“Combien tu m’aimes?” von Bertrand Blier

Absurde Fabel über die Liebe

“Combien tu m’aimes?” von Bertrand Blier

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Bertrand Blier war immer ein eigensinniger Filmemacher. Auch “Combien tu m’aimes?” ist alles andere als konventionelles Kino, sondern eine absurde, gleichzeitig tieftragische und urkomische Geschichte, in welcher Monica Bellucci zu ungleich schöner Opernmusik als betörende Mischung zwischen Venus und Maria Magdalena gefeiert wird.

Von Lukas Hunziker.

Der Film beginnt mit einer absurden Szene, welche die tragische Komik, die sich durch den ganzen Film zieht, wunderbar einführt. Ein Mann steht in der Nacht vor einem Bordell und sieht verträumt eine schöne Prostituierte an, die sich im Fenster präsentiert. Er betritt das Bordell, setzt sich an die Bar und beginnt sich schüchtern mit der Prostituierten, die sich zu ihm setzt, zu unterhalten. Schliesslich erzählt er ihr, dass er viereinhalb Millionen Euro im Lotto gewonnen hat, und dass er möchte, dass sie bei ihm wohnt, für 100’000 Euro monatlich, so lange, bis alles Geld weg ist. Die Prostituierte, die offensichtlich Italienerin ist und daher nicht überraschend Daniela heisst, willigt ein und lässt sich von François in dessen Wohnung entführen. Doch schon auf dem Weg bricht François, der ein sehr schwaches Herz hat, zusammen und Danielas erste Tat als bezahlte Partnerin ist es, einen Arzt zu rufen.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Mehr als ein Film über Brüste

Die weitere Handlung sollte nicht verraten werden – “Combien tu m’aimes?” ist voller unerwarteter Wendungen, grotesker Szenen und befremdender Dialoge, auf die man unvorbereitet sein sollte. Dem Film wurde von der Kritik wiederholt vorgeworfen, sein einziger Zweck sei Monica Bellucis Brüste auf der Leinwand zu zelebrieren. Wer den Film aber darauf reduziert, hat ihn schlicht nicht verstanden. Der Film ist zwar eine Liebeserklärung an Bellucci, schöne Frauen und Sex, aber nicht nur. Obwohl man die beiden Zwillinge der italienischen Schönheit mehrmals zu sehen bekommt, ist der Film frei von jedem Voyeurismus. Es geht um Liebe, um Einsamkeit und um die Frage, ob man Liebe kaufen und verkaufen kann. Die Geschichte ist befremdlich und mag für manche Filmfans zu absurd oder zu sprunghaft sein. Aber man wird die Vermutung nie los, dass die Geschichte mehr ist als nur eine Geschichte – dass ihre Figuren allegorisch sind und dass es um viel mehr geht als um einen Mann, der in einer Prostituieren Liebe erwecken will. Und das ist immer, aber auch immer ein gutes Zeichen.

Ausstattung

Das Bonusmaterial auf der DVD besteht neben Trailer und Fotogalerie aus einem 50minütigen, typisch europäischen, ‘Making of’. Es gibt keinen Off-Kommentar, keine Interviews mit Regisseur oder Darsteller, nur wenige Filmszenen sind eingebaut und gefilmt wurde das Ganze mit einer einfachen Handkamera. Natürlich erfährt man trotzdem viel mehr über Dreharbeiten und die Arbeit des Regisseurs, als es in jedem amerikanischen ‘Making of’ der Fall ist. Fast alle Szenen und speziell der diabolisch lachende, immer an seiner Pfeife ziehende Bertrain Blier versprüht Charme und Witz nach allen Seiten, man lacht und die 50 Minuten sind im Nu vorbei. Man erfährt, wie Filmkotze zusammengebraut wird, man sieht, wie die Sexszenen gedreht wurden und man merkt, wie viel Tiefe die Geschichte hat. Es ist ein wunderbarer Blick hinter die Kulissen, welcher die DVD eröffnet, und selbst wer nach einmaligem Schauen des Films nur den Kopf schüttelte, wird ihn sich danach nochmals anschauen wollen. Herrlich.


Ab dem 7. Februar 2007 im Handel.

Originaltitel: Combien tu m’aimes? (Italien, Frankreich 2005)            
Regie: Bertrand Blier
Darsteller: Monica Bellucci, Gérard Depardieu, Bernard Campan
Dauer: 90 Minuten
Bildformat: 2.35:1
Sprachen: Französisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Making of, Fotogalerie, Infotafeln zu Regisseur und Darsteller, Trailer
Vertrieb: Moviemento

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Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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