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	<title>nahaufnahmen.ch &#187; Interview</title>
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		<title>Stefan Brader</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 22:00:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joel Krebs</dc:creator>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendsession]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/07/01/stefan-brader/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/js-brader-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Stefan Brader, 20 Jahre alt, ist Gruppenleiter an der jugendsession.sommer09, d.h. er moderierte eine der vier Gruppen, in welcher zu einem bestimmten Thema Vorschläge, Petitionen u.ä. ausgearbeitet wurde. Daneben ist er Mitglied des Organisationskomitees der Eidgenössischen Jugendsession, welche im Herbst stattfinden wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Interview mit Stefan Brader</h1>
<h2>Mitglied des Organisationskomitees Jugendsession 2009, Gruppenleiter jugendsession.sommer 09</h2>
<div id="attachment_2254" class="wp-caption alignleft" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-2254" title="js-brader" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/js-brader.jpg" alt="Stefan Brader (l.u.)" width="550" height="261" /><p class="wp-caption-text">Stefan Brader (l.u.)</p></div>
<p><em><strong>Wie lange engagierst du dich bereits für die Jugendsession?</strong></em><br />
 Die eidgenössische Jugendsession 2008 war meine erste Jugendsession als Teilnehmer. Das Organisationskomitee hat damals einen Wandel durchgemacht und es wurden vier oder fünf Plätze frei. Ich habe mich gemeldet und so wurde ich Mitglied des OK für die eidgenössische Jugendsession..</p>
<p><em><strong>Bist du sonst politisch aktiv?</strong></em><br />
 Eigentlich nicht. In meiner Zeit am Gymnasium vor einem Jahr war ich für drei Jahre Vizepräsident der Schülerorganisation der Kantonsschule Enge. Ich habe dort mitgeholfen diese Organisation aufzubauen, habe dann aber die Schule gewechselt. Ansonsten bin ich nicht politisch aktiv, bin parteilos, konfessionslos und auch sonst gehöre ich keinem Verein an.</p>
<p><em><strong>Wieso nicht? Fehlt es an Zeit, Motivation oder Gelegenheit?</strong></em><br />
 Ich habe während meiner Zeit in der Schülerorganisation bemerkt, dass ich sehr gut darin bin, Dinge zu organisieren, aber wohl eher eine Meinung habe, die polarisierend und wohl auch zu radikal ist. Ich sehe meinen Platz darin, anderen die Gelegenheit zu geben politisch aktiv zu sein, doch selbst wäre ich dafür zu ungeduldig und zu aufbrausend.<br />
 Zudem ist es sicher auch ein Zeitfaktor, denn ich bin der Ansicht, dass wenn jemand wirklich Politik geht dies vollständig tun sollte. Das wäre es mir nicht wert und würde mich auch nicht glücklich machen.<br />
 Aber ich finde es sehr gut, dass es Leute gibt, die politisch aktiv sind. Ich finde es sehr schade, dass es so viele gibt, die es nicht sind. Vor allem aber finde ich es sehr schade, wie die Jungendlichen im momentan von der Politik gesehen werden und wie die Jugendlichen die Politik sehen.</p>
<p><em><strong>Welche Gründe sind deiner Meinung nach für diese Sicht verantwortlich?</strong></em><br />
 Zum einen ist es sicher ein Generationenkonflikt. Es hat es schon immer gegeben, dass die Alten sagten, die Jungen seien nicht anständig und die Jungen sagten, die Alten hören nicht auf sie. Aber man darf das nicht als Entschuldigung für alles sehen.<br />
 Ich sehe da auch neuere Gründe: Wir leben in einer extrem schnelllebigen Zeit, in welcher die Jungen grundsätzlich an nichts mehr interessiert sind. Werte die bis anhin gegolten haben, zerfallen schnell und neue Werte kommen auf. Nicht dass ich in der Ansicht konservativ bin, aber ich halte die momentane Gesellschaft für „jugendzerreissend“, d.h. die Jungen wissen gar nicht mehr wohin sie sich wenden sollen, sie strömen über all hin und versuchen trotzdem sich noch in die Gesellschaft einzugliedern. Kleider, Marken, das sind alles Versuche in eine Gruppe hineinzukommen, denn in der grossen Menge gehen sie völlig verloren. Drastisch formuliert sind die Jugendlichen heute verloren verwirrt und wenn da noch eine tiefe Frustrationstoleranz hinzukommt, dann artet es schnell aus. Ich finde den Zustand der Jugend in der Schweiz bedenklich. Das ist zwar Kritik auf einem hohen Niveau, aber ich glaube, wenn man hier keine Massnahmen ergreift, dann wird es später sehr schwierig hier eine Trendwende einzuleiten und diese Generationen wirklich in die Gesellschaft einzubinden.</p>
