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	<title>nahaufnahmen.ch &#187; Verbot</title>
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	<description>Das Magazin im Netz</description>
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		<title>Drei Thesen zum &#8220;Killerspiel&#8221;-Verbot</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Mar 2010 21:28:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christof Zurschmitten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denken]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[debatte]]></category>
		<category><![CDATA[games]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Verbot]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/03/23/thesen-zum-killerspiel-verbot/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/anotherworld-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>Am 18.03.2010 beschloss der Ständerat, zwei Motionen mit demselben Thema an den Bundesrat weiter zu reichen: Die Besorgnis angesichts so genannter „Killerspiele“. Während die Motion Hochreutener durchaus vernünftig eine verschärfte Kontrolle der Einhaltung bereits bestehender Altersempfehlungen vorsieht, schlägt die Motion Allemann über alle Stränge des Zumutbaren. Dies ist umso inakzeptabler, als sie offensichtlich auf der prekären Basis diffuser Ängste statt harter Fakten gebaut ist. Zwei Thesen zur Motion und eine dazu, warum es wichtig ist, einen Unterschied zu machen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1 style="TEXT-ALIGN: justify">Drei Thesen zum „Killerspiel“-Verbot…</h1>
<h2 style="TEXT-ALIGN: justify">…und warum es wichtig ist, einen Unterschied zu machen</h2>
<h3 style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-3121" title="anotherworld" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/03/anotherworld.jpg" alt="anotherworld" width="550" height="345" /><span style="font-size: xx-small;"><span style="font-size: x-small;">Künstlerisch nicht wertlos, trotz Blaster: Eric Chahis &#8220;Another World&#8221;</span><br />
</span></h3>
<h3 style="text-align: justify;">Am 18.03.2010 beschloss der Ständerat, zwei Motionen mit demselben Thema an den Bundesrat weiter zu reichen: Die Besorgnis angesichts so genannter „Killerspiele“. Während die Motion Hochreutener durchaus vernünftig eine verschärfte Kontrolle der Einhaltung bereits bestehender Altersempfehlungen vorsieht, schlägt die Motion Allemann über alle Stränge des Zumutbaren. Dies ist umso inakzeptabler, als sie offensichtlich auf der prekären Basis diffuser Ängste statt harter Fakten gebaut ist. Zwei Thesen zur Motion und eine dazu, warum es wichtig ist, einen Unterschied zu machen.</h3>
<p style="TEXT-ALIGN: justify"> Von Christof Zurschmitten.</p>
<p style="TEXT-ALIGN: justify">Das Ungleichgewicht liegt in der Natur des politischen Diskurses. Case in point: Nichts, was ich hier schreibe, wird die Ohren jener erreichen, für die es in erster Linie bestimmt ist. Nichts, was ich hier anführen könnte, würde die Betroffenen dazu ermuntern, daraus einen Dialog zu machen. Weshalb ich es mir erlauben will, selbst einen Dialog daraus zu machen, indem ich mich nämlich jener Worte annehme, die bereits geschrieben wurden: Der Motionen selbst, im Wortlaut, wie er an den Bundesrat gehen wird. Dem drohenden Vorwurf der Haarspalterei möchte ich entgegnen: Dieses Vorgehen nimmt, wenn nichts sonst, so immerhin den Text und seine Verfasser ernst. Und wen, bitte schön, darf man noch beim Wort nehmen, wenn nicht Juristen?</p>
<p style="TEXT-ALIGN: justify"><strong>These 1: Die Motion Allemann ist, verbatim, Zeugnis von Ignoranz, vorsätzlicher Irreführung und/oder Missbrauch eines politischen Instruments<br />
</strong>Am Anfang ist das Wort, resp. der in beiden Motionen quasi identische Titel: &#8220;Verbot von Killerspielen&#8221;. Auch wenn politische Rhetorik selten subtil ist: Der Begriff „Killerspiel“ ist ein von einschlägigen Konnotationen gesättigter, von Definitionsschärfe aber weitestgehend befreiter Selbstläufer, dem seine Herkunft aus dem Boulevardjournalismus unzweideutig anzumerken ist. In offizielleren Fällen &#8211; etwa Gerichtsentscheiden – wird dem Wort wenigstens ein Zweifel streuendes &#8220;sogenanntes&#8221; vorangeschickt, ein Akt des Anstands, der vom irrlichternd leuchtenden Titel einer Motion wohl nicht gefordert werden darf.<br />
Blöd nur, dass auch der Motionstext Exaktheit weder sucht noch findet. Die Motion Hochreutener erlaubt sich zwar den geschichtsträchtigen Pleonasmus &#8220;gewaltbeinhaltende Killerspiele&#8221;, definiert diese aber wenigstens nach transparenten Kriterien: &#8220;sogenannte Ego-Shooter gemäss Rating 16+/18+ der Pan European Game Information&#8221;. Dass er dem ungleich genauer definierten Begriff &#8220;Ego-Shooter&#8221; das so spärlich benutzte &#8220;sogenannt&#8221; zugesteht, einmal dahingestellt: Die Formulierung zeigt den Mangel an Sachkenntnis hinter der Motion. Der Ego-Shooter ist bestenfalls ein Genre (und selbst das wird aus guten Gründen debattiert), das zudem natürlich kein Monopol auf 16+-Ratings anmelden darf – mit „Mortal Kombat“, „Manhunt“, „GTA 4“ oder der Näfschen Nemesis „Stranglehold“ sind ironischerweise gleich eine ganze Handvoll der kontroversten Titel der Vergangenheit keine Ego-Shooter. Das muss Norbert Hochreutener vielleicht nicht wissen, aber es zeigt doch, dass Schlagworte hier wichtiger sind als Inhalte.<br />
