Vibe Amparanoias unterschieden. Ich traute mich sie John und Joey zu zeigen. Sie meinten, dass die Songs anders waren, traurig und ehrlich, aber gleichzeitig sei es auch nötig diese Gefühle zu vermitteln und falls ich diese Songs eines Tages aufnehmen wolle, dann möchten sie dabei sein. So ging die Zeit vorbei, ich traf die Entscheidung mit Amparanoia abzuschließen und ging Ende 2007 nach Tucson, Arizona, um mit Calexico einige Songs aufzunehmen. Nichts für ein Album, einfach so. Die Erfahrung gefiel mir sehr und so luden sie mich Ende 2008, nachdem die letzte Tour mit Amparanoia zu Ende war, ein weiteres Mal nach Tucson ein. Und ich lud sie ein mit mir nach Havanna zu kommen. Darum heisst das Album ja auch Tucson-Havana. Es sind die beiden Orte wo die Musik aufgenommen wurde, und auch die beiden Orte, welche das Album beeinflußt haben.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Die Idee mit Havanna hattest du also schon vorher?</p>
<p><strong>Amparo Sanchez</strong>: Am Tag an dem ich Calexico kennenlernte, sagte ich ihnen: „Eines Tages müssen wir in die EGREM-Studios in Havanna.“ Uns allen gefiel das Album „Buena Vista Social Club“ sehr gut und so kam es, dass ich 2009, als sie mich ein weiteres Mal nach Tucson einluden, sagte, „Nein, wir gehen jetzt zusammen nach Havanna und nehmen den zweiten Teil dort auf!“ (lacht).</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Und wie war es in den mythischen EGREM-Studios?</p>
<p><strong>Amparo Sanchez</strong>: Nun für sie als Amerikaner war es natürlich ein Tabu nach Kuba zu gehen und dazu noch verboten. Doch wir gingen so oder so hin. Der erste Traum von ihnen war also erfüllt. Wir waren in Kuba. Der zweite war das EGREM-Studio, wo schon so viele wichtige Musiker der lateinamerikanischen Welt seit den 1950ern Songs aufgenommen haben. Da waren wir also im gleichen Studio 101, im gleichen Saal, das war sehr ergreifend. Was wir in Tucson aufgenommen hatten, gefiel uns sehr und so wollten wir in Havanna daran anschliessen. So hatten wir ein super Gefühl, es war eine Entdeckungsreise, sowohl auf persönlicher als auch auf musikalischer Ebene. Und dann natürlich das Geschenk Omara Portuondo auf der Platte zu haben, die uns besuchte und mit uns einen Song („La parrandita de las Santas“ Anm. d. Red.) aufgenommen hat.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wie kam es denn zu der Zusammenarbeit mit Omara Portuondo?</p>
<p>Amparo Sanchez: Ich bin ein grosser Fan von Omara und traute mich, sie einzuladen, da ich sehr gerne ein Lied mit ihr aufnehmen wollte. Und sie ist dann tatsächlich gekommen. Ihr gefiel meine Stimme und auch der Song, also ist sie gekommen. Sie war sehr natürlich und für mich war es immer ein Traum mit ihr zu arbeiten und dann hat es geklappt.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Welchen Einfluss hatte die Wüste Arizonas auf die Musik? Wirkt sich die Landschaft generell auf deine Musik aus?</p>
<p><strong> Amparo Sanchez</strong>: Ja, selbstverständlich. Nun gut, ich hatte die Songs schon in Spanien geschrieben. Aber John Convertinos Schlagzeug und das Gitarrenspiel von Joey Burns sind ohne Zweifel mit ihrer Herkunft verbunden. Und das ist die Wüste. Eine Wüste, die ausserdem 60 Km von Mexiko entfernt ist, so dass schon zusammen mit der Musik des amerikanischen Südens immer schon auch der mexikanische Einfluss spürbar war. Und dieses Ambiente passte perfekt zu meinen Songs, da meine Hauptinspirationen zur Zeit des Schreibens Mexico und Kuba waren. So gaben die Aufnahmen in Tucson den Songs den passenden Rahmen.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Auf dem Song „Mi suerte“ singst du: „el mundo se hunde sin medida en pobreza, seguro que hay algo que puedas hacer, seguro que hay alguien en quien puedas creer, cambiara tu suerte“ („Die Welt versinkt in massloser Armut, es gibt sicher etwas, das du tun könntest, es gibt sicher jemanden, an den du glauben kannst, ändere dein Schicksal“). Auch andere Songs haben eine gewisse Melancholie, ja fast schon Traurigkeit. Gleichzeitig aber schimmert immer auch etwas Hoffnung durch&#8230;</p>
<p><strong>Amparo Sanchez</strong>: (unterbricht) Ich schrieb diese Songs, weil ich Antworten brauchte. Ich denke in den Songs sind sowohl die Fragen, als auch die Antworten. So, als würden mir die Songs helfen eine Antwort zu finden, verstehst du? Es ist schon richtig, dass ich mich sehr traurig fühlte, als ich die Songs schrieb. Aus persönlichen Gründen aber auch aus einer globalen Sicht. Ich war desillusioniert von all dem Horror, von dem unglaublichen Ungleichgewicht, das auf der Welt herrscht. Was kann ich denn schon machen? Ich kann doch nichts machen? Aber etwas konnte ich machen. Und zwar konnte ich versuchen eine Stimme zu sein, von allem, was ich sehe und lerne während meinen Reisen. Von allem was mich schmerzte. Und dies aber gleichzeitig auch mit meiner persönliche Ebene verbinden. Daher glaube ich, dass diese Songs sowohl eine gewisse Intimität, aber auch eine globale Vision haben. Im Sinne von: „Was passiert hier?“ Irgend etwas könnte ich doch machen. Diese Songs waren für mich wie ein Rettungsring in einem Moment von grosser Traurigkeit. Sie halfen mir die Dinge aus dieser Sicht zu sehen. Und darum fühlte ich, dass es wichtig war diese Songs aufzunehmen und unter die Leute zu bringen. Damit sie, falls sie auch solche Momente durchleben, etwas Trost finden und weitermachen können.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Du engagierst dich für die Bewegung der Zapatisten in Mexico und du hast Auftritte bei Anti-G8 Gipfeln. Siehst du dich ein wenig als eine Stimme für die Stimmenlosen?</p>
<p><strong>Amparo Sanchez</strong>: Also, im Moment, wo ich Songs schreibe, schreibe ich wirklich von Herzen und von meinen Erfahrungen. Ich will schon ein Gefühl vermitteln. Auf persönlicher Ebene möchte ich schon das Gefühl haben, dass ich etwas unternehme. Sei dies nun ein objektiver oder subjektiver Blick auf das, was passiert. Es gibt Songs wie „Corazon de la realidad“, der natürlich der Bewegung der Zapatisten gewidmet ist. Mit dieser Bewegung habe ich mich identifiziert seit sie 1996 begonnen hat. Ich habe teilgenommen, bin in die Gemeinden der Indios gereist (im mexikanischen Bundesstaat Chiapas, Grenze zu Guatemala, Anm. d. Red.) und ich sehe diese Bewegung wirklich als ein Licht der Hoffnung in dem ungerechten ökonomischen System, in dem wir leben. Aber genauso wie mit den Zapatisten fühle ich mich verbunden mit den Bauern, dem ländlichen Leben, mit Menschen, die sagen, „wir müssen wieder zur Erde zurückkehren“, es gibt nur diese eine. Wir brauchen einen Schritt zurück, eine Re-Evolution, das ständige Wachsen muss aufhören. Mit diesen Menschen kann ich mich identifizieren und dies probiere ich auf eine Weise in meinen Texten zu übermitteln. Aber beim Komponieren der Songs fühle ich mich wirklich frei. Ich schreibe was ich fühle und wenn dann Songs rauskommen, die ich bestimmten Orten oder Menschen widme, dann bin ich zufrieden. Aber ich versuche eine Vision zu haben und diese Vision zu übermitteln, von dem, was ich tagtäglich erlebe.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Wenn wir auf den Anfang deiner Karriere zurückschauen, hast du dir damals jemals vorstellen können, dass du mit deiner Musik um die Welt reist?</p>
<p><strong>Amparo Sanchez</strong>: Nein! Niemals. Ich fing an zu singen, weil es mich befreite, weil ich mich frei fühlte beim Singen. Damals war ich 16, heute bin ich 40 Jahre alt. (lacht) Ich konnte mich also frei fühlen und gleichzeitig merkte ich, dass die Leute meine Stimme mochten. So hat alles angefangen in Granada, wo ich aufgewachsen bin, dann ging ich 1995 nach Madrid. In Madrid ging dann alles sehr schnell, ich nahm die erste Amparanoia-Platte auf und die Platte verbreitete sich und ich fing an zu reisen.</p>
<div id="attachment_6031" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-6031" title="AMPARANOIA-SABADELL2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/09/AMPARANOIA-SABADELL2.jpg" alt="Bild: www.amparanoia.com" width="500" height="333" /><p class="wp-caption-text">Bild: www.amparanoia.com</p></div>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: War das der Moment wo du dir bewusst wurdest, dass du es mit der Musik schaffen kannst?</p>
