“Krabat” von Marco Kreuzpainter

Das Müllern und das andere

“Krabat” von Marco Kreuzpainter

krabat 1

Marco Kreuzpaintner (“Sommersturm”, “Trade”) gilt nicht umsonst als einer der viel versprechenden jungen deutschen Regisseure. Mit “Krabat” verfilmte er einen Jugendbuchklassiker eindrücklich und bewies, dass er trotz grossen Erwartungen, einem grossen Budget und einer grossen Geschichte grossartige Filme machen kann.

Von Sandra Despont.

Seit “Krabat” 1971 erschienen ist, hat es Generationen von Kindern und Jugendlichen in seinen Bann gezogen. Der arme, verzweifelte Junge Krabat, dem unverhofft ein Leben als mächtiger Zauberer angeboten wird, ist die perfekte Identifikationsfigur. Das Leben auf der Mühle mit den zwölf Burschen und dem charismatischen Meister bietet Gelegenheit zur Erzählung vieler Abenteuer und lustiger Episoden. Und schliesslich ist “Krabat” mehr als eine unterhaltsame Geschichte für Jugendliche. “Krabat” erzählt von einem Überlebenskampf, von Kälte, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit. Von dem Wunsch, anders zu sein, jemand Besonderes. Jemand, der Macht hat. Und “Krabat” erzählt schliesslich von dem Preis, den man für diese Macht zahlen muss und von der Möglichkeit, einer Versuchung zu widerstehen.

Alles auf dieser Welt hat seinen Preis
Mit zwei Freunden zieht Krabat als Bettler durchs Land. Es ist 1646, der Dreissigjährige Krieg wütet, die Pest, an der auch Krabats Mutter gestorben ist, rafft ganze Dörfer dahin. Eines Nachts hört Krabat im Traum eine Stimme, die ihn zu der Mühle im Koselbruch ruft. Er folgt ihr und findet so seinen Meister, der ihm das Müllern lernen wird – und auch das andere. Krabat lebt sich schnell auf der Mühle ein und lernt die anderen elf Gesellen kennen. Trotz der harten Arbeit gefällt es ihm. Genügend zu Essen spricht in einer Zeit der Not für sich und im Altgesellen Tonda findet er einen loyalen Freund. Erst langsam merkt Krabat, was es mit der Mühle auf sich hat. Sie ist ein Hort der schwarzen Magie, die der Meister den Gesellen beibringt. Krabat ist fasziniert. Doch bald begreift er, dass das Streben nach Macht durch die schwarzen Künste nicht nur verlockend ist, sondern auch seinen Preis fordert. Und dieser Preis ist hoch.

Der Glücksgriff

Je wichtiger, je komplexer, je bedeutender eine Geschichte, desto gefährlicher ist es in der Regel, dieser Geschichte mit einer Verfilmung gerecht werden zu wollen. Übergibt man die Aufgabe Hollywood, darf man mit unterhaltsamer Verflachung rechnen, lässt man Macher von Independentfilmen ran, muss man damit rechnen, dass aus dem Film schwerverdauliche, dafür überaus tiefgründige Langeweile entsteht. Einem Buch wie “Krabat” wünscht man weder das eine noch das andere. Und tatsächlich: Marco Kreuzpaintner, der mit “Sommersturm” bewiesen hat, dass er seine Charaktere sorgfältig und ernst zeichnen kann, ohne Humor und Unterhaltung ausser Acht zu lassen, der ernste Themen vorsichtig und glaubwürdig anpackt, ohne in sentimentalen Kitsch oder lächerliche Moralisierungen abzudriften, erweist sich als Glücksgriff für die Verfilmung von “Krabat”.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Das für eine deutsche Produktion relativ hohe Budget hat Kreuzpaintner offensichtlich nicht dazu verleitet, nächtelang von grossen Explosionen und anderen Aufsehen erregenden Special Effects zu träumen. Aber er hat auch ohne Bescheidenheit die Möglichkeiten genutzt, die ihm durch das Budget zur Verfügung standen. So ist aus Krabat ein in allen Bereichen professionell wirkender Film geworden, der durch eine stringente visuelle Ästhetik ebenso besticht wie durch die tadellose Dramaturgie und die durchgehend ernst zu nehmenden Schauspieler. Man merkt, mit welcher Sorgfalt und Umsicht das Setting gewählt, die Kostüme ausgesucht und die Charaktere der einzelnen Müllersgesellen konstruiert wurden. Trotzdem ist aus “Krabat” keine bemühte und bemühende abgründige Literaturverfilmung geworden, sondern ein unterhaltsamer, spannungsreicher Film, der aber, und erst das macht ihn zu einem wahrlich beeindruckenden, Werk, einen bleibenden Eindruck hinterlässt, genau wie die Buchvorlage seine Tiefen hat und nicht alle seine Geheimnisse preisgibt.


Ab dem 30. Oktober 2008 im Kino.

Originaltitel: Krabat (Deutschland 2008)            
Regie: Marco Kreuzpaintner
Darsteller: David Kross, Daniel Brühl, Christian Redl, Robert Stadlober, Paula Kalenberg, Hanno Koffler, Anna Thalbach
Genre: Drama, Fantasy, Literaturverfilmung
Dauer: 120 Minuten
CH-Verleih: Filmcoopi

Im Netz
Trailer
Informationen zum Film

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.