“La Zona” von Rodrigo Pla

Fiktion als Warnung

“La Zona” von Rodrigo Pla

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Irgendwann in Mexiko. Reiche Menschen haben sich einen goldenen Käfig gebaut, sie leben in einem von hohen Mauern geschützten und mit Kameras überwachten Villenviertel, genannt “La Zona”. Als drei junge Männer aus dem Armenviertel in den elitären Mikrokosmos eindringen, eskalieren die Ereignisse.

Von Garabet Gül.

In vielen Metropolen der Welt ist es schon länger Realität. Prekäre Armut und perverser Reichtum koexistieren Seite an Seite und prägen entscheidend das diskrepante Grossstadtbild. Ob die “Favelas” in Rio de Janeiro oder die “Townships” in Kapstadt, nicht weit von diesen heruntergekommenen Wohnvierteln, in denen hunderttausende Menschen einen zermürbenden Existenzkampf fristen und von der Hand in den Mund leben, befinden sich die Wohngebiete besser betuchter Menschen. Nicht selten sind diese auf Hügeln am Stadtrand gebaut, von wo aus  die Bewohner der Villen eine Sicht auf die Wellblechhütten und primitiven Infrastrukturen vor ihren Füssen geniessen dürfen.

Eine Grenze innerhalb der Staatsgrenzen

In Rodrigo Plas’ Film gehen die reichen Menschen noch einen Schritt weiter, sie schützen sich, gesetzlich legitimiert, mit Mauern und Überwachungskameras vor den Menschen in den Slums. Wer hinein möchte, braucht einen Ausweis, damit die Torwächter Eintritt gewähren. Solange innerhalb der Mauern keine relevanten Gesetze des Staates gebrochen werden, dürfen sich die Bewohner dieser Sonderzone selber organisieren und verwalten, private Sicherheitsleute sorgen für Sicherheit und Ordnung.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

An einem stürmischen und regnerischen Abend stürzt eine überdimensionale Werbetafel auf die Mauer zwischen Arm und Reich und ebnet drei jungen Männern aus dem Armenviertel den Weg in die ihnen bis anhin nur vom Hörensagen bekannte Nachbarschaft. Der Einbruch geht schief,  der Einwohnerrat der Zone beschliesst, den Vorfall eigenhändig und ohne Einbeziehung der Polizei und der Justiz zu lösen. Die Selbstgerechtigkeit der Wohlhabenden mündet in eine rücksichtslose Selbstjustiz.  Einzelne Bewohner und ein nach einem Todesfall benachrichtigter gewissenhafter Polizist haben aber etwas dagegen. Das Spiel um Statusbewahrung und Gerechtigkeit kann beginnen.

Sozialkritischer Thriller

In einem Interview antwortet der Regisseur auf die Frage, ob für ihn der Thriller das ideale Genre für Themen wie Korruption, sozialer Hass und das Scheitern des Staates  sei: “Wir  (er und seine Frau und Ko-Drehbuchautorin Laura Santullo) spürten, dass ein Krimi dem Film eine starke dramatische Spannung und uns den Rahmen für eine klar erkennbare Anprangerung der Gewalt, der sozialen Polarisierung und der Gesetzeslücken geben würde.” Das hört sich theoretisch äusserst sinnvoll und vielversprechend an, die praktische Umsetzung jedoch kann dem Vorhaben nicht genügen. So handelt es sich beim Endprodukt um einen Film, der nicht so recht das ist, was er sein möchte: Ein fiktiver  und sozialkritischer Thriller, der sowohl unterhalten wie auch zum Nachdenken anregen soll. Herausgekommen ist ein nicht stringentes Zwitterprodukt, ein bisschen Thriller und Krimi und ein wenig  problematisierende  Gesellschaftsanalyse. Eine konsequentere Auslegung des Thriller-Genres hätte den Spannungsbogen des Films bestimmt erhöht, ohne dabei den sozialkritischen Aspekt zu verdrängen. Ist die soziale Perspektive doch bereits impliziert im Grundgerüst des Drehbuchs, denn solch eine radikale Trennung von Arm und Reich, wie sie uns hier dargestellt wird, dürfte sogar die Menschen in den wohl situierten Villenvierteln dieser Welt, trotz spannender Unterhaltung auf der Leinwand, zum Nachdenken anregen – in die eine oder andere Richtung.


Seit dem 18. September 2008 im Kino.

Originaltitel: La Zona (Mexico 2007)            
Regie: Rodrigo Pla
Darsteller: Daniel Gimenéz Cacho, Maribel Verdu, Carlos Bardem, Daniel Tovar, Alan Chavez, Mario Zaragoza, Marina De Tavira
Dauer: 95 Minuten
CH-Verleih: Frenetic

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