<p><em><strong>Als ich mich im Vorfeld über die Jugendsession informiert habe und mich in meinem Umfeld umgehört habe, ob dies ein Thema ist, meinten viele, dass man ja nichts bewirke.</strong></em><br />
 Ich persönlich bin der Ansicht, dass es bei der Jugendsession nicht vorrangig darum geht etwas zu bewirken. Trotzdem gibt es immer wieder Petitionen die weit kommen bzw. Anregungen schaffen und das Forum Jugendsession betreibt ja das ganze Jahr über Lobbyarbeit, d.h. sie treffen sich mit Nationalräten, Politikern usw. Hier bewegt sich wirklich etwas. Natürlich ist es schwer das zu beweisen oder aufzuzeigen. Doch es gibt viel wichtigere Effekte der Jugendsession: Diese kommt nun vielleicht bei dieser eintätigen Jugendsession.sommer etwas zu kurz, aber die dreitägige eidgenössische Jugendsession besitzt ein Rahmenprogramm, d.h. Aktivitäten zum Kennen lernen der Leute, der Stadt, ein Fest und man lernt so die Mechanismen und die Abläufe in der Politik kennen. Jugendliche die an der Jugendsession teilnehmen, die sind natürlich bereits politisch interessiert, das merkt man. Wenn nun aber jemand an der Jugendsession teilnimmt, dann geht der vielleicht danach nach Hause und sagt: „Die Jugendsession ist zwar nichts für mich, aber ich will trotzdem politisch aktiv sein.“ Damit hat die Jugendsession auch bereits viel getan.</p>
<p><em><strong>Wenn man junge Politiker anschaut, dann werden diese werden diese zu starken Medienfiguren. Trägt das zu einem positiven Bild der jungen Politiker bei?</strong></em><br />
 Es wird halt seitens der Partei sehr viel Zukunftsdenken in eine solche Person investiert und all diese Hoffnungen und Erwartungen kann eine solche Person eigentlich gar nicht erfüllen. Denn auch wenn man nun im Nationalrat ist, kann man alleine kaum etwas bewirken. Ein junger Nationalrat macht den Nationalrat noch nicht jung. Doch grundsätzlich haben junge Nationalräte, wie zum Beispiel der grüne Nationalrat Bastien Girod, ein sehr gutes Image.</p>
<p><em><strong>Der zweite Vorwurf an die Jugendsession lautet, dass dies doch eh nur ein linker Haufen sei.</strong></em><br />
 Ja, das steht auch gar nicht zur Debatte. Ich glaube beinahe jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin stehen politisch links oder zumindest mitte-links. An der eidgenössischen Jugendsession sind nicht einmal ein Dutzend Teilnehmer dem rechten Lager zuzuordnen, was natürlich den Nationalrat in keinster Weise repräsentiert. Geo Taglioni, der Projektleiter der Jugendsession, hat das Problem erkannt und weiss um das Problem. Es ist aber extrem schwer das Problem anzugehen, denn bei der Anmeldung weiss man ja nicht, welche politische Einstellung derjenige hat. Es gibt zwar einige, die ihre Parteizugehörigkeit angeben, doch viele sind nicht in einer Partei und auch noch nicht im Stimmalter. Oft haben sie auch noch keine gefestigte Meinung. Somit lädt man den Grossteil der Anmeldenden einfach ein. Rein statistisch sollten dann ja gleich viele Rechte wie Linke eingeladen werden. Da dies nun aber nicht so ist, heisst das, dass sich mehr Linke als Rechte für eine solche Veranstaltung anmelden. Solche Veranstaltungen sind ja auch ein kultureller bzw. sozialer Anlass und damit haben Rechte eher ein Problem als Linke. Wenn zu viele verschiedene Meinungen im Raum sind, verstehen sich Rechte meist missverstanden, sagen sie seien die einzigen, die recht haben und blocken dann einfach ab. Dann gibt es natürlich auch eine sehr starke Mund-zu-Mund-Propaganda: Wenn einmal ein Rechter an einer Jugendsession teilnimmt und dann zuhause erzählt, dass seien sowieso alles nur linke Socken, dann führt das rasch zu einem Boykott des Anlasses. An der letzten Jugendsession war ein Jung-SVP-Mitglied dabei, welches dann mit Geo Taglioni diskutiert hat und einen Aufruf in einer JSVP Zeitung gestartet hat, dass mehr Mitglieder der JSVP an der Jugendsession teilenehmen sollen. Vielleicht kann die rechte Front so wieder etwas gestärkt werden. Egal ob das nun gut oder schlecht wäre, würd dies die Jugendsession noch spannender machen. Verfolgt man im Parlament zum Beispiel die Diskussion über die Schweizer Armee, so ist diese extrem kontrovers, geladen und emotional. Sagt man in der Jugendsession, die Armee sei schlecht, dann nicken 90% der Leute. Das ist so ein Beispiel. An der letzten Jugendsession gab es drei öffentliche SVP-Mitglieder und am Ende sagt einer, dass er aufgrund seiner beiden Kollegen nun ein extrem schlechtes Bild seiner Partei hätte und er nun austrete. Darauf hin gab es flammenden Applaus, tosenden Beifall und Anfeuerungsrufe. Das ist wenig differenziert. Ich finde es nicht grundsätzlich schlecht, dass es die SVP gibt. Zum Teil haben sie unhaltbare Meinungen, aber die haben die Grünen auch. Aber genau durch diese Meinungsvielfalt funktioniert unser System: Durch die Zauberformel, durch die Vermischung auf allen Ebenen. Wenn man diese Vermischung nicht hat, wie an einer Jugendsession, muss man sich fragen: Ist das überhaupt repräsentierend.</p>
