“Ostrov” von Pavel Lungin

Der Heilsweg eines kauzigen Sünders

“Ostrov” von Pavel Lungin

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Vom russischen Kino bekommen wir normalerweise wenig mit. “Ostrov” jedoch schaffte es, einige Aufmerksamkeit an den westlichen Filmfestivals auf sich zu ziehen. Ein Publikumsrenner ist der Film sicher nicht, aber trotz des schwer religiösen Inhalts muss man nicht Kirchgänger sein, um dem Film etwas abzugewinnen.

Von Lukas Hunziker.

Im zweiten Weltkrieg wird der junge Matrose Anatoli von den Nazis gezwungen, seinen Kameraden zu erschiessen. Diese Tat verändert sein Leben und lässt ihn zum geplagten Mönch werden, der auf einer Insel lebt und das Heizen für die Klostergemeinschaft übernimmt. Doch Vater Anatoli ist kein gewöhnlicher Geistlicher; er ist bei der Bevölkerung dafür bekannt, Wunder zu vollbringen und Weissagungen zu machen. Obwohl er ziemlich launisch und kauzig sein kann, kommen immer wieder Verzweifelte zum ihm und bitten ihn um Rat. In seinen einsamen Stunden jedoch rudert Vater Anatoli herum und stolpert durch die wunderschöne Küstenlandschaft Nordrusslands, um Vergebung für seine Tat bittend. Seine Klosterbrüder sind über das seltsame Verhalten Anatolis nicht gerade glücklich, aber die Versuche des Abts, seinen “Schlingel” zur Vernunft zu bringen, münden nur in derben Spässen auf Seiten Anatolis. Dieser wird von seiner Vergangenheit eingeholt, als eines Tages ein Admiral auf die Mönchsinsel kommt, mit einer verrückten Tochter, deren Dämonen der Mönch bald als die seinen erkennt.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Heilsbotschaft und Einsiedlerromantik

“Ostrov” ist ein feiner, stiller, langsamer Film. Trotz der Zerrissenheit seines Protagonisten kommt der Film jedoch weniger als deprimierendes denn als humorvolles Drama daher. Das Unverständnis der traditionellen und eher biederen Klosterbrüder gegenüber dem “Schlingel” Anatoli, der auch den Abt zu verspotten und schliesslich zu erlösen vermag, sorgt für einige sehr amüsante Momente im Film. Etwas zu stark betont ist jedoch die religiöse Ebene; in gewisser Weise ist der Film sogar ein fast zweistündiges Gebet mit komödiantischen Intermezzos. Es verwundert nicht, dass die DVD-Hülle die begeisterte Kritik des ‘Kirchenboten’ zitiert, denn “Ostrov” gibt sich alle Mühe, gegen weltliches Besitzstreben und Abtreibung zu wettern. Doch allein die Bilder lassen einem diese etwas sehr konservativen Botschaften vergessen, denn so trist Anatolis Insel auch sein mag, filmisch ist sie in Bildern festgehalten, welche doch eine gehöriges Mass an Einsiedlerromantik aufkommen lassen. “Ostrov” ist somit nicht nur für orthodoxe Christen ein besinnlicher und gelungener Film.

Ausstattung

Die DVD enthält neben dem Hauptfilm und dem Trailer einen sehr kauzigen Bonus: ein viertelstündiger Zusammenschnitt einiger der Filmszenen. Wem der Film zu lang wird, kann sich somit die Kurzversion ansehen.


Seit dem 22. November 2007 im Handel.

Originaltitel: Ostrov (Russland 2006)
Regie: Pavel Lugin
Darsteller: Pjotr Manonov, Viktor Suchurukov, Dmitrij Djuschev
Genre: Kömödie, Drama
Dauer: 110 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprachen: Russisch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0
Bonusmaterial: Filmausschnitte, Trailer
Vertrieb: Warner

Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

Ein Gedanke zu „“Ostrov” von Pavel Lungin

  • 09.07.2015 um 00:03
    Permalink

    Ich suche die DVD “Die Insel”, wo kann ich sie bekommen??? Danke!

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