“Son of Rambow” von Garth Jennings

Geschichten von Söhnen und Rambos

“Son of Rambow” von Garth Jennings

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Ja, Kindheit. Irgendwann kommt der Moment, in welchem man sich gemütlich nach hinten lehnt, in seinem Schaukelstuhl, die Augen trübe werden und man sich mit einer rosaroten Brille an jene wunderbaren Tage erinnert, die da einmal waren – und am liebsten davon erzählt. Meist blöder für die Zuhörenden. Wenn Opa Gustav zum zwanzigsten Mal erzählt, wie er mit seinem Zicklein Heidi um den Hof gesprungen ist, dann ist Langweile vorprogrammiert. Wenn der Erzählende jedoch eine Geschichte erzählen kann, die Kinder und Rambo beinhaltet, dann sieht die Sache doch etwas anders aus.

Von Alexander Sigrist.

Der elfjährige Will ist ein braver Junge. Kein Wunder bei seiner Erziehung. Denn seine Mutter erzieht ihn unter den Prinzipien einer strengen puritanischen Glaubensgemeinschaft. Das heisst für Will: Kein Radio, kein Fernseher, kein gar nichts. Dies ändert sich aber, als Will zufällig mit dem Schulrabauken Lee zusammentrifft und beim ihm zu Hause eine Raubkopie von “Rambo” sieht. Fasziniert vom Streifen, von der heroischen Heroigkeit, die Sylvester Stallone umweht, gibt es für die beiden Burschen nur ein Ziel: Die Fortsetzung von Rambo zu drehen, in welcher der Sohn von Rambo seinen Vater retten muss. Mit einer Kamera bewaffnet, ziehen die beiden Kinder durch die Wälder.

Um Kindheitsgeschichten ist es ja im zeitgenössischen Kino etwas ruhig geworden. Kein Wunder, denn es macht den Anschein, als hätte man alles schon gesehen, was solche Geschichten hergeben: zwei Kinder (vorzugsweise gleichen Geschlechts), die eigentlich grundverschieden sind, treffen sich, werden Freunde, erleben gemeinsam was, werden Blutsbrüder (-oder Schwestern), sehen sich mit Problemen konfrontiert, die Freundschaft zerbricht scheinbar, bevor gegen Ende hin alles wieder gut wird – soweit so gut. “Son of Rambow” weiss wenig Neues zu bieten. Denn das eigentliche Plotgerüst des Filmes, die Freundschaftsgeschichte zwischen Will und Lee folgt beinahe sklavisch dem Aufbau, der von den Vorlagen gegeben ist. Das ist nicht unbedingt als schlecht zu verstehen, denn der Film weiss mit seinen guten Charakteren diesem Plotskellet durchaus Fleisch auf die Knochen zu zaubern, es ist einfach als wenig mutig von Seiten der Filmemacher her zu sehen. Hätte man vielleicht hie und da versucht, diesem uralten Plotgerüst etwas auszuweichen, wäre das Werk etwas weniger vorhersehbar ausgefallen.

Die Lustigkeit des Nachmachens

Jedoch muss man zugeben, dass die Freundschaftsgeschichte, auch wenn sie wirklich ordentlich ausgefallen ist, nicht die eigentliche Faszination des Films ist. Die liegt wo anders. Einerseits nämlich bei der Darstellung der achtziger Jahre, die der Film unternimmt zu zeigen. Diese ist herrlich und absichtlich klischeehaft ausgefallen, so dass der Film allein durch seinen Stil und seine kleinen Ideen über lange Strecken unterhalten kann. Und andererseits liegt die Faszination des Films natürlich bei den beiden Jungen, die Szenen aus “Rambo” nachstellen und somit ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Dies ist dieselbe Faszination, die bereits Gondrys “Be Kind Rewind” ausmachte: die Faszination für die Magie der bewegten Bilder, die Faszination, wie es die Fantasie es schafft, Form anzunehmen und auf Zelluloid (oder halt eine VHS) gebannt wird, die Faszination dafür, wie Filme Freunde schaffen können. Und die Faszination am Spass, bekannte Filmszenen nachzumachen.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Zu Gute halten muss man ausserdem, dass “Son of Rambow”, wie auch “Be Kind Rewind”, sich nicht darauf beschränkt, einfach lustige Szenen zu zeigen, von zwei Jungs, die im Wald rumrennen. Nein, die Anliegen, die “Son of Rambow” hat, sind echt: hier geht es darum, zu zeigen, wie Wills Fantasie versucht aus der engen Welt seiner puritanischen Familie auszubrechen, dass auch ein Schulrabauke wie Lee Gefühle hat und dass die grössten Freundschaften eben dort entstehen, wo man es nicht erwarten würde. Es geht halt um Aussenseiter, die ihren Platz in einem sozialen Gefüge suchen, dass nicht für sich gemacht wurde. Im Zentrum des Films stehen also nicht die Rambo-Nachahmungen, sondern die Charaktere, und hier leistet der Film, trotz des generischen Grundgerüsts, gute Arbeit.

“Son of Rambow” ist also sicherlich kein perfekter Film – und das ist auch gut so. Er bezieht seine Faszination nicht durch seinen Plot, den man schon mal gesehen hat, sondern durch die Magie, die Kino und Freundschaft zu verbinden mag und durch seine echt wirkenden Charaktere. Und ausserdem hat der Film eine seltene Qualität: er entlässt den Zuschauer mit einem Lächeln auf den Lippen und einem warmen Gefühl im Bauch.


Seit dem 18. September 2008 im Kino.

Originaltitel: Son of Rambow (Frankreich, Grossbritannien 2007)            
Regie: Garth Jennings
Darsteller: Will Poulter, Bill Milner, Charlie Thrift, Jessica Stevenson, Zofia Brooks
Genre: Komödie
Dauer: 95 Minuten
CH-Verleih: Ascot Elite

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