<p><em><strong>Kannst du als Gruppenleiter hinter den Petitionen stehen, die hier erarbeitet werden. Diese sind doch alle sehr idealistisch geprägt.</strong></em><br />
 Ja, aber diesen Idealismus nehme ich nicht als schlecht wahr. Diese Naivität, jetzt nicht im schlechten Sinne gemeint, gehört durchaus dazu. Hinter einer solchen Petition kann ja immer die gesamte Gruppe stehen, auch wenn nicht immer zu hundert Prozent, aber Politik ist ja immer Kompromisse schliessen. Doch auch wenn sich die Petitionstexte usw. sehr naiv anhören, so sind sie meistens, wenn man sich etwas eingehender damit befasst und die Begründungen liest, sehr sinnvoll. Da spielt es keine Rolle ob die Verfasser jung sind, es sind immer sinnvolle Ideen. Es ist meist eine rechte Arbeit, bis so ein Output – egal ob Petition, Statement oder was anderes – steht, doch am Ende kann man dahinter stehen. Und es ist ja auch nicht „spielen“ und deshalb idealistisch. Die Jugendsession ist nicht „Politik spielen“, es ist politisieren. Es ist vielleicht etwas einfacher, weil die Linken überwiegen, doch es ist trotz allem noch politisieren.</p>
<p><span style="font-size: x-small;"><strong>Fotos: Joel Krebs</strong></span></p>
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		<title>Georges T. Roos</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Mar 2009 22:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandro Portmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/04/01/georges-t-roos/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/chance-krise-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Die momentane Krise wird alle beschäftigen, jeden auf seine Weise. Um die Medienberichte kommt man heute nicht mehr herum. Erdrückende Schlagzeilen dominieren die Medienlandschaft. Wohl lange spielte sich dadurch die Wirtschaftskrise nur in den Köpfen ab, ohne den entscheidenden Bezug zum Portemonnaie. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) prognostiziert jedoch noch für dieses Jahr eine Rezession. Eine düstere Zukunft? Sehen wir doch auch mal die Chancen, welche daraus resultieren könnten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Standortkrise</h1>
<h2>Wir könnten die Krise mit einem gestärkten Rückgrat überstehen</h2>
<h2>
<div id="attachment_2276" class="wp-caption alignleft" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-2276 " title="chance-krise" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/chance-krise.jpg" alt="Mit etwas Glück werden wir die Krise meistern © Gerd Altmann  / pixelio" width="550" height="257" /><p class="wp-caption-text">Mit etwas Glück werden wir die Krise meistern © Gerd Altmann  / pixelio</p></div>
</h2>
<h3><strong>Die momentane 			Krise wird alle beschäftigen, jeden auf seine Weise. Um die Medienberichte kommt 			man heute nicht mehr herum. Erdrückende Schlagzeilen dominieren die 			Medienlandschaft. Wohl lange spielte sich dadurch die Wirtschaftskrise nur in 			den Köpfen ab, ohne den entscheidenden Bezug zum Portemonnaie. Das Staatssekretariat 			für Wirtschaft (SECO) prognostiziert jedoch noch für dieses Jahr eine Rezession. 			Eine düstere Zukunft? Sehen wir doch auch mal die Chancen, welche daraus 			resultieren könnten.</strong></h3>
<p>Die Schweizer Bevölkerung spürte bislang die Folgen der Wirtschaftskrise kaum. Dies wird sich jedoch laut SECO noch in diesem Jahr ändern. Die Bevölkerung braucht trotzdem keine Medienhetze. Die Krise könnte auch zu einem neuen, besser reguliertem Finanzsystem führen.</p>
<h3>Wirtschaftskrise als Verkaufsargument</h3>
<p>Die Rezession wird also kommen. Laut Prognosen des SECO mit einem Wirtschaftsrückgang um die 2,2 Prozent. Schweizerinnen und Schweizer haben in der letzten Zeit viel über die Finanzkrise gelesen. Man wurde, ob man nun wollte oder nicht, mit diesem Thema überschwemmt. Tatsächlich war es unmöglich nicht mit dem Thema Finanzkrise konfrontiert zu werden. Die Krise aber auch zu spüren ist wieder etwas anderes. Bisweilen spielte sie sich bei der Schweizer Bevölkerung hauptsächlich in deren Köpfen ab. Die Medienberichte schürte eine Existenzangst in der Bevölkerung: «Blick» setzt plakativ drei Ausrufezeichen nach der fettgedruckten Schlagzeile &#8211; muss er ja auch, schliesslich lebt die Boulevardzeitung von dieser Angst. Wir müssen uns mit der Wirtschaftslage auseinandersetzen, das ist klar. Jedoch ist es in dem Interesse aller, wenn dies auf konstruktive Weise geschieht.</p>
