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	<title>nahaufnahmen.ch &#187; Jugend</title>
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		<title>&#8220;Mein Onkel Hubert&#8221; von Sabine Huttel</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Feb 2010 14:26:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra Despont</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Sabine Huttel]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/20/mein-onkel-hubert-von-sabine-huttel/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/01/meinonkelhubert-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Im Sommer 1960 kommen die Hoffnungen auf eine richtige Familie und die erste Erfahrung von Freundschaft und Liebe für Helmi Schücking zusammen. Sabine Huttels Erstling ist eine leise, bezaubernde Geschichte über das Erwachsenwerden. Ein Drahtseilakt, der einen mit einem wohligen, sehnsüchtigen Gefühl zurücklässt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Perfektes Kleinod</h1>
<h2>&#8220;Mein Onkel Hubert&#8221; von Sabine Huttel</h2>
<p><strong>Im Sommer 1960 kommen die Hoffnungen auf eine richtige Familie und die erste Erfahrung von Freundschaft und Liebe für Helmi Schücking zusammen. Sabine Huttels Erstling ist eine leise, bezaubernde Geschichte über das Erwachsenwerden. Ein Drahtseilakt, der einen mit einem wohligen, sehnsüchtigen Gefühl zurücklässt.</strong></p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1725" title="meinonkelhubert" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/01/meinonkelhubert.jpg" alt="meinonkelhubert" width="200" height="332" />Es ist nicht einfach, 1960 unehelich zu sein. Helmi Schücking weiss, dass sie leiser sein muss als andere Kinder, unauffälliger, braver. Ihr grösster Wunsch, Klavierspielen zu lernen, liegt in weiter Ferne. Jede kleinste Anschaffung, jeder kleinste Luxus ist für die Mutter, die quasi mit der Nähmaschine verwachsen ist, eine Belastung. Doch im Sommer 1960 scheinen Wunder möglich zu sein.</p>
<p><strong>Ein E zum Glück?</strong><br />
Helmi nimmt ihr Schicksal erst einmal selbst in die Hand. Mutig fragt sie beim lokalen Klavierhändler, wie teuer denn die Reparatur des E käme, das ihr ständig das &#8220;Der Mond ist aufgegangen&#8221;-Geklimper verdirbt. Sie gerät an Hubert Fels, der nicht nur die Taste repariert, sondern ihr ab und zu auch Klavierstunden gibt &#8211; und Gefallen an Helmis Mutter zu finden scheint. Endlich verbringt Helmi einige Tage, in denen sie ein ganz normales Kind sein darf. Endlich darf sie mal (von Onkel Hubert dazu angestiftet) Unfug machen, unbeschwert sein, endlich denkt auch Helmis Mutter nicht immer nur an die vielen Kundinnen, die dann und dann ihre neuen Röcke, Blusen und sonstigen Kleider anprobieren wollen. Vielleicht, ganz vielleicht, und Helmi wagt es kaum zu denken, werden sie, Mama und Onkel Hubert eine Familie?</p>
<p><strong>Ferienlager + Onkel = ?</strong><br />
Durch die Augen einer 12-Jährigen wirft Sabine Huttel in &#8220;Mein Onkel Hubert&#8221; einen präzisen, doch unprätentiösen Blick auf die enge Moral der 60-er Jahre, in der ein uneheliches Kind noch Anstoss erregte und einer Mutter ohne Ehemann mit Misstrauen und Geringschätzung begegenet wurde. Doch glücklicherweise missbraucht Huttel ihre Protagonistin nicht dazu, die 60-er Jahr als lebensfeindliche und rigide Zeit zu verunglimpfen. Denn wie sehr Helmi und ihre Mutter auch unter ihrer Lage leiden &#8211; Lebensglück hängt letztendlich nicht von Äusserlichkeiten, sondern von den Beziehungen zwischen Personen ab. Doch diese sind auch nicht unproblematisch. Die Mutter versorgt Helmi zwar, soweit es ihre finanziellen Verhältnisse erlauben, mit allem, was ein Kind so braucht, doch es fällt ihr schwer, dem Mädchen ihre Liebe zu zeigen. Helmi wiederum ist hin- und hergerissen zwischen der staunenden Verehrung für ihre tatkräftige Mutter und dem Wunsch danach, ein normales Leben zu führen. So aber findet sie sich damit ab, oft alleine zu sein, ihres Makels wegen keine Freunde zu haben. Aber der zum Greifen nahe Traum einer intakten Familie zerbricht ausgerechnet, als das undenkbar Schöne wahr wird: in den Herbstferien darf Helmi mit Onkel Hubert auf eine Chorfreizeit. Doch das Ferienlager macht ihr klar, dass sie sich in Onkel Hubert gründlichst getäuscht hat und einsam ein steigerbares Adjektiv ist. Wer jetzt Alarmglockengebimmel in seinem Kopf hört, hat Recht. Und doch auch nicht.</p>
<p><strong>Auf Augen- und Nasenhöhe einer 12-Jährigen</strong><br />
Mit ihrem ersten Roman schafft Sabine Huttel eine vollendete Geschichte, die einen flugs in die eigene Jugendzeit versetzt. Denn ob eine Frau ein ganzes Haus in Verruf bringen kann, weil sie mehrere Tage das Putzen des Treppenhauses vernachlässigt hat, oder nicht &#8211; gewisse Hoffnungen, Träume und erste Enttäuschungen, gewisse Anforderungen der Gesellschaft und dass sich Individuen daran reiben &#8211; all das ist  zeitunabhängig. So ist &#8220;Mein Onkel Hubert&#8221; in den 60-ern verhaftet und trotzdem allgemeingültig, Helmi könnte ebensogut einer Familie von Sozialhilfebezügern entstammen und auf ihre ersten Techno-Parties gehen; ihre Erfahrungen würden trotzdem nicht an Gültigkeit verlieren und haben uns deshalb auch heute etwas zu sagen. Und wie Huttel ihre Protagonistin sprechen lässt, macht &#8220;Mein Onkel Hubert&#8221; perfekt. Die Autorin begibt sich gekonnt auf die Augenhöhe eines 12-jährigen Mädchens, das mit all seinen Sinnen beschreibt, was es sieht, hört, fühlt, riecht und schmeckt. Man atmet den Parfümduft der Mutter, hört sie &#8220;Hach&#8217;s dir gehütlich&#8221; sagen, sieht das Rot des Lippenstifts, ekelt sich vor der Eiersauce, spürt das Ziehen im Bauch, als Helmi klar wird, dass das nun Liebe ist. Alles in diesem Roman erzählt von Helmi und appelliert zugleich an die Leserinnen und Leser, lässt mitfühlen und ruft Erinnerungen wach. &#8211; Wie war das aber nun mit diesem Onkel Hubert?</p>
