“2 Tage in Paris” von Julie Delpy

An American in Paris

“2 Tage in Paris” von Julie Delpy

2 days in Paris 1

Julie Delpy engagierte für ihr Regiedebut ihre Eltern als Darsteller und übernahm die Hauptrolle, die Regie, das Drehbuch und den Schnitt gleich selbst. Gelungen ist die frivole Beziehungskomödie, welche sich in die Herzen der Berlinale-Zuschauer spielte, aber vor allem auch wegen Leinwandpartner Adam Goldberg, welcher die Amerikanische Verlorenheit im Angesicht Europäischer Aufgeschlossenheit grandios parodiert.

Von Lukas Hunziker.

Bevor Marion und Jack nach ihrer Venedigreise in die Staaten zurückkehren, müssen sie zwei Tage in Paris bei Marions Eltern verbringen, die auf ihre Katze aufpassten. Zwei Tage, die für Jack als europaphoben Amerikaner zum Alptraum werden. Dieser beginnt schon beim ersten gemeinsamen Mittagessen mit Marions Eltern, als sich herausstellt, dass Marion ein Foto von Jack, welches ihn nackt mit an seinem Penis befestigten Ballons zeigt, in der Familie zirkulieren liess. Doch es kommt noch schlimmer. Bald treffen Marion und Jack beim Flanieren durch Paris einen Exfreund Marions, mit dem diese sich zu Jacks Entsetzen immer noch gut versteht. Als Marions Mutter die beiden dann noch beim Sex erwischt und Jack herausfindet, dass Marions Exfreund ihr immer noch vulgäre SMS-Nachrichten schreibt, ist für Jack klar: er ist nicht in Paris, er ist in der Hölle.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Goldberg und Delpys Eltern als Trumpf

Wem “Before Sunrise” und “Before Sunset” zu langsam und zu dialoglastig war, bekommt mit “2 Days in Paris” eine mildere und süffigere Version des Delpyschen Beziehungskosmos geliefert. Immer noch wird hier und da etwas über die Welt philosophiert, doch steht Delpy nicht der schweissig-verlegen schmunzelnde Ethan Hawke, sondern der neurotische, bärtige Adam Goldberg gegenüber, welcher einen den ganzen Film mit Komik beregnet. Als Figur ist Jack wesentlich interessanter (und je länger der Film anhält auch sympathischer) als die etwas flache, wenn auch ebenfalls durchaus amüsante Marion. Diese verblasst oft etwas neben den abwechslungsreichen Nebendarstellern. Dazu gehört einerseits Daniel Brühl, dessen Auftritt allerdings eher kurz ist, andererseits Julie Delpys leibliche Eltern (die im Film Marions Eltern spielen), die beide eine kleine Glanzleistung hinlegen. Gegen Schluss flacht der Film etwas ab, der Sexwitze folgen ein paar zu viele, was nicht darüber hinwegtrübt, dass Delpy mit einem kleinen Budget eine sehr unterhaltsame Komödie mit aussergewöhnlichen Figuren und erstklassigen Dialogen gelungen ist.

Ausstattung

Die DVD beinhaltet einen knapp 30minütigen Bericht von der Filmpremiere in der Essener Lichtburg, der visuell zwar eine mittle Katastrophe, aber wegen der Podiumsdiskussion doch sehenswert ist, in der Julie Delpy wie gewohnt ohne Hemmungen über sich und ihre Arbeit spricht. Ebenfalls empfehlenswert sind die 5 erweiterten Szenen (in guter Qualität, mit Untertiteln); eher überflüssig hingegen ist das Outtake. Weiter gibt’s eine Slideshow und eine Menge Trailer.


Seit dem 15. November 2007 im Handel.

Originaltitel: 2 Days in Paris (Frankreich 2007)            
Regie: Julie Delpy
Darsteller: Julie Delpy, Adam Goldberg, Daniel Brühl
Genre: Komödie
Dauer: 96 Minuten
Bildformat: 1.85:1
Sprachen: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Bericht von der Filmpremiere, Nicht verwendete und erweiterte Szenen, Slideshow, Trailer
Vertrieb: Impuls

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Offizielle Website

Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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