<h3>Rezession als Chance</h3>
<p>Natürlich traf es einige wirklich hart: Während einige ihren Job verloren, mussten andere einfach zusehen, wie ihre Aktien dahin schrumpften. Aber wie viele spüren die Krise wirklich? Der Luzerner FSP Psychologe Carlos Menti bemerkt bei seinen Patienten noch keine Sorgen im Bezug auf die laufende Krise: «Ich habe zwar Klienten aus verschiedenen beruflichen Bereichen und sozialen Schichten, bei den Beratungsgesprächen ergab sich jedoch noch kein Bezug zur Krise. Ich schätze, dass psychische Probleme infolge vermehrter Sorgen und Ängste aufgrund der Finanzkrise bei uns erst noch kommen werden». Warum aber diese Krise trotzdem eine Chance für die Zukunft sein kann, erklärt der Zukunftsforscher Georges T. Roos im Interview.</p>
<h3>Interview mit Georges T. Roos</h3>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="font-size: small;"><span style="color: #e11480;"><strong><img class="size-full wp-image-2288 alignright" title="georges-roos" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/georges-roos.jpg" alt="georges-roos" width="184" height="251" />Portrait von Georges T. Roos</strong></span><br />
 Georges T. Roos beschäftigt sich seit zehn Jahren mit den strategischen Zukunftsherausforderungen von Unternehmen und Organisationen.<br />
 1997 wurde er Mitglied der Geschäftsleitung des renommierten Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) in Rüschlikon/Zürich. Das GDI gilt europaweit als einer der massgebenden Think Tanks zur Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft.<br />
 2000 gründete Roos sein eigenes Institut ROOS Büro für Kulturelle Innovation. Schwerpunkt ist die strategische Zukunftsberatung von Unternehmungen und Organisationen. Das Institut ist unter anderem für Technologie-, Produktions- und Logistik-Unternehmen, Banken und Versicherungen und für gemeinnützige Organisationen tätig.</span></p>
<p><strong><em>nahaufnahmen:<span> </span><span>Sie bieten Beratungen 			für Firmen an &#8211; wäre das auch für Privatpersonen denkbar?</span></em></strong> <br />
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 Die Finanzwelt ist 			nicht mein Gebiet. Es gab aber Stimmen, die sie kommen sahen. Zum Beispiel gab 			es im August 2007 einen Früherkennungsprozess im Auftrag der dänischen 			Regierung, welche die jetzige Krise mit den dazugehörigen Indikatoren ziemlich 			genau vorhersah. Die Frage ist natürlich, ob die Menschen in Boomzeiten bereit 			sind, solche Prognosen auch wahrzunehmen. Oft werden sie in Überflusszeiten 			überhört. Es gab auch einen Astrologen der die Krise angeblich schon vor 12 			Jahre hat kommen sehen, allerdings sehr pauschal und ohne  Aussagen darüber, wie und warum sie kommen 			wird. Aber irgendwann wird immer eine Krise kommen. Die Aussage des Astrologen 			ist also ohne Hintergrund &#8211; eine solche Aussage könnte jeder machen.</p>
<p><strong><em>Kann eine solche Krise auch als Chance gesehen 			werden?</em></strong><br />
 Eine Krise ist immer 			auch eine Chance. Im Bezug auf die heutige Finanzkrise wird sie wahrscheinlich 			zu einer besseren Regulierung des Finanzsystems führen. Und der Wille vieler 			Regierungen, die Konjunktur zu stützen, kann im besten Fall dazu genutzt 			werden, Investitionen zu tätigen, die sowieso bald anstehen würden. Ich denke 			in erster Linie an das Thema Energie und dabei spreche ich nicht nur vom 			Klimawandel. Wir müssen wegkommen von der auf fossilen Brennstoffen beruhenden 			Wirtschaft.  