<p><strong>Amparo Sanchez</strong>: Nun, nein. Schau, ich hab hier Billie Holiday (zeigt mir ihren Ring, mit einem Bild von Billie Holiday). Billie Holiday sang immer im gleichen Club. Und dies war mein Traum als ich anfing, dass ich immer gleichen Club spiele und die Leute kamen, um mich zu sehen. Damals wusste ich nicht, dass ich soviel reisen würde. Dann lernte ich in Madrid Manu Chao kennen und er sagte mir: „Aber, warum bist du immer nur hier? Du musst raus in die Welt, du musst reisen. Du musst der Welt deine Songs zeigen.“ Er war der Erste, der mir die Augen öffnete und plötzlich dachte ich, „ja er hat recht, ich muss reisen und schauen was passiert.“ Das war also zu Beginn kein Ziel oder so, aber danach wurde dann schon eine grosse Neugierde daraus. Später wurde mir bewusst, was ich alles für Erfahrungen machen konnte, wenn ich von meiner Musik leben und reisen konnte. Natürlich könnte ich immer im selben Club spielen aber reisend treffe ich Menschen, die mir ihre Geschichten erzählen. Alles, was ich gelernt habe, sei es bei einem Konzert für die Insassen eines Gefängnisses oder in einem Flüchtlingscamp für die Sahrauis (Bevölkerung der Westsahara, Anm. d. Red) in der Westsahara, all dies wurde mir durch die Musik ermöglicht. Abgesehen also von der Musik, die mir Freiheit gibt, bin ich dankbar für alles, was ich erlebte und kennenlernte durch die Musik und was mir noch bevorsteht.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Siehst du heute die alten Freunde aus Madrider Zeiten noch ab und zu, Manu Chao und Radio Bemba und all die anderen?</p>
<p><strong>Amparo Sanchez</strong>: Jaja, natürlich, natürlich. Für mich sind richtige Freunde für immer. Auch wenn es Zeiten gibt, wo man sich nicht so oft sieht. Klar, unsere Leben haben sich verändert, aber als ich zum Beispiel Manu kennenlernte, war ich erst kurze Zeit in Madrid. Und Manu war damals auch eben erst in Madrid angekommen, er gründete gerade Radio Bemba und war in den Vorbereitungen für Clandestino. Er hatte sehr viel freie Zeit damals, war noch nicht ständig unterwegs. In diesen Tagen hatten wir richtig viel Zeit uns kennenzulernen, Manu und Radio Bemba, Joan und Miguel, die heute in der Band La Troba-Kung Fu spielen, mit Dani, der heute bei Macaco dabei ist usw. Wir waren noch nicht so bekannt, reisten noch nicht umher und damals entstanden wirklich Freundschaften fürs Leben. Und heute sehen wir uns seltener, aber wir schaffen es immer noch uns zu treffen. Im Falle von Manu, besteht zwischen ihm, mir und meinem älteren Bruder, der mir immer aufmerksam zuhört wenn ich mit ihm rede, ein wirklich starkes Band, da ist viel Liebe und Kraft zwischen uns. Wir wünschen uns einfach das Beste, helfen uns in schwierigen Situation, machen traurige und frohe Momente zusammen durch. Ja so ist das. Insbesondere Manu ist ein sehr spezieller Freund für mich.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Billie Holiday war eine deiner grossen Inspirationen, bist du mit ihrer Musik aufgewachsen? Oder was für Musik hast du im Hause deiner Eltern gehört?</p>
<p><strong>Amparo Sanchez</strong>: Nun, weißt du, wir waren 5 Geschwister, da lief von Bob Marley über Pink Floyd, von Rumba über Flamenco bis zu kubanischer Musik einfach alles. Aber Billie Holiday lernte ich kennen, als ich 16 Jahre alt war. Eine Freundin schenkte mir eine Kassette und meinte, ich müsse diese Sängerin unbedingt hören. Ich war völlig weg und hörte das Ding bis die Töne schon nicht mehr richtig rauskamen (lacht). Und eines Tages fand ich in einem Plattenladen eine LP mit Billie Holiday. Die Musik bekam zum ersten Mal ein Bild. Ich kaufte die LP, obwohl ich keinen Plattenspieler hatte. Später schenkten sie mir ein Bild von Billie Holiday von einem Konzert in Kalifornien. Seit ich 18 bin, hatte ich dieses Bild immer bei mir, heute steht es in meiner Küche. Ja, Billie Holiday war immer eine Inspiration, meine schwarze Mutter, meine spirituelle Mutter.</p>
<p><strong>nahaufnahmen.ch</strong>: Dein Lieblingslied von Billie?</p>
<p><strong>Amparo Sanchez</strong>: Ich liebe „Strange Fruit“ weil sie es selbst geschrieben hat, aber vom Gesang her, alles. Wirklich alles. Niemand hat je so gesungen wie Billie.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Amanita Design und das Erbe des vollen Mundes</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 14:33:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christof Zurschmitten</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/09/01/amanita-design-und-das-erbe-des-vollen-mundes/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/09/machinarium11-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Viel, viel später liegt der erste Versuch, auf Worte Taten folgen zu lassen, nun vor. Und es geht darum um die herrlich verschwrubelten Spiele von Amanita Design, Holz und Rost und eine "Ästhetik des verherrlichten Zerfalls und der zerfallenden Herrlichkeit", die Amanita Design als Erbe einer sehr besonderen tschechischen Animationsfilm auszeichnet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Asche zu Asche, Rost zu Rost</h1>
<h2>Amanita Design und das Erbe des vollen Mundes</h2>
<p style="text-align: justify;"><img class="aligncenter size-full wp-image-6019" title="machinarium1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/09/machinarium11.jpg" alt="machinarium1" width="550" height="346" />Erinnert sich jemand noch an März 2010? Jene altvordere Winterzeit, in der wir unsere Fäuse noch <a href="http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/23/thesen-zum-killerspiel-verbot/" target="_blank">in Nerzmuffs ballten</a>, um unserer Unzufriedenheit mit dem politischen System Ausdruck zu verlangen? Und weiss jemand noch, wie es in der Epoche danach war, ca. April 2010, als wir auf seltsame <a href="http://www.nahaufnahmen.ch/2010/04/08/zustand_gamejournalismus/" target="_blank">Ideen kamen</a>, wie man alles besser machen könnte?</p>
<p style="text-align: justify;">Damals schrieben wir in aufklärerischem Duktus Dinge wie: &#8220;Der Computerspiel-Diskurs ist in einem desolaten Zustand!&#8221; &#8220;Ja, es gibt bereits zur Genüge Texte über Games!&#8221; &#8220;Aber dennoch nicht genug!&#8221; &#8220;Nicht genügend Kritik, die auf Fakten basiert, aber über diese hinausweist!&#8221; &#8220;Nicht genügend Kritik, die Games in grösseren Zusammenhängen und ein Game als einzigen grossen Zusammenhang sieht und verständlich macht!&#8221; &#8220;Nicht genügend Kritik, die sich Zeit nimmt und Zeit verlangt!&#8221; &#8220;Nicht genügend davon auf Deutsch!&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;">Viel, viel später liegt der erste Versuch, auf Worte Taten folgen zu lassen, nun vor. Und es geht darin um die herrlich verschwrubelten Spiele von <a href="http://amanita-design.net/" target="_blank">Amanita Design</a>, Holz und Rost und eine &#8220;Ästhetik des verherrlichten Zerfalls und der zerfallenden Herrlichkeit&#8221;, die Amanita Design als Erbe einer sehr besonderen tschechischen Animationsfilmtradition auszeichnet.</p>
<p style="text-align: justify;">Allerdings nicht hier auf nahaufnahmen.ch, sondern drüben bei den Gesinnungsgenossen vom <a href="http://www.titel-magazin.de/artikel/173/7840/amanita-design-und-prager-animation.html" target="_blank">Titel-Magazin</a>. Haben wir den Mund zu voll genommen? Muss man sich dafür jetzt echt noch n Kindle zulegen? Und ham wir mal wieder was gelernt? Kommentare willkommen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Nebenbei:</strong> Nächste Woche findet in Baden wieder das sehr stimmige Animationsfilmfestival &#8220;<a href="http://www.fantoche.ch/2010/" target="_blank">Fantoche</a>&#8221; statt. Wie bereits am <a href="http://www.nahaufnahmen.ch/2010/07/19/nifff-2010-imagine-the-future/" target="_blank">NIFFF </a>wird auch hier auf einem Nebenschauplatz die Welt des Computerspiels erörtert &#8211; mit dem zum oben erwähnten Essasy sehr schön passenden <a href="http://www.fantoche.ch/2010/programm-n12-sD.html" target="_blank">Schwerpunkt der Schnittmenge zwischen Indie-Spielen und Animationsfilmen</a>. nahaufnahmen.ch wird sich vor Ort umsehen und an gewohnter Stelle darüber berichten.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Saïd Sayrafiezadeh: &#8220;Eis essen mit Che&#8221;</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/08/28/said-sayrafiezadeh-eis-essen-mit-che/</link>
