“I am Legend” von Francis Lawrence

Mann mit Hund sucht Frau mit Gott

“I am Legend” von Francis Lawrence

I am Legend 1

Das Millennium ist überlebt, die Endzeitangst bleibt, Katastrophenfilme boomen. “I am Legend” jedoch geht einen anderen Weg und zeigt nicht die Katastrophe, sondern die Zeit danach. Will Smith zieht als Robert Neville durch die leeren Strassen von Manhattan auf der Suche nach weiteren Überlebenden einer Massenepidemie. Was hochkarätig anfängt, führ dahin, wo die meisten ‘Survival Narratives’ hinführen – in religiösen Pathos.

Von Lukas Hunziker.

Am Anfang des Films steht die Hoffnung auf eine bessere Zukunft: eine Forscherin gelingt es, ein Heilmittel für Krebs zu entwickeln. Doch drei Jahre später hat ein daraus entstandenes Virus die Menschheit dahingerafft. Einer der wenigen Überlebenden ist Militär-Wissenschaftler Robert Neville, welcher noch immer nach einem Heilmittel sucht. Tags durchstreift er die Strasse, leiht sich DVDs in leeren Geschäften aus, jagt mit einem Hund das Wild, welches die Grünfläche der Grossstadt zurückerobert hat, und wartet am Dock darauf, dass sich jemand auf seine dauernd ausgestrahlte Radio-Suchmeldung nach weiteren Überlebenden meldet. Nachts jedoch verbarrikadiert Neville sich in seinem Haus. Denn in der Stadt gibt es durchaus Überlebende, die jedoch zu haarlosen lichtallergischen Zombies geworden sind. Allerdings unterscheiden sie sich von klassischen Zombies gerade darin, dass sie nicht langsam mit ausgestreckten Armen vor sich hin schlendern, sondern blitzschnell sind und noch Hirn genug haben, um Neville ein Falle zu stellen.

Von grandioser Einmann-Show zur Predigt

Mit Will Smith perfekt besetzt macht der Film lange alles richtig. Action, Witz und Drama halten sich lange in gesunder Balance, in seinen besten Momenten zeigt der Film seine Hauptfigur durch seine Einsamkeit dem Wahnsinn und der Verzweiflung zu verfallen. Neville redet mit Schaufensterpuppen, um sich selbst die Illusion zu erschaffen, nicht allein zu sein. Geschickt webt das Drehbuch mit dieser Idee erst witzige Szenen (so inszeniert Neville für sich aufwendig einen Flirt mit einer der Puppen) und lässt diese Macke dann zu Nevilles Verhängnis werden. Mit einer geschickten Falle schnappen die Mutanten ihn und nur das Auftauchen einer Frau, welche ebenfalls überlebt hat, rettet ihn.

I am Legend 2
© Studio / Produzent

Doch mit ihrem Auftauchen nimmt die charmante Latinamutter dem Film alles Leben und zieht die Geschichte in fragwürdige religiöse Sphären. Mit ihr betritt nämlich Gott den Schauplatz der Endzeitvision, und rettet schliesslich die Menschheit. Neu ist dies nicht, tatsächlich steht hinter Filmen und Büchern, in welcher nur wenige Menschen eine Katastrophe überleben, oft eine fundamentalistische Religionsidee. “I am Legend” bildet insofern eine Ausnahme, dass die Überlebenden ein Afroamerikaner und eine Lateinamerikanerin sind. Den Film macht dies leider nicht besser. Religion und Science Fiction harmonieren selten. Und in “I am Legend” beissen sie sich.

Ausstattung

Als Bonusmaterial finden sich auf der DVD vier animierte Comics, welche je eine kurze Geschichte aus anderen Region der Welt zeigen, die vom Virus betroffen sind. Über die Qualität der Stories kann man sich streiten, die vier verschiedenen Stile der Umsetzungen machen die 20 Minuten jedoch durchaus sehenswert. Schade ist, dass es kein Bonusmaterial gibt, welches die Veränderungen des Films gegenüber der Buchvorlage diskutiert oder den Film in Beziehung mit den anderen Verfilmungen von Richard Mathesons Roman stellt.


Seit dem 16. Mai 2008 im Handel.

Originaltitel: I am Legend (USA 2007)            
Regie: Francis Lawrence
Darsteller: Will Smith, Alice Braga, Emma Thompson
Genre: Science Fiction
Dauer: 101 Minuten
Bildformat: 2.40:1 (16:9)
Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: 4 Animierte Comic-Kurzfilme
Vertrieb: Warner

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Offizielle Seite zum Film

Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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