Denn erstens liegen die 			meisten grossen Vorräte in politisch heiklen Regionen. Der Irakkrieg beispielsweise, 			auch ein Krieg um Erdöl, hat die USA bisher über eine halbe Billion Dollar 			gekostet. Und zweitens werden in den nächsten 20 Jahren einige der grössten 			Ölexportländer ihre Ölförderung selber brauchen. Gemäss einem Artikel in der 			Zeitschrift «Futurist» wird der Export-Höhepunkt in den nächsten 25 Jahren 			erreicht sein. Länder wie Saudi Arabien, Russland oder Amerika werden dann die 			Ressourcen gänzlich für den Eigengebrauch brauchen. Erdöl wird drittens knapp, 			weil die aufstrebenden Länder wie China und Indien einen riesigen Energiehunger 			haben werden. Wichtig ist zu wissen, dass der ökologische Umbau der 			Weltwirtschaft auf vermehrte Energieeffizienz und erneuerbare Energien nicht 			etwa das Wachstum bremst, sondern gar befördert: Die Internationale Energieagentur 			IEA in Paris hat in ihrem Szenario beschrieben, was es kostet, wenn wir alle 			bekannten Massnahmen zur Effizienzsteigerung und Förderung erneuerbarer 			Energien umsetzen würden: In den nächsten 25 Jahren sind das 2.6 Billionen 			Dollar. Auf der anderen Seite würden aber die Endverbraucher im selben Zeitraum 			Energiekosten in der Höhe von 6 Billionen Dollar einsparen. Also Geld, das für 			andere Konsum- und Investitionsausgaben zur Verfügung stehen wird.</p>
<p><strong><em>Wie wird der Mensch in Zukunft mit Krisen 			umgehen, wird ihm das erleichtert?</em></strong><br />
 Nein, das wird nicht 			der Fall sein. Es wäre eine Utopie zu denken, dass die Menschheit in Zukunft 			ohne Krisen leben wird. Wir müssen lernen mit Ungewissheit umzugehen. Unser 			Erfahrungsraum deckt sich immer weniger mit dem Zukunftshorizont. Anders 			gesagt: Die Erfolgsrezepte von heute veralten immer schneller und werden zu 			Risiken in der Zukunft.</p>
<p><strong><em>Die Schweiz steht in einem Suizidranking 			relativ hoch oben, wird sich das in Zukunft ändern?</em></strong><br />
 Schwer zu sagen. 			Möglicherweise werden sie kurzfristig zurückgehen, denn gemäss Studien gibt es 			während Krisen weniger Suizide als in Überflusszeiten. Man hat in der Krise 			eine Aufgabe zu bewältigen, welche im Überfluss eher fehlen kann. Überfluss 			führt zu Überdruss.</p>
<p><strong><em>Wo wird sich die Schweiz in zehn, zwanzig 			Jahren positionieren? </em></strong><br />
 Seriöserweise kann ich 			das nicht so sagen. Die Zukunftsforschung arbeitet mit so genannten 			«Megatrends». Aber es gibt immer verschiedene mögliche Zukunftsentwicklungen 			und diese Tatsache macht eine ultimative Aussage zur Zukunft unmöglich. 			Verschiedene Ausprägungen in der Welt müssen bei diesen Forschungen 			miteinbezogen werden. Ich habe über den Wertewandel der Schweiz eine Studie 			gemacht. Ein zentraler Treiber des Wertewandels ist die Wohlstandsentwicklung. 			Je nachdem ergibt sich ein anderes Zukunftsbild. Angenommen die Schweiz würde 			einen markanten Wohlstandsverlust erleiden &#8211; und dazu könnte eine anhaltende 			globale Wirtschaftskrise, ergänzt durch einen Wirtschaftskrieg mit dem 			wichtigsten Partner EU führen &#8211; dann sehen wir tiefe gesellschaftliche 			Konflikte voraus.  Das Verhältnis der 			Generationen könnte ein solcher neuer Konfliktherd werden. Bedenken Sie, dass 			in den nächsten 20 Jahren der Anteil der über 65-Jährigen an der 			Gesamtbevölkerung markant steigen wird. Bald werden die älteren Mitbürger die 			Stimmenmehrheit haben. Wenn sie möchten, können sie in Zukunft ihre Interessen 			gegenüber der jüngeren Bevölkerung leicht durchsetzen.</p>
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		<title>Carlos Menti</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Mar 2009 22:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ivan Schuermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologe]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/04/01/carlos-menti/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/geldvernichtung-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Man hört nichts anderes mehr, als Berichte zur momentanen Lage auf dem Finanzmarkt. Und obwohl es schon fast nervt, haben auch wir uns umgehört. Aber nicht im Bezug zur momentanen Lage der Börse etwa, sondern den Mensch in den Mittelpunkt der Recherchen gesetzt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Harte Zeiten</h1>
<h2>Das Leben ist oft schwer &#8211; leichter wird es in naher Zukunft nicht</h2>
<div id="attachment_2306" class="wp-caption alignleft" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-2306 " title="geldvernichtung" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/geldvernichtung.jpg" alt="© 2008 stormpic / aboutpixel.de" width="550" height="270" /><p class="wp-caption-text">© 2008 stormpic / aboutpixel.de</p></div>
<h3>Man hört nichts anderes mehr, als Berichte zur momentanen Lage auf dem Finanzmarkt. Und obwohl es schon fast nervt, haben auch wir uns umgehört. Aber nicht im Bezug zur momentanen Lage der Börse etwa, sondern den Mensch in den Mittelpunkt der Recherchen gesetzt.</h3>