<p><strong>Nein, kein Klischee &#8211; ein Kleinod</strong><br />
Man sieht es kommen. Ein Hubert, der Onkel genannt wird und sich mit Mädchen und Mutter befreundet, das kann in einem Roman nicht gutgehen. Umso erfreulicher ist es deshalb, dass Sabine Huttel sämtliche Klischee-Klippen umschifft und ihren Erstling nicht an den sich langsam heranschleichenden Monstrositäten alter Grüselmänner zerschellen lässt. Elegant macht sie das, ohne Helmi der Verachtung preiszugeben, ohne den Roman in allzu seichtes Wasser zu lenken. &#8220;Mein Onkel Hubert&#8221; ist ein Kleinod. Eine zärtlich erzählte Geschichte des Übergangs von der Kindheit zur Jugend, stimmig und dicht, dabei leicht und transparent, ohne Pathos, ohne eine äusserlich einfache, für die Protagonistin aber entscheidende Lebenswende aufzubauschen oder klein zu halten. Ein Buch, in dem man sich verliert und das man mit einer leichten Traurigkeit beiseitelegt. Das perfekte Buch also.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Osburg Verlag<br />
205 Seiten, ca. CHF 32.90</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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<p><br class="spacer_" /></p>
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		<title>&#8220;Mathilda Savitch&#8221; von Victor Lodato</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/16/mathilda-savitch-von-victor-lodato/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/16/mathilda-savitch-von-victor-lodato/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 19:03:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra Despont</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Mathilda Savitch]]></category>
		<category><![CDATA[Victor Lodato]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/16/mathilda-savitch-von-victor-lodato/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/10/mathildasavitch-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Erwachsen werden wäre schwer genug. Doch Mathilda muss dazu noch ihre schockesstarre Familie zum Leben erwecken, den Schubser finden, der ihre Schwester umgebracht hat, und sich auf das Ende der Welt vorbereiten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Auf der Suche nach dem Schubser</h1>
<h2>&#8220;Mathilda Savitch&#8221; von Victor Lodato</h2>
<p><strong>Erwachsen werden wäre schwer genug. Doch Mathilda muss dazu noch ihre schockesstarre Familie zum Leben erwecken, den Schubser finden, der ihre Schwester umgebracht hat, und sich auf das Ende der Welt vorbereiten.</strong></p>
<p>Von Sandra Despont.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-430" title="mathildasavitch" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/10/mathildasavitch.jpg" alt="mathildasavitch" width="200" height="322" />Gemein sein will Mathilda, sagt sie, und sie ist es auch. Der Teller, der beim Spülen heruntergefallen ist, ist gar nicht heruntergefallen. Mathilda hat ihn absichtlich fallen lassen. Sie ist das Mädchen, das Spinnen die Beine ausreisst und ihren Hund Luke kneift. Und das ist erst der Anfang. Mathilda will &#8220;noch schlimmer sein.&#8221;</p>
<p><strong>Warten auf das Ende der Welt<br />
 </strong>Immer noch ist es so: gemeine Mädchen sind ungemein erklärungsbedürftig. Lausebengeln nehmen wir Spinnenbeinausreissereien umstandslos ab, hinter unsüssen Mädchen muss aber was stecken. Und das tut es auch. Die äusserlich heile Welt Mathildas ist nämlich gehörig durcheinander geraten. Zu den üblichen Pubertätswehen kommt die massive Angst vor dem Ende der Welt und der Kampf gegen ihre eisesstarr gefrorene Familie. Die Lähmung und Orientierungslosigkeit de Welt nach 9/11 hat in &#8220;Mathilda Savitch&#8221; (die eigentlich Savage heissen müsste, sollte je ein Name einer Figur gerecht werden wollen) ihre Entsprechung im trüben Dahinvegetieren der Savitchs nach dem Tod Helenes, Mathildas älterer Schwester. Ein Jahr ist es her seit Helene vor einen Zug geschubst wurde und seit einem Jahr bewegt sich Mathilda in ihrer Familie wie eine Fremde, durch die hindurchgesehen wird. Schlimm sein entlarvt sich vor dem Hintergrund anwesend abwesender Eltern als eine Strategie um krampfhaft ein wenig Reibungsfläche zu finden, wo nur noch Gleichgültigkeit zu sein scheint. Doch Mathilda belässt es nicht dabei. Insgeheim widmet sie sich der Lösung zweier wesentlich grösserer Probleme: sie bereitet den Keller für den Weltuntergang vor und sie macht sich auf die Suche nach dem Schubser um zu erfahren, was ihn dazu gebracht hatte, das Leben ihrer Schwester auszulöschen.</p>
<p><strong>Mails einer Toten</strong><br />
 Immer tiefer wühlt sich Mathilda in das Leben ihrer Schwester, durchforstet Zimmer, Kleiderschränke und Computer. Dort stösst sie schliesslich auf eine E-Mailkorresponenz Helenes, die einen der nicht gerade wenigen Verehrer Helenes ins Spiel bringt: Louis. Überzeugt, dass dieser Louis etwas mit Helenes Tod zu tun haben muss, nutzt Mathilda das mühsam errungene Passwort zum Mail-Account ihrer Schwester, um in Helenes Namen Mails zu verschicken. Doch irgendwie will sich nichts Fassbares ergeben und nach einer katastrophalen Terrorübung im Keller beschliesst Mathilda die Flucht nach vorn: sie muss diesen Louis finden und kennen lernen.</p>
