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	<title>nahaufnahmen.ch &#187; Klassiker</title>
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		<title>Thomas Bernhard / Nicolas Mahler: &#8220;Alte Meister&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Dec 2011 15:24:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andrea Müller-Schmuki</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Alte Meister]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Nicolas Mahler]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Bernhard]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2011/12/17/thomas-bernhard-alte-meister/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/altemeister-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Eine Komödie mit beissendem Humor und Tiefgang in neuer Form: Nicolas Mahlers Adaption von Thomas Bernhards "Alte Meister" ist überaus gelungen. Comicfans dürften damit Ängste vor Klassikern und alten Meistern abbauen, Fans von Klassikern könnten den Comic für sich entdecken. - Ein neues Genre im Suhrkamp Verlag: eine Bereicherung!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Kunst und Karikatur</strong></h1>
<h2>Thomas Bernhard: &#8220;Alte Meister&#8221;, gezeichnet von Nicolas Mahler (Graphic Novel)</h2>
<h3><strong>Eine Komödie mit beissendem Humor und Tiefgang in neuer Form: Nicolas Mahlers Adaption von Thomas Bernhards &#8220;Alte Meister&#8221; ist überaus gelungen. Comicfans dürften damit Ängste vor Klassikern und alten Meistern abbauen, Fans von Klassikern könnten den Comic für sich entdecken. &#8211; Ein neues Genre im Suhrkamp Verlag: eine Bereicherung!</strong></h3>
<p><strong> </strong></p>
<p>Von Andrea Müller-Schmuki.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-10179" title="altemeister" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2011/12/altemeister.jpg" alt="altemeister" width="200" height="278" />Reger, ein sehr negativer Kunstkritiker, sitzt seit über dreissig Jahren jeden zweiten Tag im Kunsthistorischen Museum in Wien auf der immer selben Bank vor dem immer selben Bild: Tintorettos &#8220;Weissbärtiger Mann&#8221;. &#8211; Damit wäre die Handlung von Thomas Bernhards &#8220;Alte Meister&#8221; schon beinahe erzählt. Der gut 300 Seiten starke Ein-Ort-Roman entbehrt nämlich jeglicher Handlung. Neben Reger kommen noch der langweilige Saaldiener des Museums Irrsigler und der Erzähler Atzbacher vor, der als Bekannter von Reger diesem Stichworte für seine Hasstiraden auf die Kunst liefert. Die alten Meister werden nämlich als Verlogenheitsenthusiasten und als religionsverlogene Dekorationsgehilfen mit schlechtem Charakter und schlechtem Geschmack beschimpft. Stifter sei ein Kitschmeister, Heidegger ein Pantoffel- und Schlafhaubenphilosoph und Bruckner ein miserabler Komponist.</p>
<h3><strong>Kunst als Karikatur</strong></h3>
<p>Reger sagt in Bernhards Roman, dass man ein grosses, bedeutendes Kunstwerk nur dann ertragen kann, wenn man es zur Karikatur gemacht hat. Dies klingt schon fast wie eine Aufforderung, aus dem Roman eine Graphic Novel zu machen. Wie lässt sich nun aber ein so langer und statischer Roman in einen Comic verwandeln? Nicolas Mahler zeigt, wie&#8217;s geht: Hier und da wurden einzelne zentrale Sätze aus Bernhards Roman herausgepflückt, wobei in der Comic-Adaption kaum drei Sätze hintereinander stehen wie bei Bernhard. Vom Plot geht dabei kaum etwas verloren, der Roman verliert dadurch aber einiges an Witz. Thomas Bernhards literarisches Verfahren besteht schliesslich unter anderem aus der atemlosen Aneinanderreihung von Wiederholungen und Variationen, wobei die Steigerung in vielen kleinen Schritten in einer masslosen Übertreibung endet. Diese Methode der Wiederholung und Variation ist jedoch dieselbe wie beim Comic. Während die Graphic Novel häufig nur ein Bild pro Seite verwendet (so auch in diesem Buch), so greift Nicolas Mahler jedoch genau dieses Prinzip der Wiederholung auf, indem er immer wieder Reger zeigt, der auf der Bank vor Tintorettos Bild sitzt.</p>
<p>Die drastische Kürzung des Romans findet ausserdem bereits im Roman selbst seine Rechtfertigung: Thomas Bernhard lässt Reger nämlich sagen, dass wir das Ganze und Fertige nicht aushalten, sondern nur Freude daran finden können, wenn wir es zum Fragment machen. Genau dieses Fragmentarische unterstreicht Mahler ausserdem graphisch, indem er die Bilder der Alten Meister einmal im Ganzen darstellt und einmal nur einzelne Details davon auswählt, etwa solche, die Reger als besonders schlecht bezeichnet.</p>
<h3><strong>Karikatur als Kunst</strong></h3>
<p>Der sprachliche Witz, der durch die enormen Kürzungen verloren geht, wird durch neuen karikaturistischen Witz wettgemacht. So etwa wenn die Rede davon ist, woran die Künstler scheitern und das Wort über die entsprechende Partie im Bild geschrieben steht. Oder wenn von der lebenslänglichen stumpfsinnigen Bewunderung die Rede ist und das Bild nur hinter Gefängnisgittern zu sehen ist. Oft wird auch mit Gegensätzen gearbeitet, etwa wenn die Rede davon ist, dass der Polizeidienst lebensgefährlich sei, der Dienst im Museum nicht &#8211; und das Bild Irrsigler vor einer riesigen Herkules-tötet-Löwe-Statue zeigt.</p>
<p>Mahlers berühmter minimalistischer Stil passt hervorragend als Gegensatz zum Thema &#8220;Alte Meister&#8221; genauso wie zu den Monologen Regers, in denen er sich immer mehr in oft unbegründete Kritik hineinsteigert. &#8211; Schliesslich fordert er einerseits die Karikatur und das Unfertige, andererseits macht er sich über die alten Meister lustig, da sie nur Details perfekt hinbekommen haben, jedoch nicht das Ganze.</p>
<p>Der Suhrkamp Verlag ist nicht der erste Literaturverlag, der den Comic für sich entdeckt hat. Neu ist allerdings, dass bei Suhrkamp nun eine Comic-Reihe herauskommt, die sich durchwegs mit Klassikern und zeitgenössischen Autoren auseinander setzt. Man darf gespannt sein auf das zweite Buch dieser Reihe: Marcel Beyers &#8220;Flughunde&#8221; gezeichnet von Ulli Lust.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Titel: Alte Meister<br />
 Autor: Thomas Bernhard<br />
 Zeichner: Nicolas Mahler<br />
 Verlag: Suhrkamp<br />
 Seiten: 158<br />
 Richtpreis: CHF 27.50</p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Tot und Begraben&#8221; von Gary Sherman</title>
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		<comments>http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/07/tot-und-begraben/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 10:21:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alexander Sigrist</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf DVD]]></category>
		<category><![CDATA[1980er]]></category>
		<category><![CDATA[Gary Sherman]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Indizierung]]></category>