Die Motion Allemann macht den Behörden das Leben aber noch weitaus schwerer: &#8220;Killerspiele&#8221; wären demnach alle Spiele, &#8220;in denen grausame Gewalttätigkeiten gegen Menschen und menschenähnliche Wesen zum Spielerfolg beitragen.&#8221; Das reinste Konglomerat von Schwammigkeiten: Wie genau wären &#8220;Gewalttätigkeiten&#8221; zu definieren, wie &#8220;Grausamkeit&#8221;, jedenfalls in einem Sinn, der nicht abgedeckt ist durch <a href="http://www.admin.ch/ch/d/sr/311_0/a135.html" target="_blank"> <span style="color: #0000ff;">Art. 135 StGB</span></a>, der das Verbot derartiger Darstellung bereits vorsieht? Und die Frage, ob eine Handlung in einem Game &#8220;zum Spielerfolg beiträgt&#8221;, dürfte in Zeiten, in denen immer mehr Games auf klare Zieldefinitionen verzichten, sogar gestandenen Fachleuten schwer fallen. Umso mehr natürlich den zuständigen Gerichten, die bei der Auslegung eines entsprechenden Gesetzes ziemlich auf sich allein gestellt wären.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch die Begründung der Motionen ist fragwürdig. Hochreutener seinerseits stellt die altbekannte, äusserst umstrittene Kausalverbindung her zwischen einer exzessiven Gewalttat („der Fall Höngg“) und dem Medienkonsum. Immerhin aber verbleiben seine Formulierungen im vorsichtigen Konjunktiv. Insofern liest sich seine Begründung als Formulierung entstandener Sorgen, die aber dennoch Raum lassen für Zweifel: Es sei noch „abzuklären“ und „zu prüfen“ inwiefern neue Massnahmen angebracht seien.<br />
Alleman formuliert dagegen durchgehend auf dem Boden wankender Tatsachen. Vordergründig gibt sie sich zwar beschwichtigend und aufgeklärt mit Formulierungen wie: „Die Ursachen von Gewalt Jugendlicher und junger Erwachsener lassen sich nicht auf einzelne Faktoren reduzieren.“ Dahinter verbirgt sich aber, <span style="color: #0000ff;">m</span><a href="http://stigma-videospiele.de/wordpress/?p=3492" target="_blank"><span style="color: #0000ff;">it den Worten eines gewissen „Vicarocha“ in einem trefflichen Kommentar</span></a>, „die naive Implikationen einer überdeutlich auf simpelste Stimulus-Response-Modelle ausgerichteten Mediengewaltwirkungsforschung, die mit einer extrem negativen Anthropologie und einem naiven Medieninformationskonzept kokettiert.“<br />
Gestützt ist Allemanns Extremposition auf nicht näher benannte „neuere Studien“, in denen „ein zunehmender empirischer Zusammenhang zwischen gewalttätigem Verhalten und dem Konsum von sogenannten Killerspielen ausgewiesen [wird].“ Das ist, mit Verlaub, im besten Fall ignorant, im schlechtesten aber bewusste Irreführung. In einem derart umstrittenen Forschungsfeld wie der Game-Forschung, in der sich berüchtigterweise für jede zu stützende Position die passende Studie finden lässt, ist der Verweis auf ominöse „neuere Studien“ höchst problematisch. Selbst in der Schweiz haben jüngst diverse, maximalunverdächtige Stellen starke Zweifel laut gemacht angesichts derart undifferenzierter Thesen wie der „verstärkten Killer(!)bereitschaft via Computerspielkonsum“ – etwa die <a href="http://www.prohelvetia.ch/GameCulture.313.0.html" target="_blank"><span style="color: #0000ff;">Pro Helvetia in einer breit angelegten Studie</span></a> zum Gegenstand.<br />
Dieser Umgang mit Pseudo-Fakten ist umso verwerflicher, als davon auszugehen ist, dass die Zerstrittenheit des Forschungsfeldes gerade jenen unbekannt sein dürfte, die über diese Motion befinden mussten. Damit wird der Satz zu einem manipulativen Rückgriff auf Halbwissen, was im Übrigen auch <a href="http://www.20min.ch/news/schweiz/story/19217414" target="_blank"><span style="color: #0000ff;">Interviews mit Allemann</span></a> belegen, in denen sie die Motion – wie Bundesrätin Widmer-Schlumpf vergeblich betont hat immerhin ein Handlungsauftrag an den Bundesrat! – als blossen „Denkzettel“ für die Game-Industrie verstanden wissen will. Zur Irreführung kommt also auch noch der leichtfertige Umgang mit politischen Instrumenten.</p>