<p><strong>Buch über die Jugend &#8211; nicht für Jugendliche</strong><br />
 Victor Lodato bewegt sich mit &#8220;Mathilda Savitch&#8221; fernab von ausgetrampelten Pfaden von Jugendbüchern. Er schreibt konsequent aus der Sicht seiner Heldin und Mathildas Jugend ist nunmal leider nicht so unbeschwert wie das Klischee der zwar etwas schwierigen, aber mit zahlreichen schönen Erlebnissen gepflasterten freien Jugendzeit das haben möchte. Sie ist eine widerspenstige, parteiische und oft unzuverlässige Erzählerin. Sie lieb zu gewinnen, fällt schwer, denn in diesem seltsamen Übergangsstadium namens Pubertät scheint ihre Persönlichkeit nicht mehr und nocht nicht greifbar. Manchmal möchte man sie bemitleiden, doch ihre Bissigkeit verhindert auch das allzuoft. So folgt man Mathilda durch eine verwirrende Welt, die so treffend kaum jemals beschrieben wurde. Das ist nicht schön, nicht entspannend, sondern mühsam. Keine romantischen ersten Küsse, keine unschuldige Verliebtheit mit Schmetterlingen im Bauch &#8211; obwohl Verliebtheit und Küsse nicht fehlen. Doch diese sind halt leider selten so problemlos, wie man sie sich Jahre später rekonstruiert. Mathildas Freundschaft zu ihrer irgendwie besten Freundin Anna ist nicht unkompliziert. Vielleicht ist Mathilda sogar ein bisschen in das schöne, blonde, blauäugige Mädchen, das sie im übrigen für ziemlich einfältig hält, verliebt. Aber nichts ist so einfach und durch die Augen Mathildas kriegt man als Leserin eine gehörige Ladung Pubertätsverwirrung, die man eigentlich gern überwunden sieht. &#8220;Mathilda Savitch&#8221; ist gerade deshalb gelungen, weil weder Hauptfigur noch Handlung glatt und bruchlos sind. Die Lektüre ist kein Genuss, aber das ist das Erwachsenwerden auch nicht.</p>
<p>C. H. Beck<br />
 299 Seiten, ca. CHF 31.50</p>
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		<title>Jugendsprache in aller Munde</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2009/11/09/jugendsprache/</link>
		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2009/11/09/jugendsprache/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 19:37:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Céline Crevoisier</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reloaded]]></category>
		<category><![CDATA[forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/11/09/jugendsprache/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/01/jugendsprache-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Die Jugendsprache ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Es gibt sie schon lange, wenn nicht schon immer. Seit einigen Jahren wird die Jugendsprache aber in der Öffentlichkeit zunehmend diskutiert und kritisiert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Jugendsprache in aller Munde</h1>
<h2>Von Jugendlichen gesprochen, von Erwachsenen besprochen</h2>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img style="vertical-align: middle;" title="Studentisches Hospitium, Jena (um 1750). Bildquelle: wikipedia.de" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/01/jugendsprache.jpg" alt="" width="550" height="188" /><p class="wp-caption-text">Studentisches Hospitium, Jena (um 1750). Bildquelle: wikipedia.de</p></div>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Die Jugendsprache ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Es gibt sie schon lange, wenn nicht schon immer. Seit einigen Jahren wird die Jugendsprache aber in der Öffentlichkeit zunehmend diskutiert und kritisiert.</strong></p>
<p>Von Céline Crevoisier.</p>
<p>Die Sprache nimmt während der Jugend einen wichtigen Platz in der Identitätsfindung ein. Sie dient zur Abgrenzung von Jüngeren und von Älteren, aber auch von anderen Gleichaltrigen und somit zur Identifikation mit einem bestimmten sozialen Umfeld und seinen Normen. Eine Jugendsprache, die alle jungen Menschen sprechen, gibt es also gar nicht. Je nach Interessen und Umgebung variieren ihre Ausdrucksweisen.</p>
<p><strong>Im Wandel der Zeit</strong><br />
 Die Jugendsprache ist kein Phänomen des 21. Jahrhunderts. Von einer von der Standardsprache etwas abweichenden &#8220;Studentensprache&#8221; wurde schon während der Reformationsbewegung im 16. Jahrhundert berichtet. Erste Zusammenfassungen ihrer speziellen Ausdrücke wurden um 1800 von den Studenten selbst erstellt. In späteren Jahren wurde auch die Sprache nichtakademischer junger Menschen mehr beachtet, festgehalten und erforscht. Einige dieser altertümlichen Begriffe wurden im Laufe der Zeit in die Standardsprache integriert und zählen heute zu den geläufigsten überhaupt, beispielsweise &#8220;sich einschreiben&#8221; (zum Beispiel sich für einen Kurs einschreiben; dieses Wort war vor ein paar Jahrzehnten eine neuer Begriff der Studenten) oder für etwas &#8220;blechen&#8221; (bezahlen)</p>
<p>Allerdings verändert sich nicht nur eine Standardsprache, sondern auch eine Jugendsprache. Jede Jugendsprache ist irgendwann veraltet. Ihre jeweiligen Eigenheiten sind ein Abbild der zeitgemässen Gesellschaft, ihrer Strukturen, Normen, Ereignisse sowie neuer Möglichkeiten und Erkenntnisse. Diese nehmen Einfluss auf die Menschen und ihre Sprache.</p>
<p><strong>In der heutigen Zeit</strong><br />
