“In Bruges” von Martin McDonagh

Fucking Bruges

“In Bruges” von Martin McDonagh

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Die Auftragskiller Ken und Ray sollen nach einem missglückten Auftrag in Brügge (“I didn’t even know where Bruge is. It’s in Belgium.”) auf neue Anweisungen warten. Das klingt einfacher, als es ist. Denn auch in einer Stadt, die ausser Mittelalterfans eigentlich niemand kennt, gibt es Zwerge, Möchtegernganoven, russische Mafiosi in Morgenröcken, und jede Menge Ärger. Martin McDonah’s Erstling ist stimmig, wahnsinnig witzig und zeigt Colin Farrell in seiner bisher vielleicht lustigsten Rolle.

Von Lukas Hunziker.

Wenn Brügge für etwas bekannt ist, ist es sein mittelalterliches Zentrum, die märchenhaften Kanäle, den Glockenturm, den man hinaufsteigen kann. Ken, ein Gentleman von einem Auftragskiller mit einem Flair für Kultur und Geschichte, hätte sich keinen schöneren Ort wünschen können, um weitere Anweisungen zu erwarten. Ray, ein junger, kauziger Dubliner, sieht dies ganz anders:

Ken: Coming up?
Ray: What’s up there?
Ken: The view.
Ray: The view of what? The view of down here? I can see that down here.
Ken: Ray, you are about the worst tourist in the whole world.
Ray: Ken, I grew up in Dublin. I love Dublin. If I grew up on a farm, and was retarded, Bruges might impress me but I didn’t, so it doesn’t.

Auf einem Abendspaziergang kommen die beiden an einem Filmset vorbei, wo eine Traumsequenz gedreht wird. Ray, erst fasziniert von einem kleinwüchsigen Schauspieler (“What are they doing over there? They’re filming something. They’re filming midgets!”), erblickt unter den Filmschaffenden eine junge Frau, Cloe, die er mit allem Charme, den er aufbringen kann, erfolgreich zum Essen am nächsten Abend einlädt. Während sich Cloe und Ray vierundzwanzig Stunden später dann auch wirklich gegenüber sitzen und sich Belgierwitze erzählen, nimmt Ken im Hotel den lang erwarteten Anruf und damit einen neuen Auftrag entgegen. Und der gefällt weder Ken noch Ray.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Harold Pinter trifft auf Guy Ritchie

Das erste Drittel von “In Bruges” erinnert an nichts so stark wie Harold Pinters Stück  “The Dumb Waiter”: Zwei Killer schlagen sich die Zeit tot, während sie auf einen neuen Auftrag warten und führen dabei teils sehr absurde Dialoge. Sprachlich dürfte der Film eigentlich nicht unter 18 freigegeben werden, das Wort ‘fuck’ kommt 126 mal und damit mehr als einmal pro Minute vor – dies allerdings dialektal so variiert dass es ein Hochgenuss ist. Die Situationskomik, die Colin Farrell als Ray dabei an den Tag legt, ist unwiderstehlich; Farrell macht aus Ray zwar eine Karikatur, die jedoch perfekt zum Film passt. Oder eben gerade nicht. Denn was wesentlich zur Komik beiträgt, ist die mittelalterliche Stimmung, welche die Kamera einfängt und die Musik unterstützt, und in welcher die beiden Auftragskiller etwa so fehl am Platz wirken wie eine Türkeiflagge an Christoph Mörgelis Auto.

Ray: I’m not being funny. We can’t stay here.
Ken: We have to stay here until he rings.
Ray: Well what if he doesn’t ring for two weeks?
Ken: Then we stay here for two weeks.
Ray: For two weeks? In fucking Bruges? In a room like this? With you? No way.

Nicht alle Wege führen zu einem guten Schluss

Während der Film seinen Humor auch in den Actionszenen der zweiten Hälfte nicht ablegt, geht dem Schluss etwas die barocke Stimmung verloren. Auftraggeber Harry, gespielt von Ralph Fiennes, welcher die Bühne Brügges schliesslich auch noch betritt, ist klar die am schlechtesten gezeichnete und gespielte Figur, auch wenn er mit Sprüchen, die auch Guy Ritchie nicht besser hingekriegt hätte, für einige Brüller sorgt. Der Schluss des Films wird denn auch den grandiosen zwei ersten Dritteln nicht gerecht und wirkt vergleichsweise ideenlos. Vom Kinobesucht sollte dies einem jedoch unter keinen Umständen abhalten, denn allein die erste halbe Stunde ist den Eintritt lange wert. Martin McDonagh, der vom Theater her kommt und mit “In Bruges” seinen ersten Langspielfilm gedreht hat, ist sowohl als Drehbuchautor wie auch als Regisseur mehr als vielversprechend. Und Colin Farrell sollte man eigentlich auf die Ehre seiner Mutter schwören lassen, dass er nur noch Gaunerkomödien dreht. Zum Schluss eine letzte Kostprobe:

Ken: Your girlfriend’s very pretty.
Jimmy: She’s ain’t my girlfriend. She’s a prostitute I just picked up.
Ken: I was not aware that there were any prostitutes in Bruges.
Jimmy: You just have to look in the right places… brothels are good.
Ken: Well, you’ve picked up a very pretty prostitute.
Jimmy: Thank you.


Ab 17. Juli 2008 im Kino.

Originaltitel: In Bruges ( Grossbritannien/Belgien 2008)            
Regie: Martin McDonagh
Darsteller: Colin Farrell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes, Clémence Poésy
Genre: Action-Tragikkomödie
Dauer: 105 Minuten
CH-Verleih: Ascot Elite

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Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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