<p style="text-align: justify;">Woher all der Hass, all der missionarische Eifer? Der Urgrund versteckt sich in einem Nebensatz: Verhältnismässig würde das Totalverbot der „Killerspiele“ nämlich dadurch, dass „sie über keinen irgendwie schützenswerten kulturell-gesellschaftlichen Gehalt verfügen und es Tausende andere spannende Computerspiele gibt, die ohne solche Gewaltexzesse auskommen.“ Allemann spielt sich also als Kunst-Despotin auf in einer Disziplin, mit der in differenzierter Weise auseinanderzusetzen sie sich weigert. Dass das Genre des Ego-Shooters seit Jahren die technologische Entwicklung im Bereich Heimcomputer vorantreibt, dass die „GTA“-Serie eine präzise Farce auf eine medial bestimmte Gesellschaft darstellt und dass „Half-Life 2“ das narrative Potential des Mediums weiter gepusht hat als vielleicht jedes andere Game der jüngeren Vergangenheit, braucht sie nicht einmal zu wissen. Dass derartige uninformierte Pauschalverurteilungen eines Mediums mithilfe eines lächerlichen Substituts-Arguments aber nicht nur bedenklich, sondern geradezu verwerflich sind, dagegen schon.</p>
<p style="text-align: justify;">Allemann scheint sich bewusst zu sein, dass ihre Forderungen kaum mehr als eine quasi-pathologische Übersteigerung bereits bestehender Massnahmen darstellen und damit kaum praxis-relevant werden dürften; jedes Gericht müsste im Sinne des Grundsatzes, weitgefasste Rechtsbestände möglichst restriktiv auszulegen, in entsprechenden Fällen zögerlich agieren &#8211; und viel restriktivere Forderungen als die der Motion Allemann, die gleich generell die „Herstellung, das Anpreisen, die Einfuhr, den Verkauf und die Weitergabe“ verbieten will, kann ein Rechtsbestand kaum angehen. Insofern steht zu hoffen, dass der Bundesrat Hochreuteners Motion den Vorzug geben wird, die, wir wiederholen es gerne noch einmal, einen vernünftigen und akzeptablen Lösungsvorschlag darstellt. Ein Skandalon bleibt natürlich dennoch, oder zwei, wenn wir den (nennen wir es beim Namen) populistischen Winkelzug Allemanns dazu zählen wollen: Erschreckend nämlich ist vor allem anderen, dass ein derart offensichtlich hyperbolischer, unrealistischer und mit wichtigen Werten (wie der Meinungs- und Kunstfreiheit) potentiell kollidierender Vorschlag überhaupt den Weg vor den Bundesrat finden konnte.<br />
Im Endeffekt scheinen wir es also mit einem jener, in der letzten Zeit bedenklich häufigen Beispiele für einen politischen Entscheid zu tun zu haben, der diffusen Ängsten mit noch diffuseren Pseudo-Lösungen begegnet. Mit anderen Worten: ein Bauch- statt Kopfentscheid. Und diese Region war, wie der Fachmann weiss, seit jeher schon die Produktionsstätte von bullshit.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>2. Die Reaktionen auf die Motionen sollten nicht simpler ausfallen als die diesen zugrunde liegenden Ideen<br />
</strong>Der Mist ist geführt, aber Widerstand regt sich. Das Spektrum der Reaktionen reicht vom Traditionalismus (angekündigte Demonstrationen) bis zur Resignation („Die in Bern oben machen ja eh, was sie wollen!“) und greift gar aus in dunkle Regionen des Fatalismus – sofortiger Liebesentzug für die SP zugunsten der SVP!, wie im 20 Minuten-Forum vorgeschlagen wurde. Auch  nicht wirklich ein grösseres Zeugnis von Reife ist der zivile Ungehorsam, der androht, notfalls die Staatsbürgerschaft zu kündigen, um auf einer Piratenflotte in den Unweiten des Internets dümpelnd nach Herzenslust plündern, brandschatzen und gewalttätige Grausamkeiten verüben zu können.<br />
Mit Originalität punkten kann immerhin der Versuch der Desavouierung, mittels Verweis auf die mangelnde Sitzungsdisziplin der Ständeräte, oder, noch kreativer, mittels Verschwörungstheorie: <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32238/1.html" target="_blank"><span style="color: #0000ff;">Telepolis zog rasch Verbindungslinien</span> </a>zwischen den Motionsinitiianten und, oha!, der, Zitat, „Psychogruppe Verein zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis (VPM)“. „20 Minuten“ <a href="http://www.20min.ch/news/schweiz/story/20238630 " target="_blank"><span style="color: #0000ff;">zog ohne Zögern nach</span></a>. Leider erklärt dies aber nur wenig, und es macht mit Sicherheit nichts rückgängig – auch wenn man sich natürlich darüber Gedanken machen darf, was es bedeuten würde, wenn die Gesetzgebung eines Landes korrespondiert mit dem Gedankengut einer Gruppierung, die bei einschlägigen Sektenexperten Dossiers liegen hat und innerhalb ihrer Reihen „ein Verbot von Liebesbeziehungen zu anderen Jugendlichen“ praktizierte.<br />
Fakt aber ist: alle diese Reaktionen haben zwar den Vorteil, irgendwie praktikabel zu sein. Sie haben aber auch den Nachtteil, als simple Lösungen für ein komplexes Problem zu riskieren, genau die Natur dessen zu reproduzieren, wogegen man eigentlich angehen will.</p>
<p style="text-align: justify;">In schönster martialischer Metaphorik sei darum verkündet: In dieser Schlacht darf jeder seine Waffen selber wählen (solange es dabei nicht zu grausamen Gewalttätigkeiten kommt, natürlich). Aber dabei bitte nicht den alten Tempelritter-Spruch vergessen: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=IKOckpO1WA8" target="_blank"><span style="color: #0000ff;">„Choose wisely“.</span></a></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>3. Können wir das nicht wie Erwachsene diskutieren?!<br />
