“Pan’s Labyrinth” von Guillermo del Toro

Schauermärchen über den Faschismus

“Pan’s Labyrinth” von Guillermo del Toro

pans labyrinth 1

Die drei Oscars, mit denen “Pan’s Labyrinth” ausgezeichnet wurde, gingen an Ausstattung, Maske und Kamera, was zur Vermutung verleiten könnte, Guillermo del Toros Film sei ein gut gefilmter Fantasyfilm mit lauer Story. Dabei ist “Pan’s Labyrinth” weder Fantasy noch Märchen, sondern eine gleichzeitig einfache und doch durchdachte Analyse des Faschismus’. Neu ist das Meisterwerk auf DVD erhältlich, unter anderem als grandiose Collectors Edition.

Von Lukas Hunziker.

Spanien, 1944. Die kleine Ofélia reist mit ihrer Mutter zu einem kleinen militärischen Stützpunkt, von wo aus ihr Stiefvater, Capitan Vidal, Rebellen bekämpft. Vidal ist ein brutaler, gefühlloser Anhänger Francos, dem keine Mittel zu unmenschlich sind, um seine und die Ziele der Diktatur zu erreichen. Ofélia hasst ihren Stiefvater und erkennt bei ihrer Ankunft zu ihrer Erleichterung, dass sie nicht die einzige ist, die so denkt. Während Vidal und die Rebellen sich gegenseitig ausspionieren und bekämpfen, wird Ofélia jedoch bald in ihr eigenes Abenteuer verwickelt. Im nah gelegenen Labyrinth zeigt ihr eine Elfe einen Zugang zu einer anderen Welt, in der man glaubt, Ofélia sei die lange verloren geglaubte Prinzessin des Reiches. Um ins Land ihrer Heimat zurückzukehren soll Ofélia drei Aufgaben lösen. Und wie so oft erweist sich die dritte davon als die schicksalhafteste.

Spieglein, Spieglein

Interessant wird “Pan’s Labyrinth”, als die reale Welt und die Zauberwelt zu verschmelzen beginnen und Ofélia daran zu zweifeln beginnt, ob das Land ihrer angeblichen Heimat so viel anders ist als das Spanien Francos. Geschickt zeigt Guillermo del Toro, wie die Ereignisse in der wirklichen Welt die Fantasiewelt der kleinen Ofélie zu beeinflussen und verändern beginnt. Was dem Film wunderbar gelingt, ist den Faschismus aus der Sicht eines Kindes zu erklären. Obwohl diese keine genau Analyse ermöglicht, dringt sie bis zum Kern des Problems vor, was in eine zwar einfachen aber keineswegs plumpe Erkenntnis am Ende mündet. Damit wird ein Film mit zahlreichen fantastischen Elementen und einer eigentlich einfach gestrickten Story zu einem kleinen Meisterwerk, welches das Prädikat “besonders wertvoll” verdienen würde.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Dabei steht dem Film jedoch die Brutalität im Weg, die del Toro in gewissen Szenen dann doch etwas übertreibt. Gerade die Folterszenen haben es in sich, auch wenn einem ganz grausige Details erspart bleiben. Ganz konnte del Toro den Blade-Stil doch nicht ablegen und so ist der Film erst ab 16 freigegeben. Nötig wäre die Brutalität nicht gewesen; dass Vidal ein Böser ist kommt auch sonst ganz gut rüber. Wann immer jemand von ihm entlarvt zu werden droht, sitzt man gebannter im Sessel als bei manchem Thriller – die Folterzange für das Ziehen von Fingernägeln braucht der Capitan dafür gar nicht erst zu zücken. In der Fantasiewelt geht es zwar oft auch eher beklemmend zu und her, nur sind dort die Schockeffekte wesentlich stilvoller und der Story zuträglicher.

Ausstattung

Jedem DVD-Fan sei die Collector’s Edition empfohlen, deren Bonusmaterial praktisch unschlagbar ist. Auf zwei Bonus-DVDs gibt es Dokumentationen zu so ziemlich allem, was man über den Film gerne wissen möchte. Den Anfang setzt ein 45minütiges ‘Making of’ mit einer guten Mischung aus Interviews, kurzen Filmausschnitten, Blicke hinter die Kulissen und Dreharbeiten. Darauf folgen sechs Kurzdokumentationen zum Set-Design der spektakulärsten Szenen und Schauplätzen. In weitern Dokumentationen werden die Figuren und ihre Darsteller vorgestellt und diskutiert, wobei die Dokus über die grandiose Ivana Baquero (Ofélia) und den im richtigen Leben sehr sympathischen Sergi Lopez (Vidal) wohl die besten sind.

Auf der zweiten Bonus-DVD zeigt uns Guillermo del Toro seine Produktionstagebücher von den ersten Entwürfen seiner Figuren bis zur Umsetzung im Film. In Featurettes von verschiedenster Länge gibt es weitere Einblicke in den Entstehungsprozess der Fantasywelt, aber auch einen 6minütigen, ungeschnittenen Ausschnitt von Faundarsteller Doug Jones in der Maske. Es folgen Dokumentationen zur Filmmusik, Konzeptzeichnungen, TV-Spots und Trailer der Marketing-Campagne, und die 50minütige US-Show ‘Charlie Rose’ in der Guillermo del Toro, Alfonso Cuaron (“Children of Men”) und Alejandro Gonzales Inarrritu über ihr Filmschaffen diskutieren.

Beide Bonus-DVDs zeigen deutlich, dass del Toro selbst viel daran lag, sein Baby auf mehr als einer Standard Edition zu veröffentlichen. Das Resultat ist perfekt und ist den Aufpreis von rund 25 Franken mehr als wert!


Seit dem 30. Juli 2007 im Handel.

Originaltitel: El Laberinto del Fauno (Spanien, Mexico, USA 2006)            
Regie: Guillermo del Toro
Darsteller: Ivana Baquero, Sergi López, Maribel Verdú, Ariadna Gil, Doug Jones
Genre: Drama
Dauer: 115 Minuten
Bildformat: 1.85:1
Sprachen: Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 5.1, DTS ES 6.1
Bonusmaterial: Audiokommentar des Regisseurs, zahlreiche Dokumentationen auf zwei Bonus-DVDs
Vertrieb: Moviemento

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Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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