“Mein Freund der Wasserdrache” von Jay Russell

Nessie: Die Flegeljahre

“Mein Freund der Wasserdrache” von Jay Russell

wasserdrache 1

Ein kleiner Junge freundet sich mit eine Seeungeheuer an. Was gefährlich nach einer weiteren Fortsetzung der “Free Willy” Reihe klingt, ist tatsächlich eher die schottische Antwort auf den Walkuschelfilm. “Mein Freund der Wasserdrache” ist Mainstreakino pur – aber ausnahmsweise gutes Mainstreamkino. Obwohl sich der Film vor allem an ein jüngeres Publikum richtet, hat der Film genug Spannung, Herz und schöne Bilder, um auch Erwachsenen das eine oder andere Tränchen der Rührung zu entlocken.

Von Lukas Hunziker.

Schottland mitten im zweiten Weltkrieg. Der Angus MacMorrow lebt mit seiner älteren Schwester und seiner Mutter auf einem riesigen Anwesen in einer malerischen Landschaft. Die Familie jedoch ist in Trauer, da Angus Vater im Krieg gefallen ist – was Angus vehement verdrängt. Bei einem Strandausflug findet der wasserscheue Angus einen seltsamen Stein, den er mit nach Hause nimmt. Dem Stein, der sich schliesslich als Ei entpuppt, entschlüpft schliesslich ein kleines glitschiges Tier, dass wie eine Kreuzung zwischen Walross und Hund aussieht. Da er weiss, dass seine Mutter es ihm wegnehmen würde, erzählt Angus vorerst niemanden von seinem neuen Freund – doch als dieser im Eiltempo wächst und schliesslich zu Angus Schwester in die Badewanne watschelt, weiht Angus sie und den Hausmeister ein. Ungünstigerweise wird zur selben Zeit eine schottische Truppe auf dem Anwesen stationiert, und der Hund des Kochs wird bald zum Erzfeind des kleinen Crusoe, wie Angus sein Tierchen tauft.

Goldjunge Alex Etel

Crusoe, so weiss Hausmeister Lewis Mowbray, ist ein Wasserpferd, eine legendäre Kreatur, von welcher es jeweils nur eine auf der Welt gibt und welche immer nur ein Ei legt bevor es stirbt. Aus dem kleine, süssen Crusoe wird schliesslich natürlich das Ungeheuer von Loch Ness – da das kleine Monster fast täglich sichtbar grösser wird, muss Angus ihn im Loch aussetzen. Der Film erzählt von der ersten Sichtung des Monsters, von der Entstehung des legendären Fotos und von den verschiedenen Kneipengeschichten, die man sich über die Kreatur erzählt. Im Zentrum des Films bleibt aber die Geschichte der Freundschaft zwischen Angus und Crusoe, und diese Geschichte vermag wahrlich zu rühren.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Zu verdanken ist dies einerseits dem Special Effects Team, welches vor allem den kleinen Crusoe mit viel Charme und Witz zum Leben erweckt haben, andererseits dem Jungschauspieler Alex Etel. Dieser hatte bereits in Danny Boyle’s “Millions” bewiesen, dass er Talent im Überfluss hat, und in “Mein Freund der Wasserdrache” setzt er noch eins drauf. Eine Freundschaft zu einem komplett digital kreierten Wesen darzustellen, was faktisch heisst sich ein riesengrosses Monster vor einem vorzustellen und auf dessen imaginäre Gefühlsausdrücke zu reagieren, ist wahrlich nicht einfach – doch dem 13jährigen Alex Etel gelingt dies hervorragend. Das übrige tun die herrlichen schottischen Landschaftsbilder, die zahlreichen witzigen Szenen und eine Geschichte, die so viel Herz hat, dass man das Hollywoodsche Finale, welches doch etwas unfreiwillig “Free Willy” zitiert, gerne hinnimmt. Schönes Familienkino eben, und endlich mal wieder ein guter Kinderabenteuerfilm.

Ausstattung

Die DVD hat zusätzlich zum viel einiges zu bieten. 6 Dokumentationen mit einer Gesamtlauflänge von über einer Stunde widmen sich der Legende des Loch Ness Monsters liebevoll und detailliert; wir erfahren etwas über die Legende und den heutigen Nessie-Kult, die Dreharbeiten, die Charaktere und Schauspieler und die Special Effects. Dabei kommen Cast und Crew zu Wort – Alex Etel möchte man gleich adoptieren – aber auch Nessie-Experten, Monsterjäger, Touristen und Dick King-Smith, aus dessen Feder die Vorlage für den Film stand. Eine rundum gelungene DVD, die den Kauf nicht nur wert ist, wenn man gerade die Kinder der Nachbarn die Ferien hindurch hüten muss.


Seit dem 12. Juni 2008 im Handel.

Originaltitel: The Waterhorse (Grossbritannien, USA 2007)            
Regie: Jay Russell
Darsteller: Alex Etel, Emily Watson, Ben Chaplin, David Morrissey, Brian Cox
Genre: Abenteuerfilm
Dauer: 111 Minuten
Bildformat: 2:40:1 (16:9)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Entfallene Szenen, Dokumentationen: Mythen und Legenden, Die Geschichte, Die Darsteller, Verschiedene Drehorte; Dreharbeiten im Wasser; Crusoe – Ein Wasserdrache wird geschaffen, Trailer
Vertrieb: Impuls

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Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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