</strong>Genau darin scheint das Problem zu liegen: Nein, können wir anscheinend nicht. In einer erwachsene Diskussion würden sich verbale Vakuumblasen wie „Killerspiel“ ebenso von selbst verbieten wie als Fakten ausgegebene Behauptungen.<br />
In nobler postmodern-akademischer Tradition sei darum das Problem zu einem des Diskurses erklärt: Der Computerspiel-Diskurs ist in einem desolaten Zustand. Wieso sonst könnte selbst von höchsten politischen Gremien wiederholt das <span style="color: #0000ff;"><a href="http://www.shortnews.de/id/758440/Innenminister-Bayerns-stellt-Computerspiele-auf-eine-Stufe-mit-Kinderpornos"><span style="color: #0000ff;">Computerspiel in einem Atemzug mit Kinderpornographie genannt</span></a></span> werden? Wieso sonst könnte eine Frau, deren einzige Qualifikation in der Debatte eine entschwindende Telegenität zu sein scheint, <a href="http://www.thesixthaxis.com/2010/03/20/alan-titchmarsh-vs-cvg/" target="_blank"><span style="color: #0000ff;">am Britischen TV öffentlich behaupten</span></a>, dass Games Sexismus, Rassismus, Gewalt, Hass und Sucht förderten, ohne dass irgendjemand widerspricht oder auch nur einen Beleg für ihre These fordert? Wieso sonst könnte die wichtigste Zeitung dieses Landes es sich in ihrer – eigentlich erfreulich zunehmenden und aufgeschlossenen – Berichterstattung erlauben, nicht einmal den <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/digital/game-industrie_waere_eine_chance_fuer_zuerich_1.5216140.html" target="_blank"><span style="color: #0000ff;">Unterschied zwischen dem Titel einer Franchise und seiner Protagonistin zu kennen</span></a>? Wieso sonst könnte eine Zeitung wie die &#8220;taz&#8221; durchkommen damit, noch in einem als Verteidigung gedachten Artikel den Unterschied zwischen zwei im Namen ähnlichen, ansonsten aber denkbar unterschiedlichen Titeln wie „Warcraft 3“ und „World of Warcraft“ nicht zu kennen?</p>
<p style="text-align: justify;">Jeder darf in diesem Konflikt seine Waffen selber wählen, unsere ist diese: Die Einführung einer Berichtserstattung über Games auf nahaufnahmen.ch. (Stay tuned.) Ob und in welchem Rahmen dies etwas beisteuern kann zu einem erwachsenen Diskurs über Games, wird die Zukunft zeigen.<br />
Eine Zukunft, in der, so hoffen wir wenigstens, der Kopf wieder tun darf, was ihm zukommt, und der Bauch ebenso.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Tot und Begraben&#8221; von Gary Sherman</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 10:21:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alexander Sigrist</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf DVD]]></category>
		<category><![CDATA[1980er]]></category>
		<category><![CDATA[Gary Sherman]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Indizierung]]></category>
		<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Stan Winston]]></category>
		<category><![CDATA[Tot und begraben]]></category>
		<category><![CDATA[Verbot]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2010/02/07/tot-und-begraben/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/Dead-and-Buried-150x150.jpg class=imgtfe hspace=10  vspace=5 align=left width=150  border=0></a>"Tot und Begraben": in Deutschland jahrelang auf dem Index! Verboten in Norwegen! Verboten in Finnland! Höchste Freigaben in England, den USA, Australien! Ein Splatterfest? Tausende Leichen? Untote? Zombies? Blut? Gallonen an Blut? Ein schockierendes Filmchen aus den Achtzigern? – Keine Panik, alles halb so wild. Aber eigentlich gar nicht mal so schlecht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Tot und ausgegraben</strong></h1>
<h2>&#8220;Tot und Begraben&#8221; von Gary Sherman</h2>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>&#8220;Tot und Begraben&#8221;: in Deutschland jahrelang auf dem Index! Verboten in Norwegen! Verboten in Finnland! Höchste Freigaben in England, den USA, Australien! Ein Splatterfest? Tausende Leichen? Untote? Zombies? Blut? Gallonen an Blut? Ein schockierendes Filmchen aus den Achtzigern? – Keine Panik, alles halb so wild. Aber eigentlich gar nicht mal so schlecht.</strong></p>
<p>Von Alexander Sigrist.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-2443" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2010/02/Dead-and-Buried.jpg" alt="Dead and Buried" width="200" height="239" />Ein kleines, behagliches, ja geradezu gemütliches Küstendorf an der amerikanischen Ostküste: der lokale Sheriff schaut nach dem Rechten, trinkt seinen Kaffee, isst Donuts – ja, so perfekt könnte das Leben sein. Bis mit einem Mal grausige Unfälle passieren: ein Mann verbrennt in seinem Auto, ein Landstreicher wird durchlöchert, eine Familie verschwindet – dem Sheriff Daniel Gillis ist klar: da muss mehr dahinter stecken. Bei seinen Recherchen stösst er auf eine Verschwörung, die das ganze Dorf durchzieht – und gräbt dabei Leichen aus, die besser unter der Erde geblieben wären.</p>
