“The Shape of Things” von Neil LaBute

Kunst, Kunst, über alles

“The Shape of Things” von Neil LaBute

Was wie eine romantische Komödie (mit den Grundzutaten hässliches Entlein, aphrodisierendes Gegenstück) anfängt, nimmt ein böses Ende. Neil LaBute adaptierte sein Theaterstück “The Shape of Things” für die Leinwand und engagierte seine vier Theaterschauspieler auch gleich für die Filmversion.

Von Lukas Hunziker.

shape of thingsDie Anfangssequenz ist Weltklasse. Eine junge, hübsche Frau (Rachel Weisz), deren Name sich später als Evelyn herausstellt, steht im Kunstmuseum und macht Nahaufnahmen von der Intimzone einer Männerskulptur, deren ‘Ding’ aufgrund von Beschwerden prüder Bürger mit einem Blatt überdeckt worden war. Der Museumswärter Adam, ein eher “verschüpfter” junger Student, kommt hinzu, als Evelyn gerade ihre Spraydose auspackt. In einem verklemmten Gespräch freunden sich die beiden an und Adam bekommt Evelyns Telefonnummer, die sie auf die Innenseite seiner Jacke sprayt. Von da an läuft es rund für Adam. Evelyn macht aus dem hässlichen Entlein einen attraktiven, selbstbewussten Mann. Dies jedoch verursacht einigen Wirbel bei Adams besten Freunden Phil und Jenny; Phil sind die raschen Veränderungen in Adams Leben unheimlich und Jenny verliebt sich in ihn. Als sich die beiden küssen und Evelyn davon erfährt, stellt sie Adam vor die Wahl: sie oder seine Freunde. Doch dies ist erst der Anfang…

Tritt in die Eier

Die Wende am Schluss des Films kommt überraschend und erbarmungslos. So stark die letzten Szenen auch sind und so geschickt sie den Zuschauer in die Eier zu treten vermögen, ein gewisses Gefühl der Unbefriedigung bleibt. Zu versöhnlich wirkt die ganz letzte Szene, zu unklar, was der Film denn nun genau sagen will. Neil LaBute war nicht unglücklich, dass die Filmversion weniger schwarz-weiss wurde als das Theaterstück; schliesslich wird damit dem Zuschauer eine Parteiergreifung aufgezwungen. Und dennoch muss man gerade Theater mögen, um auch den Film zu mögen, denn es sind die Figuren, welche die Handlung tragen, nicht umgekehrt. Ohne die erstklassige Besetzung wäre dies kaum möglich gewesen; besonders Rachel Weisz (von der wir aber nichts anderes gewöhnt sind) und Paul Rudd machen den Film durch sehr subtile Mimik zum Genuss. Wie die Schauspieler brilliert auch der Film in den Details; mit urkomischen Einzelszenen, spritzigen Dialogen und schönen Einstellungen. Einzig als Gesamtkunstwerk will einem der Film nicht wirklich in Erinnerung bleiben. Aber vielleicht macht ihn gerade das zu dem, was er ist: eine bitterböse Abrechnung mit Kunst und dem Beautykodex Kaliforniens.


Ausstattung

Das Bonusmaterial besteht aus einem Minifeaturette, in dem die vier Figuren des Films vorgestellt werden, sowie einem kurzen Kommentar von Neil LaBute zur Filmadaption und deren Unterschied zur Bühnenversion. Das allein wäre etwas gar mickrig, wäre da nicht noch der Audiokommentar von LaBute und Paul Rudd, der die DVD doch noch mal etwas aufwertet.


Seit dem 13. April 2006 im Handel.

Originaltitel: The Shape of Things (USA, England 2002)
Regie: Neil LaBute
Darsteller: Rachel Weisz, Paul Rudd, Gretchen Moll, Fred Weller
Genre: Kömödie, Drama
Dauer: 93 Minuten
Bildformat: 2:35:1
Sprachen: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Audiokommentar von Regisseur Neil LaBute und Darsteller Paul Rudd, Einführung von Neil LaBute: “Von Theater auf die grosse Leinwand”, Featurette “Willkommen im Mercy College”, Trailer
Vertrieb: Max Vision

Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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