<p>Viele versuchen sich Tag für Tag durch zu beissen. Nicht gerade einfach ist es, am Morgen aufzustehen und an seinem Arbeitsplatz zu schuften. Die Erziehung bei weitem kein Kinderspiel. Manchmal droht der Kopf zu explodieren. Da ist es schwer die nötige Motivation aufzubringen</p>
<p>Zum Thema Krise haben wir das Gespräch mit dem FSP Psychologen C. Menti und dem Luzerner Zukunftsforscher Georges T. Roos gesucht. Dabei haben wir sehr Interessantes gehört &#8211; über die Gegenwart, die Zukunft aber auch über die Eigenschaften der Menschen selbst in solch turbulenten Tagen. Das Interview mit Georges T. Roos können Sie im ergänzenden Beitrag «Standort Krise» nachlesen.</p>
<h3>Die Krisen im Alltag</h3>
<p>Wenn man die alten Menschen reden hört, dann denkt man fast, es gab eine Zeit die beinahe frei von Sorgen war. Damals als alles noch einfach war. Doch der Alltag in der heutigen Zeit ist leider oft alles andere als einfach. Viele alltägliche Sorgen machen es uns schwer den Irrgarten des Lebens irgendwie zu meistern. Und gerade jetzt mit all diesen neuen globalen Problemen, sehen wir uns mit Aufgaben konfrontiert, die es zu lösen gilt. Dieser Thematik wollte ich mich einmal etwas genauer widmen und habe nebst dem interessanten Interview auch in Zahlen und Fakten Antworten gefunden auf welche Krisen viele von uns eingehen müssen, trotz unserem sonst schon schwer beladenen Rucksack der Alltagssorgen.</p>
<h3>Zahlen und Fakten</h3>
<p>Als erstes fragen wir beim Bundesamt für Statistik (BfS) nach, ob Statistiken auftauchen, die nichts Gutes verheissen. Die ersten Zahlen die direkt ins Auge stechen, sind die deutlich zunehmenden Arbeitslosen im Vergleich zu denselben Monaten im Vorjahr:</p>
<p>Dezember 08/09: +18.9%<br />
 Januar 08/09: +14.8%<br />
 Februar 08/09: +22.1%</p>
<p>Diese Zahlen sind ganz klar ein Zeichen dafür, dass 			viele Menschen sich darüber sorgen müssen, ob sie auch in naher Zukunft eine 			Anstellung haben. Fehlende Konsumbereitschaft wie auch die kleineren 			Haushaltsbudget werden der momentanen Finanzkrise keinen Abbruch erbringen. 			Dazu kommt die Situation in der Familie. Denn gemäss dem BfS sind weit über 60% 			der Frauen mit Kleinkind erwerbstätig.</p>
<p>Zieht man ein Strich unter diese kurz genannten Zahlen, 			ergibt sich Folgendes: Wir können damit rechnen, dass der Druck am Arbeitsplatz 			ansteigt und viele Arbeitgeber von den gewöhnlichen Festanstellungen absehen 			und stattdessen Kurzarbeitsbeschäftigung in Betracht ziehen. Dazu kommt, dass 			viele Haushalte einiges ihrer privaten Zeit aufopfern für eine zweite 			Einnahmequelle. Somit verlieren zum Beispiel Kinder wichtige Bezugszeit zu den 			Eltern, was sich wiederum auf das soziale Verhalten ausprägen kann. Eine immer 			größere Aufgabe wartet und man wird in Zukunft mehr denn je gefordert, um den 			Alltag wieder alltäglich zu machen.</p>
<h3>Interview mit Carlos Menti</h3>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="font-size: small;"><span style="color: #e11480;"><strong><img class="alignright size-medium wp-image-2308" title="menti" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/menti-307x450.jpg" alt="menti" width="192" height="281" />Portrait von Carlos Menti</strong></span><br />
 </span>Carlos Menti studierte Psychologie und Psychopathologie des Kindes- und Jugendalters an derUniversität Zürich und absolvierte danach die 4-jährige Weiterbildung zum systemischen Psychotherapeuten am Institut für systemische Entwicklung und Fortbildung (IEF). Er verfügt über mehrjährige Erfahrung als Schulpsychologe, Schulsozialarbeiter sowie systemischer Berater und Coach in eigener Praxis. &#8211; <a title="Praxis von Carlos Menti" href="http://www.psychologie-praxis.ch" target="_blank">www.psychologie-praxis.ch</a></p>
<p><span><em><strong>nahaufnahmen: Bekomme Sie die Finanzkrise im Bezug auf Ihre Klienten zu spüren?</strong><br />
 </em>Menti: Ich habe Klienten aus verschiedenen beruflichen Bereichen 			und sozialen Schichten, wie zum Beispiel Menschen die in einer Bank arbeiten 			oder auch welche, die im freien Markt unternehmerisch tätig sind, jedoch spüre 			ich noch keine Auswirkungen im Bezug auf die Finanzkrise. Klar gibt es 			Menschen, die dadurch vermutlich mehr unter Druck stehen, dies steht jedoch 			nicht im Vordergrund der Beratungen. </span><!--[if gte mso 9]><xml> Normal 			0 			21 			false 			false 			false 			DE-CH 			X-NONE 			X-NONE 			MicrosoftInternetExplorer4 </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--> <!--[if gte mso 10]> <mce:style><!  			