<p>Für Fans von Horror der härteren Gangart, hat &#8220;Tot und Begraben&#8221; eine beachtliche Geschichte im Gepäck: in Deutschland wurde der Film auf den Index gesetzt, in England wurde er als &#8220;Nasty Video&#8221; geahndet, ja sogar im augenscheinlich so liberalen Finnland und Norwegen war der Film verboten. &#8220;War&#8221; ist jedoch das operative Wort an dieser Stelle: mittlerweile ist der Film in all diesen Ländern wieder frei erhältlich und hat in Deutschland gar eine unbescholtene FSK 16 Freigabe bei der Neuprüfung erhalten. Beschaut man sich den Film, so bleibt wahrlich nicht viel, was &#8220;Saw&#8221;-Abgestumpfte vom Hocker hauen könnte: zwar sind die Ideen in der Theorie durchaus grausig (Spritze im Auge, Mensch im Feuer, Säure im Gesicht), die Durchführung jedoch in allen Ehren ergraut (ah, Latex-Puppe, ah, Animatronic, ah, Feuerfilter vor der Linse). Von der Gewalt her eignet sich Shermans &#8220;Tot und Begraben&#8221; allenfalls noch als Geschichtsstunde. Wer gerne wissen will, wie denn Stan Winston (ja, der Puppetmaster) in den Achtzigern noch Effekte gemacht hat, ist mit &#8220;Tot und Begraben&#8221; durchaus gut bedient.</p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Abseits der ergrauten Gewalt<br />
</strong>Zum Glück jedoch haben die Macher nicht nur auf Gewalt gesetzt: die Story hinter den Effekten vermag nämlich durchaus zu fesseln. Zwar zitiert &#8220;Tot und Begraben&#8221; alle Untiefen des Horrorgenres der Achtziger (verrückter Wissenschaftler, Untote, Dorf-Horror, unbedarfte Fremdlinge), erzählt aber trotzdem eine interessante Geschichte, deren Schlusspointe zum Schreien (wegen Furcht) gut ist – ja beinahe vermisst man die gute alte Zeit, in denen Horrorfilme es noch gewagt haben, eine verrückte Schlusswendung zu konstruieren, anstatt im Fahrtwasser bekannter Vorbilder zu schwimmen. Ein Meisterwerk ist die Geschichte zwar nicht, dafür gibt es zu viele Logiklöcher im Leichengewand, sie spannt aber auch heute noch und ist ein gutes Beispiel dafür, wie Gewalt und Spannung in einander greifen können.</p>
<p>Dem zu Gute kommt, dass Sherman ein gutes Gespür für einen spannende Inszenierung hat: vor allem der Mord an der Familie im Landhaus ist ein Lehrstück dafür, wie man mit wenigen Mitteln wie huschenden Menschen, Schatten und Geräuschen, einen brillanten Aufbau erschaffen kann – davon können sich auch viele gegenwärtige Horrorfilme noch eine dicke Scheibe abschneiden!</p>
<p>Unter dem Strich ist &#8220;Tot und Begraben&#8221; ein schönes Beispiel für den frühen modernen Horrorfilm, der Gewalt und Spannung kombiniert. Klar, wer den Gewaltüberkill erwartet, wird enttäuscht und auch dem, der eine unglaublich gescheite Story haben möchte, ergeht es nicht anders. Trotzdem ist &#8220;Tot und Begraben&#8221; ein mehr als solides Horrorfilmchen mit einem bitterbösen Schlusswitz – wer die guten alten Horrortage vermisst, sollte unbedingt zugreifen.</p>
<p><strong>Austattung</strong></p>
<p>Leider nichts Gescheites: ausser zwei Originaltrailern (sehr witzig!) und Trailern zu anderen Filmen hat die DVD nichts zu bieten. Dabei hätten wir doch so gerne Stan Winston über die Schulter geschaut!</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Seit dem 27. November 2009 im Handel.</p>
<p>Originaltitel: Dead and Buried (USA 1981)<br />
Regie: Gary Sherman<br />
Darsteller: James Farentino, Melody Anderson, Jack Albertson, Dannis Redfield, Nancy Locke<br />
Genre: Horror<br />
Dauer: 90 Minuten<br />
Bildformat: 1,78:1 (16:9 anamorph)<br />
Sprachen: Deutsch, Englisch<br />
Untertitel: Deutsch<br />
Audio: Dolby Digital 5.1<br />
Bonusmaterial: Trailer<br />
CH-Verleih: Max Vision</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Im Netz</strong><br />
<a href="http://www.youtube.com/watch?v=8ZmlEh34unM" target="_blank">Trailer</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Das uns unbekannte Volk</title>
		<link>http://www.nahaufnahmen.ch/2009/12/02/das-uns-unbekannte-volk/</link>
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		<pubDate>Wed, 02 Dec 2009 19:51:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joel Krebs</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Minarette]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Politik]]></category>
		<category><![CDATA[SVP]]></category>
		<category><![CDATA[Verbot]]></category>
		<category><![CDATA[Volksinitiative]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/12/02/das-uns-unbekannte-volk/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/12/minarettverbot-plakat.jpg class=imgtfe hspace=10 align=left width=150  border=0></a>Wut, Empörung und Scham scheinen die vorherrschenden Gefühle der Minarettgegner nach dem letzten Sonntag zu sein. Kaum jemand scheint zu verstehen, wie dieses Resultat zu Stande gekommen ist – und schafft so die Grundlage für die nächste, noch weitergehende Initiative.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Das uns unbekannte Volk</h1>
