“Paris, Paris” von Christophe Barratier

Filmgenuss mit Zuckerguss

“Paris, Paris” von Christophe Barratier

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Nach “Die Kinder des Monsieur Mathieu” bringt Regisseur Barratier nun wieder ein charmantes Fast-Märchen mit Gérard Jugnot in die Kinos. “Paris, Paris” vereint Geschichte und eine Liebesgeschichte, Chansons und harte Arbeit, Drama und Kitsch. All das mit einer Extraportion Zuckerguss.

Von Annika Janssen.

Wir schreiben das Jahr 1936, wir befinden uns in Paris. Das ehemals erfolgreiche Musiktheater “Chansonia” ist insolvent und wurde geschlossen, sein hochverschuldeter Besitzer hat sich erschossen. Die Belegschaft aber will ihr geliebtes Theater nicht sang- und klanglos aufgeben und kämpft um die Neueröffnung. Allen voran geht dabei der nunmehr arbeitslose und frisch getrennte Bühnenarbeiter Monsieur Pigoil, der sich nur mit einem festen Einkommen Chancen auf das Sorgerecht für seinen Sohn Jojo ausrechnen kann. Ein Geldgeber ist glücklicherweise bald gefunden und mit der Sängerin Douce holt sich die “Chansonia”-Wiederbelebungstruppe einen zukünftigen Star ins Haus. Aber nach einem zunächst erfolgreichen Neustart muss das “Chansonia” bald doch wieder seine Pforten schließen. Pigoil und Freunde sind verzweifelt, geben aber so schnell nicht auf und feilen trotz zwischenmenschlicher Dramen und allerlei Hindernissen weiter an der spektakulärsten Show für Paris.

Wie ein guter Roman

Die Geschichte von “Paris, Paris” ähnelt einem guten Unterhaltungsroman; von allem ist etwas dabei: Liebe, Action, Spannung, Trauer, Glück, Hass und dazu mehrere kleine Geschichten, die alle durch den roten Faden des “Chansonia”-Neuaufbaus verknüpft sind. Da ist Monsieur Pigoil, ein verzweifelt liebender Vater, der seinen Sohn nicht sehen darf. Da ist Jojo, der seinen Vater vermisst und bereit ist, sich aufopfernd um ihn zu kümmern. Da ist die Sängerin Douce, die sich nach großen Bühnen sehnt und in die Fußstapfen ihrer Mutter, einer bekannten Chanson-Sängerin tritt. Außerdem gibt es den dubiosen Geldspender, den sozialistischen Klassenkämpfer und einige weitere Nebenfiguren, alle mit eigenen Hoffnungen und interessanten Geschichten. Alles findet statt im Paris der 30er Jahre und so wird nebenbei noch ein wenig Geschichte gezeigt, zum Beispiel die Arbeiterstreiks in den Fabriken und erste Gewerkschaftsgründungen.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Der Film zeigt aber nicht nur große Gefühle und eine abwechslungsreiche Handlung mit Happy End, sondern bietet mit eigens komponierten Chansons auch einen optimalen Soundtrack und erinnert mit seinen musikalischen Darstellungen, die in den Film eingebettet wurden, manchmal an “8 Frauen” oder auch “Moulin Rouge”. Die Darsteller sind durchweg überzeugend; Clovis Cornillac als Milou und Maxence Perrin als Jojo stehlen der Hauptfigur Monsieur Pigoit teilweise die Show. Bei all dem Bombast bleibt nicht aus, dass der Film manchmal in den Kitsch abdriftet und die Story nicht nur entfernt an ein modernes Märchen erinnert.

Wärmendes Weihnachtskino

“Paris, Paris” ist wunderbares, berührendes Unterhaltungskino; pünktlich zu Weihnachten auch mit einer Extraportion Herzwärme und Zuckerguss. Die richtige Mischung aus Fröhlichkeit und Melancholie gelingt den Franzosen mal wieder besonders gut und somit ist der Film über Monsieur Pigoils Weg zum Glück ein absolut unterhaltsames, wenn auch leicht kitschiges Kinomärchen geworden. Kann man gut gucken!


Seit dem 27. November 2008 im Kino.

Originaltitel: Faubourg 36  (Frankreich 2008)            
Regie: Christophe Barratier
Darsteller: Gérard Jugnot, Clovis Cornillac, Kad Mirad, Nora Arnezeder
Genre: Drama
Dauer: 120 Minuten
CH-Verleih: Pathé

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Trailer
Offizielle (deutsche) Seite zum Film

Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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