/* Style Definitions */ 			table.MsoNormalTable 			{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 			mso-tstyle-rowband-size:0; 			mso-tstyle-colband-size:0; 			mso-style-noshow:yes; 			mso-style-priority:99; 			mso-style-qformat:yes; 			mso-style-parent:""; 			mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 			mso-para-margin:0cm; 			mso-para-margin-bottom:.0001pt; 			mso-pagination:widow-orphan; 			font-size:11.0pt; 			font-family:"Calibri","sans-serif"; 			mso-ascii-font-family:Calibri; 			mso-ascii-theme-font:minor-latin; 			mso-fareast-font-family:"Times New Roman"; 			mso-fareast-theme-font:minor-fareast; 			mso-hansi-font-family:Calibri; 			mso-hansi-theme-font:minor-latin; 			mso-bidi-font-family:"Times New Roman"; 			mso-bidi-theme-font:minor-bidi;} 			 --> <!--[endif]--></p>
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 Zurzeit habe ich 			tatsächlich vermehrt Anfragen. Dies führe ich jedoch (noch) nicht auf die 			unmittelbaren Auswirkungen der Finanzkrise zurück, sondern vielmehr auf 			Weiterempfehlungen und den zunehmenden Bekanntheitsgrad.</span></p>
<p><span><strong><em>Wo liegen die Hauptsorgen ihrer 			Klienten?</em></strong><br />
 Oft ist es eine zunehmende Unzufriedenheit mit dem Alltagsleben. So 			arbeiten heute viele Menschen in Berufen oder üben Tätigkeiten aus, mit denen 			sie sich nicht identifizieren können. Es handelt sich oft um Beschäftigungen, 			die ihnen schlicht keine Erfüllung oder zumindest Zufriedenheit bietet. Man 			wird in einen Beruf reinmanövriert, den man eigentlich nie machen wollte. Dies 			beginnt schon bei der Suche nach einem Lehrplatz, wo viele gezwungen sind, 			einen Beruf zu erlernen, der der ihnen wenig zusagt oder entspricht, da es für 			die gewünschte Berufsrichtung keine offenen Lehrstellen mehr gibt. Bei einem 			Coaching ist es dann oftmals nicht ganz einfach die Situation schnell zu 			verändern, da sich ja nicht jeder gleich umschulen kann und somit das primäre 			Problem nicht direkt angegangen werden kann. Für mich hängen diese 			Fragestellungen mit dem Motiv der Selbstverwirklichung und Sinnsuche zusammen. 			Es ist als eine klassische, beinah philosophische Fragestellung von der Art 			„Wer bin ich?&#8221; oder „Wozu sind wir auf dieser Welt?&#8221;</span></p>
<p><span><strong><em>Denken Sie, dass die 			Suizidbereitschaft in naher Zukunft durch die Wirtschaftskrise zunehmen wird?</em></strong><br />
 Dazu kann ich nicht 			viel sagen, weil ich es nicht vorhersehen kann.</span></p>
<p><strong><em>Was würden sie den Menschen raten, 			die aufgrund der Finanzkrise unter Druck stehen?</em></strong><br />
 Um dies zu 			beantworten, muss ich kurz etwas ausholen: Wenn wir von den menschlichen 			Grundmotiven ausgehen, so ist das erste und wichtigste Motiv das Urvertrauen. 			Dieses entsteht aus den erfüllten Geborgenheitsbedürfnissen und äussert sich in 			der Bindung des Kindes an die Eltern. Dieses Gefühl des Sich-angenommen-fühlen 			ohne jegliche Bedingungen bildet einen beträchtlichen Teil der späteren 			Selbstsicherheit. Dies bestimmt in grossem Mass unser späteres Erleben und 			Verhalten. Da wir jedoch in einer Gesellschaft leben, in der wir für fast alles 			eine Versicherung haben und die Menschen sich dadurch in Sicherheit glauben, 			verlieren wir immer mehr den Bezug zum Wesentlichen. Und wenn das Fundament 			sich nicht richtig entwickeln kann, stehen auch die nachfolgenden Motive auf 			wackligen Beinen.<span> </span></p>
<p><span><img class="alignleft size-full wp-image-2309" title="maslow" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/maslow.png" alt="maslow" width="280" height="222" />Auf der abgebildeten 			Motivpyramide erkennt man die entwicklungspsychologisch Begründeten Motive. 			Daraus wird ersichtlich, wie wichtig gerade das erste Motiv ist. Wenn die 			Grundbedürfnisse des Säuglings befriedigt werden, wobei ich nicht nur die 			physischen, sondern insbesondere auch die emotionalen Bedürfnisse meine, so 			entwickelt ein Kind Urvertrauen und bindet sich sicher an die Eltern oder 			Bezugspersonen. So ein Kind entwickelt auch eine natürliche Neugier, braucht 			nicht kompensatorisch viel Aufmerksamkeit und Anerkennung, ist stets bestrebt 			seine Kompetenzen zu erweitern und entwickelt genügend Einfühlungsvermögen, um 			sich in seine Mitmenschen einfühlen zu können und ein Teil der Gemeinschaft zu 			werden. Um auf die Frage zurückzukommen: Ich hoffe, dass es aufgrund der 			äusseren Verunsicherung durch die Finanzkrise zu einem Umdenken kommt. Meinens 			Erachtens ist es eine Chance für eine Umbesinnung auf die Grundfragen und 			-werte des Menschen. So nach dem Motto: „Back to basics&#8221;. Und dabei bilden die 			genannten Motive eine gute Grundlage.</span></p>