<h2>Kulturelle Elite und das ungehorsame Volk</h2>
<h2><img class="alignleft" title="Plakat gegen das Minarettverbot" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/12/minarettverbot-plakat.jpg" alt="" width="550" height="244" /></h2>
<p><strong>Wut, Empörung und Scham scheinen die vorherrschenden Gefühle der Minarettgegner nach dem letzten Sonntag zu sein. Kaum jemand scheint zu verstehen, wie dieses Resultat zu Stande gekommen ist – und schafft so die Grundlage für die nächste, noch weitergehende Initiative.</strong></p>
<p>Kaum jemand hat mit dem Resultat gerechnet, da hat sich nicht nur der Politologie des Schweizer Fernsehens stark verrechnet. Nun reibt man sich die Augen und fragt sich, in welcher Schweiz man den Lebe. Manche meinen, dass sie nun auswandern müssten. Andere beleidigen die 57% Ja-Sager schlicht als dummes, fremdenfeindliches Volk – Vergleiche mit dem dritten Reich sind dann nicht mehr fern. Doch diese Trotzreaktion bringt absolut gar nichts – im Gegenteil, sie schadet der Schweiz nur und stärkt schlussendlich jene, die man eigentlich bekämpfen wollte. Dabei haben diese Reaktionen die gleiche Ursache wie das Abstimmungsergebnis in all seiner Deutlichkeit.</p>
<p><strong>Tatenlos und doch voller Zuversicht</strong></p>
<p>Beinahe alle publizierten Meinungen von Politikern Wissenschaftlern und Intellektuellen haben sich klar und deutlich gegen das Verbot ausgesprochen. Selbst christliche Organisationen plädierten für ein Nein. Im Parlament wurde die Initiative deutlich verworfen. Kaum eine Zeitung hat etwas veröffentlicht, dass auch nur ansatzweise die Initiative unterstützt hätte. Gleichzeitig tat man jedoch kaum etwas gegen die Initiative, dass über Interviews und Podiumsdiskussionen hinausging. In Bern sah man kein einziges Plakat gegen die Initiative – obwohl Plakate existiert hätten. Als Gegner der Initiative schien man sich darauf zu verlassen, dass die Mehrheit des Volkes ähnlich dachte, wie die Mehrheit der sozialen Elite. Dass dem nicht so ist, zeigte das Resultat deutlich: Die Elite hat längst nichts mehr mit dem Volk zu tun.</p>
<p><strong>Die Interpretation des Abstimmungsergebnisses</strong></p>
<p>Doch leider scheint man diesen riesigen Spalt zwischen Volk und Elite immer noch nicht zu sehen. Stattdessen wirft man der Schweiz Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz vor – das Abstimmungsergebnis ist damit aber nicht im Ansatz zu erklären. Nur eine Minderheit der 57% wird man dies nämlich wirklich zu Recht vorwerfen können. Die Initianten haben stets von sich aus betont, dass es nicht wirklich um Minarette geht. Der Grund für das Ja war bei den meisten Schweizern schlicht Angst, Befürchtungen oder gar nur Beunruhigung. Anders kann man nicht erklären, weshalb das Ja auch von Teilen der linken Wählerschaft eingelegt wurde. Vor allem der Frauenanteil an Ja-Stimmen war hier überraschend gross.</p>
<p><strong>Verfehlte Ursachenforschung</strong></p>
<p>Hetzerische und polemische Kampagnen der Befürworter und erheblich grössere finanzielle Möglichkeiten seien der Grund für diese Ängste. Eine Irreführung und Aufstachelung des Volkes. Das mag sicherlich mit ein Grund sein, doch wohl nur in geringem Masse. Das Volk wäre für solche Kampagnen nicht empfänglich, wenn es hier keine bewussten oder unbewussten Ängste gäbe. Diese Ängste sind nicht völlig grundlos da. Das es mit der Integration von Muslimen in der Schweiz zu Reibereien und Problem kommt, ist klar und verständlich – wie immer bei Integrationsbemühungen. Hinzu kommen Globalisierungsängste und langwährende Krisen in muslimischen Ländern. Die Leute haben nicht Angst vor dem Islam in Europa, sondern von den Problemen mit dem Islam, die global bestehen. Dies hat auch wenig mit sogenannten Modernisierungsverlierern zu tun, denn ein solch deutliches Votum ist mit dieser Wählerschicht nicht zu erklären.</p>
<p><strong>Isolation der Mehrheit</strong></p>
<p>Die Reaktionen nach der Abstimmung seitens der Initiativgegner zielen nun aber in eine völlig falsche Richtung. Mit Berufung auf internationale Beziehungen und Organisationen will man das Abstimmungsergebnis rückgängig machen. Die Gegenseite wird beleidigt und ausgegrenzt – für Dumm und als nicht demokratiefähig erklärt. Dies zeigt ihre Ratlosigkeit und teilweise Unwilligkeit die zugrundeliegenden Probleme anzugehen. Stattdessen wird die Mehrheit ausgegrenzt – man schämt sich für sie, möchte ihnen am liebsten die Urteilsfähigkeit absprechen. Dies reisst jedoch nur noch weitere Gräben zwischen politischer Klasse und dem eigentlichen Volk auf und isoliert dieses. Die entsprechenden Parteien, namentlich die SVP, schöpft genau aus diesem „Wir, das Volk, gegen die da oben“-Gefühl ihre Wahl- und Abstimmungserfolge. Wird dieses Gefühl durch die nicht Beachtung der Probleme weiter verstärkt, dann werden innerhalb der nächsten Jahre Wahlerfolge der SVP und auch weitere fremdenfeindlichen Abstimmungen wahrscheinlich und auch möglich – obwohl die Minarettinitiative eigentlich keine Frage der Parteizugehörigkeit ist.</p>
