“The Last King of Scotland” von Kevin McDonald

Leibarzt eines Tyrannen

“The Last King of Scotland” von Kevin McDonald

last king of scotland

Was Bruno Ganz mit Hitler machte, gelang Forest Whitaker mit Idi Amin, dem ugandischen Diktator, unter dessen Terrorherrschaft in den siebziger Jahren mehrere hunderttausend Menschen ums Leben kamen. “The Last King of Scotland” macht aus Geschichte einen Thriller – dessen oskarprämierter Hauptdarsteller jedoch weit mehr überzeugt als die Story.

Von Lukas Hunziker.

1971. Nicholas Carrigan, ein junger, naiver Arzt und stolzer Schotte, nimmt voller Tatendrang eine Stelle als Arzt auf einem Missionsposten in Uganda an. Doch kurz nach seinem Stellenantritt wird die Regierung durch einen Militärputsch gestürzt und der populäre General Idi Amin wird neuer Präsident. Durch Zufall begegnen sich Nicholas und Amin, als dieser in einen Unfall verwickelt wird und Nicholas ihn ärztlich versorgt. Amin findet Gefallen an dem jungen Schotten und hinterlässt seinerseits bei diesem einen bleibenden, positiven Eindruck, der lange – zu lange – anhalten wird. Nicholas wird nach und nach zu einem der engsten Berater des Präsidenten und geniesst dessen Wohlstand und Gastfreundlichkeit. Doch nach einem vereitelten Anschlag auf Amin wird dieser zunehmend paranoider und beginnt potenzielle Gegner systematisch auszuschalten. Während die Welt den grössenwahnsinnigen Diktator immer mehr zu fürchten und meiden beginnt, merkt Nicholas erst sehr spät, dass er sich auf eine gefährliche Freundschaft eingelassen hat. Richtig ernst wird es jedoch erst, als er eine Affäre mit einer von Amins Ehefrauen anfängt und dies dem Diktator zu Ohren kommt.

Nicht auf der Höhe seiner Vorläufer

“The Last King of Scotland” ist eine britische, in vielen Zügen sogar klar schottische Produktion. Der Film wurde in Uganda unter Mitwirkung von Zeitzeugen und an Originalschauplätzen gedreht. Eigentlich gute Voraussetzungen – unter ähnlichen ist Michael Caton-Jones mit “Shooting Dogs” ein hervorragender Afrikathriller gelungen. Leider erricht “The Last King of Scotland” aber weder den Spannungsgrad von “Shooting Dogs”, noch dessen differenzierte Darstellung der historischen Situation. Afrika, das als geografischer, politischer und wirtschaftlicher Filmschauplatz hoch aktuell ist, beschränkt sich im Film leider auf ein paar böse und arme Schwarze; und weder die Story noch ihre Umsetzung können eine geschickte Aussage zum “Afrikaproblem” machen.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Abdingbare Brutalität

Dies wäre weiter nicht einmal so schlimm, wenn der Film diese Schwäche wenigstens mit einem hohen Mass an Unterhaltungswert wettmachen würde. Spannend ist der Film zwar, doch folgt er einer keineswegs neuen, sondern geradezu klassischen Spiralendramaturgie, in welcher der Protagonist immer tiefer in den Schlamassel gerät und es immer unwahrscheinlicher wird, dass er da noch heil herauskommt. Auch dies wäre entschuldbar; was einem den Filmgenuss aber eindeutig gehörig verdirbt, sind zwei doch übertrieben brutale Szenen, auf die man im Nachhinein wirklich sehr gerne verzichtet hätte. Die Rettung für den Film ist Forest Whitaker, der für seine Darstellung Amins mit einem Oskar ausgezeichnet wurde. Verdient hat er diesen zweifellos, da es wohl schon lange keine Leinwandfigur mehr geschafft hat, Kinosäle mit Angst und Schrecken von nur annährendem Ausmass zu füllen.

Ausstattung

Neben zwei Kurzdokumentationen zu Forest Whitakers Performance und der Story an sich macht eine 30minütige Dokumentation den Kern des Bonusmaterials aus. Geschickt werden eindrückliche Archivaufnahmen und historische Fakten mit dem Film und seiner Entstehung verknüpft. Zeitzeugen kommen zu Wort, aber auch Regisseur, Produzentin und Hauptdarsteller kommentieren fleissig – genau das ‘Making of’, das man sich für diesen Film wünscht. Ein Audiokommentar des Regisseurs und eine Reihe an (qualitativ allerdings eher minderwertigen) nicht verwendeten Szenen ergänzen das doch sehr zufrieden stellende Bonusmaterial.


Seit dem 27. August 2007 im Handel.

Originaltitel: The Last King of Scotland (England, Uganda 2006)            
Regie: Kevin McDonald
Darsteller: Forest Whitaker, Jame McAvoy, Kerry Washington, Gillian Anderson
Genre: Thriller
Dauer: 121 Minuten
Bildformat: 2:35:1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Dokumentation: Capturing Idi Amin, Audiokommentar des Regisseurs, Forest Whitaker als Idi Amin, Casting, Trailer
Vertrieb: Videophon

Im Netz
Trailer

Offizielle Englische Seite
Offizielle Deutsche Seite
Stern-Bericht zu Idi Amin und “The Last King of Scotland”
Artikel zu Idi Amin auf Wikipedia

Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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