<p><span><strong><em>Wie sehen Sie die Tatsache, dass über 			60% der Frauen mit Kleinkindern berufstätig sind und die Kinder fremdbetreut 			werden?</em></strong><br />
 Damit Kinder eine gute 			Bindung und somit ein gutes Urvertrauen bilden können, braucht es Stabilität 			und Kontinuität in den Beziehungen. Dabei muss es nicht zwingend nur die Mutter 			sein, die dieses Bedürfnis zu erfüllen hat. Kinder können schliesslich auch zu 			anderen Bezugspersonen eine Bildung aufbauen. In erster Linie denke ich da an 			den Vater, die Grosseltern, den Geschwistern, eine Tagesmutter oder Person in 			der Kinderkrippe. Bei den beiden letztgenannten kann es ungünstig sein, wenn es 			zu regelmässigen Wechseln kommt, da das Kind dies im schlimmsten Fall als 			Bindungsverlust quittiert. Dies ist dann der Fall, wenn z.B. eine Bezugsperson 			in der Krippe die Stelle wechselt. Mein Rat an die Eltern und insbesondere an 			die Vätern lautet demnach: nehmt euch soviel Zeit wie möglich für eure Kinder! 			Dies ist die beste Investition, die man tätigen kann. </span></p>
<p><span><strong><em>Wie ist der Anteil bei ihren Klienten 			auf das Geschlecht bezogen?</em></strong><br />
 In meiner Praxis habe 			ich ein sehr ausgeglichenes Verhältnis betreffend dem Geschlecht. Ich stelle 			jedoch fest, dass Frauen ein etwas feineres Sensorium dafür haben, wann sie 			sich in psychologischer Beratung begeben sollen als Männer. Das heisst, dass 			sie nicht erst eine Beratungsperson aufsuchen, wenn die Situation bereits 			festgefahren ist. Somit erkennen sie früher Probleme und Sorgen und setzten 			sich damit auch viel mehr auseinander. </span></p>
<p><span><strong><em>Sind Männer also anfälliger für eine 			Suchtproblematik oder eine psychische Störung?</em></strong><br />
 Dies lässt sich so 			nicht verallgemeinern. Vermutlich ist es jedoch so, dass Frauen und Männer 			einen teilweise anderen Umgang mit Belastungen und Konflikten pflegen bzw. 			bevorzugen. So wissen wir heute, dass bei den Depressionen Frauen mit 2/3 die 			Mehrheit bilden. Jedoch sind Männer mehr der Gefahr von Alkoholismus ausgesetzt 			(ebenfalls 2/3). Daraus könnte man schliessen, dass um unterschiedliche 			Reaktionen oder Verarbeitungsarten handelt. Doch dies ist wie bereits gesagt 			eine Vermutung. </span></p>
<p><span><strong><em>Was halten Sie von Hotline &#8211; 			Beratung, sprich Wahrsager und Konsorte für 4.90 die Minute?</em></strong><br />
 Ich will nicht die 			Möglichkeit bestreiten, dass es darunter Menschen mit therapeutischen 			Fähigkeiten gibt, doch ich stehe dieser Art von Beratungen skeptisch gegenüber. </span></p>
<p><span><strong><em>Stellen diese auch eine Gefahr dar?</em></strong><br />
 Ganz klar kann eine 			solche Beratung sehr nach hinten losgehen. Wenn zum Beispiel viel Hoffnung 			gemacht wird, aber dann nichts davon eintritt. Ich persönlich halte nicht viel 			davon.</span></p>
<p><span><strong><em>Wie sehen sie das Verhalten der 			Menschen in Krisenzeiten auf die Zukunft bezogen?</em></strong><br />
 Die Menschheit 			reagiert immer auf die gleiche Weise: In Phasen der Hochkonjuktur wagt man sich 			auf die dünnen Äste. In Krisenzeiten greift man nach dem dicken Stamm zurück. 			Ich persönlich hoffe, dass die Menschen die Auswirkungen der Finanzkrise als 			Chance für eine Umbesinnung auf die Grundwerte packen. </span></p>
<p><span><strong><em>Wenn man davon ausgeht, dass Krisen 			notwendig sind für eine Weiterentwicklung, wird da die Aufgabe eines Psychologen 			nicht überflüssig?</em></strong><br />
 Im Gegenteil. Gerade 			in Krisenzeiten werden Psychologen mehr gebraucht. Sie bieten eine wertvolle 			Stütze. Denn Krisen sind nicht notgedrungen eine Chance, sondern in erster 			Linie eine Gefahr aufgrund des Verlustes an Sicherheit. Auf der Ebene des 			Weltgeschehens kann es schnell zu Aufruhr oder gar Krieg kommen. Auf der 			persönlichen Ebene kann es zu vergleichbaren Erscheinungen kommen. Durch eine 			professionelle Beratung können die ablaufenden Prozesse so unterstützt werden, 			dass eine Krise in eine Chance für den persönlichen Wachstum umgemünzt werden 			kann. Dies ist dann der Fall, wenn zum Beispiel Ressourcen aktiviert oder neue 			Fähigkeiten entdeckt und eingesetzt werden können. Das Ziel dabei bleibt stets, 			auf persönlicher und menschlicher Ebene zu reifen.</span></p>
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