<p><strong>Die Schweiz und das Ausland</strong></p>
<p>Die Reaktionen der internationalen Presse und der ausländischen Regierungen sind eigentlich sehr einheitlich: Sie seien sehr überrascht über das Ergebnis. Es schade der Schweiz und ihrer Reputation. Das stimmt sicherlich auf der Ebene der diplomatischen Beziehungen, doch zeigt dies deutlich, dass es im Ausland um die führende Klasse nicht viel anders steht, denn im Volk von Deutschland oder Frankreich hat der Entscheid der Schweiz sehr wohl Rückhalt. In Deutschland zeigen Umfragen, dass das Verbot auch dort angenommen worden wäre und Frankreich diskutiert bereits seit längerem über ein Burka-Verbot. Nur herrscht dort keine direkte Demokratie – welch ein Glück?</p>
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		<title>Das Verbot des Verbotes gehört verboten</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Oct 2009 15:46:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joel Krebs</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<a href=http://www.nahaufnahmen.ch/2009/10/17/das-verbot-des-verbotes-gehort-verboten/><img src=http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/10/schilderwald1.jpg class=imgtfe hspace=10 align=left width=150  border=0></a>Kaum ein Monat vergeht, ohne dass man als Zeitungsleser nicht von der Forderung eines neuen Verbots hört. Kampfhundeverbot, Raucherverbot, Killerspieleverbot, Verbot von Handys auf Schulhöfen, Verbot der Burka, Verbot von Extremsportarten, Verbot von Export von Kriegsmaterial, Verbot von Alkohol bei Sportanlässen, Verbot von hohen Managerlöhnen, Off-Roader-Verbot und nun kommt ein weiteres Verbot sogar zu Abstimmung: Das Verbot zum Bau von Minaretten. Es versteht sich von selbst, dass das Plakat dazu ebenfalls verboten wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1>Das Verbot des Verbotes gehört verboten</h1>
<h2>Freiheitliche Gedanken in Zeiten des Verbotswahns</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-921" title="schilderwald" src="http://www.nahaufnahmen.ch/wp-content/uploads/2009/10/schilderwald1.jpg" alt="schilderwald" width="550" height="300" /></p>
<h4>Kaum ein Monat vergeht, ohne dass man als Zeitungsleser nicht von der Forderung eines neuen Verbots hört. Kampfhundeverbot, Raucherverbot, Killerspielverbot, Verbot von Handys auf Schulhöfen, Verbot der Burka, Verbot von Extremsportarten, Verbot von Export von Kriegsmaterial, Verbot von Alkohol bei Sportanlässen, Verbot von hohen Managerlöhnen, Off-Roader-Verbot und nun kommt ein weiteres Verbot sogar zu Abstimmung: Das Verbot zum Bau von Minaretten. Es versteht sich von selbst, dass das Plakat dazu ebenfalls verboten wird.</h4>
<p>Mit dem neuen Plakat hat es die SVP mal wieder in die in- und ausländische Presse geschafft. Egal was man von der Partei denkt, das muss man ihr lassen: Provozieren kann sie und es ist davon auszugehen, dass ihr der ganze Medienrummel um das neue Plakat auch wieder mehr hilft als schadet. Ich habe das Plakat noch nirgends gesehen &#8211; ausser auf den verschiedenen Titelblättern, Artikeln in Tageszeitungen und polemischen Kolumnen im Internet. Das ist auch eine Möglichkeit, so spart man hohe Kosten für die Plakatwände. Doch sowohl über den Inhalt, als auch die Form des Plakates möchte gar nichts sagen. Viel mehr beschäftigen sollte uns die Frage, wie viel wir denn überhaupt verbieten wollen, denn mit dem Verbot eines Plakates für ein Verbot nimmt der Wahn des Verbietens unterdessen sehr bizarre Züge an.</p>
<h3>Verbote in jüngster Zeit</h3>
<p>Politiker greifen seit Jahren immer häufiger zum neuen Schlagwort in der Gesellschaft: Verbot. Mit einem Verbot löst man nämlich alle Probleme und das auch noch schnell und unkompliziert. Im Moment beschäftigen sich die Politiker neben dem Minarettverbot mit dem Verbot vom Export von Kriegsmaterial. In Deutschland ist gerade das Gesetz &#8220;Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Inhalten in Kommunikationsnetzen&#8221; sehr aktuell, dass bundesweit für Diskussionen sorgt. Dort stellt sich die Frage, wo die Grenze zur Zensur liegt, bzw. die Frage des Missbrauchs solcher Systeme durch den Staat. Weitere immer wieder diskutierte Verbote betreffen zum Beispiel Killerspiele, da sie &#8211; so die Befürworter &#8211; mit ein Grund für Amokläufen unter Jugendlichen sein könnten. Ebenfalls immer wieder in den Schlagzeilen: Ein Rauchverbot in öffentlichen Plätzen und ein Verbot von Kampfhunden</p>
<h3>Die einfachste Möglichkeit</h3>
