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	<title>nahaufnahmen.ch &#187; Mind Game</title>
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	<description>Das Magazin im Netz</description>
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		<title>&#8220;Genius Party&#8221; von Atsuko Fukushima u.a.</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 04:00:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christof Zurschmitten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf DVD]]></category>
		<category><![CDATA[Anime]]></category>
		<category><![CDATA[Genius Party]]></category>
		<category><![CDATA[Mind Game]]></category>
		<category><![CDATA[Omnibus-Film]]></category>
		<category><![CDATA[Studio 4°C]]></category>
		<category><![CDATA[Tekkon Kinkreet]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/10/01/genius-party/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/10/geniusparty_babyblue-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Kaum jemand arbeitet härter daran, die formalen Grenzen des Animationsfilms weiter Richtung "Jeeezes, what the?!" zu verschieben als das japanische Studio 4°C. Mit der Kurzfilmsammlung "Genius Party" ist nun unter ambitiösem Namen eine Werkschau des Studios auf DVD erschienen - nicht immer genial, aber durchaus nicht selten "Jeeezes, what the?!"]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>(Kunst-)Werkschau</h1>
<h2>&#8220;Genius Party&#8221; von Atsuko Fukushima u.a.</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-286" title="geniusparty_babyblue" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/10/geniusparty_babyblue.jpg" alt="geniusparty_babyblue" width="550" height="309" /></p>
<p><strong>Kaum jemand arbeitet härter daran, die formalen Grenzen des Animationsfilms weiter Richtung &#8220;Jeeezes, what the?!&#8221; zu verschieben als das japanische Studio 4°C. Mit der Kurzfilmsammlung &#8220;Genius Party&#8221; ist nun unter ambitiösem Namen eine Werkschau des Studios auf DVD erschienen &#8211; nicht immer genial, aber durchaus nicht selten &#8220;Jeeezes, what the?!&#8221;</strong></p>
<p>Von Christof Zurschmitten.</p>
<p>Vor zwei Monaten wurde an dieser Stelle der ebenfalls vom Studio 4°C produzierte &#8220;Mind Game&#8221; (2004) von Masaaki Yuasa vorgestellt. Der Film sei visuell überragend, so das Urteil, aber im Medium des Langfilms vielleicht schlecht aufgehoben: über 103 Minuten fehlte etwas, was den endlos einfallsreichen Bilderreigen im Innersten hätte zusammenhalten können. Als Antwort darauf gibt es nun &#8220;Genius Party&#8221;, bei dem im Namen des unterkühlten Studios sieben durchaus sehr unterschiedliche Regisseure ebenso viele und eben so unterschiedliche Kurzfilme präsentieren.</p>
<p>Gibt es bei der regen Produktivität des Studios überhaupt so etwas, wie einen kleinsten gemeinsamen Nenner? Nun, es gibt einige wiederkehrende Motive, wie der unablässig aus den Riechorganen naseweiser Strassenkinder sich ergiessende Rotz (prominent präsent in &#8220;Tekkon Kinkreet&#8221; und nun erneut in den beiden &#8220;Genius Party&#8221;-Sektionen &#8220;Shanghai Dragon&#8221;, und in leicht abgewandelter Form, &#8220;Deathtic 4&#8243;). Eine gewisse Neigung zum Grotesken und Karnevalesken lässt sich selten abstreiten, ist letztlich aber wohl weniger aussagekräftig als &#8211; eben, die formale Ebene.</p>
