“The Fan” von Adam Goldberg

Stalker der eigenen Vergangenheit

“The Fan” von Adam Goldberg

the fan

Es ist kein Geheimnis, dass das Leben als Filmstar auch Schattenseiten hat. Selten wurden diese jedoch so eindringlich und radikal auf die Leinwand gebracht, wie in Adam Goldbergs “The Fan”. Die Geschichte des paranoiden Schauspielers Gray Evans vermag trotz seines schleichenden Erzähltempos zu fesseln, wenn man sich auf die melancholisch-düstere Atmosphäre einzulassen gewillt ist.

Von Lukas Hunziker.

Gray Evans (Giovanni Ribisi) hat alles, was sich viele wünschen: Er ist reich, berühmt und mit der bildschönen bekannten Schauspielerin Mia Lang (Franka Potente) liiert. In Wirklichkeit ist Gray jedoch ein Frack, seine Beziehung bröckelt und ein aufdringlicher Fan scheint Gray Evans zu verfolgen. Zufällig freundet Gray sich auf der Flucht vor seinem Stalker mit einem Videothek-Besitzer an, dessen Freundin ihn an seine Jugendliebe Shana erinnert. Als er vermutet, dass Mia ihn betrügt, flüchtet er sich immer mehr in die Vergangenheit und die Grenzen zwischen Realität, Erinnerung und Fiktion beginnen immer mehr zu verschwimmen.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Hemmungslos geht “The Fan” das Risiko ein, dass die Verwirrung für die Zuschauer genauso zunimmt, wie sie es für Gray im Laufe der Geschichte tut. Während die Geschichte zu Beginn des Films beinahe langweilig geradlinig ist, sieht man sich zum Schluss des Films mit Szenen konfrontiert, in denen eine Rolle von Schnitt zu Schnitt von einer anderen Schauspielerin gespielt wird und man keine Ahnung hat, ob das jetzt Film im Film, Traum, Wirklichkeit oder Erinnerung ist. Der Mysteryfaktor von “Mulholland Drive” fehlt dabei allerdings und es scheint eine logische Erklärung geben zu müssen – doch der Film hat das Logikvermögen des Zuschauers bis dahin gekonnt ausgeschaltet.

Star mit Normalitätsallüren

Nicht jeder wird an diesem psychologische Verwirrspiel Freude habe. Argument, warum der Film auch sonst sehenswert ist, gibt es allerdings genug. Das bestechendste Argument dürfte Hauptdarsteller Giovanni Ribisi sein, der eine schauspielerische Meisterleistung zeigt, welche die Nebendarsteller Vince Vaughn und Joshua Jackson wie Marionetten aussehen lässt. Auch die Einfachheit der Sets, der langsame Erzählrhythmus und die effektvoll eingesetzte Musik passen hervorragend zur Geschichte und geben die Bühne frei für das berauschende Spiel des Hauptdarstellers. Wer der Geschichte Zeit und sich nicht ablenken lässt wird mit einem durchdachten und faszinierenden Portraits eines Stars betört, der nichts mehr sein möchte, als kein Star.

Ausstattung

Klar, Extras braucht eine DVD nicht, damit man sie kauft (Untertitel hingegen eigentlich schon). Doch bei “The Fan” dürfte es nicht am nicht vorhandenen Bonusmaterial liegen, wenn der Film nicht zum Ladentisch getragen wird. Das DVD-Cover ist nämlich so unsagbar schlecht gemacht, dass man in der Hülle unmöglich einen guten Film vermuten kann. Tja, da bleibt der DVD nur zu wünschen, dass diese Rezension oft gelesen wird.


Seit dem 31. August 2007 im Handel.

Originaltitel: I love your Work (USA 2003)            
Regie: Adam Goldberg
Darsteller: Giovanni Ribisi, Franka Potente, Christina Ricci, Joshua Jackson, Vince Vaughn
Genre: Drama, Thriller
Dauer: 106 Minuten
Bildformat: 1:2.35
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: –
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Trailer
Vertrieb: Impuls

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Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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