		<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Stan Winston]]></category>
		<category><![CDATA[Tot und begraben]]></category>
		<category><![CDATA[Verbot]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/07/tot-und-begraben/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/Dead-and-Buried-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>"Tot und Begraben": in Deutschland jahrelang auf dem Index! Verboten in Norwegen! Verboten in Finnland! Höchste Freigaben in England, den USA, Australien! Ein Splatterfest? Tausende Leichen? Untote? Zombies? Blut? Gallonen an Blut? Ein schockierendes Filmchen aus den Achtzigern? – Keine Panik, alles halb so wild. Aber eigentlich gar nicht mal so schlecht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Tot und ausgegraben</strong></h1>
<h2>&#8220;Tot und Begraben&#8221; von Gary Sherman</h2>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>&#8220;Tot und Begraben&#8221;: in Deutschland jahrelang auf dem Index! Verboten in Norwegen! Verboten in Finnland! Höchste Freigaben in England, den USA, Australien! Ein Splatterfest? Tausende Leichen? Untote? Zombies? Blut? Gallonen an Blut? Ein schockierendes Filmchen aus den Achtzigern? – Keine Panik, alles halb so wild. Aber eigentlich gar nicht mal so schlecht.</strong></p>
<p>Von Alexander Sigrist.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-2443" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/Dead-and-Buried.jpg" alt="Dead and Buried" width="200" height="239" />Ein kleines, behagliches, ja geradezu gemütliches Küstendorf an der amerikanischen Ostküste: der lokale Sheriff schaut nach dem Rechten, trinkt seinen Kaffee, isst Donuts – ja, so perfekt könnte das Leben sein. Bis mit einem Mal grausige Unfälle passieren: ein Mann verbrennt in seinem Auto, ein Landstreicher wird durchlöchert, eine Familie verschwindet – dem Sheriff Daniel Gillis ist klar: da muss mehr dahinter stecken. Bei seinen Recherchen stösst er auf eine Verschwörung, die das ganze Dorf durchzieht – und gräbt dabei Leichen aus, die besser unter der Erde geblieben wären.</p>
<p>Für Fans von Horror der härteren Gangart, hat &#8220;Tot und Begraben&#8221; eine beachtliche Geschichte im Gepäck: in Deutschland wurde der Film auf den Index gesetzt, in England wurde er als &#8220;Nasty Video&#8221; geahndet, ja sogar im augenscheinlich so liberalen Finnland und Norwegen war der Film verboten. &#8220;War&#8221; ist jedoch das operative Wort an dieser Stelle: mittlerweile ist der Film in all diesen Ländern wieder frei erhältlich und hat in Deutschland gar eine unbescholtene FSK 16 Freigabe bei der Neuprüfung erhalten. Beschaut man sich den Film, so bleibt wahrlich nicht viel, was &#8220;Saw&#8221;-Abgestumpfte vom Hocker hauen könnte: zwar sind die Ideen in der Theorie durchaus grausig (Spritze im Auge, Mensch im Feuer, Säure im Gesicht), die Durchführung jedoch in allen Ehren ergraut (ah, Latex-Puppe, ah, Animatronic, ah, Feuerfilter vor der Linse). Von der Gewalt her eignet sich Shermans &#8220;Tot und Begraben&#8221; allenfalls noch als Geschichtsstunde. Wer gerne wissen will, wie denn Stan Winston (ja, der Puppetmaster) in den Achtzigern noch Effekte gemacht hat, ist mit &#8220;Tot und Begraben&#8221; durchaus gut bedient.</p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Abseits der ergrauten Gewalt<br />
</strong>Zum Glück jedoch haben die Macher nicht nur auf Gewalt gesetzt: die Story hinter den Effekten vermag nämlich durchaus zu fesseln. Zwar zitiert &#8220;Tot und Begraben&#8221; alle Untiefen des Horrorgenres der Achtziger (verrückter Wissenschaftler, Untote, Dorf-Horror, unbedarfte Fremdlinge), erzählt aber trotzdem eine interessante Geschichte, deren Schlusspointe zum Schreien (wegen Furcht) gut ist – ja beinahe vermisst man die gute alte Zeit, in denen Horrorfilme es noch gewagt haben, eine verrückte Schlusswendung zu konstruieren, anstatt im Fahrtwasser bekannter Vorbilder zu schwimmen. Ein Meisterwerk ist die Geschichte zwar nicht, dafür gibt es zu viele Logiklöcher im Leichengewand, sie spannt aber auch heute noch und ist ein gutes Beispiel dafür, wie Gewalt und Spannung in einander greifen können.</p>
<p>Dem zu Gute kommt, dass Sherman ein gutes Gespür für einen spannende Inszenierung hat: vor allem der Mord an der Familie im Landhaus ist ein Lehrstück dafür, wie man mit wenigen Mitteln wie huschenden Menschen, Schatten und Geräuschen, einen brillanten Aufbau erschaffen kann – davon können sich auch viele gegenwärtige Horrorfilme noch eine dicke Scheibe abschneiden!</p>
<p>Unter dem Strich ist &#8220;Tot und Begraben&#8221; ein schönes Beispiel für den frühen modernen Horrorfilm, der Gewalt und Spannung kombiniert. Klar, wer den Gewaltüberkill erwartet, wird enttäuscht und auch dem, der eine unglaublich gescheite Story haben möchte, ergeht es nicht anders. Trotzdem ist &#8220;Tot und Begraben&#8221; ein mehr als solides Horrorfilmchen mit einem bitterbösen Schlusswitz – wer die guten alten Horrortage vermisst, sollte unbedingt zugreifen.</p>
<p><strong>Austattung</strong></p>
<p>Leider nichts Gescheites: ausser zwei Originaltrailern (sehr witzig!) und Trailern zu anderen Filmen hat die DVD nichts zu bieten. Dabei hätten wir doch so gerne Stan Winston über die Schulter geschaut!</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 27. November 2009 im Handel.</p>
<p>Originaltitel: Dead and Buried (USA 1981)<br />
Regie: Gary Sherman<br />
Darsteller: James Farentino, Melody Anderson, Jack Albertson, Dannis Redfield, Nancy Locke<br />
Genre: Horror<br />
Dauer: 90 Minuten<br />
Bildformat: 1,78:1 (16:9 anamorph)<br />
Sprachen: Deutsch, Englisch<br />
Untertitel: Deutsch<br />
Audio: Dolby Digital 5.1<br />
Bonusmaterial: Trailer<br />
CH-Verleih: Max Vision</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Im Netz</strong><br />
<a href="http://www.youtube.com/watch?v=8ZmlEh34unM" target="_blank">Trailer</a></p>
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		<title>&#8220;Carnival of Souls&#8221; von Herk Harvey</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2008/02/05/carnival-of-souls/</link>
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		<pubDate>Tue, 05 Feb 2008 16:19:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christof Zurschmitten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf DVD]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[B-Movie]]></category>
		<category><![CDATA[Carnival of Souls]]></category>
		<category><![CDATA[Elfriede Jelinek]]></category>
		<category><![CDATA[Gene Moore]]></category>
		<category><![CDATA[Herk Harvey]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