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		<pubDate>Sat, 28 Aug 2010 10:48:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra Despont</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Eis essen mit Che]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungen]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunismus]]></category>
		<category><![CDATA[Saïd Sayrafiezadeh]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialistische Arbeiterpartei]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/08/28/said-sayrafiezadeh-eis-essen-mit-che/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/eisessenmitche-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>In „Eis essen mit Che“ erinnert sich Saïd Sayrafiezadeh an die grösstenteils traurige Kindheit eines Jungen namens Saïd Sayrafiezadeh, dessen Leben durch ideologisch verblendete Eltern zeitweise zu einem komplizierten Spiessrutenlauf wurde. Erstaunlicherweise ist der Roman aber frei von Bitterkeit. Mitfühlend, bewegend und mit einem trotz allem liebevollen Blick auf die seltsame Familie Sayrafiezadeh erzählt der Autor von einer Kindheit ohne Skateboard und Weintrauben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Warten auf die Weltrevolution</strong></h1>
<h2>Saïd Sayrafiezadeh: &#8220;Eis essen mit Che&#8221; (Roman)</h2>
<h3><strong>In „Eis essen mit Che“ erinnert sich Saïd Sayrafiezadeh an die grösstenteils traurige Kindheit eines Jungen namens Saïd Sayrafiezadeh, dessen Leben durch ideologisch verblendete Eltern zeitweise zu einem komplizierten Spiessrutenlauf wurde. Erstaunlicherweise ist der Roman aber frei von Bitterkeit. Mitfühlend, bewegend und mit einem trotz allem liebevollen Blick auf die seltsame Familie Sayrafiezadeh erzählt der Autor von einer Kindheit ohne Skateboard und Weintrauben.</strong></h3>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Von Sandra Despont.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-6006" title="eisessenmitche" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/eisessenmitche.jpg" alt="eisessenmitche" width="200" height="344" />Wenn die Weltrevolution kommt, wird alles gut. Dann wird es gratis Skateboards für alle geben, sogar für den kleinen Saïd Sayrafiezadeh, der nicht so recht verstehen kann, warum alle seine Freunde trotz fehlender Weltrevolution bereits jetzt eins haben. Leicht ist es nicht, ausgerechnet in den USA in Erwartung einer gerechten kommunistischen Gesellschaft ein moralisch einwandfreies Leben zu führen. Dass es nicht nur schwierig, sondern geradezu absurd ist, zeigt sich umso deutlicher aus der Perspektive eines kleinen Jungen, der die enge Weltanschauung seiner Eltern mit dem Verlust seiner Kindheit bezahlt.<strong><br />
 </strong></p>
<p><strong>Leiden, und zwar beträchlich</strong><br />
 Saïd lebt mit seiner Mutter in Armut. Und das, obwohl seine Mutter „gebildet, belesen, redegewandt“ ist, einen Universitätsabschluss besitzt und nur wenige Minuten entfernt ihr reicher und spendabler Bruder lebt. Doch „zu leiden, und zwar beträchlich – darum ging es.“ Als vorbildliches Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei der USA erlegt Saïds Mutter sich und ihrem Jungen ein erbärmliches Leben auf und inszeniert ihre selbstgewählte Armut wirkungsvoll in dem Glauben, dass „Elend ehrenvoll, Not tugendhaft und Leiden vornehm ist.“ Als ihr Mann sie verlässt, nimmt sie das wie selbstverständlich hin, denn natürlich geht die Beförderung der sozialistischen Weltrevolution auch im Iran jeder Pflicht als Ehemann und Vater vor. So verliert Saïd seinen Vater kurz nach seiner Geburt an einen hehren Zweck, was ihn aber nicht davon abhält, seinen Vater schmerzlichst zu vermissen. Der Kontakt reisst zwar nie ganz ab, doch er bleibt sporadisch und unpersönlich. Immer, so lernt Saïd rasch, steht die Partei, immer steht die Hinarbeit auf die Weltrevolution vor seinen selbstsüchtigen persönlichen Bedürfnissen wie etwa dem, Weintrauben zu essen.<strong><br />
 </strong></p>
<p><strong>Wunsch + Verlangen + Diebstahl = Revolution!</strong><br />
 Es ist eine so aussergewöhnliche wie traurige Kindheit, die Saïd Sayrafiezadeh beschreibt. Schon als kleiner Junge steht er stundenlang mit seiner Mutter auf der Strasse, um Passanten den „Militant“ zu verkaufen, an Demonstrationen schreit er sich für die Rechte der Frau die Lunge aus dem Leib und bei den nationalen Jahrestagungen singt er über seine Unterdrückung durch Arbeitgeber und Vermieter. Der kleine Revolutionär nimmt lange Busfahrten auf sich, obwohl es eine Schule direkt um die Ecke gäbe, er verbringt zahllose angstvolle Abende alleine zu Hause, während seine Mutter an Komiteesitzungen ist, und verzichtet heroisch, wenn auch sehr unwillig auf Weintrauben, bis er eines Tages die Lösung findet: Diebstahl! Das moralische Dilemma, dass er mit dem Weintraubenessen nämlich den Landarbeitern Gewalt antut, löst er damit, dass er die Trauben schlicht und einfach klaut. Denn „ein Verbechen gegen die Gesellschaft ist ein gutes Verbrechen“ und somit dient auch das Klauen von Weintrauben letztendlich dazu, die Weltrevolution zu befördern.<strong><br />
 </strong></p>
<p><strong>Ein Kunststück ist gelungen</strong><br />
 Saïd Sayrafiezadeh gelingt mit seinem Roman das grosse Kunststück, seine Leserinnen und Leser vorbehaltlos für sein jüngeres Ich einzunehmen und seine Leiden an den engen Ideologien seiner Eltern greifbar zu machen, ohne letztere vollkommen zu diskreditieren. Obwohl es einem unbegreifbar bleibt, wie ein Vater ohne Not, bloss seiner politischen Überzeugung wegen, seine Familie mir nichts dir nichts verlassen kann, obwohl man die so gut meinende wie unbarmherzig ihre Überzeugungen verfolgende Mutter manchmal schütteln möchte, um ihr das Leiden ihres Kindes vor Augen zu führen, überwiegt doch das Mitleid auch mit Saïds Eltern, die sich selbst das Leben ebenso zu einer Abfolge von Widrigkeiten machen wie ihrem Sohn. Denn anhand seiner Mutter zeigt Sayrafiezadeh eindrücklich auf, welche Folgen die bedingungslose Aufopferung für ein unerreichbares Ideal haben kann, wenn das eigene Weltbild der Wirklichkeit nicht länger standhält.<strong><br />
 </strong></p>
<p><strong>Aufwühlende Abrechnung</strong><br />
 So ist „Eis essen mit Che“ zwar eine Art Abrechnung mit einer verlorenen Kindheit, doch der Blick des Autors ist so voller Ironie, Augenzwinkern und Liebe, dass diese Abrechnung, obwohl sie unbarmherzig und offen ist, nicht in Bitterkeit versinkt. Denn die Absurdität einiger Situationen ist rückblickend immer auch komisch, die Andeutung einer besseren Zukunft für Saïd und das Mitleid mit seiner Mutter, die schlussendlich als gebrochene Frau erscheint, mildern die Wut über die Selbstgerechtigkeit ab, mit der Saïds Eltern, in gutem Glauben zwar, ihrem Sohn das Leben schwerer gemacht haben als nötig. Saïd Sayrafiezadehs Erinnerungen lassen einen nicht kalt. Sie machen wütend und berühren einen mit ihrer trotz allem von Liebe durchtränkten Melancholie. Sie wühlen einen auf durch die unglaublichen ideologischen Verblendungen, die sogar den sexuellen Missbrauch eines Jungen durch die Not im kapitalistischen System erklären wollen, sie berühren einen schmerzvoll und lassen einen doch voller Dankbarkeit für dieses mutige, ehrliche, vergnügliche und einnehmende Buch zurück.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Titel: Eis essen mit Che<br />
 Autor: Saïd Sayrafiezadeh<br />
 Übersetzerin: Bettina Abarbanell<br />
 Verlag: Aufbau<br />
 Seiten: 267<br />
 Richtpreis: CHF 34.50</p>
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		<item>
		<title>Mass &amp; Fieber &#8220;Geld und Gott. Superhelden-Komödie nach Dante&#8221; &#124; Theater Spektakel Zürich, Landiwiese</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Aug 2010 22:02:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sabrina Glanzmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Mass & Fieber]]></category>