 Zu Beginn des 21. Jahrhunderts zählen zu diesen Einflüssen vor allem die verstärkte internationale Zusammenarbeit und Mobilität, die sich rasch weiterentwickelnde Technologie sowie die Medien, insbesondere Fernsehen und Internet, die zunehmend von Spass, Unterhaltung und von Fremdsprachen gekennzeichnet sind. Die Menschen müssen lernen, sich mit Anderssprachigen zu verständigen und dafür eine gute Auffassungsgabe besitzen. Sie müssen flexibel sein, schnell, lustig, herausragend, überzeugend.</p>
<p>Wie zeigen sich diese Aspekte in der Jugendsprache unserer westlichen Kultur? Zum Auffälligsten in der mündlichen Jugendsprache gehören die unbekannten Wörter (zum Beispiel Internationalismen wie &#8220;chillen&#8221; (sich entspannen, rumhängen) oder &#8220;cool&#8221; (sehr positive Wertung)), die bekannten Wörter in ungewohntem Kontext (etwa Neologismen durch Bedeutungserweiterungen von Begriffen wie &#8220;geil&#8221; oder &#8220;fett&#8221;) und die häufig eingesetzten kleinen Wörter zur Verstärkung einer Aussage wie &#8220;mega&#8221; oder &#8220;hammer&#8221; (sehr).</p>
<p>Wem zudem schon mal einen Einblick in den schriftlichen Sprachverkehr Jugendlicher gewährt wurde, erinnert sich ganz sicher an die vielen aneinandergereihten Buchstaben oder  Zeichen, die für einen nicht Eingeweihten keinen Sinn ergeben. Diese Buchstaben sind Abkürzungen, bestehend aus den Anfangsbuchstaben der Wörter in manchmal ziemlich langen Sätzen (Akronyme wie &#8220;HDMFGUL&#8221; (hab dich mega fest gern und lieb) oder &#8220;LOL&#8221; (laugh out loud, lots of laughs)). Und die Zeichen sind Darstellungen der Gefühle des Schreibers (Emoticons wie &#8220;:o)&#8221; (Freude, Lachen) oder &#8220;&lt;3&#8243; (liegendes Herz, &#8220;hab dich lieb&#8221;)).</p>
<p><strong>Leben und leben lassen</strong><br />
 Die Jugendsprache wird heute genau wegen dieser kennzeichnenden Neuartigkeiten kritisiert und für den Verfall der Sprache verantwortlich gemacht. Die Anstösse für die neuen Stilmittel kommen jedoch von den massgebenden gesellschaftlichen Aspekten. Wörter aus Fremdsprachen sind wichtig für die internationale Zusammenarbeit, neuerfundene Wörter ein Zeichen von Kreativität, was für Unterhaltungswert spricht, und verstärkende Wörter fördern die Überzeugungskraft.</p>
<p>Die Akronyme und Zeichensprache gibt es zudem auch in der &#8220;Erwachsenenwelt&#8221; (man denke nur an all die CEOs, die man ebensogut als Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzende bezeichnen könnte). Sie dienen in unserer eilenden Gesellschaft dazu, Platz und Zeit zu sparen. Sie sind ökonomischer Natur. Die Schriftsprache der Jugendlichen könnte so als eine Art Vorbereitung für den Berufsalltag angesehen werden. Und schliesslich geht es auch dort darum, dass jeder Fachmann weiss, wofür bestimmte, in seinem Tätigkeitsfeld wichtige Begriffe, Akronyme oder aneinandergereihte Zeichen stehen &#8211; genau wie bei Jugendlichen in ihren Szenen. Kommunizieren die Jugendlichen mit Menschen anderer sozialer Gruppen, können die meisten ihren Sprachstil zumindest teilweise anpassen, um gegenseitige Verständigung zu ermöglichen. Mit dem Einstieg ins Berufsleben verflüchtigen sich zudem grosse Teile ihrer jugendlichen Mundart.</p>
<p>Wer nun also die Jugendsprache kritisiert, kreidet indirekt auch die Gesellschaft mit ihren Eigenheiten an. Jene Gesellschaft, die von Erwachsenen definiert wird und in der sich die Jugendlichen zurechtfinden sollten. Kritik an der Jugendsprache bedeutet aber auch, den allgemeinen Sprachwandel zu bemängeln, der wiederum auf dem Wandel der Gesellschaft beruht. Ein Teufelskreis, der von den vorgebenden Menschen, den Erwachsenen, durchbrochen werden muss.</p>
<p><strong>Im Netz</strong><br />
 Von Jugendlichen erstellte Homepage mit Beispielskatalog und Fragebogen zum eigenen Wissenstest unter: <a href="http://jugendsprache.juniorwebaward.ch/" target="_blank">jugendsprache.juniorwebaward.ch</a></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><img id="myFxSearchImg" style="border: medium none; position: absolute; z-index: 2147483647; opacity: 0.6; display: none;" src="data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABgAAAAYCAYAAADgdz34AAADsElEQVR4nK2VTW9VVRSGn33OPgWpYLARbKWhQlCHTogoSkjEkQwclEQcNJEwlfgD/AM6NBo1xjhx5LyJ0cYEDHGkJqhtBGKUpm3SFii3vb2956wPB/t+9raEgSs52fuus89613rftdcNH8/c9q9++oe/Vzb5P+3McyNcfm2CcPj9af9w6gwjTwzvethx3Bx3x8xwd1wNM8dMcTNUHTfFLPnX6nVmZpeIYwf3cWD/PhbrvlPkblAzVFurKS6GmmGqqComaS+qmBoTI0Ncu3mXuGvWnrJ+ZSxweDgnkHf8ndVTdbiT3M7cQp2Z31dRTecHAfqydp4ejhwazh6Zezfnu98E1WIQwB3crEuJ2Y45PBTAQUVR9X4At66AppoEVO1Q8sgAOKJJjw6Am6OquDmvHskZ3R87gW+vlHz98zpmiqphkkRVbQtsfPTOC30lJKFbFTgp83bWh7Zx/uX1B6w3hI3NkkZTqEpBRDBRzG2AQHcwcYwEkOGkTERREbLQ/8HxJwuW7zdYrzfZ2iopy4qqEspKaDYravVm33k1R91Q69FA1VBRzFIVvXbx5AgXT44A8MWP81yfu0utIR2aVK3vfCnGrcUNxp8a7gKYKiLCvY2SUvo/aNtnM3e49ucK9S3p0aDdaT0UAVsKi2tVi6IWwNL9JvdqTdihaz79/l+u/rHMxmaJVMLkS2OoKKLWacdeE3IsSxctc2D5Qcl6vUlVVgNt+fkPPcFFmTw1xruvT7SCd7nuVhDQvECzJH90h0azRKoKFRkAmP5lKTWAGRdefoZL554FQNUxB92WvYeA5UN4PtSqwB2phKqsqMpBgAunRhFR3j49zuU3jnX8k6fHEQKXzh1jbmGDuYU6s4t1rt6socUeLLZHhYO2AHSHmzt19ihTZ48O8Hzl/AmunD/BjTvrvPfNX3hWsNpwJCvwYm+ngug4UilSCSq6k8YPtxDwfA+WRawIWFbgscDiULcCEaWqBFOlrLazurupOSHLqGnEKJAY8TwBEHumqUirAjNm52vEPPRV4p01XXMPAQhUBjcWm9QZwijwokgAeYHlHYA06KR1cT6ZvoV56pDUJQEjw0KeaMgj1hPEY4vz2A4eW0/e1qA7KtQdsxTYAG0H3iG4xyK1Y+xm7XmEPOJZDiENzLi2WZHngeOjj2Pe+sMg4GRYyLAsx7ME4FnsyTD9pr0PEc8zPGRAwKXBkYOPEd96cZRvf11g9MDe7e3R4Z4Q+vyEnn3P4t0XzK/W+ODN5/kPfRLewAJVEQ0AAAAASUVORK5CYII%3D" alt="" width="24" height="24" /></p>