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		<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Yella]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2008/02/05/carnival-of-souls/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/COS_10-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>45 Jahre nach dieser Aufzeichnung mögen wir uns für mit allen cinematischen Wassern gewaschen halten, alle Irritierungs- und Verfremdungstaktiken mit einem müden Gähnen quittieren, und dennoch: Diese Szene, in der die Worte den Figuren nur asynchron über die Lippen gehen, kommt in ihrer rüden Unmittelbarkeit nichts weniger als schlagartig auf einen zu, im seltsamen Widerspruch stehend zur schweren Langsamkeit des restlichen Filmes.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Einfach nicht tot zu kriegen!</h1>
<h2>&#8220;Carnival of Souls&#8221; von Herk Harvey</h2>
<h3><img class="aligncenter size-full wp-image-2486" title="COS_10" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/COS_10.jpg" alt="COS_10" width="550" height="413" />Ein für 30&#8242;000 Dollar gedrehtes B-Movie wird frühzeitig auf dem Friedhof der Billighorror-Filme begraben, um zwanzig Jahre später wieder aufzuerstehen als Inspiration für Kritiker, Kultfilmfans und findige Film- und Buchautoren: Eine Würdigung des &#8220;films that wouldn&#8217;t die&#8221; anlässlich des Kinostarts seines späten Nachkommen &#8220;Yella&#8221;.</h3>
<p style="text-align: justify;">Von Christof Zurschmitten.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Fakten sprechen eindeutig gegen &#8220;Carnival of Souls&#8221;: Seine Besetzung &#8211; unbekannt bis unerfahren. Regisseur und Drehbuchautor &#8211; zum Film gekommen über wenig glamouröse Industrieauftragsarbeiten, zu denen sie nach diesem Dreh wieder zurückkehrten. Ein Budget &#8211; so niedrig, dass der Film sich bestenfalls ein kurzes Leben als Double-Feature-Hälfte erhoffen konnte. Doch 45 Jahre später ist &#8220;Carnival of Souls&#8221; immer noch da, um zu bleiben. Was ist das Geheimnis dieses Erfolgs, der ebenso mysteriös scheint wie der Film selbst?</p>
<p style="text-align: justify;">Man nehme nur diese Eröffnungssequenz: Der Bildschirm ist noch nicht richtig hell geworden, da wird der Blick bereits mitten in die Handlung geworfen: Zwei geparkte Autos, in einem drei Mädchen, im anderen zwei Jungs, die nicht einfach zu reden beginnen, sondern bereits mitten im Gespräch sind, ungewohnt unvermittelt, als wäre eine einst vorhandene erste Filmrolle irgendwann verloren gegangen.</p>
<p style="text-align: justify;">45 Jahre nach dieser Aufzeichnung mögen wir uns für mit allen cinematischen Wassern gewaschen halten, alle Irritierungs- und Verfremdungstaktiken mit einem müden Gähnen quittieren, und dennoch: Diese Szene, in der die Worte den Figuren nur asynchron über die Lippen gehen, kommt in ihrer rüden Unmittelbarkeit nichts weniger als schlagartig auf einen zu, im seltsamen Widerspruch stehend zur schweren Langsamkeit des restlichen Filmes.</p>
<p style="text-align: justify;">Was dann passiert, ist oft genug zitiert worden: Die Mädchen lassen sich zu einem Rennen mit den Jungs provozieren, kein Wort ist mehr zu hören, während die Wagen nebeneinander über eine Brücke rasen, und plötzlich &#8211; der Auslöser bleibt wie so viele entscheidende Momente des Films im Dunklen; verlieren die Mädchen die Kontrolle über den Wagen? drängen die Männer sie ab? &#8211; bricht der Wagen durch das Brückengeländer und versinkt mit einem Wasserglas-Platsch im Fluss. Die Kamera verharrt auf der Stelle, an der das Fahrzeug versunken ist und filmt unbewegt (vielleicht auch fassungslos) die sich langsam beruhigende Oberfläche, über die die Credits laufen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Wiedergeburt(en)</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Doch natürlich ist das nur der Anfang. Stunden später durchforstet ein Suchtrupp erfolglos den Fluss, als plötzlich aus den Fluten ein Mädchen emporsteigt. Mit dem zitternden, stakenden Schritt eines neugeborenen Fohlens (den Nina Hoss in &#8220;Yella&#8221; erfolgreich zu kopieren versucht) und weit aufgerissenen Augen erklimmt sie eine Sandbank, zum Erstaunen aller Betrachter. Sie selbst hingegen scheint wenig überrascht, höchstens ein wenig irritiert setzt sich in ein Auto und fährt los, hin zu einem neuen Lebensabschnitt, den sie als Organistin einer kleinen Kirche bestreiten will. Doch etwas stimmt nicht mit dieser Frau, mit diesem Leben; eine seltsame Ruine vor der Stadt übt eine geradezu magische Anziehungskraft auf sie aus, und immer wieder erscheint ihr das gespenstische Gesicht eines Wesens, das bis heute nur unter dem Namen &#8220;The Man&#8221; bekannt geblieben ist (und von Regisseur Herk Harvey höchstpersönlich verkörpert wird).</p>
<p style="text-align: justify;">Der Plot erscheint auf den ersten Blick eher konventionell für einen Gruselfilm, er allein hätte schwerlich &#8220;Carnival of Souls&#8221; über die Zeit retten können. Dennoch: Nach einem moderaten Start in den 60ern, in denen der Film um einige wichtige Szenen gekürzt nur im Doppel mit dem mittlerweile längst vergessenen &#8220;The Devil&#8217;s Messenger&#8221; lief, hat der Film seit den 80er-Jahren eine regelrechte Renaissance erlebt, als Kritiker- und Festivalliebling ebenso wie als Inspirationsquelle mehrerer Filme und Bücher (darunter immerhin ein Nobelpreisroman). Was genau unterscheidet diesen Film von der Unzahl seiner Zeitgenossen, die (meistens zu Recht) ebenso schnell wieder vergessen wie gedreht wurden? Eine erste Antwort ist denkbar einfach, führt aber immerhin auf die richtige Spur: Während die meisten Horror-Filme der 50er- und 60er-Jahre heutzutage noch als alles Mögliche funktionieren mögen &#8211; als Lachvorwand an Trash-Film-Abenden, als Artefakt der Filmgeschichte, als obskure Sammlerobjekte &#8211; Grusel vermögen sie nicht mehr auszulösen. Nicht zuletzt, weil ihre einst so erschreckenden Effekte in der Rückschau nur noch gut gemeint erscheinen. &#8220;Carnival of Souls&#8221; dagegen umweht bis heute eine Aura des Unheimlichen, des Beunruhigenden, obwohl &#8211; oder gerade weil &#8211; er auf die üblichen Spezial- und Schockeffekte beinahe gänzlich verzichtet. Was bleibt, sind eine Reihe wirksam eingesetzter filmischer Mittel, die mit Effekthascherei nichts, aber auch wirklich gar nichts zu tun haben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Elegie der Einsamkeit</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Da ist etwa das Gehörte: Die Tonspur scheint die Bilder absichtlich nicht immer zu treffen, eilt ihnen voraus oder hinkt ihnen hinterher &#8211; und verstärkt erstaunlicherweise nur den Effekt des Irrealen, statt auf Produktionspatzer zu verweisen. Die Musik von Gene Moore wabert sphärisch vor sich hin, synthetische Orgelklänge weben dichte, über den Bildern schwebende Klangteppiche. So weit, so sehr der Tradition des 50er- und 60er-Jahrehorrors verpflichtet. Aus dieser heraustretend steigert sich Moores Musik aber selten in theatralische Höhen, die Spannung wird nicht in entscheidenden Momenten durch druckvolle Crescendos überakzentuiert &#8211; und bleibt genau deswegen latent über den gesamten Film erhalten. Was aber vor allem anderen die gespenstische Wirkung dieses Tons erzeugt, ist die Tatsache, dass häufig nicht sicher ist, ob die Musik nur für den Zuschauer hörbar ist oder Teil der Filmwelt &#8211; oder aber gar nur in der Einbildung der Hauptdarstellerin existiert, die innerhalb der Filmrealität in einer eigenen, stummen Welt lebt (nur selten schreit sie im Angesicht des Schreckens, den Rest des Films über lässt sie den Horror wortlos über sich ergehen, ebenso gelähmt wie fasziniert). &#8220;Carnival of Souls&#8221; ist ein Lehrstück in Sachen gelungener Tondramaturgie.</p>