		<category><![CDATA[Zürcher Theater Spektakel]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/08/28/mass-fieber-geld-und-gott-superhelden-komodie-nach-dante-theater-spektakel-zurich-landiwiese/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/massfieber_102-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Something is happening here…
Mass &#38; Fieber &#8220;Geld und Gott. Superhelden-Komödie nach Dante&#8221; &#124; Theater Spektakel Zürich, Landiwiese
Mass &#38; Fiebers Aufführungen von &#8220;Geld und Gott&#8221; am Zürcher Theaterspektakel waren im Nu ausverkauft. Alle wollten sehen, wie der Madoffschen Finanz- und Kapitalismuswelt der Spiegel vorgehalten wird. Dieser Spiegel ist bunt, ideenreich, fantasievoll &#8211; und lebt trotz der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="font-size: 16pt; font-weight: bold;">Something is happening here…</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Mass &amp; Fieber &#8220;Geld und Gott. Superhelden-Komödie nach Dante&#8221; | Theater Spektakel Zürich, Landiwiese</span></p>
<div id="attachment_5991" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-5991" title="31. ZÃ¼rcher Theater Spektakel 2010" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/massfieber_102.jpg" alt="Bild|Copyright: Zürcher Theater Spektakel | Christian Altorfer" width="550" height="326" /><p class="wp-caption-text">Bild|Copyright: Zürcher Theater Spektakel | Christian Altorfer</p></div>
<p><strong>Mass &amp; Fiebers Aufführungen von &#8220;Geld und Gott&#8221; am Zürcher Theaterspektakel waren im Nu ausverkauft. Alle wollten sehen, wie der Madoffschen Finanz- und Kapitalismuswelt der Spiegel vorgehalten wird. Dieser Spiegel ist bunt, ideenreich, fantasievoll &#8211; und lebt trotz der Länge des Abends von einem toughen, singstarken Schauspielteam.</strong></p>
<p>Es war eine der sehnlichst erwarteten Inszenierungen des diesjährigen Zürcher Theater Spektakels. Mass &amp; Fieber, der Zürcher &#8220;Verein zur Förderung von anonymen Fiktionen, Kunstspielereien und Vernetzungen aller Art&#8221; um Regisseur Niklaus Helbling und Musiker Martin Gantenbein, hat sich mit Inszenierungen wie  &#8220;Bambifikation&#8221; (1999) oder &#8220;Houdini&#8221; (2006/2007) als grosser Geschichtenerzähler einen Theaternamen gemacht. Die Gruppe sagt von sich selbst, sie sei zwar nicht gegen die &#8220;einfachen Geschichten&#8221;, aber sie wolle diese &#8220;einfach nicht erzählen. Sie entsprechen nicht der Welt wie wir sie wahrnehmen. Unsere Welt ist eine der Assoziation, der Informationsflut, der unsichtbaren Netze zwischen Bildern, Texten, Körpern, Klängen.&#8221; Auch &#8220;Geld und Gott&#8221; ist keine einfache Geschichte und vernetzt sehr viel sehr dicht miteinander &#8211; nichts Geringeres als Geld, Gott und die Hölle, als die Kritik am globalen Finanz- und Kapitalismussystem und der völligen Selbstüberschätzung derer Protagonisten. Alles schon mal gesehen und gehört, in letzter Zeit? Mit Sicherheit nicht in der Form, wie von Mass &amp; Fieber dargestellt.</p>
<div id="attachment_5992" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-5992" title="31. ZÃ¼rcher Theater Spektakel 2010" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/massfieber_095.jpg" alt="Bild | Copyright: Zürcher Theater Spektakel | Christian Altorfer" width="550" height="392" /><p class="wp-caption-text">Bild | Copyright: Zürcher Theater Spektakel | Christian Altorfer</p></div>
<p><strong>Bessere und schlechtere Welt<br />
 </strong>Da gibt es zum Beispiel Juan, ein melancholischer lonesome Cowboy in zu grossen Kleidern (Miguel Abrantes Ostrowski), der aus Resignation Omelettenkoch geworden ist: &#8220;Ich hatte mein Physikstudium abgebrochen, weil mir der Glaube an die Mathematik abhanden gekommen war.&#8221; Dantes &#8220;Divina Commedia&#8221; wird zitiert, wenn Juan von einem &#8220;Mann, der aussah wie Bob Dylan&#8221;, durchs kapitalistische Inferno der Finanzhaie geleitet wird. Sein Freund, der Stuntman Horst, stürzt sich aus dem Fenster des Gotham Palace-Hotel; Gotham City, Metropole des DC-Universums, Metapher für New York, Heimat Batmans -und Dreh- und Umschlagplatz des Supermarktgiganten Otto Gott (ebenfalls Miguel Abrantes Ostrowski).  Juan und &#8220;Bob Dylan&#8221; werden irgendwann zu Kidnappern des ausbeuterischen Kotzbrockens Otto Gott, unterstützt von einer Polizistin am Rande des Nervenzusammenbruchs (Nicole Steiner), von der naiven Schauspielerin Betty (Mareike Sedl) und dem Looser-Anwalt Max (Sivester von Hösslin), der das schlüpfrigen Geld einer reichen Genfer Witwe (sehr hübsch überzeichnet à la française von Nicole Steiner) an irgendeinen Enzo übergeben soll und womit irgendwie Libyen geschadet werden soll: Der Gaddafi-Skandal brachte ihr &#8220;die Lust, böse zu sein.&#8221; Mit Geld will sie &#8220;die Welt zu einem besseren Ort machen&#8221;, und mit Geld macht Otto Gott die Welt zu einer schlechteren. Die Paradoxie dessen zeigt sich in den schnellen Wechseln und in der gewagten Mischung aus Comic-, Musical-, Film Noir-Parodie gewagt &#8211; aber es funktioniert.</p>
<div id="attachment_5995" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-5995" title="31. ZÃ¼rcher Theater Spektakel 2010" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/massfieber_286.jpg" alt="Bild | Copyright: Zürcher Theater Spektakel | Christian Altorfer" width="550" height="402" /><p class="wp-caption-text">Bild | Copyright: Zürcher Theater Spektakel | Christian Altorfer</p></div>
<p><strong>Text, Musik und Video als Rahmen<br />
 </strong>&#8220;Something is happening here, but you don&#8217;t know, what it is, do you&#8221;, diese Liedzeile zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend und zeigt die Ohnmacht uns aller demgegenüber, was tagtäglich in den Finanzmärkten ablauft. Auf der nach oben auslaufenden, begehbaren Bühne von Dirk Thiele wissen die Figuren meist nicht, wie ihnen geschieht. Videoprojektionen auf Bühne und Bildschirme schmeicheln sich ins Ganze ein, und die singstarken Schauspielerinnen und Schauspieler haben eine wahrhafte tour de force zu absolvieren, machen dies aber alle sehr tough, sehr überzeugend, sehr souverän. Zusammen mit dem erneut starken Text der Helblings bildet die Musik und die Video- und Lichtkunst den soliden Rahmen: &#8220;Es war unsere Stadt, gebaut aus deren, die liegen geblieben waren&#8221;, oder &#8220;Der Boden war mit einer dünnen Schicht scheisse bedeckt, sah aber aus wie Mahagony&#8221; sind nur zwei Beispiele dafür. Natürlich sind auch Seitenhiebe wie &#8220;der Ackermann aus Böhmen&#8221; sehr charmant.</p>
<p>Es ist schier unmöglich, diesen vollen Abend adäquat zu beschreiben und alles, was auf dieser Bühne geschieht, sollte im Oktober und November im Theater Rigiblick oder im Dezember in Mühlheim entdeckt werden.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Besprechung der Aufführung vom 20. August 2010.</p>
<p>Weitere Aufführungen am 1. und 2. Oktober sowie am 3., 4. und 5. November 2010 im Theater Rigiblick Zürich, und am 17. und 18. Dezember 2010 im Ringlokschuppen Mühlheim.</p>
<p><strong>Besetzung<br />
 </strong>Schauspiel: Nicole Steiner, Mareike Sedl, Miguel Abrantes Ostrowski, Martin Gantenbein, Silvester von Hössli</p>
<p>Text: Brigitte Helbling, Niklaus Helbling<br />
 Regie: Niklaus Helbling<br />
 Musik: Martin Gantenbein<br />
 Bühnenbild: Dirk Thiele<br />
 Video: Elke Auer<br />
 Kostüme: Judith Steinmann<br />
 Licht: Björn Salzer<br />
 Ton: Mike Hasler<br />
 Artwork: Thomas Rhyner<br />
 Maske: Salome Bigler<br />
 Technik: Peter Affentranger<br />
 Regieassistenz: Katharina Wiss<br />
 Hospitanz: Aydin Alinejad</p>
<p>Dauer: ca. 120 Minuten. Keine Pause.</p>
<p><strong>Im Netz<br />
 </strong><a href="http://www.theaterspektakel.ch/">www.theaterspektakel.ch<br />
 </a><a href="http://www.massundfieber.ch" target="_blank">www.massundfieber.ch</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Niwagekidan Penino &#8220;Frustrierendes Bilderbuch für Erwachsene&#8221; &#124; Theater Spektakel Zürich, Landiwiese</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 13:36:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lisa Letnansky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/08/23/niwagekidan-penino-frustrierendes-bilderbuch-fur-erwachsene-theater-spektakel-zurich-landiwiese/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/web_550-150x150.png class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Landiwiese, Zürich, 21. August 2010 – Mit ihrem „Frustrierenden Bilderbuch für Erwachsene“ bringt die Theatergruppe Niwagekidan Penino am diesjährigen Theaterspektakel ein verstörendes Albtraumspiel auf die Bühne, das den Zuschauer so schnell nicht mehr loslässt.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="font-size: 16pt; font-weight: bold;">Alles nur ein Traum</p>