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		<title>Stefan Brader</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2009/07/01/stefan-brader/</link>
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		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 22:00:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joel Krebs</dc:creator>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendsession]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/07/01/stefan-brader/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/js-brader-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Stefan Brader, 20 Jahre alt, ist Gruppenleiter an der jugendsession.sommer09, d.h. er moderierte eine der vier Gruppen, in welcher zu einem bestimmten Thema Vorschläge, Petitionen u.ä. ausgearbeitet wurde. Daneben ist er Mitglied des Organisationskomitees der Eidgenössischen Jugendsession, welche im Herbst stattfinden wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Interview mit Stefan Brader</h1>
<h2>Mitglied des Organisationskomitees Jugendsession 2009, Gruppenleiter jugendsession.sommer 09</h2>
<div id="attachment_2254" class="wp-caption alignleft" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-2254" title="js-brader" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/js-brader.jpg" alt="Stefan Brader (l.u.)" width="550" height="261" /><p class="wp-caption-text">Stefan Brader (l.u.)</p></div>
<p><em><strong>Wie lange engagierst du dich bereits für die Jugendsession?</strong></em><br />
 Die eidgenössische Jugendsession 2008 war meine erste Jugendsession als Teilnehmer. Das Organisationskomitee hat damals einen Wandel durchgemacht und es wurden vier oder fünf Plätze frei. Ich habe mich gemeldet und so wurde ich Mitglied des OK für die eidgenössische Jugendsession..</p>
<p><em><strong>Bist du sonst politisch aktiv?</strong></em><br />
 Eigentlich nicht. In meiner Zeit am Gymnasium vor einem Jahr war ich für drei Jahre Vizepräsident der Schülerorganisation der Kantonsschule Enge. Ich habe dort mitgeholfen diese Organisation aufzubauen, habe dann aber die Schule gewechselt. Ansonsten bin ich nicht politisch aktiv, bin parteilos, konfessionslos und auch sonst gehöre ich keinem Verein an.</p>
<p><em><strong>Wieso nicht? Fehlt es an Zeit, Motivation oder Gelegenheit?</strong></em><br />
 Ich habe während meiner Zeit in der Schülerorganisation bemerkt, dass ich sehr gut darin bin, Dinge zu organisieren, aber wohl eher eine Meinung habe, die polarisierend und wohl auch zu radikal ist. Ich sehe meinen Platz darin, anderen die Gelegenheit zu geben politisch aktiv zu sein, doch selbst wäre ich dafür zu ungeduldig und zu aufbrausend.<br />
 Zudem ist es sicher auch ein Zeitfaktor, denn ich bin der Ansicht, dass wenn jemand wirklich Politik geht dies vollständig tun sollte. Das wäre es mir nicht wert und würde mich auch nicht glücklich machen.<br />
 Aber ich finde es sehr gut, dass es Leute gibt, die politisch aktiv sind. Ich finde es sehr schade, dass es so viele gibt, die es nicht sind. Vor allem aber finde ich es sehr schade, wie die Jungendlichen im momentan von der Politik gesehen werden und wie die Jugendlichen die Politik sehen.</p>
<p><em><strong>Welche Gründe sind deiner Meinung nach für diese Sicht verantwortlich?</strong></em><br />
 Zum einen ist es sicher ein Generationenkonflikt. Es hat es schon immer gegeben, dass die Alten sagten, die Jungen seien nicht anständig und die Jungen sagten, die Alten hören nicht auf sie. Aber man darf das nicht als Entschuldigung für alles sehen.<br />
 Ich sehe da auch neuere Gründe: Wir leben in einer extrem schnelllebigen Zeit, in welcher die Jungen grundsätzlich an nichts mehr interessiert sind. Werte die bis anhin gegolten haben, zerfallen schnell und neue Werte kommen auf. Nicht dass ich in der Ansicht konservativ bin, aber ich halte die momentane Gesellschaft für „jugendzerreissend“, d.h. die Jungen wissen gar nicht mehr wohin sie sich wenden sollen, sie strömen über all hin und versuchen trotzdem sich noch in die Gesellschaft einzugliedern. Kleider, Marken, das sind alles Versuche in eine Gruppe hineinzukommen, denn in der grossen Menge gehen sie völlig verloren. Drastisch formuliert sind die Jugendlichen heute verloren verwirrt und wenn da noch eine tiefe Frustrationstoleranz hinzukommt, dann artet es schnell aus. Ich finde den Zustand der Jugend in der Schweiz bedenklich. Das ist zwar Kritik auf einem hohen Niveau, aber ich glaube, wenn man hier keine Massnahmen ergreift, dann wird es später sehr schwierig hier eine Trendwende einzuleiten und diese Generationen wirklich in die Gesellschaft einzubinden.</p>
<p><em><strong>Als ich mich im Vorfeld über die Jugendsession informiert habe und mich in meinem Umfeld umgehört habe, ob dies ein Thema ist, meinten viele, dass man ja nichts bewirke.</strong></em><br />