<p>Studio 4°C-Produktionen zeichnen sich demnach aus durch eine Freiheit (die in seltenen Fällen zur Pflicht zu erstarren droht) zur totalen Ausnutzung der Optionen-Palette. Eine Vermählung des Indie-Spirits mit einer eher am Mainstrream orientierten Bildsprache, meint dazu wikipedia. Nahaufnahmen meint dagegen: Die Handzeichnung ist oft das Rückgrat, der Computer darf aber auch gerne unterstützend oder ersetzend eingreifen. Der Einbezug von Realfilm-Bildern ist gerne gesehen, wie auch das Wildern in diversesten Bilderwelten &#8211; von der Gesamtgeschichte der US-amerikanischen Trickfilm-Produktion über den Traditionsschatz des Mangas bis hin zu den gemalten Fantastereien des Surrealismus: Erlaubt ist, was gefällt und Mehrwert verspricht. Auch mit der Narration nimmt man es nicht immer so genau &#8211; Abstraktion und Assoziation ist ebenso erlaubt wie das gute, alte Geschichtenerzählen. Das Studio 4°C ist quasi, ganz unbescheiden, nichts weniger als Fahnenträger des Bereitsrealisierten und Nochmöglichen der gesamten Welt des Animationsfilms, und &#8220;Genius Party&#8221; der Katalog dazu.</p>
<p>Durch dieses Dickicht einen begehbaren Pfad der Kritik zu hauen, ist nicht einfach. Zumal einem nur das Wort als Machete bleibt, ein angesichts des wuchernden Stil- und Bilderwustes äusserst ungeeignetes Instrument (wo war noch einmal der Floor mit den zur Architektur tanzenden Hilflosen?). Darum sei halt zur Not der unoriginellste aller Leitfaden ausgerollt: Gehen wir die einzelnen Filme Schritt für Schritt durch.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-285" title="geniusparty" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/10/geniusparty.jpg" alt="geniusparty" width="550" height="309" /></p>
<p><strong>Organische Abstraktion<br />
</strong></p>
<p>Den Anfang darf Atsuko Fukushima machen mit einer titelgebenden Sequenz, die schon einmal das Imaginationspotential des Publikums testet: zu einem pumpenden Techno-Track explodieren Lebensformen (ein sich selbst an Schnüren zusammen haltendes Vogel-Scheuchen-Wesen, grinsende Herzblumensteine, Mikroorganismen, was auch immer) in immer neue Farben und Formen. Auch wenn die Grenzen zwischen Video-Clip und Kurzfilm hier endgültig verschwimmen: Als energiegeladener Auftakt und Einstimmung in die kommende Explosivität taugt &#8220;Genius Party&#8221; allemal.</p>
<p>Den direkten Anschluss sucht vor allem Masaaki Yuasas &#8220;Happy Machine&#8221; &#8211; wenn auch später im Film (die Anordnung der einzelnen Filme erscheint einigermassen beliebig, was bei einer derartigen Vielfalt aber wohl kaum zu vermeiden war). Seine Sequenz weist im Gegensatz zu der Fukushimas auch einen klaren Protagonisten auf: Ein Baby, das mit der Transformation seiner Mutter konfrontiert in bizarre Welten abdriftet. Diese Transformation allein ist ein Meisterstück: In Verbindung von Handzeichnung, CGI und Fotografien zerfällt da ein Wesen auf eine Weise, die so beunruhigend originell wie der Erfahrungswelt eines Kleinkindes angemessen ist. Was darauf folgt, nimmt darauf aber kaum mehr Rücksicht: eine Begegnung mit zahlreichen, mal feindlichen, mal freundlichen, mal dazwischen angesiedelten Wesen in einer Welt, die so abstrakt wie organisch wirkt: Nichts vergeht hier endgültig, alle Auflösung (und Ausscheidung) ist immer nur der Anfang von etwas Neuem. &#8220;Happy Machine&#8221; ist zweifelsohne eines der stärksten Segmente der DVD.</p>