<p><strong>Niwagekidan Penino &#8220;Frustrierendes Bilderbuch für Erwachsene&#8221; | Theater Spektakel Zürich, Landiwiese</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_5979" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-5979" title="web_550" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/web_550.png" alt="www.niwagekidan.org" width="550" height="188" /><p class="wp-caption-text">www.niwagekidan.org</p></div>
<p><strong>Mit ihrem „Frustrierenden Bilderbuch für Erwachsene“ bringt die Theatergruppe Niwagekidan Penino am diesjährigen Theaterspektakel ein verstörendes Albtraumspiel auf die Bühne, das den Zuschauer so schnell nicht mehr loslässt.</strong></p>
<p>Zu Beginn des Stücks ist es erst mal einige Sekunden lang stockdunkel in der Aktionshalle der Roten Fabrik. Man hört, wie jemand auf die Bühne kommt, aber erst als die Person eine Deckenlampe langsam heller dreht, kann man sie und das Bühnenbild um sie herum allmählich sehen. Wie in einem Traum werden die Umrisse nur langsam erkennbar. Und traumähnlich ist auch das Bild, das sich einem bietet. In einem sehr niedrigen Raum aus Holz, mit kleinen, von aussen mit Pflanzen zugewachsenen Fensterchen an der hinteren Wand, wächst ein abgeschnittener Baumstamm mitten aus dem Boden und ein gleicher aus der Decke in das Zimmer. Zwei niedrige Stühle stehen in den Ecken. Die Gestalt auf der Bühne ist in schwarze Tücher gehüllt und trägt einen merkwürdigen, den Hinterkopf verlängernden Hut. Es handelt sich um eine Frau, aber ob sie so gebückt geht, weil sie alt ist, oder weil die Decke so niedrig ist, bleibt unklar.</p>
<p><strong>Baummilch gewinnende Tierfrauen<br />
 </strong>Bald kommt eine zweite Frau hinzu, die diesmal einem Schwein ähnlich sieht. Jeder scheint einer der Baumstämme zu gehören; aus diesen gewinnen sie eine weisse Flüssigkeit, die sie ihrer Milch beimischen, um jedesmal eine andere Geschmacksrichtung zu erhalten. Sie leben zurückgezogen und verbringen ihren gesamten Alltag damit, ihre Bäume zu pflegen und mit einander zu diskutieren, ob Bootsverleiher ein gewinneinbringender und angenehmer Beruf ist. Diese Szenen wirken wie Episoden aus einem Traum, die Handlungen der beiden Frauen scheinen sinnvoll und gleichzeitig grotesk und absurd. Der beengende Raum und einige unheimlich anmutende Zwischenfälle tun dabei ihr Übriges.</p>
<p><strong>Die Welt unter der Hütte<br />
 </strong>Im zweiten Akt erhält die Geschichte eine Wendung. Unter dem Haus der beiden Frauen liegt ein gefesselter Student, der anscheinend eingeschlafen und hier wieder aufgewacht ist. Der „Gulliver-Mann“ sieht sich von einer Miniaturlandschaft umgeben, mit Bergen, kleinen Häusern und Bäumchen, und sogar einer Dampfeisenbahn, die um ihn herum ihre Runden zieht. Der Student ist verzweifelt, müsste er doch eigentlich für seine Aufnahmeprüfungen lernen, kann sich aber von seinen Fesseln nicht befreien. Schliesslich macht er sich den beiden Frauen bemerkbar, die ihn gütig bei sich aufnehmen, ihm zu essen machen und langsam ihren Gefallen an ihm finden.</p>
<p><strong>Der Regisseur und Psychiater<br />
 </strong>Für den Student geht aber der Albtraum erst los. Eine skurrile Szene reiht sich an die andere und seine Stimmung schwankt zwischen Akzeptanz, Wohlbefinden, Angst und hysterischer Verzweiflung. Das Albtraumhafte an diesem „frustrierenden Bilderbuch für Erwachsene“ ist unübersehbar, und aus dem Infozettel, das vor Beginn des Stücks auf allen Stühlen ausgelegt war, geht hervor, dass genau dies die Absicht des 1976 geborenen Regisseurs Kuro Tanino war. Tanino ist nur nebenberuflich Regisseur und Theatermensch, tagsüber geht er seinem Beruf als Psychiater nach. „Das Stück ist der wahre Traum eines 18-jährigen Patienten, den ich als Psychiater in einer Klinik getroffen habe“ erfährt der Zuschauer. Diesem Traum versuchte er möglichst objektiv nachzuempfinden, was ihm hervorragend gelang.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Uchida meets Freud<br />
 </strong>Das fantastische, bedrückende Bühnenbild, das von Stimmungsschwankungen und grotesken Eingaben geprägte Spiel der Schauspieler lassen den Traum real erscheinen und dennoch traumhaft bleiben. Die unzähligen Anspielungen an die Psychoanalyse, vom männlichen Geschlechtsorgan, das in einen Baumstamm übergeht, bis zum immer wieder auftauchenden Wunsch, seine Mutter zu sehen, stammen wohl eher vom Psychiater Tanino, als vom jungen Patienten, haben aber durchaus nicht die Wirkung eines Fremdkörpers im Stück. Eher könnte man vermuten, dass sich Hyakken Uchida, der Grossmeister der japanischen fantastischen Literatur, mit Sigmund Freud einmal zusammengesetzt hat und man nun das Ergebnis dieses Treffens erblickt.</p>
<p>Nach einer Stunde ist der ganze Zauber vorbei, nach einigen Sekunden der Dunkelheit herrscht wieder Licht in der Aktionshalle. Die gesehenen Bilder werden dem Zuschauer aber wohl noch einige Tage lang im Kopf herumspuken.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Besprechung der Aufführung am 21. August 2010<br />
 Weitere Vorstellungen am 22. bis 24. August 2010</p>
<p><strong>Besetzung<br />
 </strong>Prüfungsvorbereitender Schüler: Ikuma Yamada<br />
 Frau ähnlich einem Schaf: Taeko Seguchi<br />
 Frau ähnlich einem Schwein: Momoi Shimada<br />
 Anderer prüfungsvorbereitender Schüler: Mame Yamada</p>
<p>Regie: Kuro Tanino</p>
<p>Dauer: 60 Minuten</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Im Netz</strong></p>
<p><a href="http://www.theaterspektakel.ch" target="_blank">www.theaterspektakel.ch<br />
 </a><a href="http://www.niwagekidan.org" target="_blank">www.niwagekidan.org</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Faifai &#8220;My name is I LOVE YOU&#8221; &#124; Theater Spektakel Zürich, Landiwiese</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 13:28:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lisa Letnansky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nahaufnahmen.ch/?p=5971</guid>
		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/08/23/faifai-my-name-is-i-love-you-theater-spektakel-zurich-landiwiese/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/Bildschirmfoto-2010-08-23-um-15.20.29-150x150.png class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Landiwiese, Zürich, 20. August 2010 – Das alltägliche Leben in einer hochmodernen, schnellebigen und hektischen Welt und die schwierige Aufgabe, darin die Liebe zu finden – das ist das Thema unzähliger Filme, Romane und Theaterstücke. Auch das japanische Theaterkollektiv Faifai hat sich dieser Materie angenommen, bringt aber leider nur eine oberflächliche und etwas lächerlich anmutende Darstellung zustande.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="font-size: 16pt; font-weight: bold;">Grelle Farben und kreischende Stimmen</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Faifai &#8220;My name is I LOVE YOU&#8221; | Theater Spektakel Zürich, Landiwiese</strong></p>
<div id="attachment_5972" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-5972" title="Bildschirmfoto 2010-08-23 um 15.20.29" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/Bildschirmfoto-2010-08-23-um-15.20.29.png" alt="www.faifai.tv" width="550" height="285" /><p class="wp-caption-text">www.faifai.tv</p></div>
<p><strong>Das alltägliche Leben in einer hochmodernen, schnellebigen und hektischen Welt und die schwierige Aufgabe, darin die Liebe zu finden – das ist das Thema unzähliger Filme, Romane und Theaterstücke. Auch das japanische Theaterkollektiv Faifai hat sich dieser Materie angenommen, bringt aber leider nur eine oberflächliche und etwas lächerlich anmutende Darstellung zustande.</strong></p>