<p style="text-align: justify;">Da sind aber auch diese schwarz-weissen Bilder, die geradezu bescheiden bleiben in ihrem Verzicht auf alles Reisserische, Spektakuläre, Auffällige. Ein einziges Mal wird der Zeitraffer eingesetzt, um eine Szene ins Unwirkliche zu heben, ansonsten zeigt die Kamera einfach nur Menschen. Auch die Gespenster sind als solche noch zu erkennen, hinter ihrer den Tod nur halb vorspiegelnden Schminke. Wo &#8220;Carnival of Souls&#8221; allerdings doch noch das Überlebensgrosse ins Bild holt, da tut er dies einzig und allein über die Auswahl der Schauplätze: Diese Aufnahmen von Mary gleich zu Beginn des Films, wie sie in der Produktionshalle einer Orgelfabrik ein Instrument bedient, das sie in seiner Riesenhaftigkeit beinahe verschwinden lässt (obwohl sie es ist, die der Orgel ihren Willen aufzwingt, was freilich nicht immer so bleiben wird) &#8211; das ist ein Tableau für die Filmgeschichte. Die zweite Monumentalszenerie, die nur noch grösser wirkt dadurch, dass die Mehrzahl der Szenen in einfachen Familienhäusern spielt, ist natürlich der titelgebende &#8220;Carnival&#8221;, die Hauptinspirationsquelle der Geschichte. Ein Vergnügungstempel, der den grössten Ballsaal der USA behauste, ein Luxusbad, das, nachdem sich der See, an dessen Rand es einst stand, zurückzog, als sinnentleerte Ruine stehenblieb, als Monument der Nutzlosigkeit und der Vergänglichkeit der Vergnügungssucht: Architekturgewordene Metapher. Diesem Gebäude ein filmisches Denkmal gesetzt zu haben, wäre schon Verdienst genug für einen Film.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber da ist auch noch dieses Skript: Wenn &#8220;Carnival of Souls&#8221; heute nicht bloss als Unterhaltungs-Gruselfilm wahrgenommen wird, sondern (übrigens zum völligen Erstaunen seiner Schöpfer) immer wieder auch als durchdachte, ja geradezu philosophische Reflektion über den Tod, dann ist das in erster Linie der Verdienst von John Cliffords Drehbuch. Mary ist nicht (wie in vielen anderen Horror-Filmen) ein Mädchen, das &#8220;in der Blüte ihres Lebens&#8221; aus ebendiesem gerissen zu werden droht. Es geht nicht darum, mit ihr um dieses Leben als höchstes Gut zu fürchten. Im Gegenteil: Die Figur der Mary ist eine Soziopathin, im Leben ebenso einsam wie im Tod. Die Annäherungsversuche der (lebendigen) Männerwelt erscheinen ihr ebenso erschreckend wie die Einholungsversuche der Geister, sie erträgt keine Gesellschaft, egal von wem.  So einsam erscheint dieses Leben, dass man sich, sobald diese Frau dann doch noch darum zu rennen beginnt, fragt, was sie damit eigentlich retten will. &#8220;Carnival of Souls&#8221; ist nicht bloss ein Film über den Tod, sondern (und vielleicht in sogar in erster Linie) einer über die Melancholie der Einsamkeit, seine vereinsamte Heldin in ihrem abweisendem Wesen und ihrer emotionalen Leere eine zutiefst tragische Gestalt, <em>mit</em> der nicht recht gefühlt werden kann, um die man nicht richtig Angst hat &#8211; aber <em>für</em> die man nichtsdestotrotz fühlt.</p>
<p style="text-align: justify;">Letzten Endes ist &#8220;Carnival of Souls&#8221; aber &#8211; um eine ebenso zwischen unsterblich und untot pendelnde Floskel zu benutzen &#8211; mehr als die Summe dieser Teile: Ein aus seiner Zeit und seinem Rahmen gefallener Glücksgriff, dessen unwahrscheinliches Weiterleben über die ihm bestimmte Lebensspanne hinaus ebenso zu seinem Mythos beiträgt wie die Geschichte der nicht sterben wollenden Frau, die er erzählt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Ausstattung: </strong></p>
<p style="text-align: justify;">MIBM, die den Film dankenswerterweise soeben neu für den deutschen Markt erschlossen haben, übernehmen die Ausstattung von der für ihre makellosen Ausgaben bekannten Criterion Edition. Entsprechend opulent ausgestattet kommt der Film, auf gleich zwei DVDs, die neben der Kinofassung den um einige wesentliche Minuten längeren Director&#8217;s Cut beinhaltet, sowie grossartige Extras: Ein Making of (25 Minuten) aus VHS-Zeiten, das seine mangelhafte Bildqualität durch aufschlussreiche Interviews mit den Verantwortlichen wettmachen kann; Outtakes (37 Minuten), eine Tour zu den ehemaligen Drehorten; eine Auswahl von Industriefilmen von Clifford und Harvey, sowie einen zuschaltbaren Audiokommentar der beiden zum Hauptfilm. So löblich dies ohne Zweifel ist, so schlampig ist leider die Adaption geworden: Die deutschsprachige Synchronisation ist ein Witz (der nicht einmal die Tondramaturgie des Films respektiert), Untertitel gibt es nicht, und als wäre das nicht genug, sind sogar die Menüs fehlerhaft programmiert. Ein einziges Argument gibt es dafür, der deutschen Version den Vorzug vor dem Criterion-Original zu geben: Den wesentlich tieferen Preis.</p>
<p style="text-align: justify;">Seit dem 06. September 2007 im Handel.</p>
<p style="text-align: justify;">Originaltitel: Carnival of Souls (USA 1962)                                <br />
Regie: Harold &#8220;Herk&#8221; Harvey<br />
Darsteller: Frances Feist, Stanley, Leavitt, Herk Harvey, Candace Hillogies<br />
Genre: Horror-Film<br />
Dauer: 76/79 Minuten<br />
Bildformat: 4:3<br />
Sprachen: Deutsch, Englisch<br />
Untertitel: keine<br />
Audio: DD 2.0<br />
Bonusmaterial: Making of, Outtakes, Besuch der Drehorte, Industriefilme Harveys, Audiokommentar des Regisseurs und Schreibers, alternative Filmversion</p>
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		<title>Durch die Hölle. Kein Zurück. Des Erlebnisberichts 1. Teil.</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Feb 2008 08:12:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christof Zurschmitten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf DVD]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Arthouse]]></category>
		<category><![CDATA[Cliffhanger]]></category>
		<category><![CDATA[Drakonische Arbeitsbedingungen]]></category>