 Ich persönlich bin der Ansicht, dass es bei der Jugendsession nicht vorrangig darum geht etwas zu bewirken. Trotzdem gibt es immer wieder Petitionen die weit kommen bzw. Anregungen schaffen und das Forum Jugendsession betreibt ja das ganze Jahr über Lobbyarbeit, d.h. sie treffen sich mit Nationalräten, Politikern usw. Hier bewegt sich wirklich etwas. Natürlich ist es schwer das zu beweisen oder aufzuzeigen. Doch es gibt viel wichtigere Effekte der Jugendsession: Diese kommt nun vielleicht bei dieser eintätigen Jugendsession.sommer etwas zu kurz, aber die dreitägige eidgenössische Jugendsession besitzt ein Rahmenprogramm, d.h. Aktivitäten zum Kennen lernen der Leute, der Stadt, ein Fest und man lernt so die Mechanismen und die Abläufe in der Politik kennen. Jugendliche die an der Jugendsession teilnehmen, die sind natürlich bereits politisch interessiert, das merkt man. Wenn nun aber jemand an der Jugendsession teilnimmt, dann geht der vielleicht danach nach Hause und sagt: „Die Jugendsession ist zwar nichts für mich, aber ich will trotzdem politisch aktiv sein.“ Damit hat die Jugendsession auch bereits viel getan.</p>
<p><em><strong>Wenn man junge Politiker anschaut, dann werden diese werden diese zu starken Medienfiguren. Trägt das zu einem positiven Bild der jungen Politiker bei?</strong></em><br />
 Es wird halt seitens der Partei sehr viel Zukunftsdenken in eine solche Person investiert und all diese Hoffnungen und Erwartungen kann eine solche Person eigentlich gar nicht erfüllen. Denn auch wenn man nun im Nationalrat ist, kann man alleine kaum etwas bewirken. Ein junger Nationalrat macht den Nationalrat noch nicht jung. Doch grundsätzlich haben junge Nationalräte, wie zum Beispiel der grüne Nationalrat Bastien Girod, ein sehr gutes Image.</p>
<p><em><strong>Der zweite Vorwurf an die Jugendsession lautet, dass dies doch eh nur ein linker Haufen sei.</strong></em><br />
 Ja, das steht auch gar nicht zur Debatte. Ich glaube beinahe jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin stehen politisch links oder zumindest mitte-links. An der eidgenössischen Jugendsession sind nicht einmal ein Dutzend Teilnehmer dem rechten Lager zuzuordnen, was natürlich den Nationalrat in keinster Weise repräsentiert. Geo Taglioni, der Projektleiter der Jugendsession, hat das Problem erkannt und weiss um das Problem. Es ist aber extrem schwer das Problem anzugehen, denn bei der Anmeldung weiss man ja nicht, welche politische Einstellung derjenige hat. Es gibt zwar einige, die ihre Parteizugehörigkeit angeben, doch viele sind nicht in einer Partei und auch noch nicht im Stimmalter. Oft haben sie auch noch keine gefestigte Meinung. Somit lädt man den Grossteil der Anmeldenden einfach ein. Rein statistisch sollten dann ja gleich viele Rechte wie Linke eingeladen werden. Da dies nun aber nicht so ist, heisst das, dass sich mehr Linke als Rechte für eine solche Veranstaltung anmelden. Solche Veranstaltungen sind ja auch ein kultureller bzw. sozialer Anlass und damit haben Rechte eher ein Problem als Linke. Wenn zu viele verschiedene Meinungen im Raum sind, verstehen sich Rechte meist missverstanden, sagen sie seien die einzigen, die recht haben und blocken dann einfach ab. Dann gibt es natürlich auch eine sehr starke Mund-zu-Mund-Propaganda: Wenn einmal ein Rechter an einer Jugendsession teilnimmt und dann zuhause erzählt, dass seien sowieso alles nur linke Socken, dann führt das rasch zu einem Boykott des Anlasses. An der letzten Jugendsession war ein Jung-SVP-Mitglied dabei, welches dann mit Geo Taglioni diskutiert hat und einen Aufruf in einer JSVP Zeitung gestartet hat, dass mehr Mitglieder der JSVP an der Jugendsession teilenehmen sollen. Vielleicht kann die rechte Front so wieder etwas gestärkt werden. Egal ob das nun gut oder schlecht wäre, würd dies die Jugendsession noch spannender machen. Verfolgt man im Parlament zum Beispiel die Diskussion über die Schweizer Armee, so ist diese extrem kontrovers, geladen und emotional. Sagt man in der Jugendsession, die Armee sei schlecht, dann nicken 90% der Leute. Das ist so ein Beispiel. An der letzten Jugendsession gab es drei öffentliche SVP-Mitglieder und am Ende sagt einer, dass er aufgrund seiner beiden Kollegen nun ein extrem schlechtes Bild seiner Partei hätte und er nun austrete. Darauf hin gab es flammenden Applaus, tosenden Beifall und Anfeuerungsrufe. Das ist wenig differenziert. Ich finde es nicht grundsätzlich schlecht, dass es die SVP gibt. Zum Teil haben sie unhaltbare Meinungen, aber die haben die Grünen auch. Aber genau durch diese Meinungsvielfalt funktioniert unser System: Durch die Zauberformel, durch die Vermischung auf allen Ebenen. Wenn man diese Vermischung nicht hat, wie an einer Jugendsession, muss man sich fragen: Ist das überhaupt repräsentierend.</p>
<p><em><strong>Kannst du als Gruppenleiter hinter den Petitionen stehen, die hier erarbeitet werden. Diese sind doch alle sehr idealistisch geprägt.</strong></em><br />
 Ja, aber diesen Idealismus nehme ich nicht als schlecht wahr. Diese Naivität, jetzt nicht im schlechten Sinne gemeint, gehört durchaus dazu. Hinter einer solchen Petition kann ja immer die gesamte Gruppe stehen, auch wenn nicht immer zu hundert Prozent, aber Politik ist ja immer Kompromisse schliessen. Doch auch wenn sich die Petitionstexte usw. sehr naiv anhören, so sind sie meistens, wenn man sich etwas eingehender damit befasst und die Begründungen liest, sehr sinnvoll. Da spielt es keine Rolle ob die Verfasser jung sind, es sind immer sinnvolle Ideen. Es ist meist eine rechte Arbeit, bis so ein Output – egal ob Petition, Statement oder was anderes – steht, doch am Ende kann man dahinter stehen. Und es ist ja auch nicht „spielen“ und deshalb idealistisch. Die Jugendsession ist nicht „Politik spielen“, es ist politisieren. Es ist vielleicht etwas einfacher, weil die Linken überwiegen, doch es ist trotz allem noch politisieren.</p>
<p><span style="font-size: x-small;"><strong>Fotos: Joel Krebs</strong></span></p>
