“Könige der Wellen” von Ash Brannon und Chris Buck

So cool, dass es uncool ist

“Könige der Wellen” von Ash Brannon und Chris Buck

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Pinguine haben im Kino Hochkonjunktur, seit man in “Die Reise der Pinguine” wieder einmal neu herausgefunden hat, dass die Viecher “jööö” sind. Sony Pictures Animation transportiert die Pinguine in “Könige der Wellen” nun aber vom lebensfeindlichen Südpol weg in die Karibik, dorthin, wo Pinguine nicht jööö, sondern cool sind. Nur sind coole Pinguin doch etwas weniger cool, als Sony dies wohl geglaubt hatte.

Von Lukas Hunziker.

Cody ist ein Pinguin im Flegelalter und hat nur eines im Kopf: Surfen. Seine Mitpingus im kalten Shiverpool (Deutsche Fassung: Buenos Eisig) haben dafür wenig Verständnis, ja nicht einmal seine Familie unterstützt ihn bei seinem Hobby. So fällt es Cody denn auch nicht schwer, die Antarktis zu verlassen um an den Surfweltmeisterschaften in der Karibik teilzunehmen. Kaum dort angekommen macht er sich seinen grössten Konkurrenten, den egozentrischen Tank Evans, auch schon zum Feind: Cody beschimpft ihn nämlich gleich bei der ersten Begegnung, da Tank Codys grossen Vorbild, die Surferlegende Big Z, verspottet. Ein erstes Surfduell gegen Tank verliert Cody dann auch chancenlos, doch gerade als er sich davonschleiche will, kommt es zu einer ungeahnten Begegnung.

When Penguins go MTV

“Könige der Wellen” erinnert an eine Pinguin-Surf-Version von “Karate Kid”, und hat eine zwar moralische, aber dennoch genug klassische Handlung, um erfolgreich zu sein. Cody zieht in die grosse Welt hinaus, und muss erst die wichtigen Lektionen des Lebens lernen, bevor er in seinem Sport erfolgreich sein kann. Die Botschaft des Films ist klar: Sport sollte in erster Linie Spass machen – Turniere und Pokale sind zweitrangig. Eigentlich eine gute Message, die im Film aber mehr schlecht als recht umgesetzt wird. Während Pixar und zeitweilen auch Disney es schaffen, mit ihren Animationsfilmen fast alle Altersstufen anzusprechen, unterwirft “Könige der Wellen” sich der künstlichen MTV-Coolness, lässt die Pinguine in Amerikanischer Jugendsprache Reden (Englische Version) und setzt auch in Sachen Humor vor allem auf das, was der pubertierenden Jugend gefallen könnte.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Während man in “Ratatouille” Kinobesucher jeden Alters pausenlos kirchern und grölen hörte, darf man als Erwachsener bei “Könige der Wellen” gerade noch ein ungerades Mal schmunzeln. Schade, denn gerade in der Machart geht der Film sonst gute Wege; die Geschichte ist nämlich angelegt als Dokumentarfilm über Cody, wodurch es Interviewsequenzen gibt, Dinge in die Kamera fliegen oder ‘Archivmaterial’ eingespielt wird. Die etwas dünne und immer wieder peinlich auf eine Pseudojugend zugeschnittenen Witze lassen sich dadurch aber leider nicht wettmachen.

Ausstattung

Ein “Making of” ist nicht vorhanden, doch u.a. gewährt ein 5minütiges Featurette einen Blick hinter die Computer, oder besser gesagt Computer, der Macher. Für das jüngere Publikum gibt es ein Spiele, für die etwas älteren Surftipps (Favorit: Cool rüberkommen!) und ein paar entfallene Szenen, sowie weitere kleine Special Features. Als zwei kleine Perlen finden sich auf der DVD zwei Kurzfilm mit den ChubbChubbs – was die sind sei besser nicht verraten – welche durchaus witzig sind. Der DVD gibt es daher nichts vorzuwerfen, vor allem jüngere Fans des Films kommen auf ihre Kosten.


Seit dem 24. Januar 2008 im Handel.

Originaltitel: Surf’s Up (USA 2007)            
Regie: Ash Brannon und Chris Buck
Genre: Animation
Dauer: 82 Minuten
Bildformat: 1.85:1 (16:9)
Sprachen: Deutsch, Englisch, Türkisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Entfallene Szenen, Arnolds “Z”urfer-Lexikon, Dokumentationen: Surfkamera, Vom Storyboard zum Surfboard, Lerne Pete & Penny kennen, Surfen wie ein Profi, Audiokommentar der Filmemacher, Spiele, Szenen-Entwicklung, Bildgalerie, Musikvideo “Lose Myself” von Lauryn Hill, 2 Kurzfilme: “The Chubbchubbs save Xmas” & “The ChubbChubbs”, Trailer
Vertrieb: Impuls

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Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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