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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2008/02/03/sasori_teil1/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/frontpage_hintergrund3.jpg class=imgtfe hspace=10 align=left width=150  border=0></a>Als sie wieder zu sich kamen und die schwere Dunkelheit weggeblinzelt hatten, erkannten sie sich in einer fauligen Gefängniszelle liegend wieder, bekleidet nur mit einem körperbetonten, bodenlangen Streifenkleid. Der Instinkt, nicht der Verstand war Gebieter der Bewegung, die ihrer beider Hände noch im Nebel der Orientierungslosigkeit ihre Rücken entlang fahren liess - und ihnen den Atem wiedergab: Was auch immer ihnen angetan worden war, wer auch immer dafür zur Rechenschaft gezogen werden musste - ihren Schatz hatte man nicht entdeckt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong style="font-size: 24px;">Durch die Hölle. Kein Zurück. Des Erlebnisberichts 1. Teil.</strong></p>
<p style="text-align: left; font-size: 18px;"><strong>&#8220;Sasori&#8221; von Shunya Ito</strong></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2102" title="frontpage_hintergrund" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/frontpage_hintergrund3.jpg" alt="frontpage_hintergrund" width="550" height="85" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong style="font-family: Times New Roman, Times, serif; font-size: 18px;">Monat für Monat zapfen die Macher von nahaufnahmen.ch ihre Arterien an, um mit Herzblut Texte für den Leser zu schreiben, der darin einen flüchtigen Blick auf des Kritikers wunderschöne Seele erhaschen möge&#8230; doch wo vordergründig Harmonie herrscht, da dräunen hinter den Kulissen Zwist und Zwiespalt.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Von Alexander Sigrist und Christof Zurschmitten.</p>
<p style="text-align: justify;">Was nützt dem Narren sein reines Gewissen, wenn er für seine Dienste an der Herrin Wahrheit letztlich doch einen grimmen Tod sterben muss? War es Blindheit, war es Unbedarftheit oder gar lästerliche Hybris, die Alexander Sigrist und Christof Zurschmitten &#8220;The Assassination of Jesse James by The Coward Robert Ford&#8221; in die Liste ihrer persönlichen Kinohighlights 2007 aufnehmen liess? Doch Gründe zählen nicht, wo Bosheit ein eisernes Regiment führt. Und so versteckte Chefredakteur Lukas Hunziker seinen Missmut über den Lobpreis eines für ihn unerträglichen Machwerks gemeinsam mit seinen darein Wurzeln schlagenden diabolischen Plänen hinter der ehernen Maske des leidlich amüsierten Patriarchen. Vorerst. Denn kaum hatten A&amp;C ihren Dienst an der Menschheit ein weiteres Mal untertänigst verrichtet und ihre Februar-Rezensionen dargereicht, glitt das Lächeln von des Chefredaktoren Gesicht. Mit eiserner Faust packte er die Untergebenen, die sich ungeheuerlicher Weise angemasst hatten, sein unfehlbares Geschmacksurteil in Frage zu stellen, im Genick und warf sie durch das ungeöffnete Fenster des nahaufnahmen.ch-Heims für mittellose Kritikerexistenzen hinaus, auf die Strasse.</p>
<p>Benommen, geschunden, ihrer Menschenwürde, ihres Rückhalts und einzigen Stütze beraubt, zogen A&amp;C heulend und zähneknirschend durch die Gassen, ernährten sich von streunenden Hunden und fauchten den Passanten ihren fauligen Atem entgegen. Nicht lange, und ihr Treiben erregte die Aufmerksamkeit der patrouillierenden Schmutztruppen, die nach dem historischen Wahlsieg der SVP aufgestellt worden waren, um sich der &#8220;Unsauberen Flecken auf der reinen Seele der Nation&#8221; anzunehmen. Unter Schlagstockhagel und Hundegebiss wurden Alexander und Christof, Christof und Alexander, zu Boden und fast zu Tode geprügelt und unter dem Schutzmantel der Bewusstlosigkeit abtransportiert, der sich gnädigerweise irgendwann über ihnen entfaltete.</p>
<p style="text-align: justify;">Als sie wieder zu sich kamen und die schwere Dunkelheit weggeblinzelt hatten, erkannten sie sich in einer fauligen Gefängniszelle liegend wieder, bekleidet nur mit einem körperbetonten, bodenlangen Streifenkleid. Der Instinkt, nicht der Verstand war Gebieter der Bewegung, die ihrer beider Hände noch im Nebel der Orientierungslosigkeit ihre Rücken entlang fahren liess &#8211; und ihnen den Atem wiedergab: Was auch immer ihnen angetan worden war, wer auch immer dafür zur Rechenschaft gezogen werden musste &#8211; ihren Schatz hatte man nicht entdeckt.</p>
<p>Ein gackerndes Lachen entstieg der Kehle des Arthouse-Kenners, dumpfe Töne tierischen Glücks entwichen dem Sleazefilm-Fan: Man hatte ihnen ihre Würde nehmen können, ihr Menschsein, doch nicht die Silberscheiben, die sie dem Chefredakteur unbemerkt noch im letzten Gebalge um den Erhalt des Arbeitsplatzes hatten vom Schreibtisch stehlen können. Diese Trophäen, die Alexander und Christof, Christof und Alexander, je zwei der eine, je zwei der andere, im einzig sicheren Ort, der ihnen nach dem Verlust aller Dinge noch geblieben war, versteckt gehalten hatten &#8211; sie waren noch da, ihnen zum Trost, wo kein Trost mehr hätte bleiben dürfen.</p>
<p>Die folgenden Tage, Wochen, Monate waren hart für A&amp;C, hart durch die Schindereien der Wächter, unerträglich durch die Arbeiten, die ihnen abgetrotzt wurden und ihre Knochen ächzen liessen, brutal in den unausgesetzten Attacken der Mitgefangenen, verschüchterte Existenzen wie sie selber, die ihren sinnlosen Zorn gegen die Mauern um sich herum ausliessen an den Menschen zwischen diesen Mauern. Doch unerträglicher noch war das Wissen um die Nähe dieser Scheiben, die wie das Versprechen auf eine bessere Zukunft, oder wenigstens einige unbeschwerte Minuten-Bruchstücke davon, sie bei jedem Schritt daran gemahnten, welch sinnlose Existenz sie doch an ihrem Aufbewahrungsort fristeten.</p>
<p>Doch dann, in einer Nacht, so undurchdringlich, dass der Gott der Dunkelheit selbst sie ihnen geschickt haben musste, als lächerlichen Obolus für die Finsternis, die ihr Leben war, stolperte ihr Aufseher auf den Stufen ihrer Zelle und blieb regungslos liegen. A&amp;C, erhoben sich, mit einer Geschwindigkeit, die den Martern, die ihre Körper über sich hatten ergehen lassen müssen, Hohn sprach, und rasten in besinnungsloser Entschlossenheit voran, geleitet vom einzigen Instinkt, der je stark genug gewesen war, um in ihnen zum Trieb anzuwachsen: Mit fliegenden Schritten und traumwandlerischer Sicherheit gelangten sie in einen kleinen Raum, in dem zwei Wächter erschreckt von einem zerschlissenen Ledersofa aufzuspringen versuchten, nur um noch im Ansatz der Bewegung von Alexander und Christof, Christof und Alexander, mit einem einzigen schnappenden Faustschlag gegen den Kehlkopf aus dem Dienst und Leben entlassen zu werden. Sekunden dehnten sich zur Ewigkeit, als das Sofa, ein Schreibtisch und ein ekstatisch vor sich hinröchelnder Kaffeeautomat zur Tür-Barrikade und der Aufenthaltsraum schliesslich zur Trutzburg wurde.</p>
<p>Noch immer diktiert ihr Nerd-Hunger, den sie innerlich wie ein trotziges Balg nölend nach Fütterung schreien hören, jede ihrer Bewegungen, als Alexander eine der Scheiben aus ihrem Verwahrungsort nimmt, sie in den Player einführt, während Christof das LCD-Display des Fernsehers auf die richtige Frequenz stimmt, und endlich, endlich ihre Seele Linderung erfährt.</p>
