“Anuk” von Luke Gasser

Alpenabenteuer mit Rockstars

“Anuk” von Luke Gasser

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Das Genre des Steinzeitdramas dürfte eines der kleinsten sein, wohl nicht zuletzt, da Jean-Jacques Annauds “Am Anfang war das Feuer” kaum noch zu übertreffen ist. Luke Gasser hat es mit “Anuk” aber gewagt, einen Schweizer Beitrag zum Genre zu schaffen. Das Resultat hat Stärken wie Schwächen.

Von Lukas Hunziker.

In den Innerschweizer Alpen lebt ein kleines Bergvolk unter der Führung des weisen Pe-Kai. Als dieser in das Land der Ahnen geht, kämpfen sein Sohn Anuk und Moa-Te, der Sohn eines einflussreichen Stammesmitgliedes, um die neue Führung des Volkes. Die Entscheidung soll in einem Wettstreit fallen; Anuk und Moa-Te sollen einen Tag lang jagen und wer die bessere Beute nach Hause bringt, soll der neue Anführer werden. Doch als die beiden zu ihrem Lager zurückkehren, finden sie dieses geplündert und die Frauen entführt. Anuk macht sich allein auf die gefährliche Suche nach den Frauen, während Moa-Te einen anderen Weg wählt und in die Falle eines Dämons tappt.

Tolle Landschaften, schlechte Tonmischung

“Anuk” ist ein einfach gestrickter, geradlinig erzählter Abenteuerfilm, dessen Held immer wieder auf die Probe gestellt wird, Freunde und Feinde trifft und am Schluss triumphiert. Die Geschichte ist zwar nicht besonders originell, hat aber doch ein paar interessante Wendungen und nicht uninteressante Figuren. Die Stärke liegt aber eindeutig nicht in der Story, sondern in den oft grossartigen Landschafts- und Stimmungsbildern, die es in ihren besten Momenten auch mit dem Mittelerde Peter Jacksons aufnehmen können. Die archaische Musik untermalt diese Bilder wunderbar passend, auch wenn sie etwas repetitiv ist. Damit ist jedoch schon auf eine Schwäche hinzuweisen: die Tonmischung zumindest der DVD ist mehr als misslungen. Anuks Flüsterstimmchen ist kaum zu verstehen, während die Bässe der Filmmusik die Gläser in den Küchenschränken zittern lassen.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Bei der Wahl der Schauspieler hat sich Luke Gasser bewusst in der Musikszene umgesehen und Legenden, wie Doro Pesch, Marc Storace und Stephan Eicher sowie Newcomer wie Kathy Winter engagiert. Für die harten Dreharbeiten, dessen Catering aus Brot mit Raclettekäse bestand, befand Luke Gasser “richtige” Schauspieler für untauglich. So toll es aber ist, Stephan Eicher als Steinzeithändler zu sehen, so deutlich zeigen sich die Defizite bei den schauspielerischen Leistungen. Die Figuren des Films vermögen die Sympathie der Zuschauer kaum zu gewinnen, so dass sich die Spannung in Grenzen hält. Einzig Gehard Halter als Bösewicht Moa-Te vermag so richtig zu überzeugen. Trotzdem, für einen in 18 Tagen mit einem sehr kleinen Budget gedrehten Film hat “Anuk” zumindest visuell einiges zu bieten – allerdings wohl nur einem Publikum, das den Film nicht mit zu hohen Erwartungen angeht.

Ausstattung

Passend zum eigenwilligen Film findet sich auf der DVD ein eigenwilliges ‘Making of’, welches einen Blick hinter die Kulissen wirft. Dabei gewinnt man vor allem Sympathien für Luke Gasser, der nicht nur als Regisseur und Schauspieler fungierte, sondern auch beim Bau der Kulissen die Leitung übernahm und mit viel Knochenarbeit seine Idee realisierte. Auch Doro Pesch und einige andere der im Film auftretenden Stars kommen zu Wort, obwohl die Interviewteile ruhig noch ein bisschen längern hätten sein dürfen.


Seit dem 8. Mai 2007 im Handel.

Originaltitel: Anuk – Der Weg des Kriegers (Schweiz 2006)
Regie: Lukas Gasser
Darsteller: Lukas Gasser, Gehard Halter, Doro Pesch, Katy Winter, Stephan Eicher, Marc Storace
Genre: Steinzeitdrama
Dauer: 93 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch
Untertitel: –
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Making of, Videoclip “On my own”, Trailer
Vertrieb: Moviemento

Im Netz
Trailer
Offizielle Seite zum Film

Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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