<p>Die junge, 2004 gegründete Gruppe Faifai (schnell schnell) unter der Leitung von Chiharu Shinoda ist in der Theaterszene Tokios bekannt für ihre poppigen, experimentellen Stücke und die Parties, die sie jeweils im Anschluss an ihre Aufführungen geben. Am diesjährigen Theaterspektakel sind sie in Zürich zu Gast und führen das Stück “My name is I LOVE YOU“ auf, mit dem sie bereits 2009 durch Europa getourt sind. Das Alltagsleben in einer hochtechnisierten Welt und der Stellenwert der Liebe sind ihr Anliegen; eine zwar nicht mehr ganz neue, aber immer noch fruchtbare und vielversprechende Thematik, sollte man meinen.</p>
<p><strong>Einstimmung und Verwirrung<br />
 </strong>Bevor das Stück beginnt, sieht man auf der Leinwand auf der Bühne eine Zeitrafferaufnahme eines Bahnhofs in Tokio – herumwuselnde Menschen und eine hektische Atmosphäre. Eine vielversprechende Einstimmung auf ein Stück, das genau von dieser Atmosphäre berichten soll. Dann tritt Ayami Sasaki, die für das Bühnenbild zuständig ist, vor das Publikum, und erklärt, warum dieses von zwei riesigen Abbildungen von Steinhunden flankiert ist. Dies erläutert sie aber leider in gebrochenem Englisch und mit ziemlich leiser Stimme, sodass den Zuschauern in den hinteren Reihen der Sinn ihrer Rede zwangsläufig im Dunkeln bleiben muss. Die Hunde warten auf irgend etwas, auf was und was das Ganze mit dem Stück zu tun hat, bleibt leider unklar.</p>
<p><strong>Technischer Schnickschnack<br />
 </strong>Man sieht darüber hinweg und hofft, dass die Akteure etwas besser verständlich sein werden. Diese Erwartung wird zwar erfüllt, aber auf eine etwas eher unkonventionelle Art und Weise. Faifai verzichtet fast vollständig auf Obertitel oder ähnliches. Stattdessen begnügen sich die Figuren auf der Bühne mit lauten Ausrufen, schrillem Lachen und anderen Stimmungslauten. Neben der Bühne, für alle gut ersichtlich, sitzt eine junge blonde Frau mit einem Mikrofon und dem Skript aufgeschlagen vor sich und spricht den Text für die Charaktere. Mit einem Stimmenverzerrer verändert sie ihre Stimme, je nachdem ob eine Frau oder ein Mann spricht. Ein technischer Schnickschnack, der anfangs für einige Lacher sorgt; die tiefe, grunzende Männerstimme und die hohe, schrille Frauenstimme wirken mit der Zeit aber eher nervig als innovativ und die flache, emotionslose Redeweise von Olga Nagy trägt leider auch nicht wirklich zur Unterhaltung bei.</p>
<p><strong>Technofan und Sexroboter<br />
 </strong>“My name is I LOVE YOU“ erzählt von Techno, einem der elektronischen Musik verfallenen College Student, der auf Hakase trifft, ein Mann, der sein Geld in der florierenden Sexindustrie verdient. Seine Haupteinnahmequelle nennt sich Soft und ist halb Mensch, halb Sexroboter. Komplettiert werden sie von Hard, einem vollständigen Sexroboter und einem Mädchen aus der Zukunft. Die Figuren haben alle ihre kleinen Problemchen, verlieben sich in einander und testen ihre Grenzen aus. Trotzdem bleibt die Handlung verworren und flatterhaft, vor allem, weil einige Gedankengänge leider nicht zu Ende gedacht werden – zum Beispiel die Gründung einer neuen Universität mit lockeren Regeln, oder die Frage, ob das Mädchen aus der Zukunft durch ihren Aufenthalt in der Gegenwart die Zukunft nachhaltig verändert. Die Gruppe scheint sich dieser Dürftigkeit der Handlung auch bewusst zu sein, und so setzen sie den Hauptakzent auf ihre körperliche Präsenz auf der Bühne, ein Herumgehaspel, das an etwas zwischen Martial Arts, Ausdruckstanz und epileptischem Anfall anmutet. Natürlich erinnert das stark an die überspitzte Figurendarstellung japanischer Mangas, welchen Mehrwert es aber diesem Stück bringen soll, ist fragwürdig.</p>
<p>Für Mangafans und Liebhaber der japanischen Popmusik mag “My name is I LOVE YOU“ unterhaltsam und witzig sein. Für die meisten anderen bleibt es aber leider bei einem grellen und schrillen Durcheinander ohne echte Emotionen oder geistige Höhepunkte.</p>
<p>Besprechung der Aufführung am 20. August 2010<br />
 Weitere Vorstellungen am 21. und 22. August 2010</p>
<p><strong>Besetzung<br />
 </strong>Techno: Shiro Amano<br />
 Hakase: Koji Yamazaki<br />
 Hard: Atunori Kawamura<br />
 Soft: Rino Daidoji<br />
 Future Girl: Mai Nakabayashi<br />
 Voice: Olga Nagy</p>
<p>Regie: Chiharu Shinoda<br />
 Text: Yoko Kitagawa<br />
 Bühnenbild und VJ: Ayami Sasaki<br />
 Lichtdesign: Takayuki Tomiyama<br />
 Sounddesign: Daisuke Hoshino<br />
 Kostüme: Kyoko Fujitani<br />
 Choreographie: Kinuyo Nogami</p>
<p>Dauer: 60 Minuten</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Im Netz<br />
 </strong><a href="http://www.theaterspektakel.ch">www.theaterspektakel.ch<br />
 </a><a href="http://faifai.tv" target="_blank">www.faifai.tv</a></p>
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		<title>&#8220;Ajami&#8221; von Scandar Copti &amp; Yaron Shani</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 08:31:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra Despont</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf der Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Abu-George Shibli]]></category>
		<category><![CDATA[Ajami]]></category>
		<category><![CDATA[Elias Sabah]]></category>
		<category><![CDATA[Eran Naim]]></category>
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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/08/20/ajami/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/ajami-1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Ein Film, bei dessen Dreh die Schauspieler das Drehbuch nicht gekannt haben. Ein Film, bei dem die Schauspieler eigentlich auch gar keine Schauspieler waren. Ein Film, bei dem die Wahrheit relativ ist, weil es immer noch eine zweite Kamera gab. Das ist "Ajami".]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Es geht immer um die Familie</h1>
<h2>&#8220;Ajami&#8221; von Scandar Copti &amp; Yaron Shani</h2>
<p><img class="size-full wp-image-5965 alignnone" title="ajami 1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/ajami-1.jpg" alt="ajami 1" width="550" height="369" /></p>
<h3>Ein Film, bei dessen Dreh die Schauspieler das Drehbuch nicht gekannt haben. Ein Film, bei dem die Schauspieler eigentlich auch gar keine Schauspieler waren. Ein Film, bei dem die Wahrheit relativ ist, weil es immer noch eine zweite Kamera gab. Das ist &#8220;Ajami&#8221;.</h3>
<p>Von Sandra Despont.</p>
<p>Mit &#8220;Ajami&#8221; haben Scandar Copti und Yaron Shani israelische Filmgeschichte geschrieben. Dass ein arabischer Christ und ein Jude zusammen einen Film drehen, und dann noch grösstenteils in Arabisch, ist an sich schon keine Selbstverständlichkeit. Wenn diese beiden dann auch noch eine brisante Gesellschaftsanalyse wagen, ohne dabei plakativ den Konflikt zwischen jüdischen und arabischen Israeli auszuschlachten, dann ist das unüblich. Und wenn dieser Film dann auch noch über eine aussergewöhnliche Realitätsnähe verfügt, ohne aufzuhören, ein Spielfilm zu sein, ja dann wird dieser Film schon mal für die Oscars nominiert.</p>
<h3>In medias res – In dreissig Sekunden</h3>
<p>Bevor man es sich gemütlich machen, bevor man sich langsam in den Film einfinden, bevor man sich mit den Charakteren geruhsam anfreunden kann, ist man auch schon mitten in der Handlung von &#8220;Ajami&#8221;. Versehentlich wird der Nachbar Omars auf offener Strasse erschossen. Er war gerade dabei, an dem Auto herumzubasteln, das bis vor Kurzem noch Omar gehört hat. Es ist klar: eigentlich hätte Omar getötet werden sollen. Sein Onkel hat nämlich ein bekanntes Clanmitglied verletzt, als dieses Schutzgeld erpressen wollte. Die Tötung Omars sollte Teil der Racheaktion gegen die Familie des Onkels sein. Nur mit einer immensen Geldsumme könnte sich Omars Familie freikaufen, sonst wird die ganze Familie ausgelöscht. Denn, so macht der Vermittler Abu Elias klar: Die Mörder des Nachbarn wollen töten. Ob Omar eine persönliche Schuld trifft, ist ihnen egal.</p>
<h3>120 Minuten irrationale Gewalt</h3>