<p style="text-align: justify;"><img class="aligncenter size-full wp-image-2096" title="sasori_2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/sasori_21.jpg" alt="sasori_2" width="440" height="280" />CHRISTOF: Gott. <br />
ALEXANDER: Endlich.<br />
C: Ich weiss nicht, wie lange ich das noch hätte mitmachen können.<br />
A: Jau. Gib mir mal nochmal die DVDs.</p>
<p><em>Christof reicht Alexander die vier DVDs. Dessen Augen gleiten bewundernd über die verschiedenen Covers, die viermal auf je andere Weise dieselbe Frau zeigen. Eine Frau, deren Name Rache ist.</em></p>
<p>C: Meiko Kaji. Geboren 1947. Ist aber erst in den siebziger Jahren berühmt geworden. Als sie einen Vertrag beim Nikkatsu-Studio unterschrieben hat. Da ist sie aber nicht lange geblieben, da das Studio relativ schnell ins Genre des pinku eiga (seine Finger malen Anführungszeichen in die Luft) eingestiegen ist&#8230;<br />
A: Softpornos! Eine Schande aber auch, dass sie da nicht mitmachen wollte&#8230;</p>
<p><em>Alexanders glänzende Augen hängen immer noch am Antlitz der Frau auf den DVDs.</em></p>
<p>C:&#8230;und hat dann bei Toei einen Vertrag unterschrieben. Da hat sie den Regisseur Shunya Ito getroffen, welcher sie überredet hat, in dem Gefängnisfrauenfilm &#8220;Sasori: Scorpion&#8221; mitzuspielen, und&#8230;<br />
A: In welchem sie sich dann doch nackig gemacht hat.<br />
C: Würdest du bitte davon absehen, meine Rekapitulation der entscheidenden Fakten zu unterbrechen? Mach lieber Kaffee, oder so. &#8230;auf jeden Fall ist sie mit dem Film über Nacht bekannt geworden, was drei Fortsetzungen nach sich zog.</p>
<p><em>Alexander steht, während Christof sein Wissen kundtut, auf und geht zur röchelnden Kaffeemaschine, wo er, nach einigem Knöpfedrücken, eine Tasse mit einer schwarzen, heissen Flüssigkeit befüllt, die etwas zu dick für einen Kaffee zu sein scheint.</em></p>
<p>C: Auf jeden Fall wurde die Gute über Nacht zum japanischen Star. Bevor sie dann schliesslich Ende der Siebziger in &#8220;Lady Snowblood&#8221; endgültig unsterblich wurde. Ein Film wiederum, den der amerikanische Regisseur Quentin Tarantino in geradezu vollendeter postmoderner Form als Matrix für sein opus magnum &#8220;Kill Bill&#8221;&#8230;<br />
A: Erneut durchgenudelt hat, schon klar, schon klar. Aber wann kommt das mit dem Sleaze?<br />
C: Wann kommt was?<br />
A: Sleaze! &#8220;Sasori&#8221;! Gleich Sleaze. Das Ding ist dreckig, schäbig. Nix, was du mit der ganzen Familie schauen würdest, keine DVD, die du deiner Freundin zum züchtigen Rumbusserln zeigst. Nackte Brüste, Alter! Unterdrückung! Sex, und Gewalt, in rauen Mengen!</p>
<p><em>Um seine Aussage zu stützen, zieht Alexander eine Postkarte hervor, die mirakulöser Weise irgendwo zwischen den DVD-Hüllen noch Platz gefunden hat. Die Postkarte zeigt zwei Frauen, eine oben ohne, die andere kniend vor ihr. Offenbar ein Liebesspiel.</em><br />
C: Und das ist, wo du falsch liegst, lieber Alexander.<br />
<em>Christof bewaffnet sich mit dem Poster, das (ebenso unerklärlicher Weise) zwischen seinen beiden Silberlingen versteckt bleiben konnte. Auf der Rückseite ist das Poster eng beschrieben, mit tausenden von Worten, aufs Papier berufen, um den tieferen Sinn &#8220;Sasoris&#8221; zu beweisen.<br />
</em>C: &#8220;Sasori&#8221; ist Arthouse (Anführungszeichengeste). Es ist nur eine Frage der Zeit, bis einer der Programmverantwortlichen des hochlöblichen Senders &#8220;Arte&#8221; das bildungshungrige Bürgertum damit beglücken wird. Entblösste Büsten, Eruptionen aggressiver Natur, nichts davon findet sich in diesem Film ohne tieferen Sinn&#8230;<br />
A: Das ist ein Frauenknast-Streifen! Drei-Akt-Struktur bedeutet da noch, dass ein Wächter und eine Gefangene knattern, während der Direktor sabbernd daneben steht! Da geht&#8217;s darum, möglichst viele Vorwände dafür zu finden, nackte Haut und Sex zu zeigen! Und dann, bamm, Schluss, aus, Happy End. So wird&#8217;s laufen, mein Freund.<br />
C: Arthouse!<br />
A: Sleaze!<br />
C: Arthouse!!<br />
A: Sleaze!!!<br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-2097" title="sasori_1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/sasori_11.jpg" alt="sasori_1" width="440" height="638" /><em>In der Ferne ist derweil geschäftiges Trappeln zu vernehmen, Schritte nähern sich der Tür, entfernen sich wieder unbemerkt.</em><br />
<em>Christof schüttelt den Kopf. Dabei fällt sein Blick auf die Menüschleife der DVD, die nun schon geraume Zeit vor sich hinschlenkert, unbeachtet. Das soll nicht länger sein: mit einer schnappenden Handbewegung zückt Christof die Fernbedienung &#8211; zum Erschrecken Alexanders, der seine Kaffee-Teer-Mischung fluchend verschüttet &#8211; und presst gefühlvoll die Enter-Taste. Es geht los.</em><br />
<em>Zwei Frauen rennen durch eine Sumpfgraslandschaft. Sie tragen Gefängniskleidung, sie sind müde. Die eine stolpert, offensichtlich unter Schmerzen. Blut läuft über ihr Bein. Die zweite Frau, Sasori, hilft ihr wieder auf die Beine. Sie sei nicht verwundet, klärt Sasori die andere Frau auf, sie bekomme nur ihre Periode, die sie im Gefängnis nicht hatte.</em></p>
<p>C: Ha!<br />
<em>Christof klopft triumphierend auf das Poster in seiner Hand.</em><br />
C: Mit dem Autoren dieser Zeilen möchte ich darauf hinweisen, dass diese Szene bereits das eigentliche Verhältnis zwischen Mann und Frau und den Stellenwert von intimen, sexuellen Umständen zeigt. Nami, die zweite Frau, kriegt ihre Periode sofort nachdem sie aus dem Gefängnis geflohen ist. Warum? Selbstverständlich, weil das Gefängnis eine patriarchale Ordnung repräsentiert, in der die Frauen Objekt maskuliner Repressionen sind. Diese gehen soweit, dass sogar organische Prozesse, wie die Menstruation, gehemmt werden. Die totale Oppression, symbolisiert in einem einzigen, genialen, konzisen Tableau.<br />
A: Ich sehe nur Blut.</p>
<p><em>Stille kehrt zwischen den beiden Sehenden ein, während der Film seinen Lauf nimmt, mit. einer Szene, in der unzählige nackte Frauen eine Art Hindernisparcour, etwas was eher an eine Theaterkulisse erinnert, denn an ein Gefängnis, überqueren müssen, beobachtet von Wärtern, die grinsend ihre Schlagstöcke in den Händen reiben. </em></p>
<p>A: Naaackte Schnecken!<br />
C: Oppression! Gesellschaftskritik!</p>
<p><em>Schweigen kehrt ein, das plötzlich eine neue, dunkle Qualität einnimmt: Sasori, von ihren Peinigern gefesselt, auf dem dreckigen Boden liegend, wird von mehreren Wärtern mit ihren Schlagstöcken bedrängt und schliesslich vergewaltigt.</em></p>
<p>A: Ha! Da siehst du es. Arthouse? Von wegen! Das ist eine Vergewaltigung, eine brutale, dreckige, gleich sleazige Szene. Nix Kunst, Exploitation!<br />
C: Aber siehst du den die Schlagstöcke nicht?<br />
A: Muss ganz schön wehtun.<br />