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		<title>Politik in Rot</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 22:00:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joel Krebs</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/07/01/politik-in-rot/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/Jugendsession-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Am 30. Mai 2009 fand in Bern die jugendsession.sommer statt. Diese ist zwar nicht die weitaus bekanntere eidgenössische Jugendsession im Bundeshaus, doch trotzdem bietet sie einen Einblick in die Jugend, die sich für die Politik interessieren. Eine Tag Politik von Jugendlichen. Ein Tag voller neuen Erfahrungen und interessanten Debatten, doch auch mit Frustration und Enttäuschung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Politik in Rot</h1>
<h2>Ein Tag an der jugendsession.sommer 09</h2>
<h3><img class="alignleft size-full wp-image-2245" title="Jugendsession" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/Jugendsession.jpg" alt="Jugendsession" width="550" height="255" />Am 30. Mai 2009 fand in Bern die jugendsession.sommer statt. Diese ist zwar nicht die weitaus bekanntere eidgenössische Jugendsession im Bundeshaus, doch trotzdem bietet sie einen Einblick in die Jugend, die sich für die Politik interessieren. Eine Tag Politik von Jugendlichen. Ein Tag voller neuen Erfahrungen und interessanten Debatten, doch auch mit Frustration und Enttäuschung.</h3>
<p style="padding-left: 30px;"><a title="Interview mit Stefan Brader" href="http://www.nahaufnahmen.ch/2009/07/01/stefan-brader/"><span style="color: #888888;">Lesen Sie dazu auch das Interview mit Stefan Brader, einem Gruppenleiter der jugendsession.sommer und Mitglied der Organisationskomitees der eidgenössischen Jugendsession.</span></a></p>
<p>Über die eidgenössische Jugendsession, welche jährlich nach der eigentlichen Herbstsession des Parlaments stattfindet, hört man in den meisten Medien. Es wird von den da beschlossenen Petitionen berichtet, darüber diskutiert, was Jugendliche in die Politik treibt und davon abhält. Doch neben dieser dreitätigen Jugendsession im Bundeshaus gibt es noch zwei weitere Tage im Jahr, wo Jugendliche aus der ganzen Schweiz zusammen kommen um über Politik zu reden und selbst Politik machen. Die jugendsession.sommer ist einer dieser Tage.</p>
<h3>Organisation der Bühne</h3>
<p>Da die jugendsession.sommer nur einen Tag dauert, ist das Programm natürlich auch weniger ausschweifend als das der Jugendsession. Um neun Uhr trifft man sich in der Berufsschule des Detailhandels in Bern, fasst sich erst einmal ein knallrotes T-Shirt mit dem Slogan „Die Bühne für alle die nicht singen können, aber reden!“, klebt sich ein Namenschildchen an und lauscht dann bereits den Organisatoren. Die jugendsession.sommer ist ebenfalls national ausgelegt, jedoch ist der Eintritt nicht vom Bund finanziert. Dreissig Franken kostet der ganze Spass, dafür ist T-Shirt und Mittagessen inbegriffen. An sich immer noch ein angemessener Preis. Die beiden kleineren Jugendsessionen werden jedoch in Kooperationen mit anderen Organisationen durchgeführt. Diese Jugendsession wurde zusammen mit dem Netz Kinderschutz Schweiz organisiert, weshalb sich die Themen auch auf die Kinderrechte beziehen.</p>
<h3>Was am Ende herausschauen soll</h3>
<p>In vier verschiedenen Arbeitsgruppen wird dann über verschiedene, jedoch zusammenhängende Themen diskutiert. Das Ziel jeder Arbeitsgruppe ist dann einen Output zu verfassen. Dafür stehen drei verschiedene Formen zur Verfügung: Eine Petition, ein Statement oder ein Projektvorschlag. Dieser Output wird dann dem Plenum vorgestellt, so dass dieses dann darüber abstimmen kann, ob dieser Output so veröffentlicht werden soll. Soweit zur Theorie. Die verschiedenen Themen waren dieses Jahr:</p>
<ol>
<li> Integration von Jugendlichen mit Behinderung</li>
<li>Förderalismus und Kinderrechte</li>
<li>Jugenstrafrecht</li>
<li>Suizid unter Jugendlichen (französische Gruppe)</li>
</ol>
<h3>Fehlende inhaltliche Debatten</h3>
<p>Insgesamt hat eine Arbeitsgruppe dann mehr als vier Stunden Zeit um ihren Output auszuarbeiten. Das ist nicht wirklich viel, reicht aber aus. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Teilnehmer bereits im Vorfeld über das entsprechende Thema informiert haben. Zusätzlich kommen aber noch Experten auf dem Gebiet, bei uns Vertreter der Hilfsorganisation, hinzu, die während circa einer Stunde die Fragen der Teilnehmer beantworten. An sich die perfekte Grundlage um danach mit einer hitzigen Debatte zu beginnen. Doch hier liegt das Problem, denn eine solche Debatte fehlte beinahe gänzlich. Die Ursache dafür wird einem als Teilnehmer schnell klar: Es gibt keine oder kaum Meinungsvielfalt.</p>
<h3>Mitte trifft Links</h3>
<p>Es war mir von vorne rein klar, dass die politischen Verhältnisse an einer solchen Jugendsession nicht die Verhältnisse im Parlament oder gar Volk widerspiegeln. Der Vorwurf, dass an einer Jugendsession nur auf der linken Seite politisiert würde, ist weder ein Geheimnis und auch nicht wirklich erstaunlich. Trotzdem war ich über das Ausmass und vor allem die Auswirkungen davon überrascht. Eine Debatte zwischen Beteiligten, die sich sowieso einig sind, ist schlicht nicht möglich – und wenn, dann diskutiert man über formale Punkte und nicht über den Inhalt. So betrafen die einzige Auseinandersetzung, die wir innerhalb der Gruppe führten Formulierungen der Petitionsschrift, Satzkonstruktion und Wortwahl. Selbst die Entscheidung, über welches Thema wir denn nun einen Output verfassen, war entsprechend eintönig. Denn es war keine Frage der eigenen Meinung und politischen Einstellungen, sondern eine Frage der Prioritäten, denn jeder der vorgestellten Themen hätte an sich Anklang gefunden.</p>