<p>Ebenfalls zum Abstrakten hin neigt Hideki Futamuras &#8220;Limit Cycle&#8221;, bei dem die Erzählung aber nicht als Geschichte, sondern ganz wörtlich zu nehmen ist: Ein Mann hält einen gut zwanzigminütigen Monolog, der wirkt, als hätte jemand einen Datenbank von Klassikern der Philosophie nach einigen wenigen Schlagwörtern durchsucht, die Ergebnisse durch eine Übersetzungsprogramm gejagt und willkürlich aneinander gereiht: Als &#8220;Finde das Zitat&#8221;-Spiel für Trinkabende von Philosophiestudenten vielleicht überzeugend, ansonsten aber ermüdend und überlang. Das ist umso mehr schade, als die begleitenden Visuals faszinierend sind: in erneut nahtlosen Übergängen werden durch allerlei Filter gejagte Bilder von Menschen (James Dean! Descartes!), Tabellen, Texte, Fotografien, Zeichnungen, Pläne, Muster, Formen, Farben in einander aufgelöst. Auch diese Ebene wirkt einigermassen kryptisch, im Gegensatz zur begleitenden oralen Verquastheit aber wenigstens seltsam schlüssig.</p>
<div id="attachment_284" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-284" title="geniusparty_deathtic" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/10/geniusparty_deathtic.jpg" alt="© Studio / Produzent" width="550" height="309" /><p class="wp-caption-text">© Studio / Produzent</p></div>
<p>Und dann sind da noch die eher klassischen Erzählungen: Shinji Kimuras &#8220;Deathtic 4&#8243;, das mit plastischen, an Tim Burton angelehnten CGI-Bildern und einer obskuren pseudo-skandinavischen Sprache eine sehr stimmige, beinahe kindliche Welt eröffnet &#8211; bloss stinkt hier alles nach Tod und Verwesung, die extrem schönen Hintergründe eingeschlossen. Schade nur, dass Kimura mit dieser Welt nicht allzu viel anzufangen weiss und die schwächste Erzählung des gesamten Omnibus-Projekts beisteuert.</p>
<p>&#8220;Shanghai Dragon&#8221; wiederum darf verstanden werden als Feier der (kindlichen) Fantasie &#8211; noch so ein wiederkehrendes Sujet -, aber auch als liebevolle Parodie all der Mecha-, Sci-Fi- und Superhelden-Animes des Samstagmorgen-Programms: Ein Kind &#8211; genauer gesagt ein Rotzbengel &#8211; wird zur ultimativen Waffe im Kampf gegen ausserirdische Invasoren mittels eines Stifts, der alles, was dem kindlichen Geist einfällt, Wirklichkeit werden lässt. Shoji Kwamori greift auf eine ähnliche Technikpalette zurück wie &#8220;Tekkon Kinkreet&#8221; und vermählt CGI mit Handzeichnungen, die gelegentlich auch Wachsmalstift-Qualität annehmen darf. Ein hyperkinetischer, ziemlich gelungener Beitrag.</p>
<p>Yoji Fukuyamas &#8220;Doorbell&#8221; und Shinichiro Watanabes &#8220;Baby Blue&#8221; schliesslich sind die &#8220;realistischsten&#8221; und damit auch ruhigsten Sequenzen des gesamten Films, die im allgemeinen tosenden Bildrauschen denn auch ein wenig unterzugehen drohen.</p>
<p>Dies gilt vor allem für &#8220;Doorbell&#8221;, eine in der Mitte der Party positionierte Parabel, die einigermassen geschickt ein realitätsnahes Setting mit mysteriösen Elementen durchsetzt. Allerdings krankt die Sequenz an einer eher flachen Animation und isolierten kruden Einfällen, die seltsam deplatziert wirken.</p>
<p>Weitaus überzeugender ist da &#8220;Baby Blue&#8221;, der nicht nur durch eine sehr gelungene Animation mit stimmungsvollen Lichtsetzungen brilliert. Das Setting ist dem von &#8220;Doorbell&#8221; nicht unähnlich &#8211; beide Male geht es um Menschen im Teenage-Alter, die mit Grenzsituationen konfrontiert werden. Aber wo &#8220;Doorbell&#8221; seiner Schlusspointe nicht viel hinzuzufügen weiss, hat &#8220;Baby Blue&#8221; Charaktere, deren Beziehung und Geschichte eine Tiefe andeutet, die die 15 Minuten Laufzeit des Films Lügen straft.</p>
