“The Queen” von Stephen Frears

Königin vs. hysterischer Mob

“The Queen” von Stephen Frears

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Genau zehn Jahre ist es her, seit die Englische Königin die wohl schwierigste Woche ihrer Regierungszeit erlebte. Eine Woche lang führte sie einen Popularitätswettstreit mit einer Toten – und verlor. In “The Queen” stellt sich Stephen Frears auf die Seite seiner Königin und liefert ein eindrückliches und brillant gespieltes Portrait der mächtigsten lebenden Monarchin.

Von Lukas Hunziker.

Es ist nach Mitternacht, als die königliche Familie in ihrer Sommerresidenz in Balmoral, Schottland, aus dem Schlaf gerissen wird. Die Nachricht von Prinzessin Dianas Tod wird mit Fassung aufgenommen und man bereitet sich auf ein Begräbnis im privaten Rahmen vor. Eine öffentliche Stellungnahme lehnt die Königin ab – ein Fehler, den sie später bereuen wird. In London nämlich beginnt einer der grössten Traueraufmärsche in der englischen Geschichte und der Ruf nach einer öffentlichen Trauerfeier wird laut. Vermittler zwischen den Wünschen der Königsfamilie und jenen des Englischen Volkes wird der frischgebackene Premierminister Tony Blair, dessen Berater die Gunst der Stunde nutzen, um die Sympathie des Volkes für Blair zu gewinnen. So kommt es in der Presse, von Blair ungewollt, zu einem Kampf zwischen dem Premier und der Queen. Der Rest ist Geschichte.

Herzliche Oma statt herzlose Monarchin

“The Queen” ist jedoch alles andere als ein Politkrimi, sondern beschränkt sich darauf, die Windsors und die Blairs in ihrem privaten Umfeld zu zeigen – die ersten in den schottischen Highlands und auf Balmoral Castle, die zweiten in ihrer Wohnung vor dem Fernseher. Stephen Frears’ Sympathie gilt beiden, wodurch es keine wirklichen Bösewichte im Film gibt. Während die Presse in besagter Woche die Königin zur herzlosen alten Frau machte, nimmt Frears sie vor dem hysterischen Mob, der den Inhalt sämtlicher Blumenläden Englands vor dem Buckingham Palace auftürmte, in Schutz.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Als Zuschauer kann man nicht anders, als es ihm gleich zu tun, und das vor allem wegen jener Frau, die den Film sehenswert machen: Hellen Mirren. Dieser sollte für ihre grandiose Darstellung die echte Elisabeth eigentlich gleich die Krone abtreten – denn wenn man die Queen vor zehn Jahren auch noch so herzlos fand, so möchte man sie nach “The Queen” um jeden Preis zur Oma haben. Doch so sehr man Frears’ Sympathie für Lisi teilt, so ungern akzeptiert man Tony Blair als Helden. So wunderbar die Dialoge zwischen den beiden sind, so brav lässt die idealisierende Darstellung sie und den Film erscheinen. Doch glücklicherweise haben die Nebenfiguren Biss, allen voran Prinzgemahl Philip, gespielt von James Cromwell.

Ausstattung

Ausgestattet ist die DVD mit einem eher kurzen, aber gutem ‘Making of’, das zum grössten Teil aus Interviews mit Cast und Crew besteht. Helen Mirren erzählt von den Schwierigkeiten, eine lebende Person zu verkörpern und gesteht, dass sie nie vor einer Rolle so viel Angst gehabt, aber auch kaum eine lieber gespielt habe. Während der erste Teil des ‘Making of’ sich vor allem um die Figuren und ihre Darsteller dreht, gibt die zweite Hälfte einen Einblick in die Entstehung der Kulissen, sowohl der Szenerie in Balmoral als auch des Blairhaushalts.


Seit dem 2. August 2007 im Handel.

Originaltitel: The Queen (England 2006)            
Regie: Stephen Frears
Darsteller: Helen Mirren, Michael Sheen, James Cromwell, Sylvia Syms, Paul Barrett
Genre: Drama
Dauer: 104 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 5.1 (Englisch) Dolby Digital 2.0 (Englisch und Deutsch)
Bonusmaterial: Making of, Trailer, Fotogalerie
Vertrieb: Warner

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Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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