“Lunik” von Gilbert Beronneau

Scheiss auf Geld

“Lunik” von Gilbert Beronneau

“Ich brauch kein Geld” ist das Motto des Kommunisten Franz, welcher mit seiner Familie ein Gratishotel in Eisenhüttenstadt führt. Anders sieht dies sein Cousin Toni, der im Foyer des Hotels eine Event-Bar aufzuziehen versucht und eifrig an einem Abend mit Live-Gesang und einer Quiz-Show bastelt. “Lunik” ist eine alternative Komödie darüber, dass menschliche Beziehungen sowohl mit als auch ohne Geld gestört sein können.

Von Lukas Hunziker.

LunikZu Beginn des Films überfallen Franz und seine Schwester Babette eine Tankstelle – nicht etwas um Geld zu stehlen, sondern um den Tankwart zu zwingen, für den Rest des Tages alles gratis zu machen. Die Kunden freut dies natürlich, und Franz und Babette drücken allen fleissig Zettel in die Hand, welche darauf aufmerksam machen, dass es der konsumorientierten Gesellschaft zu trotzen gilt. Der Überfall bringt Max, einen Polizeiermittler auf den Plan, welche Babette auch bald auf die Spur kommt. Doch statt auf dem Posten landen die beiden im Bett und Max quartiert sich im Hotel Lunik ein – was zwar gratis ist, aber regelmässige Gruppensitzungen mit Guru Franz mit sich zieht. Cousin Toni verzweifelt inzwischen darüber, dass er für seine Hotelbar, die ganz nach kapitalistischen Prinzipien läuft, kein anständiges Personal findet und sein Vater die Quizshow nicht hinbekommen will. Als Toni dann versucht, Franz’ Hotelköchin als Kellnerin zu engagieren, geraten die Cousins, und mit ihnen Kommunismus und Kapitalismus aneinander.

Film in einfachster Form

“Lunik” ist ein Low-Budget-Film, passend zur Geschichte, die er erzählt. Die Kulissen lassen sich an einer Hand abzählen, die Kamera wackelt, die Ausleuchtung ist zweckdienlich. Doch all dies passt so gut zum Film, dass man es sich anders nicht wünscht, und schliesslich ist bei einer Komödie eine andere Komponente wichtiger: die Schauspieler. Und diese überzeugend auf der ganzen Linie und geben dem Film den Charm und Witz, welcher den Leben all seiner Figuren fehlt. “Lunik” zeigt mit einem Augenzwinkern eine Familie, in welcher Kommunikation zur Farce verkommen ist, da alle blind ihren Träumen nachrennen, Träume von einer konsumfreien Gesellschaft, einer erfolgreiche Quiz-Show, kommerziellem Erfolg oder der Liebe. Der Schauplatz, Eisenhüttenstadt, eine Planstadt aus der DDR-Zeit, situiert den Film zwischen DDR-Nostalgie und der heutigen westlichen Gesellschaft – und zeigt, dass sich zwischenmenschliche Probleme abseits einer Gesellschaftsideologie abspielen.

Ausstattung

Als Hintergrundinfo zum Film hält die DVD einen gut 20minütigen Interviewzusammenschnitt mit Darstellern und Produzenten bereit. Diese sprechen über den Film, ihre Rollen, ihre Beziehung zu Geld und Eisenhüttenstadt. Zusätzlich gibt es als besonders freakiges Special eine wackelige Kamerafahrt durch das leere Hotel Lunik, untermalt von Franz’ Gedichten in verschiedener Tonlage und Betonung.


Seit dem 17. April 2008 im Handel.

Originaltitel: Lunik (Deutschland 2005)            
Regie: Gilbert Beronneau
Darsteller: Wolfgang Mondon, Augustin Kramann, Jörg Brütt, Gitte Rugaard
Genre: Komödie
Dauer: 96 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Englisch, Französisch
Audio: Stereo
Bonusmaterial: Interviews, “Das leere Hotel feat. Franz’ Gedichte”
Vertrieb: Max Vision

Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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