<p>&#8220;Baby Blue&#8221; gelingt damit etwas, das bei vielen Produktionen des Studios 4°C ansonsten nicht einmal sonderlich angestrebt wird &#8211; es entlässt einen mit einem Anflug von echter Nostalgie wieder in die Welt da draussen. Echte Emotionen also, jenseits des &#8220;Jeeezes, what the?!&#8221;. Nicht, dass dies keine echte Emotion wäre &#8211; wenn es in solcher Regelmässigkeit und Bestimmtheit kommt wie in &#8220;Genius Party&#8221;, darf man nach mehr eigentlich auch gar nicht fragen.</p>
<p><strong>Ausstattung<br />
</strong>Bei Ton und Bild lassen sich Rapideye wie immer nicht lumpen. Dazu kommen &#8211; wie immer &#8211; Postkarten, die aber auf ein selten reiches Motivarchiv zurückgreifen können und entsprechend hübsch ausgefallen sind. Auf der Software-Seite gibt&#8217;s sonst nicht allzu viele Hintergrundinformationen: Den obligaten Trailer und, als Schmankerl, eine weitere Reihe von Kurzfilmen, &#8220;Next Genius&#8221; genannt. Diese sind die Gewinner eines anlässlich der Premiere von &#8220;Genius Party&#8221; ausgeschriebenen Nachwuchswettbewerbs und durchaus sehenswert &#8211; natürlich mit weniger hohem Budget ausgestattet und ein bisschen weniger gewagt, aber einfallsreich nichtsdestotrotz.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 17. Juli 2009 im Handel.</p>
<p>Originaltitel: Genius Party (Japan 2007)<br />
Regie: Atsuko Fukushima, Shoji Kawamori, Shinji Kimura, Yoji Fukuyama, Hideki Futamura, Masaaki Yuasa, Shinichiro Watanabe<br />
Mit: Animation<br />
Genre: Mind Blowing-Anime<br />
Dauer: 108 Minuten<br />
Bildformat: 1,77:1 (16:9)<br />
Sprachen: Japanisch, Deutsch<br />
Untertitel: Deutsch<br />
Audio: DD 5.1 (Japanisch), DD 5.1 (Deutsch)<br />
Bonusmaterial: Trailer, Postkarten, Next Genius-Kurzfilme<br />
Vertrieb: Max Vision</p>
<p><strong>Im Netz<br />
</strong>Gleich <span style="color: #0000ff;"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=9PBN4xfTkJ0">mehrere</a></span> <span style="color: #0000ff;"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=db8mmoy9nPA&amp;feature=related" target="_blank">Trailer</a></span> tummeln sich im Web. Dort findet man auch gleich <span style="color: #0000ff;"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=qPYnzVdY2Q0" target="_blank">Trailer zum Nachfolgeprojekt</a></span>, &#8220;Genius Party Beyond&#8221;.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<title>&#8220;Mind Game&#8221; von Masaaki Yuasa</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2009/07/16/mind-game-von-masaaki-yuasa/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 Jul 2009 15:07:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christof Zurschmitten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf DVD]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[animatrix]]></category>
		<category><![CDATA[Anime]]></category>
		<category><![CDATA[masaaki yuasa]]></category>
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		<category><![CDATA[Studio 4°C]]></category>
		<category><![CDATA[Tekkon Kinkreet]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/07/16/mind-game-von-masaaki-yuasa/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/mindgame_1-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Emotionale Anteilnahme darf man hier nicht erwarten. Jedenfalls nicht in anderer Form als der überreizter Sehnerven. Denn immerhin muss man Regisseur Masaaki Yuasa, der mit "Mind Game" debütiert, zugestehen eine adäquate Bildsprache für diesen Ideen-Mashup gefunden zu haben. Oder genauer gesagt: Hunderte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Mind Fuck (und ein wenig fucked up)</h1>
<h2>&#8220;Mind Game&#8221; von Masaaki Yuasa</h2>