C: Aber nein, Phalli! Phalli! Die Materialisierung patriarchaler Gewalt!<br />
A: Phalli!? Wirst du gleich auch noch den Kopf zu rollen beginnen und Erbsensuppe spucken oder hat dich der Geist des alten Siegmund wieder frei gegeben? Das sind Bullen, was sollten die denn sonst benutzen als Waffen? Phaser? Wattebäusche? <br />
C: <em>schweigt ostentativ.</em></p>
<p><em>Die Blicke wenden sich wieder dem Monitor zu. Wie von Ferne dringt das Heulen einer Sirene an die Mauern des Aufenthaltsraumes und wird von ihnen unfreundlich abgewiesen.</em></p>
<p>A: Meine Damen und Herren, ein Flashback! Bekommen wir jetzt auch noch die jugendlichen Brüste der Frau Maji zu sehen? <br />
C: Ich möchte dein Augenmerk doch auch auf die Hintergründe lenken, namentlich die reduzierte Kulisse. Ich möchte dies dahingehend interpretieren, dass der Film zur Bühne wird, in der Raum und Zeit ineinander verschoben werden, wie Kulissen, oder Erinnerungen.<br />
A: Pah, damit hat auch schon der von Trier entschuldigen wollen, dass er einfach nicht genug Schotter für eine anständige Stellwand hatte&#8230; Oh, aber Ruhe jetzt, da haben wir&#8217;s! Sex!</p>
<p><em>Doch plötzlich: Das Bild wechselt, Christof springt auf, einen Freudentanz vollführend, sein Beweis ist eingetreten, endlich. Das Bild zeigt ein weisses Bettlaken, welches in der Mitte von Blut durchtränkt wird, das Blut bildet einen roten, ausgefüllten Kreis. Die japanische Flagge, mit Blut auf ein Bettlaken geschrieben.</em></p>
<p>C: Da! Da! Wer Augen hat zu sehen, der sehe! Die Anklage, gegen den Staat, die Nation, die Klage der unterdrückten Frau gegen die reaktionär-patriarchale Gesellschaftsstruktur. Arthouse! Arthouse! <br />
<em>singt das Wort vor sich her</em><br />
A: Ist noch Kaffee da?</p>
<p><em>Die Rückblende erzählt weiter von Sasoris Leben vor dem Gefängnis, von ihrer Wut, von ihren Rachegelüsten. Von ihrem gebrochenen Herzen, bevor der Film wieder in das Gefängnis zurückwechselte. C&amp;A merken auf: Neue Insassen werden vorgestellt, nicht in blauen Kleidern wie Sasori und die meisten anderen, sondern in orangenen: Hilfsaufseherinnen.</em></p>
<p>C: Gott, welch Genie!<br />
A: Bitte?<br />
C: Dieser Mut zur Komplexität! Frauen, die unterdrücken! Nicht bloss die totale, sondern auch die universale, geschlechtsungebunde Oppression. Wahrlich, ich sage dir: Der Film ist nicht einfach nur ein kühner Vertreter des Feminismus, sondern auch darauf bedacht, sich nicht nur auf Feminismus zu beschränken.<br />
A: Feminismus? Hallo?! Darf ich deine Aufmerksamkeit auf die Brüste lenken? Das ist reine Fleischbeschau, und dafür sollten wir dankbar sein! Überhaupt finde ich, dass orange den Frauen viel besser steht&#8230;<br />
C: Halt, halt, mein Freund. Bedenke: Auch wenn das Genre des Frauen-in-der-Zuchtanstalt-Films (Gänsefüsschengeste) im weiteren Sinne der Exploitation (Gänsefüsschengeste) zuzurechnen ist, so zeigt &#8220;Sasori&#8221; die Frau doch in einer neuen Rolle. Natürlich ist die Frau passiv und unterdrückt am Anfang des Films, doch wird sie aktiv im Lauf des Films. Das ist nicht pure Exploitation.<br />
A: So lange der Film die Ausbeutung der Frau zeigt, indem er die Nacktheit der Frauen schön telegen ausbeutet, auch recht. Hast du eigentlich irgendwo ein Bier rumstehen gesehen?</p>
<p><em>Während Alexander noch gründlich den Raum nach Rückständen alkoholischer Substanzen untersucht und an der Türe ein leises Schaben erklingt, suhlt sich Christof in der Genugtuung des erfolgreichen Propheten, als die Frauen den Aufstand proben, an die Macht gelangen, die Wärter gefangen nehmen und die verängstigen Männer zu vergewaltigen beginnen.</em></p>
<p>C: Der Phallus ist seiner Macht beraubt. Er hat sich gegen seinen Besitzhaber gewendet. Ein unschönes Bild, aber doch, welch Sinnhaftigkeit!<br />
A: Jetzt haben sie auch noch Sasori&#8230; Ui. Die Kreativität der Drehbuchschreiber scheint ein nie versiegender Brünnen zu sein, wo es ums Foltern geht. Reschpekt.<br />
C: Und wieder interpretierst du die Szene falsch. Hier geht es nicht um die Folterung&#8230;<br />
<em>Seine Gesichtsfarbe ändert den Ton ins leicht Bleichliche&#8230;</em><br />
C: &#8230;auch wenn&#8230;<br />
<em>&#8230;leicht Bleiche&#8230;</em><br />
C: &#8230;die Szene zugegebenermassen&#8230;<br />
<em>&#8230;Bleiche&#8230;</em><br />
C: &#8230;auffällig lang und grausam ist&#8230; <br />
<em>Kurzer Schluckreflex</em><br />
C: Wie gesagt, eigentlich besteht die Essenz der Szene darin, dass Sasori die Idealfrau ist: weitgehend passiv, ruhig, und die anderen Frauen unterdrücken sie. Das Idealbild Frau ist kein taugliches Bild für die Gesellschaft, da es unweigerlich zur Unterdrückung führt. Ein klarer! und ich möchte hinzufügen: Ein äusserst klarer Schrei nach Emanzipation.</p>
<p><em>Alexander grunzt unartikulierten Protest, steht auf und macht sich mangels Alternativen wieder über die Kaffeemaschine her, doch diese verweigert den Dienst. Keine Bohnen, so lautet die Diagnose. Ein DVD-Abend und kein Kaffee. </em></p>
<p>Alexander: Das ist wahre Folter.</p>
<p><em>Unterdessen wird Sasori auf dem Bildschirm weiter gefoltert, bis der Film zur Schlusspointe ansetzt: dem lang ersehnten Befreiungsschlag, dem Rachefeldzug, der blutigen Wiedergutmachung.</em></p>
<p>C: Ich bin beeindruckt.<br />
A: Ich auch. Kein Abspann. Nicht mal dafür hat das Budget gereicht.<br />
C: Welch Werk von visionärer Schaffenskraft!<br />
A: Die japanische Mutter moderner Sleaze-Filme. Brutal, schockierend und spannend. Blut. Blutte Menschen. Ich bin zufrieden.<br />
C: Arthouse!<br />
A: Sleaze!<br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-2098" title="sasori_3" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/sasori_31.jpg" alt="sasori_3" width="440" height="529" /><span>© Eigentum des jeweiligen Studios / Vertriebes</span><br />
<em><br />
Vor der Tür ist Hundegebell zu vernehmen, wird aber von der Meinungsverschiedenheit im Raum übertönt. Alexander schlägt salomonisch vor, den zweiten Teil den Entscheid fällen zu lassen. </em></p>
<p>C: Aha, Sasori: Jailhouse 41. Welch grandioser Vorschlag, lieber Alexander! Aufgenommen und veröffentlicht noch im selben Jahr wie der Erstling, an dessen Stärken festgehalten wird: Gleicher Cast, gleicher Regisseur, gleiche Ausgangslage &#8211; ich schätze Konstanz im Werk eines Künstlers, eine Besinnung auf die eigenen Stärken, die in ihrer Variation nur noch glänzender hervorstechen&#8230;<br />
A: Rein damit.</p>
<p><em>Die Kamera fährt einen Gang hinunter. Dazu eine Stimme im off: &#8220;Sasori! Sasori! Sasori!&#8221;. Die Kamera wackelt, das Bild verschwimmt. Eine Szene, so atmosphärisch, dass es Christof und Alexander, Alexander und Christof, eiskalt den Rücken runterläuft. Dann, das Schaben eines metallenen Gegenstandes, der über den Boden gezogen wird. Ein hässliches Geräusch, das sich immer und immer wieder wiederholt. Ein neuerlicher Schauder läuft über die Rücken der Sehenden, doch dann endlich: Sasori, gefesselt auf dem Boden, in ihrem Mund ein Löffel, den sie immer wieder über den Boden schleift, um ihn zu schärfen Ihr Blick, eiskalt, wird frontal von der Kamera aufgenommen. Dann ein neuer Schauer, das wohlige Gefühl, dass Sasori wieder da ist. </em><br />