<p>Man sieht rasch: Keines dieser Verbote ist per se aus der Luft gegriffen. Alle haben zweifelsohne eine meist gute Absicht dahinter und das soll auch nicht in Frage gestellt werden. Alle diese Verbote sind das Resultat einer gesellschaftlichen Debatte um ein Problem. Das Störende daran ist jedoch, dass immer wieder sofort ein Verbot gefordert wird, ohne irgendwelche andere Massnahmen oder Möglichkeiten zu prüfen. Ein wichtiger Grund dafür ist sicherlich die Medienwirksamkeit. Schlussendlich ist es natürlich sehr günstig, möglichst rasch nach dem Aufkommen einer Debatte nach dem Verbot zu greifen. Man landet in den Medien und hat so sicherlich einige Stimmen für die nächste Wiederwahl gesichert. Zudem muss man sich bei einem Verbot nicht allzu viel überlegen. Nach dem Prinzip &#8220;Aus den Augen aus dem Sinn&#8221; kann so ein Problem effizient gelöst werden. Ein Verbot ist natürlich auch einfach zu vermitteln. Sammelt man Unterschriften für eine Verbotsinitative, kann man die Passanten sehr einfach fragen und man erhält eine klare Antwort.</p>
<h3><span id="Gesetz_zur_Erschwerung_des_Zugangs_zu_kinderpornographischen_Inhalten_in_Kommunikationsnetzen">&#8220;</span>Die Verteidiger der Freiheit werden immer nur Geächtete sein, solange eine Horde von Schurken regiert!<span id="Gesetz_zur_Erschwerung_des_Zugangs_zu_kinderpornographischen_Inhalten_in_Kommunikationsnetzen">&#8220;</span></h3>
<p id="firstHeading">Obiges Zitat sagte Maximilien de Robespierre, ein französischer Politiker und Revolutionär im französischen Konvent. Auf keinen Fall soll damit irgendwer als Schurke bezeichnet werden, doch es hilft ein weiteres Problem mit solchen Verboten aufzuzeigen. Wird man gefragt, ob man für die Sperrung von Webseiten mit kinderpornographischem Inhalt sei, wie soll man da denn Antworten? Natürlich ist man gegen Kinderpornographie, doch wenn man nun gegen die Sperrung von solchen Webseiten ist (natürlich ist hier die Rede von oben erwähnten Gesetz in Deutschland), dann wird einem sogleich ein schlechtes Gewissen einzureden. Gerade weil die Motivation hinter diesen Verboten meist durchaus richtig und gut ist, ist es so schwer gegen sie zu argumentieren. Ohne sich selbst ins Abseits zu stellen, kann man kaum gegen solche Verbote argumentieren.</p>
<h3>Wirksamkeit von Verboten</h3>
<p>Doch was ist nun schlimm an solchen Verboten? Natürlich sprechen für die jeweiligen Verbote immer wieder Argumente dafür oder dagegen. So kann man beim Minarettverbot die Frage der Religionsfreiheit gegen eine drohende Islamisierung stellen. Oder sich beim Verbot der Killerspiele fragen, ob sie wirklich zu Amokläufen führen. Beim Raucherverbot kann man wirtschaftliche gegen gesundheitliche Gründe anführen. Grundsätzlich haben alle Verbote zwei Probleme: Meist sind sie nur bedingt wirksam. Der Begriff der Symptombekämpfung ist hierbei ganz passend. Die Sperrung von Webseiten von kinderpornographischen Webseiten wird Kinderpornographie nicht aus der Welt schaffen. Das Verbot von Killerspiele wird Amokläufe nicht verhindern und das Verbot von Handys auf Schulhöfe wird Schüler nicht dazu bringen, dass sie mehr lernen.</p>
<h3>Verbote führen zu einer Entsozialisierung</h3>
<p>Man mag sagen: Okay, die Wirksamkeit ist begrenzt, doch auch wenn sie das Problem nicht aus der Welt schaffen, sie helfen doch das Problem zu bekämpfen. Dann stellt sich aber die Frage des Preises. Ein Verbot ist immer eine Einschränkung der allgemeinen Freiheit. Daran führt nun kein Argument herum. Leider hat der Wert der Freiheit in der Gesellschaft immer mehr an Wert verloren, doch je mehr Regeln und Verbote es gibt, desto befangener bewegt sich der Einzelne in der Gesellschaft. Doch genauso wichtig, wenn auch weniger offensichtlich, ist der Umstand der Entsozialisierung der Gesellschaft durch Verbote. Nichtraucher verbieten Rauchern das Rauchen, Nichthundehalter verbieten Hundehalter ihre Kampfhunde, Erwachsene verbieten Jugendlichen ihre Videospiele und Christen verbieten Muslimen ihre Minarette. Dem sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft ist dies sicherlich nicht förderlich. Je mehr Verbote es gibt, desto asozialer wird die Gesellschaft.</p>
<h3>Dann muss eben das Verbot des Verbotes her</h3>
<p>Das ist die Zwickmühle von jedem freiheitlichen Gedankens, denn wenn das Minarettverbot schlecht ist, müsste man ja auch das Verbot des entsprechendes Plakats verbieten. Diese Schlussfolgerung ist jedoch genauso falsch, denn wenn man schon sagt, dass man nichts verbieten will, dann darf man auch nicht die Diskussion um Verbote verbieten. Ganz zu schweigen von der Beeinträchtigung der Meinungsfreiheit. Nun muss man halt mit diesen Plakaten leben, doch hat man schliesslich eine viel einfachere Möglichkeit, ein Minarettverbot zu verhindern: Man geht am Abstimmungssonntag an die Urne.</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Bildquelle:</span> <span style="font-size: xx-small;">Schilderwald! von Ernst Rose, gefunden auf www.pixelio.de<br />
 </span></p>
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