<h3><img class="aligncenter size-full wp-image-2888" title="mindgame_1" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/mindgame_1.jpg" alt="mindgame_1" width="550" height="235" />Letzten Monat wurde an selber Stelle anhand von &#8220;Perfect Blue&#8221; die Überlegenheit des Animes gegenüber dem Realfilm behauptet. Diesen Monat erscheint mit &#8220;Mind Game&#8221; ein Film, der wie eine halb- und lautstarke Verteidigung dieser halbstarken These wirkt &#8211; und den Anime auf einer psychedelischen Reise in eine Sackgasse führt.</h3>
<p>Von Christof Zurschmitten.</p>
<p>Genauer gesagt war die Kritik von Satoshi Kons &#8220;Perfect Blue &#8221; eine Hymne auf die Fluidität der animierten Bilder; ein Lobgesang der Freiheit zur Unberechenbarkeit in der Montage bei beibehaltener visueller Einheitlichkeit; oder auch ein Weihelied auf das darin schlummernde Potential zur abgesicherten Verunsicherung aller Sehgewohnheiten und Gewissheiten in puncto Perspektive, Handlung und Figuren.</p>
<p>Die Geister, die ich rief, sind zurück, und sie sind im Merry Pranksters-Vehikel angereist: &#8220;Mind Game&#8221; des immer innovativen Studios 4<sup>o</sup>C (&#8221;Animatrix&#8221;, &#8220;Tekkon Kinkreet&#8221;) verunsichert Sehgewohnheiten nicht nur, sondern zerbläst sie vollends in einem regelrechten Sturm aus Stilen, Bildern und Eindrücken &#8211; ohne sich allerdings weiter darum zu kümmern, wer die konfettibunten Fitzel hinterher denn bitteschön zusammenräumen soll.</p>
<p><strong>Pinocchio im Yellow Submarine</strong><br />
Doch, doch, eine Handlung gibt es dazu auch, mit nachgerade klassischen Elementen sogar: Mit dem Mangazeichner Nishi (Koji Imada) haben wir einen Protagonisten, der noch nicht einmal das Zeug zum Anti-Helden hat. Er hat auch sein Love Interest, die grossbusige Myon (Sayaka Maeda), der er nach Jahren erstmals wieder begegnet, auf einem verregneten Gehsteig irgendwo in Osaka. Wir haben gleich zwei Konflikte: Myon nämlich will bald einen anderen heiraten, wozu es allerdings nicht kommt, weil ein fussballverrückter Yakuza (Kenichi Chujou) erst ihren Verlobten und kurz darauf Nishi umbringt &#8211; mit einer Kugel von Arsch bis Kopf.</p>
<p>Doch damit nicht genug: Nishi fasst, im Jenseits mit grossformatigen 4D-Reprisen seines unwürdigen Todes konfrontiert, den Entschluss, alles noch einmal und vor allem besser zu machen. Er trickst also Gott aus, den wir uns als vielgestaltiges Wesen vorstellen müssen (dessen Gestalten munter changieren von Telephonkritzeleien über Fotografien rauchender Fische hin zu Marvel-Abklatschen &#8211; und wieder zurück), und bekommt seine zweite Chance.</p>
<p>Diese nutzt er, um sich mit Myon und deren kunstinteressierter, flachbrüstiger Schwester (Seiko Takuma) auf die Flucht zu machen, die sie in wilde Verfolgsungsjagden treibt, zur Entdeckung einer friedlichen Parallelgesellschaft im Inneren eines Wales (samt Eremiten, Urzeittieren, Sexspielzeug und Action Painting) und in eine kurze Geschichte der Welt, erzählt anhand von Fussballspielen und persönlichen Ereignissen aus dem Leben der Protagonisten.</p>
<p><strong>Farbspektrum im Stroboskop</strong><br />
