“Cassandra’s Dream” von Woody Allen

Zweimal Schuld und einmal Sühne

“Cassandra’s Dream” von Woody Allen

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Ein Mord, das Glück zu bewahren – diese Idee entlarvte Woody Allen bereits in seinem Meisterwerk “Match Point” als Wunschdenken. “Cassandra’s Dream” nimmt die Frage nach Schuld und Sühne nochmals auf, ebenfalls an Dostojewski angelehnt aber diesmal in der Arbeiterklasse spielend. Die Intensität und den genialen Schluss von “Match Point” erreicht der Film allerdings nicht.

Von Lukas Hunziker.

Mit Cassandra’s Dream, einem kleinen Segelboot, erfüllen sich die beiden Brüder Terry (Colin Farrell) und Ian (Ewan McGregor) einen Jugendtraum. Leisten können sich die beiden das Boot wegen Terrys Glückssträhne bei Hunderennenwetten. Die Brüder kommen aus einer einfachen Familie, welche ein Restaurant dank der finanziellen Unterstützung eines reichen Onkels gut über Wasser hält. Terry ist Automechaniker, Ian macht Pläne, um ins Immobiliengeschäft einzusteigen, wo er das grosse Geld machen will. Doch Ian und Terry geraten in arge Geldnöte, als Ian die junge Schauspielerin Angela kennen lernt, und sich als Geschäftsmann ausgibt, und Terry bei einem fatalen Pokerspiel 90’000 Pfund verliert. Beide hoffen auf Hilfe vom reichen Onkel, dieser jedoch will den beiden nur helfen, wenn sie für ihn einen kleinen Gefallen erledigen: einen Mord.

Die Angst davor, die Angst danach

Während Terry entsetzt ist über den vorgeschlagenen Handel, überwindet Ian seine Skrupel schnell. Angela ist nicht leicht zufrieden zu stellen und seine Zukunftspläne mit ihr will er um nichts in der Welt aufgeben. Als schliesslich auch Terry einwilligt, beginnen die beiden, den Mord zu planen – was einfacher scheint, als es ist. Die Geister der einst unzertrennlichen Brüder scheiden sich an der Frage, ob der Mord irgendwie moralisch vertretbar ist.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

“Cassandra’s Dream” ist weniger Thriller und viel mehr Psychodrama. Allen geht es, wie schon in “Match Point”, um das Gefühlschaos im Kopf eines Mörders – vor und nach der Tat. Die literarische Vorlage liefert Dostojewskis “Schuld und Sühne”, in welcher der Student Raskolnikow versucht, über den Mord, welchen er aus finanziellen Nöten begannen hat, hinwegzukommen. “Cassandra’s Dream” variiert das Thema, indem er den reuigen einem skrupellosen Bruder einander gegenüber stellt. Colin Farrell und Ewan McGregor funktionieren in diesen Rollen wunderbar – und doch erreicht die Geschichte trotz ihrer spannenden Momente die Intensität von “Match Point” nur selten. Wirklich schade ist aber vor allem, dass der Schluss, gerade im Vergleich, schlicht enttäuscht.

Doch auch wenn “Cassandra’s Dream” die Erwartungen nicht erfüllt, die man an Woody Allen inzwischen stellen darf, überzeugt er doch als cleverer und spannender Film, der interessantere Fragen stellt als so mancher anderer Thriller.

Ausstattung

Die DVD kommt leider ohne Bonusmaterial daher. Bei Woody Allen allerdings nichts Neues.


Ab dem 4. Dezember 2008 im Handel.

Originaltitel: Cassandra’s Dream (Grossbritannien, USA 2007)            
Regie: Woody Allen
Darsteller: Ewan McGregor, Colin Farrell, Sally Hawkins, Tom Wilkinson
Genre: Thriller, Psychodrama
Dauer: 104 Minuten
Sprachen: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 3.0
Bonusmaterial: –
Vertrieb: Max Vision

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Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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