A: Sasori!<br />
C: Sasori!</p>
<p><em>Der Jubel verstummt, als die Heldin wieder gepeinigt wird, wieder zurückschlägt, wieder Unterdrückung, wieder Sex, wieder Exploitation, wieder Blut, wieder Haut.</em></p>
<p>A: Bin das nur ich oder arbeitet jemand da draussen an der Matrix?<br />
C: Das ist nur die Exposition. Die Exposition darf das. Die Exposition darf alles.</p>
<p><em>Christof und Alexander, Alexander und Christof, konzentrieren sich also wieder auf das, was sie am Besten können: fernsehen. Der Plot trägt sie weiter durch das Martyrium der Sasori, hinein in den Steinbruch: Sasori gefoltert, am Kreuz.</em></p>
<p>C: Da ist es wieder, in einer solchen Szene kannst du einfach nicht leugnen, dass der Film tiefere Aussagen hat. Sasori wird in dieser Szene zur Jesus-Figur stilisiert. Die ultimative Märtyrerin. Der weibliche Jesus.<br />
A: Wenn Sasori Jesus wäre, dann würde sie nach drei Tagen Scheintod nicht in den Himmel fahren, sondern ihre Peiniger genüsslich zur Hölle fahren lassen. Während sie mit Löffeln in ihren Eingeweiden wühlt. Schreib das mal in die Bibel.</p>
<p><em>So glühte die DVD weiter im Player, zeigte Sekunde für Sekunde an Gewalt und Sex, wieder wie Sasori von allen Seiten, auch von den Mitinsassinnen geschlagen wird, bis, da, endlich: Flucht. Wärter werden tot&#8230;</em></p>
<p>C: Sag mal&#8230;<br />
A: Ja, der ist kastriert.<br />
C: Brutal.<br />
A: Sehr.</p>
<p><em>Wärter werden tot und kastriert auf der Strecke gelassen, Sasori flieht, Mitinsassinnen im Schlepptau. Alexander lächelt das Lächeln des Seligen, als noch mehr gemartert wird, geprügelt, geradlinig. Christof schmollt, als zwei Frauen sich im Hintergrund sehr telegen und äusserst handlungsirrelevant liebkosen, da plötzlich hellt sich seine Miene auf, und ein Lied erklingt: Und jede der Frauen muss sich vorstellen, muss ihr Verbrechen aufsagen, in surreal angehauchtes Licht getaucht, silhouttenartig, hinaus gerissen aus dem Kontext, in einem Moment, der losgelöst ist von Zeit und Raum.</em></p>
<p>C: <em>seufzt ob so viel künstlerischem Anspruch.</em> <br />
<em>A: seufzt ob so viel künstlerischem Anspruch. </em></p>
<p><em>Die Flucht im Fernsehen geht weiter, während die realen Flüchtigen weiterhin vor dem Fernseher sitzen. Über alle Berge geht die Flucht, hinein in einen Bus voller Touristen und&#8230;mit einem Mal klopft es an die Türe. Lautstark. </em></p>
<p>A: <em>starrt auf den Bildschirm.</em><br />
C: <em>starrt auf den Bildschirm.</em></p>
<p><em>Wieder das Klopfen, eine Stimme, die Christof und Alexander auffordert, die DVD aus dem Player zu nehmen, sie auf den Boden zu legen, mit erhobenen Händen aus dem Zimmer zu kommen und auf keinen Fall die Fernbedienung mitzunehmen.</em>A: <em>dreht den Kopf widerwillig Richtung Türe.</em><br />
C: <em>hebt eine Augenbraue.</em><em>Sie waren gefunden geworden. Dem Untergang geweiht. Dem neuerlichen Leiden Anheim gestellt. Doch es gab nur eines: Aushalten. Bis zum bitteren Ende. Des Films. Kein Verhandeln. Kein Zurückweichen. Aushalten. Und die Lautstärke aufdrehen. Die Flucht von Sasori hatte in der Zwischenzeit auch ein Ende genommen. Eine Mauer war dem Bus in die Quere gekommen, überall Polizisten. Sasori wird zur Unterhändlerin gemacht, muss mit der Polizei reden, und dann&#8230;.</em>A: Was? Hat sie da jetzt wirklich&#8230;?<br />
C: Du, die Wärter stehen vor der Türe.<br />
A: Die wissen glaub ich, dass wir hier drinnen sind.<br />
C: Schon, aber die haben den Film noch nicht gesehen und sehen es vielleicht gerne, wenn du den Schluss hier nicht rumposaunst.<br />
<em><br />
Eine Stimme vor der Türe gab Christof Recht, bevor sie eine weitere Ermahnung hinterher schickte, dass sie die Türe in die Luft sprengen würden, sollten Christof und Alexander nicht freiwillig hinauskommen. </em>C:<em>zur Tür gewandt. </em>Geht doch Mädchen verprügeln!<br />
A: Aber hat sie jetzt da wirklich?<br />
C: Jep. Eiskalt.<br />
A: Die haben&#8217;s ja auch eigentlich verdient.<br />
C: Schon. Trotzdem. Überraschend.<br />
A: Und blutig. Irgendwie hat man sie jetzt nicht mehr so lieb, oder? <br />
C: Eben. Arthouse. Kein Anschmiegen ans Publikum, keine Verbeugung vor der Einfachheit, sondern reale Boshaftigkeit. <br />
A: Warte, da passiert noch was. Ist das Sasoris Ende?<br />
C: Warte, warte, hui, ist das spannend&#8230;<br />
A: Spannend.<br />
C: Spannend.<br />
<em>Das Pochen an die Tür trägt langsam Züge der Ungeduld. Doch auf dem Schirm! Die Auflösung!</em><br />
A: Huh? Soviel zum Thema: reale Boshaftigkeit. Soviel zum Thema Massengeschmack. Soviel zum Thema Absage an die Einfachheit. Soviel zum Thema&#8230;<br />
C: Nein, nein, du verstehst das wieder falsch&#8230; das ist ganz anders, das ist nämlich&#8230;<br />
A: Sleaze!<br />
C: Arthouse!!<br />
A: Sleaze!!!<br />
C: Arthouse!!!!!</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><em>Und gerade als Christof aufstehen wollte, um die Entscheidung der Debatte mit dem dritten DVD herbeizuführen, brachte ein Krachen den Raum zum Beben. Splitter der Türe flogen durch den Raum, bullige Gestalten liessen sich im neu geöffneten Durchgang ausmachen. Mit einem Hechtsprung warf Alexander sich nach vorne, packte Teil drei und vier der Sasori-Reihe und versteckte sie. Sie würden vielleicht ihn und Christof finden &#8211; die ungesehen Sasori-Filme jedoch gehörten ihm. Und Christof. Christof und ihm.</em></p>
<p><em>&#8230;to be continued.</em></p>
<p><strong>Ausstattung: </strong><br />
Die Sasori-Box von rapideye kommt im schön designten Schuber daher, der gleich alle vier Filme der Reihe beinhaltet, und ausserdem derart schmückendes Beiwerk wie ein Poster (samt klärendem Essay von Tom Mes auf der Rückseite), Postkarten, und Fotoabzüge von Filmstills. Die DVDs der ersten beiden Filme selbst bieten eine optionale deutsche Synchronisation und Trailer, ansonsten aber nix. Interviews gibt&#8217;s dafür auf den DVDs von Teil drei und vier.</p>
<p>Seit dem 07. Dezember 2008 im Handel.</p>
<p>Originaltitel: Joshuu 701-gô: Sasori / Joshuu sasori: Dai-41 zakkyo-bô (Japan 1972)<br />
Regie: Shunya Ito<br />
Darsteller: Meiko Kaji, Rie Yokowama, Isao Natsugyagi, Yaoi Watanbe / Meiko Kaji, Fumio Watanabe, Kayoko Shiraishi<br />
Genre: Sleaze-Arthouse / Arthouse-Sleaze<br />
Dauer: 87/89 Minuten<br />
Bildformat: 2,35:1 (16:9)<br />
Sprachen: Japanisch (Mono), Deutsch<br />
Untertitel: Deutsch<br />
Audio: DD 2.0 <br />
Bonusmaterial: Trailer, schicker Schuber, Postkarten, Fotoabzüge von Filmstills, Poster</p>
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