<p>Die ersten Szenen &#8220;Ajamis&#8221; setzen den Massstab für die folgenden 120 Minuten. Brutale, irrationale Gewalt in einer Welt, von der der Lack der Zivilisation in grossen Stücken abbröckelt, und die verzweifelte Suche nach einer Möglichkeit, Geld zu verdienen, um existentielle Probleme zu beseitigen, sind zentrale Themen des Films. Dazwischen fehlt es nicht an intimen Momenten der Nähe zwischen einzelnen Figuren, doch angesichts der Realitäten, seien diese nun politischer oder religiöser Art, sind Ideen von Freundlichkeit und Versöhnung jammervolle Gestalten. Mit einer zarten Geste wird etwa die Liebe zwischen Omar und Hadir, Abu Elias’ Tochter, eingeführt. Doch auch über dieser Liebe liegt der Fluch &#8220;Ajamis&#8221;, eines Viertels in Jaffa, der ein Schmelztiegel der Kulturen genannt werden kann. Ein Schmelztiegel, der zeigt, dass das Neben- und Miteinanderleben auf engstem Raum nicht unbedingt zur Überwindung von Vorurteilen und Barrieren in den Köpfen führen muss.</p>
<div id="attachment_5966" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-5966" title="ajami 2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/ajami-2.jpg" alt="© Studio / Produzent" width="550" height="342" /><p class="wp-caption-text">© Studio / Produzent</p></div>
<p>Ein zweistündiger Gewaltexzess ist &#8220;Ajami&#8221; keineswegs. So oft wird nicht geschossen, so viele Menschen sterben nicht. Der Eindruck der unglaublichen Gewalttätigkeit entsteht vor allem durch die fast ausgefallene dokumentarische Drehweise, der sich Scandar Copti und Yaron Shani bedient haben. Angefangen beim Casting sind die beiden Filmemacher getreu nach dem Motto vorgegangen, dass &#8220;Realität stärker und interessanter sein kann als Imagination&#8221;. Sämtliche Schauspieler sind Laiendarsteller und alle kommen sie aus den Häusern und Strassen der Umgebung, in der &#8220;Ajami&#8221; spielt. Während eines 10-monatigen Schauspielworkshops mit mehr als 300 Teilnehmern haben sie sich zu den Figuren entwickelt, die in &#8220;Ajami&#8221; porträtiert werden. Und damit nicht genug. Statt ein Drehbuch in die Hand gedrückt zu kriegen, Texte auswendig zu lernen und stupide einem Drehplan mit unzähligen Szenenwiederholungen zu folgen, liessen die Filmemacher auch während des Drehs die Realität die Oberhand behalten.</p>
<h3>Die Quadratur des Kreises – oder: wie man ohne Drehbuch mit Drehbuch dreht</h3>
<p>Wahrhaftigkeit wollten Scandar und Yaron erreichen. Ihre Schauspieler sollten ihre Figuren nicht spielen, sondern sie leben. Sie sollten zwar handeln, wie es im Drehbuch steht, sagen, was im Drehbuch steht, doch ohne dieses Drehbuch zu kennen. Deshalb war es die Hauptaufgabe der Regisseure, die Schauspieler in bestimmte Gemüts- oder Bewusstseinszustände zu versetzen und dazu zu bringen, die Kameras zu vergessen und so zu agieren, wie sie das in Wirklichkeit täten. Ohne Proben wurden die Szenen gespielt, logischerweise in chronologischer Abfolge, damit die Schauspieler ganz bei ihren Figuren, deren Entwicklung und in ihrer Geschichte waren. Deshalb ist in „Ajami“ vieles echter als in konventionellen Filmproduktionen. Als Zuschauer überkommt einen mehr als einmal das beklemmende Gefühl, intimen Szenen beizuwohnen, Situationen und Gefühle zu erleben, die zu privat sind, als dass man sie beobachten könnte, ohne dabei voyeuristisch zu sein. So etwa, als einer jüdischen Familie mitgeteilt wird, dass der verschwundene Sohn tatsächlich tot ist. Die Szene, die sich daraufhin abspielt, hat nichts mit hollywoodschen Trauerbezeugungen gemein. Sie wirkt, ja, eben echt.</p>
<h3>Vom kurzen Drehen und vom langen Schneiden</h3>
<p>Da keine Szene, wenn nicht unbedingt notwendig, wiederholt wurde, und nur genau eine Schlüsselszene einer klassischen Drehart folgte, war der Dreh selbst eine Kleinigkeit. In 23 Tagen war die Hauptsache im Kasten. Viel schwieriger war der Schnitt. Wie beim Schnitt eines Dokumentarfilmes mussten zahlreiche Stunden Filmmaterial ausgewertet und an die Vision der Filmemacher angepasst werden. Denn obwohl die Szenen chronologisch gedreht wurden, werden sie im Film keineswegs chronologisch präsentiert. Die komplexe Erzählstruktur legt Zeugnis davon ab, wie gut durchdacht „Ajami“ letztlich ist. Und die Erzählweise passt wie die Faust aufs Auge. Auch als Zuschauer wird man Teil der Realität „Ajamis“. Die abrupten Szenenwechsel lassen einen nie in Hollywood-Sehgewohnheiten mit tief im Sessel sitzenden Popcornmampfen verfallen. Die dokumentarische Drehweise schafft eine grosse Nähe zu Figuren und Ereignissen, die schnellen Schnitte und der vorwärts drängende Schwung vieler Szenen ziehen einen zusätzlich in die Filmrealität hinein, so dass man als Zuschauer kaum unbeteiligt bleiben kann.</p>
<h3>Brücke zwischen Doku und Action</h3>
<p>Gleichzeitig vergisst man keine Minute lang, dass man es hier mit einem künstlerischen und komplex konstruierten Produkt zu tun hat, denn gleichsam als Brücke zwischen dokumentarischer Drehweise und Spannungskino werden nicht nur Chronologien, sondern auch Blickwinkel durcheinander gewirbelt. Als Zuschauer kann man erst mit der Zeit Ereignisse, Beziehungen zwischen Figuren und Handlungsmotivationen richtig rekonstruieren. Dass einige Szenen doppelt, jeweils aus unterschiedlichen Kameraperspektiven gezeigt werden, macht einerseits die Subjektivität jeden Erlebens deutlich und führt andererseits dazu, dass die Idee von der Handlung immer wieder korrigiert werden muss. Dieser Kunstgriff, der in geringem Mass häufig, exzessiv etwa in Filmen wie „Memento“ oder „Babel“ verwendet wurde und wird, lässt in „Ajami“ auch danach fragen, ob es eine objektive Wirklichkeit tatsächlich geben kann und inwiefern wir und unsere Handlungen von unserem Blickwinkel &#8211; im tatsächlichen wie im übertragenen Sinne &#8211; geprägt sind.</p>
<h3>Gesellschaftspanorama</h3>
<p>Nach und nach rollen Copti und Shani, begonnen mit der Geschichte Omars, ein ganzes Panorama der Gesellschaft im Stadtviertel Ajami vor den Augen der Zuschauer aus. Der Schwerpunkt liegt zwar bei den mehrheitlich muslimischen, israelischen Arabern liegt, doch mit Abu Elias wird auch eine christlich-arabische und mit dem Polizisten Dando eine jüdische Familie eingeführt. Immer wieder sind Nähe und Distanz ein Thema, etwa wenn der christliche Vater und Arbeitgeber Omars zu der Liebschaft zwischen seiner Tochter und dem Muslimen Omar Stellung beziehen muss oder wenn Binj, der aus einer palästinensischen Familie stammt, quasi zum Feind überläuft, indem er plant, mit seiner jüdischen Freundin zusammenzuziehen und seine Freunde so in einen tiefen Loyalitätskonflikt stürzt.</p>
<h3>Die Familie als Verpflichtung und Rückzugsort</h3>
<p>Dreh- und Angelpunkt für die Konflikte der Figuren und letztlich auch Ausgangspunkt für Verbrechen und Gewalt ist aber immer wieder die Familie. Ob Omar verzweifelt nach einer Möglichkeit sucht, sich und seine Familie freizukaufen, ob Malek, ein palästinensicher Teenager aus einem Flüchtlingslager der Westbank, der illegal in Israel arbeitet, überlegt, wie er Geld für die Operation seiner schwer kranken Mutter beschaffen kann, ob Dando angesichts des Verschwindens seines Bruders versucht, mit eigenem Verlust und der Trauer seiner Eltern klar zu kommen – es geht, wie Abu Elias sagt, letztlich „immer um die Familie“. Die Figuren handeln allesamt in einem höchst gesellschaftlichen, durch die Macht des Blutes geprägten Kontext. Als Individuen sind sie kaum greifbar. Ihre Sehnsüchte und Wünsche sehr effizient von Familienstrukturen, Verpflichtungen und  Abhängigkeiten kontrolliert. Gleichzeitig wird die Familie aber auch als Rückzugsort und Schutzraum gezeigt. Ein Raum, der nur allzu oft von der einbrechenden und oft brutalen Wirklichkeit bedroht, wenn nicht gar zerstört wird.</p>
<p>Der vielfach preisgekrönte „Ajami“ ist ein faszinierender Film, der sich allein schon durch seine spezielle Machart von der Masse der Filmproduktionen abhebt. Er bietet einen Blick in eine zerrissene Gesellschaft und zeigt im Kleinen des Stadtviertels Mechanismen von Bedürftigkeit, Verbrechen und Gewalt auf – und das aus mehreren Winkeln, aus verschiedenen Perspektiven, in einer überlegten, packenden Komplexität.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Ab dem 19. August 2010 im Kino.</p>
<p>Originaltitel: Ajami (Israel 2009)            <br />
 Regie: Scandar Copti &amp; Yaron Shani<br />
 Darsteller: Shahir Kabaha, Ibrahim Frege, Fouad Habash, Youssef Sahwani, Ranin Karim, Eran Naim, Scandar Copti, Elias Sabah, Hilal Kabob, Nisrin Rihan, Tami Yerushalmi, Moshe Yerushalmi, Sigal Harelv, Abu-George Shibli<br />
 Genre: Drama<br />
