“Qué tan lejos“ von Tania Hermida

Unterwegs mit Tristesse und Hoffnung

“Qué tan lejos“ von Tania Hermida

que tan lejos 1

Beim Regiedebut Tania Hermidas steht Ecuador mit  seinen weiten und verlassenen Landschaften im Mittelpunkt.  Es geht um das Unterwegssein und um menschliche Begegnungen. “Que tan lejos” (Wie weit noch) ist ein zum Reisen anregender Film. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Von Garabet Gül

Esperanza, extrovertierte Frohnatur, wohnt in Barcelona und arbeitet in einem Reisebüro. Jedes Jahr unternimmt sie zusammen mit ihrer Videokamera eine längere Reise. Diesmal verschlägt es sie nach Ecuador, von der Hauptstadt Quito aus möchte sie in den Süden nach Cuenca weiterreisen. Trizteza (eigentlich Teresa) ist das introvertierte, nachdenkliche Gegenstück zu Esperanza. Sie studiert Literatur in Quito und möchte auch nach Cuenca, um dort eine Reisebekanntschaft daran zu hindern, jemand anderen als sie zu heiraten. Das Drehbuch will es so, dass die beiden jungen Frauen im Bus nebeneinander sitzen. Wegen einem Streik kommen sie jedoch nicht weit und müssen ihre Reise per Anhalter weiterführen. Die Annäherung und das Abenteuer können beginnen.

© Studi / Produzent
© Studi / Produzent

Unterwegs lernen die beiden den Schauspieler Jesus (eine herrliche Figur) und den nicht an Testosteronmangel leidenden Andrés kennen, auch sie beide wollen nach Cuenca. Jesus  trägt die Asche seiner Grossmutter bei sich und muss diese rechtzeitig zur Todeszeremonie bringen, Andrés ist auf dem Weg zur Hochzeit seines besten Freundes. Jesus und die Überreste seiner Grossmutter kommen nie am Zielort an. Die zwei Frauen treffen zwar ein in Cuenca, doch irgendwie sind sie nicht mehr die gleichen Personen wie vor der Reise. Und der unbekümmerte Andrés feiert ausgiebig die Hochzeit seines Freundes.

Romantische Gefühle und schöne Bilder

Die Regisseurin Tania Hermida wünscht sich, dass sich das Publikum bei ihrem Film vor allem an die humorvolle Seite erinnert und an die persönliche Handschrift, die er durch das Ausloten neuer Erzählformen trage. An die diskreten humorvollen Seiten, die vor allem durch den Charakter von Jesus geprägt sind,  wird man sich gerne erinnern. Eine persönliche Handschrift hingegen ist nicht wirklich zu erkennen. Vielleicht am ehesten noch dort, wo die Biographien der Hauptfiguren bei ihren ersten Auftritten durch eine Stimme aus dem Off dem Zuschauer mitgeteilt werden. Die Schilderungen sind derart detailliert, dass man sogar erfährt, wann die beiden Frauen ihre ersten Blutungen und die Herren ihre ersten Ejakulationen hatten. Eine eigenartige Einführung in die Geschichte der Protagonisten.

Einige Besucher dürften nach “Que tan lejos” das Kino mit romantischen Gefühlen und schönen Bildern im Kopf verlassen und für die  nächsten Ferien vielleicht einen Flug nach Quito buchen. Filme, in denen Menschen mehrheitlich unterwegs sind, wecken nicht selten die Sehnsucht nach der Ferne und dem Fremden. Vielleicht möchte man direkt vom Kino zum Flughafen fahren und den monotonen Wohlstandsalltag hinter sich lassen. Oder man sitzt nach diesem so genannten Road-Movie bei einem Glas Rotwein oder Bier zusammen, tauscht eigene Reiseerlebnisse aus, sinniert über die Unabhängigkeit des Unterwegsseins und gibt sich einer melancholischen Nostalgie hin.


Ab dem 20. November Oktober im Kino.

Originaltitel: Qué tan lejos (Ecuador 2007)
Regie:  Tania Hermida
Darsteller: Cecilia Vallejo, Tania Martinez, Pancho Aguirre, Fausto Mino
Genre: Road-Movie
Dauer: 92min
CH-Verleih: Trigon Films

Im Netz
Trailer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.