“Get Smart” von Peter Segal

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“Get Smart” von Peter Segal

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Es war einmal vor einer langen, langen Zeit, da waren Filmparodien ein grosses, lustiges Genre: Filme wie “Die nackte Kanone” und “Hot Shots” oder “Spaceballs” brachten die Leute zum Lachen. Dann kam “Scary Movie” und hob Parodien auf eine andere Ebene: ab nun ging es nur noch darum möglichst viele Furz- und Kotz- und andere-Körperflüssigkeiten-Witze in einem Film zu versammeln wie möglich. Doch oha, da kommt “Get Smart” – eine Parodie der fast ganz alten Schule.

Von Alexander Sigrist

Maxwell Smart ist Innenagent bei dem Geheimdienst Control, der im steten Kampf gegen das Verbrechersyndikat Kaos steht. Sein Traum: endlich Aussenagent zu werden, wie sein grosses Vorbild Agent 23. Und dieser Traum scheint sich zu erfüllen, als Kaos mit einem Schlag gegen die Zentrale von Control und einem Datenraub fast alle Control-Agenten enttarnen kann. Smart muss also mit der schönen Agentin 99 ran – und tritt dabei natürlich von einem Fettnäpfchen ins nächste.

Gute, parodistische Komödien sind ja in letzter Zeit allzu rar geworden. Viel eher fluten die Filmemacher unsere Kinos mit sogenannten “– Movies”, also etwa “Superhero Movie” oder “Fantastic Movie” und so weiter, welche jeweils ein Genre ins Visier nehmen, dabei aber immer wieder die gleichen, niveaulosen Witze auf die Leinwand bringen: da werden Fäkalien verspeist, mit Hoden rumgewackelt, gefurzt und gerülpst und andere Körperflüssigkeiten dazu verwendet, Ekelwitze zu machen. Das ist billig, das ist blöd, hat aber leider seine Zielgruppe und scheint immer noch Geld zu machen.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Um so erfrischender ist es für alle, die nicht zu dieser Zielgruppe gehören, wenn endlich wieder einmal eine Parodie kommt, die auf klassischere Witze setzt, ja bei Zeiten sogar einen Wortwitz macht. Und genau das will “Get Smart” sein: eine beschwingte Agenten-Parodie, die dann und wann gekonnt mal eine bekannte Filmszene aufs Korn nimmt, hier und da einen tollen Wortwitz macht, ein wenig Slapstick präsentiert, aber nebenher auch eine Geschichte erzählt.

Und diese Prämisse erfüllt “Get Smart” meistens auch: dank dem erfahrenen Händchen von Regisseur Peter Segal hat der Film ein ordentliches Timing (unabdingbar für eine Komödie) und viele der Gags zünden, wann sie sollen. Zweiter Faktor warum der Witz des Films meist funktioniert ist natürlich Schauspieler Steve Carell, der mit seiner leicht melancholisch angehauchten und trotzdem urkomischen Interpretation des trotteligen Agenten den Film fast alleine trägt. Dabei ist “Get Smart” jedoch nie ein Brüller: man schmunzelt zwar andauernd, lacht auch mal, aber auf die Schenkel klopfen muss man sich nie.

Keine klassische Parodie. Aber fast

“Get Smart” ist jedoch nicht ganz die klassische Parodie, die Anfangs erwähnt wurde: hier wird nicht geblödelt wie bei “Die nackte Kanone”: der Film nimmt sich durchaus mal ernst und versucht auch, eine richtige Agentenstory zu erzählen. Das ist zwar einerseits gut, denn man schaut Steve Carell eh lieber zu, wenn er redet, als wenn er rumblödelt, jedoch scheint es dem Film auch manchmal schwer zu fallen, das richtige Mass zwischen comichafter Blödelei und realistischeren Witzen zu finden. Zum Glück ist dies nur selten der Fall: nur ein paar Witze sind zu überzogen, meist herrschen gepflegte, ruhiger Gags vor.

Schade ist jedoch, dass die Story, auf welche sich der Film bei Zeiten konzentriert, arg dünn und vorhersehbar geraten ist. Dies kompensiert der Film durch ein ordentliches Mass an gut gemachter Action, welche “Get Smart” doch ein ordentliches Tempo verpasst.

“Get Smart” eine kleine, feine Perle, dank der Mischung aus schneller Action, witzigen Einfällen und guten Schauspielern. Wer also die alten, wirklich lustigen Parodien vermisst, muss zugreifen, auch wenn “Get Smart” nicht ganz so parodistisch daherkommt, wie frühere Filme. Trotzdem: Es lohnt sich.

Ausstattung

Es gibt nicht viel, dafür Lustiges: zum einen gibt es gelöschte Szenen, auf die man während es Films zugreifen kann, zum anderen gibt es Outtakes und Steve Carell, der mit seinen nicht vorhandenen Sprachkenntnissen angibt (genial!).


Seit dem 12. November 2008 im Handel.

Originaltitel: Get Smart (USA 2008)            
Regie: Peter Segal
Darsteller: Dwayne Johnson, Steve Carell, Anne Hathaway, Alan Arkin
Genre: Komödie
Dauer: 105 Minuten
Bildformat: 1.85:1 (16:9 anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Gelöschte Szenen, Outtakes, Sprachunterricht
Vertrieb: Warner

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Offizielle Seite

Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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