So wie sich das liest, sieht sich das auch an: Als eine Serie von mehr oder weniger (oft jedoch verdammt) einfallsreichen Szenen, die zwar für sich allein stehen können, aber kaum für ein Ganzes. Robin Nishi, von dem die Manga-Vorlage stammt, gibt zu, dass er anfangs von einer Kurzgeschichte ausgegangen sei, die aber mehr und mehr angewachsen sei &#8211; man muss hinzufügen: zu einer amorphen Masse, die von den wiederkehrenden Ideen und Motiven ebenso bloss notdürftig zusammengehalten wird wie von der Handlung und den Personen &#8211; emotionale Anteilnahme darf man hier nicht erwarten.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2890" title="mindgame_2" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/mindgame_21.jpg" alt="mindgame_2" width="550" height="232" />Jedenfalls nicht in anderer Form als der überreizter Sehnerven. Denn immerhin muss man Regisseur Masaaki Yuasa, der mit &#8220;Mind Game&#8221; debütiert, zugestehen eine adäquate Bildsprache für diesen Ideen-Mashup gefunden zu haben. Oder genauer gesagt: Hunderte. Wenn es schon schwierig ist, die Handlung zu beschreiben, so gilt dies noch zusätzlich für die Optik; um sich nicht auf die Standard-Ausreden wie &#8220;Das muss man selber gesehen haben&#8221; oder &#8220;unbeschreiblich&#8221; zurückzuziehen, sei immer hin gesagt: &#8220;Mind Game&#8221; zitiert sich fröhlich durch die Geschichte des Animationsfilms westlicher wie östlicher Prägung, erweist George Dunnings &#8220;Yellow Submarine&#8221; ebenso die Ehre wie Tex Averys Hirngespinsten und den Kindergartenmalereien Deiner kleinen Schwester, lässt in meist halsbrecherischem Tempo (MTV-Schnellschnittästhetik, mindestens) CGI-Kreationen auf handgezeichnete Bilder und rotoskopisch verfremdete Fotografien treffen (ohne dass das alles immer so einfach auseinanderzuhalten wäre). Die Entschlüsselung aller visuellen Referenzen dürfte jedenfalls ein prächtiges Gedankenspiel für die Abschlussthesen schulbankdrückender Otakus werden.</p>
<p>Natürlich ist das alles wahnwitzig originell und wahnsinnig beeindruckend &#8211; im &#8220;What You See Is What You Get&#8221;-Sinn. &#8220;Mind Game&#8221; geht so weit in seinen Bemühungen, die technischen Grenzen des Animationsfilms zu erweitern, dass er zur Technikdemo geworden ist. Für deren Virtuosität kann man sich durchaus begeistern &#8211; nur eben bloss auf eine sehr technische Weise. Für den Langfilm, dessen Gelingen auch von derart profanen Dingen wie einer anhaltenden emotionalen oder intellektuellen Beteiligung abhängt, bedeutet diese extreme Art des Filmmachens eine Sackgasse &#8211; was auch seine Macher eingesehen haben. Drei Jahre später veröffentlichten das Studio 4oC jedenfalls die vorbehaltslos abgefeierte Kurzfilm-Anthologie &#8220;Genius Party&#8221; &#8211; doch dazu mehr nächsten Monat.</p>
<p><strong>Ausstattung:</strong><br />
Die Ausstattung ist umfassend, wenn auch wenig tiefgründig: Das Bild kommt im Widescreen-Format, der saubere Ton wahlweise auf Deutsch oder Japanisch. Es gibt einen feinen Schuber und Postkarten, dazu Trailer, halbwegs informative Interviews mit dem Regisseur, dem Schöpfer der Manga-Vorlage, einigen Sprechern und einigen Gründungsmitgliedern von Studio 4oC. Dazu kommen einige (mässig interessante) 5-Schritt-Analysen der verwendeten Computertechniken sowie Musikclips &#8211; und ein Zusammenschnitt aufgedrehter Sprecher beim Anpreisen der Vorzüge des Films.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 05. Juni 2009 im Handel.</p>
<p>Originaltitel: Mind Game (Japan 2004)</p>
<p>Regie: Masaaki Yuasa<br />
Sprecher: Kouji Imada, Takashi Fujii, Tomomitsu Yamaguchi<br />
Genre: Psychedelia<br />
Dauer: 103 Minuten<br />
Bildformat: 2,35:1(16:9)<br />
Sprachen: Japanisch, Deutsch<br />
Untertitel: Deutsch (optional)<br />
Audio: DD 5.1<br />
Bonusmaterial: Trailer, Postkarten, Videoclips, Animationsdesign-Featurette, Interviews<br />
Vertrieb: Max Vision</p>
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