“Wir verstehen uns wunderbar” von Antoine de Caunes

Alte Liebe rostet nicht

“Wir verstehen uns wunderbar” von Antoine de Caunes

Dreissig Jahre nach dem Ende ihrer von der Regenbogenpresse minutiös dokumentierten Liebesbeziehung treffen sich Regisseur Louis und Schauspielerin Alice wieder. Wie dieses Wiedersehen verlaufen und enden wird, dürften selbst fantasielose Zuschauer schnell erraten. Aufgewertet wird die durchschnittliche Story jedoch durch amüsante Spielereien mit Klischees französischer und britischer Eigenarten.

Von Lukas Hunziker.

wir verstehen uns wunderbarEs ist eine Auszeichnung für sein Lebenswerk, welche den französischen Regisseur Louis Ruinard trotz seiner Vorurteile gegenüber den Briten nach London bringt. Verliehen werden soll ihm der Preis ausgerechnet von seiner früheren Muse Alice d’Abanville, die seit der Trennung der beiden in England lebt und mit einem Lord Gaylord verheiratet ist. Für Alice ist das Wiedersehen mit Louis ein Schrecken, da sie sich damals von ihm trennte, weil er ihr wiederholt untreu war. Noch immer auf Rache sinnend stiehlt sie ihm an der Preisverleihung die Show und macht ihn mit Witzen weit unter der Gürtellinie zum Gespött des Publikums. Louis jedoch, der noch immer in Alice verliebt ist, lässt sich nicht so schnell unterkriegen und inszeniert spontan einen Herzanfall – mit Erfolg, denn Lord Gaylord besteht darauf, dass Louis in seinem Haus genesen soll…

Schwule Lords und teemufflige Franzosen

Ganz nach dem Motto “Was sich neckt das liebt sich” sticheln Louis und Alice nun tagein tagaus gegeneinander, werfen sich die Fehler von früher vor und werden – wie man von Anfang an richtig vermutet – schliesslich die alten Gefühle für einander wieder entdecken. Das klingt absehbar und langweilig, doch die Geschichte wird durch zahlreiche absurde Zwischenszenen immer wieder ins Groteske gezogen. Der Humor baut auf alten Klischees über England und Frankreich auf; im Tea Room trägt der Kellner eine ganze Liste möglicher Teesorten vor, worauf Louis provokativ Kaffee bestellt, in einem Schwulenclub treiben sich andererseits Englische Lords herum. Ebenfalls Highlights sind Nebenfiguren wie der Butler, welcher Lord Gaylord immer korrigiert, wenn dieser Bonmots von Wilde oder Dickens als seine eigenen verkauft. So wird die eher seichte Romanze immer wieder zu einer cleveren Komödie. Auch die Hauptdarsteller vermögen die Story aufzuwerten, besonders Jean Rochefort, dessen Charme und Kavalierslächeln so  überzeugend ist, dass man nicht versteht, warum ihm Alice nicht schon früher wieder verfällt. Alles in allem kein Meisterwerk, aber gute Unterhaltung mit einigen höchst komischen Szenen und gewitzten Dialogen.

Ausstattung

Das Bonusmaterial beschränkt sich auf ein halbstündiges, aber gut gemachtes und kurzweiliges ‘Making of’, welches Jean Rochefort  und Charlotte Rampling sowie Regisseur Antoines de Caunes zu genüge zu Wort kommen lässt.


Seit dem 18. September 2008 im Handel.

Originaltitel: Desaccord Parfait (Frankreich, England 2006)            
Regie: Antoine de Caunes
Darsteller: Jean Rochefort, Charlotte Rampling
Genre: Komödie, Romanze
Dauer: 89 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch, Französisch/Englisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Making of, Trailer
Vertrieb: Warner

Im Netz
Französischer Trailer
Deutscher Trailer

Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.