“Shine a Light” von Martin Scorsese

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

“Shine a Light” von Martin Scorsese

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Was passiert wenn einer der bekanntesten Regisseure unserer Tage sich mit einer der bekanntesten Bands unserer Tag zusammen tut, um ein oder zwei Konzerte dieser Band auf Zelluloid zu bannen? Ja, dann wird mächtig gehypt und gehypert. Fans erwarten einen Meilenstein, eine Offenbarung, ein Film, der alles über die Band sagt – und doch schlussendlich ist “Shine a Light”, das Werk das Scorsese mit den Stones vereint, nicht mehr als ein Konzertmitschnitt. Allerdings ein verdammt gut gefilmter Konzertmitschnitt.

Von Alexander Sigrist.

Wenn eine Band seit 1962, praktisch immer erfolgreich, im Geschäft ist, dabei über 30 Alben veröffentlicht hat, von tausenden von Fans stets verehrt und vergöttert wird und sogar als Vorlage für Schauspieler dient (Gruss an Keith Richards von Jack Sparrow), dann darf diese Band ruhig mal etwas grössenwahnsinnig werden. Und wenn da gleich auch noch ein Regisseur, der als einer der besten seines Fachs gilt, im Kollegenkreis rumhängt, dann ist dem Grössenwahn keine Schranken mehr geboten.

Auch wenn der Rahmen an sich ein kleiner ist: gefilmt wurde im herzigen Beacon Theater in New York, eine Performance die bühnentechnisch bedingt nah am Publikum ist und dadurch einen ganz eigenen Charme besitzt. Alles andere jedoch ist gross, grösser: 20 Songs, Besuch von Bill Clinton und Anhängsel (nein, nicht Monika), Gastauftritte von Christina Aguilera, Buddy Guy und Jack White, 15 Kameraleute, 15 schweinisch teure, digitale Kameras, die andere Bands noch nicht einmal zu Gesicht bekommen. Teuer, gross, laut. Genial? Bedingt.

Wer einen derartigen Grössenwahn beschwört, muss nämlich damit rechnen, dass auch das Publikum in Wahn verfällt. Eine Offenbarung wurde da von Scorsese erwartet, das ultimative Werk zu den Stones, ein Meilenstein, der in die Geschichte des Films eingehen würde. Dies alles ist “Shine a Light” natürlich nicht, kann es gar nicht sein. Entsprechend verhalten waren die Reaktionen. Goutierend, ja, aber verhalten.

Anfängliche Nervosität

Einzig allein der Beginn des Films mag vielleicht in diese Richtung gehen: hier wird gezeigt, wie sich die Stones und Scorsese auf den Gig vorbereiten. Nervös sind sie, die Mannen. Von professioneller, in 40 Jahren antrainierter Coolness ist hier nicht viel zu sehen. Dieser Beginn ist grieselig, in schwarzweiss, es ist ein intimer, überraschender Beginn, der dann auch am meisten in Erinnerung bleibt. Hier ist Scorsese wirklich auf Meilenstein-Kurs. Kann ihn aber nicht halten. Dafür ist ein Konzertmitschnitt ja auch wirklich nicht da.

Der Rest des Films beschäftigt sich dann also praktisch gänzlich mit eben diesem Konzertmitschnitt vom 31. Oktober und 1. November im Beacon Theater in New York. Nur hin und wieder durchbricht Scorsese diesen Mitschnitt und zeigt Szenen aus der Geschichte der Band oder alte Interviews – dies aber zu selten, zu wenig hinterfragend oder nachdenklich um aus seinem Werk ein rührendes, ein intimes zu machen, wie es in den ersten zehn Minuten ist.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Was jedoch gar nicht heissen will, “Shine a Light” wäre schlecht – sicherlich nicht. Es sind vor allem zwei Dinge, die den eigentlichen Konzertmitschnitt aus dem Gros der Masse hinausheben. Einerseits sind es die Stones, die sich in bester Musizierlaune geben, andererseits ist es Scorseses Arbeit: das Ding ist gut geschnitten und von der Bildqualität her möchte man meinen, man sitze in einem Spielfilm. Von der Verwaschenheit, Körnigkeit, Wackelheit anderer Musik-DVDs ist hier überhaupt nichts zu sehen. Und langweilig wird das ganz sicherlich, zumindest für Fans, nie. Zu keinem einzigen Zeitpunkt.

“Shine a Light” ist also vielleicht der ultimative Stones-Film für den Fan: er kriegt ein energetisches Konzert geboten, dessen optische und technische Brillanz seinesgleichen sucht. Inhaltlich jedoch wird nicht viel neues geboten: der Beginn, ja, der ist neu, alles andere ist bekannt – aber eben halt nicht in dieser Qualität. Für Fans gibt es also keine Ausrede auf dieser Welt, sich diesen Film nicht zu kaufen.

Ausstattung

Nicht viel, aber durchaus schmackhaft: es gibt eine kurze Featurette zum Film, vier Musikvideos, eine Hörfilmfassung für Sehbehinderte und Trailer.


Seit dem 2. Oktober 2008 im Handel.

Originaltitel: Shine a Light (USA 208?)            
Regie: Martin Scorsese
Darsteller: The Rolling Stones
Genre: Musik-Doku
Dauer: 120 Minuten
Bildformat: 1,78:1 (16:9 anamorph)
Sprachen: Englisch
Untertitel: Deutsch, Französisch, Italienisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Featurette, 4 Musikvideos, Hörfilmfassung, Trailer
Vertrieb: Impuls

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Offizielle englische Seite

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