 Dauer: 120 Minuten<br />
 CH-Verleih: Trigon</p>
<p><strong>Im Netz</strong><br />
 <a href="http://www.youtube.com/watch?v=atG9ta5foM4" target="_blank">Trailer</a></p>
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		<title>Deon Meyer: &#8220;Schwarz Weiss Tot&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 08:27:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefanie Feineis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Deon Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarz Weiss Tot]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/08/20/schwarz-weiss-tot/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/schwarz-weiss-tot-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Der hierzulande zu Unrecht erst mässig bekannte Krimiautor entführt den Leser in sechs abgeschlossenen Kurzgeschichten direkt nach Südafrika, und bietet neben einer kulturellen Erfahrung auch Spannung auf hohem Niveau.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Krimigenuss mit exotischem Beigeschmack</h1>
<h2>Deon Meyer: &#8220;Schwarz Weiss Tot&#8221; (Stories)</h2>
<h3>Der hierzulande zu Unrecht erst mässig bekannte Krimiautor Deon Meyer entführt den Leser in sechs abgeschlossenen Kurzgeschichten direkt nach Südafrika und bietet neben einer kulturellen Erfahrung auch Spannung auf hohem Niveau.</h3>
<p>Von Stefanie Feineis.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-5960" title="schwarz weiss tot" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/schwarz-weiss-tot.jpg" alt="schwarz weiss tot" width="200" height="331" />Wie der Autor im Anhang verrät, liegt jeder seiner Geschichten eine bestimmte Inspiration zu Grunde, sei es eine Aufgabe in einem Workshop für kreatives Schreiben oder eine spontane Idee beim Verfassen eines Romans, die jedoch nichts mit dem gegenwärtigen Projekt zu tun hatte. Das Resultat sind sechs verschiedene Kurzgeschichten, von denen die letzte, &#8220;Auszeit&#8221;, auf Grund ihrer Länge von 122 Seiten auch fast schon als Kurzroman bezeichnet werden könnte.</p>
<h3>Südafrikanische Variationen</h3>
<p>So verschieden wie die Inspirationen sind auch die Schauplätze, Figuren und Ideen, teilweise sogar die Erzählweise. Von der Steppe zur Grossstadt, vom Polizisten über den Bodyguard bis zum Geschäftsmann, und von organisierter Kriminalität bis zum eiskalten Mord findet sich hier für jeden Geschmack etwas, rasante Verfolgungsjagden kommen ebenso vor wie mühselige ermittlerische Kleinstarbeit. In diesem Variantenreichtum liegt aber zugleich auch der Schwachpunkt der Kurzgeschichtensammlung: Dem durchschnittlichen Leser fällt es schwer, jeder der so unterschiedlichen Geschichten gleich viel abzugewinnen. Je nach persönlicher Präferenz ist die eine Geschichte viel zu schnell vorbei, während sich eine andere so endlos hinzieht wie das berühmte südafrikanische Buschland.</p>
<h3>Für Fans und Neueinsteiger</h3>
<p>Meyer gilt zu Recht als einer der erfolgreichsten Krimiautoren Südafrikas. Seit 1994 veröffentlichte der erfahrene Journalist mehrere Romane und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter auch zweimal den Deutschen Krimipreis. Daher überrascht es nicht, dass er mit einigen seiner Geschichten an bereits erschienene Werke anknüpft. Der erfahrene Leser findet sich sofort im gewohnten Umfeld wieder und erfreut sich an den zahlreichen Begegnungen mit neuen und bereits bekannten Figuren. Neueinsteiger erhalten einen ersten Einblick in Meyers Welt. In jedem Fall fühlt sich der Leser sprichwörtlich nach Südafrika versetzt und erhält einen tiefen Einblick in die Kultur und die Lebensweise des Landes, sowie in den Alltag polizeilicher Ermittlungsarbeit.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Titel: Schwarz Weiss Tot        <br />
 Autor: Deon Meyer<br />
 Übersetzerin: Stefanie Schäfer<br />
 Verlag: Aufbau<br />
 Seiten: 282<br />
 Richtpreis: CHF 10.80</p>
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		<title>Sue Townsend: &#8220;Die verschollenen Tagebücher des Adrian Mole&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 08:25:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefanie Feineis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Adrian Mole]]></category>
		<category><![CDATA[Die verschollenen Tagebücher des Adrian Mole]]></category>
		<category><![CDATA[Sue Townsend]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/08/20/die-verschollenen-tagebucher-des-adrian-mole/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/adrian-mole-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Endlich ein Wiedersehen mit Englands charmantestem Chaoten und beliebtesten Tagebuchverfasser. Sue Townsends neuestes Werk eignet sich daher vor allem für treue Fans der Serie, da gewisse Vorkenntnisse durchaus hilfreich sind.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Kinder, Karriere und weitere Katastrophen</h1>
<h2>Sue Townsend: &#8220;Die verschollenen Tagebücher des Adrian Mole&#8221; (Roman)</h2>
<h3>Endlich ein Wiedersehen mit Englands charmantestem Chaoten und beliebtesten Tagebuchverfasser. Sue Townsends neuestes Werk eignet sich daher vor allem für treue Fans der Serie, da gewisse Vorkenntnisse durchaus hilfreich sind.</h3>
<p>Von Stefanie Feineis.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-5955" title="adrian mole" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/08/adrian-mole.jpg" alt="adrian mole" width="200" height="316" />Wie eingeweihte Leser längst wissen, wünscht sich der Anti-Held und eifrige Tagebuchschreiber Adrian Mole eigentlich nur drei Dinge im Leben: eine Karriere als Schriftsteller, finanzielle Sicherheit und eine dauerhafte Beziehung mit seiner wahren Liebe. Doch trotz grosser Anstrengung gelang es ihm bisher nicht, auch nur eines dieser Ziele zu erreichen.</p>
<h3>Adrian Mole im neuen Jahrtausend</h3>
<p>Vieles hat sich verändert, seit wir Adrian Mole, den Helden dieser Serie, im Alter von gerademal 13 dreiviertel Jahren kennenlernten. Inzwischen ist der einst rebellische Teenager nicht nur erwachsen, sondern auch alleinerziehender Vater von zwei Söhnen, die zum einen sehr an einen jüngeren Adrian erinnern, zum anderen aber weit reifer erscheinen als ihr Erziehungsberechtigter. Der lange gehegte Traum, ein erfolgreicher und berühmter Schriftsteller zu werden, scheint endgültig ausgeträumt, statt Ruhm und Reichtum erwarten Adrian ein Umzug in die Sozialsiedlung und ein Nebenjob im Imbiss.</p>
<h3>Keine Besserung in Sicht</h3>
<p>Wenig Hilfe kann Adrian von seinen Verwandten und Bekannten erwarten. Die Familie ist gespalten wie eh und je, seine Eltern sind in ein Hin- und Her aus Hochzeiten, Scheidungen und Affären verstrickt, seine Jugendliebe Pamela widmet sich lieber ihrer politischen Karriere, als auf Adrians Annäherungsversuche einzugehen, und die Mütter seiner beiden Söhne haben sich ein neues Leben mit anderen Partnern aufgebaut. Doch Adrian gibt noch lange nicht auf, und der Leser fiebert auch diesmal wieder mit: Wird es ihm endlich gelingen, einen Verlag von sich zu überzeugen? Wird er Pamelas Herz erobern? Und woher stammen seine Verbindungen zu Al Quaida, die schliesslich zur Beschlagnahmung seines Tagebuchs führen?</p>
<h3>Das letzte Tagebuch</h3>
<p>Sue Townsend legt mit diesem Roman ihr inzwischen siebtes Tagebuch von Adrian Mole vor, obwohl sie nach Band sechs angekündigt hatte, die Serie aus gesundheitlichen Gründen einzustellen. In England ist bereits ein achter Band erschienen, der endgültige Abschluss, an dessen Ende Adrian beschliesst, kein neues Tagebuch mehr zu führen. Der Autorin gelang mit dieser Serie nicht nur eine brillante Parodie der englischen Mittelschicht und der Zeit von der Thatcher-Ära bis heute, sondern auch das Kunststück, einen eigenbildeten, selbstsüchtigen, neurotischen Chaoten liebenswert und sympathisch zu machen. Obwohl Adrian Mole objektiv gesehen kein angenehmer Zeitgenosse war, werden ihn seine Fans wohl trotzdem sehr vermissen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Titel: Die verschollenen Tagebücher des Adrian Mole    <br />
 Autorin: Sue Townsend<br />
 Übersetzerin: Astrid Finke<br />
 Verlag: Heyne<br />
 Seiten: 272<br />
 Richtpreis: CHF 16.50</p>
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