<h3>Wo radikaler Idealismus eine Chance hat</h3>
<p>Stefan Brader, Gruppenleiter und Mitglied des Organisationskomitees für die eidgenössische Jugendsession, sagt in seinem Interview selbst, dass eine eigentliche inhaltliche Debatte, wie sie im Parlament zu finden ist, in der Jugendsession nur begrenzt stattfindet. Als Beispiel nennt er die Debatte über die Schweizerische Armee (siehe Interview). Auch bei uns gab es einen ähnlichen Themenvorschlag: So nannte ein Teilnehmer als Petition, den Stopp von Abweisung von Asylbewerbern mit Kindern. Was im Parlament eine sehr hitzige Debatte geführt hätte und am Ende wohl deutlich verworfen worden wäre, hätte selbst im Plenum der Jugendsession eine deutliche Chance für die Annahme der Petition. Kritische Stimmen hätte es hier nur vereinzelt gegeben. Natürlich ist allen Beteiligten klar, dass eine solche Petition niemals eine reelle Chance hätte, doch das mindert die Überzeugung kaum: Dann wird es eben als Symbol verstanden und so soll die mediale Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt werden.</p>
<h3>Der Mut anderer Meinung zu sein</h3>
<p>Selbst wenn es nun entgegengesetzte, also bürgerliche Meinungen gibt, so heisst das noch lange nicht, dass sie dann auch in die Diskussion einfliessen. Man kann sagen was man will, doch wenn man im Rathaussaal sitzt und weiss, dass man beinahe der einzige mit einer anderen Meinung ist, so braucht es Überwindung aufzustehen und diese Meinung einzubringen. Auf jede kritische Stimme melden sich fünf Stimmen, die dagegen halten. Eine solche Diskussion endet schnell in Frustration. Dies zeigt sich am Ende auch in den Abstimmungsergebnissen im Schlussplenum: So wurde jeder Output angenommen, keiner hatte mehr als 10 Gegenstimmen. Die Resultate waren eine Annahme mit 79%, 93%, 81% und 90% Ja-Stimmen. Das ist schlussendlich frustrierend für diejenigen Teilnehmer, die gerne ein politisches Gegengewicht sein möchten. Denn wenn die Jugendsession schon an dem Ruf leidet, nichts zu bewirken, dann ist dieser Eindruck bei solchen Leuten noch umso stärker: Egal wie gut oder schlecht die Argumente schliesslich sein mögen, eine Chance gegen eine solch überwältigende Mehrheit anzukommen gibt es kaum.</p>
<h3><img class="alignleft size-full wp-image-2248" title="Jugendsession-2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/Jugendsession-2.jpg" alt="Jugendsession-2" width="550" height="209" />Das Dilemma der Organisatoren</h3>
<p>Das Problem mit der fehlenden Meinungsvielfalt ist den Organisatoren laut Stefan Brader bekannt. Trotzdem wird es für sie schwierig hier etwas zu unternehmen, denn natürlich ist es nicht ihre Schuld, dass das bürgerliche Lager fehlt. Die Gründe liegen wohl eher in der Natur des Anlasses. Zum einen ist an der Redewendung sicher etwas dran, sprich unter Jugendlichen ist der Anteil an links denkenden sicher höher. Doch dies alleine erklärt noch keinen solch grossen Unterschied zu der Verteilung in der Bevölkerung bzw. in den Räten. Es ist sicher auch so, dass sich politisch links gerichtete Jugendliche mehr für die Politik interessieren, als politisch rechts gerichtete. Wieso dem so ist, ist schwer zu sagen. Nicht zu verachten ist aber auch das Bild der Jugendsession, denn es ist durchaus bekannt, dass man dort vor allem linke Meinungen antrifft. Dies muss nicht unbedingt nur von der Mund-zu-Mund-Propaganda herrühren, wie Stefan Brader erklärt. Selbst Wikipedia zählt den Kritikpunkt der geringen Meinungsvielfalt in dem Artikel der Jugendsession bereits auf. Das mag rechts denkende Jugendliche schon davon abhalten an einer solchen Jugendsession teilzunehmen.</p>
<h3>Wieso man auch Schlachten führen sollte, welche man sicher verliert</h3>
<p>Nun ich bin wirklich nicht jemand, der linke Meinungen vertritt und so litt auch ich darunter, stark in der Unterzahl zu sein. Als sich das Schlussplenum langsam auflöste blieb ein dumpfes Gefühl der Enttäuschung und Frustration. Doch trotzdem war es ein gelungener Tag, denn wo sonst kann man so einfach mit Politik in Berührung kommen? In diesem Punkt hat Stefan Brader sicherlich recht, wenn er sagt, dass es bei der Jugendsession nicht vordergründig darum gehe, den Jugendlichen wirklich die Chance zu geben etwas zu bewirken. Es kommt natürlich auf die Erwartungshaltung an, mit welcher man an einen solchen Anlass geht. Grundsätzlich hat mir der Tag aber gefallen, denn auch wenn eine kontroverse Debatte gefehlt hat, so gab es doch einige interessante Gespräche, nette Leute und doch auch einen Einblick darin, wie man diskutiert und seine Meinung kund tut. Vielleicht gerade, wenn man gegen eine schiere Übermacht ankämpft.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><a title="Interview mit Stefan Brader" href="http://www.nahaufnahmen.ch/2009/07/01/stefan-brader/"><span style="color: #888888;">Lesen Sie dazu auch das Interview mit Stefan Brader, einem Gruppenleiter der jugendsession.sommer und Mitglied der Organisationskomitees der eidgenössischen Jugendsession.</span></a></p>
<p><span style="font-size: x-small;"><strong><span style="color: #000000;">Fotos: Joel Krebs</span></strong></span></p>
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